Bin ich getauft in deinem Zeichen,
Du heilige Dreifaltigkeit,
Nun bleibt es mir und kann nicht weichen
in dieser nicht und jener Zeit.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der heutige Sonntag heißt Trinitatis [2]. Ich schrieb einmal: „Pfingsten ist das Fest, das den meisten Menschen, durchaus auch Christen, am wenigsten sagt“ [3], aber fragen Sie einmal ganz vorsichtig Ihre:n Nachbar:in, was denn mit dem Trinitatisfest gemeint sein soll. Nun, in katholischen Kreisen nennt man diesen Sonntag auch Dreifaltigkeitssonntag. Es geht also um den dreieinigen Gott, den Kurt Marti als „gesellige Gottheit“ beschreibt [4]. Es ist das Fest der Dreieinigkeit Gottes – ein Gott in drei Personen –, einer theologischen Idee, die der christlichen Kirche Kritik von anderen Religionen eingebracht hat, für uns selbst schwer verständlich bleibt, aber uns mehr über das Wesen Gottes vermitteln kann. In den Wissenschaften haben wir mit den drei Aggregatzuständen eines Stoffes – fest, flüssig, gasförmig – überhaupt kein Problem. Während Wasser und Eis gut erkennbar sind, ist der reine Wasserdampf unsichtbar, wir können nur Wassertröpfchen sehen, also Nebel. Bei Trinitatis denke ich auch an Trinity, die zusammen mit Neo und Morpheus in den Matrix-Filmen auftritt [5]. In diesem Dreigestirn ist immerhin Weiblichkeit realisiert, während die Dreifaltigkeit sich vordergründig als Männerklub sehen läßt. Rätselhaft? Nein, denn Rätsel können gelöst werden, eher ein Mysterium, denn Mysterien können entdeckt und erlebt werden. Der Wochenspruch entläßt uns sehr konkret in die nächste Woche: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ [6]
Die Lesung aus dem Alten Testament steht beim Propheten Jesaja und beschreibt Jesajas Berufung zum Propheten [7]. Hier und nur an dieser Stelle ist von den Seraphim die Rede. Die geflügelten Engel haben ihren Ursprung in ihnen und den Cherubim, die an mehreren Stellen benannt sind, insbesondere werden sie in Bezug auf die Bundeslade als geflügelt beschrieben [8]. Apropos Cherubim und Seraphim, im Lied „Großer Gott, wir loben dich“, das wir heute sangen, werden die Seraphim zu Seraphinen, damit es sich auf „dienen“ reimt [9]. In der Lesung heißt es weiter: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ Jesaja berichtet von einer Vision und die Stelle endet: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!“ Da ist Jesaja anders als Moses oder Jeremia, die erst einmal versuchen, ob sie die Aufgabe nicht annehmen müssen, oder Jona, der zu fliehen versucht.
Im Evangelium geht es um ein Gespräch zwischen Jesus und dem Pharisäer Nikodemus („ein Oberster der Juden“) [10], in dem Nikodemus an die Grenzen seiner Verständnisfähigkeit gerät, wenn man von neuem geboren werden muß, um das Reich Gottes zu sehen. Auch die erklärenden Worte Jesu Christi lassen ihn skeptisch: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
Der Predigttext behandeln den Segen: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“ [11] Wenn man im Internet umherschaut, dann findet man viele sperrige und ausufernde Segen, die bei bestimmten Gelegenheit auch sinnvoll sind, aber sich nicht zu spontanen Segnungen eignen. Ich meine eine kurze Form, wie:
∙ Der HERR segne dich und behüte dich
∙ Gottes Segen auf deinen Wegen
∙ Gottes Segen für diesen Tag
∙ Gott segne und behüte dich
∙ Der Herr segne dich
∙ Gott sei mit dir
∙ Tschüss
∙ Adieu
∙ Tschö
Die Trinitatisgemeinde Schleidener Tal ist das Ergebnis von fast 500 Jahren evangelischer Gemeinden in der Gegend. 1542 wurde in der Schloßkirche Schleiden ein evangelischer Gottesdienst gefeiert. Um 1660 kaufte die reformierte Gemeinde von Gemünd das Pfarrhaus, das noch heute steht. Die Kirchengemeinden Gemünd, Hellenthal und Schleiden zusammen mit Kall und Heimbach fusionierten im Jahr 2007. Also haben wir mit 19 Jahren kein rundes Jubiläum. Ein rundes Jubiläum allerdings hatte Organist Werner Winkler, der seit 50 Jahren für die musikalische Begleitung der Gottesdienste sorgt. Und gerade vorbei ist der 350. Todestag von Paul Gerhardt [12].
Trinitatis hat noch die liturgische Farbe Weiß, danach folgt die Zeit mit viel Grün, aber das wird Thema in der nächsten Woche sein. Das Parament in Hellenthal zeigte überhaupt kein Weiß, dafür aber die Trinität. Das Gesteck ist ist mit viel Weiß vor Grün gestaltet und prächtig anzusehen. Das war leider nicht der Fall in Köln, wo sich der Altar mit einer Studie der Vergänglichkeit begnügen mußte.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 96-97. Am I. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/trinitatis/
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/altargesteck-am-29052023-pfingstmontag.html
[4] Kurt Marti: Die gesellige Gottheit: Ein Diskurs. Radius-Verlag, Stuttgart 2004. ISBN: 978-3871733000. „Am Anfang also Beziehung. / Am Anfang Rhythmus./ Am Anfang Geselligkeit.“
[5] Matrix ist ein Science-Fiction-Film der Wachowkis (Lana & Lilly) aus dem Jahr 1999. In den Hauptrollen: Keanu Reeves (neo), Laurence Fishburne (Morpheus), Carrie-Anne Moss (Trinity).
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Matrix
[6] 2. Kor 13,13
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.6 Jes 6,1–8(9–13)
[8] 2. Mose 25,18
[9] EG 331 Großer Gott, wir loben dich
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.3 Joh 3,1–8(9–13)
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/NUM.6 4. Mose 6,22–27
[12] Paul Gerhardt (1607-1676) „war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt
PS. Das Korrekturprogramm hatte für dreieinigen Gott den dreibeinigen Gott vorgeschlagen. Eigentlich weiß es so ein Programm doch viel besser als wir. Ich habe mit mir gerungen, wie Jakob am Jabbok, und bin beim dreieinigen Gott geblieben.
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