Monday, April 27, 2026

Die Kirche St. Michael in Steffeln in der Eifel

 


Steffeln liegt im Landkreis Vulkaneifel und gehört zu Gerolstein [1]. Da sich Siedlungsspuren der Römer für das 2./3. Jahrhundert nachweisen ließen, wäre ich interessiert, wie viele Menschen es dorthin verschlagen hatte. Oder mindestens wie viele es im 10. Jahrhundert (983) waren, als sich der Ort als „Stephilines“ im Besitz der Abtei Prüm befand. Dann könnte man es mit der Zahl von aktuell 641 Einwohnern vergleichen. 

Wikipedia berichtet zur Pfarrkirche St. Michael in Steffeln, daß sie mitten im Dorf auf einem Tufffelsen [2] („Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen") steht, schon 1501 eine Kirche existiert, ein neues Kirchenschiff 1711 dort errichtet wurde, 1923 der Westturm neu gebaut wurde und das Innere der Kirche 1999 renoviert wurde. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und seit 2007 gibt es eine neue elektronische Orgel. Ich bin häufig mit wenigen Angaben zufrieden, aber diesmal nicht. Das ist dürftiger als es Informationen gibt.

Vor etwa 15 Jahren (2010) feierte Steffeln das 350-jahrige Jubiläum der Erhebung zur selbständigen Pfarrei und da gab es einen sehr ausführlichen Artikel von Peter Schug [3]. Auch wenn eine Kirche für 1501 angenommen wird, wird doch erst 1556 eine Kirche in Steffeln schriftlich erwähnt. Der Pfarrer Johannes Blum bemängelte bereits im Jahre 1687 der Verfall des Gebäudes, aber erst 1711 erfolgte der Neubau des Kirchenschiffs. Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Säkularisierung und nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde Steffeln dem Kreis Prüm zugeordnet. Von 1822 bis 1868 prägte Pfarrer Christian Mertens das kirchliche Leben in Steffeln und einige seiner Anschaffungen werde ich später noch erwähnen, wobei bauliche Veränderungen außen nicht beschrieben wurden. Der Kirchenraum wurde innen allerdings erst zwischen 1890 und 1900 im neugotischen Stil neugestaltet. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und zwar von einem Kunstschreiner Haag aus Euskirchen. Der alte Kirchturm (16. Jahrhundert!) wurde 1923/1924 neu gebaut, nachdem er baufällig geworden war und es 1904 einen Blitzeinschlag gegeben hatte. Im zweiten Weltkrieg gelobten die Steffeler, eine Kapelle zu errichten, wenn die Kirche von Bomben verschont bliebe. Diese Kapelle gibt es [4].
 
Die Glasfenster wurden einerseits nach Entwürfen des aus Steffeln gebürtigen Pfarrers Johann Matthias Finken gestaltet [5]. Andererseits aber auch von Rudolf Schillings (1925-2003) [6]. Rudolf Schilling war ein sehr produktiver Künstler, über den ich bereits berichtet hatte, aber zu dem ich weiterhin keine Einzelheiten wie eine Biografie oder einen Wikipediaeintrag habe finden können. Die ausführende Firma war die Glasmalerei Binsfeld aus Trier.


Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
Johann Matthias Finken (1952)

Johannes der Täufer
Rudolf Schillings (1952)





Pfarrer Mertens sorgte für zahlreichen Neuanschaffungen: 1856 wurde in Waldlaubersheim eine neue Orgel gekauft, die allerdings nicht die Zeit überdauert hat. Seit 2007 gibt es eine elektronische Orgel der Firma Kienle [7]. Ewald Kienle [8] stellte weltweit über 3000 Orgeln auf, wobei die größte Orgel in dieser Art in Tiflis im Jahr 2010 gebaut wurde; ich bedaure, sie mir 2024 nicht angesehen zu haben. 

Christian Mertens veranlaßte 1861 ein Umgießen der 12 Zentner schweren St. Michaelsglocke, die seit etwa 300 Jahren im Kirchturm hing, da sie gerissen war. Den ersten Weltkrieg hat nur die kleine Glocke von 1650 überdauert, alle anderen wurden für den Krieg eingeschmolzen. Auch im zweiten Weltkrieg wurden die Glocken abgeholt. Aus zwei alten Panzer hat die Firma Brockscheid Stahlglocken gegossen. Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Glocken – da bei ich sehr für zu haben!

Als Namenspatron hat die Kirche den Erzengel Michael [9], den Bezwinger des Teufels (Drachen). Der Name bedeutet „Wer (ist) wie Gott?“. Er trägt das Flammenschwert und ist Seelenwäger, d.h. ihm werden alle guten und schlechten Taten eines Menschen vorgelegt; auf der linken Seite des Chores wird eine Statue aus dem 12. Jahrhundert als Totenwäger erwähnt [10]. Im 1. Buch Henoch (apokryph) [11] wird Michael als vierter der sieben Erzengel genannt und als „barmherzig und langmütig“ bezeichnet. Dort werden auch erstmals Himmel und Totenreich beschrieben. Für Tertullian war das Henochbuch echt, obwohl es im jüdischen Kanon fehlte. Da aktuell Leo XIV. Papst in Rom ist, möchte ich Leo XIII. zitieren: „Sancte Michael Archangele, / defende nos in proelio / contra nequitiam et insidias diaboli ...“ [12].
 
Auf nach Steffeln! Und versäumen Sie nicht das Kapellchen [4] auf Wahlhausen! Ich muß unbedingt wieder nach Steffeln!





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steffeln 
[2] Ich gebe zu, die drei F in Tufffelsen waren ausschlaggebend, den Artikel zu erwähnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Steffeln) 
[3] https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb2012/hjb2012.98.htm Der Artikel hat den ~18fachen Umfang des Wikipedia Artikels.
[4] https://www.eifel.info/pois/kapelle-wahlhausen 
[5] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_Steffeln&oldid=144308255 
[6] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8644/b8644.shtml  
[7] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19283 
[8] Ewald Kienle (1928-2021) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Kienle 
[9] Michael (hebräisch מיכאל; arabisch ميكائيل/ميكال) ist im Judentum, Christentum und Islam vertreten. In der Offenbarung des Johannes wird  Michael als Bezwinger Satans genannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel_Michael 
[10] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=1527 
[11] https://www.gutenberg.org/cache/epub/4013/pg4013.txt 
[12] „Heiliger Erzengel Michael, beschirme uns im Kampfe / gegen die Bosheiten und Nachstellungen des Teufels.“ (1880)
Zitiert nach [9].

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Sunday, April 26, 2026

Altargesteck zu Jubilate 2026

 


Die Sonne senkt den goldenen Gnadenstab,
Und plötzlich steht der Friedensbogen da.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der dritte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Jubilate [2]; das ist einfach die Aufforderung: „Jubelt!“. Wir jubeln über den Frühling mit seiner Belebung der Natur und erinnern uns an den Beginn durch die Schöpfung. In der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten gibt es drei Sonntage, die als Namen eine Aufforderung haben, nämlich: Jubilate, Kantate und Rogate. Auch wenn wir „Laudate omnes gentes“ nach der Psalmlesung sangen, so gibt es keinen Sonntag mit dem Namen Laudate.

Die Lesung aus dem Alten Testament ist ziemlich lang, denn sie umfaßt die Schöpfungsgeschichte [3]. Der Wochenspruch lautet: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ [4]

Die Epistellesung in der Versöhnungskirche steht im zweiten Brief des Paulus an die Korinther [5]. Paulus weist auf Bedrängnisse im Hier und Jetzt, aber vertrösten will er uns nicht, sondern ihm geht es darum das der äußere Mensch verfällt, während der innere Mensch wachsen kann. Deshalb schließt die Stelle mit: „Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ 

In der Perikopenordnung wird aber auch als Epistellesung „Paulus auf dem Aeropag“ [6] vorgeschlagen. Paulus war in Athen herumgegangen und hatte die griechischen Heiligtümer angesehen „und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott.“ Den wollte er den Griechen verkünden. „Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Damit zitierte Paulus Aratos von Seloi [7] und Kleanthes [8], einen Stoiker. Paulus war gebildet, auch wenn er sich als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Saulus war er Pharisäer und kannte den Tanach (Tora, Propheten, Schriften). Er hatte das römische Bürgerrecht [9]. Da er aus dem hellenistischen Judentum stammte, sprach er Griechisch, so daß er leichter über diese Philosophen erfahren konnte. Bei Petrus hätte das wahrscheinlich nicht so gut geklappt. Als Paulus dann sagte: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören,“ nur einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig. Eine Frau wurde allerdings auch genannt: „[…] und eine Frau mit Namen Damaris […].“ Hoffentlich waren auch noch andere Frauen dabei – hier hätte Lukas als Chronist problemlos genderfreundlicher schreiben können. Außer dem Namen erfahren wir nicht weiter über Damaris [10] und selbst der ist nicht sicher.

Für die Lesung aus dem Evangelium sieht die Perikopenordnung eine Stelle im Johannesevangelium [11] vor. Der Kernsatz lautet: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das erinnert mich an die Geschichte, als jemand den Wein an seinem Haus beschneiden wollte und dann den Rebstock durchsägt hatte. Damit wuchs kein Wein mehr am Haus. So ist es auch, wenn die Reben vom Stock getrennt sind, sie können nicht mehr gedeihen. Es geht also um Verbundenheit, um Zusammenhalt. Der Text war auch Grundlage der Predigt in der Versöhnungskirche, die in der rhetorischen Frage endete: „Ist das nicht alles zum Jubeln in unvergänglicher Freude?“ 

In Kall beschäftigten wir uns im Rahmen von „Auf ein Wort“ mit Krieg und Frieden, um Verständigung und Versöhnung nicht Siegen. Da sind wir aber auch wieder bei Paulus, der im Text der Epistellesung für heute „das Wort von der Versöhnung“ spricht und uns zu „Botschaftern an Christi statt“ erklärt.

Das Altargesteck in der Versöhnungskirche war überraschend gut gestaltet, hatte allerdings keinen Bezug zur liturgischen Farbe. Andererseits muß es auf dem riesigen Altar auch eine gewisse Höhe haben, um wahrgenommen zu werden. In Kall lief das mit vielen Einzelheiten in Weiß gestaltete Gesteck außer Konkurrenz, denn beim Format „Auf ein Wort“ sitzen wir in kleiner Runde an einem Extratisch mit Kreuz, Bibel und Kerze. Trotzdem lohnte der Blick zum Altargesteck, denn die geöffnete Lilie strahlte uns an.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 79-81. Am III. Sontage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/jubilate/ 
„Jubilate Deo, omnis terra“ - Ps 66,1 
[3] 1. Mose 1,1–4a(4b–25)26–28(29–30)31a(31b); 2,1–4a https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 und https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.2   
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17-21
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.17 Apg 17,22–34
[7] Aratos von Soloi (ca. 310-245 v. Chr.) schrieb mi Prolog zu den Phainomena: „Wir sind des Zeus Geschlechts.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Aratos_von_Soloi 

[8] Zu Kleanthes (ca. 331-232 v. Chr.) schrieb Cicero: „Kleanthes ... nannte bald die Welt selbst Gott (ipsum mundum deum dicit), ...”. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleanthes    

[9] z.B. Apg 16,37-38 sowie Apg 22,22-29 und Apg 23,27
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Damaris_(biblical_figure) 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.15 Joh 15,1–8




 
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Friday, April 24, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 24.04.2026



Die grauen Windungen,
hier werden sie gewaschen. 
Ernst Meister [1]

Sonnenlicht 
    das Sonnen-
Licht 
Wird 
Es 
Nie
Kapieren 
In den 
    Schatten 
Kommt es nicht 

AufErstehung 
    immer wieder 
Wälzt 
Sisyphos 
Den 
Stein 
Vor 
Das 
Grab 
Und 
Dann 
Wieder 
Zurück 
Aber 
Warum 
Bleibt Jesus 
    Nicht 
Vor dem Grab 

VerTrauen 
    das Licht 
Der 
Fackel 
Der 
Kerze 
VerLöscht 
Und 
Du 
Gehst 
Weiter 
Durch die 
    Dunkelheit 
Immer weiter 
 
Wind
    der Wind 
Sprach 
Dunkle 
Worte 
In 
Den 
Tannen 
Und sang 
Ein fröhliches 
    Lied 
In den Birken 

NieselRegen
    leise, sehr 
Leise 
Flüstert 
NieselRegen 
Vielleicht 
Aber 
Beten 
Die 
Wolken 
Nur ganz 
    UnModern 
Ihren RosenKranz

Schwärze des Hasses 
    aus der 
Schwärze 
Des 
Hasses 
Krächzte 
Der 
Rabe 
Und 
Der 
Krake 
Umschlang mich 
    Mit 
Seinen Tentakeln

Nacht 
    die Nacht 
Liegt 
Zitternd 
Im 
Eisigen 
Wind 
Die Sterne 
    Aber 
Liegen geschützt 

ErInnerungen
    so viele 
ErInnerungen 
So 
Viel 
Freude
Als 
Gelbes 
Licht 
Auf 
Die 
NachtSchwarzen 
    BasaltSteine 
Im Regen fällt 

MondFahrt 
    wenn Peterchens 
MondFahrt
Über 
Das 
Meer 
Führt 
Zittern 
Die 
Wellen
Und 
Doch 
Sieht 
Es 
Schön aus 
    Von 
Ferne beTrachtet

Schulden
    du sitzt 
Im 
SchuldTurm
Der 
Sonne
Die 
Nie 
Ihre 
Schuldner 
BeSucht
Mit 
Dem 
Silber 
Des 
Mondes
Kannst du deine 
    Schuld 
Nicht beGleichen

AnRaunzer 
    die Krähen 
Stieben 
Auf
Als 
Sie 
Von 
Den 
VogelScheuchen 
AnGeraunzt 
Wurden
Aber 
Schließlich sind 
    Sie keine 
BedürfnisAnstalten

Ein Paar 
    lass uns 
Noch 
Eine 
Weile 
Leben
Sagte 
Sich 
Das 
Paar
Es muss ja 
    Nicht 
ZusaMMen sein 

Schänke
    die Schänke 
IrgendWo 
In 
Den 
Bergen 
Steht 
Mit 
Rohen 
Tischen 
Und 
Dem
VerLöschenden 
Feuer 
Im 
Kamin 
Was 
Auf das 
    Ende des 
NachtMahles weist


 


Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Ernst Meister [1a]: Verbündet. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 263.
[1a] Ernst Meister (1911-1979) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Meister_(Schriftsteller,_1911) 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Sunday, April 19, 2026

Altargesteck zu Miserikordias Domini 2026

 


Der zweite Sonntag nach Ostern trägt den Namen Miserikordias Domini [1]. Das geht auf den 33. Psalm, bzw. die Antiphon, zurück: „misericordias domini plena est terra“ [2]. Ein anderer Begriff für den aktuellen Sonntag ist Hirtensonntag. Das wiederum geht auf das Evangelium nach Johannes zurück: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ [3] Dies ist auch der Wochenspruch. 

Viele Menschen, die wenig mit der Kirche oder sogar dem christlichen Glauben zu tun haben, kennen den Psalm 23, in dem vordergründig von grüner Aue, frischem Wasser, Erquicken, rechtem Weg, Trost usw. die Rede ist [4].  Es handelt sich wahrscheinlich um den bekanntesten Bibeltext. Der kurze Psalm schafft ein Gefühl der Geborgenheit und Zuversicht. Ruhe (R) und Bewegung (B) wechseln nicht gleichmäßig, so daß der Psalm daraus seine Dynamik entwickelt. Weiden (R), Führen (B), Erquicken (R), Führen (B), Wandern (B), Tisch (R), Salben (R), Einschenken (R), Folgen (B). 
Ich habe Bilder für Schafe ausgesucht, die in den letzten zwei Jahren gemacht habe; ganz in der Nähe von meinem Wohnort, 1,5 bis 2,5 km Luftlinie, ich habe es gerade nachgemessen. Ansonsten sind uns Schafherden nicht mehr so geläufig. 
Die erste Schafherde mit Hirten habe ich als Kind auf der Merheimer Heide in Köln gesehen. Das war ein Spaziergang von Buchforst aus, bevor die Stadtautobahn gebaut worden war. Später lebte in dem Schäferkarren ein Künstler, von dem meine Mutter einen Satz überlieferte: „Dös is a Griessuppn, die geht direkt ins Bluat.“ Der Mann war Vegetarier und lebte in dem Karren, der zum Hof in Merheim gehörte, auf dem meine Eltern kurz nach dem 2. Weltkrieg gewohnt hatten.


Der Text der Lesung aus dem Alten Testament steht beim Propheten Hesekiel (Ezechiel) und es geht um die schlechten Hirten und den rechten Hirt [5]. „Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.“ Es ist ein längerer Text, den man selbst lesen sollte. Aktuell wird Hesekiel, oder was Pete Hegseth [6] dafür hält, in den sozialen Medien zitiert. Es handelt sich um eine Veränderung des Textes, den Jules Winnfield (gespielt von Samuel L. Jackson) in Pulp Fiction gesagt hat: „The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men. ... And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers. And you will know I am the Lord when I lay my vengeance upon you.“ [7] Angeblich steht der Vers in Hesekiel 25,17 [8], aber da steht ein viel kürzerer Text. Wenn man eine Andacht hält, sollte man die Bibel und nicht „Pulp Fiction“ zitieren, obwohl es sich ja um einen tollen Film handelt [9].

Im Evangelium für heute heißt es dann: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht ...“; auch diesen Text darf man bekannt nennen [10].

Die Epistellesung stammt aus dem ersten Brief des Petrus und der Text rundet den Hirtensonntag ab, denn wir lesen oder hören: „Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.“ [11] 

Das Altargesteck in Kall zeigte eine liebevolle Zusammenstellung von weißen Blüten in einem grünen Rahmen. Das Deckchen und die schlichte weiße Kerze waren ebenfalls in der aktuellen liturgischen Farbe. Die kleine Kerze wird immer entzündet, wenn KonfirmandInnen am Gottesdienst teilnehmen und davon waren drei anwesend. Ach, und zwei Täuflinge, eine Amelia und ein Leon, waren auch gekommen bzw. sie wurden getragen, aber wurde nicht auch der Gichtbrüchige zu Jesus getragen?! [12]




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/miserikordias-domini/   
[2] „Die Erde ist voll der Güte des Herrn.“   
[3] Joh 10,11a.27–28a  
[4] https://www.bibleserver.com/LUT/Psalm23 Ps 23
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EZK.34 Hes 34,1–2(3–9)10–16.31
[6] Peter „Pete“ Brian Hegseth (geb. 1980) ist seit Januar 2025 Verteidigungsminister in den USA und wird von der Exekutive als Zweitbezeichnung „Kriegsminister“ (SecretarySecretary of War) genannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pete_Hegseth  
[7] „Der Weg des Gerechten ist allseits von der Ungerechtigkeit der Selbstsüchtigen und der Tyrannei der Bösen umgeben. … Und ich werde mit großer Rache und grimmigem Zorn über diejenigen kommen, die versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu vernichten. Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich meine Rache an euch vollziehe.“
[8] Und zwar: „und will bittere Rache an ihnen üben und sie mit Grimm strafen, dass sie erfahren sollen, dass ich der HERR bin, wenn ich Vergeltung an ihnen übe.“ 
https://www.bibleserver.com/LUT/Hesekiel25 Hes 25,17
[9] "Pulp Fiction ist ein US-amerikanischer Gangsterfilm von und mit Quentin Tarantino aus dem Jahr 1994." 
https://de.wikipedia.org/wiki/Pulp_Fiction 
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.10 Joh 10,11–16(27–30) 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1PE.2 1. Petr 2,21b–25
[12] Die Heilung eines Gichtbrüchigen 
https://www.calvin09.de/19._Sonntag_nach_Trinitatis_Markus_2%2C1_12_%E2%80%93_Die_Heilung_eines_Gichtbruechigen-4279-0-105-23.html  
 
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Die Kirche St. Nikolaus in Oberbettingen, Eifel

 


Die Kirche St. Nikolaus in Oberbettingen ist eine Filialkirche der Pfarrei Niederbettingen. So nun ist das schon einmal raus! Oberbettingen gehört zur Verbandsgemeinde Gerolstein [1], während Niederbettingen ein Stadtteil von Hillesheim ist. Interessanterweise hat nun Oberbettingen etwa 760 Einwohner, während die Zahl für Niederbettingen bei 270 liegt. Vielleicht hat es etwas mit der Säkularisierung zu tun. Die strikte Trennung nennt man Laizismus [2]. In Deutschland besteht eine hinkende Trennung, was ich jetzt einmal unkommentiert lasse. Oberbettingen wurde erstmalig im Jahr 845 in einer Urkunde Kaiser Lothar I. [3] erwähnt. Es gehört zum Bistum Trier.

Eine Kirche gab es in Oberbettingen seit mindestens 1658 (das liegt 10 Jahre nach Ende des 30jährigen Krieges). 1750 wurde sie Filialkirche von Niederbettingen. Nennenswerte Baumaßnahmen wurden 1827 (Chorraum), 1841 (Kirchenschiff), 1937 (Kirchturm) und 1960 (Kirchenschiff) durchgeführt [4]. Da die Kirche Nikolaus von Myra und darüber Brigida von Kildare geweiht ist, sind auch Holzfiguren von Nikolaus (17. Jahrhundert) und Brigida (18. Jahrhundert) vorhanden.


Die Orgel stammt von Orgelbau Hubert Fasen [5]. Über die Orgel in St. Nikolaus gibt es jedoch keine näheren Angaben

Fast alle Fenster stammen von Walter Bettendorf [6], über den das Internet angesichts des großen Werkes erschreckend wenig weiter zu geben hat. Ich habe „Maria unter dem Kreuz“ und „St. Brigida von Kildare“ ausgesucht, die aus dem Jahr 1960 stammen [7].



Der Namenspatron ist Nikolaus, und der ist einer der bekanntesten Heiligen. Er war Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien. Erstaunlich unscharf aber sind seine Lebensdaten -: geboren wurde er zwischen 270 und 286 (16 Jahre Ungewißheit) und gestorben ist er am 6. Dezember, allerdings werden die Jahre 326, 345, 351 und 365 genannt (das sind sogar 39 [8] Jahre Ungewißheit) [9]. Also erreichte er ein Lebensalter von 40 bis 95 Jahre. 
Zu den Wundern des hl. Nikolaus zählt das Quellenwunder: am Kopfende des Sarkophags entsprang eine Quelle mit Salböl und am Fußende eine mit Wasser, aber wahrscheinlich sind die Quellen versiegt, sonst könnten wir sie auf TikTok oder Twitter („X“) bewundern. 



Brigida von Kildare (ca. 451 bis 523) ist neben St. Patrick und Columban eine der drei Nationalheiligen von Irland [1]. Sie ist u.a. Schutzpatronin der und Milchviehwirtschaft sowie der Babys, Wöchnerinnen und Hebammen. Warum ist sie nun Heilige? Wikipedia so: „ Sie soll ihren heidnischen Vater durch ihre Freigiebigkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Kranken verärgert haben und daraufhin in ein Kloster gegangen sein.“ [10] Geradezu banal für eine Heilige des 5. Jahrhunderts. Interessant ist das Kreuz der Brigida, das aus Schilf oder Binsen geflochten wird.

Ich halte den Stopp in Oberbettingen für einen Besuch der Filialkirche St. Nikolaus für sinnvoll.
 




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberbettingen 
[2] Wie in Frankreich durchgeführt. Für Einsteiger: es hat übrigens nichts mit Lamaismus zu tun. Die Wörter sehen nur ähnlich aus.
[3] Wikipedia schreibt: „in einer Urkunde des Königs Lothar“. Es muß aber Kaiser heißen, denn so steht es im Artikel zu Lothar I. [3a]. Und ich hatte zur Basilika von Prüm schon einmal Lothar I. erwähnt [3b].
[3a] https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_I._(Frankenreich) 
[3b] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/03/die-sankt-salvator-basilika-in-prum.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_(Oberbettingen) 
[5] Ich konnte den Betrieb kürzlich besuchen:
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/03/besuch-bei-orgelbau-fasen-in.html 
[6] Walter Bettendorf (1924-2004), mehr hier: https://rlp.museum-digital.de/people/1561
[7] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8900/b8900.shtml 
[8] 39 aber ist die Zahl der kanonischen Bücher des Alten Testaments – allerdings im Protestantismus, der Katholizimus kennt 46. Also doch nichts mit Zahlenmystik!
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Brigida_von_Kildare 

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Friday, April 17, 2026

Drinking King Coconut in Sri Lanka


Om Projramm steht Weltreis,
Wie jeden Daach verzällt e’, wat ihm wo passiert ess:
Kokosnöss un Packeis,
Un wie e’ övver dä Äquator balanciert ess.
BAP [1]


The coconut (Cocos nucifera) belongs to the palm family. The term coconut refers to both the entire tree and the large, hard fruit. The coconut originates from the central Indo-Pacific region but is now found throughout the tropics [2]. This is interesting because I just realized I haven't taken any pictures of coconut palms in a long time. However, I did find a very old picture from Goa and one from Aitutaki (Cook Islands). Perhaps a further note about Goa: you can almost have the beach to yourself if you just walk a short distance along the shore. You might even see water buffalo or cattle bathing and cooling off in the sea. But I digress again…

In Sri Lanka, you often see roadside stalls selling coconuts that are opened for you, and from which you can drink the coconut water [3]. It really is almost entirely water, about 95%. 3-4% of coconut water is sugar, so it tastes sweet but contains significantly less sugar than soft drinks [4]. The protein and fat content of coconut water is negligible. It also contains only small amounts of vitamins and minerals. So if someone tells you that coconut water is healthy -: yes and no! It is only healthy if you drink it instead of soft drinks. For ecological reasons, I don't like it sold bottled or canned in Europe or Northern America. It is a drink to be bought locally.


 


The yellow-skinned "King Coconut" (Cocos nucifera var. aurantiaca) [5] is native to Sri Lanka and contains more coconut water and less pulp, as it has been cultivated as a drinking coconut. It is known as Thæmbili (Sinhala: තැඹිලි); in Tamil it's Ārañcu (ஆரஞ்ச). The coconut water is the liquid endosperm of young coconuts, which develops into the rind of the coconut pulp. This can also be eaten, and a spoon is carved from the outer shell for you. Once the coconut is emptied, it is cut in half so that you can enjoy this part as well. The shells are dried and used as fuel; no bottles or cans are left over.


Goa (India)

Aitutaki (Cook Islands)

Links and Annotations:

[1] From the song „Jupp“ [1a] by BAP [1b]. The text is in Kölsch, the dialect of Cologne and translates into German:
„Auf dem Programm steht Weltreise,
Wie jeden Tag erzählt er, was ihm wo passiert ist:
Kokosnüsse und Packeis,
Und wie er über den Äquator balanciert ist.“
And English:
„On the agenda is a world trip,
Like every day, he tells us what happened to him and where:
Coconuts and pack ice,
And how he balanced across the equator.“
[1a] https://bap.de/songtext/jupp/  
[1b] BAP is a successful German rock band. The lyrics are in Kölsch/Ripuarian.
https://en.wikipedia.org/wiki/BAP_(German_band) 
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Coconut  
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Coconut_water  
[4] Although soft drinks in Germany contain somewhat less sugar than in the USA, they contain about three times the amount compared to coconut water. 
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/King_coconut 

.
 


FreitagsGedichte / #KurzLyrik 17.04.2026

 


Wie lustig springen die
Füße
In der Spießrutengasse.

Auf Stelzen torkeln der
Häuser
Silhouetten breitbeinig

Spiegelnd in Glas der ge-
hengten
Dilettantisches Tanzspiel.
Ernst Jürgen Dreyer [1]


Geboren
    geboren werden
An
Jedem
Neuen
Tag
Wie
Auch selbst
    Jeder
Neue Tag  

Köln / Colonia / CCAA
01 
die stadt ist der verkehr 
und der verkehr drum rum 
in die stadt 
aus der stadt 
rückLichter
blitzLichter
lichtHupe
hupe
02 
die geSpannten blicke 
wie geSpannte hähne 
eines revolvers 
oder einer MP 
rattatata rattatata
03 
streik bei luftHansa 
streik bei KVB 
kein streik auf der autoBahn
dort nur stau 
04
MUSEEN DER STADT KÖLN 
05 
heißes wasser 
heiße würstchen 
auch vegan 
versteht sich
06 
wieder celan 
von schwelle zu schwelle 
und die zeugen jehovas 
oder die mormonen
das nächste mal 
hinein bitten 
fragende gesichter
07 
in der vorstadt 
wo die lieder spielen
die 1970er 
die 1980er 
eckKneipen
heute wird draußen geraucht 
08 
die DVD ist zerKraTzT
aus der nachbarWohnung 
dringt musik
hört wieder auf 
die sonne sinkt
09 
hinter den gelben feldern 
verIrrt sich die stadt 
aber sie hat ausLauf
wie die kleinen hunde 
10 
alexander auf dem weg 
nach indien 
immer weiter 
alexanderQuelle 
in steglitz
nicht in köln 
11 
dieser schwarze tango 
dieses köln 
eigene sprache 
sprachraum 
stadt ohne raum 
ripuarisch
RIP u. arisch
12 
betonFestungen 
und DER DOM 
brücken 
und DER RHEIN 
köln 
alaaf nicht helau
nicht lau
eher warm
auch im winter  

Strand 
    sich in 
Den 
Sand 
Fallen 
Lassen 
Von 
Der 
Sonne 
Wärmen 
Lassen 
Und 
Der 
Brandung 
Lauschen 
Den 
Sand 
Auf der Haut 
    EinFach 
Nicht wahrNehmen 

Mittag 
    kurz vor 
Dem 
MittagEssen 
Kreist
Die 
Sonne 
In 
Licht 
Und Schatten 
    Zwischen 
Den Bäumen 

Fernsicht Ukraine 
                    Für Anton G. Leitner
Das Land nun mit 
Der Kamera. (Der Blick 

Bleibt hängen an
Gelb und Blau.) Die Fahne

Flattert ängstlich in der 
Nacht und erwacht 

Ebbe 
    laß doch 
Die 
Ebbe 
FortFühren 
Was 
Sie 
Will 
Und 
Uns 
Auf die 
    Nächste 
Flut hoffen 






Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Ernst Jürgen Dreyer [1a]: Chansons III. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 127.
[1a] Ernst-Jürgen Dreyer (1934-2011) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker, Übersetzer und Musikwissenschaftler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst-J%C3%BCrgen_Dreyer 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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