Friday, April 3, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 03.04.2026

 



deine Haut war weißer als dein Handschuh,
und fremd im Gewand der Avenue,
dein Vater, ein alter Grieche aus Ohio,
dessen dicke Frau im Sarge wohnt,
Reinhard Paul Becker [1]


Die schwarzen Stiere
Die schwarzen Stiere stehen 
Dunkel in der Nacht 
Ihre Augen haben das Weiße verLoren
Ihre Schatten aber sind grau
Das 
SternenLicht 
Sticht 
In die Dunkelheit
Wie ein MorseSignal 
Des Todes und der VerZweiflung 
Alle Hoffnung liegt nun
In den Hörnern  

Dieser Charon
    bis Charon 
Begriffen 
Hatte 
Daß 
Es 
Kein 
Anderes 
Ufer 
Gab
War 
Es 
Zu 
Spät
Aber 
Eine 
Gute Geschäftsidee 
    Blieb 
Es dennoch 

SchnittBlumen
    die Schnitt-
Blumen
Die 
Ich 
Am 
Grab 
ZurückGelassen 
Habe
Nun 
Welken sie 
    Vor 
Sich hin

Am Ende
    am Ende 
Wollen 
Touristen 
Eine 
PostKarte 
Schreiben 
Und 
Es 
Gibt 
Keine mehr -:
    Aus 
Der TouristenTraum

Engel
    wir wollen 
Es 
Nicht 
WahrHaben 
Aber 
Engel 
Kommen 
Nicht 
In 
Die 
Mauser
Sie häuten 
    Sich 
Wie Schlangen

Nach Babel
    nach Babel 
Hätten 
Wir 
Sprachen 
Und 
Länder 
KennenLernen
Können
Aber
Wir 
Kämpfen
Anstatt 
Zu 
Sprechen 
Und töten 
    Anstatt 
Zu leben

PappelAllee
    die Straße 
Heißt 
WeiterHin 
PappelAllee 
Obwohl 
Die 
Letzte Pappel 
    Vor 
JahrZehnten fiel

Kai
    an diesem 
Kai 
Hatte 
Schon 
Lange 
Kein 
Schiff 
Mehr 
AnGelegt 
Aber
Jemand spielt 
    So 
Schön Saxophon

Boten
    die Post-
Boten 
In 
Ihren 
Wagen 
Mit 
Der 
Gelben 
PestFarbe 
VerKünden 
Die 
Pest und 
    Bringen 
Die Post 

WiederSehen 
    wir werden 
Uns 
WiederSehen 
Einst 
Bei 
Den 
StromSchnellen
Wenn 
Der 
Wind 
Den 
GeRuch 
Von 
WeihRauch 
Aus 
Meinen Kleidern 
    FortGetragen 
Haben wird



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Reinhard Paul Becker [1a]: Sofian. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 4. Jahrgang 1956. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 423/424.
[1a] Reinhard Paul Becker (1928-2006) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Germanist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Paul_Becker 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

.

Altargesteck für Gründonnerstag 2026



Der Wochenspruch lautete: „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.“ [1] Das Motto des Abendgottesdienstes sah allerdings so aus: „für euch gegeben“. Es wurde an langen Tischen mit einem in die Liturgie eingefügtem Essen gefeiert. Ein Ursprung dieser Form des Abendmahls ist das jüdische Passafest. Das Abendmahl bekommt eine leichtere, lebendigere Form. Es entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft, wenn wir Brot und Wein mit dem Nachbarn teilen. Aber wie in den letzten Jahren auch, mußten noch Tische hervorgeholt werden. Und immer ist für alle genügend da und es bleiben noch Körbe übrig.

Daniela Aschauer (Querflöte), Ulrike Tiedemann (Violoncello) und Mechthild Brand (Orgel)  führten Johann Ludwig Krebs auf („Herr Jesu, deine Angst und Pein“). Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut. Das Stück hat vier Stimmen und die Orgel zeigte sich mit den Oboen-Pfeifen von einer ungewohnten, betörenden Seite. Herzlichen Dank den drei Musikerinnen für dieses Erlebnis!

Die Lesung bestand aus drei Teilen und wurde vom gesungenen Gebet „Die Finsternis ist nicht finster“ [2] der Gemeinde unterbrochen. Die ersten beiden Teile stammen aus dem zweiten Buch Mose und die dritte Lesung aus dem Markusevangelium. Außerdem wurde aus einem Gedicht von Nelly Sachs zitiert [3], dabei ging es ums das Ohr, während es bei Paul Celan um das „Aug'“ geht, das er sogar in Übersetzungen benutzt hat. Im Matthäusevangelium aber lesen wir: „Glückselig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören“ [4].

Die Epistellesung, die vorgesehen ist, steh im Brief an die Korinther [5]. Ja, das ist die Stelle, in der wir lesen: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ 
In der griechisch-orthodoxen Kirche werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi (Epiklese); das Wie wird als Geheimnis (Mysterium) bezeichnet [6].
In der römisch-katholischen Kirche werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi verwandelt (Transsubstantiation); äußerlich bleiben Brot und Wein in ihrer Erscheinungsweise, aber innerlich haben sie sich gewandelt.
So ähnlich sah es auch Luther, der darüber mit Ulrich Zwingli stritt. In „Die Gegenwart Christi in Brot und Wein“ [7] schreibt Martin Luther: „Denn wir haben für uns den klaren, hellen Text und das Wort Christi ...“: „Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ [8] Und ähnlich steht es auch in seinem kleinen Katechismus [9].
In der reformierten Kirche sind Brot und Wein Symbole, die „durch den Heiligen Geist mit Leib und Blut Christi, der im Himmel ist, vereinigt“.
Der Heidelberger Katechismus antwortet auf die Frage (78) „Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?“ [10]: „Nein. Wie das Wasser bei der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird ...“. Hmh, das Taufwasser habe ich bislang nicht als Blut angesehen … und werde es auch in Zukunft nicht tun! Obwohl der Heidelberger Katechismus die Taufe mit Wasser als eine exoterische Form einer esoterischen Reinwaschung durch das Blut Christi anzusehen scheint.
Die Fußwaschung könnte ich viel eher als Ritual wieder in den Kanon aufnehmen. Ach, das ist auch Thema der Lesung aus den Evangelien, die für den heutigen Tag vorgeschlagen wird [11].

Auch wenn viele Menschen an Gründonnerstag grünes Gemüse essen, der Begriff selbst hat nicht mit der Farbe Grün zu tun, sondern er basiert auf greinen (klagen). Liturgisch hat die Farbe Grün sowieso nichts vor und an Ostern zu suchen. Gehen wir deshalb schon hier einmal der Frage nach den liturgischen Farben nach [12]:
Palmarum / Palmsonntag · Violett (Bußfarbe)
Gründonnerstag · Weiß (Christusfarbe)
Karfreitag ·  Schwarz (Trauerfarbe) / Violett / Nichts
Karsamstag · Schwarz (Trauerfarbe) / Violett / Nichts
Osternacht ·  Weiß (Christusfarbe)
Ostersonntag · Weiß (Christusfarbe)
Da dringt schon das Licht in die vorösterliche Zeit ein, bevor es erst noch einmal zappenduster wird. Da darf an man von Gründonnerstag an schon klagen!
Ich bin mit dem Altargesteck sehr zufrieden – viel Weiß, was will man mehr?!





Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/gruendonnerstag/ 
[2] Das geht auf Ps 139,12 zurück.
[3] Es handelt sich um das Gedicht „Wenn die Propheten einbrächen“: „... Wenn die Propheten einbrächen / durch Türen der Nacht / und ein Ohr wie eine Heimat suchten - // Ohr der Menschheit, du nesselverwachsenes, / würdest du hören?“
[4] Mt 13,16 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.11 1. Kor 11,(17–22)23–26(27–29.33–34a)
[6] Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Glauben – erkennen – leben, im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche herausgegeben von den Geschäftsführern der Katechismuskommission der VELKD Manfred Kießig, Lothar Stempin, Horst Echternach, Hartmut Jetter unter Mitarbeit von Gerhart Herold, 7. aktualisierte Auflage, Gütersloh 2006. S. 562 ff.
[7] Luther lesen: Die zentralen Texte. Bearbeitet und kommentiert von Martin H. Jung. Vandenhoeck & Ruprecht; 2. Auflage 2017. S. 136-137
[8] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us26 Mt 26,26b-28
[9] Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus mit Erklärung. Mit einem Vorwort von Helmut Korinth. 24. Auflage (d.i. 1982). Fünftes Hauptstück: das Abendmahl, S. 158 ff.
[10] Evangelisches Gesangbuch für die Landeskirchen Rheinland Westfalen und Lippe, Gütersloher Verlagshaus 1996 (wie [1]). S. 1344-1345.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.13 Joh 13,1–15.34–35 
[12] https://www.liturgische-konferenz.de/kalender/liturgische_farben.html   

.
 

Thursday, April 2, 2026

Outrigger Boats and Fish Market in Negombo, Sri Lanka


The Wolkenbote (Cloud Messenger) [1] had a really good idea that coped with  jet lag and also made the first day an experience to remember. Immediately after arriving in Sri Lanka that morning, we drove to Negombo, passing a church or school where a service was taking place and many people were gathered in the courtyard. The people were praying. Negombo is predominantly Christian, especially Catholic.

Unlike other regions of Sri Lanka, in Negombo (Sinhala:
මීගමුව, romanized: Mīgamuva, Tamil: நீர்கொழும்ப, romanized: Nīrkoḻumpu), 70% of the inhabitants are Christian, with 75% of the population being of Sinhalese descent, approximately 15% belonging to the Moors group (mostly Muslims), and just under 9% being Tamils (mostly Hindus) [2]. When Portugal colonized Sri Lanka in 1505, Negombo was among the first territories to be occupied. To this day, Catholicism predominates in Negombo's population. The Netherlands (1644) and Great Britain (1796) left considerably less of a mark on the religious landscape. Since we're only touching on history briefly, the year 2004 is of interest, because Negombo and its lagoon were only slightly affected by the tsunami; in any case, there were no fatalities.








Then we drove along the lagoon, admiring the boats and herons, and of course, we were taking photos. I was also interested in the Christian statues, which were mostly behind glass. I had to stop when I unexpectedly heard Christian music coming from a bicycle and cycling supply store. Later, I visited one of the many statues of Mary and other saints, and just as I finished taking photos, I spotted three men crossing themselves and praying. I had seen a similar display of piety among Buddhists in front of the dagobas over 40 years ago. Once, I noticed a bus driver let go of the steering wheel to offer his prayer as we drove past the Dagoba of Kalutara (කළුතර).

Then we went to the fish market, locally known as lellama (
ලෙල්ලමා). Cats, herons, and crows were scavenging for scraps. The last fish market I had visited was in Jeddah (جدّة), which I wrote about here [3]. It would be a mistake to compare Negombo (population approximately 143,000) with Jeddah (population approximately 3.7 million). Fishing has a long tradition in Negombo, and you can find many types of fish at the market, including tuna, shark, mackerel, and shrimp. Anglers will discover even more. The hustle and bustle of the market kept us from getting tired.

Further towards the quay and the beach, we could see fish laid out on tarpaulins to dry. These were constantly being turned. There were also dogs there. It didn't look very hygienic. Outrigger boats with a single sail could be seen on the water, traveling at 4 knots, as someone remarked. And these are typical for Negombo. According to Wikipedia, there are two types: the Oruwa and the Paruwa. The Oruwa is a traditional, seaworthy outrigger canoe, typical of Negombo. It is estimated that there are still about 3,000 of these boats. [4] The Paruwa is described as a catamaran, but this term actually refers to flat-bottomed boats in the interior of Sri Lanka. The difference between a catamaran and an outrigger boat lies in their structure. The catamaran uses two hulls of equal size, while the outrigger canoe uses one hull and a smaller float. I always thought the word catamaran came from a Polynesian language, but its origin is Tamil! “The word catamaran is a loanword from Tamil, from
கட்டுமரம் kaṭṭumaram (from kaṭṭu ‘band, bundle’ and maram ‘tree’, meaning ‘boat made of tied-together tree trunks’).” [5]

After this wonderful start, we continued on to Colombo.





Links and Annotations:
[1] Wolkenbote (Cloud Messenger) is the name of the tour operator, essentially a one-woman operation (Dr. Elvira Friedrichs).
"Cloud Messenger: This is what the Indian poet Kalidasa called his lyrical work, which enjoyed extraordinary popularity. In this poem, a courtier exiled from his homeland commissions a cloud, which is traveling north with all its might, to comfort and greet his beloved who has been left behind. The cloud is to fly over the cities and countries, greeting the friends of the sorrowful man, who himself so longs to set out on a journey through the wondrous landscapes."
https://www.wolkenbote.de/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Negombo and
https://en.wikipedia.org/wiki/Negombo
[3] Jeddah's Central Fish Market, Saudi Arabia
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/jeddahs-central-fish-market-saudi-arabia.html
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Oruwa
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Katamaran


.
 


Tuesday, March 31, 2026

Haiku for National Haiku Writing Month – March 2026 Second Half

 


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 15th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month has been Dorna Hainds [3]. She has done so before in July 2025. Thank you for having prompted again, Dorna!


thaw on the grass 
cat’s morning march 
slippery 
~ Cat’s Morning March 

spring procession 
jumping with grim masks 
to ward off evil 
~ March of the Festival 

not heart or herz 
but kokoro or corazon 
rises my heartbeat 
~ March of the Heart 

father's garden 
full of wisteria blossoms 
not minding the rain 
~ March of the Blossom 



fishermen’s march 
heading to the first catch 
but not as the birdman 
~ Fishermen’s March [4]

eternal flame 
still burning brightly 
under ICE 
~ March of the Flame 

buzzing around the willow 
the humble bees and the bumble-bees 
~ March of the Bees 

at the old pond 
neither jump nor splash 
just frogs croaking 
~ Marching Song of Frogs 



white heron 
stepping in the lotus pond 
the frog dives 
~ Heron’s Stiff March

first steps 
into spring 
overgrown path 
~ March of Footsteps 

around equinox 
march of the clock 
back or forward 
~ March of the Equinox 

the dingle-dangles 
and crocuses are blooming 
despite the fierce wind 
~ Crocus Battalion 

rain patting 
the corrugated sheet 
i hear a symphony 
~ Marching Drum of Rain [5]

boustrophedon 
ʍold uǝxo ǝɥʇ sɐ 
and the haiku runs 
~ March of the Plow

down in the valley 
the bushes are in bloom 
here it still snows 
~ March of Deadlines 

amidst cherry bloosoms 
a hello kitty trolley 
and happy parents 
~ March of Deadlines 





Links and Annotations:

[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/dorna-hainds 
[4] From my first visit to Easter Island in 1990: 
Orongo and the Birdman 
Together with Toshiyuki [a Japanese friend], I explored Orongo, a historical site overlooking the crater lake of the extinct volcano Rano Kao. The rocks there are covered in symbols (petroglyphs). Stone huts, where those involved in the cult lived, can also be found. Orongo is associated with the cult of the Birdman (Tangata Manu). The title of Birdman, held for a year, went to the person who, or whose servant (Hopu), was the first to bring back a tern egg. To do this, he had to descend the cliffs, swim through the shark-infested inlet, then search for an egg on one of the small islands (Motu Nui, Motu Iti, or Motu Kaokao) and then swim back with it. Much about this cult, which was last practiced around 1867, remains unclear.
Te Pito O Te Henua - Die Osterinsel [Te Pito O Te Henua - Easter Island]
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/10/te-pito-o-te-henua-die-osterinsel.html 
[5] https://www.youtube.com/watch?v=S-ihLIM07Bc 

.


Monday, March 30, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 30. KW 30.03.2026

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


30. KW
Friedrich Hölderlin: In lieblicher Bläue


Ich ging nicht aufs Hölderlin-Gymnasium, ich war am Herder-Gymnasium. Das hatten meine Eltern so entschieden und es war, wie ich früher schon mal bemerkte, eine sehr weise Entscheidung. Allerdings denke ich bei Hölderlin auch gerne an Helmut Kohl, der zu sagen pflegte: „In Hölderlin war ich gut.“ [1]  

Der Text von „In lieblicher Bläue“ wurde von Wilhelm Waiblinger überliefert und als apokryph bezeichnet, vielleicht ist er ein den Gesängen zuzuordnen Prosatext [2]. Man kann ihn als Prosatext und als Gedicht (Flattersatz) gesetzt im Internet finden [3]. Wilhelm Waiblinger hatte Hölderlin zwischen 1822 und 1826 mehrfach besucht und Hölderlin wurde dabei auch künstlerisch wieder produktiv. Waiblingen schrieb ein Buch über Hölderlin [4].

Nur aus der Ferne betrachtet färbt die Sonne das Dach. In der Nähe hört man, wie das Dach unter der Sonne ächzt. 

Bächlein 
    das Bächlein 
Rollet 
Durch
Die 
Auen 
Und 
Landet 
Im 
Teich
So 
Hat 
Ein jedes 
    Ding 
Seine BeStimmung


30. KW
Kommentar: Ulrich Koch
Nackt mit geschlossenen Augen


Ulrich Kochs Kommentar hat eine ÜberSchrift -: AlleinstellungMerkmal!

„apokryph“ -: was wäre hier zweifelhaft, verborgen oder nicht aus dem offiziellen Kanon entstammend? So dachte ich zunächst, mußte aber feststellen, daß der Text – wie viele andere auch im Werke Hölderlins – gar nicht so sicher ist. Auf der Seite DeutschesTextArchiv fand ich eine Ausgabe von Gedichten aus dem Jahr 1826 [5], aber ich hatte sonst zu Hölderlin  Gedichtsammlungen oder eine Literatur-CD benutzt. Der Text im LYRIK-Taschenkalender 2013 ist also wie [3b]. Und schließlich konnte ich mich doch noch mit der Aussage „Dieser apokryphe Text ist ein großes Geschenk für mich“ anfreunden. 

„Möcht' ich ein Komet seyn?“ -: Nein, eher das schöne Bächlein, denn das rollet so klar. 

Eher die zerebrale Struktur des Nebels über dem ein Damokles-Schwert hängt. Der seidene Fahrten aber ist in Salzsäure getaucht. 

„Es ist eine Zungenrede, in der unsichtbaren Kirche.“ -: oder eine stumme ZungenRede in der sichtbaren Kirche.  

Blau
    wer hat 
Dem 
RegenBogen 
Und 
Dem 
Himmel 
Das 
Blau 
GeNommen? 
Der 
Fuchs 
Der 
Fuchs 
Nein, der 
    Stahl 
Die Gans 

Vielleicht wäre ein Zitat von Jóhann Jónsson angebrachter:
„Wo haben die Tage deines Lebens ihre Farbe verloren,
und die Gedichte, die durch dein Blut rauschten von Traum zu Traum, …“ [6]

Schweigen
    ohne einen
Laut
ZerBricht
Eine
Schwarze
Krähe
Das Schweigen
    Über
Dem Schnee






Links und Anmerkungen:
[1] https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/deutsch-und-literatur/hoelderlin-friedrich-dichter-quiz-100.html 
[2] https://anthrowiki.at/Friedrich_H%C3%B6lderlin und https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin 
[3] Friedrich Hölderlin: In lieblicher Bläue – gesetzt als Prosatext [3a] und als Gedicht / im Flattersatz [3b].
[3a] https://www.signaturen-magazin.de/friedrich-hoelderlin--in-lieblicher-blaeue.html  
[3b] https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Hoelderlin/hoe_0801.html  
[4] Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn. 1827/28. Das Buch 2017 als Taschenbuch herausgegeben. 
[5] https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/hoelderlin_gedichte_1826 
[6] Aus: Jóhann Jónsson [6a]: Sehnsucht. In: Silja Aðalsteinsdóttir, Jón Bjarni Atlason und Björn Kozempel (Herausgeber): Isländische Lyrik. Insel Verlag, Berlin 2011. ISBN: 978-3-458-35754-4. S. 79.
[6a] Jóhann Jónsson (1896-1932)
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B3hann_J%C3%B3nsson  


.
 


Sunday, March 29, 2026

Curd and Treacle in Sri Lanka


Curd might be known in the West as being as the first product in cheese making as the milk is coagulated or curdled. In Sri Lanka most curd is made from buffalo milk and the product is more like yogurt [1]. Then treacle, made from kithul sap (කිතුල්) is added.


The region of Tissamarahama (තිස්සමහාරාමය) is famous for this treat, which you can eat at small places along the roads. Curd and treacle is served in small  earthen pots, wherein the curd has been fermented, with the treacle added just before serving and you get a piece of kithul leave serving as a spoon. Curd is called mee kiri (මී කිරි) in Sinhalese.

Buffalo milk is used to make curd because it is creamier, meaning it contains more fat and protein. I am convinced that this leads to a greater savory taste sensation called umami. Buffalo milk products might be more common in Europe than in the USA, for example, as we have Italian mozzarella di bufala and Bulgarian sirene, a brined cheese made from buffalo milk. 

Clay pots as they are sold at the roadside

Buffalos using the roads as well

Preparation of the treat

In Sri Lanka, the buffalo milk is boiled in large kettles and stirred continuously [2], then poured hot into clay pots and inoculated with a culture after cooling. After 6-12 hours (usually overnight), the curd is ready. It is assumed that the clay pots influence the process. I have been told that these clay vessels are used only once. I imagine that repeated use would lead to contamination with foreign microbes, resulting in a different type of curd; in summary, boiling and changing the pots are traditional methods of hygiene.

Treacle is made by collecting the sap of the kithul palm and boiling it down, similar to maple syrup. It can also be used to make jaggery, a sugar. The word comes from Portuguese and sounds quite different in the languages spoken in South India and Sri Lanka: Sinhalese:
හකුරු hakuru, Tamil: வெல்லம் vellam, Malayalam: ശർക്കര sharkkara.

In any case, I found curd and treacle to be the best when bought from roadside vendors, even though I enjoyed this dessert at the different hotels every day of the trip.






Altargesteck am Palmsonntag 2026

 


Der heutige Sonntag heißt Palmarum oder Palmsonntag [1]. Das geht auf den Einzug von Jesus Christus nach Jerusalem zurück, als die Menschen Kleidung und Palmzweige auf seinen Weg legten. Im Johannesevangelium liest man: „Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,  nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ [2] Im Verlauf der Woche wird aus dem frohen Gruß das bittere Verlangen des Kreuzestodes („Kreuzige ihn!“). Nach der katholischen Tradition werden an Palmarum Palmzweige geweiht und zu Hause ans Kreuz gesteckt. In der evangelischen Kirche wurde häufig an Palmarum konfirmiert (da war früher, also vor 40-50 Jahren, das Schuljahr zu Ende). 
Wir hatten uns zum Sonntag Judika schon näher mit dem Tor beschäftigt [3]. Dort ging es um das, was sich vor dem Tor, also außerhalb der Stadt zugetragen hatte. Jetzt geht aber um das Hereinkommen in die Stadt. 
Der Begriff Tor kommt in der Bibel häufig (das Tor ca. 30mal, der Tor ca. 7mal) vor. Es ist ein Ort, an den man sich begibt, um jemanden zu treffen, um zu kommunizieren, wo aber auch wichtige Dinge beschlossen werden. Oder auch: „Dies ist das Tor des HErrn. Gerechte ziehen hier ein.“ [4]

Der Wochenspruch lautet: "Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." [5]

Für die Lesung aus dem Alten Testament ist für Palmarum die Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja vorgesehen, die vom „Knecht Gottes im Leiden“ berichtet [6] und die in das Gedicht „Er weckt mich alle Morgen“ von Jochen Klepper eingegangen ist, das seinerseits von Rudolf Zöbeley vertont wurde und als Lied 452 im Evangelischen Gesangbuch (EG) zu finden ist [7]. Die Textstelle beginnt so: „Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.“ Die sogenannten Gottesknechtslieder stammen aus dem zweiten Teil des Buches Jesaja. Der erste Teil wird Protojesaja (Kapitel 1–39), der zweite Deuterojesaja (Kapitel 40–55) [8] und dritte Tritojesaja (Kapitel 56–66) genannt. Die Textstelle des Propheten endet drastisch: „Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.“

Die Epistellesung steht im Brief an die Philipper [9]. In Vers 7: „sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ...“ wird der Gottesknechtsgedanke aufgegriffen und weitergeführt, so „dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen,
dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ [Vers 10.11]

Der Predigttext steht im Markusevangelium und es geht um die Salbung in Bethanien [10]. Eine Frau salbte Jesus mit kostbarem Nardenöl. Der Christus sieht darin ein gutes Werk, das sie an ihm schon vor dem Tod tut, denn Leichen riechen. Von Lazarus heißt es: „Herr, er stinkt schon“ [11]. Übrigens wurde ich als Notarzt zu nicht ganz frischen Leichen gerufen, und die riechen nicht wie Babys (nachdem die Windeln gewechselt worden sind). Duftöl hatte schon seine Berechtigung. Bei Markus ist es eine nicht näher benannte Frau, von der Jesus dann sagt, daß man sie im Gedächtnis behalten werde. Wo also ist der Name geblieben? Das erfahren wir bei Johannes, denn es ist meiner Meinung nach schlüssiger, daß der Name überliefert wird [12]. Es handelt sich um Maria, die Schwester von Lazarus und Martha. Wir erinnerten uns an die Salbungsgottesdienste, die vor einiger Zeit in der evangelischen Gemeinde Dellbrück-Holweide durchgeführt worden sind, aber schon vor der Corona-Zeit nicht mehr fortgeführt worden sind. Eine Schale mit Duftöl wurde  aktuell aber im Kreis um den Taufstein, um den der Gottesdienst stattfand, herumgereicht.

Das Gesteck war angenehm gestaltet. Allerdings hatte es nichts mit der aktuellen liturgischen Farbe Violett zu tun. Aber man freut sich schon über ein frisches Gesteck. Es wurde auch begossen, allerdings müßte es vor der Osternacht abgeräumt werden … aber ich greife vor, mal sehen, was aus dem Gesteck wird und insbesondere, ob Ostern ein frisches Gesteck den Altar zieren wird.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/palmsonntag/ 
[2] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.12 Joh 12,12.13 
[3] Altargesteck am fünften Sonntag der Passionszeit – Judika – 21./22.03.2026 
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/03/altargesteck-am-funften-sonntag-der.html 
[4] Ps 118,20
[5] Joh 3,14b.15
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.50 Jes 50,4–9
[7] Jochen Klepper (1903–1942) und Rudolf Zöbeley (1901-1991): https://www.youtube.com/watch?v=Pd5ZzrSm3rA 
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Deuterojesaja   
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PHP.2 Phil 2,5–11
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.14 Mk 14,(1–2)3–9 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.11 Joh 11,39
[12] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.12 Joh 12,1-8

.