Friday, August 14, 2026

Mongolia – The Brightest Venus Ever


During my last visit to Mongolia, I saw the brightest Venus I have ever laid eyes on. It was a flight that might technically count as a night flight, though we actually took off from Frankfurt (FRA) in the early afternoon and landed in Ulaanbaatar (UBN) late in the evening—according to our internal clocks, at least. In reality, however, the next morning had already dawned. I looked out the window and saw the beautiful colors; suddenly, I thought: Venus couldn't possibly shine *that* brightly—I had never seen it look like that before. "Right," I thought, "I’ll just snap a quick photo." No sooner said than done. I basked for a while in the thought of this exceptionally bright Venus, only to be distracted by a sharply defined, very dark cloud in the sky. That is, until I realized that the dark cloud was actually a wing... and the Venus was a light at the wingtip? No, no, no! I won't let anyone convince me otherwise. Wingtip lights are position lights, and they flash. But this light was steady and clear—so it *was* Venus (Q.E.D.). No, I won't be swayed; I saw the brightest Venus ever seen on this planet.

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FreitagsGedichte / #KurzLyrik 14.08.2026

 


In grüner Anstalt ein Gelall von Zungen
Vielleicht wird eine Scheune niederbrennen
Abseits im Weiher ungestört ein Kind ertrinken
Rainer Brambach [1]

 

Dunkelheit
    dies ist 
Die 
Dunkelheit
In 
Der 
Sich 
Die 
RunterGebrannten 
KerzenStummel 
VerStecken 
Um 
Nicht 
Für 
Ein
Letztes Mal 
    AnGezündet 
Zu werden 

Pfeil
    wenn der 
Pfeil
In 
Der 
Stille 
Das 
Twännggg 
Der 
Sehne 
Und 
Sein 
Eigenes 
Sirren 
Hört
Dann 
Kann er 
    Das Ziel 
Auch treffen   

PfeilSchnell 
    das Flug-
Zeug 
Fädelt 
PfeilSchnell 
Die 
Kleinen Wolken 
    Auf den 
KondensStreifen 

GeBurt 
    aus einer 
Wolke 
Kommt 
Ein 
FlugZeug 
Mit 
Einem 
Kurzen 
KondensStreifen 
Und 
Entfernt 
Sich
Wie wir 
    Von 
Unseren Müttern 

Am Strand 
    VorHand Rück-
Hand
Die 
Wellen 
Kommen 
Und 
Gehen 
Und 
Spielen mit 
    Den 
Muscheln Tennis 

Netz
    es ist 
Schon 
Richtig
Das 
Internet 
Ist 
Ein 
Netz
Das 
GeWorfen 
Wurde
Um die 
    UnVorsichtigen 
Zu fangen

WollMäuse
    jetzt sind 
Die 
WollMäuse 
Lebendig 
GeWorden 
Und 
Es 
War 
Nicht 
Gott
Der 
Ihnen 
Leben 
EinGehaucht -: 
Es war 
    Einfach 
Meine Faulheit

Wald 
    es dürstet 
Den 
Wald 
Und 
Der 
Bach 
Kann 
Nur 
Noch 
Trocken 
Weinen
Auch 
Mir klebt 
    Spucke 
Im Mund

Sommer 
    oh Pflaumen-
Reiche 
Zeit 
Des 
Süßen 
Sommers 
Sanft 
Schläft 
Sich's 
Unterm 
Baum 
Und 
Früchte 
Reifen 
Zwei 
Oder drei
    Tage 
Sonne noch  
 
Tempel 
Aus dem Schatten des Tempels 
In die brütende Stille des VorPlatzes 
Mit seinen Statuen blicken
Der Blick haftet nicht an 
Ist der letzte Gedanke
Bevor die Stille 
Auch dich erGreift

VerGeblich 
    verGeblich 
Suchst 
Du 
Den 
Himmel 
Ab 
Nach 
Dem 
Vogel
Dessen 
Feder 
Vor dir 
    Zu 
Boden trudelt

MittagsSonne
Unter dem scharfen Licht der MittagSsonne 
Saugt der Boden begierig meinen Schatten auf 
Nun muss ich schnell
Einen Spiegel finden
Um gänzlich … 




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Rainer Brambach [1a]: Zitiert von: Unter Apfelbäumen. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 308. 
[1a] Rainer Brambach (1917-1983) war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Brambach    
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 
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Thursday, August 13, 2026

Mongolia – a Strange Phenomenon in the Sky above Lake Achit


Yesterday afternoon, I was able to watch a solar eclipse [1]; while it wasn't total in Germany, it still covered 89–90% of the sun. I was fascinated by how nature reacted—the birds suddenly fell silent—even though, if you looked at the sun, you hardly noticed the 90% reduction in its intensity. It was still bright, but a neighbor had brought home welding shields (visors with dark protective glass) from work, allowing us to observe the eclipse clearly. Later that night came the Perseids [2], a meteor shower that recurs during the first half of August. I saw a few shooting stars falling to earth. It also made me reflect on the fact that the Eifel region—being outside the metropolitan areas of North Rhine-Westphalia—offers quite good conditions for stargazing; in our village (Diefenbach has 70 inhabitants), you can very often see the Milky Way, just as I did that night. Yet, it doesn't compare to what you can see in the Mongolian sky.


Last month, I was at Achit Nuur (Ачит нуур) [3], where we had set up camp south of the lake. There, and at other locations, we had the opportunity to admire a night sky filled with stars, particularly the Milky Way. It was the perfect combination of zero light pollution, the absence of moonlight, and dry air. The best night sky, however, was at our camp near the source of the Mukhart River (Мухартын гол) [4]—though that is beside the point for the story at hand.


It was just before the end of evening twilight, and the sky had already turned almost black. I stepped out of the tent and walked a short distance away to brush my teeth. This is significant because it explains why I couldn't take a photo: I had neither a camera nor a mobile phone with me. I then saw a bright object—appearing almost like a point of light—moving from west to east. It grew brighter, and a spiral—also glowing white—formed around the point. Both objects moved in parallel before fading out. However, the point of light brightened again, and a spiral formed once more; both grew bright before fading out again. On the third occurrence, I shouted for someone to take a photo. Someone came out of the tent and was able to observe the phenomenon, but didn't have a mobile phone at hand either. After the two objects had traversed about two-thirds of the sky at an elevation of approximately 75–80°, they vanished completely.

We discussed what we had actually seen for a while, but we were unable to formulate a conclusive hypothesis. Do you have an idea?




 

Tuesday, August 11, 2026

Sammelsurium (311) 11.08.2026


Ich habe die Schleusen
der Träume geöffnet,
um zu vergessen;
Dagmar Nick [1]


RückSchau
618 n. Chr. [2]

Das Frankenreich wird zum zweiten Mal wiedervereinigt unter Chlothar II. von Neustrien. Dieser läßt die westgotische Königstochter Brunhild hinrichten, die als Gemahlin Sigiberts von Austrasien innere Kämpfe ausgelöst hatte. 
Ende der Sui Dynastie (
隋朝) [2a] und Beginn der Tang Dynastie (唐朝) [2b], welche bis 907 andauerte.
 
BeGratschen
Noli me tangere. [Berühre mich nicht.]
Der Haptische Zwang (Byang-Chul Han). 
"Alles verstehen heißt alles begreifen." Baltus Powenz in „Die Powenzbande“. [3]
Begratschen -: um Beispiel auf der Karlsbrücke in Prag oder in der Nähe von Eva Perons Grab der Hund, besser die HundeSchnauze.  



SuperMarkt 
Ich bin gewöhnlich nicht sehr empfindlich, aber gerade war ich im SuperMarkt und mir schlug das wabbelige Fett wulstiger Arme, übersät mit schlimmen Tattoos, entgegen. Ein Angriff auf die Ästhetik! Und vielleicht war es so schlimm, weil ich gerade erst das Buch „Die Rettung des Schönen“ von Byang-Chul Han [4] gelesen hatte.

AltarGesteck
Auf dem Altar stand ein Gesteck zum AbGewöhnen -: in paar dürre Zweige einer Anturie, aber immerhin grün in der TrinitatisZeit. 

Bernhard Oe.
Ich habe die AngeWohnheit angeNommen, das LeseDatum von Büchern vorne mit einem BleiStift in sie hineinzuschreiben. Und diesmal [5] war der Strich sehr fett; da erinnerte ich mich an Bernhard Oe., einen alten Schulfreund, der den fetten Strich eines HB-BleiStifts liebte. Ich habe in der Vergangenheit häufig an Bernhard gedacht, doch ich hatte ihn aus den Augen verloren. Ich fand ihn auch später nicht im Internet. An eine Begebenheit denke ich noch häufig zurück. Es war in der ersten ReligionsStunde in der Sexta. Der katholische Geistliche sprach Bernhard an: „Zeige uns doch einmal, wie man das  Kreuz schlägt.“ Und da dachte ich bei mir: „Mist, da hat er den richtigen erwischt.“ Denn ich wollte doch sehen, was die Katholiken so alles machen. Aber Bernhard antwortete: „Wir sind evangelisch, wir machen sowas nicht.“ Na gut, da mußten wir Evangelen die Klasse verlassen und nur die Katholen blieben zurück. Erst vor einigen Jahren. konnte ich die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, als sich seinen Bruder traf. Der berichtete mir, daß Bernhard Russisch und Philosophie studiert hatte und dies in Odessa gelehrt hätte. Tja, ich war in Odessa zu der Zeit, als auch er da war, aber wir wußten es beide nicht. Bernhard lebt nun auf Zypern, aber er scheint ab und zu in Deutschland zu sein. Und über Kontakte der evangelischen Kirche habe ich ihm einen Gruß ausrichten lassen und ich hoffe, daß er ihn erreicht und er sich vielleicht meldet. 

JägerZaun / Reminiszieren
… wenn wir schon beim Reminiszieren sind. Wenn ich durch den JägerZaun in das KuttenbachTal schaue, erinnere ich mich an einen anderen JägerZaun und zwar an den bei Tante Friedel -: eine KindheitsErinnerung. Als ich später in der Medizin ein Beispiel für eine PhantasieReise benötigte, habe ich in Vorträgen gerne diesen JägerZaun benutzt. Und zwar so: man geht aus dem der Haustür  hinaus, 2-3 TreppenStufen hinunter, dann durch den VorGarten, öffnet das Törchen am JägerZaun und dann geht man links herum über einen Pfad, der durch Feldere und Wiesen führt, dann über eine kleine Brücke, unter der ein Bach fließt, hinein in einen Wald und so weiter. Diese Fantasiereise sollte abends zum Schlaf führen. Beim Reminiszieren fällt mir natürlich das Lied von der Little River Band [6] ein und der Film Cape Fear [7].





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Dagmar Nick [1a]. Liebeslied. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 287.
[1a] „Dagmar Nick (* 30. Mai 1926 in Breslau) ist eine deutsche Dichterin und Schriftstellerin.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Dagmar_Nick       
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 360.
[2a] Die Sui Dynastie dauerte nur von 581-618, aber hatte das Reich nach über 350 Jahren wiedervereinigt, so daß man sie zu den großen Dynastien Chinas zählt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sui-Dynastie 
[2b] Die Tang-Dynastie … nein, ich versage mir sämtliches Schwärmen! https://de.wikipedia.org/wiki/Tang-Dynastie 
[3] Die Powenzbande ist der Titel eines 1930 erschienenen Romans des Schriftstellers Ernst Penzoldt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Powenzbande 
[4] Byang-Chul Han: Die Rettung des Schönen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2015 [5. Aufl 2020]. ISBN: 978-3-10-002431-2. 
[5] Christiane Landgrebe (Herausgeberin): Bad Trips. Byblos Verlag, Berlin  1993. ISBN: 3-929029-15-4.  
[6] Little River Band - Reminiscing (1978)
https://www.youtube.com/watch?v=XBETVhHpcPk  
„Walking through the park / And reminiscing“
[7] Cape Fear ist ein PsychoThriller aus dem Jahr 1991 mit Robert De Niro,  Juliette Lewis und weiteren. Juilette Lewis erzählt die Geschichte als „Meine Reminiszenz“ (SchulAufsatz zu den Ferien).
https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Fear_(1991_film)  


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Monday, August 10, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 38. KW 10.08.2026


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


38. KW 
Olaf Velte: Swinemünder Chaussee


Pferdchen -: das klingt eher nach OstPreußen und weniger nach Swinemünde für mich. 

Grodek -: Trakl. 

BlauBeeren -: da denke ich an eine PostKarte der ersten Frau meines GroßVaters, wie sie „in die BlauBeeren gegangen ist“ in OstPreußen. Aber das liegt circa 110 Jahre zurück. 

TraumGlatt -: hat etwas von aalGlatt. 

Blaubeeren wohlfeil -: wie lange dann noch bis zu den Pfifferlingen wohlfeil? 

Bei jedem Lesen-: weiter östlicher als Swinemünde  
 
FernSicht 
    ich blicke 
Gen 
Norden 
Über 
Den 
Horizont 
Und 
Den 
NordPol 
Hinweg
Und 
Lasse 
Den Blick 
    Erst 
Am Äquator ruh'n  
 
Vor dem nächsten WeltKrieg 
    der alte
Große 
RuckSack 
Von 
GroßVater 
Ist 
Noch 
Da -:
Olivgrün
Wenn wir 
    Wieder 
Schmuggeln müssen 

38. KW
Kommentar: Marcus Roloff


Geschichte berichtet viel von Helden, Eroberungen, aber der Zerfall, die TrümmerBerge sind oft viel eindringlicher. 

Das Thema „45“, die Stunde Null, das liegt in einigen Monaten 80 Jahre zurück; länger als manches MenschenLeben. 

Hunger 
    die Speisen-
Karte 
Des 
Restaurants 
Zeigt 
Nach 
Dem 
Dritten WeltKrieg 
Nur 
Noch 
Ein Gericht 
    Das 
Heißt Hunger  

Die Menschheit schafft TrümmerBerge, aber auch Archäologie und GeschichtsWissenschaft. Abgesehen von der Poesie.

  




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Sunday, August 9, 2026

Altargesteck zum Zehnten Sonntag nach Trinitatis 2026


Drum, wenn die Wolke wieder mich umgibt
Und fast verzweifelnd meine Arm' ermatten,
Dann will ich denken, daß er hat geliebt,
Und meine Wimper heben durch die Schatten.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der zehnte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Die Wochenspruch lautet [3]: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ Seit den Anfängen des Alten Testaments bis in unsere Tage sind mehr als 3000 Jahre vergangen und wir können das Heilige Land nur als von Konflikten gebeutelt erleben. Der heutige Sonntag wird auch Israelsonntag genannt und wurde im 16. Jahrhundert zur Erinnerung an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels etabliert. Heute stehen die Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. Und schon wieder einmal dürfen sich Juden in Deutschland nicht sicher fühlen. Aber vielleicht fangen wir an, uns mit den jüdischen Wurzeln des Christentums auseinanderzusetzen, bevor wir (allerdings nicht hier) in die Politik einsteigen. Trotzdem: „Denken wir insbesondere an den aktuellen Konflikt in Palästina, unter dem nach Mord und Verschleppung durch die HAMAS Isreali und Palestinenser leiden.“

Offenheit, Toleranz, Wohlwollen, Liebe sind notwendig; Hass, Egoismus oder Narzissmus sind nicht gefragt. Wenn man den Nächsten lieben will wie sich selbst, dann muß man auch sich selbst mit Liebe und Nachsicht begegnen können. Wie steht es um die Menschen, die in den sozialen Medien nur Hass-Kommentare abgeben? Die können sich selbst eben nicht mit Liebe, Nachsicht und Wohlwollen begegnen – aber wir könnten es … könnten es versuchen. 


Im Evangelium geht es um die Frage nach dem höchsten Gebot [4], die Jesus mit einem Zitat aus dem 5. Buch Mose beantwortet [5]. Die ersten beiden Verse der Textpassage lauten: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Dieses Schma Jisrael (Höre Israel) kann man als jüdisches Glaubensbekenntnis auffassen. Gläubige Juden sprechen es morgens und abends, zu Neugeborenen und es sind mitunter die letzten Worte sterbender Juden. Die Textpassage steckt auch in einer Kapsel, die Mesusa [6] genannt wird, und sich am Türpfosten der Eingangstür jüdischer Häuser befindet. Man küßt diese bei Betreten oder Verlassen des Hauses als Ehrerbietung.

Ein Rabbi fragte seine Schüler, wann der Tag beginnen würde. Alle Antworten waren falsch. Der Rabbi beantwortete selbst die Frage: „Der Tag beginnt, wenn Du in das Gesicht eines Menschen blickst und darin Deine Schwester oder Deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Damit aber kommen wir zu Emmanuel Levinas. Emmanuel Levinas (1905-1995) [7] entwickelte eine Ethik, die sich nicht um Erkenntnis über das Sein in erster Linie sondern um das Antlitz des Anderen kümmerte. Man kann dem Anderen nicht mit Gleichgültigkeit begegnen, obwohl er seine Anders-/Fremdheit nicht verlieren kann [6]. Der Übersetzer F. Miething zitierte aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“, um dies zu beschreiben [8]: „Jeder ist verantwortlich für alle anderen, jeder ist schuldig und ich mehr als alle anderen.“

Es ist Saure-Gurkenzeit, auch bei den Gestecken. In der Versöhnungskirche sah man das Skelett einer Anturie, immerhin sehr viel Grün als liturgische Farbe. Als Alternative hätten wir vertrocknete Blumen aufstellen können, die sich noch in der Sakristei fanden. In Kall war es immerhin ein frischer Strauß Sonnenblumen, ebenfalls mit sehr viel Grün. Mal so gesehen kann es in den nächsten Wochen nur besser werden.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 120-121. Am XI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/10-sonntag-nach-trinitatis-israelsonntag-kirche-und-israel/  
[3] Ps 33,12
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.12 Mk 12,28–34
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa 
[7] https://www.jesus.ch/themen/glaube/theologie_philosophie_religion/126826-emmanuel_lvinas_das_antlitz_des_anderen_nach_auschwitz.html 
[8] https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/die-spur-des-anderen/ 

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Gedichte anläßlich der Reise durch die Mongolei im Juli 2026 – Teil 3

 


Die Gedichte hier haben nicht unbedingt mit der Mongolei zu tun, aber sie sind während einer sehr beschwerlichen Reise im Nordwesten des Landes entstanden. Dieser Bereich ist noch sehr ursprünglich mit wenigen Ger Camps [1], so daß man zelten muß. Unsere Zelte wurden mehrfach niedergeweht. Im Wüstensand sind die Furgons [2] stecken geblieben oder die Route mußte geändert werden, da Gebiete unter Quarantäne standen. Oft gab es tagelang keine Elektrizität oder und schon gar keinen Internet-Zugang. Es war eine sehr schöne Reise. Aber hier geht die lyrische Reise weiter.


Achit Nuur [3]
Blau
HügelKette u HügelKette schwingt sich vor einAnder [Westen]
Rot
Diesige Berge hinter dem roten Berg, von dem der Sand der VerGänglichkeit rieselt [Norden]
Grün
Zwischen See und Lagune wiegt sich ein grüner SchilfGürtel [Osten]
Grau
Grauer Fels und heller Sand, der über dem See wacht [Süden]
Weiß
Ich sitze und sinne und die Gedanken treiben im Wind unter den weißen Wölkchen [Mitte]

Els [4]

    Wind und
Regen
Malen
Symbole
In
Den
Sand
Des
Els
BeVor
Sie VerWehen
Müssen Chiffren
    Aus
Ihnen werden

Am Fluß [5]
Die ScharzUlmen beWegen sich kaum
Dann steht die Luft still
Aber der Fluß erZählt in den FlußSchnellen
Und glitzert im SonnenLicht
Ein paar Steine rollen im FlußBett
Von hoch ober ruft ein Milan [6]
Eine Herde Yaks geht langsam zu Furt
Ein MutterTier ruft ihr Kalb
Die anderen warten im Wasser
Das Kälbchen kommt
Die Herde überQuert den Fluß
Um in einem Wäldchen zu verSchwinden
Ich sitze am Fluß
Und schließe die Augen
Das Feuer om VorAbend raucht noch
Ich lausche dem Fluß
Bis die GeSchichte vollständig ist

SteppenBlüten
    grell bühen
Die
Blumen
Der
Steppe
Denn 
Der
Weg
Der
Hummel
Ist 
Weit
Weit ist
    Auch
Unser Weg

Fels
    der ver-
Witterte
Fels
Läßt
Sand
Und
Steine
Zu
Tal
Rollen
Und Pferde
    Gallopieren
Ihnen vorAn
 



Links und Anmerkungen:
[1] Ger Camps bestehen aus Gers (die Jurten der Mongolen) und sanitären Anlagen. Hierzu aber habe ich schon einmal geschrieben:
Mongolia – Staying in the Ger 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/mongolia-staying-in-ger.html 
Mongolia – Some Petroglyphs in the Orkhon Valley https://rheumatologe.blogspot.com/2024/04/mongolia-some-petroglyphs-
in-orkhon.html

[2] Furgons sind geländegängige Fahrzeuge und haben kaum Elektronik sondern alles ist Mechanik, so daß die Fahrer Reparaturen während der Tour durchführen können. Der russische Begriff Furgon (фургон) bedeutet Kastenwagen oder Transporter, auch der Begriff Buchanka (Буханка) – Laib Brot wird benutzt. Die korrkte Bezeichnung ist UAZ-452 (russisch УАЗ-452), also ein Kleintransporter des sowjetischen/russischen Herstellers UAZ, der seit 1965 gebaut wird. Übrigens wurde ein Motor völlig auseinander genommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/UAZ-452 
[3] Da kamen wir nicht weiter genossen aber einen Abend und einen Morgen oberhalb des Sees.
[3a]Reisen durch die Mongolei im Juli 2026 und im Juni 2023 
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/08/reisen-durch-die-mongolei-im-juli-2026.htm
[3b]The Boss of Achit Nuur 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/07/the-boss-of-achit-nuur.html  
[3c] Mehr über den See:
https://en.wikipedia.org/wiki/Achit_Lake 
[4] Els (Элс) bedeutet Sand, Düne 
[4a] Diese ist im Gedicht allerdings nicht gement:
Mongolia – Khonggoryn Els or the Singing Dunes 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/mongolia-khonggoryn-els-or-singing-dunes.html 
[5] Es handelt sich um den Bogdo Gol, auch Bogdin gol (Богдын гол).
[5a] Mongolia – The Bogd Waterfall and Power Plant 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/mongolia-bogd-waterfall-and-power-plant.html 
[6] Während ich am Wohnort täglich Rote Milane sehe (Kunststück, die haben einen Horst etwa 40-50 m vom Grundstück entfernt!), waren es in der Mongolei Schwarze Milane.

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