Monday, May 18, 2026

Geplante Ausfahrt der A1 bei Satzvey (Eifel) – ein Irrwitz?

Ich las den „WochenSpiegel Schleiden“ vom 13.05.2026 und auf S. 14 den Artikel „Autobahnanschluß Nummer vier rückt näher“ [1]. Auf dem Luftbild (über Satzvey etwa in Richtung SO) sieht man die A1 und die Unterführung der L11 und viele Felder, viel Grün, kaum aber läßt sich der Golfclub Burg Zievel identifizieren [2]. Wenn man sich bei die geplante Ausfahrt auf Google Maps ansieht, kann man schon den Eindruck bekommen: da hat aber jemand ziemlich gut an der Golfanlage vorbei fotografiert [3]. Indes weiter zum Artikel: „Das Konzept passe genau zu den verkehrspolitischen Zielen: Innenstädte und Ortslagen zu entlasten, den Umstieg vom Auto auf die Schiene erleichtern und die vorhandene P&R-Anlage sowie den Bahnhaltepunkt sinnvoll einbinden.“ Tja, wie schön sich doch Politiker ihre Projekte reden können.

Die geplante Ausfahrt Satzvey liegt etwa 3 km von der Ausfahrt 111 (Wißkirchen) und etwa 5 km von der Ausfahrt 112 (Mechernich) entfernt. Das wären dann 3 Ausfahrten auf 8 km Autobahn. Zwischen Ausfahrt 110 und 111 liegen etwa 4,5 km und zwischen 112 und 113 liegen etwa 9 km. Hier kann ich überhaupt keinen Grund für eine weitere Ausfahrt entdecken.

Wie sieht es mit Entlastungen des Verkehrs aus? Der Artikel von Thorsten Wirtz in der Kölnischen Rundschau gibt darüber Auskunft [4]. Man erwarte eine Entlastung in Satzvey um täglich 1800 Kraftfahrzeuge. Toll! Nein, gar nicht so toll, denn z.B. die Ortsdurchfahrt Antweiler steigt von 3500 auf 6500 Kfz täglich. Die Fraktionsgemeinschaft von SPD, FDP und Linken befürchtet eine Verlagerung der Verkehrsprobleme Satzveys. Ich könnte mir vorstellen, daß die L61, die neben Katzvey verläuft, ebenfalls ein höheres Verkehrsaufkommen haben dürfte, aber dazu habe ich keine Berechnungen gefunden.

Kommen wir zur Satzveyer Bahnstation, diesem Knotenpunkt der Verkehrsplanung, der vom RB24 je Fahrtrichtung zweimal pro Stunde angefahren wird. Wer soll denn dazugewonnen werden? Was ist mit den Bahnhöfen Kall (RE22 und RB24), Mechernich (RE22 und RB24) oder Bad Münstereifel (S23)? Aber vielleicht sehe ich das zu pessimistisch, denn Wirtz berichtet, daß eine Verlegung der Satzveyer Bahnstation und der Bau einer großen Park-and-Ride-Anlage zum Gesamtkonzept der Stadtverwaltung gehöre. Was halte ich von diesem Konzept? Im Englischen hat man dafür extra einen Ausdruck gepägt: „Bullshit!“ Umbau der Satzveyer Bahnstation? das heißt wieder einmal mehr SEV – Schienenersatzverkehr. Da wir gerade beim Bus sind – warum nicht gleich auch einen Busbahnhof dorthin planen?! Ich wundere mich, daß dies in das Gesamtkonzept der Stadtverwaltung nicht eingepflegt wurde.

Als Kosten für einen neuen Autobahnanschluß Satzvey wurden 8,2 Millionen Euro genannt; da ist der Umbau Satzveyer Bahnstation allerdings nicht enthalten! „An den Gesamtkosten der geplanten Autobahnanbindung ist die Kommune nach derzeitigem Stand nicht beteiligt, diese werden zwischen Bund und Land aufgeteilt.“ [5] Das ist ist aber schlau gedacht. 

Einer meiner Brüder meinte, daß dieses Projekt einige Sumpfweiden aufwerten könnte, die man für den Ausbau der Abfahrt und zur Verlegung des Bahnhofes benötige. Eine durchaus berechtigte Ansicht. Ich tendiere mehr zur besseren Anbindung des Golfplatzes an die Autobahn als einer der wesentlichen Gründe für das Projekt. Beide Hypothesen sind natürlich nicht belegbar.

Björn Wassong, Fraktionsvorsitzender der CDU, wird zum Einsatz von Stadt, Verwaltung und Politik für den neuen Anschluß zitiert: „Wir finden das großartig.“ Das kann sogar für den Einsatz zur Förderung des Projektes stimmen. Das Projekt selbst finde ich grottentief schlecht und überflüssig. Vielleicht kann Nummer vier wieder in die Ferne rücken, aber ganz weit.



Links und Anmerkungen:
[1] Den Artikel kann man aktuell noch einsehen: 
https://wi-paper.de/show/8aba4c6de6ac/epaper 
[2] https://www.gcburgzievel.de/  
Auf Google Maps las ich: „Eine ausgezeichnete und gepflegte Anlage und ein sehr gutes Clubhaus Restaurant.“
[3] https://www.google.com/maps/place/50%C2%B037'10.6%22N+6%C2%B042'57.5%22E/@50.6200435,6.7169964,3277m/data=!3m1!1e3!4m4!3m3!8m2!3d50.619621!4d6.715959?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDUxMy4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D 
[4] Thorsten Wirtz: Neue A1-Zufahrt soll im Burgdorf Satzvey für Entlastung sorgen. [07.05.2026, 06:02 Uhr]
https://www.rundschau-online.de/region/euskirchen-eifel/mechernich/mechernich-neue-a1-zufahrt-soll-in-satzvey-fuer-entlastung-sorgen-1276341  
[5] https://www.mechernich.de/detail/nummer-vier-rueckt-naeher 

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Sunday, May 17, 2026

Altargesteck zu Exaudi 2026



Nur in des Lebens Kümmernissen
Und der Ergebung Gnadengruß:
Dann wirst du schon am besten wissen
Wie viel ich tragen kann und muß.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag heißt Exaudi und hat nichts mit dem Auto der/des Ex zu tun, obwohl …. Exaudi ist der 6. Sonntag nach Ostern; exaudi kommt von: „Exaudi, Domine, vocem meam“ [„Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“ (Ps 27,7)] [2]. Es gibt auch einen Bezug zur Automarke, denn August Horch konnte seinen Namen nicht verwenden, da er eine neue Firma gründete und da nahm er audi – höre bzw. horch! 

Gerade mußten die Jünger von ihrem Rabbi Abschied nehmen. Der Christus bereitete seine Jünger und uns auf den Tröster, den Heiligen Geist, vor, denn wir stehen eine Woche vor Pfingsten. Und er gab uns mehr noch die Verheißung, die der heutige Wochenspruch ausdrückt: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. [3] Das war auch schon Christi Himmelfahrt der Wochenspruch, aber darum heißt er ja auch Wochenspruch.

In der Lesung aus dem Alten Testament prophezeit Jeremia: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, ...“ [4] In jener Zeit stehen Juda und damit  Jerusalem vor dem Fall und der babylonischen Gefangenschaft, aber der Prophet spricht bereits von einer Zukunft danach. Irgendwie paßt die Stelle in die Liturgie vieler Sonntage, aber der heutige Bezug ist mir nicht ganz klar. Alle  Menschen sollen Gott erkennen und er will „ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Vielleicht sollen wir ein vernünftiger werden: mehr auf unsere Mitmenschen achten oder die Schöpfung bewahren, so wie die Bürger in Ninive im Buch des Propheten Jona.

Wie oben bereits angedeutet, werden wir im Evangelium zum heutigen Sonntag auf den Heiligen Geist vorbereitet. Jesus verabschiedet sich bereits nach seinem Einzug in Jerusalem von seinen Jüngern, aber er macht dies mit der Zusage auf ein Wiedersehen. Und er tut dies noch einmal vor seiner Gefangennahme: „Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ [5]. In Vers 7 wird der Heilige Geist auch Tröster [6] genannt: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.“ Eine Vorausschau (foreshadowing) auf das Pfingstfest. Der Abschied erfolgte an dem Tag, den wir mit Christi Himmelfahrt feiern, und der im Lukasevangelium beschrieben wird – nachdem er die Jünger gesegnet hatte, fuhr Jesus auf in den Himmel [7]. Segnen ist im Alltagsleben wahrscheinlich nicht mehr so geläufig, aber man könnte Kindern vor dem zu Bett gehen für die Nacht segnen und ein Kreuz auf die Stirn mit dem Daumen zeichnen.


Die neue Kerze der KonfirmandInnen stand auf dem Altar und drei nahmen am Gottesdienst teil. Sie waren erst am Vortag von einer mehrtägigen Fahrt zurückgekehrt. Im Rahmen dieser Fahrt wurde die Kerze erstellt. Mir kam sie ein wenig zu düster vor und ich dachte später, daß Wachs heruntergetropft war und so den Effekt abmilderte, aber es war schlicht eine Spiegelung. Das grüne Wesen ist kein Außerirdischer sondern ein Dinosaurier. Auch wenn ich den Bezug nicht kenne, in dem Alter fand ich Dinos ebenfalls cool.

Das Altargesteck von Kerstin Schüer war großartig. Es spielte mit verschiedenen Blumen, Weißtönungen, Höhen und Tiefen und ist somit ein Abbild der Unterschiedlichkeit von Menschen und ihrem Glauben, die aber in einem Gesteck zusammenstehen. Außerdem findet sich ein Hinweis schon auf Pfingsten und wenn man weiter hinschaut auch auf die Trinitatiszeit, die danach vor uns liegt [8]. Im Vorraum zwischen Kirchsaal, Garderobe, Küche und Gemeinderaum ist genügend Platz für einen Strauß Blumen.
 




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 89-91. Am VI. Sonntage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/exaudi/ 
[3] Joh 12,32 
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JER.31 Jer 31,31–34 (auch Predigttext!)
[5] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes16 Joh 16,5–15
[6] Oder auch Helfer. Bei Helfer muss ich allerdings immer an das Helferlein von Daniel Düsentrieb denke und deshalb ist Heiliger Geist doch die beste aller Bezeichnungen.
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/Lukas24 Luk 24,50.51
[8] „Ukatjja, Pentecostés urut parlkasajj nayratpachwa parli, ukat jukʼamp yatjjataspa ukhajja, Trinidad tiempot parlirakiwa, ukajj nayraqatasankiwa.“ So heißt der Satz auf Aymara. Und warum ich ihn vom Google-Übersetzer in Aymara übersetzen ließ, erzähle ich ein anderes Mal.

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Friday, May 15, 2026

Haiku for National Haiku Writing Month – May 2026 First Half


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month is Robert Kingston [3]. Robert has done so before in May 2024. Thank you for prompting, Robert!


a flock of crows  
cackles at the kites 
without loudspeakers 
~ Tannoy

april 21st 
all we see 
fog in fog 
~ Fog [4]

fog forming 
droplets on the coffin 
and cheeks 
~ Fog

come on in 
blow your horns and pipes 
the circus is in town 
~ Horn

we are silent 
the fan in the lift 
talks enough 
~ Lift

we are silent 
the ventilator in the elevator 
talks enough 
~ Lift (variant)

the mentalist 
looking for a diner 
as jack reacher 
~ Diner

across the bridge 
the sun is still shining 
I bathe in rain 
~ Sun

new wave 
splashing across 
the dance floors 
~ Wave [5]



waving 
at the wake 
still a scar 
~ Wave 

at the beach 
wave after wave 
not alone 
~ Wave

modern ships sail 
without figureheads 
as they lack a soul 
~ Figurehead

i could have 
figured it out in my head 
today it's “figurehead” 
~ Figurehead

romance 
the figureheads 
at titanic's bow 
~ Bow

bow & tie 
bow & arrow 
& a figurehead 
~ Bow

lazing aft 
on a sunny afternoon 
sipping ... tea 
~ Aft

good bye love 
looking at the stern
then at the wake 
~ Stern

aft the sharks 
the iceberg foreship 
and the midship gone 
~ Midship

noah's ark 
sailed without crows nest 
should we, too 
~ Crows Nest 

full moon 
behind the maypole 
the wind moving both 
~ Moon

no constellations 
on the walk of fame 
only lonely stars 
~ Constellation




Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/robert-kingston 
[4] The reference is “The Fog “ by John Carpenter [4a]. Two line by Edgar Allen Poe are quoted: “All that we see or seem / Is but a dream within a dream.” Quotes from a fictional diary begin with: “April, the twentyfirst”.
[4a] https://en.wikipedia.org/wiki/The_Fog and 
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Fog_%E2%80%93_Nebel_des_Grauens_(1980) 
[5] Astrud Gilberto and Stan Getz - The Girl From Ipanema (1964) LIVE
https://www.youtube.com/watch?v=sVdaFQhS86E 
Bossa nova is Portuguese for new wave.

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FreitagsGedichte / #KurzLyrik 15.05.2026


Mit schwarzen Füßen trommelt der
Regen Zeit an den Hügeln des Schafs.
Manfred Peter Hein [1]


Augen 
    mit seinen 
Augen 
Schaute 
Er
Durch 
Deine 
Augen 
In 
Dein 
Haus
Dein 
Hirn
Deine 
GeDanken 
HinEin 
Gut
Dann 
Laß halt 
    Die 
Rollos runter  

Nebel 
Laß mich ein wenig noch 
Den Nebeln meiner Träume nachHängen
Die Nebel über'm Tal 
EinGedeckt wie von einem DaunenPlumeau 
Und warten
Bis die FrühlingsSonne Ihn hebt
Und frisches Grün 
Am TalGrund zurückLäßt 
Und den Bach 
Laß frischen Geist mich 
Aus dem Nebel der Nacht heben
Ich kann den Kaffee schon riechen 

WildKirschen 
    die Blüten 
Der 
WildKirsche 
Fal-
   Len 
Und 
Die 
Kirschen 
Wachsen
Auch 
Dieses 
Jahr 
Fal-
   Len 
Sie 
In 
Den Teich 
    Plopp
Plopp Plopp

Blicke
Da starren mich wieder an
Die blinden Augen der Statuen
Und ich weiß
NachHer
ZerReißen sie sich 
Wieder die Mäuler über mich

Hoffnung
    die Hoffnung 
Liegt 
Über 
Dem 
Dunklen 
GeWölk
Gib 
Nur 
Dem 
Wind der 
    VerÄnderung 
Eine Chance

Morgens 
Morgens
[Im Sommer sehr früh]
Wem die Sonne bellt 
Und „die Rede 
grünäugiger Hähne“ 
Und erst das Gegackere 
Ums Ei
Ums FrühstücksEi
So ein BuhEi
Aber dann haben wir uns schon lange, lange 
AbGefunden
Mit Morgen 
AufStehen 
Schule & Beruf 
Und Gold im Mund 

BettLaken
    die Zer-
Knitterten 
BettLaken 
Sieht 
Man 
Ihnen 
An 
Ob 
Es Lust 
    War 
Oder Schlaflosigkeit 

GeFühle 
Ob die Trauerweiden wirklich traurig sind
Wage ich zu bezweifeln 
Wie auch der Glücksklee 
Sein Glück kaum zu schätzen weiß
Wenn wir ihn pflücken

Winde
    der Raschel-
Wind 
In 
Der 
Weide 
VerWeilt 
Nur 
Kurz
Um 
Die 
Turbinen
In den 
    Fichten 
Zu starten

Inverse Quadratur 
    der Dreher 
Spannt 
Den 
Würfel 
Ein 
Und 
Nimmt 
Weg 
Bis 
Nur 
Noch 
Die 
Kugel 
Übrig 
Bleibt
Und durch 
    Die 
Späne wegRollt

Chumbaba 
    ich fürchte 
Nicht 
Chumbaba 
Und 
Will 
Mit 
Meinem 
Eitlen 
Wind
Auch 
Gar nicht 
    Gegen 
Ihn streiten 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Manfred Peter Hein [1a]: Ges. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 539.
[1a] Manfred Peter Hein (1931-2025) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Peter_Hein 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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Thursday, May 14, 2026

Altargesteck zu Christi Himmelfahrt 2026



Wir sehen deine Hand und sind getrost.
Ob über uns die Wetterwolke tost,
wir sehen deine Hand und stehen fest. 
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt findet häufig im Freien statt [2], denn Christus ist im Freien „aufgefahren in den Himmel“ und da hatte er verhießen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. [3] Allerdings nicht 2026. In Köln war ein Tauffest im Freien geplant, aber schon am Vortag umgeplant worden, so daß der Gottesdienst in Kirche und das gesamte Fest in den Räumen des  Gemeindezentrums der Pauluskirche stattfand. Und in Heimbach? Auch die Trinitatisgemeinde im Schleidener Tal mußte umplanen, was angesichts von einstelligen Temperaturen – immerhin über Null – und Regenschauern keine schlechte Idee war. Der Altar war so in der entwidmeten Kirche von Heimbach aufgestellt worden, daß man in die Natur und den Himmel hinter dem Altar schauen konnte. Warum ist der Blick auf den Himmel so wichtig? 40 Tage nach der Auferstehung fuhr Jesus Christus in den Himmel. Und so heißt es in der Apostelgeschichte: „ … da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?“ [4] Denn „nicht da, wo der Himmel ist, ist Gott – sondern da, wo Gott ist, ist der Himmel“.

In der Lesung aus dem Alten Testament kommt folgender Vers vor: „Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ [5] Das Konzept Himmel ist im Deutschen besonders schwer zu fassen, denn im säkularen und sakralen Bereich benutzen wir das gleiche Wort: Himmel. Im Englischen wird in einen sakralen heaven und ein säkulares sky aufgetrennt. Sky ist der Himmel, an dem sich das Wetter abspielt oder der Sender SKY, der in Kneipen Sportsendungen aufspielt; da würde ich eher den Begriff profan nehmen und siehe da: in profan finden sich Pro(fessional) und Sport(Fan). 

Ein Teil der Predigt umfaßte den Song von Eric Clapton: „Tears in Heaven“ [6], in dem es heißt: „there'll be no more tears in heaven“. Der Bezug kann zur Offenbarung des Johannes hergestellt werden: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ [7] Das Lied hat die traurige Geschichte des Sohnes Connor, der aus einem Hochhaus abgestürzt war. Ich erinnerte mich, daß ich bei Freunden in Hongkong mich über diese Gefahren unterhielt, als ich 25 Stockwerke auf dem Balkon unter mich blickte.
Der Wochenspruch kann auf den Predigttext bezogen werden: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ [8] 
Im Predigttext lesen wir: „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“ [9] Das ist eine der mystischen Stellen im Neuen Testament, denn Mystiker suchen, erfahren, berichten von der Einheit mit Gott. Karl Rahner hatte dazu 1965 geschrieben: „Der Fromme von morgen wird ein „Mystiker“ sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ [10] Die Mystiker laden uns ein, im Hier und Jetzt den Himmel zu erfahren. Angelus Silesius schrieb: "Halt an wo lauffſtu hin/ der Himmel iſt in dir:// Suchſtu GOtt anders wo/ du fehlſt Jhn fuͤr und fuͤr.“ [11] Der Himmel ist in uns und das schon hier und jetzt – wenn wir das wollen. Auch Meister Eckhart such die Näher Gottes im Inneren und nicht an bestimmten Orten (z.B. Kirche), so daß uns „im Gemüt, im Streben und in der Liebe“ Gott gegenwärtig wird.



Die Lieder zu Himmelfahrt im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 119-123) haben wir bis auf die Nr. 120 gesungen. Auffällig ist, daß auch das jüngste Lied bereits 250 Jahre alt ist. Gibt es keine neuen Lieder zu Himmelfahrt – ich bin gespannt auf die Neuausgabe des Evangelischen Gesangbuches. Christus ist in den Himmel aufgefahren als unser Mittler und unsere Hoffnung – eigentlich  hätten wir das Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ singen können [12]. 

Das Altargesteck ist ein hübsch zugesammen gestellter Strauß Blumen, der dem Anlaß gerecht wird. Vergessen wir auch nicht, daß prinzipiell in der Natur geplant war.







Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 86-88. Christi Himmelfahrt.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/christi-himmelfahrt/ 
[3] Mt 28,18.20  
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.1 Apg 1,3–11
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1KI.8 1. Kön 8,22–24.26–28 – insbesondere Vers 27
[6] Den Songtext kann man sich mit Übersetzung abschauen [6a] und anhören [6b] und mehr zu Slowhand Eric Clapton bietet Wikipedia [1c].
[6a] https://www.anna-kirche.de/system/files/dateien/eric_clapton_-_tears_in_heaven.pdf 
[6b] https://www.youtube.com/watch?v=JxPj3GAYYZ0 
[6c] https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Clapton 
[7] Offb 7,17b
[8] Joh 12,32
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.17 Joh 17,20–26 – besonders die Verse 22-24
[10] Karl Rahner: Frömmigkeit früher und heute (1965) 
https://www.erzbistum-muenchen.de/ueber-uns/dem-glauben-zukunft-geben/cont/78588 
[11] Aus: „Cherubinischer Wandersmann“ (82. Der Himmel iſt in dir.) von Angelus Silesius / Johannes Scheffler (1624–1677).  https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/silesius_wandersmann_1675?p=38
[12] Meine Hoffnung und meine Freude wurde von Jacques Berthier im Jahr 1988 für die Communauté de Taizé geschrieben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Meine_Hoffnung_und_meine_Freude 

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Wednesday, May 13, 2026

A Visit to the Dambulla Cave Temple, Sri Lanka


When I think of the cave temple in Dambulla, I automatically think of "Dambala" – a reggae song by Exuma [1]: "Oh, Dambala, come Dambala." This might sound a bit peculiar, but at the time of my first visit to the caves – some 50 years ago – we listened to musicians like Exuma constantly; I still own a cassette tape of his, though I recently enjoyed listening to "Dambala" on YouTube.




The Dambulla Cave Temple (දඹුල්ල රජ මහා විහාර) – also known as the Dambulla Raja Maha Viharaya or the Golden Temple of Dambulla – has been a UNESCO World Heritage Site in the central part of Sri Lanka since 1991 [2]. A lengthy conservation project (1982–1996) was undertaken with the specific aim of preserving the eighteenth-century mural schemes found within the site. In 2003, the designated protection zone was expanded. This was a sensible measure, as the temple continues to serve as an active ritual center. In total, five temple caves are open to visitors; the largest of these measures 52 by 23 meters – covering an area of nearly 1,200 square meters. They offer ample space for both worshippers and tourists alike. As one approaches the caves, one is enveloped by the scent of the flowers offered as votives, and, of course, by the fragrance of incense.




Pre-Buddhist burial sites – estimated to be approximately 2,700 years old – have been discovered in the surrounding area, leading to the belief that the caves were inhabited in ancient times. There are other caves in the vicinity as well – about 80 in total. It is likely that the caves were transformed into a royal temple as early as the late 2nd century BCE, under the reign of King Walagamba of Anuradhapura. King Nishankamalla of Polonnaruwa is also worthy of mention, as he dedicated 70 Buddha statues to the temple in 1190 AD. The site is home to thousands of wall paintings, which depict, in particular, scenes from the life of the Buddha. In total, 2,300 square meters are covered with paintings. There are 153 Buddha statues, three statues of kings, as well as statues of Vishnu and Ganesha. The Wikipedia article offers very comprehensive descriptions. There is a noteworthy article from 2025 titled "The Sacred Caves of Dambulla: Where Rock Becomes Prayer" [3]. Quite fresh – barely a month old – is the article from the Impart Encyclopedia of Art [4]; notably, it features absolutely no people, which is a sensible approach for an article of this kind.



One must climb up to reach the cave temple, but the ascent is well worth the effort. And – incidentally – even non-Buddhists are permitted to bring flowers along with them. Please buy some from the vendors.
 



Links and Annotations:
[1] „Oh, Dambala, come Dambala / Oh, Dambala, come Dambala“ from the Lyrics [1a] of the song „Dambala“ [1b] by Exuma [1c], who already passed over nearly 30 years ago.
[1a] https://genius.com/Exuma-dambala-lyrics 
[1b] https://www.youtube.com/watch?v=4q4rXpaOhAU&t=11s 
[1c] Macfarlane Gregory Anthony Mackey (1942-1997), aka Exuma, was a Bahamian musician, artist, playwright, and author. 
https://en.wikipedia.org/wiki/Exuma_(musician)  
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Dambulla_cave_temple and
https://de.wikipedia.org/wiki/Dambulla-H%C3%B6hlentempel 
[3] The Sacred Caves of Dambulla: Where Rock Becomes Prayer 
https://ceylonhistory.com/en/stories/dambulla-cave-temple
[4] Impart Encyclopedia of Art (2026) Dambulla Cave Temple. Available at: https://imp-art.org/articles/dambulla-cave-temple/ (Accessed: 13 May 2026). 

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Monday, May 11, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 33. KW 11.05.2026

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


33. KW
Franz Josef Czernin: auch dämmerung


auch dämmerung (a.d.) -: auch Dichtung (a.D.), ziemlich gute sogar; regt mich heute aber nicht weiter an. Schade, da ich mich gerne an eine Begegnung mit Franz Josef Czernin erinnere. 

In der Finsternis hilft alles Bellen nicht, nur Hoffnung. 

bahn um bahn, zahn um zahn, zug um zug -: Xahn um Xahn (Western) [1]. 

noch mehr dämmerung 

auf der kirchweih 
es dämmerte schon
die burschen schon angetrunken 
die mägde sich dreh'n 
die einen holten die bullen 
aber zwei sind ein paar
das karussell dreht weiter
so ist halt das leben – 
wunderbar   

Krähen 
    da waren 
Krähen 
In 
Einem 
Bild 
Von 
Breughel
Und 
Ich 
Habe 
Sie 
GeSehen
Bevor sie 
    Weg-
GeFlogen sind


33. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


Kurz und knapp kommentiert und dennoch erschöpfend. 

Gebell -: nicht sichtbare Hunde, also im Off? Können wir sicher sein, daß da reale Hunde bellen oder ist es der Einsatz von einem Tonband oder der Matrix selbst? 

Imperative -: Arno Schmidt schrieb darüber [2]. Aber eher -: grimmig blicken und so weiter.  

Sprache 
    der Wind 
Spricht 
Alle 
Sprachen 
Der 
Bäume 
Aber 
Für unsere 
    Interessiert 
Er sich nicht  
 



Links und Anmerkungen:
[1] Ich weiß nicht mehr, um welchen Western es sich handelt, aber so kam es in der Synchronisation rüber. Wahrscheinlich Ender der 1960er oder Anfang der 1970er im Fernsehen, also ARD oder ZDF, gesehen.
[2] Arno Schmidt: Lesen ist schrecklich. Das Arno-Schmidt-Lesebuch. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Peter Rühmkorf. 
Haffmans Verlag, Zürich1997. ISBN: 3251800787. 
[3] This footnote is intentionally left blank. https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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