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Thursday, October 23, 2025

Ernährung bei Rheumatoider Arthritis


Eure Nahrung sei Eure Medizin und Eure Medizin sei Eure Nahrung.
Hippokrates

Ich habe hier auf dem Blog häufiger über „Rheuma und Ernährung“ geschrieben und auch Vorträge dazu gehalten [1], aber in den letzten Jahren habe ich es beim Lesen von Studien belassen und nicht darüber geschrieben; ich hatte allerdings über Diäten, Ernährung und Kochexperimente berichtet. Jetzt aber las ich einerseits Studien, die auf dem letzten EULAR Kongress in Barcelona [2] diskutiert worden sind, und andererseits einen Übersichtsartikel von Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel [3], was mich dazu motivierte, einmal wieder über das Thema zu schreiben.

Ernährung ist in der Medizin und besonders in der Rheumatologie ein Reizthema. Wie kommt das? Warum nimmt die Frage nach Ernährungsmaßnahmen bei Betroffenen einen größeren Stellenwert ein als bei Ärzten? Zum einen kann man die immer noch schlechte Studienlage anführen, denn es wird nur wenig geforscht. Warum wird wenig geforscht? Weil Ernährungsstudien wegen der vielen Einflußfaktoren schwierig sind, weil man sie lange genug durchhalten muß, dann aber werden sie teuer, und weil die Pharmaindustrie nicht daran verdienen kann, denn sie ist der wesentliche Geldgeber für wissenschaftliche Studien. Ein befreundeter irischer Rheumatologe erzählte mir einmal vor einer Studie zu Ernährung, die er durchgeführt hatte; er faßte es so zusammen: ein Albtraum. Der Albtraum bestand darin, genügend Probanden zu bekommen, die bereit waren, sich genügend lange auf eine gewisse Weise zu ernähren. Da sind wir schon mitten im Thema: Einfluß auf Erkrankung oder Gewicht über Ernährung nehmen bedeutet eine dauerhafte Umstellung. Wir sind als Patienten und Ärzte zu ungeduldig, denn eine möglich Wirkung setzt erst spät ein. Wir wissen zu wenig über die Wirkmechanismen und wissen auch wenig über die Wirksamkeit. Ärzte haben in der Regel ein schlechte Ausbildung in Ökotrophologie. Wer sie hat, hat sie kaum über das Medizinstudium erhalten.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln findet man immer wieder etwas, das als Revolution angekündigt wird. Vitamine, Farbstoffe, Mikronährstoffe nimmt man besser über die Nahrung als über Nahrungsergänzungsmittel auf. Man überdosiert nicht und man hat die richtige Mischung. Natürliche Antioxidantien finden sich in vielen Lebensmitteln. So finden sich z.B. Karotinoide, wie Betakarotin oder Lykopin, besonders in orangenem und roten Obst und und Gemüse. Polyphenolische Verbindungen, wie Resveratrol oder Flavonoide, finden sich in Granatapfel, Kaffee, Kakao, Obst, Rotwein, Tee, Zimt und weiteren. Vitamin C ist in Obst und Gemüse enthalten. Vitamin E in Pflanzenölen sowie Ölsaaten und Nüssen. Aber: viel hilft nicht viel. Der Körper stellt Fließgleichgewichte her, die ein Optimum haben und das verhält sich nach der Normalverteilung.
Zu viel kann durchaus zur Verschlechterung führen, da das Gleichgewicht mit anderen Stoffen nicht mehr stimmt. Wir kennen z.B. mittlerweile hunderte von Karotinoiden, so daß es möglich ist, daß verschiedene Karotinoide ganz unterschiedlich wirken, das Nahrungsergänzungsmittel aber überflutet uns nur mit einem Karotinoid.


Bei der Rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit dem Potential, Gelenke und innere Organe zu  zerstören, so daß im Akutstadium auf Medikamente nicht verzichtet werden kann. Da entzündungshemmende (antiinflammatorische) Medikamente aber mehr oder minder starke Nebenwirkungen mit sich bringen, sucht man nach Alternativen und die Ernährung ist eine davon.

Van den Heuvel wies auf eine dänische Metaanalyse hin [4], die sieben randomisierte, kontrollierte Studien aus den Jahren 1979 bis 2023 zusammengefaßt hat. In diesem Zeitraum hat sich die Wissenschaft erheblich geändert, aber es gab nicht mehr Studien, die man hätte verwenden können! „Es gab bei den eingeschlossenen Studien zu wenige Teilnehmer, zu heterogene Studiendesigns und methodische Schwächen.“ Die Autoren der Metaanalyse sehen in einer mediterranen Kost einen „Hoffnungsträger mit Grenzen“.
 
Als mediterrane Diät bezeichnet man Ernährungsformen des Mittelmeerraumes, die mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Nüsse und Olivenöl enthalten und auch eine moderate Menge an Rotwein. Außerdem kann man zu mehr Vollkornprodukten bei dieser Art der Ernährung raten. Diese Lebensmittel  liefern entzündungshemmende Fettsäuren, Polyphenole und Antioxidantien. Van den Heuvel führt den MEDRA-Trial (randomisierte, kontrollierte Studie mit 44 RA-Patienten über zwölf Wochen, d.h. 2x22 Pat. [5a]) und eine griechische Studie mit 210 RA-Patienten an [5b]. Diese modernen Studien zeigen eine verbesserte Lebensqualität auf, aber eine Therapie ergab sich daraus nicht. Und schon gar nicht ist eine magische Substanz in dieser Ernährungsform zu finden. 

Eine Studie aus Großbritannien fand bei RA-Patienten, bei denen die Diagnose gerade gestellt worden war, im Rahmen der DESIGNA Studie (Dietary Signatures In Arthritis) vermehrt kurzkettige Fettsäuren, wie sie von Bakterien im Dickdarm aus Ballaststoffen synthetisiert werden, bei Patienten mit geringerer Krankheitsaktivität, so daß sie daraus folgern, daß ein erhöhter Anteil von Ballaststoffen in der Ernährung die Krankheitsaktivität senken kann [6]. Die SUPERFIBRES Studie in Montpellier (Frankreich) untersuchte die Zugabe von 12 g Ballaststoffen in Form von Inulin-Pulver bei RA-Patienten (26 vs. 23) und fand eine verminderte Krankheitsaktivität sowie eine verminderte Zahl von (pro-inflammatorischen) Th17-Zellen in der Verumgruppe [7]. Zusammenfassend zeigen diese beiden Studien, daß es sinnvoll sein kann, die Menge an Ballaststoffen in der Ernährung zu erhöhen, um die Krankheitsaktivität zu senken.


Gerade Hülsenfrüchte, Vollkorn und Gemüse sind reich an Ballaststoffen, aber es gibt weitere Stoffe, die möglicherweise positive Effekte haben. Omega-3-Fettsäuren oder Polyphenole könnten das sein. In der Mittelmeerdiät können Polyphenole aus Olivenöl stammen, aber auch aus Obst und Gemüse; man könnte sich auch Beeren und Tee, wie grünen Tee. in anderen Ernährungsformen überlegen. Fetter Seefisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren, aber auch Leinöl. 
Lausitzer Leinöl schmeckt gut, wird allerdings in einer Weißglasflasche ausgeliefert, die das Öl nicht vor Licht schützt, so wird es schneller ranzig. Also sind u.U. Leinölsorten in Metallbehältern oder dunklen Flaschen vorzuziehen. Geöffnetes Leinöl gehört in den Kühlschrank und sollte schnell verbraucht werden. 
Verschiedene Gewürze wirken entzündungshemmend, wobei der Effekt üblicher Verzehrmengen wahrscheinlich nur einen geringen Teil der Entzündung hemmen kann. Bitte würzen Sie nach Ihrem Geschmack. Ingwer (Ginger) dürfte bekannt sein, Gelbwurz (Turmeric) ist in Currypulver, Galgant ist wenig bekannt, wird aber in der thailändischen Küche viel verwendet (Rhizom wie Gelbwurz und Ingwer), Nelken / Nelkenöl oder Kreuzkümmel (Cumin).
Das Curcumin im Gelbwurz hemmt z.B. die Bildung von entzündungsfödernen Zytokinen [darauf wirken Biologika] wie auch auf den NF-kappa B Signalweg in den Zellen. Aber man muss auch wissen, daß Curcumin vom Verdauungstrakt schlecht aufgenommen wird.
Für Koriander gibt es Berichte, aber auch eine experimentelle Studie an Ratten, daß es gegen Rheuma wirksam sei [8]. Mittlerweile gibt es eine Metaanalyse [9], die zu folgendem Ergebnis kommt: „Diese Ergebnisse zeigten das Potenzial von C. sativum bei der Reduzierung von IL-1β, IL-6 und TNF-α“.
Besonders Grüner Tee hat durch verschiedene Inhaltsstoffe eine entzündungshemmende Wirkung, die wiederum durch Unterdrückung des NF-kappa B Signalwegs oder auch durch die Förderung einer vermehrten Produktion von einem Zytokin IL-10 (entzündungshemmend!) entsteht [10]. 

Leider haben spezifische Diäten (z. B. vegan, vegetarisch oder glutenfrei) keinen nachweisbaren Einfluß auf Krankheitsaktivität oder Gelenkzerstörung nachweisen können. Die EULAR-Leitlinien behandeln mehr den sequentiellen Einsatz von Medikamenten, aber auch sie äußern sich zum Thema Ernährung [11]. Hier steht: „Es ist unwahrscheinlich, dass spezielle Ernährungsweisen bzw. Diäten große, spezifische Effekte für Rheumapatienten bewirken.“ Allerdings weisen sie auch hierauf hin: „Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Verbesserung des Lebensstils von Rheumapatienten.“ 

Zusammenfassend ist Diät bei Rheumatoide Arthritis nur zusätzlich sinnvoll. Ein Diätterror ist völlig unangebracht. Das Essen soll schmecken. Empfehlenswert sind jedoch viel Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, eher Fisch als Fleisch, wenig Zucker, Vermeidung von Trans- und gesättigten Fetten [12], wobei es sich bei den Empfehlungen ab Fleisch um generelle Empfehlungen der WHO handelt. Eine mediterran ausgerichte Ernährungsform kann diese Empfehlungen gut erfüllen.




Links und Anmerkungen:
[1] Rheuma und Ernährung
https://rheumatologe.blogspot.com/2012/11/rheuma-und-ernahrung.html 
[2] EULAR 2025 Congress in Barcelona, 11-14 June 2025
https://www.drfz.de/veranstaltungen/eular/ 
[3] Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel: Rheuma: Mit Ernährung umgelenkt?
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/52037-rheuma-mit-ernaehrung-umgelenkt/ 
[4] Jensen et al.: Effects of vegetarian and vegan diets on disease activity, pain, fatigue, and physical function in patients with rheumatoid arthritis: A systematic review and meta-analysis. Joint Bone Spine. doi: 10.1016/j.jbspin.2025.105 (zitiert nach [3])
[5a] Raad et al.: Effects of a telehealth-delivered Mediterranean diet intervention in adults with rheumatoid arthritis (MEDRA): a randomised controlled trial. BMC Musculoskeletal Disorders, 2024. doi: 10.1186/s12891-024-07742-1 (zitiert nach [3])
[5b] Virvili et al.: Mediterranean Diet and Rheumatoid Arthritis: A Controlled Trial. Annals of the Rheumatic Diseases, 2025. doi: 10.1016/j.ard.2025.05.928 (zitiert nach [3])
[6] G. Le Gall1, M. Defernez1, A. Mcdonald2, J. Dainty1, M. Yates1, P. Saha1,
K. Kemsley2, A. MacGregor1: POS0704 LIPIDOMICS AND INFLAMMATION FOLLOWING DISEASE ONSET IN NEWLY DIAGNOSED RHEUMATOID ARTHRITIS: INSIGHTS FROM THE DESIGNA (DIETARY SIGNATURES IN ARTHRITIS) STUDY. DOI: 10.1136/annrheumdis-2025-eular.A1999 
[7] C. Immediato Daien1,2,3, J. P. Hellier1, Z. Salis2,3, J. Morel1,2,3, L. Macia4, R. Audo1,3: ABS0692 DOES FIBER SUPPLEMENTATION IMPROVE DISEASE ACTIVITY IN RHEUMATOID ARTHRITIS INSIGHTS FROM SUPERFIBRES, A RANDOMIZED, DOUBLEBLIND, PLACEBO-CONTROLLED TRIAL DOI: 10.1136/annrheumdis-2025-eular.B2609
[8] Nair, Vinod; Singh, Surender; Gupta, Y.K.. Evaluation of disease modifying activity of Coriandrum sativum in experimental models. The Indian Journal of Medical Research 135(2):p 240-245, February 2012. 
https://journals.lww.com/ijmr/fulltext/2012/35020/evaluation_of_disease_modifying_activity_of.17.aspx  
[9] Malek Mahdavi, A., Javadivala, Z. Systematic review of preclinical studies about effects of Coriandrum sativum L. on inflammatory mediators. Inflammopharmacol 30, 1131–1141 (2022). https://doi.org/10.1007/s10787-022-01000-3  
[10a] Inhaltsstoffe im Tee – ein Überblick 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/inhaltsstoffe-im-tee-ein-uberblick.html 
[10b] Superfood Macha 
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/03/superfood-macha.html  
[11] https://www.rheuma-liga.de/unser-einsatz/rheumaforschung/aktuelles-aus-der-rheumaforschung/detailansicht/lebensstil-ernaehrung-arbeit-neue-eular-Empfehlungen 
[12] „Transfette sind toxische Substanzen, die töten“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. […] Zu den Lebensmitteln, die nennenswerte Mengen an Transfettsäuren enthalten können, gehören nach DGE-Angaben Back- und Süßwaren sowie frittierte Kartoffelprodukte und Fertiggerichte.“
https://www.aerzteblatt.de/news/who-milliarden-menschen-nicht-vor-gefaehrlichen-transfetten-geschuetzt-d6040071-2f7a-4e60-806e-f305b6035a37 

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Saturday, May 23, 2020

Zu Abkürzungen von anti-rheumatischen Medikamenten


Ich las den den Artikel von T. Schmeiser et al.[1]. Und da waren sie wieder, die Abkürzungen, die ich so nicht mag. Ich halte es für eine gute Idee, Medikamente mit drei Buchstaben abzukürzen, aber es muss nicht jedes Land seine eigenen Abkürzungen produzieren. Flughäfen haben solche Abkürzungen mit drei Buchstaben. Der Flughafen Köln/Bonn wird CGN abgekürzt und kein Reiseveranstalter käme auf die Idee, plötzlich KLN oder KÖL zu benutzen.
Ich hatte bereits über diese Art von Abkürzungen vor etwa acht Jahren schon einmal berichtet [2].


Bei neun Medikamenten sind Abweichungen zum Gebrauch im Abstract-Band des 2019 ACR Meetings [3] vorhanden.
Bei Abatacept ist die von Schmeiser gewählte Alternative sogar besser, da weniger fehleranfällig gegenüber Adalimumab.
Baricitinib wird in den Studien des 2019 ACR Meeting mit bari abgekürzt. BAR ist prinzipiell in Ordnung, führt einen aber beim Suchen auf „bar“-Diagramme.
Certolizumab mit CMZ abzukürzen ist nur vom deutschen Medikamentennamen (Cimzia) her zu erschließen.
ETA für Etanercept finde ich nicht gut, weil es im Japanischen ein schlechten Beigeschmack hat [4].
Golimumab – warum nur GOM? GOL ist einsichtiger.
Für Infliximab war auch schon IFX in Gebrauch. IFN kann als Abkürzung von Infusion verwechselt werden.
Für SAR als Abkürzung für Sarilumab habe ich noch keinen Beleg. Wäre prinzipiell nichts gegen einzuwenden.
Für Tocilizumab hatte ich früher TOC gefunden, durchgesetzt hat sich TCZ. TOC wäre auch einleuchtender als TOZ.

Selbstverständlich kann jeder seine Abkürzungen so wählen, wie sie dann im Abkürzungsverzeichnis stehen. Verständlicher ist man aber, wenn man einen Konsens für Abkürzungen herstellt.


Links und Literatur:
[1] Schmeiser, T., Broll, M., Dormann, A. et al. Einstellung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur immunsuppressiven Therapie im Rahmen der COVID-19 Pandemie – eine Situationsanalyse. Z Rheumatol 79, 379–384 (2020). https://doi.org/10.1007/s00393-020-00800-8 ABC:
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2012/11/abkurzungen-fur-dmards-in-der-s1.html
[3] 2019-Abstract-Supplement.pdf https://acrabstracts.org/download-abstracts/
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2016/12/whats-in-names-of-drugs-in-rheumatology.html
Edward S. Herman, Noam Chomsky: Manufacturing Consent. Pantheon Books, New York 2002.
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Tuesday, June 18, 2019

Goldene Milch



Ein neuer Hype geht rund – die goldene Milch. "Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles. Ach wir Armen!" sagt Johann Wolfgang von Goethe im Faust. Kurkuma wird in der indischen Küche als die preiswertere Variante zu Safran genutzt. Ein wesentlicher Bestandteil von Currypulver ist Kurkuma. 

Curcumin ist der orange bis gelbe Farbstoff, der im Gelbwurz vorkommt. Curcuma, Kurkuma, Gelbwurz oder Turmeric kann man sich im Lebensmittelhandel besorgen. Curcumin ist ein Polyphenol, das entzündungshemmende Wirkungen durch Herabregulation von entzündlichen Transkriptionsfaktoren (wie NF-kappaB), Enzymen (wie Cyclo- und Lipoxygenasen) und Zytokinen (wie Tumornekrosefaktor, Interleukin 1 und Interleukin 6) vermittelt. Allerdings hat Kurkuma eine schlechte Bioverfügbarkeit, d.h. es wird nur schlecht über den Darm aufgenommen.

Die Milch sieht durch die gelbe/goldene Farbe appetitlich, ja prächtig aus und das ist auch Teil der Wirkung. Es werden Tiermilch (meistens Kuhmilch), aber auch Pflanzenmilch wie Soja-, Mandel- oder Hafermilch und weitere benutzt. Auch der Begriff Kurkuma Latte macht die Runde.

Unter anderem soll die Zellmembran gestärkt werden. Ich halte das für ein Gerücht. Ich bin aber der Überzeugung, dass Kurkuma ein sinnvoller Bestandteil der Gewürze und damit der Speisen ist; wie auch z.B. Ingwer (gleiche botanische Familie wie Kurkuma oder Galgant).

Sie können sich Rezepte aus dem Internet holen oder selbst experimentieren. Gut passen z.B. Zimt und Kurkuma zusammen. Machen Sie nicht den Fehler zu viel zu nehmen. Es soll schmecken. Milch nehmen, erhitzen, Kurkuma, Zimt und was Sie wollen hingeben und sehr konservativ (gering) süßen.

Die goldene Milch mag ein Hype sein, der wieder vergehen wird. Aber bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann sie die laufende Therapie vielleicht unterstützen.


Links:

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Thursday, September 27, 2018

Immunsuppressiva Interdisziplinär - Was Rheumatologen lernen können von ... beim Kongress der DGRh 2018 in Mannheim



Leider fiel der Vortrag des Neurologen aus.

PD Dr. med. B. Ehrenstein stellte einen 62jährigen Patienten vor, der nach Schubsymptomatik auf Immunsuppression nicht besser wurde. Im Rahmen einer septischen Arthritis mit MRSA wurde Vancomycin eingesetzt. Die Arthritiden besserten sich, nicht jedoch die Tenosynovitis. Es stellte sich eine nicht-tuberkulöse Mykobakteriose als Ursache heraus. Lange Therapiedauer nach Antibiogramm.

Der zweite Patient war 75 Jahre alte und litt an einer Riesenzellarteriitis, initiale Prednisolon-Dosis 75 mg, zusammen mit 15 mg MTX p.os / Woche.  Sechs Wochen nach Diagnosestellung betrug die Prednisolon-Dosis immer noch 30 mg. Im Verlauf von drei Tagen dann zunehmend Dyspnoe und Reizhusten. Trotz sofortiger Diagnose (Pneumocystis jirovecii Pneumonie) und hochdosierter Gabe von Cotrimoxazol verstarb der Patient. Interessanterweise beträgt die Letalität bei HIV/AIDS 10-20%, sie liegt aber bei nicht-HIV Patienten bei 30-60%! Die Pneumocystis-Prophylaxe wird durchgeführt bei Hochdosis-Prednisolon und Cyclophosphamid, wenig umstritten bei 30 mg Prednisolon mehr als vier Wochen, umstritten bei 10-30 mg Prednisolon mehr als vier Wochen und TNF-Inhibitoren. In Japan wird bei TNFi und zwei von drei Risikofaktoren eine Prophylaxe durchgeführt (Alter über 65 Jahre, Lungenerkrankung, Dauergabe von Prednisolon). Cotrimoxazol ist mit Kosten von 100 € pro Jahr die günstigste Lösung; Atovaquon kostet 11.500 € pro Jahr.

Eine 25jährige Patientin mit adultem Still-Syndrom (AOSD) entwickelte Fieber und Reizhusten unter Canakinumab. Procalcitonin (PCT) kann bei solchen Patienten helfen zwischen Schub und Sepsis zu differenzieren. Der Cutoff liegt bei 1,4 µg/l.

Zusammenfassend sind nicht-tuberkulöse Mykobakteriosen selten und nur mit gezielter Diagnostik zu erkennen, die Pneumocystis-Pneumonie hat auch bei schneller Diagnose und Therapie eine hohe Letalität, PCT ist hilfreich bei der Unterscheidung von Schub und Sepsis bei AOSD.

Prof. Dr. med. Ch. Morath stellte als Transplantationsmediziner u.a. Belatacept (CTL4-Ig) vor, das wahrscheinlich schonender die Kostimulation hemmt. Ist jedoch noch nicht getestet und das Preisniveau ist auch unklar. Außerdem stellte er IdeS vor, ein neues Konzept zur Antikörperelimination vor – eine Endopeptidase aus Streptococcus pyogenes, die IgG degradiert (also nicht vom Hauptmann zum Oberleutnant), also das Molekül IgG zerstört.

Prof. Dr. med. St. Weiner stellte als Nephrologe den Einfluss der Niereninsuffizienz auf die Immunsuppression, die Nephrotoxizität von Immunsuppressiva und die Optimierung der Immunsuppression bei Nierenbeteiligung vor. Die Frakturrate ist bei Niereninsuffizienz erhöht, insbesondere bei den über 65jährigen Patienten. Risiken für Infektionen bei Niereninsuffizienz können minimiert werden durch: Impfen, Reduktion bzw. Absetzen von Glukokortikoiden, Dosisreduktion von Immunsuppressiva, bei Biologika Vorsicht in der Kombination mit Glukokortikoiden. Man sollte sich nicht auf das Kreatinin verlassen – Cystatin C z.B. bei muskelschwachen Patienten oder neu auch Uromodulin.

Zusammenfassend hat die Niereninsuffizienz einen erheblichen Einfluss auf die Komplikationsrate, „nicht nur Kreatinin-Kontrolle sondern stets engmaschige Urinkontrolle“, und weitere.


INTERDISZIPLINÄRE RHEUMATOLOGIE 1.1 Wolfgang
Amadeus Mozart
10:30 - 12:00 22 | Immunsuppressiva Interdisziplinär
- Was Rheumatologen lernen können von...
Vorsitz: Martin Fleck, Regensburg
Boris Ehrenstein, Bad Abbach

10:30 22.01 | ... dem Neurologen
Nico Melzer, Münster
10:50 22.02 | ... dem Infektiologen
Boris Ehrenstein, Bad Abbach
11:10 22.03 | ... dem Transplantationsmediziner
Christian Morath, Heidelberg
11:30 22.04 | ... dem Nephrologen
Stefan Weiner, Trier

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Monday, September 24, 2018

Methotrexat auf dem Kongress der DGRh 2018 in Mannheim




Methotrexat (MTX) ist für mich und bestimmt alle Rheumatologen, aber auch Gastroenterologen, Dermatologen und Onkologen eine faszinierende Substanz. Wenn Sie aber in die Internetforen gehen, so werden Sie viel über Nebenwirkungen hören. Ja, pharmakologisch wirksamen Substanzen gibt es nur mit der Möglichkeit der Nebenwirkung oder der unerwünschten Wirkung einher. Nur pharmakologisch unwirksame Substanzen haben auch keine Nebenwirkungen, wenn man einmal die Nebenwirkung einer unbehandelten Erkrankung außen vor läßt. Methotrexat (MTX) hat ein besonders gutes Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung; außerdem ist es gut steuerbar. Es ist das Medikament in der Rheumatologie, bei dem wir auf die größte Menge an Erfahrung blicken können.

Methotrexat ist ein Folsäure-Analogon. Ein anderer Name ist Amethopterin. Klingt eher wie eine ägyptische Gottheit. Über Namen kann man bekanntlich streiten. Aktuell kommen Präparate Namen wie Taltz, Olumiant oder Kevzara auf den Markt. Bei Taltz denkt man eher an Kaltz und seine Bananenflanke, bei Kevzara denke ich eher an Keflavik, den Flughafen von Reykjavik, bei Olumiant verknotet sich meine Zunge. Ich habe einmal über eine oral einzunehmende Lösung mit dem Namen Jylamvo® geschrieben. Ich über legte damals, ob man ein Medikament nicht gleich Grzpflzly® nennen sollte.
Bei Methotrexat ist die Abkürzung MTX bei Ärzten wie Patienten geläufiger. Unten als letzter Link habe ich auf einen Artiekel hier auf dem Blog verwiesen, der sich (auf Englisch) mit der Wirkungsweise beschäftigt.

Auf dem Kongress der DGRh 2018 in Mannheim gabe es ein Satellitensymposium unter dem Titel " Methotrexat — zentraler Baustein der modernen Rheumatherapie". Der Vorsitz hatte Prof. Dr. med Markus Gaubitz.

M. Gaubitz bestritt auch den ersten Vortrag, der auch der wichtigste war in Hinblick auf Methotrexat. MTX wir in der Rheumatologie seine 30 Jahren  eingesetzt. Die kerndokumentation zeigt, dass 60% der Patienten MTX erhalten, über die Hälfte davon als Monotherapie. MTX ist der wichtigste Kombinationspartner für andere Medikamente.
Man kann mittlerweile nachweisen, dass höhere Dosierungen möglich und sinnvoll sind. Auch die subkuane Gabe hat sich bewährt wegen besserer Resorption und weniger Therapieabbrüchen.
Patienten mit rheumatoider Arthritis tragen ein höheres Risiko für Infektionen. Nach Studienlage steigt aber das Risiko nicht wesentlich durch MTX, allerdings läßt sich eine Zunahme des Risikos z.B. bei der Gabe von Korikosteroiden, Diabetes melletus, chronischer Lungenerkrankung, Alkoholismus und weiterer nachweisen. Das kardiovaskuläre Risiko von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird durch MTX vermindert.
Im letzten Jahr konnte ein protektiver Effekt gerade von MTX auf die Entwicklung von Demenz gezeigt werden. Einer meiner Brüder sprach mich vor Jahren einmal zu Demenz bei Rheumatikern an; ich sagte ihm, dass dies eher die Ausnahme sei. Er hatte einen Bericht von einem Pathologen im Fernsehen gesehen, der dies auf die Unterdrückung von Entzündung zurückführte. Ein toller Nebeneffekt, jetzt besonders für MTX nachgewiesen.
Ineffektivität der Therapie mit MTX ist sehr vom Rauchen abhängig; generell sollte vom Rauchen abgeraten werden. Ein geringer Alkoholkonsum ist nach derselben Studie bei MTX nicht nur möglich sondern auch sinnvoll, da die Krankheitsaktivität bei diesen Patienten niedriger war.

Auf Kongressen interessiert vielfach die Innovation, aber der Blick auf bewährte Medikamente bringt ebenfalls kontinuierlich Neues.


Links:

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