Monday, January 17, 2022

LYRIK-Taschenkalender 2015 19. KW 17.01.2022

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.


19. KW
Clemens Umbricht: Verregnetes Amsterdam

Das Licht der Boje schwankt und bricht sich in den gekräuselten Wellen. Leichte Brise. Die Boote schaukeln. Wir sitzen auf den Planken der  AnlegeStelle. Und die schwankt auch.

Harry Mulisch -: man cann auch Cees Noteboom lesen.

Amsterdam
    vorBei an
Den
SchauFenstern
In
Denen
Frauen
Sitzen
Und
Stricken
Wie
Die
Kommilitoninnen
Im
Großen HörSaal
    Der
Medizin

Bimilipatnam -: das Wort erinnert mich an Bambalapitiya, woHin ich in Colombo manchmal zum AbendEssen gefahren bin. Ich denke auch an La Bamba-lapitiya.

Kino Tuschinsky -: wer da nicht an Kurt Tucholsky denkt …

Wolken
    wenn der
Himmel
Sich
Im
Wasser
Des
Sees
Spiegelt
Und
Die
Wolken
Mit den
    Vögeln
Singen


18. KW
Kommentar: Jan Koneffke

Ach, Amsterdam, verregnet oder nicht, denke ich, oder Rom oder sonst eine Stadt, die aktuell wg. der Pandemie nicht so gut erreichbar ist.

„Verregnetes Amsterdam“ lesen und dann Rudi Carrell mit „Wann wird es endlich wieder Sommer“ hören [1].

„himmlische Fahrrad“ und „sur-realistische Flügel“ -: in den 1960iger war es eine Meldung, daß Salvador Dalí in Paris mit einem Fahrrd fuhr – wegen der Staus. Das erdet das „himmlische Fahrrad“ augenblicklich. Wahrscheinlich ist das Gedicht auch eine Aufforderung, „Die Entdeckung des Himmels“ („De ontdekking van de hemel“) von Harry Mulisch erneut zu lesen [2].



Links und Anmerkungen:
[1] Radio 700, 14.09.2021, 08:50 Uhr. https://www.radio700.eu/
[2] Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels. Aus dem Niederländischen von Martina den Hertog-Vogt. Carl Hanser, München u. w. 1993. ISBN: 3-446-17377-3.

.

Altargesteck am 16.01.2022 – 2. Sonntag nach Epiphanias

 

 
Wir feiern bereits den zweiten Sonntag nach Epiphanias. Epiphanias bedeutet Erscheinung der Herrn und wird am 6. Januar gefeiert; die volkstümliche Bezeichnung Dreikönigstag zurück [1]. Die Zeit umfaßt vier Sonntage, ist aber verschieden lang, da der Bezugstag 6. Januar auf jeden Wochentag fallen kann. Kommen wir damit zum Wochenspruch, der da  lautet: "Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade." [2] Dieser Sonntag läßt uns über Mangel und Überfluss nachdenken.

In der Epistellesung geht es um die Tiefe und Unergründbarkeit Gottes, wie es Paulus im zweiten Brief an Korinther versucht zu beschreiben [3]: „Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.“ Er ist sich darüber klar, daß seine Worte schwach und unvollkommen sind.

Die Lesung aus dem Evangelium stammt aus dem zweiten Kapitel des Evangeliums nach Johannes [4]. Es geht dabei um die Die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus schon vor der Zeit seines öffentlichen Auftretens („Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“) als Zeichen seiner Herrlichkeit Wasser in Wein verwandelte. In der heutigen Zeit wäre das der Trailer zu einem Film oder sogar schon eine Art Sneak Preview. Im literarischen Sinn ist es ein Foreshadowing / eine Vorahnung.

Die liturgische Farbe bleibt Weiß. Und Weiß ist großzügig im Altargesteck vertreten.



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).


Links und Anmerkungen:
[1] Die Gebeine der Heiligen Drei Könige sind im Kölner Dom im Dreikönigenschrein; und es befinden sich noch weitere Gebeine darin. Biblisch oder historisch sind nicht sie, aber die Geschichte um Erzbischof Rainald von Dassel, der sie im Jahr 1164 nach Köln brachte.
[2] https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#1020 Und man kann sich an die Brihadaranyaka Upanishad erinnert fühlen: “Dies ist die Fülle und das ist die Fülle und daraus kommt die Fülle. Nimmt man von der Fülle die Fülle, so bleibt doch die Fülle.”
[3] https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/1CO.2/1.-Korinther-2 1. Kor 2,1–10
[4] https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/JHN.2/Johannes-2 Joh 2,1–11

.


Saturday, January 15, 2022

Sammelsurium (205) 15.01.2022

 



Mütter und MedizinBeutel

Mütter tragen die BabySchuhe und LieblingsStofftiere ihrer Kinder durchs Leben wie Indianer den MedizinBeutel.

Leben und Phantasie
Leben in der realen Welt als Entschuldigung, sich gewissen, „klaren“ Regeln unterWerfen zu können. Aber ist diesen Menschen klar, daß die reale Welt auch nur eine Fiktion ist? Deshalb sollte man die Phantasie vorziehen. In der läßt sich nicht nur sondern nur auch leben. Man kann in zwei Welten (Fringe), auf zwei Planeten (Laßwitz) oder sogar in unendlich vielen leben.

Mütter
Ich hörte eine türkische Mutter (jung, mit KopfTuch) rufen, aber genau so wie früher meine Mutter: „Jungs*, hört mit dem Blödsinn auf!“ War das erschreckend? Nein, gar nicht, es war sehr schön.
* die beiden waren so 11-12 Jahre alt.

Aufbruch Anthologie
Rolf Dieter Brinkmann lobt das Lang-Gedicht Tambourine Life von Ted Berrigan (1965/1966) über den grünen Klee: „... gilt als wichtigstes Gedicht der jüngeren Lyrikergeneration der USA.“ Es wird in späteren Generationen verschwiegen, verstauben, verborgen, verenden, bis es jemand begraben wird.
In dieser Anthologie [1] wird zu viel geraucht und gef*ckt und zu wenig gedichtet. Obwohl das Gedicht für Perverse (BDSM) von Lenore Kandel fast so lustig ist wie Woody Allens Film „Was Sie immer schon über Sex wissen wollten ...“.

Die Mythen der Dichter
Über die Mythen von Dichtern und anderen Gruppen spricht Robinson Jeffers in einem Gedicht. Aber in dem Band [2] sind nur zwei Gedichte, die mir halbwegs gefallen haben: Quia absurdum und Mythen.
Unter „Zu diesem Buch“ lese ich: „Robinson Jeffers, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ...“, ja wenn er nicht 25 Jahre früher verstorben wäre. Und überhaupt, das Original wurde 1984 veröffentlicht, hoffentlich hat der amerikanische Verlag nicht George Orwell bemüht.

Der Gral
Ich hielt das Buch „Der Gral“ von Konrad Burdach [3], einem bereits verstorbenen Mediävisten, in den Händen und blätterte so durch, denn ob man sich 550 Seiten zumuten will, sollte man sich schon überlegen, blieb an S. 72 hängen und las: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, ...“.  Noch vor zwei Wochen hatte ich diese Verse schon einmal überrascht gelesen [4]. Ich meine aber, daß Isidor von Pelusium, bzw. mehr über seine Rolle für die Gralslegende zu erfahren, den Ausschlag gab, das Buch zu lesen.

Männliche Krankenschwester
Ja, es heißt male nurse und eine Übersetzung ist männliche Krankenschwester, jedenfalls, wenn man die automatische Übersetzung wählt. Im Deutschen haben wir das Wort Pfleger oder als Entsprechung zur Krankenschwester den Krankenpfleger. Ich las nun die Übersetzung von „Body of Evidence“ von Paricia Cornwell [5]. Ich weiß, ich sollte keine Übersetzungen lesen. Auf S. 133 und S. 258 erscheint die männliche Krankenschwester und auf S. 309 ist von Pfleger und Krankenpfleger die Rede. Wenn ich männliche Krankenschwester lese, muss ich sofort an die Filmkomödie Ich war eine männliche Kriegsbraut (I Was a Male War Bride) von Howard Hawks mit Cary Grant und Ann Sheridan denken; eine völlig absurde Assoziation.  

Die Wikinger in Euskirchen
Ich betrachtete die neuesten Corona-Zahlen im Kreis Euskirchen und überlegte, wie ich die Zahlen der Erkrankten in Bezug auf die Einwohnerzahl setzen könnte. Ich bekam diese Zahlen über den entsprechenden Wikipedia-Artikel [6]. Fatalerweise aber las ich diesen Satz: „Die Sagenwelt des Kreises Euskirchen ist bevölkert von zahlreichen Werwölfen und Werwölfinnen u. a. eine Erinnerung an die zahlreichen Wolfsrudel, ...“. Ich las dann den Artikel zu den Werwölfen und bin überraschenderweise nicht an den Woflskindern hängen geblieben; ich hatte einmal die Obsession, alles mögliche zu Kaspar Hauser zu lesen. Nein, ich las über die Völsunga saga („Die Völsunga saga ist eine isländische Saga aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ...“) und stieß auf: „Da auf der Handschrift die Saga um Ragnar Lodbrok folgt ...“ und las dann: „Ragnars saga loðbrókar (deutsch Saga von Ragnar Lodbrok)“ und weiter zur Ragnar selbst. Ob Ragnar Lodbrok eine historische Persönlichkeit der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts gewesen ist, bleibt umstritten, aber Film und Fernsehen hatten ihn entdeckt, zuletzt in der Fernsehserie „The Vikings“ mit Travis Fimmel in der Hauptrolle.

Der Zauberhügel
Wie ich soeben bei ca. 2° C mit Decke in der MorgenSonne sitze und mir das Gesicht bescheinen lasse, während ich einen Kaffee trinke, kommt mein Bruder und sagt: „Fast wie in Davos!“ Ja, fast, hier so auf dem Zauberhügel.


Links und Anmerkungen:
[1] Deutsch und Englisch in der Anthologie: Silverscreen. Neue amerikanische Lyrik, Hg. R. D. Brinkmann. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969 & Büchergilde Gutenberg 1971. ISBN: 3-7632-1467-4.
[2] Robinson Jeffers: Unterjochte Erde. Gedichte. Deutsch und Nachwort von Eva Hesse. Piper, München, Zürich 1987. Eva Hesse lebte wie mein Vater von 1925 bis 2020.  
[3] Konrad Burdach: Der Gral. Forschungen über seinen Ursprung und seinen Zusammenhang mit der Longinuslegende. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1974. ISBN: 3534068084.
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/01/altargesteck-am-02012022-1-sonntag-nach.html Es ging um die Verse: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ 1. Joh 1,7-9  https://de.wikipedia.org/wiki/Briefe_des_Johannes
[5] Patricia Cornwell: Ein Mord für Kay Scarpetta. Goldmann 1999. ISBN: 9783442442300. Aus dem Amerikanischen von Thomas A. Merk. (Body of Evidence)
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis_Euskirchen und dann: https://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf, und weiter: https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lsunga_saga; https://de.wikipedia.org/wiki/Ragnars_saga_lo%C3%B0br%C3%B3kar und dann ist man schnell bei https://de.wikipedia.org/wiki/Ragnar_Lodbrok  


.

Thursday, January 13, 2022

St. Brictius in Berk


Über die römisch-katholische Pfarrkirche St. Brictius in Berk (Ortsteil der Gemeinde Dahlem) wollte ich bereits vor über einem Jahr schreiben, habe es aber irgendwie verpaßt und bin gerade nochmals da gewesen … und sie hat mir noch besser gefallen.


Schon die Architektur ist interessant, da der moderne zum alten Teil paßt. Und auch die Trauerhalle, die Gedenkkapelle für die Kriegstoten, der Friedhof sind zusammen mit der Kirche zu einer Einheit verschmolzen. Es gefällt hoffentlich auch dem Auge Gottes. Und mir möge man verzeihen, daß mich die Trauerhalle gegenüber des Eingangs an die Architektur der Hobbits erinnert.

Reliquiar der Vierzehn Nothelfer


Berk ist mit 450 Einwohnern ein kleiner Ort in der Eifel und gehört zu Dahlem [1]. Berk liegt kurz vor der Grenze zu Rheinland-Pfalz im Südwesten von Nordrheinwestfalen und die Kreisstadt Euskirchen liegt etwa 50 km entfernt. Der Ort ist unter dem früheren Namen Berchheim für das 12. Jahrhundert urkundlich belegt. Berk ist seit 1768 Wallfahrtsort. Die Wallfahrt führt zu den Vierzehn Nothelfern, und ich lasse mich jetzt nicht verführen, dies weiter auszuführen. Allenfalls noch dies: ich sah ein fotokopiertes Blättchen mit einer Novene zu den Vierzehn Nothelfern, das ich  bedauerlicherweise liegen gelassen habe – andererseits hätten dann natürlich die Vierzehn Nothelfern diesen Blogpost gesprengt.



Und im 12. Jahrhundert bestand bereits die erste Kirche, von der wesentliche Bauteile des Glockenturms noch heute bestehen [2]. Die dazugehörige „Saalkirche wurde 1516 um einen gotischen, dreiseitig geschlossenen Chor und eine Sakristei erweitert“. Die weitere Geschichte steht im zitierten Wikipedia-Artikel. Man plante 1934 einen Erweiterungsbau, der aber erst 20 Jahre später verwirklicht werden konnte. Tragischerweise brannte dieser Teil ab, aber Chor und Turm überstanden das Feuer. Zwei Jahre später konnte ein neues Kirchenschiff errichtet werden. Die im Wikipedia-Artikel erwähnten Aachener Architekten Fritz Jäncke und Erich Heyne wollte ich schon streichen, aber wenn ich mir die Bilder mit der herrlichen Architektur ansehe, finde ich, daß ich sie doch erwähnen sollte.



Mich interessieren besonders die Fenster. Die Fenster im Chor stammen aus dem Jahr 1954, und zwar von Wilhelm de Graaff, der auch für die Abtei Maria Laach gearbeitet hatte, allerdings gefielen mir die 40 Jahre später entstandenen Fenster des Kirchenschiffs von Hubert Spierling besser. Das hatte mich etwas verwundert, da ich dazu neige, die älteren Fenster zu bevorzugen. Die „Freie Komposition“ des Fensters am Treppenaufgang und der „Siebenarmige Leuchter“ haben mir besonders gefallen [3].



Über Brictius von Tours, den Namenspatron, habe ich bei Wikipedia nachgelesen [4]. Den gesamten Artikel möchte ich nicht nacherzählen, denn dazu ist er viel zu gut gelungen; bitte selbst dort nachlesen. Ich habe mich allerdings gefragt, warum es dieser temperamentsvolle Brictius nicht z.B. in Hans Conrad Zanders „Gottes unbequeme Freunde“ geschafft hat [5]. Der heilige Brictius von Tours lebte von ca. 370 bis 444, wobei er 397 Bischof in Tours wurde, nachdem der Heilige Martin (in Kölle „d'r hellije Zinter Mätes“ [6]) verstorben war. 30 Jahre später soll er eine Nonne geschwängert haben. Obwohl er sich einem Gottesurteil stellte und dies seine Unschuld bestätigte, mußte er die Stadt verlassen, um nicht gesteinigt zu werden. In den nächsten sieben Jahren reiste er nach Rom und wurde vom Papst vollständig rehabilitiert. Anders als die Märtyrer ist er 444 sanft entschlafen.


Da ich evangelisch bin, könnte mir das egal sein - ist es aber nicht.
Corona zwingt uns, den Glauben anders zu leben, als wir uns das wünschen.


Also wer es bislang nicht nach Berk geschafft hat, der sollte sich schleunigst auf den Weg machen.




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Berk_(Dahlem)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Brictius_(Berk)
[3] http://www.glasmalerei-ev.net/pages/b2786/b2786.shtml hier kann man sich alle Fenster anschauen.
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Brictius_von_Tours
[5] Hans Conrad Zander: Gottes unbequeme Freunde. Heilige für unsere Zeit. Gruner und Jahr (Stern Buch), Hamburg 1982. ISBN: 3-570-04724-5. Oder auch: Die emanzipierte Nonne und andere Porträts von heiligen Individualisten. Kreuz, Stuttgart 1990. ISBN: 3-7831-1024-6.
[6] Zum Heiligen Martin gibt es auch allerlei zu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours Ihm werden auf dem Totenbett diese Worte zugeschrieben: „mortem non timeo, vivere autem non recuso (den Tod fürchte ich nicht, weiter zu leben lehne ich aber nicht ab)“.

.

Tuesday, January 11, 2022

Carpe Diem Haiku No. 1856 Restarting?

 



a world in flames
reaching to regain freedom
a new day rises

© Chèvrefeuille



Snow covered
Serene and tranquil
Then Mount Doom

The wind chimes
Stop their songs
Blaring sirens

Blown out candles
But then
"It's a new dawn"

Restarting? Of course!

 

http://chevrefeuillescarpediem.blogspot.com/2022/01/carpe-diem-haiku-kai-1856-restarting.html

.

 

Saturday, January 8, 2022

On and off the Road through the Bush in Mali




15 years ago it still was feasible to visit Mali [1]. We even took a Pinasse from Mopti to Timbuktu [2] and then went by car from Timbuktu into the bush. We were camping near the elephants' tracks, but we were finding out only the next morning.

We stayed in a „Hôtel de Charme“, called „La Maison“ [3], which could arranged for individual travellers. So it wasn't too difficult to arrange for a car  … and a driver. You have to pass through „unchartered“ areas, where there are no tracks and no road signs and using GPS wasn't common back then, especially if you didn't have satellite connection with your cell phone. Of course we used maps, but they were useless without other equipment, and also they were too small in scale, though 1:300,000 already is in the large scale category. We relied on Yaya, who was our guide, driver, mechanic, cook, and a very amiable guy.

There were already no-go areas in 2007. People in Timbuktu advised us not to go anywhere north or west of the town as we had thought the desert would be safe for about 50 km onwards. And also at this time people had been kidnapped east of Gao [4]. We were travelling west of Gao, so this could have been assumed as safe. 
 



We took a ferry a Korioumé and went though a narrow strip of agricultural land as the Niger was near and then into the drier pastures. Even on this part of the trip, where there were tracks, we encountered lots of bushes with thorns, which perforated the tyres. We carried two spare tyres. Yaya may not have known maps, but he knew, where to get repairs as the tyres had to be vulcanized a couple of times. One of these stops had been in Gourma-Rharous, from where we went southward to Gossi, Hombori and Douenza, all the time going back into the bush, camping there and then go to a settlement to stay in a small hotel.


 

We had seen some wildlife like elephants or crocodiles as this area once had been much wetter as the Sahel used to have large pastures, dry forest, and also seasonal wetlands, though about 6000 years ago the desertification started. We saw some herdsmen with cattle or goats, Touaregs coming to the market, people collecting water at wells or small lakes, the hand of fatima, sand dunes and much more. So enduring the heat without aircon, having to change tyres, being far from civilization didn't bother us too much. In fact, we had a wonderful trip, of which I might tell you more at another time.





Links and Annotations:
[1] „Do not travel to Mali due to crime, terrorism, and kidnapping. Exercise increased caution in Mali due to COVID-19.“ Advice of the US government concerning travels to Mali at the start of  2022. https://travel.state.gov/content/travel/en/traveladvisories/traveladvisories/mali-travel-advisory.html  
[2] I was just looking for the link to the blog post „Camping on the Riverbanks of Niger River“, but I hadn't finished it, so you still have to wait for this adventure.
[3] „Awa (française) vous accueille dans son hôtel de charme récent en plein centre-ville. Une maison d’architecture typiquement tombouctienne avec les chambres disséminées autour d’un patio intérieur, une terrasse sur le toit (avec un salon marocain) où se trouve le restaurant pour le dîner.“  http://www.autremali.com/hotel.php?page=tombouctou I guess they're out of business by now, but let's hope for the future that Awa might start her business again.
[4] https://www.france24.com/en/20090123-tuaregs-kidnap-western-tourists-says-mali-official-

.

LYRIK-Taschenkalender 2015 18. KW 08.01.2022

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.


18. KW
Jan Kuhlbrodt: Das Land, das weite, wie es mich begleitet


Die deutsche Geschichte hat der Bevölkerung der DDR Nachteile gebracht; allerdings förderte sie indirekt die innere Emigration in die Lyrik.

Am AbHang der BahnTrasse, dort, wo die Leichen lagen und die leeren Flaschen, spielten wie Kinder. Es duftete nach frischem PappelHolz. Die Pappeln waren so vergänglich wie die Jugend.

Auch über die PlattenBauten werden grüne Papageien fliegen [1].

Auf den BrachFlächen wächst mal dies, mal das und dann kommen Birken, Vögel, Elstern/Eltern mit Kindern.

„Überwachsen“ -: das Nichts bleibt, wie es war.

Heftige Winde
    wenn die
Heftigen
Winde
Wehen
Und
Wolken
ZerZauSen
Blätter
Mit=ReisSen
Dann
  Ist auch
Etwas
Von uns
UnterWegs
Ob
Wir nun
    Beten
Oder nicht

Flucht
    auf der
Flucht
Waren
Sie
WegGefährten
Aber
Nun
Bleibt
Nur
Einer
Übrig
Noch
Denn
Alle
Anderen sind
    Die
WegGeführten


18. KW
Kommentar: Michael Braun


Laß das Land gehen, wohin es will, wenn du bleiben willst, dann mache es ohne Larmoyance oder Pathos.

„Good-bye Lenin“

Wenn das WollKnäuel entGlitten ist, suche den Faden und gehe in eine Richtung – es ist immer die falsche.

Labyrinth
    wir sind
Allein
Im
Labyrinth
Und
BeSitzen
Keine
Karte
Noch
Weist
Jemand
Den Weg
Aber
Alle Wege
    Sind
Richtig

(Trotzdem -: gewidmet dem Stollentroll)

Der rote Faden der Geschichte -: das sind die blutigen Rinnsale, die zu einem Fluß werden und in ein Meer von Blut münden.

Chaussee
    ich gehe
EntLAng
Der
Chaussee
Auf
Der
Noch
Nie
Ein Auto
Fuhr
Und
Doch
Streift mich
    Der
FahrtWind



Links und Anmerkungen:
[1] „Grüne Papageien / Flogen rasch über die Nachkriegsbauten“ aus MAXIM: Grüne Papageien https://www.youtube.com/watch?v=Cq_1sVTnDLE

.