Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.
30. KW
Friedrich Hölderlin: In lieblicher Bläue
Ich ging nicht aufs Hölderlin-Gymnasium, ich war am Herder-Gymnasium. Das hatten meine Eltern so entschieden und es war, wie ich früher schon mal bemerkte, eine sehr weise Entscheidung. Allerdings denke ich bei Hölderlin auch gerne an Helmut Kohl, der zu sagen pflegte: „In Hölderlin war ich gut.“ [1]
Der Text von „In lieblicher Bläue“ wurde von Wilhelm Waiblinger überliefert und als apokryph bezeichnet, vielleicht ist er ein den Gesängen zuzuordnen Prosatext [2]. Man kann ihn als Prosatext und als Gedicht (Flattersatz) gesetzt im Internet finden [3]. Wilhelm Waiblinger hatte Hölderlin zwischen 1822 und 1826 mehrfach besucht und Hölderlin wurde dabei auch künstlerisch wieder produktiv. Waiblingen schrieb ein Buch über Hölderlin [4].
Nur aus der Ferne betrachtet färbt die Sonne das Dach. In der Nähe hört man, wie das Dach unter der Sonne ächzt.
Bächlein
das Bächlein
Rollet
Durch
Die
Auen
Und
Landet
Im
Teich
So
Hat
Ein jedes
Ding
Seine BeStimmung
30. KW
Kommentar: Ulrich Koch
Nackt mit geschlossenen Augen
Ulrich Kochs Kommentar hat eine ÜberSchrift -: AlleinstellungMerkmal!
„apokryph“ -: was wäre hier zweifelhaft, verborgen oder nicht aus dem offiziellen Kanon entstammend? So dachte ich zunächst, mußte aber feststellen, daß der Text – wie viele andere auch im Werke Hölderlins – gar nicht so sicher ist. Auf der Seite DeutschesTextArchiv fand ich eine Ausgabe von Gedichten aus dem Jahr 1826 [5], aber ich hatte sonst zu Hölderlin Gedichtsammlungen oder eine Literatur-CD benutzt. Der Text im LYRIK-Taschenkalender 2013 ist also wie [3b]. Und schließlich konnte ich mich doch noch mit der Aussage „Dieser apokryphe Text ist ein großes Geschenk für mich“ anfreunden.
„Möcht' ich ein Komet seyn?“ -: Nein, eher das schöne Bächlein, denn das rollet so klar.
Eher die zerebrale Struktur des Nebels über dem ein Damokles-Schwert hängt. Der seidene Fahrten aber ist in Salzsäure getaucht.
„Es ist eine Zungenrede, in der unsichtbaren Kirche.“ -: oder eine stumme ZungenRede in der sichtbaren Kirche.
Blau
wer hat
Dem
RegenBogen
Und
Dem
Himmel
Das
Blau
GeNommen?
Der
Fuchs
Der
Fuchs
Nein, der
Stahl
Die Gans
Vielleicht wäre ein Zitat von Jóhann Jónsson angebrachter:
„Wo haben die Tage deines Lebens ihre Farbe verloren,
und die Gedichte, die durch dein Blut rauschten von Traum zu Traum, …“ [6]
Schweigen
ohne einen
Laut
ZerBricht
Eine
Schwarze
Krähe
Das Schweigen
Über
Dem Schnee
30. KW
Friedrich Hölderlin: In lieblicher Bläue
Ich ging nicht aufs Hölderlin-Gymnasium, ich war am Herder-Gymnasium. Das hatten meine Eltern so entschieden und es war, wie ich früher schon mal bemerkte, eine sehr weise Entscheidung. Allerdings denke ich bei Hölderlin auch gerne an Helmut Kohl, der zu sagen pflegte: „In Hölderlin war ich gut.“ [1]
Der Text von „In lieblicher Bläue“ wurde von Wilhelm Waiblinger überliefert und als apokryph bezeichnet, vielleicht ist er ein den Gesängen zuzuordnen Prosatext [2]. Man kann ihn als Prosatext und als Gedicht (Flattersatz) gesetzt im Internet finden [3]. Wilhelm Waiblinger hatte Hölderlin zwischen 1822 und 1826 mehrfach besucht und Hölderlin wurde dabei auch künstlerisch wieder produktiv. Waiblingen schrieb ein Buch über Hölderlin [4].
Nur aus der Ferne betrachtet färbt die Sonne das Dach. In der Nähe hört man, wie das Dach unter der Sonne ächzt.
Bächlein
das Bächlein
Rollet
Durch
Die
Auen
Und
Landet
Im
Teich
So
Hat
Ein jedes
Ding
Seine BeStimmung
30. KW
Kommentar: Ulrich Koch
Nackt mit geschlossenen Augen
Ulrich Kochs Kommentar hat eine ÜberSchrift -: AlleinstellungMerkmal!
„apokryph“ -: was wäre hier zweifelhaft, verborgen oder nicht aus dem offiziellen Kanon entstammend? So dachte ich zunächst, mußte aber feststellen, daß der Text – wie viele andere auch im Werke Hölderlins – gar nicht so sicher ist. Auf der Seite DeutschesTextArchiv fand ich eine Ausgabe von Gedichten aus dem Jahr 1826 [5], aber ich hatte sonst zu Hölderlin Gedichtsammlungen oder eine Literatur-CD benutzt. Der Text im LYRIK-Taschenkalender 2013 ist also wie [3b]. Und schließlich konnte ich mich doch noch mit der Aussage „Dieser apokryphe Text ist ein großes Geschenk für mich“ anfreunden.
„Möcht' ich ein Komet seyn?“ -: Nein, eher das schöne Bächlein, denn das rollet so klar.
Eher die zerebrale Struktur des Nebels über dem ein Damokles-Schwert hängt. Der seidene Fahrten aber ist in Salzsäure getaucht.
„Es ist eine Zungenrede, in der unsichtbaren Kirche.“ -: oder eine stumme ZungenRede in der sichtbaren Kirche.
Blau
wer hat
Dem
RegenBogen
Und
Dem
Himmel
Das
Blau
GeNommen?
Der
Fuchs
Der
Fuchs
Nein, der
Stahl
Die Gans
Vielleicht wäre ein Zitat von Jóhann Jónsson angebrachter:
„Wo haben die Tage deines Lebens ihre Farbe verloren,
und die Gedichte, die durch dein Blut rauschten von Traum zu Traum, …“ [6]
Schweigen
ohne einen
Laut
ZerBricht
Eine
Schwarze
Krähe
Das Schweigen
Über
Dem Schnee
Links und Anmerkungen:
[1] https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/deutsch-und-literatur/hoelderlin-friedrich-dichter-quiz-100.html
[2] https://anthrowiki.at/Friedrich_H%C3%B6lderlin und https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin
[3] Friedrich Hölderlin: In lieblicher Bläue – gesetzt als Prosatext [3a] und als Gedicht / im Flattersatz [3b].
[3a] https://www.signaturen-magazin.de/friedrich-hoelderlin--in-lieblicher-blaeue.html
[3b] https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Hoelderlin/hoe_0801.html
[4] Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn. 1827/28. Das Buch 2017 als Taschenbuch herausgegeben.
[5] https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/hoelderlin_gedichte_1826
[6] Aus: Jóhann Jónsson [6a]: Sehnsucht. In: Silja Aðalsteinsdóttir, Jón Bjarni Atlason und Björn Kozempel (Herausgeber): Isländische Lyrik. Insel Verlag, Berlin 2011. ISBN: 978-3-458-35754-4. S. 79.
[6a] Jóhann Jónsson (1896-1932)
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B3hann_J%C3%B3nsson
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