Sunday, July 5, 2026

Altargesteck zum Fünften Sonntag nach Trinitatis 2026


Du, der gesprochen: „Fürcht' dich nicht!“
So laß mich denn vertraun auf deine Hand
Und nicht ermüden!
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Fünfte Sonntag nach Trinitatis … auch diese Woche halten erst einmal an. In der Woche vor dem Vierten Sonntag nach Trinitatis hatten wir zwei Gedenktage mit eigener Liturgie und diese Woche sind es sogar drei! Zunächst war da der Tag der Apostel Petrus und Paulus [2] mit dem Spruch: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.“ [3] Die liturgische Farbe ist Rot. Danach kam der Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth (Heimsuchung) [4] mit dem Spruch: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.“ [5] Die liturgische Farbe ist Weiß. Heimsuchung bedeutete  im Mittelhochdeutschen so etwas wie Hausfriedensbruch und wir meinen heute eher damit einen Schicksalsschlag, aber hier bedeutet es einfach nur die Begegnung von Maria und Elisabeth. Und dann war da noch der Tag des Apostels Thomas [6]  mit dem Spruch: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ [7] Die liturgische Farbe ist Rot.
Thomas ist eine der biblischen Personen, denen etwas Unrühmliches anhaftet. Bei Matthäus wird er nur als Jünger genannt [8], in der Apostelgeschichte als einer der Zwölf [9]. Im Johannesevangelium finden wir ihn dreimal: etwas vorlaut spricht er zu den anderen Jüngern vor dem Besuch in Bethanien [10], im 14.Kapitel gibt Thomas die Vorlage zu „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ [11], und dann die Stelle, die ihn als Zweifler brandmarkt. Als Thomas den Christus sieht, glaubt er, aber Jesus spricht zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ 
Huch, da ist es mit mir wieder einmal durchgegangen! Genug der Abschweifungen. Wir waren doch … noch nicht sehr weit gekommen. Es geht um den Fünften Sonntag nach Trinitatis [12]. Dieser Sonntag will uns anleiten, mit Gott neue Wege zu wagen. Das aber erfordert Mut und Vertrauen, auf das wir gleich zurückkommen werden. Der Wochenspruch lautet: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ [13] Es geht um das Vertrauen, das wir Gott entgegen bringen sollen. So wie Abraham, der als alter Mann noch in ein fernes Land geschickt wird, um dort neu anzufangen [14]. Dieser Vertrauen bringt auch Petrus auf, als er die Netze nach ergebnislosem Fischzug noch einmal auf das Geheiß von Jesus auswirft – unser Evangeliums- und Predigttext [15].

In der Lesung aus dem Alten Testament geht es um „Abrams Berufung und Zug nach Kanaan“ geht: „Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.“ Wie groß muß dieses Vertrauen gewesen sein! Und wie groß erst, als Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, aber das ist nun eine andere Geschichte. 

Im Evangeliums- und Predigttext fährt Petrus sein Boot auf dem See Genezareth zunächst etwas vom Ufer weg und Jesus predigt der Menge. Petrus und die anderen Fischer hatten in der Nacht nichts gefangen, jetzt aber schickt Jesus am Tag zum Fischen: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Die Aussichten auf einen Fang sind gering, aber Petrus sagt: „… auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Er fing so viele Fische, daß die Netze zu reißen drohten. Simon Petrus ist voller Angst. „Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.“ Die Synoptiker Markus und Matthäus haben ähnliche Texte. Im Johannesevangelium finden wir eine ähnliche Begebenheit [16]. Sie findet sich am Ende. Mich hat die Zahl der 153 Fische fasziniert. Da, wo es tief ist, deutet auf Ängste hin, wovon Filme 2000 Jahre genügend Gebrauch gemacht haben [17]. Petrus ist ein ängstlicher Mensch und gerade er ist der Fels. Das soll uns Mut machen.

Der Taizé-Gottesdienst in Köln-Holweide spielte sich abseits vom Altar ab. Diesmal bestand das Begleitorchester aus Flügel, Flöte, Saxophon und drei Violinen. Vier der MusikerInnen gehören den Dellbrücker Symphonikern [18] an. 

Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich erneut überrascht, vielseitig  und frisch. Die Lilien dufteten sogar sehr stark. In Kall stand ein Sommerstrauß auf dem Altar.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 109-110. Am VI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-apostel-petrus-und-paulus/ 
[3] Apg 4,33
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-besuchs-marias-bei-elisabeth-heimsuchung/  
[5] Gal 4,4
[6] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-apostels-thomas/ 
[7] Jes 52,7
[8] Mt 10,3 
[9] Apg 1,13
[10] Jesus will zum verstorbenen Lazarus gehen, übrigens von Bethanien am Jordan nach Bethanien bei Jerusalem, als Thomas spricht: „Laßt uns mit ihm gehen, daß wir mit ihm sterben!“ Joh 11,16b
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,5-6
[12] https://kirchenjahr-evangelisch.de/5-sonntag-nach-trinitatis/ 
[13] Eph 2,8     
[14] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12 1. Mose 12,1–4a 
[15] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.5 Lk 5,1–11 
[16] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes21 Joh 21,6-11
[17] Etwa die folgenden Filme:
Die Tiefe (1977)
Im Rausch der Tiefe (1988)
Abyss – Abgrund des Todes (1989)
Sanctum (2011) – da wird in Höhlen getaucht; die Speläologie birgt neben der Tiefe auch noch die Enge.
[18] https://www.dellbrueckersymphoniker.de/ 

.
 


Friday, July 3, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 03.07.2026



Wenn du mir auf der Gitarre
zwei Volksweisen zupfst,
werd' ich die ganze Nacht wachen,
damit niemand deinen Namen auslöscht.
Jorge Luis Borges [1]


Weiße Birken 
Die gedrungenen Birken 
In der Tundra 
Träumen nicht von Größe 
Sie träumen 
Vom SonnenSchein
Der auf ihren Blättern glänzt 
Vom Wind 
Der mit ihren Blättern raschelt 
Vom Regen 
Der von ihren Blättern tropft 
Vom MondSchein 
Der den Schorf weiß bedeckt   

Die HeuWiese

    der Wind 
Wogt 
In 
Der 
HeuWiese 
Fängt 
Sich 
Wieder 
In 
Den
Fichten
Und raschelt 
    Weiter
In den Birken 

Amsterdam 
Du flüsterst am Rande der Gracht 
Ein HausBoot schaukelt
Radler kommen und fahren wieder
Wie das Licht des Tages schwankt 
Wie unsere Körper 
Amstel 
Kopje Koffie
Auch wenn die Nacht kommt 
Ich rufe am Rande der Gracht
Ein Bötchen tuckert vorbei
Die Tauben und die Möwen
Schreien und Gurren
Ein Rad rutscht auf dem KopfSteinPflaster
Und wir stoßen zusammen 
Lachen auf  

Beerdigung 
    sie hatten 
Die 
Taschen 
GeLeert
Denn 
Das 
Letzte 
Kleid 
Hat 
Doch 
Taschen
Nur leer 
    Sollten 
Sie sein

Voll
    Voll, nein
Voller 
Lärm 
Ist 
Der 
Raum
Ich 
Sehe 
Nicht 
Die 
Lärmenden
Aber 
Die 
Lüster 
Den 
Champagner
Und schließlich 
    Auch 
Die Leute 

FriedHof 
    der FriedHof
Mit 
Den 
VerWitterten 
GrabSteinen 
Endlich Friede
Endlich unter sich 
Unten
Endlich unter sich 
Genießen die 
    Toten 
Die Ewigkeit 

Où est la plume de ma tante ?
    das leere 
Vogel-
Haus 
Mit 
Der 
Offenen 
Tür 
Aber 
Selbst 
Die 
Katze 
Rechnet nicht 
    Mit 
Einer RückKehr [2]

Hitze
Mittags ist der Tag einGeschlafen 
Und döst vor sich hin 
Die HeuBallen liegen 
In der brütenden Hitze 
Und warten geDuldig 
Auf ihren Transport 
Im Schatten taucht die Frage auf:
Was brütet so geDuldig?

Farben
Laß dich vom ruhigen Blau des Himmels 
In die Höhe heben
Und sieh das gleißende Licht 
Das aus der Dunkelheit 
In Myriaden von Farben zerFließt 
Jede der BeGinn einer eigenen Welt 
Und jede nur ein MosaikSteinchen 
Siehe und höre die Stimmen am blauen UrGrund  

GeFangen

    in GeDanken 
BeTrittst 
Du 
Die 
Zelle
Die 
Du 
Niemals 
Mehr
Verläßt
Denn 
In 
GeDanken
Sind wir am 
    UnErbittlichsten 
GeFangenen 





Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Jorge Luis Borges [1a]: Kinderlieder V. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 169. Übersetzung von H.L. Davi.
[1a] Jorge Luis Borges (1899-1986) war ein argentinischer Schriftsteller und Bibliothekar. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Luis_Borges 
[2] Als Antwort auf: John Ashbury [2a]: Le livre est sur la table. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Atlas der neuen Poesie. Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg 1995. ISBN: 3498063065. S. 317.
[2a] John Ashbery (1927-2017) war ein US-amerikanischer Dichter und Pulitzer-Preisträger.
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Ashbery 

.