Sunday, October 11, 2026

Altargesteck zum 19. Sonntag nach Trinitatis 2026


Doch wie am dürren Baume sehn
Man wird des Schlinggewächses Spur,
So, ein Vampir,
Dort sie die Seele und den Körper dir. 
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der 19. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ [3] Der 19. Sonntag nach Trinitatis geht der Frage der Heilung nach, ob die körperliche Heilung das Maß der Dinge sein kann oder das seelische Heil nicht der wichtigere Aspekt ist. Wenn der Christus heilt, so heilt er immer den ganzen Menschen. Für die Frage an sich können ganz unterschiedliche Geschichten aus der Bibel herangezogen werden. 
Aus dem Neuen Testament die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda („Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“) [4]. Ich bevorzuge Bethesda, obwohl die Schreibweise nach dem Griechischen eher Bithsatha Βηθζαθά und dem Hebräischen Bit-hasda (בֵּית־חַסְדָּא) lauten müßte; Betesda sieht einfach blöd aus. Jesus fragt: „Willst du gesund werden?“ „Ja, selbstverständlich!“ möchte man aufschreien. Aber so absurd ist die Frage nicht. Es geht hier vielmehr um das Heil, was allerdings Umkehr, Veränderung von Einstellung und Leben heißen kann.
Oder die Heilung des Gelähmten (das Dach wird abgedeckt und der Kranke zu Jesus hinabgelassen) [5]. In dieser Perikope geht es einerseits um die Heilung eines Gelähmten und andererseits die Vollmacht zur Sündenvergebung. 
Oder aber im Alten Testament bei Jesaja: Hiskias Krankheit, Genesung und Dankeslied [6]. 

Die Epistellesung ist „Das Gebet für die Kranken“ aus dem Jakobusbrief [7]: „Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.“ Und das Heil soll nicht nur die Kranken erreichen sondern alle Welt, das aber machen wir in den Fürbitten – hier als Beispiel: „Gott, wir tragen alles, was wir auf dem Herzen haben zu dir. Nicht nur für uns selbst bitten wir – wir denken auch an andere Menschen. An nahe und ferne.Wir beten für die Menschen in Israel und Palästina, in der Ukraine und in Russland in den vielen anderen Ländern, in denen Krieg und Terror herrschen. Und wir teilen die Klage der Mütter, Väter und Kinder um die, die sie verloren haben. Gott, wir bitten dich auch für all jene, die nicht frei sind, Gutes zu tun oder eigene Entscheidungen zu treffen, weil ihr Denken von Kindheit an durch Ideologie oder enge Glaubenssysteme geprägt wurde. Sei bei den Menschen in sektenähnlichen Gemeinschaften, in religiös-fundamentalistischen Staaten wie dem Iran oder in diktatorischen Regimen. Durchbrich den äußeren Zwang, der sie bindet, und schenke ihnen den Mut und die Freiheit, eigene Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Gott wir bitten dich, wirke in diese Welt hinein, damit die Menschen zur Vernunft kommen und anfangen am Frieden zu bauen.“ 

Das Altargesteck war in Köln wie in Kall schön gestaltet. In Köln stand es diesmal nicht im Abseits, das Tor zählt also. Violette Töne mit orangen und roten tupfern überwiegen. In Kall bestechen der Dialog von Rot und Orange bei den Dahlien, aber überhaupt die warmen Töne über dem Grün der langsam sich zu Ende neigenden Zeit „nach Trinitatis“.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 141-143. Am XX. Sonntage nach Pfingsten. Und da steht noch: „Evang.: Vom Gichtbrüchigen / Matth. 9,1-8“. Ach, da ist er ja, der Gichtbrüchige; hier in römisch-katholischer Tradition. Auch ich dachte immer bei dieser Textstelle, daß es Gichtbrüchiger heißen muß, da ich gesehen habe, wie Schmerzen bei Gicht lähmen können, aber im griechischen Text steht παραλυτικὸν, also paralytisch und das bedeutet gelähmt; der Begriff wird noch heute in der Medizin benutzt.
In der Übersetzung nach Luther von 1912 (evangelische Tradition) heißt es: „Und es kamen etliche zu ihm, die brachten einen Gichtbrüchigen, von vieren getragen.“ https://www.die-bibel.de/bibel/LU17,LU12/MRK.2   
Ob  Annette von Droste-Hülshoff das Gedicht „Der Vampir“ von Heinrich August Ossenfelder (1748) [1a] kannte? 
Fast vergaß ich es – mit sie ist die Sünde gemeint.
[1a] http://www.vampire-world.com/literaturseiten/gedichte/der_vampir.ossenfelder.htm  
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/19-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Jer 17,14 - Ich finde, daß Jeremia in unserer Wahrnehmung gegenüber Jesaja viel zu kurz kommt; in der Perikopenordnung zählte inmal nur zehn Textstellen. Jeremia ist kein Schönwetterprophet, er wettert gegen die Friedens-Propheten, die ihre Zuhörer in falsche Sicherheit wiegen.
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.5 Joh 5,1–16 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.2 Mk 2,1–12; man hätte auch Mt 9,1-8 oder Lk 5,17-26 nehmen können.
[6] https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja38 Jes 38,1-20 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JAS.5 Jak 5,13–16  

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Saturday, October 10, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 43. KW 10.10.2026


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


43. KW 
Angelus Silesius: Ohne Warumb


Erinnert mich an das Gedicht „Self-pity“ von D.H. Lawrence: „I never saw a wild thing / sorry for itself.“ [1] 

Rose 
    Rose, du 
Schöne 
Rose
Du 
Blühst 
So 
Fern 
Und 
Nie 
Betrachtest 
Du 
Dich 
Im 
Spiegel 
Ach, schon 
    Fallen 
Deine Blätter 

Die Rose als Gegenentwurf zum Selfie.

Die Rose fragt nicht, ob man ihre Schönheit sieht, aber ihre Schönheit dient, befruchtet zu werden.

Sie ist auch nicht ohne Warumb, denn das Warum liegt im Schöpfer. 

So wie die Rose ist die Welt ohne Mensch.  

Christiani Rosencreutz: „Auff meinen Hut steckt ich vier rohter Rosen: damit ich under dem Hauffen durch solche Zeichen könte desto eh gemerckt werden.“ [2]


43. KW
Kommentar: Volker Sielaff


Blühen -: last hundert Blumen blühen und das Ende der Kampagne, aber im Prinzip sehe ich es entgegen der Realität auch so. 

Liegt schon im Blühen das VerBlühen? Nein, im Blühen gibt es nur das Jetzt und da verblüht nichts, denn das kommt im NachHer. Für die Rose gibt es nur Das Betrachten im Jetzt. VorHer und nachHer ist sie eine grüne, stachelige Pflanze. 

RosenBlüte
    das ver-
Trocknete 
Gesicht 
Der 
RosenBlüte 
Schwindet 
Blatt für 
    Blatt 
Im MorgenTau  






Links und Anmerkungen:
[1] Das Buch [1a] und das Gedicht spielten auch eine Rolle in dem Film „G.I. Jane [1b] mit Demi Moore, die dafür die Goldene Himbeere [1c] bekam.
[1a]D. H. Lawrence: Selected Poetry. Selected and introduced by Keith Sagar.
PenguinBooks, London 1986. ISBN: ‎978-0140585407. 
[1b] „Die Akte Jane (Originaltitel: G.I. Jane) ist ein US-amerikanischer Film des britischen Regisseurs Ridley Scott aus dem Jahr 1997. Hauptdarsteller sind Demi Moore und Viggo Mortensen.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_Jane 
[1c] „Die Goldene Himbeere für die schlechteste Schauspielerin wird seit 1981 jährlich vergeben.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Himbeere/Schlechteste_Schauspielerin 
[2] Christiani Rosencreutz (eher: Johann Valentin Andreae [2a]): Chymische Hochzeit. Anno 1459. Lazarus Zetzner, Straßburg 1616.
[2a] Johann Valentin Andreae (1586-1654) war ein deutscher Theologe, Schriftsteller und Mathematiker. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Valentin_Andreae  
[3] This footnote is intentionally left blank, as always. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Friday, October 9, 2026

K. und die Befragung


K. wurde in einem Hotel untergebracht, es hatte keine Klasse, aber es war auch nicht schlecht. Morgens wurde er geweckt und ging zum Frühstück. Und immer war er gut gekleidet. K. wurde von einem Chauffeur erwartet, der ihm den Wagenschlag öffnete. „Haben Sie sich auch angeschnallt?“ Es folgte eine Fahrt von etwa 10 Minuten, die K. gedanklich nicht verfolgte. Dann kam er zu einem Gebäude, dessen Funktion er noch nicht ausfindig machen konnte. Vielleicht eine RundfunkAnstalt oder eine ForschungsAnstalt oder gar der Geheimdienst? Er wurde mit Handschlag begrüßt und in ein Zimmer geführt, das voller Geräte war. Dann werden ihm EKG, BauchGurt und ein Sensor für den HautWiderstand angelegt. K. wurde bis zum Mittag befragt. Mittags war eine Pause, danach wurde er wieder in das Zimmer geführt und bis zum Abend wieder befragt. Im Hotel konnte er gerade noch eine Mahlzeit einnehmen. Kurz danach fällt er in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Er weiß nicht, worum es geht. Und bislang sind sicherlich 5000 verschiedene Fragen gestellt, wenn nicht noch mehr, gestellt worden. Immer wieder einmal wiederholte sich eine, dessen war sich K. sicher, aber bei der Menge der Fragen konnte er sich unmöglich merken, was er früher einmal geantwortet hatte. Vielleicht waren die meisten Fragen aber auch nur Füllsel, damit er nicht merkte, worum es eigentlich ging. Mit der Zeit wurde K. immer genauer in seinen Antworten. Er erwartete Fragen, die ihn belasten könnten. Aber solche Fragen wurden nicht gestellt. Womit könnte man ihn belasten, dachte er zwischen den Fragen, aber die Pausen zwischen den Fragen waren äußerst gering und abends ist er immer zu müde.  
Dann wiederholten sich die Fragen sogar in der gleichen ReihenFolge. K stellte neue Überlegungen an, die er aber wieder vergaß.
Dann kamen viele neue Fragen ohne einen offensichtlichen Zusammenhang. 
Es folgten Wiederholungen und weitere neue Fragen.
Nach langer Zeit begriff K., daß er an einem Programm für GehirnWäsche teilnahm. Aber als er das verstand, war es bereits zu spät.


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Die evangelische Kirche von Vöhl

 


Vöhl ist eine Gemeinde im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, sie liegt im Nationalpark Kellerwald-Edersee [1]. Als Höhe wird 297 m angegeben. Die Gemeinde ist überwiegend evangelisch. Vöhl läßt sich erstmals im Jahre 1144 als „Vohulen“ urkundlich nachweisen. Ich wage mich etymologisch einmal etwas vor und würde es demnach mit Fähenhain übersetzen. Die lutherische Martinskirche auf der Kuppe des Schulbergs sah ich von Ferne und sie regte mich an, auf meiner Fahrt aus dem Harz in die Eifel dort Halt zu machen. Ich sah dann noch ein Hinweisschild für eine Synagoge, aber das ist eine andere Geschichte. Die Martinskirche ist Teil des alten Ortskerns und geht auf Vorgängerbauten aus romanischer Zeit zurück.

Der Westturm aus Bruchstein geht auf den mittelalterlichen Bau zurück, der Glockenstuhl wird auf 1769 datiert. Das Kirchenschiff wird auf 1843 datiert [2]. 





Die Orgel ist im OrganIndex beschrieben [3]. Die Orgel wurde 1975 von Wolfgang Böttner [4] unter Verwendung des Gehäuses und einiger Pfeifen der Vorgängerorgel (Vogt-Orgel aus dem Jahr 1886) geschaffen und von seinem Sohn Christoph Böttner 2018 umfassend überholt. Spiel- und Registertraktur sind mechanisch. Das Instrument verfügt über 19 Register, 2 Manuale und ein Pedal sowie Tremulant und Zymbelstern. 

Der Innenraum der Martinskirche wurde 2021 von Michael Possinger und Florian Seemüller (Cuxhaven) neu gestaltet. In der Kirche liegt der Text zur Gestaltung aus, aber den und die weitaus besseren Bilder des Innenraumes von Florian Seemüller kann man sich auf der Homepage ansehen [5].  

Wenn Sie in der Nähe sind, gehen Sie auf die Kuppe des Schulberg und sehen sich die Kirche an und vielleicht auch die Synagoge.




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6hl 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Martinskirche_V%C3%B6hl 
[3] https://organindex.de/index.php?title=V%C3%B6hl,_Martinskirche 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Orgelbau_B%C3%B6ttner 
Die Daten sind unter Umständen inkomplett, denn Wolfgang Böttner wurde 1924 geboren, aber Christoph Böttner lebte von 1960 bis 2024. Er führt das Unternehmen bis zu seinem Tod.
[5] https://miposs.de/vohl  

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Zucker ist schlecht – Zuckerersatzstoffe ebenso

Ich las gerade einen sehr gut recherchierten Artikel von Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel über Xylit auf DocCheck [1], so daß ich denke, es ist wieder einmal an der Zeit über Zucker und Zuckerersatzstoffe zu schreiben. Ich hatte dies bereits 2017 und 2023 auf Deutsch getan [2].

Max Otto Bruker [3] wetterte schon früh über den Fabrikzucker, Haushalts-, Rüben- oder Rohrzucker, also Saccharose. Ich fand seine Ideen grundsätzlich in Ordnung, aber überzogen, was zum Beispiel die Heilung rheumatischer Erkrankungen angeht, wenn man den Fabrikzucker weg läßt. Also weg von Fabrikzucker! Dann hat man lieber natürlich süßende Zutaten, wie Honig, Ahornsirup, Kokos- oder Palmzucker, Pflaumen- oder Granatapfelsirups oder -dicksäfte (Agavendicksaft kommt mir gerade in den Sinn) eingesetzt. Die sind um keinen Deut besser. Und weil wir dabei sind -: HFCS (High Fructose Corn Syrup, also Maissirup mit hohem Fructosegehalt) wird von der Industrie gerne als Süßungsmittel eingesetzt, aber erhöht wie reine Saccharose (auch gerne Kristallzucker genannt) das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Adipositas, Typ-2-Diabetes und die Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD).

Bei den Zuckerersatzstoffen gibt es solche, die keine Energie liefern, wie Aspartam, Cyclamat, Sucralose und Steviolglykoside (Stevia). dann gibt es die Zuckeralkohole (Polyole), die weniger Energie liefern, etwa 2,4 kcal pro Gramm. Das sind Xylit, Sorbit, Mannit, Maltit, Lactit, Isomalt und Polyglycitolsirup. Erythrit ist dem Xylit ähnlich, enthält allerdings mit 0,2 kcal pro Gramm keine nennenswerte Energie. 

Kris Verburgh hatte in seinem Buch „Die Ernährungs-Sanduhr“ [4] zu Stevia und Zuckeralkoholen wie Erythrit sowie Obst geraten, denn wie sonst könnte man das Dilemma zu süßen, ohne den Bluzuckerspiegel (wegen der Insulin-Spikes) zu erhöhen, sonst lösen?! Wir werden sehen.

Franz-Werner Dippel berichtet über neuere Studien, die „mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod“ einhergehen. „Xylit ist trotz Birkenzucker-Image kein Naturprodukt, sondern wird industriell aus Holz- oder Landwirtschaftsabfällen hergestellt und steckt in vielen kalorienreduzierten Fertigprodukten.“ Stephan Martin [5] zitierte zwei Studien [6], wobei die letztere Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beobachtete und erhöhte Spiegel von Erythrid bei denen mit schweren kardiovaskulären Ereignissen (MACE – major adverse cardiovascular event – das sind Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall) fand. Erythrid erhöht die Thrombozytenreaktivität und führt damit zu einer verstärkten Thrombosebildung. Eine in-vivo-Studie an gesunden Probanden zeigte einen deutlichen Anstieg der Plasmakonzentration bei Einnahme von Erythrid, die oberhalb des Schwellenwertes lag, der zu einer erhöhten Throbozytenreaktivität geführt hatte. Es wird ein Klassen-Effekt diskutiert, d.h. daß es alle Zuckeralkohole betrifft. Der von Dippel zitierte Artikel von Witkowski [7] beschreibt ebenfalls eine erhöhte Thromozytenreaktivität, die eine Erklärung für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko darstellt.

Zusammenfassend bestätigt mich der Artikel von Dippel in Hinsicht auf folgende Ratschläge:
    · Verzichten Sie auf Zucker
    · Verzichten Sie auf gefärbten Zucker (raffinierter Zucker mit etwas Melasse)
    · Verzichten Sie auf Kokos- und Palmzucker (ist auch im wesentlichen Saccharose)
    · Verzichten Sie auf Honig
    · Verzichten Sie auf Dicksäfte / Sirups (z.B. Ahronsirup, Agavensirup, Rübenkraut, Granatapfelsirup) 
    · Verzichten Sie auf HFCS gesüßte Speisen
    · Essen Sie Obst, aber eben auch nicht zu viel davon

Und mein Fazit über Süßstoffe:
Es kann nicht darum gehen, Alternativen für Zucker zu suchen, die sich dann auch als problematisch herausstellen. Dicksäfte oder Süßstoffe verändern nichts. Sie halten die Sucht nach Süßem aufrecht. Viel besser für die Gesundheit wäre es, den Geschmack umzutrainieren. Lassen Sie aber Zeit dabei. Viel Erfolg!



Links und Anmerkungen:

[1] Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel: Xylit erhöht Kardio-Risiko.
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/54396-xylit-erhoeht-kardio-risiko?utm_source=DC-Ne 
[2] Ich hatte mehrfach über Xylit (auch Englisch) geschrieben, auf Deutsch war das 2017 [2a] und 2023 [2b] der Fall.
[2a] Süß, süßer, SüßStuss 
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/06/su-suer-sustuss.html 
[2b] Mögliche Risiken bei Erythritol / Erythrid, einem Zuckeralkohol  
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/mogliche-risiken-bei-erythritol.htm 
[3] Max Otto Bruker (1909-2001) war Arzt, Sachbuchautor und Verfechter der Vollwerternährung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Otto_Bruker 
[4] Dr. Kris Verburgh: Die Ernährungs-Sanduhr. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2015. ISBN: ‎978-3-442-17506-2.
[5] Stephan Martin: Herzrisiken durch Süßstoff Erythrid? Vorsicht ist ratsam. BDI aktuell, Mai 2023, S. 14.
Prof. Dr. med. Stephan Martin ist ein anerkannter Diabetologe und Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums des Verbundes der Katholischen Kliniken Düsseldorf (VKKD).
[6a] Katie C. Hootman, Jean-Pierre Trezzi, Lisa Kraemer, +6 , and Patricia A. Cassano: Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain in young adults. Proc Natl Acad Sci USA, May 8, 2017, 114 (21) E4233-E4240.  
https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1620079114 

[6b] Witkowski M, Nemet I, Alamri H, Wilcox J, Gupta N, Nimer N, Haghikia A, Li XS, Wu Y, Saha PP, Demuth I, König M, Steinhagen-Thiessen E, Cajka T, Fiehn O, Landmesser U, Tang WHW, Hazen SL. The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med. 2023 Mar;29(3):710-718. doi: 10.1038/s41591-023-02223-9. Epub 2023 Feb 27. PMID: 36849732.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36849732/ 
[7] Witkowski et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med, 2023. doi: 10.1038/s41591-023-02223-9. (So von Dippel zitiert.) 

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FreitagsGedichte / #KurzLyrik 09.10.2026

 



der Weberknecht an der Steinwand
beschreibt
die morgen verpfändete Stille.
Manfred Peter Hein [1]


Harz 
    hinter dem 
Knorrigen 
Baum 
Der 
Einsam 
Steht 
Ein 
Kahles 
Feld 
GenauSo 
Einsam 
Und daHinter 
    Schwanken 
Die Berge 

Wind 
    laß den 
Wind 
ZuNächst 
Dein
Haar 
ZerZausen 
BeVor 
Er sich 
    Den 
Büschen zuWendet  

Lieder
Immer leiser hauchen wir 
Unsere melancholischen Lieder 
In die Abendbrise 
Die vom Meer herWeht 
Die schiffBrüchigen Wolken 
Lassen sich vom Wind mitNehmen 
Wohin auch unsere Lieder verWehen   

VorMittag 
    zwischen einer 
RegenSchauer
Dem 
Wind 
Und 
Treibenden 
HerbstBlättern 
EntWickelt 
Sich 
Der VorMittag -:
    Kriecht 
Leidend herum
   
Bücher 
Als sie wieder begannen
Bücher zu verBrennen
Hilflos, wie wir waren
BeGruben wir die Bücher
Besser still verModern 
Als auf dem ScheiterHaufen 
Bei GeJohle zu verBrennen 

Fallen 
    alles fällt 
Die 
Perseiden 
Im 
Sommer 
Die 
Blätter 
Im 
Herbst 
Und 
Manchmal 
Auch die 
    Eltern 
Im Alter


Verdacht
Das Gras ist welk geworden 
Die Bücher haben StockFlecken 
Und ich habe keinen Spiegel mehr 
Ach ja -: so ist es auch gut

WeinKönigin
Schluck um Schluck
Alle prosten mir zu
Denn ich bin WeinKönigin
Es ist zum Weinen
Mir brummt der Schädel
Denn ich bin WeinKönigin [2] 

VorHölle 
    kurz vor 
Der 
Hölle 
Ist 
Die 
Hoffnung 
Nass 
Von 
Tränen
Aber 
Da trocknet 
    Sie 
Auch wieder 




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Manfred Peter Hein [1a]: Kulisse. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 10. Jahrgang 1963. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 293. 
[1a] Manfred Peter Hein (1931-2025) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer, der ab 1958 in Finnland lebte [1aa]. Ich lernte ihn über die Anthologie „Auf der Karte Europas ein Fleck“ [1ab] kennen.
[1aa] https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Peter_Hein 
[1ab] Manfred Peter Hein: Auf der Karte Europas ein Fleck. Gedichte der osteuropäischen Avantgarde. Ammann Verlag, Zürich 1991. ISBN: 3-250-10116-8
[2] Das Gedicht kann, ja darf ich nicht jemandem widmen. 

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Thursday, October 8, 2026

Sammelsurium (317) 08.10.2026


Auf deinen Sarg leg ich,
als Schaufel des Totengräbers,
die offene Hand: den Mond.
Julian Przyboś [1]

RückSchau

1209 n. Chr. [2]

Baubeginn des Magdeburger Doms, der als erster gotischer Bau in Deutschland gilt, Fertigstellung der Westtürme 1520 – das ist deutlich schneller als der Kölner Dom. Beginn der Albigenserkriege. Die Albigenser gehörten zu den Katharern, wovon das Wort Ketzer kommt. 

Ein Stückchen Glück 

In einem öffentlichen Bücherschrank sah ich „Jeden Tag ein Stückchen Glück, mein Tagebuch“ [3]. Ich dachte, nimm's besser mit, sonst füllt es noch jemand aus, dem eine Psychotherapie besser helfen würde. Es gibt:
    ∙  Tage zum Ankreuzen
    ∙  Datum
    ∙  6 Auswahlmöglichkeiten an Wetter
    ∙  Tagesrückblick in 12 Kategorien zum Ankreuzen
    ∙  So fühle ich mich heute mit 10 Herzen zum Ankreuzen oder ausmalen
    ∙  Achtsamkeit & Zeit für mich
    ∙  Meine heutigen 2 Momente
    ∙  wundervolle Erlebnisse & bleibende Eindrücke
    ∙  Ich bin dankbar für
    ∙  Das nehme ich mir für morgen vor. 
Krankhaft finde ich diese Idee, circa 80 Tage umfasst das Tagebuch. Das wiederum ist erstaunlich zurückHaltend. Wahrscheinlich weiß man, daß entweder die Übung abGebrochen wird oder man einen Therapeuten gefunden hat.

Tränen & Regen 
Man meint Regen und Tränen unterScheiden zu können. Tränen sind salzig, Regen ist es nicht, es sei denn Du läufst am Strand spazieren. Und wer weiß denn, ob wenn man so viel wie eine RegenSchauer weint, die Tränen nicht auch salzFrei werden. So ein Weinen kann bekanntlich sehr befreiend wirken. Nach Regen kommt SonnenSchein – sagt der VolksMund. Die Sonne glänzt auf der gesäuberten Welt. Sie lacht. Und nun Du!

Ł - ein sakraler Buchstabe? 
Ist das polnische Ł/ł ein sakraler Buchstabe, denn es erinnert mich an das orthodoxe Kreuz (Schrägstrich)? Natürlich ist es das nicht! Denn erstens ist es kein L, sondern ein W und zweitens haben die Polen nichts mit der Orthodoxen Kirche zu schaffen. Sie sind römisch-katholisch. Aber sie hätten ihre Sprache besser mit kyrillischen Buchstaben darstellen sollen, was aber ein ganz anderes Thema ist. Ach ja, das Ł/ł wird wie englische wh ausGesprochen. Zum Whiehern!

Zur Ruhe kommen 
Ich lese häufig „zur Ruhe kommen“ und da wollen Leute „die Seele baumeln lassen“, andere versuchen mit Gewalt die Erleuchtung zu erlangen, einige vergessen über das Suchen das Finden. Was aber ist, wenn sich perfekte Momente in Ruhe anEinAnderReihen und eine GänseHaut die andere abLöst? Dann ist man zur Ruhe gekommen, der Sturm schweigt und die Füße spüren den Boden.

Das Museum in Punta Arenas

Ich las das Gedicht „Was zu lernen war“ von Eva Corino [4] und dachte an das Museum in Punta Arenas; es handelt sich um das Museo Salesiano Maggiorino Borgatello, wie mir Google heraussuchte [5]. Punta Arenas ist eine Stadt, die gegenüber von Feuerland liegt. Ich hatte dieses Museum bei meiner ersten FeuerlandReise besucht. Da hatte Einer der Patres Insekten gesammelt, wahrscheinlich über Jahrzehnte und man sah die Bezeichnungen in schwarzer Tusche, wie sie immer zittriger wurden. Aber während es bei Eva Corino um das Glück des Entdeckens geht, das man als Kind hat, war es bei dem Forscher wichtiger, Exemplare zu sammeln, zum Beispiel die Varianz von Käfern zu erfassen, wo beginnt eine neue Spezies? Und auch das kann Glück sein.  

Mälar
„mit Knoten und Dolle mit Mälarsee und Stockholm“ (Friederike Mayröcker) [6], „Der Ton war gemischt am Mälarsee“ [7] oder doch die New Seekers [8]? 

Scherben [Shards]:

Carrara – Carrera  
Masoret – Masochist 
HahaUsen – schmUsen 
Stadtoldendorf – Stadt und Dorf




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Julian Przyboś [1a]: Nacht. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 10. Jahrgang 1963. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 249.
[1a] „Julian Przyboś (* 5. März 1901 in Gwoźnica Dolna/Powiat Strzyżowski; † 6. Oktober 1970 in Warschau) war ein polnischer Lyriker der Krakauer Avantgarde, Essayist und Übersetzer.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Przybo%C5%9B 
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 516-517.
[3] Jeden Tag ein Stückchen Glück, mein Tagebuch. Korsch Verlag, Gilching 2021. ISBN. 978-3-7318-5945-1.
[4] Eva Corino: Keine Zeit für Tragödien. Berlin Verlag, Berlin 2001. ISBN: 3-8270-0389-X. S. 9.
[5] „Das Museo Salesiano Maggiorino Borgatello ist ein privates Regionalmuseum in Punta Arenas, das 1893 gegründet wurde und damit das drittälteste Museum Chiles ist.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Museo_Salesiano_Maggiorino_Borgatello  
[6] Friederike Mayröcker: Ein Lesebuch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979. ISBN: 3-518-37048-0. S. 72.
Friederike Mayröcker (1924-2021) war eine österreichische Schriftstellerin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Mayr%C3%B6cker 
[7] Eine Vignette zu paranormalem Unsinn 
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/08/eine-vignette-zu-paranormalem-unsinn.html  
Hier ist noch eine RichtigStellung notwendig:
Der Parapsychologe Hans Bender (1907-1991) [7a] mit dem Schriftsteller und Akzente-Herausgeber Hans Bender (1919-2015) [7b].
[7a] https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Bender_(Psychologe)  
[7b] https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Bender_(Schriftsteller) 
[8] Es geht um den Song „Beg, steal or borrow“ von den New Seekers [8a], vor dem ich ausdrücklich warne, den ich aber von der B&B Vermieterin her kenne, denn sie trällerte den Song jedesmal mit, wenn er im Radio lief, aber schließlich war ich auch zum Englisch lernen in Shanklin (I.o.W.).
[8a] https://www.youtube.com/watch?v=QyxJeV8OLjI 

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