Friday, June 5, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 05.06.2026


Löse im Nacken das Band.
Frag nichts.
Im Haus des Gedichts
sind die Riegel intakt.
Fritz Schäfer [1]

 
Blick
Ein Blick von dir 
Durch den Raum geWorfen 
Mag er beDeuten
Was er will 
Durch die Zeit 
GeWorfen
Viel mehr 
Der Kessel pfeift 
Das Wasser im Tee 
Auch im Bach 
Die Bäume mit RegenVorhang 
Keine Worte
aber AnSchmiegungen 
Am Tee geNippt 
Immer wieder 
Am Tee 
Im Tee 
Im Tee liegt Wahrheit
Und die Fotos 
VerGRÖßerungen 
An der Wand 
Das waren wir auch 
Im SonnenSchein   

Sterne
    Sterne sind 
Sonnen 
Und 
Stehen 
Nackt 
Am 
Himmel 
Und 
Wir 
Können 
Nicht 
Mit 
Nackten Augen in 
    Unseren 
Stern blicken

Regen 
    zwischen 
Zwei 
RegenSchauern 
Ein 
Kaffee 
Auf 
Der 
Terrasse
Das 
Gesicht 
Im 
Wind 
Und dann 
    Noch 
Deins dazu 

Frag mich [2]
    frag mich 
NochMal
Ob 
Ich 
Denn 
Der 
Fuchs 
Bin 
Der 
Die 
Gans 
GeStohlen 
Hat 
Und 
Ich 
Werde
Dich 
Mit 
Weißen 
Federn von 
    Meinem 
Plumeau beWerfen 

Kisten 
Da standen noch Kisten 
Mit ErinnerungsStücken 
Von fernen Reisen 
Nur von denen man auch zurückKehrt 
und FotoGrafien 
                       Noch mehr Erinnerungen 
Was machen wir nur 
Mit den Erinnerungen -:
Kisten füllen und unsere Köpfe 

Labyrinth 
    folge mir 
Durch 
Dieses 
Labyrinth 
Der 
Rote 
Faden 
War 
Gerade 
Noch
Da
In 
Der SackGasse 
    Hatte 
Ich ihn noch

Leben 
    das Leben 
Eine 
Kammer
Die 
Mit 
Zeit 
GeFlutet 
Wird 
IrgendWann erTrinkt 
    Man 
Im Gestern 

Der flache Stein 
    der flache 
Stein 
Dreht 
Sich 
Um 
Sich 
Selbst 
Und 
Hüpft 
Über 
Die tranigen 
    Wellen 
Des Sees 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Fritz Schäfer [1a]: Komm! In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 242.
[1a] Über diesen Autor habe ich absolut nichts gefunden, nichts in Akzente und nichts im Internet. Die Drei Gedichte in Akzente (S.240-242) heißen: Male die Rumflasche ab, Weisser Sonntag 1933 und Komm!
[2] Die Entstehung von „Frag mich“ und die Wahl des Ausschnitts von „Komm!“ erfolgten unabhängig von einander. 
[3] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 



Tuesday, June 2, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 35. KW 02.06.2026


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


35. KW
Bertolt Brecht: Erinnerung an die Marie A.


Ich schrieb aktuell schon ein Haiku zu PflaumenBlüten (
毎日新聞) und die kurze Geschichte vom Bäumchen, das gefällt wurde. Und nun -: „Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen“. 

Vielleicht, bei so viel Liebe, sind die PflaumenBäume von selbst abgehauen. 

Die weiße Wolke, die von oben kam, was anderes als ein Bild von Gott.

Eine Zeit, PflaumenBäume zu pflanzen, eine Zeit PflaumenBäume abzuhauen. 

„Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen“ -: nun, ich habe sie nur gestutzt.   

Wolken 
    die weißen 
Wolken 
Am 
Blauen 
Himmel 
Sie 
Kommen 
Aus 
Der 
Ferne 
Und 
Sie 
Schweben 
Weiter 
Für 
Einen 
Augenblick nur 
    Gehören 
Sie uns 

Wolken
    die weißen 
Wolken 
Ziehen 
An 
Diesem 
FrühlingsTag
Ihre 
Schatten 
Über die 
    Noch 
Niedrigen Wiesen  


35. KW
Kommentar: Ann Cotten


Welcher Herr Braun mag hier gemeint sein? Etwa der Herausgeber? 

Herr Braun -: wie John Doe oder Max Mustermann. 

Und wo kommen die Kraniche her in diesem logorrhoischen Kommentar? 

Erwähnt nicht Brecht den Mond in seinem Gedicht und steht der Mond nicht für verrückt (la lune / lunatic). Andererseits ist „Moonstruck“ eine schöne Komödie mit Cher, immer noch.

Mond
    ach Mond
Du
Darfst
Doch
Nur
Bei
NeuMond
In mein
    Zimmer
Scheinen  

Ann Cotten saß beim Schreiben ihres Kommentars in Oran (Wahran /
وهران), also in Algerien – herzlichen Glückwunsch dazu. Algerien hatte ich damals nicht besucht, nur Tunesien, allerdings dort auch Kairouan (القيروان). Wenn man die Große Moschee von Kairouan sieben Mal im Rahmen einer PilgerReise besucht, ist das gleichwertig mit einer PilgerFahrt nach Mekka (مكة).

Mekka
    die Seele
Öffnet
Sich
Und
VerSchließt
Sich
Wieder
ImmerHin
So
Nah
Kommt
Man
An
Mekka herAn
    Und
Nicht weiter






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Monday, June 1, 2026

Sammelsurium (306) 01.06.2026


Krater und Trockenmeere
erfüllt von reisenden Tränen
die durch sternige Stationen
auf der Fahrt sind ins Staublose.
Nelly Sachs [1]


RückSchau
1626 n. Chr. [2]

Wallenstein schlägt den Grafen von Mansfeld. Peterskirche in Rom geweiht. Tod von Francis Bacon. Das Ur stirbt aus.

Rätselhafte Zahlen

5 für 5000 ergibt 12
7 für 4000 ergibt 7
Mk 8,19.20  

Fußball im Schritttempo 
Ich las gerade die ÜberSchrift „Fußball im Schritttempo“ im WochenSpiegel [3]. Mir fielen natürlich die 3 t (ttt) ins Auge, obwohl ich davon ein t groß schreiben würde (SchrittTempo). Aber gerade die drei kleingeschriebenen t stehen ja für: ttt – titel, thesen, temperamente – einer Kultursendung der ARD [4]. Ich erinnenere mich sogar, daß ich diese Sendung bei den Eltern vor langer Zeit gesehen habe. Für drei gleiche Konsonanten im Wort bin ich immer zu haben.

FortBewegung
Ist es nicht merkwürdig, daß der Mensch immer mehr versucht, sich zu beschleunigen? Seine Abläufe oder besonders die Geschwindigkeit sich fortzubewegen. Dabei sind wir doch für ein langsames Gehen geschaffen. Nicht für Sesshaftigkeit, sondern für stetes VoranSchreiten. So war es doch zu Beginn. Die Jagd bestand darin nicht besonders schnell dem Wild hinterher zu laufen, sondern stetig und langsam, um immer wieder das Wild aufzuschrecken und zu erSchöpfen. In der Romantik waren es meistens Burschen, die z.B. durch Deutschland wanderten. Da hatte man aber zwar auch schon die Kutsche und das Pferd oder andere Reittiere, um größere Strecken in kürzester Zeit zurückzulegen. Dabei ist es doch besonders schön, Landschaft langsam zu erleben. Das kann mit dem Fahrrad sein. Und das kann auch mit der Bahn sein. Damit meine ich nicht den ICE, sondern ich denke gerade besonders an zwei Fahrten -: eine in der Sierra Madre, wo die Bahn nur schätzungsweise 20 km/h schaffte, weil es bergauf ging, und eine mit einem VorOrtzug von Yangon, der eine Strecke im Kreis in beiden Richtungen fuhr. Da fährt man durch die Dörfer und kann sozusagen den Menschen ins Haus blicken, sieht  Felder, Werkstätten, Menschen, die sich unterhalten oder die zu Fuß gehen oder Karren begleiten, jemandem, der mit dem Motorrad wegfährt. Beim Auto ist es auch unterSchiedlich. Wenn man selbst fährt, dann kann man die Geschwindigkeit beStimmen Und man kann auch beStimmen, wann und wo man anhält. Der Bus hält in der Regel nur an HalteStellen oder, wenn es ein Reisebus ist, auch nur einen bestimmten Punkten. Es ist auch ein UnterSchied, ob man als Fahrer ein Auto bedient oder als BeiFahrer mitFährt. Kaum aber kann ich verstehen, wie Menschen mit dem Motorrad durch die Landschaft rasen. Und jetzt ist es mit dem Rad auch schon wieder anders geworden. Ich bin manchmal überRascht, wie schnell so ein E-Bike die Strecke von SteinfelderHeistert nach Diefenbach zurückLegt. Wahrscheinlich müßten wir wieder sehr viel mehr zu Fuß unterwegs sein. 

Scherben [Shards]
Nothing broken, aber ich dachte gerade an: „Nothing Rhymed“ von Gilbert O'Sullivan; in dem Lied kommt allerdings „nothing broken“ gar nicht vor.

 
 



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Nelly Sachs [1a]: Gedicht. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 205.
[1a] Nelly Sachs (1891-1970) war eine deutsch-schwedische jüdische Schriftstellerin und Lyrikerin. Nobelpreis für Literatur 1966. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Sachs    

[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 778/779.
[3] WochenSpiegel Schleiden. 22. Mai 2026, S. 1. 
[4]  ttt – titel, thesen, temperamente ist eine Kultursendung im Ersten Fernsehprogramm (ARD), die seit dem 4. Dez. 1967 sonntags um 23 Uhr ausgestrahlt wird. Genauer hier: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Ttt_%E2%80%93_titel,_thesen,_temperamente

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Sunday, May 31, 2026

Haiku for National Haiku Writing Month – May 2026 Second Half


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month has been Robert Kingston [3]. Robert has done so before in May 2024. Thank you for prompting, Robert!


up & down 
and up & down 
yacht in the swell  
~ Swell

land ahoy 
and no curry 
for columbus 
~ Land

lazy vacation 
kids collecting sea shells 
dad's busy, too 
~ Shell

the spring wreath is bound 
strike up music for dance 
~ Music

baroque music 
flooding inside 
rain outside 
~ Music

shifting gear 
you think of radar love 
every now and then 
~ Radar [4]

after ice 
now water lilies 
on the sauna pool 
~ Pool

entering 
the theatre of life 
acting and EXIT 
~ Theatre

ENTER 
the theatre of life 
EXIT 
~ Theatre

winking an eye 
well past sunrise
a pastime 
~ Sunrise

there she blows 
daggoo is calling 
not timmy of corpse 
~ Whale [5]

first plonk 
then balance on the plank 
and … plunk 
~ Plank

cocktails 
and umbrella drinks 
all inclusive trip 
~ Cocktail

the wind 
in the prayer flags 
still praying 
~ Wind

after sunset 
even the cherry blossoms 
turn black 
~ Sunset

sunset colors 
not watching the wayang play 
but your silhouette 
~ Sunset

still climbing 
indian rope man 
and julie of course 
~ Rope [6]

marvel at 
the gull's flight 
feeding on your snack 
~ Gull

charon's dock 
hardly to see 
but we all find it 
~ Dock






Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/robert-kingston 
[4] Radar Love by Golden Earring
https://www.youtube.com/watch?v=ckM51xoTC2U 
[5] I added a comment:
“I have to apologize as I couldn't resist - recently there has been a fuss about a stranded whale in Germany, which had been called Timmy and is most post probably dead by now despite rescue efforts.”
[6] Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity - Indian Rope Man (1969)
https://www.youtube.com/watch?v=TuIFYp6hlhc 

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Altargesteck zu Trinitatis 2026


Bin ich getauft in deinem Zeichen,
Du heilige Dreifaltigkeit,
Nun bleibt es mir und kann nicht weichen
in dieser nicht und jener Zeit.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag heißt Trinitatis [2]. Ich schrieb einmal: „Pfingsten ist das Fest, das den meisten Menschen, durchaus auch Christen, am wenigsten sagt“ [3], aber fragen Sie einmal ganz vorsichtig Ihre:n Nachbar:in, was denn mit dem Trinitatisfest gemeint sein soll. Nun, in katholischen Kreisen nennt man diesen Sonntag auch Dreifaltigkeitssonntag. Es geht also um den dreieinigen Gott, den Kurt Marti als „gesellige Gottheit“ beschreibt [4]. Es ist das Fest der Dreieinigkeit Gottes – ein Gott in drei Personen –, einer theologischen Idee, die der christlichen Kirche Kritik von anderen Religionen eingebracht hat, für uns selbst schwer verständlich bleibt, aber uns mehr über das Wesen Gottes vermitteln kann. In den Wissenschaften haben wir mit den drei Aggregatzuständen eines Stoffes – fest, flüssig, gasförmig – überhaupt kein Problem. Während Wasser und Eis gut erkennbar sind, ist der reine Wasserdampf unsichtbar, wir können nur Wassertröpfchen sehen, also Nebel.  Bei Trinitatis denke ich auch an Trinity, die zusammen mit Neo und Morpheus in den Matrix-Filmen auftritt [5]. In diesem Dreigestirn ist immerhin Weiblichkeit realisiert, während die Dreifaltigkeit sich vordergründig als Männerklub sehen läßt. Rätselhaft? Nein, denn Rätsel können gelöst werden, eher ein Mysterium, denn Mysterien können entdeckt und erlebt werden. Der Wochenspruch entläßt uns sehr konkret in die nächste Woche: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ [6]

Die Lesung aus dem Alten Testament steht beim Propheten Jesaja und beschreibt Jesajas Berufung zum Propheten [7]. Hier und nur an dieser Stelle ist von den Seraphim die Rede. Die geflügelten Engel haben ihren Ursprung in ihnen und den Cherubim, die an mehreren Stellen benannt sind, insbesondere werden sie in Bezug auf die Bundeslade als geflügelt beschrieben [8]. Apropos Cherubim und Seraphim, im Lied „Großer Gott, wir loben dich“, das wir heute sangen, werden die Seraphim zu Seraphinen, damit es sich auf „dienen“ reimt [9]. In der Lesung heißt es weiter: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ Jesaja berichtet von einer Vision und die Stelle endet: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!“ Da ist Jesaja anders als Moses oder Jeremia, die erst einmal versuchen, ob sie die Aufgabe nicht annehmen müssen, oder Jona, der zu fliehen versucht.

Im Evangelium geht es um ein Gespräch zwischen Jesus und dem Pharisäer Nikodemus („ein Oberster der Juden“) [10], in dem Nikodemus an die Grenzen seiner Verständnisfähigkeit gerät, wenn man von neuem geboren werden muß, um das Reich Gottes zu sehen. Auch die erklärenden Worte Jesu Christi lassen ihn skeptisch: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“

Der Predigttext behandeln den Segen: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“ [11] Wenn man im Internet umherschaut, dann findet man viele sperrige und ausufernde Segen, die bei bestimmten Gelegenheit auch sinnvoll sind, aber sich nicht zu spontanen Segnungen eignen. Ich meine eine kurze Form, wie:
    ∙ Der HERR segne dich und behüte dich
    ∙ Gottes Segen auf deinen Wegen
    ∙ Gottes Segen für diesen Tag
    ∙ Gott segne und behüte dich 
    ∙ Der Herr segne dich
    ∙ Gott sei mit dir
    ∙ Tschüss
    ∙ Adieu
    ∙ Tschö

Die Trinitatisgemeinde Schleidener Tal ist das Ergebnis von fast 500 Jahren evangelischer Gemeinden in der Gegend. 1542 wurde in der Schloßkirche Schleiden ein evangelischer Gottesdienst gefeiert. Um 1660 kaufte die reformierte Gemeinde von Gemünd das Pfarrhaus, das noch heute steht. Die Kirchengemeinden Gemünd, Hellenthal und Schleiden zusammen mit Kall und Heimbach fusionierten im Jahr 2007. Also haben wir mit 19 Jahren kein rundes Jubiläum. Ein rundes Jubiläum allerdings hatte Organist Werner Winkler, der seit 50 Jahren für die musikalische Begleitung der Gottesdienste sorgt. Und gerade vorbei ist der 350. Todestag von Paul Gerhardt [12].


Trinitatis hat noch die liturgische Farbe Weiß, danach folgt die Zeit mit viel Grün, aber das wird Thema in der nächsten Woche sein. Das Parament in Hellenthal zeigte überhaupt kein Weiß, dafür aber die Trinität. Das Gesteck ist ist mit viel Weiß vor Grün gestaltet und prächtig anzusehen. Das war leider nicht der Fall in Köln, wo sich der Altar mit einer Studie der Vergänglichkeit begnügen mußte.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 96-97. Am I. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/trinitatis/ 
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/altargesteck-am-29052023-pfingstmontag.html 
[4] Kurt Marti: Die gesellige Gottheit: Ein Diskurs. Radius-Verlag, Stuttgart 2004. ISBN: ‎978-3871733000. „Am Anfang also Beziehung. / Am Anfang Rhythmus./ Am Anfang Geselligkeit.“
[5] Matrix ist ein Science-Fiction-Film der Wachowkis (Lana & Lilly) aus dem Jahr 1999. In den Hauptrollen: Keanu Reeves (neo), Laurence Fishburne (Morpheus), Carrie-Anne Moss (Trinity).
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Matrix 
[6] 2. Kor 13,13
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.6 Jes 6,1–8(9–13)   
[8] 2. Mose 25,18
[9] EG 331 Großer Gott, wir loben dich
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.3 Joh 3,1–8(9–13) 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/NUM.6 4. Mose 6,22–27 
[12] Paul Gerhardt (1607-1676) „war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt 
PS. Das Korrekturprogramm hatte für dreieinigen Gott den dreibeinigen Gott vorgeschlagen. Eigentlich weiß es so ein Programm doch viel besser als wir. Ich habe mit mir gerungen, wie Jakob am Jabbok, und bin beim dreieinigen Gott geblieben.

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Saturday, May 30, 2026

Die Pfarrkirche St. Antonius in Kreuzberg 2.0


Über die Pfarrkirche St. Antonius in Kreuzberg habe ich bereits vor etwa fünf Jahren berichtet [1], aber der aktuelle Besuch hat sich für mich gelohnt. Kreuzberg gehörte früher zu Wahlen, das aber 1969 nach Kall eingemeindet wurde. Kreuzberg wurde 1972 nach Hellenthal umgegliedert. Die Ortschaft hat 102 Einwohner und liegt 578 m hoch [2].


Die Pfarrkirche ist Antonius dem Wüstenvater (auch Antonius der Große oder der Einsiedler genannt) geweiht [3]. Sie ging aus einer barocken Saalkirche (17. Jahrhundert), von der heute noch der Chor erhalten ist, hervor. Ab dem  17. Jahrhundert gehörte der Ort zur Pfarre Wildenburg. Im 19. Jahrhundert wurde die Erhebung zur Pfarre abschlägig entschieden, allerdings gab es dann bei einem erneuten Antrag (1950) einen positiven Entscheid, so daß 1953 Kreuzberg eigenständige Pfarre wurde. Zur Pfarre Kreuzberg gehören noch einige Weiler und die Pfarre Wildenburg ging in ihr als Pfarrvikarie auf. 1925 erweiterte man die Kirche nach Westen und errichtete einen neuen Glockenturm. Die Schäden des 2. Weltkrieges hat man bis 1956 beheben können. In den 1960er Jahren hat man den zu kleinen Teil zwischen Chor und Glockenturm abgerissen und durch ein breiteres Kirchenschiff ersetzt. Je nachdem von welcher Seite man die Kirche betrachtet, sieht sehr verschieden aus. Von oben (Google Maps z.B. [4]) wirkt sie ein wenig wie ein Stealth Bomber oder der Millinium Falke.



Es gibt vier Fenster im Chor von zwei Künstlern. Einzelheiten dazu kann man sich auf der Seite der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. [5] ansehen. Die beiden Chorfenster von Hermann Gottfried aus dem Jahr 1963 (die heilige Barbara und der heilige Aloiyius von Gonzaga) empfand ich vor fünf Jahren als ganz nett. Dieses Urteil aber hat sich gewandelt. Ich finde sie heute sehr ansprechend. Hermann Gottfried [6] wurde bekannt durch seine Arbeiten am Straßburger Münster. Er lebte lange in Herkenrath (Stadtteil von Bergisch-Gladbach), dem ich seit der Kindheit verbunden bin.
Die beiden anderen Fenster zeigen den heiligen Antonius und den heiligen Hubertus) und haben für mich eine besondere Ausstrahlung. Diese beiden Fenster wurden von Franz Melchior geschaffen. Die Autoren von Wikipedia vermuten die 1920er Jahre, aber die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. läßt dies offen. Stilistisch aber könnte die Annahme der 1920er Jahre stimmen. Franz Melchior selbst ist ebenfalls interessant. Er hat keinen Wikipedia-Eintrag, was mich verwundert. Er wurde 1881 geboren und hat sein Geschäft Anfang der 1950er Jahre an einen Namensverwandten (Sohn?) übertragen. Er hatte sich gegen das NS-Regime, Hitler und den Krieg
geäußert, was ein Metzger belauscht und zur Anzeige gebracht hatte [7]. Schließlich wurde er 1943 von einem Sondergericht aufgrund des Heimtücke-Gesetzes – dieses Gesetz ist selbst die größte Heimtücke – zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet, aber die hatte nur neun Tage betragen. Die Haft wurde allerdings immer wieder „zur Erledigung kriegswichtiger Glaserarbeiten“ aufgeschoben, bis sich das durch Kriegsende erledigt hatte, bzw. durch die nachfolgende Amnestie. 


Über die Orgel findet sich kein Eintrag im OrganIndex. Im Wikipedia-Artikel das Instrument auf das Jahr 1959 datiert. „Es besitzt eine elektropneumatische Traktur und 10 Register auf zwei Manuale und Pedal verteilt.“ [3] In der Opusliste des Hellenthaler Orgelbauers Weimbs erscheint es als Opus 40 aus dem Jahr 1958 mit 11 Registern [8]. Die Orgel ist durch die weit ins Kirchenschiff reichende Empore nicht gut zu sehen.

Der heilige Antonius lebte von ca. 251 bis 356 [9]; der Zeitpunkt seines Todes war bekannt und sein Alter soll da 105 Jahre, wie bei Kirk Douglas („Spartacus“) [10], betragen haben, so daß man zurückgerechnet hat. Er war in die Wüste hinausgezogen und gilt als einer der Väter des Mönchtums. Wen das Thema mehr interessiert, der kann über ihn, Pachomius, Simeon und weitere bei Hans Conrad Zander nachlesen [11]. Vielleicht so viel: Antonius hatte ein duales System für sich etabliert. Er war wg. der Einsamkeit in die Wüste gezogen, hatte dann doch zu viel geredet und fühlte sich von den Menschen belästigt, die sich das anhören wollten. Darauf hin verließ er Pispir (heute Al Mayr, bzw. östlich davon) und ging nach Kolzim (westlich vom heutigen Zafarana, an der Tankstelle „Chill out“ vorbei), denn da konnten ihn die Jünger abschirmen. Und dann ging er alle halbe Jahre zurück nach Pispir, um dort wieder über seinen Kampf mit den Dämonen zu berichten.

Der hl. Hubertus (von Lüttich) wurde um 655 in Toulouse geboren und starb am 30.05.727 bei Brüssel. Er hat als Attribut ist einen Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih [12]. Nach einer Version der Hirschlegende ließ sich Hubertus nach „der Erscheinung eines Kruzifixes im Geweih eines gejagten Hirsches taufen und schwor der Jagd ab und wurde vom leidenschaftlichen Jäger zum Nichtjäger“. Aber eigentlich war Hubertus gar kein Jäger, sondern bekämpfte den noch gegenwärtigen heidnischen Kult um Diana, der antiken Schutzgöttin der Jagd. Dies und weitere Einzelheiten zu der Hirschlegende kann man im Wikipedia-Artikel nachlesen [12] und ich halte Hubertus für den ersten prominenten Jagdgegner. Ich habe mich vor über 15 Jahren als Jagdgegner geoutet – Lustig ist die Jägerei / Piff! Paff! – [13]. Ich möchte aber Förster etc. außen vor lassen.

Aloysius von Gonzaga war ein italienischer Jesuit und lebte von 1568 bis 1591. Er kümmerte sich intensiv um Pestkranke, infizierte sich selbst und starb mit 23 Jahren. Papst Benedikt XIII. hat ihn 1726 heiliggesprochen. Und was es mit den blau-weißen Turnschuhen und einem blau-weißen Fußball (FC Schalke 04) auf sich hat, müssen Sie im Wikipedia-Artikel [14] nachlesen.

Der Besuch lohnt sich, auch oder gerade weil kein markierter Wanderweg dort vorbeiführt.




Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/pfarrkirche-st-antonius-in-kreuzberg.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzberg_(Hellenthal) 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Antonius_der_Einsiedler_(Kreuzberg) 
[4] 50.448854992320854, 6.501041640392223
[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2720/b2720.shtml 
[6] Hermann Gottfried (1929-2015) war ein deutscher Künstler und Glasmaler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Gottfried 
[7] https://rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/franz-melchior-aeusserte-sich-gegen-das-ns-regime-und-den-krieg/DE-2086/lido/dc00020482 
[8] https://weimbs.de/orgeln/opusliste/ 
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_der_Gro%C3%9Fe 
[10] Kirk Douglas (1916-2020) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Schriftsteller. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kirk_Douglas 
[11] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002. ISBN 3-462-02982-7.
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich 
[13] Lustig ist die Jägerei / Piff! Paff!
https://rheumatologe.blogspot.com/2010/08/lustig-ist-die-jagerei-piff-paff.html  
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Aloisius_von_Gonzaga 

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Friday, May 29, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 29.05.2026

 


Die Wand ergraut,
das Fenster erblindet,
die Langeweile
hockt auf meinem einzigen Stuhl.
Werner Lutz [1]


Lupinen 
    laß uns 
Von 
Lupinen 
Sprechen
Ihrem 
Schwachen 
Feuer 
In 
Der 
Dämmerung 
Südlich 
Der 
Stadt und 
    Östlich 
Der Berge

Pudel 
    mit einem 
Pudel 
Vor 
Der 
HundeSchule
Sie 
Trägt 
Pumps
Der 
Pudel
Schleifchen 
Und 
Ich 
Warte noch 
    Bis 
Zum HorrorFilm 

SpurWechsel
    Spur-
Wechsel 
Auf 
Dem 
Meer
Die 
Wellen kommen 
    Immer 
Noch vorAn

SchachBrett 
    auf meinem 
SchachBrett 
Schwimmen
Das 
BlauWalPaar
Die 
Quallen
Die 
SeePferdchen
Und 
Der 
Hai 
Und 
WellenSchlag 
    Mißt 
Die Zeit

Dichter
    ihr Dichter 
Schreibt 
HeldenGedichte 
Vom 
Tod 
An 
Der 
Front
Denn 
Die
BeNötigen wir 
    Bald 
Wieder einmal   

Grönland 
Da war dieser Inuit aus Grönland
Der so vortrefflich 
Über Gärten schrieb 
Und mit dem warmen Strom 
Pflanzte er im Süden des eisigen Landes 
KokosPalmen 
DattelPalmen
Später auch Bananen
Grönland, Grünland, grünes Land 
Und der Weizen wiegt sich im Wind 
Wie einst in der Ukraine 

MannschaftsBus
Nach dem Spiel 
Im MannschaftsBus 
Wird gejohlt und geschrien
Gelacht und manchmal geweint
Dann aber füllt sich alles
Hüllt sich alles in Schlaf
Bis auf den Fahrer … hoffentlich

Gedichte 
    auch wenn 
Gedichte 
Auf 
Dem 
Papier 
Enden
So 
Gehen sie 
    Doch 
Immer weiter

Mehr noch 
    laß die 
Wörter 
Wie 
Blut 
Auf's 
Papier 
Tropfen
Um 
Sich 
In 
Einem 
Rinnsal 
Der 
Zeit 
Zu verLaufen
    Und 
Zu trockenen

AutoBahn 
    die Lava
Fließt 
Über 
Die 
AutoBahn 
Und 
Asphalt 
VerDampft teilWeise
    Wie 
Heftige Liebe 

GeZeiten
    die GeZeiten 
Kommen 
Und 
Gehen 
Im 
Kreis
Immer 
Wieder
Aber 
Das 
Leben 
Ist 
Ein 
Strahl
Der kommt
    Bleibt 
Und geht

Traurig 
    der Wind 
An 
Der 
FelsKüste 
Ist 
Nicht 
Traurig
Er 
Ist 
Feucht 
Und 
Kalt
Die 
Kälte 
Zwischen uns 
    Aber 
Ist traurig 

Das Tal 
Still liegt das Tal 
Mit Bach und Wiesen 
Der Wind weht nur 
Um Bäume und Büsche zu bewegen 
Es sind Häher in der Luft
Eines Häher's tué 
Die Mäuse aber sieht man nicht 
Von Mäusen und Menschen sieht man nichts
Gerade eben im Tal
 



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Werner Lutz [1a]: Verschlossen. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 201.
[1a] Werner Lutz (1930-2016) war ein Schweizer Dichter, Maler und Grafiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Lutz 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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