Ich las vor einigen Tagen den Artikel von Rebecca Welsch „Teebeutel in der Tasse: Warum Sie ihn nicht ausdrücken sollten“ [1]. Sie ging der Frage nach, ob man den Teebeutel ausdrücken sollte, nachem sie folgende Beobachtung gemacht hatte: „Viele drücken, nachdem die Ziehzeit vorbei ist, den Teebeutel am Löffel aus. Das soll dem Tee mehr Geschmack geben.“ Das war für mich anlaß, mich nochmals um Ziehzeiten zu kümmern.
Kennen Sie das? Sie haben die Teekanne angewärmt, die Teeblätter (Schwarztee) gerade hineingetan und mit fast kochendem Wasser aufgegossen, den Deckel geschlossen und auf die Uhr geschaut. Dann denken Sie, ich könnte doch schnell einmal dies oder das machen. Ja und dann ist denn Tee verdorben, weil er einfach zu bitter geworden ist. Das passiert auch, wenn den den Teebeutel ausdrückt, aber Teebeutel sind ein eigenes Thema. Mir ist das früher regelmäßig passiert und dann trank ich jahrelang fast nur noch Grüntee. In Taiwan (台灣) hatte ich beoboachtet, daß Menschen auf der Arbeit morgens Tee in ein Gefäß gaben und dann immer heißes Wasser auf die Teeblätter nachgossen [2]. Den Grüntee kann man länger ziehen lassen, er wird dann nur kalt. Ich trinke aber wieder Schwarztee, hin und wieder, aber dann muss ich mir auch die Eieruhr stellen, schrecke dann hoch, wenn er schellt, denn er schellt immer zur Unzeit, aber der Tee wird genießbar. Zu viele Bitterstoffe zerstören das komplexe Aroma, denn der Tee sonst hat. Natürlich wenn man nicht gerade einen Billigtee im Teebeutel („Beutelstee“) nimmt.
Langes Ziehen verändert also das Aroma bei fermentierten Tees. Wie sieht es mit der Gesundheit aus? Wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denn die Bitterstoffe enthalten wie Theaflavine, Theaflagalline, Thearubigine,Teeghrelin und weitere, also Substanzen, die antioxidativ wirken. Es gibt Erhebungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Antioxidantien und Vereinigte Königreich und Irland stehen besser da wegen des hohen Konsums an Tee.
Tee richtig zubereiten gleicht einer Wissenschaft, da sind Teesorte, Teemenge, Wasser-pH, Wassertemperatur und weitere Dinge mehr zu beachten. Man muss es aber nicht so kompliziert machen und wenn man regelmäßig Tee trinkt, dann weiß man, wieviel Tee man in etwa nehmen muß und wann er lange genug gezogen hat. Der Tee muss auch nicht jeden Tag identisch schmecken, mal die eine, mal die andere Nuance zulassen.
Wenn die Ziehzeit verüber ist, hatte der Tee genügend Zeit, sein Aroma abzugeben, weswegen auch ich gegen das Ausdrücken von Teebeuteln bin. Es hat auch etwas mit Geiz zu tun. Ich erinnere mich an einen Sprachaufenthalt auf der Isle of Wight in Shanklin, bei dem ein Gast aus Yorkshire morgens die Teebeutel immer ausquetschte; nicht gerade höflich, der überaus freundlichen Wirtin gegenüber (B&B [3]).
Zum Mitnehmen:
∙ Tee ist ein Genußmittel und der Genuß sollte im Vordergrund
∙ Tee ist erst in zweiter Linie Heilmittel und mit dem Trinken hat man genug getan
∙ Schwarztee auch nicht mit kochendem Wasser aufgießen, länger als 4 min. würde ich ihn nicht ziehen lassen
∙ Grüntee mit deutlich weniger heißem Wasser aufgießen, 3 min. reichen, aber länger ist durchaus möglich
∙ Salz, Zucker, Gewürze, Milch hinzufügen? – och nö! [4]
Links und Anmerkungen:
[1] Rebecca Welsch: Teebeutel in der Tasse: Warum Sie ihn nicht ausdrücken sollten. 16.10.2026.
https://www.oekotest.de/essen-trinken/teebeutel-in-der-tasse-warum-sie-ihn-nicht-ausdruecken-sollten_602052_1.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
[2] Ich hatte früher über diese Form des Teetrinken berichtet [2a]; hier der Text für den Tee, der über Tag verlänergt wurde:
„Ich kenne noch eine andere Art aus Taiwan, unromantisch Tee zu trinken und das sah ich in Büros oder auch auf Baustellen, der Kinokasse und an allen möglichen Orten. Man hatte ein Schraubglas, in dem Teeblätter morgens eingefüllt wurden, dann wurde heißes Wasser aufgefüllt und den ganzen Tag über je nach Bedarf nachgefüllt. Denn mit grünem Tee oder auch mit halbfermentierten Tees wie dem Oolong-Tee (烏龍茶) oder Longjing-Tee (龍井茶) kann man immer wieder Wasser nachschütten, das hat den Vorteil, daß man in der ersten Tageshälfte einen Tee bekommt, der koffeinhaltig ist und in der zweiten Hälfte des Tages ist so ziemlich kein Koffein mehr enthalten. Dafür schmeckt das Wasser aber nicht nur nach Wasser sondern nach Tee.“
[2a] Der unromantische Tee – eine Reminiszenz
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/10/der-unromantische-tee-eine-reminiszenz.html
[3] Das trifft es auch nicht ganz, denn ich hatte Vollpension.
[4] O.K. es gibt Ausnahmen! Z.B. ostfriesischen Tee, Chai im indischen Kulturraum und meinetwegen auch englischer Tee.
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