Friday, May 8, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 08.05.2026

 


Der Hafen,
in Mondschein getränkt, ist hell wie am Mittag.
Vom offenen Meer
streicht Wind herüber und bringt fremde Gesichter mit;
Kitagawa Fuyuhiko [1]


Stufen 
    ich ging 
Über 
Die 
UnEbenen 
Stufen 
Immer 
Tiefer 
HinUnter 
Zu 
Den lichtLosen 
    Kammern 
Dieses Gedichtes

MitNehmen 
MitNehmen 
Auch nur für eine Weile 
Ich nahm vom Meer 
In der Höhlung einer Muschel 
Und vom Himmel das Blau 
Ich nahm deinen Kuß 
Auch den 

Glocken 
    da läuten 
Die 
Glocken 
Vom 
KirchTurm 
HerAb 
Und 
Das 
Echo 
VerIrrt 
Sich 
In der 
    Höhe 
Des Himmels 

An und von Bord 
Ich ging an Bord 
Doch Ach und Weh 
Anstatt nach Ninive
Ist Jona auch an Bord 
Die Barke fliegt daHin 
Zum fernsten Winkel 
Das Meer ist ruhig 
Wo bleibt nur der Fisch 
In einem fernen Lande 
Gingen alle von Bord    

Schuppen 
    da daHin-
Ten 
Stand 
Der 
Schuppen
Der 
NiederBrannte
Bis auf 
    Den 
GeStampften Boden

Parkett
    im Parkett 
Sind 
Noch 
Plätze
Frei 
Und 
PopCorn 
Gibt 
Es 
Auch
Nun kann 
    Der 
SonnenUntergang beGinnen

Fliegen 
    die Spatzen 
Kolibris 
FlederMäuse 
Schmetterlinge 
Fliegen 
Alle 
In 
Abstrakten 
Bahnen
Nur 
Die 
FlugZeuge fliegen 
    In 
Konsekutiven Linien 

Flammen 
    da flackerten 
Die 
Beiden
KerzenFlammen
Denn 
Die 
Dritte 
Hatte sich 
    Schon 
Ver
Braucht

Särge 
    Sarg um
Sarg 
Haben 
Wir 
In 
Die 
Erde 
GeLassen 
Und
Immer 
Noch 
Haben Himmel 
    Und 
Hölle Platz

Rot & Schwarz
    RotWein auf 
Der 
Weißen 
TischDecke 
Und 
Blut 
Im 
Schnee 
Schnell 
Senkte sich
    Die 
ImmerWährende Nacht

Wir Fische im Teich 
    der Frost 
Hat 
Den 
Teich 
Mit 
Eis 
ÜberZogen
Wir 
Fische 
Liegen 
Am 
Boden 
Des 
Teiches 
Eng 
BeiSammen
Und 
Können 
Uns nicht 
    EinMal 
GegenSeitig wärmen
  




Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Kitagawa Fuyuhiko [1a]: Gesichter. Zitiert in: Annelotte Piper: Ein japanischer Dichter der Gegenwart. Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 502-529 / 521 .
[1a] Kitagawa Fuyuhiko (北川冬彦) bzw. Taguro Tadahiko (田畔忠彦) war ein japanischer Lyriker und Filmkritiker; er lebte von 1900 bis 1990.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kitagawa_Fuyuhiko    
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Wednesday, May 6, 2026

Sammelsurium (304) 06.05.2026

 


Rehe springen in schwarzen Schnee,
Andere werden die Schonzeit erreichen.
Günter Seuren [1]


RückSchau
1236 n. Chr. [2]

Tod von Osman I. (seit 1288), dem Gründer des Osmanischen Reiches. Chorgestühl des Kölner Domes fertiggestellt. Meisters Eckarts Rechtfertigungbuch.

Der Ritter von der fröhlichen Gestalt
Der ritter von der fröhlichen Gestalt und sein Diener Franz Dampf in allen Gassen. 

Er wußte zu viel
Sag nicht zu viel, wenn der Neurologe oder Psychiater dich befragt. Denn wer zu viel weiß, der lebt gefährlich. 

ZwischenZeitraum 
Nicht mehr am Busen der Natur, aber noch nicht an der Brust der Natur. 

Schwarze Aura 
Er ist der einzige Mensch mit einer schwarzen Aura, aber das stört ihn überhaupt nicht, nicht die Bohne. 

Schartige Schneide
Die schartigen Wolken schneiden den Himmel in unEgale Teile, aber was soll man von ihnen sonst erWarten, wenn sie über ein Land fliegen, dessen Felder und Wiesen so fies zerStückelt sind?! 

Longing to tell
Vor fast ausverkauftem Haus – heißt es häufig, aber gut besetzt war die Philharmonie Köln schon, als Akua Naru & das Ensemble Resonanz „Longing to tell – a blues opera“ aufführten. Akua Naru ist schlank und agil, aber hat sie eine Rechts-links-Schwäche? Sie erzählte von einem rechten Jab und schwang die linke Faust. Tyshawn Sorey ist genau das Gegenteil, nein, auch wenn er heavy ist, agil ist er auch – Schlagzeug und Dirigent. Beonders gefiel mir Josiah Woodson an Trompete, Gitarre und Flöte. Manchmal gab es eine Werner-Höfer-Atmosphäre (allerdings Nebel statt Rauch – sehr fein dosiert wie auch die Beleuchtung). Erzählt wird die Geschichte von Linda Rae – kann man aktuell noch nachlesen [3].

Bienen & Co.
Was suchen Bienen, Hummeln, Wespen an den Wänden meines Hauses? Vielleicht das Äquivalent des Heiligen Grales.

FußTritt
Diotima kannte Hyperions FußTritt – als ob die Faust nicht reichte!
Diotima kannte Hyperions FußTritt – als ob ihr Faust nicht reichte!
Gut, das lesen wir also heute anders; andererseits, wer liest das heute noch?[4]

Störungen
Diese plötzlichen Geräusche, die aus Gedanken hochSchrecken lassen; zum Beispiel, wenn man an den BackOfen kommt – regelmäßig, wenn ich Gemüse schneide und mich an der falschen Stelle abstütze – oder wenn man den Topf auf dem CeranFeld auf eine falsche Position schiebt -: piep, piep, piep. Wenn man in die Garage fährt und die Sensoren Alarm geben, obwohl kein GefahrenGrund vorLiegt. Wenn das Telefon läutet, weil jemand eine Umfrage macht und doch nur etwas verkaufen will. Oder wenn der RauchMelder plötzlich einmal seufzt, weil die Batterie zu schwach ist. Ich fühle mich dadurch einfach gestört.  

Scherben [Shards]
Hinter dem Fabriktor der Fabrikator 
So viele Toren hinter den Toren 
Beefeater – Bee Eater
WanderRatte – WanderFalke – WanderBauStelle
Musikanten – Musiker  
Hyperion – Hyper-Ion 
GartenBank – AusternBank – ParkBank 







Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Günter Seuren  [1a]: Rehe. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 266.
[1a] Günter Seuren (1932-2003) war ein deutscher Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Seuren     
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 584/585.
[3] https://www.koelner-philharmonie.de/de/programmhefte/longing-to-tell-a-blues-opera/5002?utm_source=optimizely%20&utm_medium=newsletter&utm_campaign=dppremailing&utm_content=owned 
[4] Friedrich Hölderlin: Hyperion oder Der Eremit in Griechenland. Anaconda, Köln 2005. ISBN: 978-3-938484-19-7. S. 109.

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Sunday, May 3, 2026

Altargesteck zu Kantate 2026

 


Nicht Glut, nicht Dürre schadet mir
Ich weiß, ich bin in deiner Macht
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der vierte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Kantate („Singt!“) [2]. Wie in jedem Jahr denke ich an das Cantare in dem italienischen Evergreen: „Cantare, oh, oh, oh, oh / Nel blu, dipinto di blu“ [3]. Oder wir denken an eine Kantate von Johann Sebastian Bach denken, von denen man jeden Sonntag Morgen eine auf WDR 3 hören kann.  Der Wochenspruch lautet: „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ und Singen zieht sich durch die gesamte Bibel [4]:
    ·  Es „sangen Mose und die Kinder Israel“
    ·  „Da sangen Debora und Barak“
    ·  „Singet Gott, lobsinget seinem Namen“
    ·  „ich will Psalmen singen im Geist“
    ·  „hörte er das Singen und den Reigen“
    ·  „singet und spielet dem Herrn in euren Herzen“
    ·  „ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen“
und viele weitere mehr, besonders natürlich in den Psalmen.

In der Lesung aus dem Alten Testament [5] kommt David an den Hof von Saul, der durch einen bösen Geist verstört wurde und das Seitenspiel Davids sollte ihn beruhigen. Und so kam es dann auch, daß David Saul erquickte und der böse Geist von ihm wich. Musik wird mittlerweile auch in der Therapie angewendet, denn man will z.B. eine antidepressive Therapie unterstützen; ich denke in diesem Zusammenhang eher an Martin Fendel [6], auch wenn er sich mehr mit Physiologie und Musikergesundheit beschäftigt hat.

Die Epistellesung steht im Brief an die Kolosser [7]. Es geht um gegenseitiges Ertragen und Vergeben, „wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ Die Stelle endet mit: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ Wer Ohren hat, der kennt den Satz aus den Abkündigungen, jedenfalls in der Trinitatisgemeinde in der Eifel. Auch wenn es sich um einen Begriff handelt, der kirchlich zur öffentlichen Bekanntgabe benutzt wird, habe ich in Köln den Wechsel auf den Begriff Ankündigungen unterstützt, da in dem Teil in der Regel nicht Todesfälle, Heiraten und Taufen oder Konfirmationen bekannt gegeben werden sondern die Termine der kommenden Woche und darüber hinaus.

Das Evangelium für den heutigen Sonntag behandelt die Stelle, in der die  Pharisäer Jesus auffordern, seine Jünger zum Schweigen zurecht zu weisen und er aber antwortet: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ [8] Vielleicht kann man es auch so sehen, wenn Katastrophen wie Feuer oder Krieg uns zum Schweigen bringen, werden die Steine oder Trümmer zum Himmel schreien.

Im Predigttext geht es um die Einweihung des Tempels in Jerusalem unter Salomo. „Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.“ [9] Hier  habe ich keine gute Überleitung, aber schließlich dürfen wir auch springen, denn das tun Kinder gerne und heute stand eine Taufe an. Die Liturgin predigte über den Namen, durch den wir nach der Taufe zu Gott gehören. Ich denke da an: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ [10] Die Pfarrerin fragte, wer denn seinen Taufspruch wüßte. Ich natürlich nicht, aber man kann ja nachschauen, z.B. auf dem Taufschein, den ich eingescannt hatte. Obwohl ich im Vringsveedel in Köln geboren wurde, wurde ich in der Lukaskirche in Berlin-Steglitz getauft. Mein Taufspruch lautet: „Euer und eurer Kinder ist diese Verheißung“ [11].

Das Altargesteck in Kall zeugt neu und erneut die österliche Freudenzeit auf; ganz in Weiß, der aktuellen österlichen Farbe. Dem Jubel der letzten Woche folgt aktuell der Lobgesang. Und dies drückte das Altargesteck aus. Herzlichen Dank dafür.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 82-83. Am VI. Sonntage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/kantate/ 
[3] Der vollständige Refrain [3a] lautet: „Volare, oh, oh / Cantare, oh, oh, oh, oh / Nel blu, dipinto di blu / Felice di stare lassù“ [Fliegen, oh, oh / Singen, oh, oh, oh, oh / Im Blau, gemalt in Blau, Glücklich, dort oben zu sein]. Er stammt aus dem Schlager „Nel blu, dipinto di blu (Volare)“, der von Domenico Modugno (Musik und Text) und Franco Migliacci (Text) [3b] geschrieben und auf dem Sanremo-Festival 1958 von Modugno und Johnny Dorelli präsentiert wurde. 
[3a] https://www.songtexte.com/songtext/domenico-modugno/nel-blu-dipinto-di-blu-volare-7b94ca9c.html  
[3b] https://de.wikipedia.org/wiki/Nel_blu_dipinto_di_bl   
[4] Ps 98,1 und nachfolgend:
2 Mose 15,1; Ri 5,1; Ps 68,5; 1 Ko 14,15; Lk 14,15; Eph 5,19; Jak 5,13
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1SA.16 1. Sam 16,14–23
[6] https://dgfmm.org/fileadmin/abstracts/2021-2_07_In_Gedenken_an_Prof._Dr._Martin_Fendel-kurz.pdf oder  https://mailchi.mp/fcc6eb0aaee3/pressemitteilung-musikalische-reise-richtung-osten-5370658 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/COL.3 Kol 3,12–17
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,37–40   
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CH.5 2. Chr 5,2–5(6–11)12–14
[10] Jes 43,1
[11] Apg 2,39

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Friday, May 1, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 01.05.2026

 


Was erwartet uns – ohne Flügel?
Wir werden es morgen erfahren,
wenn es wieder zu spät.
Alfred Gong  [1]


Auf dem Weg 
Auf dem Weg 
In die VorStadt 
VorBei am BrachGelände 
Es roch so stark nach Urin 
Daß kein ObDachloser dort überNachtete
Auf dem Weg 
Hinter beSoffenen, torkelnden Männern 
Nicht aus der Stadt 
In die VorStadt
Die VorHölle 
Die nur beTrunken zu erTragen war

UnSterblich 
    nein, du 
Bist 
Nicht 
UnSterblich
Du 
Hast 
Nur 
In 
Jedem 
JahrHundert 
    Für 
Eine Weile geLebt   

NordPol 
    sie ver-
Schleppten 
Uns 
Gen 
Norden 
Und 
Am 
NordPol 
Sagten 
Sie 
Uns 
Hier geht's nicht mehr weiter |
Aber was 
    Wußten 
Wir schon? 

Käfer 

    es sind 
Die 
Schweren 
Käfer
Die 
Gerade 
So 
Viel 
Fliegen 
Können
Um 
Gegen 
Scheiben 
Zu 
Krachen
Also ganz 
    Wie 
Wir Menschen 

MüllHalde
    die brennende 
MüllHalde
Und 
Man 
Blickt 
Auf 
Eine 
Brennende
Puppe 
Wie auf 
    Ein 
MenschenOpfer 

Ginkgo
    schade, die 
GinkgoBäume 
Von 
Wonsan
Hätten 
SonnenSchein 
VerDient
Aber 
Es 
Herrschten 
BeDecktes Wetter 
    Und 
Kim Jong Il

VollMond 
    da steigt 
Der 
Feiste 
Mond 
Mit 
Seinem 
Gelben 
Gesicht 
HinterHältig 
Lachend 
Auf 
Und keine 
    Wolke 
In Sicht  

Frösche 
    über den 
Fröschen 
Im 
Teich 
ZerFal-l-en 
Blätter
Äste
Halme 
Algen 
Den 
Ganzen 
Winter 
Lang
Im Frühling 
    Die Phönixe 
Wieder erStehen 

Brandung 

    die Brandung 
Ihrer 
Worte 
DurchBrach 
Die 
Weiße 
SteilKüste 
Ihrer 
Zähne 
Und 
Lief 
Aus 
Auf 
Dem 
Strand
Unserer Ohren 
    In 
Zarten Wellen 

BahnFahrt 

    früher in 
Den 
GePolsterten
AbTeilen 
Der 
Bahn 
Blieben 
Noch
Impressionen 
Reste 
Von 
GeSprächen 
Ein Hauch 
    Von 
Duft zurück 

Idylle
Der Wind in den Tannen 
Das Plopp Plopp Plopp 
Der Kirschen im Teich
Die Meisen singen 
Die Amseln auch
Ein Schluck Tee
Eine Seite im Buch 
So verFührerisch ist die Idylle
Und ebenso das Leben 
Als Ablenkung vom Tod  





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Alfred Gong  [1a]: Die fliegende Arche. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 421.
[1a] Alfred Gong (1920-1981) stammte aus Czernowitz und war ein rumänisch-US-amerikanischer, deutschsprachiger Schriftsteller. In der Jugend war er mit Paul Celan und Immanuel Weissglas, in New York  mit Rose Ausländer befreundet. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Gong 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Der Maibaum in Diefenbach, Eifel – alle Jahre wieder



Auch in diesem Jahr wurde ein Maibaum [1] aufgestellt. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um eine Aufstellung von Maibäumen der letzten Jahre und sogar vor 15 Jahren zu machen, denn ich habe in meinem Archiv nach Bildern durchsucht. Über den Maibaum in Diefenbach hatte ich bereits 2023 und 2025 berichtet [2].


Der Ursprung des Brauchs liegt im Dunkeln, manche Volkskundler vermuten einen alten germanischen Ritus, was aber von anderen stark bezweifelt wird. Auf der Seite eines Maivereins wird 198 n. Chr. für die Gegend von Bitburg in der Eifel [3] angegeben. Ich halte das für einen Tippfehler und das Jahr 1198 für wahrscheinlicher. Die „Fidelen Jungs“, die sich merkwürdigerweise „Fidele Jung's“ schreiben, haben den Fehler nicht geändert [4]. Das Aufstellen des Maibaumes ist für das Jahr 1224 bezeugt (Cäsarius von Heisterbach). Im Rheinland und der Eifel ist heutzutage die Birke am wahrscheinlichsten. In Stadtregionen ist es aber verboten, selbst Birken zu fällen oder Teile von Birken abzusägen. Die Spitzen werden mit Girlanden, Krepppapier-Streifen und weiteren mehr bunt geschmückt. Ich hier auch Fendel benutzen können, ein ripuarisches Wort, das so viel wie Flügel oder hier Fähnchen bedeutet, aber ich wollte das Wort Krepppapier wg. der Häufung der Ps (PPPaP) nicht ungenutzt lassen. Insgesamt gibt es eine Jahrhunderte alte christliche Tradition.

Und hier einige Bilder zur Tradition von Diefenbach:

2010

2022
2023

2024
2025

2026

Wir hatten in den letzten Jahren mit dem Wetter Glück. Auch diesmal hatten wir strahlend blauen Himmel, also um mit Eduard Mörike zu sprechen: „Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte“. Und dazu flatterten die  Bänder am Maibaum, denn es wehte ein kalter Wind. Wir standen oder saßen später in der Nähe des Feuers.  Und wer es sich nicht vorstellen kann, der kann einen Asterix & Obelix Band hervorholen und sehen, wie das Dorf am Ende feiert [5] – bei uns in Diefenbach allerdings ohne geknebelten Barden und ohne Wildschweinbraten.

Ach, fast hätte ich es vergessen. In diesem Jahr stellten wir den Baum ohne Hilfe eines Treckers auf. Allen Mitwirkenden und den OrganisatorInnen herzlichen Dank! Rudi gute Besserung! Hoffentlich feiern wir im nächsten Jahr erneut. Und ist jemandem aufgefallen, wie zufällig der Wagen mit dem Eis für die Kinderschar gekommen ist?!





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Maibaum 
[2] Der Maibaum von Diefenbach 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/der-maibaum-von-diefenbach.html  
Der Maibaum von Diefenbach und ... Bolivien 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/05/der-maibaum-von-diefenbach-und-bolivien.htm
[3] Maigesellschaft "Fidele Jung´s" Huchem-Stammeln 1907 e.V.
http://www.mghuchem-stammeln.de/ursprung-des-maibrauches/ 
[4] Wobei ich mich mit dem Lästern zurückhalten sollte, auf meinem Blog haben genügend Fehler überlebt.
Ich denke gerade an die Fidelen Sandhasen aus Troisdorf. 
[5] https://image.geo.de/30121342/t/2Z/v5/w1440/r0/-/gelage-fuer-berlin-paris-asterix-und-obelix-png--68429-.jpg 
 
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Thursday, April 30, 2026

Haiku for National Haiku Writing Month – April 2026 Second Half


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month has been Andrea Piscitelli Narciso [3]. Andrea has done so before in May 2017, June 2023, and May 2024. Thank you for your interesting and challeging prompts, Andrea!


wildflowers 
always fighting 
even themselves 
~ Wildflowers

forgotten wet laundry 
smells like wet dog 
but doesn't bark 
~ Wet Dog

looking at 
the verdant valley 
a crow crosses 
~ Verdant

man and dog 
on this lazy sunday 
traipsing along 
~ Traipse

fresh green thickets 
dandelions in the meadows 
I sing with the birds 
~ Thicket 

out of the cold earth 
the hop tendrils wind upwards 
to cast cool shadows 
~ Tendrils

all the sunflowers 
are turning their heads 
as the sun speeds off 
~ Sunflower Field 

the sun shines 
through the fresh maple leaves 
a checkerboard of circles 
~ Sun-Dappled

the spider's web 
silken and sticky 
still empty 
~ Spider Web

drowsy 
the sun behind the shades 
joins the siesta 
~ Siesta

a walk on the beach 
enjoying sun and ocean 
oh, sandy feet 
~ Sandy Feet

in the riverbed 
tossing and turning 
as in our bed 
~ Riverbed

all wishing 
to be reborn 
as nature does 
~ Rebirth

onwards to mars 
calling 
REBIRTH REBIRTH REBIRTH 
~ Rebirth

to the rhythm 
of the raindrops 
sipping tea ~ Raindrops

a blackbird flies 
into the cherry tree 
petals trundling down 
~ Petals





Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/andrea-piscitelli-narciso-2023 

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Monday, April 27, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 32. KW 27.04.2026

 

Beijing

Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


32. KW
Johann Wolfgang Goethe: Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten VIII.


Warum Chinesisch-Deutsch? 

„Schlanke Weiden“ und „Flut“ -: ich erinnere mich an ein Bild, das ich in Beijing (北京市) gemacht habe, Weidenzweige, die fast zum Wasser reichten. 

Licht steigt auf vom Horizonte 
Leuchtet sanft auf schlanke Wolken 
Schon sind alle Küh gemolken
Auf zum Weiden, ins Besonnte

Dort am Walde stehn noch Schleier
Zum Stalle hin eilt nun die Magd
Holt von dort zum Frühstück Eier
Frisch aus dem Bett heraus! Es tagt

Bald ist dahin der Zauber
Den man im Dorf vermutet 
Der Traktor ist schon sauber 
Bei Abfahrt wird getutet

„Dämmung senkte“ „Nähe fern“ -: ich meine eher, daß die Ferne näher wirkt,  wenn sich die Dämmrung senkt. 

Schwarze Spiegel – Stern – ruhender See  

MondLicht 
    das Mond-
Licht 
BeFeuchtet 
Die 
Wellen 
Auf 
Dem 
See
Aber 
Der 
Wind 
Weht Sand 
    In 
Die Augen


32. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


Unter Umständen meinte Goethe, die Naturbetrachtung, aber die ist nur Teil der chinesischen Dichtung. 

Das Erotische -: Weiden sind in China ein erotisches Symbol, aber war das Goethe bekannt? Wahrscheinlich schon – der alte Schwerenöter! 

„... kann man das gigantische Ausmaß der Restglut nur ahnden“ -: Ahnden oder ahnen – das ist wirklich eine Frage. 
 
NeuMond 
    der Neu-
Mond 
Stand 
Über 
Dem 
Nebel 
Im 
Tal 
Und 
Die Vögel 
    Schwiegen 
Wie ich


Parakrama Samudra, Sri Lanka



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