Hast du gesprochen: „Weine nicht!“
Du weißt, daß nicht die Toten weinen,
Ob schier im Traum das Herze bricht
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Du weißt, daß nicht die Toten weinen,
Ob schier im Traum das Herze bricht
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der heutige Sonntag ist der 16. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Es geht um den Protest gegen den Tod. „Lazarus, komm heraus“ – geht es sonst kräftiger gegen den Tod in den Evangelien?! Der Wochenspruch lautet deshalb: „Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium“ [3]. Hier ist Hoffnung spürbar und das sagt auch das Motto zum Gemeindefestgottesdienst in Köln-Dellbrück/Holweide aus: „Der Himmel geht über allen auf“.
Das war ein bemerkenswerter Gottesdienst. Die ersten Akkorde der Orgelmusik zum Eingang [4] erweckten in mir die Vorstellung, daß gleich ein Vorhang aufgezogen würde, zumal im Psalm [5] das Wort Lichtspiele (wie in Buchforster Lichtspiele) [6] erschien.
Bei Nacht
Der Sternlein Zahl
GeZählet
Viele sind's
Ich kam
Ich sah
GrauTier
Ich kam
Mit dem Kranich
Der Sternlein Zahl
GeZählet
Viele sind's
Ich kam
Ich sah
GrauTier
Ich kam
Mit dem Kranich
In der Predigt („Inhaltliche Mitte“) wurde auf den Himmel eingegangen, wie er z.B. in der Jugendfreizeit erlebt wurde. Ich dachte ebenfalls an Situationen, in der ich den Sternenhimmel besonders wahrgenommen hatte, einmal vom Himmel über der Eifel abgesehen: es waren dabei einige Nächte der Reise im Juli 2026 in die Mongolei (schwarzer Himmel, kaum Feuchtigkeit, keine Lichtverschmutzung, kein Mond, keine Wolken) bzw. vor langer Zeit in den Wüsten Australiens. Und von da kommt man sehr schnell zum Himmel als Erlebnis der Gegenwart. Auf dem Liedblatt waren weiße Wolken am blauen Himmel abgebildet und das ist für mich wieder ein Bezug zur Mongolei.
„Die Auferweckung des Lazarus“ steht im Johannesevangelium und sie ist einer der längsten Lesungstexte [7], weshalb ich das selbstständige Lesen anregen möchte und gar nicht daran denke, den Text anders als kondensiert darzustellen. Lazarus ist der Bruder von Maria und Martha aus Bethanien. Wir kennen Maria und Martha bereits aus der Geschichte mit dem Salböl. Als Lazarus erkrankt ist, fragt man Jesus, ob er nicht nach Bethanien kommen könne, da er ihn doch lieb hat. Aber Jesus bleibt noch in Jerusalem. Trödelt Jesus nun herum? Nein, das sei ferne! Denn er verzögert wissentlich den Aufbruch; fast hätte ich jetzt Abreise gesagt. Bethanien liegt nur etwa drei Kilometer entfernt. Vers 16 finde ich nun interessant, denn da macht der spätere Zweifler Thomas den Vorschlag: „Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den andern Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben!“ Als Jesus dann nach Bethanien geht, kommt ihm auf den Weg schon Martha entgegen. Es entspannt sich ein Gespräch über die Auferstehung. Aber es geht eigentlich um die Auferweckung und Jesus geht zum Grab. Martha sagt: „Herr, er stinkt schon“. Woher weiß das Martha? Gut, ich wurde im Notdienst zu nicht ganz frischen Leichen gerufen, und die riechen nicht wie Babys (nachdem die Windeln gewechselt worden sind). In der Welt außerhalb des Evangeliums stinkt Lazarus, wenn er verwest, aber nicht, wenn nicht verwest; das ließe Raum für Spekulationen. Danke, Johannes! Aber man öffnet schließlich das Grab und dann spricht Jesus die Worte: „Lazarus komm heraus!“ Lazarus kommt heraus und ich stelle es mir jetzt so vor wie in „Der Fluch der Mumie“, denn er ist in Binden und Grabtücher gehüllt, von denen man ihn dann befreit; übrigens über der Kleidung. Die Geschichte will uns die Furcht vor dem Tod nehmen und die Zusicherung des ewigen Lebens geben.
Der Episteltext steht im zweiten Brief an Timotheus, aus dem auch der bereits zitierte Wochenspruch stammt [8]. Der Text beginnt mit: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Und er endet mit: „Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer.“ Paßt!
Das Altargesteck in der Pauluskirche war sehr schön gestaltet und paßte (wie schon der Episteltext) sehr gut zur Stimmung des Tages. Mein Blick ging hoch und ich sah ein Bild von den Konfis mit der Aufschrift „Family“. Ich erinnerte mich an einen Zwischenrufer in einem Konzert von Roger Chapman & The Shortlist mit „Shadow on the Wall“ [9], der laufend „Family“ brüllte, aber zugegeben, ich drifte ab, wenn mich auch der Schattenwurf des Kreuzes, der aktuell nicht zu sehen ist, immer schon interessierte.
Der Episteltext steht im zweiten Brief an Timotheus, aus dem auch der bereits zitierte Wochenspruch stammt [8]. Der Text beginnt mit: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Und er endet mit: „Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer.“ Paßt!
Das Altargesteck in der Pauluskirche war sehr schön gestaltet und paßte (wie schon der Episteltext) sehr gut zur Stimmung des Tages. Mein Blick ging hoch und ich sah ein Bild von den Konfis mit der Aufschrift „Family“. Ich erinnerte mich an einen Zwischenrufer in einem Konzert von Roger Chapman & The Shortlist mit „Shadow on the Wall“ [9], der laufend „Family“ brüllte, aber zugegeben, ich drifte ab, wenn mich auch der Schattenwurf des Kreuzes, der aktuell nicht zu sehen ist, immer schon interessierte.
Zum Ausgang spielte Thomas Becker „Toccata in F-Dur“ von Dietrich Buxtehude [10], die vielleicht geläufig sein mag. Davor schweiften einmal meine Gedanken zu Mitch Ryder („Naked but not Dead“) ab [11]. Und dressed to sing -: die Kantoreien unter der Leitung von Mechthild Brand mit „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ aus Joseph Haydens „Die Schöpfung“, ebenfalls ein Genuß für Ohren, Geist und die Erbauung.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 133-134. Am XVII. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/16-sonntag-nach-trinitatis/
[3] 2. Tim 1,10b
[4] „Introitus“ von Zoltan Kodaly aus der Missa, gespielt von Thomas Becker
[5] Psalm 19 nach Reiner Knieling
[6] https://www.koeln-im-film.de/datenbank/kinos-a-z/detail/93
Das Bild wurde nach der Schließung (1974) aufgenommen.
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.11 Joh 11,1(2)3.17–27(28–38a)38b–45
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2TI.1 2. Tim 1,7–10
[9] https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/rockpalast/video-roger-chapman-and-the-shortlist--shadow-on-the-wall-100.html
[10] Sonst: https://www.youtube.com/watch?v=4u14_yotoaY
Toccata in F-Dur, BuxWV 157
[11] Mitch Ryder (geb. 1945) ist ein US-amerikanischer Rocksänger.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitch_Ryder
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