Wenn du mir auf der Gitarre
zwei Volksweisen zupfst,
werd' ich die ganze Nacht wachen,
damit niemand deinen Namen auslöscht.
Jorge Luis Borges [1]
zwei Volksweisen zupfst,
werd' ich die ganze Nacht wachen,
damit niemand deinen Namen auslöscht.
Jorge Luis Borges [1]
Weiße Birken
Die gedrungenen Birken
In der Tundra
Träumen nicht von Größe
Sie träumen
Vom SonnenSchein
Der auf ihren Blättern glänzt
Vom Wind
Der mit ihren Blättern raschelt
Vom Regen
Der von ihren Blättern tropft
Vom MondSchein
Der den Schorf weiß bedeckt
Die HeuWiese
der Wind
Wogt
In
Der
HeuWiese
Fängt
Sich
Wieder
In
Den
Fichten
Und raschelt
Weiter
In den Birken
Amsterdam
Du flüsterst am Rande der Gracht
Ein HausBoot schaukelt
Radler kommen und fahren wieder
Wie das Licht des Tages schwankt
Wie unsere Körper
Amstel
Kopje Koffie
Auch wenn die Nacht kommt
Ich rufe am Rande der Gracht
Ein Bötchen tuckert vorbei
Die Tauben und die Möwen
Schreien und Gurren
Ein Rad rutscht auf dem KopfSteinPflaster
Und wir stoßen zusammen
Lachen auf
Beerdigung
sie hatten
Die
Taschen
GeLeert
Denn
Das
Letzte
Kleid
Hat
Doch
Taschen
Nur leer
Sollten
Sie sein
Voll
Voll, nein
Voller
Lärm
Ist
Der
Raum
Ich
Sehe
Nicht
Die
Lärmenden
Aber
Die
Lüster
Den
Champagner
Und schließlich
Auch
Die Leute
FriedHof
der FriedHof
Mit
Den
VerWitterten
GrabSteinen
Endlich Friede
Endlich unter sich
Unten
Endlich unter sich
Genießen die
Toten
Die Ewigkeit
Où est la plume de ma tante ?
das leere
Vogel-
Haus
Mit
Der
Offenen
Tür
Aber
Selbst
Die
Katze
Rechnet nicht
Mit
Einer RückKehr [2]
Hitze
Mittags ist der Tag einGeschlafen
Und döst vor sich hin
Die HeuBallen liegen
In der brütenden Hitze
Und warten geDuldig
Auf ihren Transport
Im Schatten taucht die Frage auf:
Was brütet so geDuldig?
Farben
Laß dich vom ruhigen Blau des Himmels
In die Höhe heben
Und sieh das gleißende Licht
Das aus der Dunkelheit
In Myriaden von Farben zerFließt
Jede der BeGinn einer eigenen Welt
Und jede nur ein MosaikSteinchen
Siehe und höre die Stimmen am blauen UrGrund
GeFangen
in GeDanken
BeTrittst
Du
Die
Zelle
Die
Du
Niemals
Mehr
Verläßt
Denn
In
GeDanken
Sind wir am
UnErbittlichsten
GeFangenen
Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Jorge Luis Borges [1a]: Kinderlieder V. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 169. Übersetzung von H.L. Davi.
[1a] Jorge Luis Borges (1899-1986) war ein argentinischer Schriftsteller und Bibliothekar.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Luis_Borges
[2] Als Antwort auf: John Ashbury [2a]: Le livre est sur la table. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Atlas der neuen Poesie. Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg 1995. ISBN: 3498063065. S. 317.
[2a] John Ashbery (1927-2017) war ein US-amerikanischer Dichter und Pulitzer-Preisträger.
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Ashbery
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