Friday, June 14, 2024

Fahrräder, Blumen, Blumengestecke

 



Ich hatte heute einen Tweet von Martin Weiss @martinoweiss gesehen mit Bildern von Ai Weiwei (艾未未), wie er zum ersten Mal im Leben Kaffee trinkt [1]. Ich wollte schon Ai Weiwei (@aiww) etwas schreiben wie: ”我很难想象有人在西方呆了这么久而不喝咖啡。我不想质疑这个,这让我感到惊讶。“ Und habe das gerade auch gemacht [2]. Ich zögerte, weil dieser Anstupser doch viel mehr bedeutet, jedenfalls für mich.

Ich denke 10 Jahre zurück, denn da legte Ai Weiwei jeden Tag einen Blumenstrauß in den Korb und stellte ein Foto davon auf Twitter [3]. Die Redaktion Onetz bezeichnete es „auch irgendwie ein Kunstwerk“ [4]. Christiane Peitz zu roten Lampions, die Ai Weiwei damals aufgehängt hatte: „Das ist die Methode Ai Weiwei, der sich gern auf Marcel Duchamp beruft.“ [5] Das hätte ich, mit dem heutigen Wissen einige Zeilen später gesetzt, nämlich nach: „Vor dem breiten Tor steht auch das Fahrrad mit den Blumen im Korb: noch eine Protestnote, noch eine Performance, die einzige Ausstellung des Konzeptkünstlers, die China zur Zeit duldet.“ Hierin stecken zwei Versäumnisse, die dem ansonsten lesenswerten Artikel gut getan hätte. Einerseits der Hinweis auf das Roue de Bicyclette von Marcel Duchamp (2013) [6]. Aber ich will mich nicht schlauer hinstellen als Frau Peitz, denn 2017 schrieb ich: „Im städtischen Kern des Dorfes Lank sieht man ein Fahrrad mit einem Korb voll Blumen. Das erinnert an die Aktion von Ai Weiwei, der jeden Tag, den er das Land nicht verlassen darf, auf Twitter ein Foto von einem Rad mit einem Blumenstrauß postet.“ [7] Ich hatte erst vorige Woche auf Fahrrad als spontanes Kunstwerk in Köln-Holweide [8] hingewiesen: „Der Müll gehört dazu, wie die Pflanzen, die das Rad wie die Schlagen der Laokoon-Gruppe umschlingen und natürlich auch der Rost. Zum KunstWerk wird es durch das Foto.“

Ich meine, daß Frau Peitz auch auf die Hundert-Blumen-Bewegung (
百花运动) hinweisen sollen, denn ich glaube kaum, daß damals dieses Ereignis im Vorfeld des „Großen Sprungs nach vorn“ der Volksrepublik China von Ai Weiwei hätte erwähnt werden können. Die Blumen sollten verschiedene Denkschulen symbolisieren, aber schließlich wurde die Bewegung gestoppt, da sie außer Kontrolle zu geraten schien [9], wie dies dann vollens bei der Großen Proletarischen Kulturrevolution (无产阶级文化大革命) geschah.

Ich hatte mich 2017 von Ai Weiwei inspirieren lassen, für Blogposts zu Gottesdiensten das Altargesteck als Aufhänger zu benutzen. Auch Altargestecke können Kunstwerke sein. Die Welt ist voller Kunst, wenn man nur genau hinschaut.



Links und Anmerkungen:

[1] „This is a historic photo-documentary: you can see Ai Weiwei (@aiww
- who earlier today gave an 'artist talk' @SalzburgGlobal) tasting the first (!) cup of coffee of his life. His reaction? "This tastes wonderful".We could have told him earlier 😎 ☕“ https://x.com/martinoweiss/status/1801352132274122966
[2] Es bedeutet etwa: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß man so lange im Westen sich aufhält, ohne Kaffee getrunken zu haben. Ich will dies nicht in Frage stellen, es wundert mich nur.“
https://x.com/Rheumatologe/status/1801677281263571264 Dazu noch:[10] ansehen.
[3] https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-ai-weiwei-und-das-fahrrad-willkuer-und-unrecht-in-china-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140404-99-03976  
[4] https://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/vermischtes-de-welt/blumen-im-fahrradkorb-d1642127.html
[5] https://www.tagesspiegel.de/kultur/blumen-oder-ich-bin-ja-noch-da-5161462.html
[6] https://gesellschaft-museum-ludwig.de/initiativen-und-preise/erwerbungen/erwerbung/1398/roue-de-bicyclette Das Original von 2012 ist auf dem Müll gelandet, die Replik in Köln stammt aus dem Jahr 1964.  https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrrad-Rad Wer eine ältere Replik sehen will, muss nach New York reisen, denn „The Sidney and Harriet Janis Collection,
Museum of Modern Art“ hat die Replik aus dem Jahr 1951, die sogar als die älteste gilt.  
[7] https://rheumatologe.blogspot.com/2017/05/meerbusch-lank-oder-meerbusch-albanien.html Mit Bild des FahrRades in Meerbusch.
[8] Sammelsurium (256) 08.06.2024 https://rheumatologe.blogspot.com/2024/06/sammelsurium-256-08062024.html Mit Bild des FahrRades in Köln-Holweide.
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Hundert-Blumen-Bewegung
[10] Gerade schrieb ich vorhin. Und da schellte das Telefon, denn Bruder und Schwägerin saßen in Mechernich fest, da der SEV (Schienen Ersatz Verkehr) zusammengebrochen war. Abenteuer Deutschland – die Fahrt mit der DB.


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Briefmarken oder KirschbaumBlätter sammeln

 



In der Urzeit der Menschheit liegt bereits das Sammeln. Die MenschenGruppen werden als Jäger und Sammler beschrieben, wobei sie wahrscheinlich mehr sammelten als jagten. Allerdings jagt mancher Sammler heute bestimmten Artefakten hinterher und tut dies mit den Instinkten der alten KulturFormen. Was macht den Unterschied zwischen den vorzeitig herunter gewehten Blättern eines KirschBaums und den BriefMarken aus? Man kann in beiden Kunst entdecken. Beide bestehen aus Zellulose. Beide sind bunt. Für die hübschen KirschbaumBlätter gibt es keinen Michel-Katalog [1]. Die gebundene Ausgabe ‏des Michel-Katalogs umfaßt 1184 Seiten und kostet 79,00€.

Wir können wie der UrMensch Beeren, Holz, Kräuter sammeln, oder Regenwasser in der Tonne für den Garten, oder wir sammeln, Kunst, Münzen oder Briefmarken. Unter den verschiedenen UnterFormen des Sammelns listet der Duden (Auswahl) [2]:
    nach etwas suchen und das Gefundene zu einer größeren Menge vereinigen, um es zu verbrauchen, zu verwerten
    Dinge, für die man sich interessiert, zusammentragen, um sie (wegen ihres Wertes in größerer Anzahl, wegen ihrer Schönheit o. Ä.) [in einer bestimmten Ordnung] aufzuheben
    [im Laufe der Zeit] an einer bestimmten Stelle zu einer größeren Menge zusammenkommen lassen
    innere Ruhe suchen [um sich einer Person oder Sache zuwenden zu können] – Halt! Stopp!!! Abschweifung, hier sich wir schon bei sich sammeln

Der Duden schreibt „wegen ihrer Schönheit“, was sicherlich für die Blätter des KirschBaumes wie die Briefmarken zutrifft. Aber da steht auch „wegen ihrer Wertes“. Trifft dies nun nur für die BriefMarken zu? Wir werden sehen.

Wir haben als Kinder BriefMarken gesammelt und mein erstes Album hatte mir mein GroßOnkel Harry aus Hamburg geschenkt, denn der ist zur See gefahren und hatte aus allen möglichen Ländern Brief nach Hause geschickt und die Marken wurden gesammelt. Ich fand den Gedanken an ferne Länder interessanter als die Marken. Die Marken dienten mehr, einen Bezug zu den Ländern zu bekommen. Später reiste ich mehr. Ich meine, daß wir drei Brüder unsere Marken unserem Vater überlassen hatte, denn der war BriefmarkenSammler, mit Michel-Katalog, wenn auch nicht jährlich in der gebundenen Ausgabe. Von dieser Sammlung ist kaum etwas übrig geblieben, einer meiner Brüder hat das, was von Wert war, rechtzeitig verkauft. Aber eine paar Alben mit sehr gewöhnlichen, sprich wertlosen Marken im monetären Sinn habe ich doch noch und das Album von GroßOnkel Harry ist auch noch vorhanden.

Die meisten BriefMarken haben heute keinen Wert mehr. Sie galten früher einmal als die WertAnlage des kleinen Mannes. Die Zahl der Sammler sinkt. Im Prinzip sterben die Sammler. „Der Berliner Händler Georg Kröger [...] hat noch 30 feste Kunden – der jüngste von ihnen ist 60 Jahre alt.“ [3] Mit dem Aussterben der Sammler aber sinkt die NachFrage und damit der Wert.

Und damit werden BriefMarken wie zu dem, was KirschbaumBlätter, wenn sie sich farblich geändert haben, immer schon waren, nämlich kleine, bescheidene KunstWerke, die man sammeln kann, weil man ihnen einen Wert beimißt, der absolut nichts mit Geld zu tun hat. Dann kann man sich an Formen und Farben des KirschbaumBlattes erfreuen, oder das KunstWerk der BriefMarke goutieren oder auch das alte Album von GroßOnkel Harry hervorHolen, um die KindheitsTräume von fernen Ländern aufLeben zu lassen.


Links und Anmerkungen:
[1] MICHEL-Redaktion: Deutschland 2023/2024 Schwaneberger Verlag GmbH, Germering 2023. ISBN: ‎978-3954024438.
[2] https://www.duden.de/rechtschreibung/sammeln
[3] https://www.test.de/Briefmarken-So-finden-Sie-heraus-was-geerbte-Sammlungen-wert-sind-5128885-0/


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Tuesday, June 11, 2024

LYRIK-Taschenkalender 2016 24. KW 11.06.2024


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2016 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren  mit je einem Gedicht vorgestellt und kommentiert. Die 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Diesen Taschenkalender habe ich nun wieder herausgesucht, denn er hatte mich eingeladen zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2022-2024.


24. KW
Tom Schulz: Nysa


Da war nur wenig Gras auf den weiten Weiden der Mongolei. Da waren eher Wermut oder SchnittLauch und damit auch der Geruch von Leben, und nicht „das Gras die Sprache aller toten / Dinge“.

Der Traum ist dunkel wie verGossenes Blut
Und fließt lebendig durch die Nacht
Nimmt mit, was nicht sich halten konnte
Doch nicht den Träumer
Der sein FahrGast ist
Im MorgenGrauen endet eine Welt
So wie sie war und nicht
Ein Weitres Mal werden kann

Der Rhythmus hat eine Unwucht, die das Gedicht wach hält.

Schläft, schläft, Gras, Gras, stimmt, stimmt, zur Ruh, zur Ruh. Da fällt einem Loriot ein.
Stimmt, stimmt.  

Blick ins Tal
    alles schweigt
Auf
Dem
Berg
Nur
Nicht
Der
Wind
Und
Im
Tal
Wandern die
    Schatten
Der Wolken

Schweigen
    laß uns
Schweigen
In
Der
Tiefe
Der
Nacht
Da
Wir
So
WortReich
Waren am
    Rande
Der Nacht

Himmel

    so tief
Lag
Der
Himmel
Und
Grau
Der
Regen
Aber
Dann
Über
Nacht
Weißer Grund
    Und
Blauer Himmel


24. KW
Kommentar: Mirko Bonné

Gras Sarg -: nette Beobachtung.

Berückende Gedichte -:ein Wörterbuch hat bedrücken, aber es findet sich kein berücken. Was mag Mirko Bonné nur meinen? So unscheinbar, so oberflächig klar, es ist doch ein Neologismus.

Nach dem Schweigen kommt der Wind, dann das Tröpfelndes Regens, das Gurgeln des Baches, dann hört man auch die Vögel wieder.

„Es schläft das Gras“ -: es ruht, es schläft das Gras, dann es ist gut, nur das Böse nicht. Das schläft nie, „das Böse ist immer und überall“. Ist darum New York böse? Bestimmt! Denn es ist das Babylon unserer Zeit.     
 



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Die Kälbchen besuchen oder von den Vorteilen des Landlebens - With an English Translation: Visiting the Calves or the Perks of Country Life



Es hat schon Vorteile, wenn man auf einem Dorf mit 70 Einwohnern lebt. Dann kommt man am Zaun ins Gespräch und erfährt, daß auf dem Bauernhof Kälbchen auf die Welt gekommen sind. Ich bin dann zum Bauernhof hin, der jetzt mehr als Hobby betrieben wird, aber immerhin noch eine Reihe von Rindern auf der Weide hat. Und da waren in den letzten zwei bis drei Wochen sieben Kälbchen geboren worden, die letzten vor zwei Tagen. Sie waren natürlich alle auf der Weide. Und so fragte ich, ob kann ich mir denn einmal die Kälbchen angucken und auch ein paar Bilder machen könne. Und Rudi antwortete: „Da komm doch gleich mit, dann treiben wir zusammen die Rinder von der einen Weide auf die andere.“ Gesagt, getan. Wir gingen hoch zur Weide, die zwischen Ort und Sistiger Heide liegt. Zunächst kamen die Rinder nicht auf Zurufen nicht zu uns. Schließlich kam doch Erika nach vorne. Erika ist eine Jungkuh und Rudi beschrieb sie als unternehmungslustig und intelligent. Erika kam also vorneweg, obwohl sie eigentlich hätte warten müssen, bis die Leitkuh nach vorne gekommen wäre. Aber vielleicht sieht sie sich als Jung-Managerin der Herde und will schon mal ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Dann kamen sie, die Leitkuh war mittlerweile vorne und sie liefen natürlich erst mal nicht dahin, wo sie hin sollten; beziehungsweise nur ein Teil lief in Richtung Weide, wo sie grasen sollten. Damit war die Herde geteilt. Ich lief den fehlgeleiteten Rindern hinterher, um sie zurückzutreiben, aber in der in der Zwischenzeit trampelten, die auf der richtigen Weide den Zaun nieder, weil sie kein Strom drauf war; damit waren sie dann plötzlich in die Nähe des Hofes und damit auch zur Straße gekommen. Aber da kam schon Rudi, der einen Hammer zum einschlagen der Pfähle für den Elektrozaun geholt hatte und gemeinsam haben wir die Herde auf die richtige Weide getrieben. Ehrlich gesagt, es ist ein schönes Bild, wenn man so eine ganze Rinderfamilie sieht, denn der Bulle ist  mit dabei und die Jungbullen natürlich auch. Sie stehen als Familie auf der Weide stehen. Ein Foto habe ich nicht machen können. Da war ich so mit dem Treiben beschäftigt, das ich den Fotoapparat nicht parat hatte, denn da hat doch eine der Kühe einen der Jungbullen besprungen. Naja, wahrscheinlich hätte ich das auch gar nicht zeigen dürfen, sonst hätte man mir den Blog gesperrt.  



Ich komme aus der Großstadt (Köln), aber ich habe als Kind bereits gesehen, was eine Kuh ist und ich hätte im Kindergarten oder in der Grundschule nicht die Kuh lila gemalt. Wir sind zum Beispiel, da war ich sechs Jahre alt, nach Texel  gefahren, das machten viele aus Nordrhein-Westfalen. Da etablierten sich gerade Feriendörfer, wie Dennenoord, der direkt am Wald lag. Das waren ganz basisnahe Holzhütten mit gemeinschaftlich genutzten sanitären Anlagen und Plumpsklos. Als wir dort ankamen, blieb ich mit meinen sechs Jahren auf einem Rattan-Wäschekorb mit Deckel und bewachte das ganze Gepäck, nachdem wir dort mit dem Bus angekommen waren und die Erwachsenen mit meinem kleinen Bruder Eingang und Bungalow suchten. Es fand sich alles in kurzer Zeit. Auf dem Hof gab es noch Ponys, Kühe, Hühner, natürlich einen Hund und ein paar Katzen. Wir konnten als Kinder auch zusehen, wie die Kühe mit der Hand gemolken wurden. Das ist für die meisten Kinder heutzutage nicht mehr denkbar. Und wenn man eine Chance hat, Kindern heute Natur und Landwirtschaft, Tiere, und Tierhaltung näher zu bringen, dann sollte man das auch tun. Ein Bio-Hof eignet sich besonders für diesen Zweck.




Visiting the Calves or the Perks of Country Life
There are advantages to living in a village with 70 inhabitants. When you chat across the fence and find out that calves have been born on the farm. The next day I went to the farm, which has become more of a hobby but still has a number of cattle on the pasture. And seven calves had been born there in the past two to three weeks, the last one two days ago. They were all on the pasture, of course. And so I asked if I could have a look at the calves and take a few pictures. And Rudi replied: "Come with me now, then we'll drive the cattle together from one pasture to the other." No sooner said than done. We went up to the pasture, which lies between the village and the Sistiger Heide. At first the cattle didn't come to us when we called. Finally Erika came to the front. Erika is a young cow and Rudi described her as enterprising and intelligent. Erika went first, even though she should have waited until the lead cow came forward. But maybe she sees herself as the young manager of the herd and wants to prove her leadership qualities. Then they came, the lead cow was now in front and of course they didn't go where they were supposed to go; or rather only a part of them went in the direction of the pasture where they were supposed to graze. This split the herd. I ran after the misguided cattle to drive them back, but in the meantime the ones on the right pasture trampled down the fence because there was no electricity on it; they suddenly came close to the farm and therefore to the road. But then Rudi came along, he had fetched a hammer to drive in the posts for the electric fence and together we drove the herd to the right pasture. To be honest, it's a beautiful picture when you see a whole family of cattle like that, because the bull is there and of course the young bulls too. They stand in the pasture as a family. But I wasn't able to take a certain photo. I was so busy with what was going on that I didn't have my camera ready, because one of the cows had mounted one of the young bulls. Well, I probably shouldn't have shown it anyway, otherwise my blog would have been blocked.

I come from the big city (Cologne), but as a child I already saw what a cow was and I wouldn't have painted the cow purple in kindergarten or elementary school [purple cow on chocolate wrapping]. For example, when I was six years old, we went to Texel [an island in the Netherlands at the North Sea], which many people from North Rhine-Westphalia did. Holiday villages were just being established there, like Dennenoord, which was right next to the forest [Dennenoord means forest site]. There were very basic wooden huts with shared bathrooms and pit toilets. When we got there, I, at the age of six, stayed on a rattan laundry basket with a lid and guarded all the baggage after we arrived there by bus and the adults and my little brother looked for the entrance and “our” bungalow. We found everything in a short time. There were also ponies, cows, chickens, of course a dog and a few cats on the rest of the farm. As children, we were also able to watch how the cows were milked by hand. That is unthinkable for most children today. And if you have the chance to introduce children to nature and agriculture, animals and animal husbandry, then you should do it. An organic farm is particularly suitable for this purpose.


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Monday, June 10, 2024

Altargesteck für den 09.06.2024 2. Sonntag nach Trinitatis


Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat die Kernaussage: Jeder ist an Gottes Tisch willkommen. Und: „Aus Fremdlingen werden Hausgenossen“. [1] In diesem Zusammenhang schaut ich gerade einmal nach, was mich vor einigen Jahren am 2. Sonntag nach Trinitatis bewegt hat. 2018 schrieb ich über die Aquarius, ein Rettungsschiff, und die Seenotrettung, die von der Evangelischen Kirche unterstützt wurde (und wird) [2]. Ich fragte mich nun, ob es nicht sehr still um die Rettung auf dem Mittelmeer geworden ist. „Dabei ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Elend fliehen, zu helfen und Menschenleben zu retten.“ Und: „Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt deshalb im Bündnis United4Rescue die zivile Seenotrettung mit einem kirchlichen Rettungsschiff. Zudem spricht sich der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, für verstärkte internationale Anstrengungen bei der Rettung und Aufnahme von Geflüchteten aus.“ [3] Es ist uns nur nicht mehr so präsent, da sich in der Zwischenzeit Corona, Ukraine, Israel/Palästina stärker in den Vordergrund des Interesses gedrängt haben.

Der Wochenspruch lautet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ [4] Im Evangelium geht es aktuell und „Das große Abendmahl“ [5], zu dem sich die geladenen Gäste entschuldigen lassen, dann aber „die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen“ ins Haus geholt werden. Auch wenn die zunächst geladenen Gäste nicht gekommen sind, handelt es sich um ein Inklusivgesellschaft. Im Predigttext geht es um „Die Einheit der Gemeinde aus Juden und Heiden“ [6], einen weiteren Aspekt der christlichen Inklusivgesellschaft.

Fluglinien kennen Fluggäste und Vielflieger (frequent flyers/travellers). Wir kennen die regelmäßigen Teilnehmer und die weniger häufigen sowie die mehr zufälligen Besucher der Gottesdienste. Die weniger häufigen Besucher können der Liturgie immerhin durch einen Ausdruck folgen. Aber viele Lieder sagen ihnen nichts mehr. Und bei der eher zufälligen Besuchern während der verschiedenen Kasualien [7] sind sie überfordert. Aber sind es die regelmäßigen Teilnehmer der Gottesdienste nicht auch? Das Evangelisches Gesangbuch [8] enthält über 700 Lieder und vertonte Psalmen. Der „Neue Anhang zum Greifswaldischen Gesang=Buch“ enthielt 707 Lieder [9]. EGplus [10], die „Lieder zwischen Himmel und Erde“ [11], die freiTÖNE [12] oder das „Ergänzungsheft“ [13] kommen noch hinzu. Eines meiner älteren Gesangbücher hat leider kein Titelblatt und auch im Vorredeteil fehlen etliche Blätter. Aber dort steht bereits: "Man hätte noch vielmehr Lieder zusammen bringen können, allein nechst dem, daß das Format des Buchs würde unbequem worden seyn, fragt es sich: Obs gut sey, die Christliche Gemeine mit allzuviel Liedern zu überhäuffen." Dieses Buch
umfaßte bereits 1001 Lieder [14].



Ich will mich gar nicht gegen tradierte Formen der Liturgie aussprechen, denn ich genieße diese Gottesdienste. Aber besonders für Menschen, die bislang eher selten am Gottesdiensten teilnehmen, müssen neue Formate gefunden werden. Für diejenigen aber, die mit Gottesdienst überhaupt nichts anfangen können, sind sehr niederschwellige Angebote notwendig.

Den Gottesdienst in der Pauluskirche in Köln-Dellbrück wollte ich sowieso besuchen, nun war es durch Ausfall einer Presbyterin für mich mit Presbyterdienst. Mittags schloß sich fast nahtlos die Veranstaltung „Holweide zeigt sich“ [15], die wir mit vielen anderen, aber ökumenisch mit unseren katholischen Geschwistern gestalteten.

Das Altargesteck in der Pauluskirche kam prächtig daher. Es war auch nicht zu groß für des bescheidenen Altar.



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/2-sonntag-nach-trinitatis/ und  https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/altargesteck-am-26062022-2-sonntag-nach.html  
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2018/06/altargesteck-2-sonntag-nach-trinitatis_11.html
[3] Seenotrettung im Mittelmeer „Menschen ertrinken lassen: Keine Option für Europa“ https://www.ekd.de/seenotrettung-im-mittelmeer-46579.htm und https://united4rescue.org/
[4] Mt 11,28
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.14 Lk 14,(15)16–24 A
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EPH.2 Eph 2,(11–16)17–22
[7] Kasualien sind Gottesdienste, die anlässlich wichtiger Stationen im Leben von Menschen gefeiert werden, wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung in der Evangelischen Kirche.
[8] Evangelisches Gesangbuch. Gütersloher Verlagshaus 1996. ISBN: 978-3579000435.
[9] Neuer Anhang zum Greifswaldischen Gesang=Buch. J.E. Röhl, Altermann der Buchbinder, Greifswald 1781.
[10] EGplus: Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Kassel 2017. ISBN: ‎978-3894778927.
[11] Das Liederbuch: Lieder zwischen Himmel und Erde. Strube Verlag, München 2023. ISBN: ‎978-3899122356.
[12] freiTÖNE. Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch Strube Verlag München 2023. ISBN-13: 978-3899122374.
[13] Lieder und Psalmen für den Gottesdienst: Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch. Herausgegeben vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)Taschenbuch. Leipzig 2019. ISBN:‎ 978-3374057054.
[14] Ich kann das Buch leider nicht datieren, aber es sicherlich deutlich über 200 Jahre alt. Damit steht es zeitlich in der Mitte der 500 Jahre Evangelisches Gesangbuch.
[15] Holweide zeigt sich! https://www.holweide-bv.de/ und https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/termin/holweide-zeigt-sich-stadtteilfest-im-sommer/

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Saturday, June 8, 2024

Sammelsurium (256) 08.06.2024

 



RückSchau
1224
Die Mongolen stehen in SüdRussland. Franziskus von Assisi hat eine Vision und wird gleichzeitig stigmatisiert. Kaiser Friedrich der II. macht die Zulassung von Ärzten von einer Prüfung vor der Medizinischen Fakultät von Salerno anhängig [1].



J'existe.  
Ich sah ein Graffiti von der KVB Haltestelle Severinstraße aus, das isch so immer schon an einer Brücke der A555 in Richtung Bonn vor der Abfahrt Rondorf gesehen hatte. Jetzt wollte ich herausfinden, um was es da geht. Der Slogan "J'existe." geht auf Thierry Jaspart zurück, der jedes Graffiti auf das reduzieren will, was es wirklich aussagt. Die meisten Graffiti-Künstler schätzt er so ein, daß sie der Welt mitteilen wollen, daß sie existieren. Und so schuf er diesen Sticker mit der fettgedruckten Aufschrift "J'existe.", der allerdings auch ein Label in der Bekleidungsindustrie geworden ist [2].

Schuhsohlerei
Etwas überrascht bemerkte ich das Schild eines Handwerkers: nicht Schumacher sondern Schuhsohlerei stand dort. [3]


Marcel Duchamp & so
Vielleicht kam es, weil ich wieder einmal mein Bild von „Ceci n'est pas une banane“ [4] oder ein Interview mit Marcel Duchamp gelesen hatte [5] oder auch sein FahrradRad auf einem Stuhl (Titel „Roue de Bicyclette“ [6] gesehen hatte, jedenfalls fiel mir ein FahrRad in Köln-Holweide und zwar in der Chemnitzer Straße auf, daß SchlingPflanzen (AckerWinde?) es überWuchert hatten. Ich hätte fast den Müll entfernt, der sich auf und um das FahrRad gesammelt hatte, aber ich war nicht in Morsbroich und hatte auch nicht die BadeWanne von Joseph Beuys in Händen [7]. Der Müll gehört dazu, wie die Pflanzen, die das Rad wie die Schlagen der Laokoon-Gruppe [8] umschlingen und natürlich auch der Rost. Zum KunstWerk wird es durch das Foto.



Das andere trojanische Pferd
Ein trojanisches Pferd, das mit Kunst gefüllt ist, die keiner will. Und dann will jeder doch das Pferd.

PrimWörter
Ob es PrimWörter geben könnte? Mit Eigenschaften wie PrimZahlen? Aber was für Wörter könnten es sein?

Zum schwarzen Schaf mausern?
Ich las einen KlappenText – ich weiß, so etwas sollte ich besser unterLassen –: „mauserte sich früh zum "schwarzen Schaf"“ -: an dieser Metapher stimmt aber auch gar nichts. Vögeln [9] nicht Schafen ist der Begriff Mauser zugeordnet. Und das schwarze Schaf gilt nicht als begehrensWert und warum muß es in Anführungszeichen auf der Weide stehen? [10]

Memento mori
Wenn das Leben nur ein memento mori ist, lohnt es dann geboren zu werden.
Wir haben das Sterben domestiziert und aus dem Tod machten wir eine Statistik. Da plötzlich sind sie wieder zusammen. Die Nachbarn auf dem FriedHof mit neuen Adressen, die auf den GrabSteinen stehen. Wie vorher neben dem Klingelknopf.

Fluchen und furzen
Es heißt, daß Engel nicht fluchen und furzen. Ja, sie fluchen nicht, nur wenn sie Bohnen und Zwiebeln essen, dann furzen sie vielleicht und sagen: „Scheiß Bohnen!“

VorUrteile
Da kam er herrlich daher geschritten in seinem weißen Hemd mit schwarzen Knöpfen, das über dem Bauch spannte, einem roten Blazer und braunen Jeans. In diesem AufZug hatte er sofort bei mir verSpielt. Dann stieß er eine GartenBank um und ging weiter. Er hielt es für unter seiner Würde, einer Frau zu helfen, sie wieder auf zu richten. Warum nur werden VorUrteile so schnell und eindeutig bestätigt?

Ich so
Evangelisch – SPD – kein Fernseher [11].

RegenWurm
Eine Art von RegenWurm, der immer länger wird, bis der hintere Teil einen Kopf bekommt und sich freiBeißt. Dann wachsen beide.

Cosplay
Cosplay is schon etwas albern, aber auch nicht mehr als Wild West zu spielen, obwohl das aktuell wegen der Aneignung ethnischer Identität nicht mehr in ist,  oder Karneval oder diese rechte ReichsBürgerSzene, in der germanische UrSprünglichkeit gespielt wird, die aber entgegen Cosplay politisch gefährlich ist. Germanische Frauen tragen da übrigens KopfTuch. Ich bin der Überzeugung, daß AfD, ReichsGermanen und ähnliche Gruppierungen mehr mit den Ayatollahs und den Taliban gemein haben, als sie das zugeben werden.

Man in Black
Ich sage Man in Black und fast alle denken an Men in Black (MiB) mit Will Smith und Tommy Lee Jones. Warum denkt niemand an Man in Black von Sylvia Plath? [12] Seite 119/120

Scherben
bullern, kullern, pullern, strullern



Links und Anmerkungen:
[1] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 526-527.
[2] Thierry Jaspart: J'existe. https://thierry-jaspart.com/work/j-existe
[3] Falls jemand zu schnell liest -: es hat nichts mit Solei zu tun.
[4] Das Original stammt von René Magritte! Aber das ging mir irgendwie durch den Kopf in dem Zusammenhang: https://en.wikipedia.org/wiki/File:MagrittePipe.jpg
[5] Buch ist in Köln. [Dialogues With Marcel Duchamp by Pierre Cabanne.]
[6] Marcel Duchamp - Roue de Bicyclette https://gesellschaft-museum-ludwig.de/initiativen-und-preise/erwerbungen/erwerbung/1398/roue-de-bicyclette Selbstverständlich in Köln - sage ich ohne LokalPatriotismus.
[7] Es hört sich bescheuert an, aber nachdem die BadeWanne gescheuert worden war, war das KunstWerk zerstört. Ich meine ja, daß so ein neues Kunstwerk entstanden war. Hier ein paar Einzelheiten: https://www.spiegel.de/geschichte/skandal-um-beuys-badewanne-a-947414.html Joseph Beuys hat dann aus der gescheuerten BadeWanne ein neues KunstwWerk gemacht.
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Laokoon-Gruppe
[9] Manche DiktierProgramme schreiben für „Vögeln“ ****, ich halte das für vorausEilenden SchwachSinn.
[10] Miriam Frances: "Nur der gute Mond ist noch der alte. Gedichte. Schneekluth, München 1990. ISBN 3-795-1145-5.
[11] Max Goldt: Ä. Haffmans Verlag, Zürich 1997. ISBN 3-251-30065-2. S. 82.
[12] Sylvia Plath: Collected Poems. Edited by Ted Hughes. faber and faber, London, Boston, 1989, ISBN 0-571-11838-0. S. 119/120.

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Friday, June 7, 2024

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 07.06.2024

 



歸山深淺去,
須盡丘壑美。
莫學武陵人,
暫遊桃源裏。
送崔九
裴迪
Kehrst du zurück in die Tiefe und Weite der Berge,
Wird weit dein Herz von erhabener Schönheit.
Erinnere dich an den Mann aus Wuling,
Der nur ganz kurz im Pfirsichblütenland weilte.
Abschied von Cui Jiu
Pei Di [1]



Wohnung
    kein Essens-
Geruch
In
Der
Wohnung
Es
Roch
Nach
Frisch
GeBügelter
Wäsche
Und
Ein wenig
    Nach
AprilFrische.  

TagesLicht
    das erste
TagesLicht
Fällt
Auf
Die
VerWelkten
Blumen
Stickige
Luft
Aber
Diese Fenster
    Bleiben
VerSchlossen

Buchen
    ich lebte
In
BuchForst
Ohne
Buchen [2]
Und
Sah
Die
Pappeln
Fallen
Mit
Oder
Ohne Baum
    Forst
Bleibt Forst

Matrix
    vor den
Frisch
BeGrünten
Buchen
Fiel
Der
Regen
In
Schnüren
So daß
Man
Die Matrix
    Erkennen
Konnte

SchattenSpiel
    durch das
Frische
Grün
Der
Buchen
Fallen
SonnenStrahlen
Der
Wind
Weht
Sacht
Und
Die Schatten
    Spielen
Auf dem Boden

FischerDörfer
    in alten
FischerDörfern
Trugen
Die
Frauen
Schwarz
Denn
Immer
War
Der Tod mit
    Auf
Den FischerBooten  

Mond
    da hinter
Dem
Zaun
Geht
Unter
Der
Mond
Als
Hätte
Er
Den Weg
    In die
Freiheit geFunden

Großer Wagen
    ich saß
Auf
Dem
Großen Wagen
Beim
Schwager
Vorn
Und der
Bremste nicht
    Für den
Kleinen Wagen

Frühling
    das war
Dieser
Tag
Als
Ich
In
Das
Blau
Des
Himmels
Mit weißen Wölkchen
Und
Das frische
    Grün
Der Blätter schaute



Links und Anmerkungen:
[1] Über Pei Di (
裴迪) ist nur wenig bekannt. Er gehört zu den Lyrikern der Tang-Zeit, aber wann genau er gelebt hat, ist ungewiß; das Todesjahr ist völlig unbekannt und das Geburtjahr wird im chinesischen Teil von Wikipedia mit 716 und im englischen Teil mit 714 angegeben. Er war mit Wang Wei (王維) befreundet und ein Brief von Wang an Pei Di ist überliefert. Nur dieses hier vollständig übersetzte Gedicht wurde in die Anthologie „300 Gedichte der Tang-Zeit“ (唐詩三百首) aufgenommen. Sun Zhu (孫洙), ein Gelehrter zur Zeit der Qing-Dynastie, hatte sie 1763 kompiliert. Insgesamt finden sich 30 Gedichte von Liu Zhongyong in der riesigen Kompilation „Komplette Tang-Gedichte“ (全唐詩) aus dem Jahr 1705.
[2] Ich habe historische gesehen ein wenig geschummelt, denn vor der katholischen Kirche hatte man Buchen gepflanzt.



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