Sunday, June 21, 2026

Altargesteck zum Dritten Sonntag nach Trinitatis 2026


So ist aus deines heiligen Buches Schein
Gefallen denn ein Strahl in meiner Nacht,
In meines Herzens modergrauen Schacht.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der dritte Sonntag nach Trinitatis [2] hat die Kernaussage:  „Wagt umzukehren! Ihr könnt zurück, wenn ihr nur wollt.“ Der Wochenspruch lautet: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ [3]



Dazu paßte das Evangelium, daß wir in Köln lasen, nämlich die Geschichte um den Oberzöllner Zachäus, der auf dem Parament in Köln auf dem Maulbeerfeigenbaum abgebildet ist. Haben Sie sich auch schon einmal darüber gewundert, was das denn für ein Baum sein soll? Ich habe jetzt endlich einmal auf Wikipedia nachgeschaut und siehe, es ist klar, warum Zachäus auf diesen Baum stieg, schauen Sie sich das Foto an [4]. Kommen wir auf die Geschichte selbst von Zachäus [5] zurück. Jesus kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Zachäus, der Oberste der Zöllner, wollte Jesus sehen, konnte es aber nicht wegen seiner kleinen Gestalt. Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum. Jesus sah ihn und sprach: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Die Menge murrte: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt.“ Zachäus aber bekehrte sich. „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Eigentlich wird der Text zum 14. Sonntag nach Trinitatis gelesen, wenn es um Dankbarkeit geht. Aktuell aber zeigt es, wie der Christus sucht, was verloren ist, um auch das zu retten.
 
Nach der Perikopenordnung steh das Evangelium für den dritten Sonntag nach Trinitatis im 15. Kapitel des Lukasevangeliums [6]. Es geht in diesem Kapitel um das Verlorene -: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn. Es geht aber auch um das Wiederfinden.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, daß der jüngere Sohn sich das Erbe auszahlen läßt und es in einem fernen Lande verliert. Während einer Hungersnot dort hat er sich, tiefer kann man wohl in der jüdischen Antike nicht sinken, bei einem Schweinezüchter als Hirte anstellen lassen und wollte gerne vom Futter der Schweine essen, doch niemand gab es ihm. Er bedenkt seine Situation und sagt zu sich: „ Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“. So kehrt er zurück und wird vom Vater freudig empfangen, der das gemästete Kalb schlachten  und ein Fest feiern läßt. Der ältere Sohn kommt vom Feld und ärgert sich, daß der Vater für den Bruder ein Fest ausgerichtet hat. Dem Vater gegenüber kann er den Bruder nur als „deinen Sohn, der das Erbe mit Huren verprasst hat“ bezeichnen. Ich weiß, daß Lukas die Geschichte anders erzählt hat; aber das kann man selbst nachlesen. Der jüngere Sohn kommt sehr schlecht weg in der Geschichte, vielleicht sogar zu schlecht. Man kann  heutzutage verschiedene Übersetzungen aufrufen und das habe ich für den Vers 13b getan. Da ist u.a. von „Saus und Braus“ die Rede, von Prassen und „liederlichem Leben“ die Rede [7]. All das hängt an einem Adverb, nämlich ἀσώτως (asōtōs), übersetzt: verschwenderisch [8]. In Vers 30 sagt der ältere Sohn: „Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Rechtlich gesehen war es nicht mehr das Gut des Vaters, denn es war möglich, das Erbe schon früher zu erhalten. Es war das Gut des jüngeren Sohnes, das er leichtfertig (? auch das wäre schon eine Interpretation) verschwendet hat. Stellen wir uns die Situation einmal vor. Da kommt der ältere Sohn vom Feld, fragt warum da ein Fest gefeiert wird und „weiß“, daß der jüngere Bruder sein Erbe mit Huren durchgebracht hat. Hier spielen Neid und Mißgunst eine Rolle. Der Titel hätte anstatt „Vom verlorenen Sohn“ auch lauten können: „Von den verlorenen Söhnen“. Der Vater hat beide Söhne zu sich, zu seinem Fest der Freude eingeladen, so daß auch die Titel „Die Freude des Vaters“ oder „Die Liebe des Vaters“ hätten gewählt werden können. Der Vater vergibt beiden, so daß ein neuer Anfang möglich ist.

Die Lesung aus dem Alten Testament war zugleich Predigttext und steht am Schluß des Texte, der dem Propheten Micha zugeschrieben wird [9]: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Micha stammte vom Lande, aus dem Dorf Moreschet im Südwesten von Jerusalem, und lebte um 740 v. Chr. Er war u.a. Zeitgenosse des Propheten Jesaja. Micha sprach sich gegen soziale Ungerechtigkeit und den Verfall der Religion aus, was man auch als Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch sehen kann. Im 3. Kapitel prophezeit er die Vernichtung Jerusalems („Darum wird Jerusalem zum Steinhaufen werden.“). Das kurze Buch Micha (sieben Kapitel) beinhaltet 19 Prophezeiungen. Auf die Drohung des nahenden Gerichtes fallen jedoch immer auch Worte der Heilszusage. Und am Schluß des 7. Kapitel könnte man sagen „Ende gut, Alles gut“ - es werden versöhnliche Töne angeschlagen. Micha beschreibt Gott als den Herrn, der seinem Volk trotz aller Sünden hinterhergeht, um es in unermeßlicher Barmherzigkeit, Geduld und Gnade selig zu machen. Unter Seligkeit kann man einen Zustand tiefsten Glücks und innerer Harmonie verstehen. Der Begriff beschreibt die vollendete Erlösung, ein Ruhen in Gott, Ziel einer lebenslangen Suche und Sehnsucht.


Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich überrascht, auch wenn es genauso fern vom Geschehen lag, wie das bereits oben genannte Parament. Das Altargesteck war sehr bunt gestaltet und ist aus der Ferne kaum zu erfassen. Insbesondere dieses nette Detail einer gekünstelten Blüte, die ich vergrößert habe. Es war übrigens frisch und nicht angetrocknet. Als ich das Gesteck sah, dachte ich an A Coney Island of the Mind von Lawrence Ferlinghetti [10]:
„und was könnte sie sagen zur Mutter 
nach all der Zeit die sie blau 
                                             in den Lümmelblumen lag 
        an diesem heißen Flußufer 
                          wo Farne knickten in der stockenden Luft“

In Kall erwartete uns ein Altargesteck, daß auch aus der Distanz erhaben wirkte. Das Grün der aktuellen liturgischen Farbe tritt durch die blaßvioletten Blüten viel stärker hervor. Am Kölner Dom gibt es Details, die man niemals sehen kann, sie sind für Gottes Auge. Schön, daß wir mit diesem Gesteck unsere Augen erfreuen durften.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 104-105. Am IV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/3-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Lk 19,10
[4] „Die Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt, ist …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeerfeige 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,1–10
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.15 Lk 15,1–3.11b–32
[7] „und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“ Luther 2017
„und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.“ Luther 1912
„vnd daselbs bracht er sein Gut vmb mit brassen.“ Luther 1545
„indem er ausschweifend lebte.“ Elberfelder 1905
„und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben.“  Schlachter 1951
„Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch.“ Neue Genfer Übersetzung
„Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.“  Einheitsübersetzung 2016
„Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles.“ Gute Nachricht Bibel 2018
„Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Vermögen.“ Zürcher Bibel
[8] https://biblehub.com/luke/15-13.htm#lexicon Alles Griechische muss ich nachschlagen!
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.7 Mi 7,18–20 
[10] Lawrence Ferlinghetti: A Coney Island of the Mind / A Far Rockaway of the Heart: Gedichte. Übersetzer Klaus Berr. Sammlung Luchterhand, München 2005. ISBN: 9783630620589. S. 21.




Friday, June 19, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 19.06.2026


Auch die entblätterte Rose,
für immer auf blaugewürfeltem Tuch:
Sie duftete niemals.    
Rudolf Hartung [1]

 
NeuMond
    in dieser 
Dunklen 
Nacht 
VerGißt 
Der 
Wald 
Schatten 
Zu 
Werfen 
Und 
Wir schweigen 
    Näher 
ZuSammen geRückt

Flagge 
    sie schwingen 
Die 
Deutsche 
Flagge 
Und 
Gröhlen 
Was 
Nicht 
Mehr 
NationalHymne 
Ist 
Ach ja -: wieder 
    EinMal 
Ist FußBall

Der Mond
    der Mond 
Steigt 
Durch's 
Haus 
Und 
Keine 
Stufe 
Knarzt 
Aber er 
    VerRät 
Sich doch 

Im Bilde 
Gut, daß du mir es sagst
Ich bin in deinem Bild 
Und du bist in meinem Bild 
Dann sind wir ja im Bilde

Fluß & Meer
    der Fluß 
Fließt 
Fort 
Und 
Kehrt 
Nicht 
Wieder
Das 
Meer 
HinGegen 
Geht und 
    Kommt 
Immer wieder 

HinUnter
Tief unten in kühler Gruft
Hängt noch der Lilien Duft 
Und von weit tiefer es ruft 
Du aber hörst es nicht 
Bis daß der Tod dich richt 
Und dann genau dich trifft 
Er nimmt dich bei der Hand 
Hinab in ein fernes Land 
Dein Schritt knirscht auf Sand
Da öffnet sich ein Riß
Aus Licht wird Finsternis 
Was bleibt ist Bitternis  

Lodernd
    so kommt in 
Gestalt 
Der 
Liebe 
Ein 
Lodernd 
Feuer 
Über 
Das 
Land
Aber 
Es 
Brennt
Nur
In den Herzen 
    Und 
Nicht im Wald  

Farben
    mit welcher 
TintenFarbe 
Grün 
Oder 
KönigsBlau 
Schreibe 
Ich nur 
    SchwarzWälder 
KirschTorte?
[Aus der Serie: Probleme, die nicht jeder hat] 

Engel 
    da breiten
Cherubim 
Und 
Seraphim 
Ihre 
Flügel 
Aus 
Im 
LuftLeeren 
Raum 
BeWirkt 
Zwar 
Nichts
Sieht aber 
    EinDeutig 
Besser aus

Wolken 
    die dichten 
Wolken 
Treiben 
Schnell 
Vorbei 
Und 
Sie 
Lassen 
Sich 
Nicht 
AnMerken
Ob 
Sie 
Aus der 
    MilchStraße 
BeFüllt werden 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Rudolf Hartung [1a]: Im Museum. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 12.
[1a] Rudolf Hartung (1914-1985) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Hartung_(Schriftsteller) 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 



Thursday, June 18, 2026

Sammelsurium (308) 18.06.2026


aufgegitterte Spiegelbilder im Wellblech der Kanäle
in diesem Kanal und Brückengelände
die glitzernden Parallelen des vor mir liegenden Geländes
Helmut Heißenbüttel [1]

RückSchau
1826 n. Chr. [2]

Tod von Thomas Jefferson und Geburt von Wilhelm Liebknecht (Sozialdemokrat). Josef von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. Felix Mendelssohn-Bartholdy: Overtüre zum Sommernachtstraum. 

Kaleidoskop der Wahrheit 

Das Kaleidoskop der Wahrheit läßt sich drehen und man kann immer wieder neue FarbNuancen entdecken. Nur schwarz/weiß sollte man die Wahrheit nicht darstellen. 

Wo gehobelt wird ...
„... war aus einer Skiwerkstatt das Geräusch eines Hobels zu hören …“. [3] Das erinnerte mich an einen Science-Fiction Fernsehfilm mit Hannelore Elsner, in dem man die DomWerkstatt gefunden hatte und hobelte. „Sachen machen! Sachen machen!" [4] Es war der Auftakt zu einer Revolte der HalbIntelligenzler. In Kawabatas Roman geht es mit Geishas weiter, die im Schatten einer DachTraufe standen. 

Chijimi
Chijimi [5] ist ein Stoff aus Leinen / Hanf / Seide und wird auf Schnee gebleicht. Ich habe es als Kind auch noch erlebt, daß in Köln (Buchforst)  besonders im März auf Schnee bzw. den Wiesen die weiße Kleidung und BettWäsche gebleicht wurde.

AltModisch 
Da -: ein Mann mit einem altModischen Gesicht, aber noch nicht abGetragen. 

Hotel und Deutsche Bahn 

Ich benötige ein Hotel am FlugHafen -: klappte problemlos. Das mit der Deutschen Bahn andererseits nicht. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Und dann muß ich 100 Euro mehr zahlen, weil Bahn und Flüge zu ungenau sind und ich sonst ein Ticket habe, das im ErnstFall nicht mehr gültig ist. Ich bezahle also die Unzulänglichkeiten der Beförderer. Im Prinzip ist das Hotel auch nur deswegen notwendig.

Brigge / Biggs
Ich las gerade von Rainer Maria Rilke „Die Aufzeichnung des Malte Laurids Brigge“ [6]. Eigentlich ist das ja ein harmloses UnterFangen. Aber ich dachte irgendWann an Ronny Biggs [7], einen der englischen PostRäuber. Seine Flucht und die lange Zeit im Ausland waren doch interessant genug, um sich den Namen zu merken. Dann dachte ich auch an den Fernsehfilm „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ [8] Ich habe noch im Ohr, wie mein Großvater in Berlin den Titel vorlas und wir dann den Film im Fernsehen angesehen haben.  

Wolken am Himmel
Am Vormittag war fast nur blauer Himmel zu sehen. Mittags zogen Wolken auf, schnell und gezackt, gehetzt, mit scharfen Rändern. Manchmal schien es, als würden sich die Wolken absenken, aber hier ist Thermik, die oft von GreifVögeln und SegelFliegern genutzt wird. In den Wolken konnte man Menschen und Tiere erkennen. Eine Frau mit langem Rock und einem Hund an der Leine, ein BrontoSaurus, eine SchildKröte, dann wieder Menschen, die auf dem Wasser liegend dahinTrieben. Später nachmittags wurden die Wolken wieder spärlicher und rundlicher, und schwebten nur noch langsam dahin. „Turn on, tune in, drop out“ [9] … and let yourself float downstreams.  

Scherben [Shards]
Scherben bringen Glück. Und keine Scherben? Aktuell scherbenFrei.




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Helmut Heißenbüttel [1a]: Topographie C. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 16.
[1a] Helmut Heißenbüttel (1921-1996) war ein deutscher Schriftsteller, Kritiker und Essayist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hei%C3%9Fenb%C3%BCttel 
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 890/891.
[3] Yasunari Kawabata: Schneeland. Originaltitel: 雪国. Übersetzung und Nachwort: Tobias Cheung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004 ISBN 3-518-22376-3. S. 52.  
[4] Dreht euch nicht um – der Golem geht rum oder Das Zeitalter der Muße war ein deutschen Fernsehzweiteiler, der  im Jahr 1971 entstand.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dreht_euch_nicht_um_%E2%80%93_der_Golem_geht_rum  
[5] Kam auch in Schneeland von Kawabata vor.
[6] Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1984. 
[7] Ronald Arthur „Ronnie“ Biggs (1929-2013) war einer der Posträuber, die am  8. August 1963 den Postzugraub bei Mentmore, Buckinghamshire, begingen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Biggs  
[8] Die Gentlemen bitten zur Kasse ist ein deutscher Fernsehdreiteiler. Er wurde ab Anfang 1965 gedreht, Erstausstrahlung 1966. Horst Tappert spielte einer der Posträuber, wurde aber danach ein sehr erfolgreicher Fernsehkommissar (Derrick).
[9] Timothy Francis Leary (1920-1996) war ein US-amerikanischer Psychologe, der den Gebrauch von psychedelischen Drogen empfahl.
https://en.wikipedia.org/wiki/Timothy_Leary 

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Monday, June 15, 2026

Sammelsurium (307) 15.06.2026


Im hölzernen Rahmen
wechselt die Leere:
Sprung und der Windzug danach.
Margot Scharpenberg [1]


RückSchau

1726 n. Chr. [2]

Jonathan Swift veröffentlicht Gullivers Reisen. Voltaire geht nach England. Genaue Blutdruckmessungen [2a] von Hales [2b].

Geburt und Tod 
Geburt und Tod sind AugenBlicke, ZustandsÄnderungen. Vor der Geburt liegt Dunkel und nach dem Tod ebenso. Manche fallen in ein dunkles Loch, manche  in die feurige Hölle und andere in ein lichtes Paradies. 
 
Pink Floyd

„Spiel doch was von Pinky!“ [3] Milch fasziniert das Cover. Auf dem Pink Floyd Album „Dark Side of the Moon“. Man sieht ein DreiEck als Prisma vor schwarzem Hintergrund und dann die RegenBogenFarben. So aber hat jeder Hafen einen Zauber, wenn sich in der Nacht die bunten Lichter auf dem Schwarz des Wassers spiegeln.  

Strange Attractor 
Bei einem Seminar sitzen alle im Kreis und in der Mitte liegen Zimbeln, Mikrofon und es brennt eine Kerze dort. Nach der ChaosTheorie gibt es den Strange Attractor. Und wie viele laufen in die Nähe des KleinKreises oder stoßen gar an die Kerze und das Mikro um.

Was bin ich? 

Was bin ich? Wer bin ich? Ein heiteres BerufeRaten? Wer bin ich? Wer war ich? Und wer waren wir? „was wir sind, Schon / sind wir es nicht mehr“ [4]. Ich bin, wir sind, wie alles andere auch, dem Wandel unterworfen.  

KurzBeiträge
Die BeiträgerInnen oder BeiTragenden schienen sich abGesprochen zu haben, ihre Beiträge mit „ja, öhm, genau“ zu beginnen. „Geht in Ordnung - sowieso - - genau - - -“ [5] ist völlig anders, denn genau steht für grausam … grauslig war es aber schon.

Gerade gehört
„Die RohrDommel unkt wie eine Kuh.“

Achtsamkeit 

Der FrühlingsWind ist nicht achtsamer als der HerbstWind. Aber ist der Wind überhaupt achtsam? Oder bist du selbst es?

Fall 
Was ist nun der Fall? Nicht ganz im Sinne von Wittgenstein. Wieder einmal steht Fußball in den Medien ganz vorn. Was ist nun der Fall? War es ein Sturz oder eine Schwalbe?

StreichInstrumente
„Sie spielte Cello“ [6] sang Udo Lindenberg. Ich versuchte mich im ViolinenSpiel und schleppte so manches Mal den GeigenKasten zum Unterricht. Es hätte ja auch eine MP darin stecken können. IrgendWann sah auch ich es ein, daß ich talentiert nur für die Mißtöne war. 

Fremde 
Wir gingen in die Fremde, um uns nicht mehr fremd zu fühlen. Fremd im eigenen Land. Verrückt, nun waren wir Fremde und fühlten es nicht.  

Scherben [Shards]
Krumme Lanke – [für] umme, Danke
Fiaker – Fiasko 
entero – eterno [Spanisch]
DorfTrödel – DorfTrottel
Ein Amerikaner: bolshevik – hörte sich an wie: bullshit





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Margot Scharpenberg [1a]: Aus der Nähe. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 261.
[1a] Margot Scharpenberg (1924-2020) war eine amerikanische Schriftstellerin deutscher Herkunft (Köln), die auf Deutsch veröffentlichte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Scharpenberg   
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 832/833.
[2a] Nach Kulturfahrplan also 1726, nach dem Wikipedia-Artikel zur Blutdruckmessung 1713 und nach [2b] sogar 1706.
https://de.wikipedia.org/wiki/Blutdruckmessung 
[2b] Stephen Hales  (1677–1761) war ein englischer Theologe, Pfarrer, Naturforscher, Physiologe und Erfinder.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hales 
[3] Ausspruch eines Freundes zur Auswahl der Musik bei einem Treffen 1974.
[4] Erich Ahrend: „Dem Gedächtnis Paul Celans“. In: Lyrik der DDR. Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. ISBN: 978-3-10-001533-4. S. 228.  
[5] Eckhard Henscheid: Geht in Ordnung - sowieso - - genau - - -. Ein Tripelroman über zwei Schwestern, den ANO-Teppichladen und den Heimgang des Alfred Leobold. Zweitausendundeins, Frankfurt, 1977.
[6] Ich meine das Lied "Cello" [6a] von Udo Lindenberg [6b]. 
[6a] https://www.youtube.com/watch?v=NA5gH1H9Xw8  
[6b] Udo Gerhard Lindenberg (geb. 1946) ist ein deutscher Rockmusiker, Schriftsteller und Maler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Lindenberg 

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Haiku for National Haiku Writing Month – June 2026 First Half


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month 1s Rick Daddario [3]. Rick has done so before in October 2023, April 2024, and November 2025. Thank you for prompting, Rick!


jealousy in 
the voice in the hollow 
a pact with evil 
~ Hollow

sirocco leaving 
ripples in the sand 
messages to read 
~ Ripple




kysylkum 

no tree, no shade 
just a picnic spot 
~ Shade

green moss around 
the stones and the old pond 
not the rolling stones 
~ Moss

furry creases 
and yellowed paper 
your last letter 
~ Paper

the moon shines 
through the fresh beech foliage 
Green Lantern 
~ Lantern

the cherry blossoms 
seem so brittle 
but last long enough 
~ Brittle

echo of silence 
peeling off the wall 
gratitude 
~ Echo

soft breeze 
moving buttercups 
and butterflies 
~ Soft

after the storm 
petals on the ground 
and spring 
~ Petal

primordial 
out of monochrome 
colors arise 
~ Pre-Dawn

sleepless 
at pre-dawn 
a sneak preview 
~ Pre-Dawn

kung fu painting 
strokes fast as lightning 
from the palette 
~ Palette

nature's palette 
not color no. 3434 
just the sky 
~ Palette

the moon retreats 
the night gets darker 
still some embers glow 
~ Ember

after the rain 
mists fill the valley 
fogged-up glasses, too 
~ Mist

don't tell me 
you don't remember 
the tide is high 
~ Tide

sand castles 
vanishing 
with the tides 
~ Tide





Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/rick-daddario 

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Sunday, June 14, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 36. KW 14.06.2026


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


36. KW
Hans Thill: Uns fehlen (Deleuze)


„die Gefangenen des Tintentropfens“ -: und was ist mit den Gefallenen des TintenTropfens? Ist der TintenTropfen nicht noch mightier than the pen

„die Tiere, die es tun“ -: „You and me, baby, ain’t nothin’ but mammals, / So let’s do it like they do on the Discovery Channel“ von der Bloodhound Gang [1]. 

Das Wasser der Tränen ist längst verdunstet, zurück bleibt nur ein bitteres Salz. 

Tomaten -: auf den Augen [2].

Zeit
Es ist nur Zeit
Die aus den Uhren tropft 
Mit jedem Tick & Tack 
Es ist nur Sand
Der aus den StundenGläsern rinnt
VerRinnt & einGeht
In Berge aus Zeit 
Es ist die Kamera
Die nur MomentBilder aufZeichnet 
Um sie dann 
In einem Film 
Wieder zusammenZuFügen 
Die Mühle dreht sich 
Immer weiter 
Und die Zeit? 
Läuft nicht rückWärts 
Nur der Film 
Kann rückWärts laufen

Zeit
    der tropfende 
Wasserhahn 
Mißt 
Mir 
Die 
Zeit
Denn 
Ich 
Habe 
Keine 
SandUhr 
Und nachts 
    Steht 
Die SonnenUhr still
 

36. KW
Kommentar: Michael Braun


Bei vielen Menschen ist Wissen kaum und HalbWissen nur wenig vorHanden. Das NichtWissen ist für sie keine Kategorie, weil sie es für Wissen halten. 

Ja, Ja – die Quantenphysik! Die beschäftigt sich mit Quantenphysik aber nicht mit Biologie. Allerdings -: „Wie lässt sich anders schreiben, als darüber, worüber man nicht oder nur ungenügend Bescheid weiß?“ Dann also so wie Politiker oder das Volk, wenn es auf Social Media losgelassen wird. Oder wie im Weißen Haus -: eine Sprecherin ließ verkünden, man wolle Mitglieder der Warren Commission zum Tod von John F. Kennedy befragen. Nur -: das letzte Mitglied verstarb für etwa 20 Jahren.

GeSchickt 
    du hast 
GeSchickt 
Deine 
Zweifelnden 
Augen 
Hinter 
Einer 
Brille 
VerSteckt 
Aber 
Die 
Zweifelnde 
Mine
Bleibt weiter 
    In 
Deinem GeSicht  
 




Links und Anmerkungen:
[1] Die Bloodhound Gang ist eine 1992 gegründete US-amerikanische Band aus Trappe, Pennsylvania.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bloodhound_Gang 
[2] Ich denke dabei unwillkürlich an: „Bohnen in die Ohr'n“ [2a], ein Lied von Gus Backus [2b] aus dem Jahr 1966. Manchmal ist das Gedächtnis ein Fluch. Und natürlich: „Da sprach der alte Häuptling“.
[2a] https://www.youtube.com/watch?v=TV6zNf4TfzI  
[2b] Donald Edgar „Gus“ Backus (1937-2019) war ein US-amerikanischer Musiker und Schlagersänger. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Gus_Backus 
[3] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 


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Altargesteck zum Zweiten Sonntag nach Trinitatis 2026

 


So ward die Scheidewand gelegt,
Und auf den Grabstein hat geprägt
Die Ewigkeit ihr stummes Zeichen.
Annette von Droste-Hülshoff [1]



Der zweite Sonntag nach Trinitatis hat die Kernaussage: Jeder ist an Gottes Tisch willkommen. Und: „Aus Fremdlingen werden Hausgenossen“ [2]. Der Wochenspruch lautet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ [3] Der Gottesdienst zur Kreissynode Köln Rechtsrheinisch hatte als Lesung und Predigttext einen Abschnitt aus dem 1. Buch Samuel gewählt. Der Abschnitt ist übertitelt mit: „David gewinnt Jonatan zum Freund“ [4]. Dabei ging es um die queere Kirche. Das ist nicht so fern vom Anliegen des Sonntags, denn an Gottes Tisch ist Platz für alle und damit ist eine „bunt gemischte, wachsende Gemeinschaft, in der ein Klima der gegenseitigen Achtsamkeit und Wertschätzung, Offenheit für Außenstehende und Nachsicht gegen Schwächere herrscht,“ gemeint.

In der Lesung aus dem Alten Testament geht es um die „Einladung zum Gnadenbund Gottes“ [5]. Da heißt es: „Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst … so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.“ Das klingt fast wie in der Werbung: „Geiz ist geil!“ Aber etwas anderes ist gemeint, denn es heißt später: „Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, …“. Es geht darum, daß die Erde für alle da ist und die Erlösung allen Menschen offen steht.

Die Epistel für den aktuellen Sonntag paßt sich wunderbar ein, denn es geht um die „Einheit der Gemeinde aus Juden und Heiden“ [6]: „Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi.“

Im Evangelium geht es aktuell und „Das große Abendmahl“ [7], zu dem sich die geladenen Gäste entschuldigen lassen, dann aber „die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen“ ins Haus geholt werden. Auch wenn die zunächst geladenen Gäste nicht gekommen sind, handelt es sich um ein Inklusivgesellschaft. 


Das Altargesteck in Bergisch-Gladbach zur Kreissynode hätte ich doch lieber nicht aus der Nähe betrachten sollen, denn „from a distance“ hätte es weitaus  besser ausgesehen. Bette Midler sang das Lied „From a Distance“, in dem es heißt: „From a distance, the world looks blue and green // God is watching us /
From a distance“ [8]. Vielleicht sollte ich daraus eine Lehre ziehen, aber ich bin eben nicht perfekt und gehe deshalb nahe an das Objekt. Gemessen an den Wortbeiträgen, die mit „Ja, öhm, genau“ begannen, war das eigentlich so schlecht auch wieder nicht. Dieses Thema ist aber auch schon im nächsten Sammelsurium zu finden, das ich in Kürze veröffentlichen werde. Vielleicht aber könnte man sich besonders dieses „genau“ schon einmal abgewöhnen: „Unbedingt!“ Wie ich es häufig in der kontemporären Literatur lese. Kommen wir aber zum Highlight, dem Gesteck von Küsterin Kerstin Schüer in Kall. Es lädt den Beschauer ein, über die liturgische Farbe Grün zu kontemplieren. Außerdem sind mit den roten Nelken Kontrapunkte gesetzt. So nennt man in der Musik die Gegenstimme, die zur Harmonie beträgt. Wenn wir noch einmal auf den Liedtext zurückkommen: „From a distance, there is harmony“. Ich wünsche einen harmonischen Beginn der neuen Woche.
 



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 102-103. Am III. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/2-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Mt 11,28
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1SA.18 1 Sa 18,1-5 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.55 Jes 55,1–5 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EPH.2 Eph 2,(11–16)17–22 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.14 Lk 14,(15)16–24 
[8] From a Distance / Bette Midler – Youtube [8a] und Songtext [8b] 
[8a] https://www.youtube.com/watch?v=FbovSrR6atE 
[8b] https://www.songtexte.com/songtext/bette-midler/from-a-distance-53d2f3d9.html 

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