schwerelos
auf den noch offenen Lippen
Andri Peer [1]
RückSchau
712 n. Chr. [2]
HöhePunkt des LangobardenReiches unter König Liutprand [2a]. Geburt des chinesischen Dichters Du Fu (杜甫) [2b].
Luft
Mit jedem AtemZug atmest du Moleküle ein, die auch einmal in Alexander, Cäsar, Chenggiz Khan oder auch in Lieschen Müller waren.
Subway, Starbucks, etc.
Manchmal stehe ich vor einem dieser US-amerikanischen LadenKetten und gehe in Gedanken hinein und noch schneller wieder raus.
EG Lied 659
Im Text von Manfred Siebald („Ins Wasser fällt ein Stein“) ist die letzte Strophe ganz am Ende mißraten, denn da heißt es: „gehst du hinaus, teilst Liebe aus, / denn Gott füllt dir die Hand.“ Grund -: daraus wird schnell: „gehst du hinaus, teilst Hiebe aus, / denn Gott führt dir die Hand.“
Opiumeater
Während ich das Buch vom Opiumeater [3] las, knackte das Gebälk unter der Sonne. Staub tanzte im Licht der einfallenden SonnenStrahlen und jede Seite brach beim UmBlättern. Und trotzdem mußte ich weiter blättern. Das Buch aber scheint vor mir noch niemand gelesen zu haben Und nach mir? Wer weiß. Die gebrochenen Seiten jedenfalls lagen zwischen dem Einband.
Blumen
Es müssen nicht Rosen sein. Der Mund fast jeder Frau formt ein Lächeln, wenn ihr Blumen geschenkt werden [4].
Zeit
Die Gegenwart reißt die Zukunft auf wie einen ReißVerschluß und läßt hinter sich die losen Enden der VerGangenheit.
Die Ruhe über dem Tal
Gerade lag eine Ruhe über dem Tal, und ich dachte kurz über „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ nach, dieser Satire von Heinrich Böll [5]. Da sammelte Doktor Murke Schweigen, das aus HörSpielen herausGeschnitten worden war. Hier aber geht es Ruhe, natürlich auch um Schweigen, aber in erster Linie geht es um Ruhe, um die Stille. Auch in der Eifel ist es nicht immer ruhig, aber es gibt diese Momente,
Wenn die Vögel kurzfristig nicht zwitschern
Wenn sich Kein Motorrad nähert
Kein Auto vorbeifährt
Die Traktoren sowieso schweigen
Wenn kein Flugzeug über den Himmel zieht
Wenn der Wind nicht in den Bäumen raschelt
Wenn die Krähen sich nicht mit den Greifvögeln streiten
Wenn keine FahrRadfahrer sich lautstark unterhalten.
Diese Augenblicke gibt es und sie sind gar nicht so selten. Dann liegt eine Stille über dem Tal … eine Ruhe. Wenn es aber nur so wäre, wäre es auch nicht gut.
Zeit
Zunächst existierte die nicht-dichotome Zeit, dann erst der NullPunkt und nachfolgend der ZeitStrahl. Auf ihm selbst existiert nur das Jetzt. Dann aber läßt sich die Vergangenheit auf ihm markieren. Die Zukunft existiert nicht. Über sie kann man lediglich spekulieren, als Mensch, als Gott, als höheres Wesen, aber auch Krähenvögel zum Beispiel denken in Bezug auf eine Zukunft.
Scherben [Shards]:
MitterNacht - MittNacht - Mit Nacht
Mittag - MittAg - MitTag - Mit Tag - MittTag
Ätzend – AIDS' end
Parampara [6a] – Padampadam [6b]
Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Andri Peer [1a]. L'Alba / Morgengrauen. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 289/290.
[1a] Andri Peer (1921-1985) war ein Schweizer Schriftsteller. Maurerlehre, dann Studium romanische Sprachen und Literaturen; Dissertation „Die Terminologie des Bauernhauses in romanisch Bünden“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Andri_Peer
sowie die Anmerkungen in [1] S. 384.
[2] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 174.
[2a] Klingt irgendWie nach Lilliput. Wenn ich mir aber den Eintrag bei Wikipedia anschaue, dann bedaure ich wieder einmal mein Unwissen.
„Liutprand (veraltet: Luitprand; † Januar 744) war in den Jahren 712 bis 744 König der Langobarden.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Liutprand_(K%C3%B6nig)
[2b] Du Fu (杜甫) lebte von 712 bis 770 und zählt – neben Li Bo (李白) – zu den bedeutendsten Dichtern der Tang-Zeit. 39 seiner Gedichte wurden in die Anthologie „300 Gedichte der Tang-Zeit“ (唐詩三百首) aufgenommen. In der Sammlung „Sämtliche Gedichte der Tang-Dynastie“ (全唐詩) sind 18 Bände seiner Werke überliefert.
[3] „Bekenntnisse eines englischen Opiumessers [Confessions of an English Opium-Eater] ist ein autobiografisches Buch des englischen Autors Thomas De Quincey.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_eines_englischen_Opiumessers
Das Text erschien zunächst anonym 1821 und als Buch 1822. Ich habe die von De Quincey durchgesehene Ausgabe von 1856 gelesen.
[4] Das ist bestimmt eine ganz neue und gewagte Erkenntnis.
[5] Heinrich Böll: Doktor Murkes gesammtes Schweigen und andere Satiren. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1958. ISBN: 3-462-00053-5. S. 5-53.
[6a] Parampara ist Sanskrit (परंपरा) und bezeichnet die ununterbrochene Reihe der Lehrer-Schüler-Nachfolge in indischen Religionen, und weiteren.
[6b] „Padam padam“ ist der Titel eines Chansons von Edith Piaf (1951).
.















