Sunday, August 23, 2026

Altargesteck zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2026


Und sprich Dein Hephata, dann ist's geschehn;
Ich bin gelöst, der Fluch, er hat ein Ende.“
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der 12. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet [3]: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Der heutige Sonntag beschäftigt sich einerseits damit, daß Gott Augen und Ohren öffnen kann, und andererseits damit, daß wir sie dann auch benutzen sollen. Das Leid anderer sehen oder auch das Wort Gottes verkünden. Der 23. August ist auch Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung. Der Gedenktag wurde im Jahr 1998 etabliert, die UNESCO will an die weltweite Tragödie des Sklavenhandels erinnern. Ach, es gibt keine Sklaven mehr?! Das halte ich für ein Gerücht [4] und da kann man noch weiter dran arbeiten. Ich erinnere mich an Ferien auf Texel als Kind. Da wurde abends auf der Wiese ein Film [5] projiziert und im Anschluß wurde auf den Sklavenhandel hingewiesen („Diese Frau ist eine Sklavin ...“), worauf die Mütter ihre Kinder schleunigst einsammelten. Wegschauen hat Tradition. 

Der Eingangspsalm steht unter der Überschrift: „Gottes Walten in Schöpfung und Geschichte“. Es ist ein Psalm, der übrigens nicht im Evangelischen Gesangbuch (EG) abgedruckt ist. Es handelt sich um Psalm 147 [6]. Der lyrischste Vers ist: „Er zählt die Sterne / und nennt sie alle mit Namen.“ Dazu paßt aber das Lied 511 im EG: „Weißt du wie viel Sternlein stehehen“. Der für den aktuellen Sonntag wichtigste Vers ist der 6. Vers: „Der Herr richtet die Elenden auf / und stößt die Frevler zu Boden.“ [7]

Die Epistel steht in der Apostelgeschichte [8] und trägt den Titel: „Die Bekehrung des Saulus“ [9]. Es handelt sich um einen längeren Text, den man besser selbst liest. Aber ich wage einmal eine Zusammenfassung: Saulus läßt sich eine Genehmigung zur Verfolgung der Anhänger von Jesus Christus ausstellen und ist auf dem Weg nach Damaskus. Er wird von gleißendem Licht umgeben und Jesus spricht zu ihm: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Er wird blind nach Damaskus geführt, wo Hananias Gottes Auftrag erfüllt, indem er ihm die Hände auflegt und spricht: „Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest.“ Er wird wieder sehend und „alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei“. Paulus wird seine Glaubensblindheit physisch vor Augen gebracht. Dann wird er sehend und verkündet das Wort. 

Der alttestamentliche Text für den heutigen Sonntag steht im Buch Jesaja und zwar im alten Teil [10], der auf die heutige Lesung hinweist, denn dort heißt es: „Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.“

Das Lesung steht im Markusevangelium [11] unter dem Titel: „Die Heilung eines Tauben“ - sinnvoller wäre die Bezeichnung Taubstummer. Man brachte einen, „der taub war und stammelte“, vor Jesus und baten ihn, den Mann zu heilen. Dieses Wunder läßt Jesus Christus geschehen. Markus endet dieses Gleichnis so: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.“ In dieser Geschichte wird das Leiden von der Umgebung wahrgenommen und Jesus spricht: „Hefata!, das heißt: Tu dich auf!“ [12] Damit meint er sicherlich nicht nur den Taubstummen sondern auch uns.

Der Predigttext steht im 1. Brief an die Korinther [13]. Da Paulus weiter gezogen war, um zu missionieren, waren in der Gemeinde Korinth Fraktionen entstanden. Und so sah sich Paulus genötigt, diesen Brandbrief zu schreiben. Zwei Passagen aus dem heutigen Text haben mich bewegt. „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Denn hier zeigt sich, daß nicht einzelne Personen aus der Gemeinde die Gemeinde auf sich ziehen sollten, sondern daß die Gemeinde auf der Grundlage Jesu Christi gedeihen kann. Und: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.“ Man muss etwas für seinen Tempel tun, aber man sollte sich nicht mit der Physis eines Tempels vergleichen, sondern es geht um den Geist, der in ihm wohnt.

Das Altargesteck in Köln war genauso verwelkt wie vor zwei Jahren, aber es stand im Abseits, denn der Gottesdienst wurde am Taufbecken gefeiert, obwohl wir gar so wenig Teilnehmende waren. Der Küster hatte noch versucht, die schlimmsten Blüten zu entfernen – das zumindest war gelungen. In Kall gab es kein Gesteck, denn die Andacht wurde nach dem Format „Auf ein Wort“  gefeiert, trotzdem gab es ein hübsch konzipiertes Gesteck aus Blumen der Hochzeit vom Vortag neben dem Altar zu sehen.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 124-125. Am XII. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/12-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Jes 42,3
[4] Übrigens nicht nur ich. Da gibt es Untersuchungen zu:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/211147/internationaler-tag-der-erinnerung-an-sklavenhandel-und-dessen-abschaffung/ 
[5] Wahrscheinlich war es „Serengeti darf nicht sterben“ aus dem Jahr 1959; ich bin mir aber nicht sicher, ich war 9-11 Jahre alt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti_darf_nicht_sterben 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PSA.147 Ps 147,1–6.11
[7] Wehe, wenn jetzt jemand an „Chleudert den Purschen zu Poden!“ denkt!
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.9 Apg 9,1–20
[9] Erleben wir hiermit die Wendung von Saulus zu Paulus? Nein, denn Paulus hatte immer schon beide Namen: den jüdischen Saulus und den römischen Paulus. Ich erwähnte dies bereits in: 
Paulus und Barnabas in Lystra 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/paulus-und-barnabas-in-lystra.html 

[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.29 Jes 29,17–24 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.7 Mk 7,31–37 
[12] Dieses Hefata! (אתפתח / ἐφφαθά) hat etwas Mystisches, wie „iftah ya simsim“ (إفتح يا سمسم) oder Sesam, öffne dich! Wer sich für die griechische Transliteration des aramäischen Begriffes interessiert, muss es sich auf Wikipedia ansehen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Language_of_Jesus#Ephphatha 
[13] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.3 1. Kor 3,9–17 

.


Mongolia and Horses – Part 1 - Overview


There were horse stables near my apartment in Cologne. I often walked there, or passed by in the evening on my way home from work or from visiting my parents. Now I live in a village in the Eifel region, where there are horses too. It is possible to imagine Cologne and the Eifel without horses, but it is impossible to imagine Mongolia without them. I will attempt to illustrate this below. Here in Germany, horses are frequently ridden by women—at least, that is my impression. In Mongolia, one sees both genders riding, though I did observe more men doing so. In Germany, horses are often a hobby; in Mongolia, they are an economic necessity, even though one sees many herders riding motorcycles.

Mongolia is home to over 4 million horses and has a human population of roughly 3.3 to 3.7 million [1]. In Germany, there are about 2.32 million people involved in equestrian sports (including 840,000 regular riders) out of a population of approximately 80 million [2]. In Germany, I often see horses being led by hand; I rarely saw this in Mongolia. In Germany, horses are kept in stables and on fenced pastures, whereas in Mongolia, they roam freely.

I believe that the image of horses galloping across the steppe comes closest to our mental picture of Mongolia. Indeed, one often sees this—whether the horses are moving of their own accord or being driven by herders. Yet, even more frequently, one simply sees them grazing somewhere with no humans around.

The Mongolian horse (Адуу) [3] is smaller and sturdier than the average horse seen in Europe. It is believed that the breed has not changed significantly since the time of Genghis Khan (Чингис хаан / Chinggis Khaan). The horses live outdoors almost year-round, meaning they are adapted to temperatures ranging from as low as -40°C to as high as 30°C. Fermented mare's milk plays an important role in both Mongolian and Kazakh cultures; it is known as kumis (қымыз) in Kazakh and airag (айраг) in Mongolian—a subject I have written about previously [4]. Traditionally, this fermented mare's milk has been a vital source of Vitamin C in nomadic cultures [5]. Mare's milk is used in shamanic rituals, such as the blessing for a journey, which I have also reported on [6]. The ceremony I witnessed at Üüreg Nuur does not contradict this [7]; for one thing, it was a Buddhist ceremony, and for another, availability might be a factor.





There is also more to be said about the Genghis Khan equestrian statue (Их эзэн Чингис хааны морьт хөшөө)—standing approximately 40 meters tall, 55 km east of Ulaanbaatar—as well as about Damdin Sükhbaatar (Дамдины Сүхбаатар) and his statue in the center of Ulaanbaatar (though there, a colossal Genghis Khan looks down upon him from a throne within the government building).

I also plan to cover horse racing, the transport and training of horses, the Naadam festival (Наадам), and more. Horses are a central part of the Naadam festival ceremonies, and the races themselves take place outside the city.

The "Wind Horse" found on prayer flags [8], while used in a Buddhist context, actually has shamanic origins. The Tibetan term is lungta (
རླུང་རྟ་), and in Mongolian, it is called khiimori (хийморь). It symbolizes one of the five cardinal directions—you've read correctly, it stands for the center—as well as the human soul, well-being, or good fortune. That, too, would make for an interesting topic.

I haven't yet decided whether to tackle these various topics regarding horses and Mongolia all at once or to address them gradually...






Links and Annotations:
[1] https://www.viewmongolia.com/mongolian-horse.html 
[2] https://www.pferdesport-deutschland.de/deutsche-reiterliche-vereinigung/zahlen--fakten/zahlen--fakten 
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Mongolian_horse 
[4] „Let's first get to the term. In the West, fermented mare's milk is better known as kumis. The term comes from the Russian кумыс and from the Old Turkish or Turkish kımız. In both Kazakh and Kyrgyz it is called қымыз; and similarly in other Central Asian languages. Tuvan is slightly different: хымыс. Mongolian has its own term, as already mentioned: airag (айраг).“
Mongolia – Airag, Kumis or Mare's Milk 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/mongolia-airag-kumis-or-mares-milk.html 
[5] Mongolia – Where do the Mongols get their Vitamin C? 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/08/mongolia-where-do-mongols-get-their.html 
[6] Mongolia – a little Ritual on departing from a Ger Camp 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/08/mongolia-little-ritual-on-departing.htm
[7] A Ceremony at the Lakefront of Üüreg Nuur 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/07/a-ceremony-at-lakefront-of-uureg-nuur.html 
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Wind_Horse 

Fresh, but is it a topic?


.
 

Saturday, August 22, 2026

Gedichte anläßlich der Reise durch die Mongolei im Juli 2026 – Teil 4


Die Gedichte hier haben nicht unbedingt mit der Mongolei zu tun, aber sie sind während einer sehr beschwerlichen Reise im Nordwesten des Landes entstanden. Dieser Bereich ist noch sehr ursprünglich mit wenigen Ger Camps [1], so daß man zelten muß. Unsere Zelte wurden mehrfach niedergeweht. Im Wüstensand sind die Furgons [2] stecken geblieben oder die Route mußte geändert werden, da Gebiete unter Quarantäne standen. Oft gab es tagelang keine Elektrizität und schon gar keinen Internet-Zugang. Es war eine sehr schöne Reise. Hier aber geht die lyrische Reise weiter.


KrixAxt
    die KrixAxt
Spaltet 
Kein
Holz
Sondern
Schädel
Ach 
Würde
Sie
Doch einfach
    Nur
Axt heißen

AmeisenEier
    all die 
AmeisenEier 
Und 
Kein
Einziger 
SchmetterLing [3]
    EntSpringt 
Ihnen

Blutend
   die blutenden
Worte
Die 
Deinen
Mund
Nie
VerLießen
Die
Du
GeSchluckt 
Hast
Nun brechen
    Sie
Doch herVor

Vom See
    bei Sonnen-
UnterGang
Funkelten
Die
Rubine
Des 
Sees
Und 
In
Den
Schatten
VerFingen
Wir uns
    Mit 
Der Ewigkeit

YakBulle
    unter der
GeStalt
Eines 
YakBullen
Zittert
Die
Steppe
Ihr 
Lied
Sein Grunzen
    WiederHolen
Die BergSchroffen

Schatten
    du wirfst
Schatten
Um
Schatten
In
Den
AusGetrockneten
Brunnen
Aber
Was
Wird
Aus
Ihm
HerVorKommen
Wenn einst
    Wieder
Regen fällt

KirschBäume
    nach AbWurf
Der
Bombe
Weht
Asche
Von
Den
KirschBäumen
Wie
KirschBlüten
So trostLos
    Und
HoffnungsVoll zuGleich

EiterPickel
    die Ewigkeit
VerSucht
Nicht
Die
EiterPickel
Der
Geschichte
Zu
Beseitigen
Die Ewigkeit
    ErTrägt
Sie einFach

Turm
    der schiefe
Turm
 Von
  Pisa
   Lehnt
    Sich
     Mal
      An
       Den
        Tag
         Mal 
          An 
           Die
            Nacht
Und bleibt
    Doch
Immer schief





Links und Anmerkungen:
[1] Ger Camps bestehen aus Gers (die Jurten der Mongolen) und sanitären Anlagen. Hierzu aber habe ich schon einmal geschrieben:
Mongolia – Staying in the Ger 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/mongolia-staying-in-ger.html 
Mongolia – Some Petroglyphs in the Orkhon Valley https://rheumatologe.blogspot.com/2024/04/mongolia-some-petroglyphs-
in-orkhon.html

[2] Furgons sind geländegängige Fahrzeuge und haben kaum Elektronik sondern alles ist Mechanik, so daß die Fahrer Reparaturen während der Tour durchführen können. Der russische Begriff Furgon (фургон) bedeutet Kastenwagen oder Transporter, auch der Begriff Buchanka (Буханка) – Laib Brot wird benutzt. Die korrekte Bezeichnung ist UAZ-452 (russisch УАЗ-452), also ein Kleintransporter des sowjetischen/russischen Herstellers UAZ, der seit 1965 gebaut wird. Übrigens wurde ein Motor auf dieser Reise neben den Zelten völlig auseinander genommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/UAZ-452 
[3] Ling – – Null 

.
 


Friday, August 21, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 21.08.2026


Die rote Sandsteinbrücke packt
Staubig die andere Seite vom schwärzlichen Tümpel.
Laternen. Das verirrte Mondlicht zackt
Über Sträucher und Wellen und träges Gerümpel.
Jacob van Hoddies [1]



Rauch 
    Rauch wehte 
Vom 
Venn 
Her 
Und 
Den 
Smoke-on-the-water [2] 
Roch man 
    Wie 
Ein LagerFeuer 

BahnHof
    der Bahn-
Hof 
Liegt 
VerLassen 
Kein 
Mensch
Keine 
MenschenSeele 
Der SEV [3]
    Fährt 
AndersWo vorBei

Stein ∙ Bein ∙ MagenPein
Gertrude Stein 
Der Stein der Weisen
Der Stein des Anstoßes 
Der Anstoß 
Schach ohne Würfel 
Schwierig ist's 
Ohne Reis ein Gericht zu kochen
Die Seele kocht
Die Gerichte verTagen sich 
Stein Bein 
Und nun der Magen
Der alles verDauen muß

SeitenSchiffe 
In den SeitenSchiffen 
Werden noch die Gebete erHört 
Die inbrünstig [4] geMurmelt werden
Meist von Frauen 
Von sehr jungen oder sehr alten 

Die Raben von Babel 
    oben auf 
Dem 
Turm 
Von 
Babel 
ErRichteten 
Die 
Raben 
Ihr 
Nest 
Und 
Krächzen 
Heute noch 
    UnVerändert 
Ihre RabenSprache 

Ab hier 
Ab hier nur noch -: AbGrund AbGesang AbSatz
Von hier nur noch -: VorWand VorTrag VorSatz  

Wald
    wie man 
In 
Den 
Wald 
HinEin
Ruft
So 
Schweigt sich 
    Das 
Echo aus 

Toilette 
Wir erFahren allerlei über Gott
Aber geht er zur Toilette? 
O.K., Schwamm drüber 
Aber gehen nicht wenigstens 
die Engel auf die Toilette [5]? 

FlederMäuse 
Nach und nach 
VerLassen die Fledermäuse 
Das große Dach 
Durch eine winzige Öffnung 
Sie kommen zurück nach der Jagd
Aber ich sehe sie nicht 
In der Dunkelheit

Im Tal 
    im Tal 
Steht 
BodenNebel 
Aber 
Der 
Himmel 
Ist 
Klar 
Dort 
Spiegelt 
Sich
Der Nebel 
    In 
Der MilchStraße 

Ende
            Für Helmut Krausser [6]
    Ente gut
Alles 
Gut 
Schreibt 
Das 
SchwanenKüken
Mit 
Der SchwanzFeder 
    Auf 
Den See

Dürre 
Die Wiesen verGilben
Die Landschaft steht öde 
Wie auf alten Bildern
SepiaFarben 
Da jubeln die Wiesen 
Der Regen kommt 
Und mit ihm ein GeWitter 
Die Dürre aber findet kein VerSteck

AbendEssen 
    da wird 
All-you-can-eat 
In 
Sich 
HineinGeschaufelt 
Zu 
Musik
Die 
Auch 
Im 
Ein-Euro-Laden 
    Laufen 
Könnte -: paßt 

Dunkelheit
    ein glatter 
Schnitt 
In 
Die 
Dunkelheit
Und 
Das 
Jetzt 
Wird 
Von ver-
    Gangen 
AbGetrennt  



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Jacob van Hoddies [1a]: Am Lietzensee. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 389. 
[1a] Woher das e im Namen Hoddies kommt, sei dahingestellt, aber so wurde das Gedicht in Akzente abgedruckt. Dazu noch mit der Widmung: „Meinem Freunde Geord Heym“. 
„Jakob van Hoddis (geboren als Hans Davidsohn 16. Mai 1887 in Berlin; gestorben 1942 vermutlich im Vernichtungslager Sobibor) war ein deutscher Dichter des literarischen Expressionismus. Er ist besonders bekannt für das Gedicht Weltende.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_van_Hoddis 
„Weltende“ ist das erste Gedicht in: Kurt Pinthus: Menschheitsdämmerung: Ein Dokument des Expressionismus. Rowohlt, Reinbek 1996. ISBN: 3-499-45055-0. S. 39. 
[2] Deep Purple - Smoke On the Water 
https://www.youtube.com/watch?v=Q2FzZSBD5LE 
[3] SEV – SchienenErsatzVerkehr, manchmal funktioniert er, manchmal nicht.
[4] In inbrünstig ist brünstig, aber nicht gemeint, deshalb nicht inBrünstig.
[5] Stichwort Angelismus. Ich hörte einmal von einem Seminaristen, der wie die Engel werden wollte und daher auch nicht mehr zur Toilette ging. Da bekam er einen Ileus [DarmVerschluß]. Nach dem Krankenhaus ließ man ihn nicht zurück ins Kloster. Blaise Pascal: „Qui veut faire l’ange, fait la bête.“ [Wer sich als Engel zeigen will, macht sich zum Tier.]
[6] [Narr, wer noch Gedichte schreibt]. In: Helmut Krausser: Strom. Rowohlt, Reinbek 2003. ISBN: 3-498-03512-6, S. 78.  

.




Wednesday, August 19, 2026

Bruderschaften – Schismen, Aufsplitterung – können wir uns das leisten?


Ich hatte mir vorgenommen, Zeitschriften, Papieren, Notizen auszusortieren und da fand ich einige Ausgaben des Kölner Rundbriefes der Priesterbruderschaft St. Petrus (im weiteren Petrusbruderschaft genannt [1]. Zu den Gründern zählten Priester und Seminaristen der Piusbruderschaft [2]. Wir kommen noch darauf zurück. Beiden Bruderschaften ist der Traditionalismus gemein. Reformen, Lehren und Ansichten des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) werden abgelehnt, insbesondere die Liturgiereform; unter [2] steht mehr dazu. Traditionalismus ist aus meiner Sicht ein Euphemismus für erzkonservativ oder erzreaktionär.

Was schreibt nun P. Bernhard Gerstle in seinem Leitartikel? Er berichtet im Rundbrief Nr. 276 über eine Privataudienz der Generaloberen der Petrusbruderschaft bei Papst Leo XIV. [3]. „Das Treffen diente vor allem dem Kennenlernen und dem Austausch von Informationen.“ Der Bericht der Visitation im Jahr 2025 stand noch aus, aber man hoffte, daß der Bericht positiv ausfallen würde. Ich habe gerade nachgeschaut, aber mehr als die Ankündigung der Visitation vom September 2024 habe ich im Internet nicht gefunden. 

Im Rundbrief Nr. 280 berichtet P. Gerstle über die unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft vom 1. Juli 2026 [4]. Die Bischöfe de Galaretta und Fellay der Bruderschaft weihten vier Priester zu Bischöfen. Das hatte zur Folge, daß die beiden konsekrierenden Bischöfe (waren die nicht schon exkommuniziert?) sowie die vier neuen Bischöfe exkommuniziert [5] wurden. Auch die Kleriker, die  weiterhin Mitglieder der Bruderschaft bleiben, werden sich die Kirchenstrafe der Exkommunikation zuziehen. Mit den neuerlichen Bischofsweihen hat sich ein Schisma ergeben – eigentlich schon 1988 mit den von Erzbischof Lefebvre vorgenommenen Bischofsweihen, aber man versuchte zu kitten, was noch zu kitten sein könnte.

Sämtlich großen Religionen machen Spaltungen durch. Vergleichen Sie einmal Theravāda, Mahayana, Vajrayana und Navayana im Buddhismus [6]. Oder die Spaltungen im Islam – erwähnen Sie nur nicht den Sufismus in Saudi Arabien! 

Ob sich bei den katholischen Geschwistern noch weitere Schismen auftun, könnte mir ja egal sein. Aber die Zahlen sprechen für sich. 1950 fühlten sich noch 95% der Bevölkerung den beiden Volkskirchen zugehörig. 1990 ging man nach der Wiedervereinigung immer noch von 72% aus, während diese Zahl mittlerweile unter 50% liegt. Können wir es uns noch leisten, im christlichen Glauben immer noch weitere Aufsplitterungen durchzuführen? Eigentlich ist es kontraproduktiv, aber es läßt sich nicht vermeiden. Vielleicht ist die Vielfalt für das Überleben auch eine wertvolle Strategie. Die Natur macht es uns vor – der Fachbegriff ist Gendrift [7], ein wichtiger Evolutionsfaktor. Vielleicht sollte man weniger Kittversuche unternehmen als herausfinden, was denn gemeinsam möglich ist. Und wenn die einen die Messe auf Latein führen wollen, warum denn nicht? Andererseits begannen die evangelischen Gottesdienste bereits 1521 mit der deutschen Sprache – bei römisch-katholischen Messen dauerte es etwa 450 Jahre länger.



Links und Anmerkungen:
[1] „Die Priesterbruderschaft Sankt Petrus (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri, Ordenskürzel FSSP) ist eine römisch-katholische Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts von Klerikern.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Petrus 
[2] „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X, Kürzel FSSPX, umgangssprachlich oft Piusbruderschaft oder Piusbrüder) ist eine Priestervereinigung von aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossenen Traditionalisten.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X. 
Der Holocaustleugner Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson wurde in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt.
[3] Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 276. Februar/März 2026. S. 1.
[4] P. [Bernhard] Gerstle: Die unerlaubten Bischofsreihen der Piusbruderschaft und ihre Folgen. In: Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 280. Februar/März 2026. S. 2-3.
[5] Ist in der heutigen welt nicht mehr so katastrophal wie früher. Schon gar nicht mit dem Excommunicado in den John Wick filmen mit Keanu Reeves zu vergleichen.
[6] Habe ich gerade herausgesucht, weil ich den einen oder anderen Artikel vielleicht für einen Artikel zur Mongolei benötige:
https://de.wikipedia.org/wiki/Theravada 
https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana 
https://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana 
https://de.wikipedia.org/wiki/Navayana 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Gendrift 

.
 


Sunday, August 16, 2026

Altargesteck zum Elften Sonntag nach Trinitatis 2026


Und unter den geschloss'nen Lidern fahren
Die Schatten alter Sünden hin und her.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
 

Der Der heutige Sonntag ist der elfte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Nun war ich gerade aktuell nicht im Gottesdienst in Köln, aber das sollmich nicht abhalten, etwas zu Köln und der Zahl 11 zu sagen. Köln ist die Stadt der Zahl Elf. Wer denkt nicht an die 11 Flammen im Wappen, die für die 11.000 Jungfrauen stehen, die von den Hunnen vor den Toren Köln gemeuchelt worden sein sollen. 11.000 Jungfrauen! Elf hätten schon gereicht. Der Hunnenprinz bot Ursula der Leben an, wenn sie ihn heiraten würde, aber sie lehnte ab und wurde zur Märtyrerin und damit zur späteren Heiligen von Köln [3]. Die Wochenspruch lautet [4]: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Dieser Sonntag stellt die Demut als Tugend in den Mittelpunkt. „Mein Haus, mein Auto, mein Jacht“ mögen am Stammtisch zählen, aber sie zählen nicht vor Gott. Wir können uns nicht mit unseren Werken vor Gott brüsten.

Gehen wir doch einmal dem Satz „Wir können uns nicht mit unseren Werken vor Gott brüsten“ nach. Im zweiten Brief an die Galater lesen wir [5]: „Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht.“ Paulus spricht sich gegen eine Restauration jüdischer Gesetzestreue in der jungen heidenchristlichen Gemeinde aus, die nach seiner Weiterreise durch Judenchristen propagiert worden war. Schon im Kontext der frühchristlichen Gemeinschaft war die Schärfe dieses Satzen offensichtlich, aber erst im 16. Jahrhundert arbeitete Martin Luther aus dem „gerecht werden durch den Glauben“ das „allein aus Glauben“ heraus [6]. Dies aber führte zur Kirchenspaltung.

Das Evangelium für den heutigen Sonntag steht bei Lukas und darin wird das Gleichnis von Pharisäer und vom Zöllner [7]: Der Pharisäer betete: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Einige Dinge macht er schon richtig, denn wenn seine Frömmigkeit Fasten und das Abgeben des Zehnten umfaßt, ist dem nichts entgegen zu stellen. Aber er vergleicht sich und dabei kommen die anderen schlecht weg; darin liegt sein Fehler. Er nimmt sich also ein Urteil, das nur Gott zusteht, heraus. Der Zöllner ist sich aller seiner Sünden oder Verfehlungen bewußt. Er wagt nicht zum Himmel und Gott aufzusehen. Aber dann macht er etwas richtig. Er überläßt sich Gottes Urteil und Gnade.

Das Gesteck in Kall ist wieder mit viel Freude zusammengestellt worden. Jona springt nur scheinbar und auch ganz zufällig aus ihm hervor. Die Sonnenblume zeigt den aktuellen Sommer auf, ist aber auch eine Blume, die gerne zum Erntedank aufgestellt wird. Die Natur eilt durch die Dürre auf Herbst und Erntedank zu. Ich möchte nicht versäumen, auf das zarte Grün (liturgische Farbe) im Gesteck hinzuweisen.


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 122-123. Am XII. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/11-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_K%C3%B6ln 
[4] 1. Petr 5,5b 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GAL.2 Gal 2,16–21 
[6] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 58. 

.
 

Gedichte anläßlich der Reise durch die Mongolei im Juli 2026 – Teil 4


Die Gedichte hier haben nicht unbedingt mit der Mongolei zu tun, aber sie sind während einer sehr beschwerlichen Reise im Nordwesten des Landes entstanden. Dieser Bereich ist noch sehr ursprünglich mit wenigen Ger Camps [1], so daß man zelten muß. Unsere Zelte wurden mehrfach niedergeweht. Im Wüstensand sind die Furgons [2] stecken geblieben oder die Route mußte geändert werden, da Gebiete unter Quarantäne standen. Oft gab es tagelang keine Elektrizität und schon gar keinen Internet-Zugang. Es war eine sehr schöne Reise. Hier aber geht die lyrische Reise weiter.

Nebel
    das Sonnen-
Licht
Fängt
Sich
Im
Nebel
Und
Die Lärchen
    Schweigen
Schwarz daVor 

FeuerStelle
    die Glut
In
Der
FeuerStelle
Hat 
Die 
Nacht 
ÜberDauert
Nun
Steigt
Weißer Rauch
    Auf in
Die MorgenRöte

Der Kuss
    voller Sehn-
Sucht
Streckt
Sich
Der
Fels
In 
Den 
Himmel
Unter ihm zartes Grün im GeRöll
Da senkt sich eine wirre Wolke
Streift 
VorBei
Und
DaBei küsst
    Sie
Ihn sanft

ZurückGelassen
    du hast
Uns
VerLassen -:
Durch
Die
Pappeln
Her
Läßt
Du
Wind
Wehen
Aber
Wir verStehen
    Dich
Nicht mehr

Klirrend
    in der
Klirrend
Kalten
Nacht
Klirrten
Die Gläser
Und 
Wir
Tranken
Den Schampus
    BeVor
Er geFror

Kerze
    sei wie
Die
Kerze
AufRecht
Gerade
KerzenGerade
Und 
Lebe
Nicht
Nur
Wenn du
    Brennst
Und verGehst

SchienenStrang

Ich liebe die Freiheit des SchienenStrangs
Auch wenn sie nur eine Illusion ist
Die AutoBahn hat ihre Freiheiten
Und die Routen der Schiffe und FlugZeuge
Ich liebe die Freiheit des SchienenStrangs
Die von Jack London als Hobo
Und die als Interrailer




Links und Anmerkungen:
[1] Ger Camps bestehen aus Gers (die Jurten der Mongolen) und sanitären Anlagen. Hierzu aber habe ich schon einmal geschrieben:
Mongolia – Staying in the Ger 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/mongolia-staying-in-ger.html 
Mongolia – Some Petroglyphs in the Orkhon Valley https://rheumatologe.blogspot.com/2024/04/mongolia-some-petroglyphs-
in-orkhon.html

[2] Furgons sind geländegängige Fahrzeuge und haben kaum Elektronik sondern alles ist Mechanik, so daß die Fahrer Reparaturen während der Tour durchführen können. Der russische Begriff Furgon (фургон) bedeutet Kastenwagen oder Transporter, auch der Begriff Buchanka (Буханка) – Laib Brot wird benutzt. Die korrkte Bezeichnung ist UAZ-452 (russisch УАЗ-452), also ein Kleintransporter des sowjetischen/russischen Herstellers UAZ, der seit 1965 gebaut wird. Übrigens wurde ein Motor völlig auseinander genommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/UAZ-452 

.