Friday, May 1, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 01.05.2026

 


Was erwartet uns – ohne Flügel?
Wir werden es morgen erfahren,
wenn es wieder zu spät.
Alfred Gong  [1]


Auf dem Weg 
Auf dem Weg 
In die VorStadt 
VorBei am BrachGelände 
Es roch so stark nach Urin 
Daß kein ObDachloser dort überNachtete
Auf dem Weg 
Hinter beSoffenen, torkelnden Männern 
Nicht aus der Stadt 
In die VorStadt
Die VorHölle 
Die nur beTrunken zu erTragen war

UnSterblich 
    nein, du 
Bist 
Nicht 
UnSterblich
Du 
Hast 
Nur 
In 
Jedem 
JahrHundert 
    Für 
Eine Weile geLebt   

NordPol 
    sie ver-
Schleppten 
Uns 
Gen 
Norden 
Und 
Am 
NordPol 
Sagten 
Sie 
Uns 
Hier geht's nicht mehr weiter |
Aber was 
    Wußten 
Wir schon? 

Käfer 

    es sind 
Die 
Schweren 
Käfer
Die 
Gerade 
So 
Viel 
Fliegen 
Können
Um 
Gegen 
Scheiben 
Zu 
Krachen
Also ganz 
    Wie 
Wir Menschen 

MüllHalde
    die brennende 
MüllHalde
Und 
Man 
Blickt 
Auf 
Eine 
Brennende
Puppe 
Wie auf 
    Ein 
MenschenOpfer 

Ginkgo
    schade, die 
GinkgoBäume 
Von 
Wonsan
Hätten 
SonnenSchein 
VerDient
Aber 
Es 
Herrschten 
BeDecktes Wetter 
    Und 
Kim Jong Il

VollMond 
    da steigt 
Der 
Feiste 
Mond 
Mit 
Seinem 
Gelben 
Gesicht 
HinterHältig 
Lachend 
Auf 
Und keine 
    Wolke 
In Sicht  

Frösche 
    über den 
Fröschen 
Im 
Teich 
ZerFal-l-en 
Blätter
Äste
Halme 
Algen 
Den 
Ganzen 
Winter 
Lang
Im Frühling 
    Die Phönixe 
Wieder erStehen 

Brandung 

    die Brandung 
Ihrer 
Worte 
DurchBrach 
Die 
Weiße 
SteilKüste 
Ihrer 
Zähne 
Und 
Lief 
Aus 
Auf 
Dem 
Strand
Unserer Ohren 
    In 
Zarten Wellen 

BahnFahrt 

    früher in 
Den 
GePolsterten
AbTeilen 
Der 
Bahn 
Blieben 
Noch
Impressionen 
Reste 
Von 
GeSprächen 
Ein Hauch 
    Von 
Duft zurück 

Idylle
Der Wind in den Tannen 
Das Plopp Plopp Plopp 
Der Kirschen im Teich
Die Meisen singen 
Die Amseln auch
Ein Schluck Tee
Eine Seite im Buch 
So verFührerisch ist die Idylle
Und ebenso das Leben 
Als Ablenkung vom Tod  





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Alfred Gong  [1a]: Die fliegende Arche. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 421.
[1a] Alfred Gong (1920-1981) stammte aus Czernowitz und war ein rumänisch-US-amerikanischer, deutschsprachiger Schriftsteller. In der Jugend war er mit Paul Celan und Immanuel Weissglas, in New York  mit Rose Ausländer befreundet. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Gong 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Der Maibaum in Diefenbach, Eifel – alle Jahre wieder



Auch in diesem Jahr wurde ein Maibaum [1] aufgestellt. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um eine Aufstellung von Maibäumen der letzten Jahre und sogar vor 15 Jahren zu machen, denn ich habe in meinem Archiv nach Bildern durchsucht. Über den Maibaum in Diefenbach hatte ich bereits 2023 und 2025 berichtet [2].


Der Ursprung des Brauchs liegt im Dunkeln, manche Volkskundler vermuten einen alten germanischen Ritus, was aber von anderen stark bezweifelt wird. Auf der Seite eines Maivereins wird 198 n. Chr. für die Gegend von Bitburg in der Eifel [3] angegeben. Ich halte das für einen Tippfehler und das Jahr 1198 für wahrscheinlicher. Die „Fidelen Jungs“, die sich merkwürdigerweise „Fidele Jung's“ schreiben, haben den Fehler nicht geändert [4]. Das Aufstellen des Maibaumes ist für das Jahr 1224 bezeugt (Cäsarius von Heisterbach). Im Rheinland und der Eifel ist heutzutage die Birke am wahrscheinlichsten. In Stadtregionen ist es aber verboten, selbst Birken zu fällen oder Teile von Birken abzusägen. Die Spitzen werden mit Girlanden, Krepppapier-Streifen und weiteren mehr bunt geschmückt. Ich hier auch Fendel benutzen können, ein ripuarisches Wort, das so viel wie Flügel oder hier Fähnchen bedeutet, aber ich wollte das Wort Krepppapier wg. der Häufung der Ps (PPPaP) nicht ungenutzt lassen. Insgesamt gibt es eine Jahrhunderte alte christliche Tradition.

Und hier einige Bilder zur Tradition von Diefenbach:

2010

2022
2023

2024
2025

2026

Wir hatten in den letzten Jahren mit dem Wetter Glück. Auch diesmal hatten wir strahlend blauen Himmel, also um mit Eduard Mörike zu sprechen: „Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte“. Und dazu flatterten die  Bänder am Maibaum, denn es wehte ein kalter Wind. Wir standen oder saßen später in der Nähe des Feuers.  Und wer es sich nicht vorstellen kann, der kann einen Asterix & Obelix Band hervorholen und sehen, wie das Dorf am Ende feiert [5] – bei uns in Diefenbach allerdings ohne geknebelten Barden und ohne Wildschweinbraten.

Ach, fast hätte ich es vergessen. In diesem Jahr stellten wir den Baum ohne Hilfe eines Treckers auf. Allen Mitwirkenden und den OrganisatorInnen herzlichen Dank! Rudi gute Besserung! Hoffentlich feiern wir im nächsten Jahr erneut. Und ist jemandem aufgefallen, wie zufällig der Wagen mit dem Eis für die Kinderschar gekommen ist?!





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Maibaum 
[2] Der Maibaum von Diefenbach 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/der-maibaum-von-diefenbach.html  
Der Maibaum von Diefenbach und ... Bolivien 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/05/der-maibaum-von-diefenbach-und-bolivien.htm
[3] Maigesellschaft "Fidele Jung´s" Huchem-Stammeln 1907 e.V.
http://www.mghuchem-stammeln.de/ursprung-des-maibrauches/ 
[4] Wobei ich mich mit dem Lästern zurückhalten sollte, auf meinem Blog haben genügend Fehler überlebt.
Ich denke gerade an die Fidelen Sandhasen aus Troisdorf. 
[5] https://image.geo.de/30121342/t/2Z/v5/w1440/r0/-/gelage-fuer-berlin-paris-asterix-und-obelix-png--68429-.jpg 
 
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Thursday, April 30, 2026

Haiku for National Haiku Writing Month – April 2026 Second Half


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month has been Andrea Piscitelli Narciso [3]. Andrea has done so before in May 2017, June 2023, and May 2024. Thank you for your interesting and challeging prompts, Andrea!


wildflowers 
always fighting 
even themselves 
~ Wildflowers

forgotten wet laundry 
smells like wet dog 
but doesn't bark 
~ Wet Dog

looking at 
the verdant valley 
a crow crosses 
~ Verdant

man and dog 
on this lazy sunday 
traipsing along 
~ Traipse

fresh green thickets 
dandelions in the meadows 
I sing with the birds 
~ Thicket 

out of the cold earth 
the hop tendrils wind upwards 
to cast cool shadows 
~ Tendrils

all the sunflowers 
are turning their heads 
as the sun speeds off 
~ Sunflower Field 

the sun shines 
through the fresh maple leaves 
a checkerboard of circles 
~ Sun-Dappled

the spider's web 
silken and sticky 
still empty 
~ Spider Web

drowsy 
the sun behind the shades 
joins the siesta 
~ Siesta

a walk on the beach 
enjoying sun and ocean 
oh, sandy feet 
~ Sandy Feet

in the riverbed 
tossing and turning 
as in our bed 
~ Riverbed

all wishing 
to be reborn 
as nature does 
~ Rebirth

onwards to mars 
calling 
REBIRTH REBIRTH REBIRTH 
~ Rebirth

to the rhythm 
of the raindrops 
sipping tea ~ Raindrops

a blackbird flies 
into the cherry tree 
petals trundling down 
~ Petals





Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/andrea-piscitelli-narciso-2023 

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Monday, April 27, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 32. KW 27.04.2026

 

Beijing

Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


32. KW
Johann Wolfgang Goethe: Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten VIII.


Warum Chinesisch-Deutsch? 

„Schlanke Weiden“ und „Flut“ -: ich erinnere mich an ein Bild, das ich in Beijing (北京市) gemacht habe, Weidenzweige, die fast zum Wasser reichten. 

Licht steigt auf vom Horizonte 
Leuchtet sanft auf schlanke Wolken 
Schon sind alle Küh gemolken
Auf zum Weiden, ins Besonnte

Dort am Walde stehn noch Schleier
Zum Stalle hin eilt nun die Magd
Holt von dort zum Frühstück Eier
Frisch aus dem Bett heraus! Es tagt

Bald ist dahin der Zauber
Den man im Dorf vermutet 
Der Traktor ist schon sauber 
Bei Abfahrt wird getutet

„Dämmung senkte“ „Nähe fern“ -: ich meine eher, daß die Ferne näher wirkt,  wenn sich die Dämmrung senkt. 

Schwarze Spiegel – Stern – ruhender See  

MondLicht 
    das Mond-
Licht 
BeFeuchtet 
Die 
Wellen 
Auf 
Dem 
See
Aber 
Der 
Wind 
Weht Sand 
    In 
Die Augen


32. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


Unter Umständen meinte Goethe, die Naturbetrachtung, aber die ist nur Teil der chinesischen Dichtung. 

Das Erotische -: Weiden sind in China ein erotisches Symbol, aber war das Goethe bekannt? Wahrscheinlich schon – der alte Schwerenöter! 

„... kann man das gigantische Ausmaß der Restglut nur ahnden“ -: Ahnden oder ahnen – das ist wirklich eine Frage. 
 
NeuMond 
    der Neu-
Mond 
Stand 
Über 
Dem 
Nebel 
Im 
Tal 
Und 
Die Vögel 
    Schwiegen 
Wie ich


Parakrama Samudra, Sri Lanka



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Die Kirche St. Michael in Steffeln in der Eifel

 


Steffeln liegt im Landkreis Vulkaneifel und gehört zu Gerolstein [1]. Da sich Siedlungsspuren der Römer für das 2./3. Jahrhundert nachweisen ließen, wäre ich interessiert, wie viele Menschen es dorthin verschlagen hatte. Oder mindestens wie viele es im 10. Jahrhundert (983) waren, als sich der Ort als „Stephilines“ im Besitz der Abtei Prüm befand. Dann könnte man es mit der Zahl von aktuell 641 Einwohnern vergleichen. 

Wikipedia berichtet zur Pfarrkirche St. Michael in Steffeln, daß sie mitten im Dorf auf einem Tufffelsen [2] („Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen") steht, schon 1501 eine Kirche existiert, ein neues Kirchenschiff 1711 dort errichtet wurde, 1923 der Westturm neu gebaut wurde und das Innere der Kirche 1999 renoviert wurde. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und seit 2007 gibt es eine neue elektronische Orgel. Ich bin häufig mit wenigen Angaben zufrieden, aber diesmal nicht. Das ist dürftiger als es Informationen gibt.

Vor etwa 15 Jahren (2010) feierte Steffeln das 350-jahrige Jubiläum der Erhebung zur selbständigen Pfarrei und da gab es einen sehr ausführlichen Artikel von Peter Schug [3]. Auch wenn eine Kirche für 1501 angenommen wird, wird doch erst 1556 eine Kirche in Steffeln schriftlich erwähnt. Der Pfarrer Johannes Blum bemängelte bereits im Jahre 1687 der Verfall des Gebäudes, aber erst 1711 erfolgte der Neubau des Kirchenschiffs. Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Säkularisierung und nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde Steffeln dem Kreis Prüm zugeordnet. Von 1822 bis 1868 prägte Pfarrer Christian Mertens das kirchliche Leben in Steffeln und einige seiner Anschaffungen werde ich später noch erwähnen, wobei bauliche Veränderungen außen nicht beschrieben wurden. Der Kirchenraum wurde innen allerdings erst zwischen 1890 und 1900 im neugotischen Stil neugestaltet. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und zwar von einem Kunstschreiner Haag aus Euskirchen. Der alte Kirchturm (16. Jahrhundert!) wurde 1923/1924 neu gebaut, nachdem er baufällig geworden war und es 1904 einen Blitzeinschlag gegeben hatte. Im zweiten Weltkrieg gelobten die Steffeler, eine Kapelle zu errichten, wenn die Kirche von Bomben verschont bliebe. Diese Kapelle gibt es [4].
 
Die Glasfenster wurden einerseits nach Entwürfen des aus Steffeln gebürtigen Pfarrers Johann Matthias Finken gestaltet [5]. Andererseits aber auch von Rudolf Schillings (1925-2003) [6]. Rudolf Schilling war ein sehr produktiver Künstler, über den ich bereits berichtet hatte, aber zu dem ich weiterhin keine Einzelheiten wie eine Biografie oder einen Wikipediaeintrag habe finden können. Die ausführende Firma war die Glasmalerei Binsfeld aus Trier.


Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
Johann Matthias Finken (1952)

Johannes der Täufer
Rudolf Schillings (1952)





Pfarrer Mertens sorgte für zahlreichen Neuanschaffungen: 1856 wurde in Waldlaubersheim eine neue Orgel gekauft, die allerdings nicht die Zeit überdauert hat. Seit 2007 gibt es eine elektronische Orgel der Firma Kienle [7]. Ewald Kienle [8] stellte weltweit über 3000 Orgeln auf, wobei die größte Orgel in dieser Art in Tiflis im Jahr 2010 gebaut wurde; ich bedaure, sie mir 2024 nicht angesehen zu haben. 

Christian Mertens veranlaßte 1861 ein Umgießen der 12 Zentner schweren St. Michaelsglocke, die seit etwa 300 Jahren im Kirchturm hing, da sie gerissen war. Den ersten Weltkrieg hat nur die kleine Glocke von 1650 überdauert, alle anderen wurden für den Krieg eingeschmolzen. Auch im zweiten Weltkrieg wurden die Glocken abgeholt. Aus zwei alten Panzer hat die Firma Brockscheid Stahlglocken gegossen. Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Glocken – da bei ich sehr für zu haben!

Als Namenspatron hat die Kirche den Erzengel Michael [9], den Bezwinger des Teufels (Drachen). Der Name bedeutet „Wer (ist) wie Gott?“. Er trägt das Flammenschwert und ist Seelenwäger, d.h. ihm werden alle guten und schlechten Taten eines Menschen vorgelegt; auf der linken Seite des Chores wird eine Statue aus dem 12. Jahrhundert als Totenwäger erwähnt [10]. Im 1. Buch Henoch (apokryph) [11] wird Michael als vierter der sieben Erzengel genannt und als „barmherzig und langmütig“ bezeichnet. Dort werden auch erstmals Himmel und Totenreich beschrieben. Für Tertullian war das Henochbuch echt, obwohl es im jüdischen Kanon fehlte. Da aktuell Leo XIV. Papst in Rom ist, möchte ich Leo XIII. zitieren: „Sancte Michael Archangele, / defende nos in proelio / contra nequitiam et insidias diaboli ...“ [12].
 
Auf nach Steffeln! Und versäumen Sie nicht das Kapellchen [4] auf Wahlhausen! Ich muß unbedingt wieder nach Steffeln!





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steffeln 
[2] Ich gebe zu, die drei F in Tufffelsen waren ausschlaggebend, den Artikel zu erwähnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Steffeln) 
[3] https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb2012/hjb2012.98.htm Der Artikel hat den ~18fachen Umfang des Wikipedia Artikels.
[4] https://www.eifel.info/pois/kapelle-wahlhausen 
[5] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_Steffeln&oldid=144308255 
[6] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8644/b8644.shtml  
[7] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19283 
[8] Ewald Kienle (1928-2021) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Kienle 
[9] Michael (hebräisch מיכאל; arabisch ميكائيل/ميكال) ist im Judentum, Christentum und Islam vertreten. In der Offenbarung des Johannes wird  Michael als Bezwinger Satans genannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel_Michael 
[10] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=1527 
[11] https://www.gutenberg.org/cache/epub/4013/pg4013.txt 
[12] „Heiliger Erzengel Michael, beschirme uns im Kampfe / gegen die Bosheiten und Nachstellungen des Teufels.“ (1880)
Zitiert nach [9].

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Sunday, April 26, 2026

Altargesteck zu Jubilate 2026

 


Die Sonne senkt den goldenen Gnadenstab,
Und plötzlich steht der Friedensbogen da.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der dritte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Jubilate [2]; das ist einfach die Aufforderung: „Jubelt!“. Wir jubeln über den Frühling mit seiner Belebung der Natur und erinnern uns an den Beginn durch die Schöpfung. In der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten gibt es drei Sonntage, die als Namen eine Aufforderung haben, nämlich: Jubilate, Kantate und Rogate. Auch wenn wir „Laudate omnes gentes“ nach der Psalmlesung sangen, so gibt es keinen Sonntag mit dem Namen Laudate.

Die Lesung aus dem Alten Testament ist ziemlich lang, denn sie umfaßt die Schöpfungsgeschichte [3]. Der Wochenspruch lautet: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ [4]

Die Epistellesung in der Versöhnungskirche steht im zweiten Brief des Paulus an die Korinther [5]. Paulus weist auf Bedrängnisse im Hier und Jetzt, aber vertrösten will er uns nicht, sondern ihm geht es darum das der äußere Mensch verfällt, während der innere Mensch wachsen kann. Deshalb schließt die Stelle mit: „Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ 

In der Perikopenordnung wird aber auch als Epistellesung „Paulus auf dem Aeropag“ [6] vorgeschlagen. Paulus war in Athen herumgegangen und hatte die griechischen Heiligtümer angesehen „und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott.“ Den wollte er den Griechen verkünden. „Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Damit zitierte Paulus Aratos von Seloi [7] und Kleanthes [8], einen Stoiker. Paulus war gebildet, auch wenn er sich als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Saulus war er Pharisäer und kannte den Tanach (Tora, Propheten, Schriften). Er hatte das römische Bürgerrecht [9]. Da er aus dem hellenistischen Judentum stammte, sprach er Griechisch, so daß er leichter über diese Philosophen erfahren konnte. Bei Petrus hätte das wahrscheinlich nicht so gut geklappt. Als Paulus dann sagte: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören,“ nur einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig. Eine Frau wurde allerdings auch genannt: „[…] und eine Frau mit Namen Damaris […].“ Hoffentlich waren auch noch andere Frauen dabei – hier hätte Lukas als Chronist problemlos genderfreundlicher schreiben können. Außer dem Namen erfahren wir nicht weiter über Damaris [10] und selbst der ist nicht sicher.

Für die Lesung aus dem Evangelium sieht die Perikopenordnung eine Stelle im Johannesevangelium [11] vor. Der Kernsatz lautet: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das erinnert mich an die Geschichte, als jemand den Wein an seinem Haus beschneiden wollte und dann den Rebstock durchsägt hatte. Damit wuchs kein Wein mehr am Haus. So ist es auch, wenn die Reben vom Stock getrennt sind, sie können nicht mehr gedeihen. Es geht also um Verbundenheit, um Zusammenhalt. Der Text war auch Grundlage der Predigt in der Versöhnungskirche, die in der rhetorischen Frage endete: „Ist das nicht alles zum Jubeln in unvergänglicher Freude?“ 

In Kall beschäftigten wir uns im Rahmen von „Auf ein Wort“ mit Krieg und Frieden, um Verständigung und Versöhnung nicht Siegen. Da sind wir aber auch wieder bei Paulus, der im Text der Epistellesung für heute „das Wort von der Versöhnung“ spricht und uns zu „Botschaftern an Christi statt“ erklärt.

Das Altargesteck in der Versöhnungskirche war überraschend gut gestaltet, hatte allerdings keinen Bezug zur liturgischen Farbe. Andererseits muß es auf dem riesigen Altar auch eine gewisse Höhe haben, um wahrgenommen zu werden. In Kall lief das mit vielen Einzelheiten in Weiß gestaltete Gesteck außer Konkurrenz, denn beim Format „Auf ein Wort“ sitzen wir in kleiner Runde an einem Extratisch mit Kreuz, Bibel und Kerze. Trotzdem lohnte der Blick zum Altargesteck, denn die geöffnete Lilie strahlte uns an.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 79-81. Am III. Sontage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/jubilate/ 
„Jubilate Deo, omnis terra“ - Ps 66,1 
[3] 1. Mose 1,1–4a(4b–25)26–28(29–30)31a(31b); 2,1–4a https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 und https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.2   
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17-21
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.17 Apg 17,22–34
[7] Aratos von Soloi (ca. 310-245 v. Chr.) schrieb mi Prolog zu den Phainomena: „Wir sind des Zeus Geschlechts.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Aratos_von_Soloi 

[8] Zu Kleanthes (ca. 331-232 v. Chr.) schrieb Cicero: „Kleanthes ... nannte bald die Welt selbst Gott (ipsum mundum deum dicit), ...”. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleanthes    

[9] z.B. Apg 16,37-38 sowie Apg 22,22-29 und Apg 23,27
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Damaris_(biblical_figure) 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.15 Joh 15,1–8




 
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Friday, April 24, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 24.04.2026



Die grauen Windungen,
hier werden sie gewaschen. 
Ernst Meister [1]

Sonnenlicht 
    das Sonnen-
Licht 
Wird 
Es 
Nie
Kapieren 
In den 
    Schatten 
Kommt es nicht 

AufErstehung 
    immer wieder 
Wälzt 
Sisyphos 
Den 
Stein 
Vor 
Das 
Grab 
Und 
Dann 
Wieder 
Zurück 
Aber 
Warum 
Bleibt Jesus 
    Nicht 
Vor dem Grab 

VerTrauen 
    das Licht 
Der 
Fackel 
Der 
Kerze 
VerLöscht 
Und 
Du 
Gehst 
Weiter 
Durch die 
    Dunkelheit 
Immer weiter 
 
Wind
    der Wind 
Sprach 
Dunkle 
Worte 
In 
Den 
Tannen 
Und sang 
Ein fröhliches 
    Lied 
In den Birken 

NieselRegen
    leise, sehr 
Leise 
Flüstert 
NieselRegen 
Vielleicht 
Aber 
Beten 
Die 
Wolken 
Nur ganz 
    UnModern 
Ihren RosenKranz

Schwärze des Hasses 
    aus der 
Schwärze 
Des 
Hasses 
Krächzte 
Der 
Rabe 
Und 
Der 
Krake 
Umschlang mich 
    Mit 
Seinen Tentakeln

Nacht 
    die Nacht 
Liegt 
Zitternd 
Im 
Eisigen 
Wind 
Die Sterne 
    Aber 
Liegen geschützt 

ErInnerungen
    so viele 
ErInnerungen 
So 
Viel 
Freude
Als 
Gelbes 
Licht 
Auf 
Die 
NachtSchwarzen 
    BasaltSteine 
Im Regen fällt 

MondFahrt 
    wenn Peterchens 
MondFahrt
Über 
Das 
Meer 
Führt 
Zittern 
Die 
Wellen
Und 
Doch 
Sieht 
Es 
Schön aus 
    Von 
Ferne beTrachtet

Schulden
    du sitzt 
Im 
SchuldTurm
Der 
Sonne
Die 
Nie 
Ihre 
Schuldner 
BeSucht
Mit 
Dem 
Silber 
Des 
Mondes
Kannst du deine 
    Schuld 
Nicht beGleichen

AnRaunzer 
    die Krähen 
Stieben 
Auf
Als 
Sie 
Von 
Den 
VogelScheuchen 
AnGeraunzt 
Wurden
Aber 
Schließlich sind 
    Sie keine 
BedürfnisAnstalten

Ein Paar 
    lass uns 
Noch 
Eine 
Weile 
Leben
Sagte 
Sich 
Das 
Paar
Es muss ja 
    Nicht 
ZusaMMen sein 

Schänke
    die Schänke 
IrgendWo 
In 
Den 
Bergen 
Steht 
Mit 
Rohen 
Tischen 
Und 
Dem
VerLöschenden 
Feuer 
Im 
Kamin 
Was 
Auf das 
    Ende des 
NachtMahles weist


 


Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Ernst Meister [1a]: Verbündet. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 263.
[1a] Ernst Meister (1911-1979) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Meister_(Schriftsteller,_1911) 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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