Doch wie am dürren Baume sehn
Man wird des Schlinggewächses Spur,
So, ein Vampir,
Dort sie die Seele und den Körper dir.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Man wird des Schlinggewächses Spur,
So, ein Vampir,
Dort sie die Seele und den Körper dir.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der heutige Sonntag ist der 19. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ [3] Der 19. Sonntag nach Trinitatis geht der Frage der Heilung nach, ob die körperliche Heilung das Maß der Dinge sein kann oder das seelische Heil nicht der wichtigere Aspekt ist. Wenn der Christus heilt, so heilt er immer den ganzen Menschen. Für die Frage an sich können ganz unterschiedliche Geschichten aus der Bibel herangezogen werden.
Aus dem Neuen Testament die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda („Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“) [4]. Ich bevorzuge Bethesda, obwohl die Schreibweise nach dem Griechischen eher Bithsatha Βηθζαθά und dem Hebräischen Bit-hasda (בֵּית־חַסְדָּא) lauten müßte; Betesda sieht einfach blöd aus. Jesus fragt: „Willst du gesund werden?“ „Ja, selbstverständlich!“ möchte man aufschreien. Aber so absurd ist die Frage nicht. Es geht hier vielmehr um das Heil, was allerdings Umkehr, Veränderung von Einstellung und Leben heißen kann.
Oder die Heilung des Gelähmten (das Dach wird abgedeckt und der Kranke zu Jesus hinabgelassen) [5]. In dieser Perikope geht es einerseits um die Heilung eines Gelähmten und andererseits die Vollmacht zur Sündenvergebung.
Oder aber im Alten Testament bei Jesaja: Hiskias Krankheit, Genesung und Dankeslied [6].
Die Epistellesung ist „Das Gebet für die Kranken“ aus dem Jakobusbrief [7]: „Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.“ Und das Heil soll nicht nur die Kranken erreichen sondern alle Welt, das aber machen wir in den Fürbitten – hier als Beispiel: „Gott, wir tragen alles, was wir auf dem Herzen haben zu dir. Nicht nur für uns selbst bitten wir – wir denken auch an andere Menschen. An nahe und ferne.Wir beten für die Menschen in Israel und Palästina, in der Ukraine und in Russland in den vielen anderen Ländern, in denen Krieg und Terror herrschen. Und wir teilen die Klage der Mütter, Väter und Kinder um die, die sie verloren haben. Gott, wir bitten dich auch für all jene, die nicht frei sind, Gutes zu tun oder eigene Entscheidungen zu treffen, weil ihr Denken von Kindheit an durch Ideologie oder enge Glaubenssysteme geprägt wurde. Sei bei den Menschen in sektenähnlichen Gemeinschaften, in religiös-fundamentalistischen Staaten wie dem Iran oder in diktatorischen Regimen. Durchbrich den äußeren Zwang, der sie bindet, und schenke ihnen den Mut und die Freiheit, eigene Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Gott wir bitten dich, wirke in diese Welt hinein, damit die Menschen zur Vernunft kommen und anfangen am Frieden zu bauen.“
Das Altargesteck war in Köln wie in Kall schön gestaltet. In Köln stand es diesmal nicht im Abseits, das Tor zählt also. Violette Töne mit orangen und roten tupfern überwiegen. In Kall bestechen der Dialog von Rot und Orange bei den Dahlien, aber überhaupt die warmen Töne über dem Grün der langsam sich zu Ende neigenden Zeit „nach Trinitatis“.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 141-143. Am XX. Sonntage nach Pfingsten. Und da steht noch: „Evang.: Vom Gichtbrüchigen / Matth. 9,1-8“. Ach, da ist er ja, der Gichtbrüchige; hier in römisch-katholischer Tradition. Auch ich dachte immer bei dieser Textstelle, daß es Gichtbrüchiger heißen muß, da ich gesehen habe, wie Schmerzen bei Gicht lähmen können, aber im griechischen Text steht παραλυτικὸν, also paralytisch und das bedeutet gelähmt; der Begriff wird noch heute in der Medizin benutzt.
In der Übersetzung nach Luther von 1912 (evangelische Tradition) heißt es: „Und es kamen etliche zu ihm, die brachten einen Gichtbrüchigen, von vieren getragen.“ https://www.die-bibel.de/bibel/LU17,LU12/MRK.2
Ob Annette von Droste-Hülshoff das Gedicht „Der Vampir“ von Heinrich August Ossenfelder (1748) [1a] kannte?
Fast vergaß ich es – mit sie ist die Sünde gemeint.
[1a] http://www.vampire-world.com/literaturseiten/gedichte/der_vampir.ossenfelder.htm
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/19-sonntag-nach-trinitatis/
[3] Jer 17,14 - Ich finde, daß Jeremia in unserer Wahrnehmung gegenüber Jesaja viel zu kurz kommt; in der Perikopenordnung zählte inmal nur zehn Textstellen. Jeremia ist kein Schönwetterprophet, er wettert gegen die Friedens-Propheten, die ihre Zuhörer in falsche Sicherheit wiegen.
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.5 Joh 5,1–16
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.2 Mk 2,1–12; man hätte auch Mt 9,1-8 oder Lk 5,17-26 nehmen können.
[6] https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja38 Jes 38,1-20
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JAS.5 Jak 5,13–16
.














