Sunday, May 24, 2026

Altargesteck zu Pfingstsonntag 2026



Wo bleibt der Tröster, treuer Hort,

Den scheidend doch verheißen du den Deinen?
Annette von Droste-Hülshoff [1]

«Der heilig Geist wird kommen
und würken durch sein Macht
und Gott wird an sich nehmen
Fleisch und Blutes Kraft.» [2]

Pfingsten wird gerne als das Fest der christlichen Kirche bezeichnet, und da ist vieles Wahres dran, denn man kann es als Erinnerung an die Geburt der christlichen Kirche auffassen, aber noch besser kann man in ihm das Fest des Heiligen Geistes sehen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ [3] So ein Brausen hörte ich, als vor zwei Tagen hinter meinem Stall saß und in das Tal und nach Kloster Steinfeld hin blickte, dann aber sah ich auf, und siehe, ich sah einen Bienenschwarm an der Weide und dann zwischen Haus und Stall vorbeiziehen.  Die Jünger überkam damals die Kraft des Heiligen Geistes, der sich wie Flammen auf sie senkte. Im Wochenspruch hören wir: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ [4] Da wird bereits alttestamentarisch auf das Pfingstwunder, das Ausgießen des Heiligen Geistes, hingewiesen. 

Im Evangelium geht es um „Die Verheißung des Heiligen Geistes“, denn Jesus Christus will uns nicht als Waisen zurücklassen, sondern er gibt einen Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Textstelle endet mit: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ [5]

Als Epistel hörten wir aus der Apostelgeschichte die Stelle, die als „Das Pfingstwunder“ bezeichnet wird. Die Apostel reden in den verschiedenen Sprachen: „Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ [6] Man verdächtigte die Jünger, „voll süßen Weins“ zu sein. Das aber stellte Petrus in seiner Predigt richtig.

Die Lesung aus dem Alten Testament behandelt den Turmbau zu Babel. Als die Menschen einen Turm bauten fuhr der Herr hernieder und sprach: „Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen ...“. Und der Herr verwirrte ihre Sprache, daß „keiner des andern Sprache verstehe“ [7]. So wird die verwirrte Sprache zu Pfingsten von Gott wieder funktionsfähig gemacht. 

In der Versöhnungskirche habe wir durch zwei Lektoren den Text aus der Apostelgeschichte [6] vorgetragen und die Gemeinde rezitierte dazwischen Teile aus einem Gebet von Jörg Zink.

In Kall beschäftigten wir uns mit einem Bild von Salvator Dali, das es auf einer Karte zur Gestaltung von Gottesdiensten gibt [8]. Dali hatte dieses Bild als Auftragsarbeit für seinen Freund Giuseppe Albaretto geschaffen; es gibt insgesamt 105 Motive. Der Heilige Geist regnet auf die grauen Köpfe hinab und teilweise lassen sich Flammen (Gelb-Orange-Rot) erkennen und die Farbe Blau, die einen Neubeginn symbolisieren soll. Manche Köpfe ragen Zahlen und zwar die Eins bis Zwölf, wobei neben Matthias auch Judas (Schwarz) dargestellt sein soll. Man kann einen Wanderstab entdecken, der den Aufbruch der Kirche symbolisieren könnte. Ich sehe noch eine Gestalt mit ausgebreiteten Armen. Aber ich entdeckte auch den Kopf einer Taube, einen Kakadu, einen Fisch, einen Schnauzer (Hund) und einen Seelöwen und ein Kaninchen, die wahrscheinlich in der Symbolik nicht intendiert waren.

Das Altargesteck in Köln vertrocknete bereits. In Kall konnten wir uns an einem prächtigen Gesteck erfreuen, das in der aktuellen liturgischen Farbe gehalten war. Die große Blüte in der Mitte zeigt mit den Blütenkelchen eine Flamme. Kunststück! Es handelt sich ja auch um eine Paeonia lactiflora „Flame“. Herzliche Dank dafür! Die liturgische Farbe Rot ist für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Kirche an sich zu tun haben, gedacht [9].   





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 92-93. Am Pfingstsonntage nach.
[2] Es flog ein Vögelein leise: W II, Nr. 883, nach: Schöne Christenliche, catholische Weinächt oder Kindtleß Wiegen Gesang. Augsburg 1590. In: Eberhard Haufe (Herausgeber): Deutsche Mariendichtung aus neun Jahrhunderten. Union Verlag, Berlin 1961. S.178 und S. 400.
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/pfingstsonntag/  
[4] Sach 4,6b
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,15–19(20–23a)23b–27 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.2 Apg 2,1–21 
Das ist schon eine Herausforderung für die LektorInnen! Ähnliche Texte, die auch in den Gottesdiensten verlesen werden, steh zum Beispiel beim Propheten Nehemia.

[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.11 1. Mose 11,1–9
[8] Karte "Pfingsten", Apparuerunt illis dispertitiae linguae, Salvador Dalí, 1964, Field 69-3/5-22; Magni luxus ad personam © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / VG Bild-Kunst Bonn 2022; Foto: Josef Nannemann ©Hg.: Gottesdienst-Institut der ELKB
https://shop.gottesdienstinstitut.org/bildmedien-und-kunst/karte-pfingsten-salvador-dali.html  
[9]
https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben 

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Saturday, May 23, 2026

Sammelsurium (305) 22.05.2026


[da] fällt
Herbstregen fahl
und unaufhörlich und
läßt das neblige Gehölz
in die Tiefe des Sees versinken
Kitagawa Fuyuhiko [1]


RückSchau

1526 n. Chr. [2]

„William Tyndale (* ~ 1492, † 1536) übers. nach seiner Bekanntschaft mit Luther in den Niederlanden d. Neue Testament ins Englische“.
In der Übersicht datiert der Wikipedia Artikel seine Geburt als „um 1494“, schreibt später jedoch: „zwischen 1484 und 1496“.
Tyndale [2a] arbeitete an seiner Bibelübersetzung , als er an der Universität Wittenberg (1524/1525) immatrikuliert war.

LuftKampf 
Da keckerten die Krähen und die Milane schrien zwischen Fichten und Birken. Dann war TotenStille und ein halber Kadaver fiel aus einer Fichte zwei Meter neben mir zu Boden. Die Milane aber brüten weiter und die Krähen schweigen dazu. 

Die Füchse 

Ich sah eine Füchsin mit zwei Jungen hinter einer StraßenBegrenzung bei einem Hof zwischen Steinfelderheistert und Rinnen. Eigentlich hätte ich drei Junge sehen müssen, aber wahrscheinlich war eines noch im Graben versteckt. Meine Schwägerin meinte, die Füchsin würde ihren Jungen das ÜberQueren der Straße beiBringen. Nun, mir sind sie nicht ins Auto gelaufen, denn sie  warteten, bis ich vorbei war. 

LandKarten und MAGA
Für MAGA-Anhänger sehen LandKarten wie Rorschach-Tests aus; aber selbst den würden sie nicht bestehen. Ceterum censeo: es heißt Golf von Mexiko.

Die Alten und der Tod 
Gut, die Alten sollen die Löffel abgeben, aber die bräuchte man für's Gras sowieso nicht. Wie soll man ohne Zähne ins Gras beißen?

EinGeständnis
Ich gebe es zu -: bei Mondrian denke ich auch an Mondamin, bei Kunst an KunstHonig, bei Kultur an KulturBeutel.  

PostKarten
Ich las gerade wieder einmal von einem Foto, daß es wie von einer PostKarte aussehe. Aber wo gibt es noch PostKarten?

Angenehm mild
„Die Temperaturen bleiben angenehm mild bei 8° bis 13° C.“ OT Radio 700 (Eifel-Radio)

Jugend
Ich las gerade das Buch von Juliane Koepcke „Als ich vom Himmel fiel – Wie mir der Dschungel mein Leben zurückgab“ [3]. Im BildTeil fiel mir ein Foto auf, das zunächst im Stern veröffentlicht worden war. Mehr noch fasziierte mich die BildUnterschrift: „Hinter den Spiegel geblickt; meine Jugend ist zu Ende.“ Es ist ein sehr aussageKräftiges Bild, aber der STERN war damals auch etwas anderes und hatte mit Rolf Gillhausen (stellvertretender STERN-Chefredakteur) jemanden, der auf gute Fotos achtete. Außerdem konnte sich der STERN die besten Fotografen aussuchen. Das Bild zeigt Juliane Koepcke im Bett, wahrscheinlich im Krankenhaus, und auf dem Nachttisch liegt ein HandSpiegel, in dem sich ein Teil ihres Gesichtes spiegelt. Ein wahnsinnig gutes Foto! Aber mich hat viel mehr die Aussage angesprochen, daß mit diesem Ereignis ihre Jugend zu Ende war. Juliane Koepcke und ich sind beide 1954 geboren und so  habe ich überlegt, was war denn Beginn 1972 mit mir? Nein, meine Jugend war nicht zu Ende. Einer meiner Großväter muß zu dieser Zeit etwa in Köln gewesen sein und er sagte zu seinen drei Enkeln: „Ihr habt eine sonnige Jugend.“ Ja, das hatten wir. Und ich meine Jugend dauerte bis zum Abitur.  

Scherben [Shards]
Wenn die Gondeln Gaudi tragen




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Kitagawa Fuyuhiko [1a]: Hiei-San. Zitiert in: Annelotte Piper: Ein japanischer Dichter der Gegenwart. Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 502-529 / 529 .
[1a] Kitagawa Fuyuhiko (北川冬彦) bzw. Taguro Tadahiko (田畔忠彦) war ein japanischer Lyriker und Filmkritiker; er lebte von 1900 bis 1990.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kitagawa_Fuyuhiko    
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 722.
[2a] https://de.wikipedia.org/wiki/William_Tyndale 
[3] Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel. Wie mir der Dschungel mein Leben zurückgab. Die wahre Geschichte eines Überlebenskampfs im Urwald. Piper Verlag, 2012 (2018) München. ISBN : ‎ 978-3492274937. Bildteil S. [14/15]. 
[4] „Rolf Gillhausen (* 31. Mai 1922 in Köln; † 22. Februar 2004 in Hamburg) war ein deutscher Reportagefotograf und Journalist.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Gillhausen  

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Friday, May 22, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 22.05.2026


Wenn die Sehnsucht zu uns zurückkehrt, hat sie
schwer an ihrem Herzen zu tragen
das über und über mit Steinen beladen ist,
Christoph Meckel [1]


Noten
    da geht er 
Nicht 
Ohne 
Stolz 
Und 
Pfeift 
Einige 
Töne 
Als 
Noten 
Aus 
Dem 
Heft 
Fallen
Das 
Er 
Sich
Unter 
Seine linke 
    Achsel 
Geklemmt hat

WiderSpruch 
    man sagt 
Kurz 
Ist 
Das 
Leben 
Und 
Lang 
Der 
Tod
NEIN
Das 
Leben 
Dauert 
Länger
Als 
Der Tod -:
    Auf 
Jeden Fall 

Wolken
Noch lange schnitt sich der Wind 
Die Wolken zurecht 
Die Bäume beugten sich 
Und ich sog ein
Den Duft von Regen, Straße, Staub 
Und der Linde 

HerzensAngst 
Herz, Herz, 
HerzensAngst
Hämmerndes Herz 
Beruhige dich 
Die Glocke der StandUhr 
Schlägt gleichMäßig 
Mäßig 
Langsam 
Lang 
Es rinnt nach unten die Angst
Und fließet fort 
Herz, Herz 

Störche 
Gestern noch sprachen wir 
Über Schwarzstörche
Nicht weißStörche 
Oder schwarze Schwäne 
Und schon gar nicht 
Über GrünStörche

Bier 
    noch mehr 
Bier 
Und 
Die 
GeDanken 
Und 
Der 
Urin 
VerLieren noch 
    Mehr 
Ihre Farbe

Stürme 
    es sind die
Schwarzen 
WinterStürme
Die 
Mit 
Weißem Schnee 
    Die 
Landschaft beDecken

Apokalyptische Reiter 
    die Reiter 
Der 
Apokalypse 
Mögen 
Aus 
Der 
Wüste 
Kommen
Aber 
Dort 
Blieb 
Nichts 
Zu 
Tun 
So reisten 
    Sie 
Zu uns  






Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Christoph Meckel [1a]: Wenn die Sehnsucht zu uns zurückkehrt. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 552-553.
[1a] Christoph Meckel (1935-2020) war ein deutscher Schriftsteller und Grafiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Meckel 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Wednesday, May 20, 2026

Altargesteck zur Ökumenischen Pfingstvesper 2026

 


Die Ökumenischen Pfingstvesper fand als Hinführung zum Pfingstfest in der Schleidener evangelische Kirche statt. Bis auf einige Kasualien ist sie nach der Flut von 2021 noch nicht genutzt worden und so war dies der erste Gottesdienst. Eine formelle Einweihung wird jedoch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, da noch einige Dinge zu regeln sind. Aber das aktuell sichtbare Ergebnis hat bei manchen TeilnehmerInnen des Gottesdienstes zu einer Gänsehaut geführt. Der Gottesdienst fand mit Pfarrer Schlütter (kath.) und Pfarrerin Reitz (ev.) sowie unter Mitwirkung des Kirchenchores der Schloßkirche (Leitung Herr Dederichs) statt.

Die evangelische Kirche Schleiden wurde 1788 eingeweiht und steht somit unter Denkmalschutz. Die Olef fließt nur wenige Meter entfernt vorbei. Für die Sanierung wurde das Fundament freigelegt und im Innenraum stand das Wasser 1,20 bis 2,00 m hoch, so daß dort der Putz abgeschlagen werden mußte [1]. Bei den Bodenplatten sind noch einige Streifen zu sehen. Aber insgesamt ist es herrlich anzusehen.

Die Orgel mußte repariert werden, denn die Feuchtigkeit hatte Schäden hinterlassen. Das ist auch gelungen. Ich habe keinen Hinweis auf die Orgel im Organindex oder bei Weimbs Orgelbau in der Opusliste gefunden [2]; die Firma hat die Orgel in der Kirche in Gemünd 1952 gebaut. Jedenfalls funktioniert die Orgel in der Schleidener Kirche wieder. Das Orgelprospekt sieht nach einer älteren Orgel aus. 



Fassaden kann man relativ schnell streichen, aber Portale, Holztreppen, die Sakralausstattung – auch aus Holz – sind nicht so schnell und deutlich schwieriger wiederherzustellen [3]. Es wurde trotzdem die Vorgaben des Denkmalschutzes beachtet.

Gottesdienst und Predigt beschäftigten sich mit der Ökumene, dem Wie und Was, dem Heiligen Geist, dem Korintherbrief („Denn wir sind alles durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, … , und sind alle mit einem Geist getränkt.“) und natürlich den Gesängen und dem Wechselspiel von Chor und Pfarrerin. 

Vielleicht wird es in einigen Tagen wahr:
„Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen
und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.“ [4]

Das Altargesteck auf dem Altar war schon völlig in Rot. Am Pult überwog Weiß, die aktuelle liturgische Farbe, mit einigen Tupfern Rot, der liturgischen Farbe u.a. des Heiligen Geistes. Vielen Dank an alle Mitwirkenden.

PS. Das mit den Sitzkissen zum Wärmen klappt auch.






Tuesday, May 19, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 34. KW 19.05.2026


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


34. KW
Paul Celan: [Dein] / [Schechina]


Im St.-Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank spuckte einmal eine der SchreibDamen einen PflaumenKern aus dem Fenster und daraus wuchs ein Baum. Recht schön anzusehen [1]. Er überLebte, weil er dem Rasen nicht zu nahe gekommen war, für eine Weile, aber dann schon mit nennenswertem Stämmchen wurde er gefällt, denn er stand zu nahe am Haus. Niemals gibt es die richtige Entfernung – zu irgendetwas ist man immer zu nahe.  

Die Bohne
    die Bohne 
Wächst 
An 
Ihrer 
Stange 
Und 
Schaut 
Auf's 
Gras 
Hin-
    Ab 
Und 
Doch 
Der Schnitter 
    Kommt 
Zu beiden

Uns führt der Blick zum Grabe hin -: und doch nicht weiter, selbst wenn wir im Grabe liegen – dann blickt es sich nicht mehr.

Gott wächst sich nicht zu, aus allem Tod schafft er Neues. Deshalb gibt es den Phoenix aus der Asche. 

Im Tod -: Nein, einmal anders. Muß Gott nicht sterben können, um vollKommen zu sein und gehört azu nicht auch die Auferstehung? So mußte  Gott Mensch werden. Gott ist nicht tot (Nietzsche), er ist aufgestanden 

Im Tod -: Im Tod sind wir gleich. Aber davor waren wir es nicht und so ist es auch richtig – fast. Denn ein wenig näher zur Mitte würde allen helfen. 

Gott
    was ist 
Das 
Für 
Ein 
Gott
Der 
In 
Jedes 
FettNäpfchen 
Tritt? 
Den Menschen 
    ZuGewandt 
Ist er


34. KW
Kommentar: Michael Speier


Es gibt Menschen, die haben ihren Alltag mystisch gestalten können, aber auch sie scheitern an der Realität. 

Gott in der Trinität hat mit dem Sohn direkten Anteil an den Menschen und mit dem Heiligen Geist direkten Anteil an jedem Winkel seiner Schöpfung. 

Das Numinose nimmt an einem Teil. Nur da es uns verändert, verändert es die Welt. Nichts ÜberNatürliches wirkt im physischen Universum direkt. 

„Alltag und Mystik werden ineinandergeblendet“ -: Wie wäre es andersherum, da? Alltag und Mystik, Esoterik und Exoterik immer gemeinsam existieren?

„Das rasche Wachstum der Bohnen“ -: in meinem Garten verhindern das die Schnecken. Bohnen, die Blätter der Kartoffel und insbesondere Estragon mögen sie. Dafür mögen die Ameisen die jungen Kirschblätter. Die ersten sind  schleimig und die zweiten harte SklavenHalter [2].  



Der PflaumenBaum ist leider nicht zu sehen, denn er versteckt sich 
hinter der HängeBuche. Ich konnte nicht ahnen, 
daß später einmal ein Foto von ihm nützlich wäre.


Links und Anmerkungen:

[1] Davon habe ich leider kein Foto gemacht. Auf dem Bild steht der kleine PflaumenBaum hinter der HängeBuche versteckt.
[2] Ob es sich um die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) handelt, sei dahinGestellt.
[3] This footnote is intentionally left blank. https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 
 
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Monday, May 18, 2026

Geplante Ausfahrt der A1 bei Satzvey (Eifel) – ein Irrwitz?

Ich las den „WochenSpiegel Schleiden“ vom 13.05.2026 und auf S. 14 den Artikel „Autobahnanschluß Nummer vier rückt näher“ [1]. Auf dem Luftbild (über Satzvey etwa in Richtung SO) sieht man die A1 und die Unterführung der L11 und viele Felder, viel Grün, kaum aber läßt sich der Golfclub Burg Zievel identifizieren [2]. Wenn man sich bei die geplante Ausfahrt auf Google Maps ansieht, kann man schon den Eindruck bekommen: da hat aber jemand ziemlich gut an der Golfanlage vorbei fotografiert [3]. Indes weiter zum Artikel: „Das Konzept passe genau zu den verkehrspolitischen Zielen: Innenstädte und Ortslagen zu entlasten, den Umstieg vom Auto auf die Schiene erleichtern und die vorhandene P&R-Anlage sowie den Bahnhaltepunkt sinnvoll einbinden.“ Tja, wie schön sich doch Politiker ihre Projekte reden können.

Die geplante Ausfahrt Satzvey liegt etwa 3 km von der Ausfahrt 111 (Wißkirchen) und etwa 5 km von der Ausfahrt 112 (Mechernich) entfernt. Das wären dann 3 Ausfahrten auf 8 km Autobahn. Zwischen Ausfahrt 110 und 111 liegen etwa 4,5 km und zwischen 112 und 113 liegen etwa 9 km. Hier kann ich überhaupt keinen Grund für eine weitere Ausfahrt entdecken.

Wie sieht es mit Entlastungen des Verkehrs aus? Der Artikel von Thorsten Wirtz in der Kölnischen Rundschau gibt darüber Auskunft [4]. Man erwarte eine Entlastung in Satzvey um täglich 1800 Kraftfahrzeuge. Toll! Nein, gar nicht so toll, denn z.B. die Ortsdurchfahrt Antweiler steigt von 3500 auf 6500 Kfz täglich. Die Fraktionsgemeinschaft von SPD, FDP und Linken befürchtet eine Verlagerung der Verkehrsprobleme Satzveys. Ich könnte mir vorstellen, daß die L61, die neben Katzvey verläuft, ebenfalls ein höheres Verkehrsaufkommen haben dürfte, aber dazu habe ich keine Berechnungen gefunden.

Kommen wir zur Satzveyer Bahnstation, diesem Knotenpunkt der Verkehrsplanung, der vom RB24 je Fahrtrichtung zweimal pro Stunde angefahren wird. Wer soll denn dazugewonnen werden? Was ist mit den Bahnhöfen Kall (RE22 und RB24), Mechernich (RE22 und RB24) oder Bad Münstereifel (S23)? Aber vielleicht sehe ich das zu pessimistisch, denn Wirtz berichtet, daß eine Verlegung der Satzveyer Bahnstation und der Bau einer großen Park-and-Ride-Anlage zum Gesamtkonzept der Stadtverwaltung gehöre. Was halte ich von diesem Konzept? Im Englischen hat man dafür extra einen Ausdruck gepägt: „Bullshit!“ Umbau der Satzveyer Bahnstation? das heißt wieder einmal mehr SEV – Schienenersatzverkehr. Da wir gerade beim Bus sind – warum nicht gleich auch einen Busbahnhof dorthin planen?! Ich wundere mich, daß dies in das Gesamtkonzept der Stadtverwaltung nicht eingepflegt wurde.

Als Kosten für einen neuen Autobahnanschluß Satzvey wurden 8,2 Millionen Euro genannt; da ist der Umbau Satzveyer Bahnstation allerdings nicht enthalten! „An den Gesamtkosten der geplanten Autobahnanbindung ist die Kommune nach derzeitigem Stand nicht beteiligt, diese werden zwischen Bund und Land aufgeteilt.“ [5] Das ist ist aber schlau gedacht. 

Einer meiner Brüder meinte, daß dieses Projekt einige Sumpfweiden aufwerten könnte, die man für den Ausbau der Abfahrt und zur Verlegung des Bahnhofes benötige. Eine durchaus berechtigte Ansicht. Ich tendiere mehr zur besseren Anbindung des Golfplatzes an die Autobahn als einer der wesentlichen Gründe für das Projekt. Beide Hypothesen sind natürlich nicht belegbar.

Björn Wassong, Fraktionsvorsitzender der CDU, wird zum Einsatz von Stadt, Verwaltung und Politik für den neuen Anschluß zitiert: „Wir finden das großartig.“ Das kann sogar für den Einsatz zur Förderung des Projektes stimmen. Das Projekt selbst finde ich grottentief schlecht und überflüssig. Vielleicht kann Nummer vier wieder in die Ferne rücken, aber ganz weit.



Links und Anmerkungen:
[1] Den Artikel kann man aktuell noch einsehen: 
https://wi-paper.de/show/8aba4c6de6ac/epaper 
[2] https://www.gcburgzievel.de/  
Auf Google Maps las ich: „Eine ausgezeichnete und gepflegte Anlage und ein sehr gutes Clubhaus Restaurant.“
[3] https://www.google.com/maps/place/50%C2%B037'10.6%22N+6%C2%B042'57.5%22E/@50.6200435,6.7169964,3277m/data=!3m1!1e3!4m4!3m3!8m2!3d50.619621!4d6.715959?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDUxMy4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D 
[4] Thorsten Wirtz: Neue A1-Zufahrt soll im Burgdorf Satzvey für Entlastung sorgen. [07.05.2026, 06:02 Uhr]
https://www.rundschau-online.de/region/euskirchen-eifel/mechernich/mechernich-neue-a1-zufahrt-soll-in-satzvey-fuer-entlastung-sorgen-1276341  
[5] https://www.mechernich.de/detail/nummer-vier-rueckt-naeher 

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Sunday, May 17, 2026

Altargesteck zu Exaudi 2026



Nur in des Lebens Kümmernissen
Und der Ergebung Gnadengruß:
Dann wirst du schon am besten wissen
Wie viel ich tragen kann und muß.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag heißt Exaudi und hat nichts mit dem Auto der/des Ex zu tun, obwohl …. Exaudi ist der 6. Sonntag nach Ostern; exaudi kommt von: „Exaudi, Domine, vocem meam“ [„Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“ (Ps 27,7)] [2]. Es gibt auch einen Bezug zur Automarke, denn August Horch konnte seinen Namen nicht verwenden, da er eine neue Firma gründete und da nahm er audi – höre bzw. horch! 

Gerade mußten die Jünger von ihrem Rabbi Abschied nehmen. Der Christus bereitete seine Jünger und uns auf den Tröster, den Heiligen Geist, vor, denn wir stehen eine Woche vor Pfingsten. Und er gab uns mehr noch die Verheißung, die der heutige Wochenspruch ausdrückt: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. [3] Das war auch schon Christi Himmelfahrt der Wochenspruch, aber darum heißt er ja auch Wochenspruch.

In der Lesung aus dem Alten Testament prophezeit Jeremia: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, ...“ [4] In jener Zeit stehen Juda und damit  Jerusalem vor dem Fall und der babylonischen Gefangenschaft, aber der Prophet spricht bereits von einer Zukunft danach. Irgendwie paßt die Stelle in die Liturgie vieler Sonntage, aber der heutige Bezug ist mir nicht ganz klar. Alle  Menschen sollen Gott erkennen und er will „ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Vielleicht sollen wir ein vernünftiger werden: mehr auf unsere Mitmenschen achten oder die Schöpfung bewahren, so wie die Bürger in Ninive im Buch des Propheten Jona.

Wie oben bereits angedeutet, werden wir im Evangelium zum heutigen Sonntag auf den Heiligen Geist vorbereitet. Jesus verabschiedet sich bereits nach seinem Einzug in Jerusalem von seinen Jüngern, aber er macht dies mit der Zusage auf ein Wiedersehen. Und er tut dies noch einmal vor seiner Gefangennahme: „Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ [5]. In Vers 7 wird der Heilige Geist auch Tröster [6] genannt: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.“ Eine Vorausschau (foreshadowing) auf das Pfingstfest. Der Abschied erfolgte an dem Tag, den wir mit Christi Himmelfahrt feiern, und der im Lukasevangelium beschrieben wird – nachdem er die Jünger gesegnet hatte, fuhr Jesus auf in den Himmel [7]. Segnen ist im Alltagsleben wahrscheinlich nicht mehr so geläufig, aber man könnte Kindern vor dem zu Bett gehen für die Nacht segnen und ein Kreuz auf die Stirn mit dem Daumen zeichnen.


Die neue Kerze der KonfirmandInnen stand auf dem Altar und drei nahmen am Gottesdienst teil. Sie waren erst am Vortag von einer mehrtägigen Fahrt zurückgekehrt. Im Rahmen dieser Fahrt wurde die Kerze erstellt. Mir kam sie ein wenig zu düster vor und ich dachte später, daß Wachs heruntergetropft war und so den Effekt abmilderte, aber es war schlicht eine Spiegelung. Das grüne Wesen ist kein Außerirdischer sondern ein Dinosaurier. Auch wenn ich den Bezug nicht kenne, in dem Alter fand ich Dinos ebenfalls cool.

Das Altargesteck von Kerstin Schüer war großartig. Es spielte mit verschiedenen Blumen, Weißtönungen, Höhen und Tiefen und ist somit ein Abbild der Unterschiedlichkeit von Menschen und ihrem Glauben, die aber in einem Gesteck zusammenstehen. Außerdem findet sich ein Hinweis schon auf Pfingsten und wenn man weiter hinschaut auch auf die Trinitatiszeit, die danach vor uns liegt [8]. Im Vorraum zwischen Kirchsaal, Garderobe, Küche und Gemeinderaum ist genügend Platz für einen Strauß Blumen.
 




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 89-91. Am VI. Sonntage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/exaudi/ 
[3] Joh 12,32 
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JER.31 Jer 31,31–34 (auch Predigttext!)
[5] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes16 Joh 16,5–15
[6] Oder auch Helfer. Bei Helfer muss ich allerdings immer an das Helferlein von Daniel Düsentrieb denke und deshalb ist Heiliger Geist doch die beste aller Bezeichnungen.
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/Lukas24 Luk 24,50.51
[8] „Ukatjja, Pentecostés urut parlkasajj nayratpachwa parli, ukat jukʼamp yatjjataspa ukhajja, Trinidad tiempot parlirakiwa, ukajj nayraqatasankiwa.“ So heißt der Satz auf Aymara. Und warum ich ihn vom Google-Übersetzer in Aymara übersetzen ließ, erzähle ich ein anderes Mal.

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