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Freitag, 20. April 2012

Rheumascan Xiralite


Was halte ich vom Rheumascan Xiralite? Herzlich wenig. Überall, wo bunte Bildchen herauskommen, die aus eigener Tasche teuer bezahlt werden müssen, bin ich kritisch. Die Methode ist jetzt in einer Vergleichsstudie vorgestellt worden. Der Nutzen für den Patienten bleibt aber unklar.

In der Frühdiagnostik sind bereits Ultraschall, Kernspintomografie und auch Szintigrafie verfügbar. Warum ein weiteres Verfahren. Zunächst benötige ich zur Diagnose Anamnese und Untersuchungsbefund. Ich ergänze dies durch Laboruntersuchungen. Erst, wenn ich dann noch keine Diagnose stellen kann, benötige ich weitere Verfahren. Als nächstes Verfahren setze ich den Ultraschall ein. Führt dies immer noch nicht zur Diagnose, ist das nächste Verfahren die Kernspintomografie. Kaum notwendig ist die Szintigrafie. Wozu könnte nun Xiralite dienen? Vielleicht, weil Ultraschall zeitaufwendig ist und Kernspintomografien geräteaufwendig sind. Da könnte sich durchaus ein Vorteil ergeben. Xiralite benötigt wie Szintigrafie und Kernspintomografie mit Kontrastmittel eine Injektion (Farbstoff). Allerdings untersucht man mit Xeralite ausschließlich die Hände – was ist mit Füßen, Hüft- und Knie-, Ellenbogen- und Schultergelenken? Ein Patient beschrieb es so: „Das ist ja wie im Nagelstudio!“
Aber wie häufig könnte ich das Verfahren benötigen, zwei- oder dreimal im Jahr? Und benötige ich es zur Verlaufskontrolle? Nein. Dafür benötige ich langfristig, ca. einmal alle zwei Jahre konventionelle Röntgenaufnahmen, und natürlich die regelmäßige rheumatologische Untersuchung. Für drei Patienten in der Diagnostik pro Jahr lohnt die Anschaffung nicht. D.h. das Gerät würde überflüssigerweise eingesetzt. Aktuell werden in Foren € 133 als Kosten angegeben, die für eine solche Untersuchung vom Patienten zu zahlen und bei der Gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht erstattungsfähig sind. (BienchenSumm am 30.03.2012, 20:02 - http://www.rheuma-online.de/forum/threads/50304-Xiralite-Rheumascan ). Deshalb halte ich herzlich wenig vom Rheumascan Xiralite.

So sehen die bunten Bildchen aus:
http://www.google.de/imgres?um=1&hl=de&tbm=isch&tbnid=1_WdBdvPJli2ZM:&imgrefurl=http://www.meindfp.at/dynasite.cfm%3Fdsmid%3D111615%26dspaid%3D969557&docid=rtcXyCXWn-YCLM&imgurl=http://www.meindfp.at/mm/mm003/Fluoreszenz.550.gif&w=550&h=395&ei=Z_iQT5v0Aeah0QXa0cHqAQ&zoom=1&iact=hc&vpx=810&vpy=103&dur=109&hovh=190&hovw=265&tx=176&ty=105&sig=111244820799203899031&page=1&tbnh=125&tbnw=174&start=0&ndsp=16&ved=1t:429,r:15,s:0,i:101&biw=1120&bih=627
 20.04.2012

Einige Ergänzungen:
Das Gerät wird geleast und die erbrachte Leistung rechnet der Arzt als IGEL-Leistung mit dem Patienten ab. Das Verfahren wurde bereits vor wissenschaftlichen Untersuchungen bei Rheumapatienten eingesetzt.
Röntgen und Doppler-Sonografie geben Auskunft über Morphologie und Funktion. Das kann das Rheumascan-Verfahren nicht leisten.
Das Verfahren scheint anfällig für Artefakte zu sein.
Unklar ist, ob es sicher zwischen aktivierter Arthrose und rheumatoider Arthritis differenzieren kann. Hier bei uns forderte bereits eine Patientin mit Polyarthrose eine Therapie für Rheumatoide Arthritis ein, denn "im Rheumascan sieht man aber entzündliche Veränderungen".
Patienten werden sich für das Verfahren entscheiden, da es bunte Bildchen produziert und schnell angewendet wird. Der Arzt wird sich dafür entscheiden, da es von der MTA/Arzthelferin durchgeführt wird und er es außerhalb von Budgets abrechnen kann.
Unklar bleibt, ob dem Kontrastmittel Indocyaningrün Jod beigefügt ist, denn es wird in den Flyern darauf hingewiesen: "Patienten mit einer Allergie auf Indocyaningrün oder Jod-haltige Kontrastmittel dürfen nicht untersucht werden."

Eine weitere, notwendige Ergänzung:


Unter „RheumaScan – Neue Methode zur Früherkennung von Handarthrose“ [Link: http://www.handarthrose.de/blog/therapie/rheumascan-neue-methode-zur-frueherkennung-von-handarthrose_138.html ] finden sich abenteuerlich Behauptungen. Sicherlich wohl gemeint, aber dennoch falsch. Der Text wurde im September 2010 verfasst, aber Google weist immer noch auf dieser Text hin. Der Rheumascan wird selbst vom Hersteller nicht als eine neue Methode zur Früherkennung von Handarthrose gepriesen, sondern man will Arthritis im Bereich der Hände erkennen. Die Untersuchungen mit dem Ultraschall sind nicht nur verlässlich, sondern gibt auch Auskunft über die Morphologie. Es wird auch nicht die Durchblutung der Gelenke gemessen, sondern die Durchblutung insgesamt. „Auch den Verlauf der Erkrankung kann man auf diese Weise besser beurteilen, Therapieerfolge lassen sich überprüfen, ebenso wie das Voranschreiten der Erkrankung.“ – das ist nicht beforscht worden; die Methode will das leisten, ist aber vom Beweis noch Jahre entfernt. Insbesondere: wie will die Methode knöcherne Veränderungen oder dann noch ihren Verlauf nachweisen? „Der RheumaScan wird bei all jenen Patienten eingesetzt, bei denen ein Verdacht auf rheumatische Arthritis besteht ...“ – nein, der Rheumascan wird dort eingesetzt, wo ein Patient bereit ist, für eine ungenügend beforschte Methode sein Geld herzugeben.
30.04.2012

Eine weitere Ergänzung
Heute fand ich den folgenden Text auf Google:
Rheumascan - rheuma-online
www.rheuma-online.de/tv/list?tag=RheumascanIm  25. Nov. 2011 – nachgefragt & nachgehakt - Was ist der Rheumascan? Wir haben bei Stephanie Werner aus Meerbusch zum Thema Rheumascan nachgefragt
Überspitzt heißt das: da hat der Vater (Betreiber der Seite) bei der Tochter "nachgefragt & nachgehakt". Warum eigentlich? Er ist doch Co-Autor des Posters, das im Hintergrund des Videos gezeigt wird. Da sage ich zu: Och nööh!
16.05.2012

"Insgesamt rate ich, wenn ich explizit gefragt werde, meinen Patienten derzeit" vom Rheumascan "mit der Begründung ab, dass diese" Methode "gegenwärtig noch nicht dem Standard genügt, den man heute unter dem Anspruch einer evidenzbasierten Medizin verlangt."
09.01.2013



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