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Thursday, October 23, 2025

Ernährung bei Rheumatoider Arthritis


Eure Nahrung sei Eure Medizin und Eure Medizin sei Eure Nahrung.
Hippokrates

Ich habe hier auf dem Blog häufiger über „Rheuma und Ernährung“ geschrieben und auch Vorträge dazu gehalten [1], aber in den letzten Jahren habe ich es beim Lesen von Studien belassen und nicht darüber geschrieben; ich hatte allerdings über Diäten, Ernährung und Kochexperimente berichtet. Jetzt aber las ich einerseits Studien, die auf dem letzten EULAR Kongress in Barcelona [2] diskutiert worden sind, und andererseits einen Übersichtsartikel von Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel [3], was mich dazu motivierte, einmal wieder über das Thema zu schreiben.

Ernährung ist in der Medizin und besonders in der Rheumatologie ein Reizthema. Wie kommt das? Warum nimmt die Frage nach Ernährungsmaßnahmen bei Betroffenen einen größeren Stellenwert ein als bei Ärzten? Zum einen kann man die immer noch schlechte Studienlage anführen, denn es wird nur wenig geforscht. Warum wird wenig geforscht? Weil Ernährungsstudien wegen der vielen Einflußfaktoren schwierig sind, weil man sie lange genug durchhalten muß, dann aber werden sie teuer, und weil die Pharmaindustrie nicht daran verdienen kann, denn sie ist der wesentliche Geldgeber für wissenschaftliche Studien. Ein befreundeter irischer Rheumatologe erzählte mir einmal vor einer Studie zu Ernährung, die er durchgeführt hatte; er faßte es so zusammen: ein Albtraum. Der Albtraum bestand darin, genügend Probanden zu bekommen, die bereit waren, sich genügend lange auf eine gewisse Weise zu ernähren. Da sind wir schon mitten im Thema: Einfluß auf Erkrankung oder Gewicht über Ernährung nehmen bedeutet eine dauerhafte Umstellung. Wir sind als Patienten und Ärzte zu ungeduldig, denn eine möglich Wirkung setzt erst spät ein. Wir wissen zu wenig über die Wirkmechanismen und wissen auch wenig über die Wirksamkeit. Ärzte haben in der Regel ein schlechte Ausbildung in Ökotrophologie. Wer sie hat, hat sie kaum über das Medizinstudium erhalten.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln findet man immer wieder etwas, das als Revolution angekündigt wird. Vitamine, Farbstoffe, Mikronährstoffe nimmt man besser über die Nahrung als über Nahrungsergänzungsmittel auf. Man überdosiert nicht und man hat die richtige Mischung. Natürliche Antioxidantien finden sich in vielen Lebensmitteln. So finden sich z.B. Karotinoide, wie Betakarotin oder Lykopin, besonders in orangenem und roten Obst und und Gemüse. Polyphenolische Verbindungen, wie Resveratrol oder Flavonoide, finden sich in Granatapfel, Kaffee, Kakao, Obst, Rotwein, Tee, Zimt und weiteren. Vitamin C ist in Obst und Gemüse enthalten. Vitamin E in Pflanzenölen sowie Ölsaaten und Nüssen. Aber: viel hilft nicht viel. Der Körper stellt Fließgleichgewichte her, die ein Optimum haben und das verhält sich nach der Normalverteilung.
Zu viel kann durchaus zur Verschlechterung führen, da das Gleichgewicht mit anderen Stoffen nicht mehr stimmt. Wir kennen z.B. mittlerweile hunderte von Karotinoiden, so daß es möglich ist, daß verschiedene Karotinoide ganz unterschiedlich wirken, das Nahrungsergänzungsmittel aber überflutet uns nur mit einem Karotinoid.


Bei der Rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit dem Potential, Gelenke und innere Organe zu  zerstören, so daß im Akutstadium auf Medikamente nicht verzichtet werden kann. Da entzündungshemmende (antiinflammatorische) Medikamente aber mehr oder minder starke Nebenwirkungen mit sich bringen, sucht man nach Alternativen und die Ernährung ist eine davon.

Van den Heuvel wies auf eine dänische Metaanalyse hin [4], die sieben randomisierte, kontrollierte Studien aus den Jahren 1979 bis 2023 zusammengefaßt hat. In diesem Zeitraum hat sich die Wissenschaft erheblich geändert, aber es gab nicht mehr Studien, die man hätte verwenden können! „Es gab bei den eingeschlossenen Studien zu wenige Teilnehmer, zu heterogene Studiendesigns und methodische Schwächen.“ Die Autoren der Metaanalyse sehen in einer mediterranen Kost einen „Hoffnungsträger mit Grenzen“.
 
Als mediterrane Diät bezeichnet man Ernährungsformen des Mittelmeerraumes, die mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Nüsse und Olivenöl enthalten und auch eine moderate Menge an Rotwein. Außerdem kann man zu mehr Vollkornprodukten bei dieser Art der Ernährung raten. Diese Lebensmittel  liefern entzündungshemmende Fettsäuren, Polyphenole und Antioxidantien. Van den Heuvel führt den MEDRA-Trial (randomisierte, kontrollierte Studie mit 44 RA-Patienten über zwölf Wochen, d.h. 2x22 Pat. [5a]) und eine griechische Studie mit 210 RA-Patienten an [5b]. Diese modernen Studien zeigen eine verbesserte Lebensqualität auf, aber eine Therapie ergab sich daraus nicht. Und schon gar nicht ist eine magische Substanz in dieser Ernährungsform zu finden. 

Eine Studie aus Großbritannien fand bei RA-Patienten, bei denen die Diagnose gerade gestellt worden war, im Rahmen der DESIGNA Studie (Dietary Signatures In Arthritis) vermehrt kurzkettige Fettsäuren, wie sie von Bakterien im Dickdarm aus Ballaststoffen synthetisiert werden, bei Patienten mit geringerer Krankheitsaktivität, so daß sie daraus folgern, daß ein erhöhter Anteil von Ballaststoffen in der Ernährung die Krankheitsaktivität senken kann [6]. Die SUPERFIBRES Studie in Montpellier (Frankreich) untersuchte die Zugabe von 12 g Ballaststoffen in Form von Inulin-Pulver bei RA-Patienten (26 vs. 23) und fand eine verminderte Krankheitsaktivität sowie eine verminderte Zahl von (pro-inflammatorischen) Th17-Zellen in der Verumgruppe [7]. Zusammenfassend zeigen diese beiden Studien, daß es sinnvoll sein kann, die Menge an Ballaststoffen in der Ernährung zu erhöhen, um die Krankheitsaktivität zu senken.


Gerade Hülsenfrüchte, Vollkorn und Gemüse sind reich an Ballaststoffen, aber es gibt weitere Stoffe, die möglicherweise positive Effekte haben. Omega-3-Fettsäuren oder Polyphenole könnten das sein. In der Mittelmeerdiät können Polyphenole aus Olivenöl stammen, aber auch aus Obst und Gemüse; man könnte sich auch Beeren und Tee, wie grünen Tee. in anderen Ernährungsformen überlegen. Fetter Seefisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren, aber auch Leinöl. 
Lausitzer Leinöl schmeckt gut, wird allerdings in einer Weißglasflasche ausgeliefert, die das Öl nicht vor Licht schützt, so wird es schneller ranzig. Also sind u.U. Leinölsorten in Metallbehältern oder dunklen Flaschen vorzuziehen. Geöffnetes Leinöl gehört in den Kühlschrank und sollte schnell verbraucht werden. 
Verschiedene Gewürze wirken entzündungshemmend, wobei der Effekt üblicher Verzehrmengen wahrscheinlich nur einen geringen Teil der Entzündung hemmen kann. Bitte würzen Sie nach Ihrem Geschmack. Ingwer (Ginger) dürfte bekannt sein, Gelbwurz (Turmeric) ist in Currypulver, Galgant ist wenig bekannt, wird aber in der thailändischen Küche viel verwendet (Rhizom wie Gelbwurz und Ingwer), Nelken / Nelkenöl oder Kreuzkümmel (Cumin).
Das Curcumin im Gelbwurz hemmt z.B. die Bildung von entzündungsfödernen Zytokinen [darauf wirken Biologika] wie auch auf den NF-kappa B Signalweg in den Zellen. Aber man muss auch wissen, daß Curcumin vom Verdauungstrakt schlecht aufgenommen wird.
Für Koriander gibt es Berichte, aber auch eine experimentelle Studie an Ratten, daß es gegen Rheuma wirksam sei [8]. Mittlerweile gibt es eine Metaanalyse [9], die zu folgendem Ergebnis kommt: „Diese Ergebnisse zeigten das Potenzial von C. sativum bei der Reduzierung von IL-1β, IL-6 und TNF-α“.
Besonders Grüner Tee hat durch verschiedene Inhaltsstoffe eine entzündungshemmende Wirkung, die wiederum durch Unterdrückung des NF-kappa B Signalwegs oder auch durch die Förderung einer vermehrten Produktion von einem Zytokin IL-10 (entzündungshemmend!) entsteht [10]. 

Leider haben spezifische Diäten (z. B. vegan, vegetarisch oder glutenfrei) keinen nachweisbaren Einfluß auf Krankheitsaktivität oder Gelenkzerstörung nachweisen können. Die EULAR-Leitlinien behandeln mehr den sequentiellen Einsatz von Medikamenten, aber auch sie äußern sich zum Thema Ernährung [11]. Hier steht: „Es ist unwahrscheinlich, dass spezielle Ernährungsweisen bzw. Diäten große, spezifische Effekte für Rheumapatienten bewirken.“ Allerdings weisen sie auch hierauf hin: „Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Verbesserung des Lebensstils von Rheumapatienten.“ 

Zusammenfassend ist Diät bei Rheumatoide Arthritis nur zusätzlich sinnvoll. Ein Diätterror ist völlig unangebracht. Das Essen soll schmecken. Empfehlenswert sind jedoch viel Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, eher Fisch als Fleisch, wenig Zucker, Vermeidung von Trans- und gesättigten Fetten [12], wobei es sich bei den Empfehlungen ab Fleisch um generelle Empfehlungen der WHO handelt. Eine mediterran ausgerichte Ernährungsform kann diese Empfehlungen gut erfüllen.




Links und Anmerkungen:
[1] Rheuma und Ernährung
https://rheumatologe.blogspot.com/2012/11/rheuma-und-ernahrung.html 
[2] EULAR 2025 Congress in Barcelona, 11-14 June 2025
https://www.drfz.de/veranstaltungen/eular/ 
[3] Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel: Rheuma: Mit Ernährung umgelenkt?
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/52037-rheuma-mit-ernaehrung-umgelenkt/ 
[4] Jensen et al.: Effects of vegetarian and vegan diets on disease activity, pain, fatigue, and physical function in patients with rheumatoid arthritis: A systematic review and meta-analysis. Joint Bone Spine. doi: 10.1016/j.jbspin.2025.105 (zitiert nach [3])
[5a] Raad et al.: Effects of a telehealth-delivered Mediterranean diet intervention in adults with rheumatoid arthritis (MEDRA): a randomised controlled trial. BMC Musculoskeletal Disorders, 2024. doi: 10.1186/s12891-024-07742-1 (zitiert nach [3])
[5b] Virvili et al.: Mediterranean Diet and Rheumatoid Arthritis: A Controlled Trial. Annals of the Rheumatic Diseases, 2025. doi: 10.1016/j.ard.2025.05.928 (zitiert nach [3])
[6] G. Le Gall1, M. Defernez1, A. Mcdonald2, J. Dainty1, M. Yates1, P. Saha1,
K. Kemsley2, A. MacGregor1: POS0704 LIPIDOMICS AND INFLAMMATION FOLLOWING DISEASE ONSET IN NEWLY DIAGNOSED RHEUMATOID ARTHRITIS: INSIGHTS FROM THE DESIGNA (DIETARY SIGNATURES IN ARTHRITIS) STUDY. DOI: 10.1136/annrheumdis-2025-eular.A1999 
[7] C. Immediato Daien1,2,3, J. P. Hellier1, Z. Salis2,3, J. Morel1,2,3, L. Macia4, R. Audo1,3: ABS0692 DOES FIBER SUPPLEMENTATION IMPROVE DISEASE ACTIVITY IN RHEUMATOID ARTHRITIS INSIGHTS FROM SUPERFIBRES, A RANDOMIZED, DOUBLEBLIND, PLACEBO-CONTROLLED TRIAL DOI: 10.1136/annrheumdis-2025-eular.B2609
[8] Nair, Vinod; Singh, Surender; Gupta, Y.K.. Evaluation of disease modifying activity of Coriandrum sativum in experimental models. The Indian Journal of Medical Research 135(2):p 240-245, February 2012. 
https://journals.lww.com/ijmr/fulltext/2012/35020/evaluation_of_disease_modifying_activity_of.17.aspx  
[9] Malek Mahdavi, A., Javadivala, Z. Systematic review of preclinical studies about effects of Coriandrum sativum L. on inflammatory mediators. Inflammopharmacol 30, 1131–1141 (2022). https://doi.org/10.1007/s10787-022-01000-3  
[10a] Inhaltsstoffe im Tee – ein Überblick 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/inhaltsstoffe-im-tee-ein-uberblick.html 
[10b] Superfood Macha 
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/03/superfood-macha.html  
[11] https://www.rheuma-liga.de/unser-einsatz/rheumaforschung/aktuelles-aus-der-rheumaforschung/detailansicht/lebensstil-ernaehrung-arbeit-neue-eular-Empfehlungen 
[12] „Transfette sind toxische Substanzen, die töten“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. […] Zu den Lebensmitteln, die nennenswerte Mengen an Transfettsäuren enthalten können, gehören nach DGE-Angaben Back- und Süßwaren sowie frittierte Kartoffelprodukte und Fertiggerichte.“
https://www.aerzteblatt.de/news/who-milliarden-menschen-nicht-vor-gefaehrlichen-transfetten-geschuetzt-d6040071-2f7a-4e60-806e-f305b6035a37 

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Thursday, July 13, 2023

Travel Mongolia - Is the Dalai Lama promoting mayonnaise?



 
 
I thought I didn't see correctly when I looked at the portrait of the Dalai Lama on a plastic container among the condiments in a grocery store (Хүнсний дэлгүүр - Khünsnii delgüür) a few days ago in Mongolia. Did the Dalai Lama advertise mayonnaise? I asked myself very shortly - only for my own amusement, because even I wouldn't expect that from the Dalai Lama.

But what is Зулын тос (Zulyn tos [3])? If you try to translate Зулын тос by automatic translation, you will get Christmas oil. This is of course a very stupid translation. Better ones may may have Dochtöl in German or even kerosene in English, though there is of course wick oil [1]. I could think of trying kerosene for the first time, because we had kerosene lamps in my grandparents' garden. But all these translations miss the point. It is an oil/fat for sacred use, to be offered. Therefore it should be sinless, i.e. rather not from slaughtered animals but fat obtained from milk (butter) or oil obtained from seeds. And petroleum products are to be considered as too impure.

The oil (or yak butter in Tibet) is offered in the form of oil lights (hence the name Dochtöl from Docht (wick) in German). When this oil is sacrificed, one should not touch the wick with an unclean hand or breathe out on it. A mantra is also recited in this type of sacrifice: um aa hum, which could be the mantra om ah hum in India.

Perhaps the best translation for Зулын тос (Zulyn tos [2]) is sacrificial oil.

... and on the shelf.




No Links but useless Annotations [4]:
[1] Docht is wick in English, so wick oil and Dochtöl are the same. Strangely Vicks VapoRub® has been marketed in Germany as WICK VapoRub®. I guess nobody would see a link in Germany from  Wick to wick oil, but Vick would have been to near to the f-word in German. Maybe I'm interested in wick because I've just seen „John Wick Chapter 4“ on my flight from Mongolia back to Germany via Istanbul. On this flight I asked myself, why not via Addis Abeba and Buenos Aires?
[2] Tos in Spanish/Castellano means cough. The reason for this useless annotation is just to have another annotation.
[3] I've just seen, that there even is room for a third annotation: note that у and ү are different letters! I guess աշխատանքով հաստատուեցան is even more confusing, but this is Armenian.
[4] Sometimes I use the euphemism "Links and Annotations".

 
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Thursday, June 8, 2023

Ist Ahornsirup eine gesunde Alternative?

Ich war wieder einmal im Bioladen einkaufen und da liegen Zeitschriften aus, die man mitnehmen kann [1]. Meine Wahl fiel auf eine Ausgabe der Zeitschrift „natürlich“. Ich lese da über Ahornsirup [2], daß dies eine gesunde Zuckeralternative wäre. Und: „Für ein Liter Sirup benötigt man etwa 40 Liter Baumsaft. Es handelt sich hierbei um ein naturbelassenes Produkt, dem Nichts weiter zugefügt wird. [...] Zudem ist Ahornsirup eine wunderbare Zuckeralternative, die wertvolle Mineralstoffe wie Calcium [3], Kalium, Magnesium und Eisen mitbringt.“ Soweit „natürlich“.

Ist Ahornsirup eine Zuckeralternative? Natürlich nicht. Der Hauptbestandteil ist Zucker! Der nächste wesentliche Bestandteil ist Wasser. Ahornsirup ist konzentriertes Zuckerwasser. Er enthält 67% Kohlenhydrate, wovon 60,5% auf Zucker entfallen [4]. „Der Zuckeranteil im Ahornsirup besteht etwa zu 88 bis 90 % aus Saccharose und zu etwa 11 % aus Glucose und Fructose.“ [5] Zucker durch Zucker ersetzen, ist für mich keine Alternative.

Ist Ahornsirup gesund? Ich halte sämtliche Zucker und Zuckeraustauschstoffe für ungesund [6]. Das Argument in „natürlich“ ist „wertvolle Mineralstoffe“. Schauen wir einmal nach, was Ahornsirup so bietet. Riboflavin (Vitamin B2 ist nennenswert in 100g vorhanden – das allerdings ist ein Unterschied zu Kristallzucker, aber nicht zu anderen Lebensmitteln, denn wir decken unseren Bedarf mit der durchschnittlichen Ernährung. Außerdem enthält Ahornsirup eine nennenswerte Menge an Mangan, aber wir benötigen keine zusätzliche Zufuhr; ich habe dies vor etwa 10 Jahren bereits in einem anderen Zusammenhang angemerkt [7]. Kommen wir nun zu den „wertvolle Mineralstoffen“. Der bereits zitierte Wikipedia-Artikel [4] sagt uns: „Maple syrup is generally low in overall micronutrient content“ [Ahornsirup weist im Allgemeinen einen geringen Mikronährstoffgehalt auf ]. Um seinen täglichen Bedarf an Kalzium zu erreichen, müßte man einen Liter Ahornsirup trinken. Für das ausgelobte Eisen sogar 10 Liter! Ich kann kein Argument entdecken, daß Ahornsirup zu einem gesunden Nahrungsmittel machen würde.

Bei der Herstellung werden für einen Liter Ahornsirup 40 Liter Ahornsaft benötigt. Das schafft ein Baum in 14 Tagen, der nach Wikipedia durch das Anbohren keinen nennenswerten Schaden erleidet [8]. Traditionell wurde das Einkochen mit Holzfeuern durchgeführt. Um dieselbe Menge an Zucker von Zuckerrüben zu bekommen, benötigt man nur ein Zehntel der Menge. Man könnte also mit einer besseren Umweltbilanz auch Zuckerrübensaft nehmen, wobei einer der Hersteller in Meckenheim sitzt [9]. Meckenheim ist etwa 40 km Luftlinie entfernt, deutlich näher als die 5500 km nach Quebec. Oder man nimmt Honig. Oder man nimmt überhaupt nichts davon: es ist gesünder und für die Ökobilanz deutlich nachhaltiger.

„Aber auf American pancakes muss man einfach Ahornsirup gießen“ – Ja! Aber in diesem Blogpost geht nicht um kulinarische Verirrungen, denn die ungesunden pancakes werden um keinen Deut gesünder durch den Ahornsirup.



Links und Anmerkungen:
[1] Spötter könnten anmerken: warum tut der Mann sich das an? Die Anwort ist einfach: ich kann mich dem gedruckten Wort nicht entziehen.
[2] „natürlich“, Ausgabe 3/2023, S. 18.
[3] Eigentlich müßte es Kalzium heißen, aber vielleicht meint man, daß Calcium wissenschaftlicher aussähe.
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Maple_syrup  
[5] https://www.oekotest.de/essen-trinken/Ahornsirup-Wie-gesund-ist-der-Zuckerersatz_11275_1.html
[6] Und darüber habe ich auch schon geschrieben: https://rheumatologe.blogspot.com/2017/06/su-suer-sustuss.html und kürzlich zu: Mögliche Risiken bei Erythritol / Erythrid - https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/mogliche-risiken-bei-erythritol.html
[7] „Die durchschnittliche Manganversorgung ist deutlich besser als der Bedarf. Der Bedarf wird mit 1 mg Mangan täglich angegeben, die Versorgung beträgt aber 2,5 mg.“ In: RosaXan - https://rheumatologe.blogspot.com/2013/04/rosaxan.html  
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Ahornsirup
[9] Jetzt wieder die Spötter: deshalb ist der Verkehr dort auch häufig so zähfließend.


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Wednesday, March 16, 2022

Veganer Brotauftrich von Tofu Life

 



Veganer Brotauftrich ist teuer, wieso eigentlich? Angebot und Nachfrage vielleicht. Aber immerhin gibt es solche Aufstriche und obwohl es einfach ist, sich selbst so etwas herzustellen, ziehen viele Menschen es vor, sich ein Fertigprodukt zu kaufen. So sah ich denn auch vor einigen Wochen ein Angebot bei ALDI und zwar die „Vegane Bio Pastete“ von Tofu Life. Es gab drei Sorten in 125-g-Dosen:

    • Bauernschmaus

    • Herzhaft-Würzig

    • Paprika-Zucchini-Tomate

    Weitere Sorten wären noch:

    • Hummus

    • Champignon-Shiitake

    • Naturell

    • Paprika-Cashew

    • Pastasciutta


Ich habe nun die Sorte Paprika-Zucchini-Tomate probiert und sie hat den Geschmackstest bestanden. Nun sind aber auch 35g Fett in 100g. Beim Bauernschmaus sind es 13g Fett in 100g. Die Sorte Herzhaft-Würzig enthält 6,9g Fett auf 100g. Ob die mit weniger Fettanteil auch schmecken, muß ich noch probieren.


Die "Vegane Gourmet-Pastete mit Paprika, Zucchini und Tomate" hat als Hauptkomponente Sonnenblumenöl. Nun ist Sonnenblumenöl ein hochwertiges Öl, aber ... Sonnenblumenöl besteht zu einem hohen Teil aus Linolsäure (eine omega-6-Fettsäure) und hat kaum Linolensäure (eine omega-3-Fettsäure). Die vegane Ernährung hat bereits einen zu hohen Anteil an omega-6-Fettsäuren, so daß schon aus diesem Grund ein anderes Öl wünschenswert wäre und das auch in geringerm Anteil. Paprika, Zucchini und Tomate verbinde ich mit den Ländern der Mittelmeer Raumes, warum also nicht Olivenöl? Die Zutatenlisten der drei Produkte, die ich erworben hatte, ist mir auch zu lang.


Und dann sind die Bio Pasteten auch noch in praktischen Aluminium-Dosen verpakt. Ich würde durchaus auf etwas Komfort verzichten wollen, wenn man dafür kein Aluminium mehr verwenden würde.


Ich begrüße, daß es vegane Aufstriche beim Discounter gibt, aber hätte noch einige Vorschläge:

    • Zutatenliste verschlanken

    • Raps- oder/und Olivenöl anstatt Sonnenblumenöl verwenden

    • ggf. Fettanteil reduzieren

    • Verpackung ohne Aluminium

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Wednesday, January 5, 2022

Annäherungen an Beige und seine Farbezeichnungen, Version 1.0

 

Kamelbeige?

Kürzlich war es einmal zu viel, daß Speisen die Farbe Beige aufwiesen. Beige war mir schon immer unangenehm, auch als Farbe für Anziehsachen [1]. Bei der Farbe Beige fallen mir Nyltest-Hemden und der Gilb ein. Der Gilb kommt aus der Waschmittelwerbung; den mußte damals häufiger die Hausfrau als der Hausmann mit einem bestimmten Waschmittel austreiben (oder auch den Eumel). Auf jeden Fall stammt das aus einer Zeit, in der man optische Aufheller noch nicht so kritisch betrachtet hatte. Bei meinen Recherchen in den Weiten der Couture stieß ich auf diese Zeilen: „Allerdings könnte es sein, dass ich von nun an bis an mein Lebensende Schreikrämpfe bekomme, wenn ich auch nur das Wort „Beige“ höre, ...“ [2] Oder Fredi, die eigentlich ziemlich positiv über Beige unter dem Titel bloggt: „Beige – Ist das eine Farbe oder kann das weg?“ [3]

Beige im Essen fällt in Kantinen und besonders bei Diätessen auf, obwohl man das anders gestalten könnte. In diesem Zusammenhang lese ich über Caitlin Brennan aus Bristol [4], die nur beige Nahrung wie Nudeln, Chicken Nuggets, Fischstäbchen usw. zu sich nimmt, allerdings wird dies als Essstörung [5] aufgefaßt, an der die 24jährige Mrs. Brennan bereits seit „über 20 Jahren“ leiden soll [6]. Und zu beigen Speisen könnte Julia (@mupfelia) auf Twitter etwas sagen, wenn sie über das, was sie nicht mag, reden mag. Vielleicht darf ich anmerken, daß sie ziemlich viel beige Krankenhauskost ertragen mußte.

Müssen wir über Stuhlgang reden? Vielleicht. Man kann die Farbe Beige scheiße finden, aber die Farbpaletten der Stuhlbetrachter kommen ohne Beige aus [7].

Interessanterweise hat das rückläufige Wörterbuch nur „beige“ als Eintrag [8]. Ich fand aber eine größere Anzahl in der Palette der RAL-Farben [9]. Sonst war aber nicht viel los. Es finden sich wider Erwarten eß- und trinkbare Lebensmittel in den spezifizierenden Anteilen der Farbnamen von Beige.

Ahornbeige
Bambusbeige
Barbadosbeige
Beigegrün
Blassbeige
Braunbeige
Chamoishellbeige
Champagnerbeige
Flachsbeige
Gelbbeige
Goldbeige
Graubeige
Hellbeige
Kalkbeige
Keksbeige
Knoblauchbeige
Macademiabeige
Maismehlbeige
Mandelkernbeige
Mineralbeige
Nashibirnenbeige
Naturreisbeige
Perlbeige
Reinbeige
Samtbeige
Sandelholzbeige
Senfkornbeige
Silberdistelbeige
Winterbirnenbeige


(Diese Farbnamen werde ich demnächst in die große Datei der Farbnamen einpflegen [10].)


„To be free is not merely to cast off one’s chains, but to live in a way
that respects and enhances the freedom of others.“  ~~ Nelson Mandela [11]


Links und Anmerkungen:
[1] Ich sah einmal die Aufschrift auf einem UmzugsKarton: „FONLARADIANZISACHN“. Nach der Entzifferung fühlte ich mich, als hätte ich den Diskos von Phaistos (Δίσκος της Φαιστού) entziffert.
[2] Man darf mir vorwerfen, daß ich etwas aus dem Zusammenhang zitiert habe, Beige-Bashing betreibe … aber das stört mich nicht. https://schneidersitz.wordpress.com/2017/03/08/beige-chino/
[3] https://seemannsgarn-handmade.de/2017/02/beige-ist-das-eine-farbe-oder-kann-das/
[4] https://www.stern.de/gesundheit/selektive-essstoerung---frau-isst-nur-beigefarbene-lebensmittel-30429008.html
[5] Was ist das für eine Welt, die meint, Essstörung schreiben zu müssen, als wäre eine Eßstörung nicht schon schlimm genug.
[6] Hmh. … oder: Na ja!
[7] z.B. https://images.liebenswert-magazin.de/farbe-stuhlgang,id=928ffa51,b=liebenswert,w=560,rm=sk.webp oder https://images.eatsmarter.de/sites/default/files/styles/576x432/public/stuhlgang-farbe-576x432.jpg
[8] Erich Mater: Rückläufiges Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig, Verlag Enzyklopädie, 1967. Ordnungsprinzip ist das Alphabet aber in Richtung Wortende zu Wortanfang. Der erste Eintrag ist „Saba“ und der letzte „Negerjazz“.
[9] https://www.ral-farben.de/alle-ral-farben
[10] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/03/farben-und-farbnamen-version-50.html – das ist die bislang letzte Version. Die Neuererbungen werden in die Version 6.0 eingepflegt werden.
[11] Eingang zum Apartheitsmuseum in Kapstadt https://www.apartheidmuseum.org/
 

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Monday, September 7, 2020

Vergleich von üblicher und veganer Kost im Deutschen Ärzteblatt

 


Das deutsche Ärzteblatt veröffentlichte gerade eine Studie zum Versorgungsstatus mit Vitaminen und Mineralstoffen bei veganer Ernährungsweise im Vergleich zu „üblicher Kost“ [1]. Die Studie ist gut durchdacht und professionell durchgeführt worden. Die Autoren schlussfolgerten: „Trotz geringer natürlicher Aufnahme von Vitamin B12 bei Veganern war die Versorgung zwischen den Veganern und Mischköstlern vergleichbar gut. Dies könnte an der hohen Supplementierungsrate liegen. Zudem ist nach den vorliegenden Ergebnissen auf die Jodversorgung der Bevölkerung insbesondere bei veganer Ernährungsweise zu achten.“

Als Limitation der Studie sehen die Autoren die geringe Anzahl an Teilnehmern. In beiden Gruppen waren es je 36, wobei die Aufteilung nach Geschlechtern gleich gewesen ist. Die Notwendigkeit weiterer Studien mit höherer Anzahl an Teilnehmern wird gewünscht. Ein gute Vergleichbarkeit der beiden Gruppen wurde durch folgende Faktoren erreicht: „Matchen nach Geschlecht und Alter, den kurzen Rekrutierungszeitraum und das Einschlusskriterium eines BMI unter 30 kg/m
2.“

Ein statistisch signifikanter Unterschied der beiden Gruppen ergab sich lediglich beim Gebrauch von Supplementen bei 35 von 36 in der Gruppe Vegan gegenüber 12 von 36 in der Gruppe Mischkost (P<0,0001). In der Gruppe Mischkost galt als ein Einschlusskriterium: drei Portionen Fleisch oder zwei Portionen Fleisch und zwei Portionen Wurst pro Woche. Der durchschnittlich Verzehr an Fleisch liegt bei etwa 60 kg pro Jahr [2]. Es kann demnach sein, dass die Gruppe Mischkost der Studie eher das Ziel der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit 300-600 g pro Woche [3] als der Bevölkerungsdurchschnitt erreicht. Andererseits ist diese Gruppe dann aber besser vergleichbar. Dieses Problem der Vergleichbarkeit der Gruppen und Widerspiegelung der Ernährungswirklichkeit müsste in einer weiteren Studie diskutiert werden.<

Gehen wir nun auf einige statistisch signifikante Unterschiede in den biochemischen Basisdaten und den ausgewählten Vitaminen und Mineralstoffen der Studie ein.
Gesamt-Cholesterin und LDL-Cholesterin lag bei der Gruppe Vegan niedriger. Die Gruppe Mischkost lag mit einem Durchschnittswert von 204 mg/dL allerdings auch nicht wesentlich über der 200 mg/dL Grenze. Über diese Grenze wird viel gestritten. Hier ist das nicht notwendig.
Bei Folat und Vitamin K1 lag die Gruppe Vegan auf einem höheren Niveau, aber auch die Gruppe Mischkost lag im statistischen Normbereich.
Bei Vitamin A lag die Gruppe Mischkost auf einem höheren Niveau, aber auch die Gruppe Vegan lag im statistischen Normbereich. Hier hätte ich mir Angaben über den Spiegel an ß-Karotinoiden gewünscht.
Bei Alpha-Tocopherol, Vitamin B2 und B3 lagen die Gruppe Mischkost höher, aber beide Gruppen sicher im Normbereich.
Die Gruppe Vegan hatte eine niedrigere Kalziumausscheidung (Dank an das Autorenteam – Kalzium richtig zu schreiben wird oft nicht erreicht).
In Bezug auf Eisen gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied bei den untersuchten Gruppen, wobei allerdings ein Trend zu einem niedrigeren Niveau in der Gruppe Vegan erkennbar ist. Das Autorenteam diskutiert andere Studien, u.a. eine Schweizer Studie, die bei 11 % der Veganer aber auch auch bei 8 % der Mischköstler eine Unterversorgung mit Eisen beobachtet hatte.

Was kann man ableiten?

Beide Gruppen können durch eine Erhöhung der Jodzufuhr profitieren: etwa durch konsequenten Gebrauch von Jodsalz, Algen (Salat oder Sushi) und Jod Supplementation.
Die Selenversorgung kann man durch Zugabe ein bis zwei Paranüssen täglich verbessern.
Die Eisenversorgung kann man durch gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C und das Vermeiden von phytinhaltigen Nahrungsmitteln sowie Kaffee oder Tee verbessern.

Fazit in Abwanderung eines Slogans von Dale Carnegie:
Sorge Dich nicht, sondern lebe vegan!


 

Links und Literaturangaben:

[1] Weikert, Cornelia; Trefflich, Iris; Menzel, Juliane; Obeid, Rima; Longree, Alessa; Dierkes, Jutta; Meyer, Klaus; Herter-Aeberli, Isabelle; Mai, Knut; Stangl, Gabriele I.; Müller, Sandra M.; Schwerdtle, Tanja; Lampen, Alfonso; Abraham, Klaus: Versorgungsstatus mit Vitaminen und Mineralstoffen bei veganer Ernährungsweise.
Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 575-82; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0575


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Monday, June 15, 2020

Ernährung – Wissen was stimmt


„Ernährung – Wissen was stimmt“ ist ein Buch aus dem Herder Verlag von Ulrike Gonder. Ich habe es gelesen. Das ist nichts besonderes, denn ich lese täglich Bücher. Aber ich habe mich geärgert, so dass ich ein paar Sätze dazu schreiben muss.

Der Herder Verlag ist mir eher aus der Richtung Theologie, Religion, Spiritualität ein Begriff, aber er verlegt auch Bücher zu Pädagogik, Geschichte, Besser Leben und weiteren Bereichen mehr. Ulrike Gonder ist diplomierte Ökotrophologin - deshalb habe ich das Buch überhaupt in die Hand genommen.

Frau Gonder versucht uns zu vermitteln, was Fleisch, Milch, Eier und Fisch zur gesunden Ernährung beitragen. Fetter Fisch wird uns näher gebracht. „Bestenfalls bei gepökelten und stark erhitzten Fleisch- und Wurstwaren“ ließen sich negative Hinweise zur Gesundheit finden. Eine reichliche Zufuhr von (tierischem) Eiweiß zusammen mit einer guten Mineralstoffversorgung soll Senioren vor Osteoporose schützen. Das gerade ist nicht der Fall. Betrachten wir einmal traditionell lebende Naturvölker. Die Inuit haben den höchsten Verzehr an Eiweiß, auch an Kalzium nehmen sie ernorme Mengen zu sich und haben eine ungewöhnlich hohe Zufuhr an Vitamin D. Und sie haben den höchsten Grad an Osteoporose.

Sie führt Kalzium und Kalium aus Milch an. Ja, Kalzium ist in der Milch, aber auch Phosphat und Eiweiß, so dass das schöne Kalzium wieder ausgeschieden wird. Kalium ist in der Milch, aber vegetabile Nahrungsmittel enthalten deutlich mehr. Das ist doch ökotrophologisches Basiswissen!

„Zudem ist eine streng vegane* Kost für Schwangere und Kinder gefährlich, ...“. Was ist der Unterschied zwischen streng vegan und vegan? Der ist so wie der Unterschied zwischen schwanger und streng schwanger. Vielleicht meint Frau Gonder den Unterschied zwischen vegan und vegetarisch; aber das ist jetzt Spekulation von mir. Schwangere und Kinder können sich gefahrlos vegan ernähren.

„Die gesundheitlichen Vorteile, die in vielen Vegetarierstudien zutage traten, lassen sich weniger auf den Verzicht von Fleisch zurückführen als vielmehr auf eine insgesamt gesündere Lebensweise im Vergleich zu Durchschnittsbürgern: ...“. Frau Gonder hat die Studien nicht genau gelesen. Der Effekt des Verzichts auf Fleisch, Fisch und weitere tierische Bestandteile ist ein zusätzlicher Faktor, der von den anderen unabhängig ist.

Dann werden Lektine in Vollkorn bemüht, die in Weißmehl weitgehend nicht vorhanden sind. Für die Lektine im Weizenvollkorn ist bislang keine Schädigung nachgewiesen worden, insbesondere da sie hitzesensibel sind. Wegen des Gehalts an Lektinen auf Vollkornbrot zu verzichten, ist an den Haaren herbeigezogen.

Den Ökobauern wird eine schlechtere Ökobilanz vorgeworden, da die Tiere länger leben. Diese Aussage nenne ich pervers. Nach dieser Logik müsste man die Tiere direkt nach der Geburt töten. Ach ja, macht man ja, jedenfalls mit männlichen Küken.

„Ganz wegdenken lassen sich Fast Food & Co. aus unserem modernen Leben kaum.“ Doch, doch, darauf könnte man problemlos verzichten, aber Frau Gonder meint, man könne ja zu „Fertiggerichten, die echte Butter, richtige Gewürze, nennenswerte Mengen Fleisch ...“ greifen. Und dafür ist ein Ökotrophologie-Studium notwendig?

Bei den anschließenden Hinweisen auf gesunde Ernährung wird einfach alles genannt, bei den Fetten mit der Einschränkung, dass sie ungehärtet sein sollen, und bei Getreideprodukten, dass sie traditionell verarbeitet sein sollen. Süße Teilchen? Genussmittel sollen "mit Augenmaß" genossen werden. Und alles darf nach „Appetit, Verträglichkeit und Geldbörse“ entschieden werden.

Ich kann das Buch nicht empfehlen. Und deshalb geht es mir jetzt besser.

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Tuesday, October 29, 2019

Suure Kappes oder Sauerkraut


 So sieht die Kappesschaav aus


Manchmal findet man sie noch, jedenfalls, wenn man danach sucht - die Tradition in der Eifel. Früher gehörte der suure Kappes oder das Sauerkraut im Rahmen der Selbstversorgung zur Ernährung insbesondere für die Winterzeit und den beginnenden Frühling, wenn es noch kein Frischgemüse gab.

Sauerkraut entsteht durch Milchsäuregärung. Ähnlich kann man Stangenbohnen und Gurken haltbar machen. Der Name stammt von der Milchsäure (2-Hydroxypropansäure), die beim Gärprozess entsteht.

Wir trafen uns mit unseren Nachbarn in Diefenbach und schnitten die Strünke aus den Weißkohlköpfen. Sie sind dann auch griffiger, so wie eine Bowlingkugel. Dann wird der Kappes über die Kappesschabe (Familie Hörnchen schrieb Kappuschabe, man sagt auch Kappesschaav) bewegt, so dass darunter die schmalen Streifen gesammelt werden können. Die werden in kaltem Wasser gewaschen und getrocknet, um dann in kleinen Mengen nach und nach in den Steinguttopf (Kappesdöppe oder Kappesfass) gefüllt zu werden. Dann kommt der Stampfer (Kappesstampel) zum Einsatz. Zwischendurch werden auch Salz und Wachholderbeeren beigefügt. Das Stampfen führt zum Aufbrechen der Zellwände. Zum Schluss wird die Oberfläche abgedichtet, z.B. mit einem Brett oder Stein. Die Flüssigkeit, die beim Stampfen aus dem Kohl gekommen ist, soll über dem Gärgut stehen. Darüber wird der Topf gereinigt, damit keine Kohlreste haften bleiben, die Ausgang für Schimmelbildung sein könnten. Schließlich wird der Topf in den Keller gestellt. Um den Deckel wird Wasser geschüttet, damit der Luftabschluss gewährt ist.

Jetzt heißt es geduldig sein! Und nach einigen Wochen kann der suure Kappes gekocht und verspeist werden.


Ein bisschen Datenschutz muss heute sein - 
die Familie Hörnchen betrieb den Laden, in dem man 
die Kappesschaav leihen konnte - 
ich glaube nicht, dass es in Wallenthal je eine 
israelische oder italienische Botschaft gegeben hat

Für die jüngeren Leser - das Runde sind die Kohlköpfe - 
außerdem sieht man ein Messer, 
den Stampfer (Kappesstampel), links oben 
das Instrument zum Ausstechen des Strunks und 
den Wetzstein für die Schabe



Der Steinguttopf


Vorsicht Finger!
war ein häufiger Ruf beim Schieben des Kohls 
über die scharfen Messer der Schabe

Befüllen des Steinguttopfes - 
dann wird ausgiebig gestampft - rechts oben 
Salz und Wacholderbeeren


Schließlich steht der Topf im Keller und 
die Gärrinne kann mit Wasser befüllt werden



Ein paar Tipps:
-          Absolute Sauberkeit
-          Den Gärtopf mit kochendem Wasser ausspülen
-          Nicht zu viel salzen – 10-20 g Salz pro kg Kohl reichen vollkommen
-          Nicht zu viel würzen – ein paar Wacholderbeeren sind völlig ausreichend
-          Ausreichend den Kappes stampfen


Links:
Manfred Lang: Zwischen „Kappes un Schavour“ - https://eifelon.de/region/manfred-lang-zwischen-kappes-un-schavour.html

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