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Tuesday, October 27, 2026

Tee – wie lange sollte er ziehen?


Ich las vor einigen Tagen den Artikel von Rebecca Welsch „Teebeutel in der Tasse: Warum Sie ihn nicht ausdrücken sollten“ [1]. Sie ging der Frage nach, ob man den Teebeutel ausdrücken sollte, nachem sie folgende Beobachtung gemacht hatte: „Viele drücken, nachdem die Ziehzeit vorbei ist, den Teebeutel am Löffel aus. Das soll dem Tee mehr Geschmack geben.“ Das war für mich anlaß, mich nochmals um Ziehzeiten zu kümmern.


Kennen Sie das? Sie haben die Teekanne angewärmt, die Teeblätter (Schwarztee) gerade hineingetan und mit fast kochendem Wasser aufgegossen, den Deckel geschlossen und auf die Uhr geschaut. Dann denken Sie, ich könnte doch schnell einmal dies oder das machen. Ja und dann ist denn Tee verdorben, weil er einfach zu bitter geworden ist. Das passiert auch, wenn den den Teebeutel ausdrückt, aber Teebeutel sind ein eigenes Thema. Mir ist das früher regelmäßig passiert und dann trank ich jahrelang fast nur noch Grüntee. In Taiwan (台灣) hatte ich beoboachtet, daß Menschen auf der Arbeit morgens Tee in ein Gefäß gaben und dann immer heißes Wasser auf die Teeblätter nachgossen [2]. Den Grüntee kann man länger ziehen lassen, er wird dann nur kalt. Ich trinke aber wieder Schwarztee, hin und wieder, aber dann muss ich mir auch die Eieruhr stellen, schrecke dann hoch, wenn er schellt, denn er schellt immer zur Unzeit, aber der Tee wird genießbar. Zu viele Bitterstoffe zerstören das komplexe Aroma, denn der Tee sonst hat. Natürlich wenn man nicht gerade einen Billigtee im Teebeutel („Beutelstee“) nimmt. 

Langes Ziehen verändert also das Aroma bei fermentierten Tees. Wie sieht es mit der Gesundheit aus? Wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denn die Bitterstoffe enthalten wie Theaflavine, Theaflagalline, Thearubigine,Teeghrelin und weitere, also Substanzen, die antioxidativ wirken. Es gibt Erhebungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Antioxidantien und Vereinigte Königreich und Irland stehen besser da wegen des hohen Konsums an Tee.

Tee richtig zubereiten gleicht einer Wissenschaft, da sind Teesorte, Teemenge, Wasser-pH, Wassertemperatur und weitere Dinge mehr zu beachten. Man muss es aber nicht so kompliziert machen und wenn man regelmäßig Tee trinkt, dann weiß man, wieviel Tee man in etwa nehmen muß und wann er lange genug gezogen hat. Der Tee muss auch nicht jeden Tag identisch schmecken, mal die eine, mal die andere Nuance zulassen.

Wenn die Ziehzeit verüber ist, hatte der Tee genügend Zeit, sein Aroma abzugeben, weswegen auch ich gegen das Ausdrücken von Teebeuteln bin. Es hat auch etwas mit Geiz zu tun. Ich erinnere mich an einen Sprachaufenthalt auf der Isle of Wight in Shanklin, bei dem ein Gast aus Yorkshire morgens die Teebeutel immer ausquetschte; nicht gerade höflich, der überaus freundlichen Wirtin gegenüber (B&B [3]).

Zum Mitnehmen:
    ∙ Tee ist ein Genußmittel und der Genuß sollte im Vordergrund
    ∙ Tee ist erst in zweiter Linie Heilmittel und mit dem Trinken hat man genug getan
    ∙ Schwarztee auch nicht mit kochendem Wasser aufgießen, länger als 4 min. würde ich ihn nicht ziehen lassen
    ∙ Grüntee mit deutlich weniger heißem Wasser aufgießen, 3 min. reichen, aber länger ist durchaus möglich
    ∙ Salz, Zucker, Gewürze, Milch hinzufügen? – och nö! [4]
 




Links und Anmerkungen:
[1] Rebecca Welsch: Teebeutel in der Tasse: Warum Sie ihn nicht ausdrücken sollten. 16.10.2026.
https://www.oekotest.de/essen-trinken/teebeutel-in-der-tasse-warum-sie-ihn-nicht-ausdruecken-sollten_602052_1.html?utm_source=firefox-newtab-de-de  
[2] Ich hatte früher über diese Form des Teetrinken berichtet [2a]; hier der Text für den Tee, der über Tag verlänergt wurde:
„Ich kenne noch eine andere Art aus Taiwan, unromantisch Tee zu trinken und das sah ich in Büros oder auch auf Baustellen, der Kinokasse und an allen möglichen Orten. Man hatte ein Schraubglas, in dem Teeblätter morgens eingefüllt wurden, dann wurde heißes Wasser aufgefüllt und den ganzen Tag über je nach Bedarf nachgefüllt. Denn mit grünem Tee oder auch mit halbfermentierten Tees wie dem Oolong-Tee (烏龍茶) oder Longjing-Tee (龍井茶) kann man immer wieder Wasser nachschütten, das hat den Vorteil, daß man in der ersten Tageshälfte einen Tee bekommt, der koffeinhaltig ist und in der zweiten Hälfte des Tages ist so ziemlich kein Koffein mehr enthalten. Dafür schmeckt das Wasser aber nicht nur nach Wasser sondern nach Tee.“
[2a] Der unromantische Tee – eine Reminiszenz 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/10/der-unromantische-tee-eine-reminiszenz.html  
[3] Das trifft es auch nicht ganz, denn ich hatte Vollpension.
[4] O.K. es gibt Ausnahmen! Z.B. ostfriesischen Tee, Chai im indischen Kulturraum und meinetwegen auch englischer Tee.

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Saturday, March 7, 2026

Meine Reise nach Sri Lanka 2026 … vor den Details

Bevor ich in meinem Travelogue in Einzelheiten und dann primär auf Englisch über die Reise nach Sri Lanka berichte, möchte ich schon einmal etwas auf meinen Blog stellen. Nämlich, was das für eine Reise war und was der Hintergrund dafür war. Ich bin in den Jahren 1976 bis 1978 insgesamt dreimal in Sri Lanka gewesen und das hatte mir damals wahnsinnig gefallen, aber ich hatte später nicht die Zeit aufbringen können, nochmals dorthin zu reisen. Und jetzt war ausschlaggebend, daß ich auch einen entsprechenden Reiseveranstalter gefunden hatte, denn die Gefahr mit Sri Lanka ist groß, daß  man entweder nur Kultur oder keine Kultur macht und sich dann einfach auf der Tropeninsel ans Meer legt, was natürlich auch schön ist. Ich war schon mit dem Anbieter Wolkenbote auf einer Abenteuerreise durch die Mongolei unterwegs gewesen. Nun wurde eine Reise nach Sri Lanka angeboten. Da habe ich zugesagt und habe es nicht bedauert. Es war eine wunderschöne Reise.  


Der Veranstalter hat den prosaischen Namen „Reisen mit Dr. Elvira Friedrich“, aber die Webseite ist viel interessanter und dort heißt der Veranstalter Wolkenbote. Zum Wolkenboten zitiere ich gerne hier aus der Webseite von Frau Dr. Elvira Friedrich [1], einer Indologin. Es handelt sich um einen Eine-Frau-Betrieb.

Der Name Sri Lanka (Singhalesisch
ශ්‍රී ලංකා, Tamil இ லங்க) hat sich mittlerweile durchgesetzt, obwohl man immer noch vom Ceylontee spricht [2]. Ich erinnere mich gerne an meinen Vater, der gerne aus einem Englisch-Lehrbuch der 1930iger Jahre zitierte: „Tea from Ceylon is the best“. 1972 wurde der Name von Ceylon in Sri Lanka geändert. Die Portugiesen kamen im 16. Jahrhundert nach Sri Lanka und nannten die Insel Ceilao, die nachfolgenden Niederländer machte daraus Ceylon; der Name blieb von 1796 bis 1972. Ich war also in den 1970iger Jahren noch nah am Namen Ceylon. Ich erinnere mich, daß ich damals noch häufig erklären mußte, was nun Sri Lanka für ein Land sei. Übersetzen kann man den Namen Sri Lanka mit „die erhabene Strahlende [Insel]“. Im Jahr 2027 wir es auch eine Reise mit dem Wolkenboten geben [3].

Hier ist erst einmal die grobe Route:
Diefenbach - Köln - FRA - CMB - Negombo - Colombo - Yapuhawu - Wilpattu - Mihintale - Anuradhapura - Polonnaruwa - Sigiriya - Dambulla - Kandy - Ella – Buduruwagala - Tissamahara - Kataragama - Bundala - Rekawa - Galle - CMB - FRA - Köln - Diefenbach 

Mein Bruder Frank meint, daß die Fahrt aus der Eifel nach Frankfurt und dann wieder zurück das große Abenteuer wäre. Ich würde Abenteuer in Unwägbarkeiten ändern. Google KI schreibt: „Die Deutsche Bahn (DB) ist für ihre Unzuverlässigkeit bekannt, insbesondere im Fernverkehr. Viele Züge sind verspätet oder fallen aus, was zu Frustration bei den Reisenden führt. Die Hauptursache für diese Unzuverlässigkeit liegt im maroden und überlasteten Schienennetz sowie in den zahlreichen Baustellen, die zur Sanierung notwendig sind.“ Und ich schrieb einmal über das Gefühl nach einer Reise gestrandet zu sein [4].

Meinen Bruder Lutz nebst Schwägerin hatte ich in Sri Lanka nicht getroffen, wir habe uns nur knapp in Galle (um ein bis zwei Stunden) verfehlt. Allerdings hatte ich die beiden einmal in Frankfurt auf dem Flughafen (Sicherheitsbereich) zufällig getroffen, als sie von einer Reise zurückkehrten und ich gerade meine Reise begann. Von ihnen wird aber nochmals die Rede sein.

Nach einem Vol de nuit, also ziemlich kurze Nacht (!), kamen wir auf dem Flughafen in Sri Lanka an, ich erinnerte mich an den alten Flughafen, auf dem  einem ein Gemisch von Zimt- und Kerosingeruch entgegenschlug. Das war jetzt anders, weil man aus dem Flugzeug direkt in das Abfertigungsgebäude kam. Dann ging es aber auch sofort weiter und zwar nach Negombo, wo wir uns das den Ort, den Fischmarkt und natürlich die Boote ansahen, die für die Gegend von Negombo typisch sind. Danach ging es nach Colombo und durch die Altstadt. Das war sehr schön und das genau das Richtige, damit man den  Jetlag völlig vergißt. Gewohnt haben wir dort im Galle Face Hotel, in dem ein wenig die Atmosphäre der Kolonialzeit überdauert hat. In einem musealen Teil wird an das britische Königshaus erinnert. 

In Yapahuwa besichtigten wir die Felsenfestung – da steigt man ziemlich viele Treppen hoch, aber die Aussieht lohnt sich. Von dort ging es weiter über Becken zu Salzgewinnung zu einem Hotel in der Nähe des Wilpattu Nationalparks, interessant an einer Laguna gelegen. Am nächsten Tag ging es früh los, da man zur Beobachtung von Tieren früh unterwegs sein sollte. Nach Elefanten, Vögeln, Büffeln, Hirschen fuhren wir nach Anuradhapura.

Wir blieben zwei Nächte in Anuradhapura und besichtigten Mihintale, das als „Wiege des Buddhismus“ gilt. Dort besichtigten wir auch die Fundamente eines ayurvedischen Hospitals. 

Über die Besichtigung der 14 m hohen Monumentalstatue des Buddha aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. kamen wir zum Minneriya Nationalpark. Dort liegt auch der antike Minneriya See, erbaut im 3. Jahrhundert n. Chr., wobei das Ekho Lake House direkt am See liegt.





















Weiter nach Polonnaruwa, Jahrhunderte lang Hauptstadt des singhalesischen Reiches, um schließlich vom Dschungel überwuchert zu werden, bis man sie im Jahr 1890 wieder entdeckte.

In Sigiriya hatten wir Kontakt mit dem Massentourismus, denn wie eine Schlange winden sich sie Touristen auf den Felsen. Die Wolkenmädchen dürfen nicht mehr fotografiert werden; ich muss einmal nachschauen, ob ich noch ein altes Dia habe. Von dem Felsen hat man eine schöne aussicht auf die Ebene. Dort ist auch noch Dschungel und ich werde noch über den Touristen berichten, der Warnungen in den Wind schlug und … 

Wir besichtigten auch die Höhlentempel von Dambulla (UNESCO Weltkulturerbe). Die Wände sind über und über bedeckt mit
farbigen Darstellungen des historischen Buddha. Über Aluvihara – hier wurde im ersten vorchristlichen Jahrhundert zum ersten Mal der buddhistische Kanon (Tripitaka / Tipitaka) schriftlich niedergelegt – ging es nach Kandy, wo wir im Queens wohnten. Das Hotel stammt aus dem Jahr 1844 und liegt gegenüber des Zahntempels.

Auf dem weiteren Weg besichtigten wir eine Kautschukplantage und dann natürlich auch eine Teeplantage. Das war für mich besonders wichtig, da ich wieder über Tee schreiben möchte und ich einige Fotos als Illustration gut verwenden kann. Ich hatte teilweise bei meinen alten Teeartikeln auf 40 Jahre alte Bilder zurückgreifen müssen. Dann sind wir in Ella angekommen, wo wir einerseits den Little Adam's Peak bestiegen haben und andererseits uns an der grandiosen Aussicht vom Hotel aus in das Tal erfreut hatten. Wegen der Schäden, die der Zyklon Diwah Anfang Dezember 2025 hinterlassen hatte, war die Bahnstrecke von Nanu Oya nach Ella noch nicht befahrbar, aber die Strecke zwischen Badulla und Ella ist befahrbar; ich empfehle auch diese Richtung. Es war eine bezaubernde Fahrt.

Auf dem weiteren Weg nach Tissamahara besichtigten wir Reisfelder und probierten frische Mango und Curd, das ist ein Sauermilchprodukt aus Büffelmilch (eine Art Joghurt). In Budurawagala besichtigten wir die im 8. und 9. Jahrhundert aus dem Felsen gehauenen Reliefs. In Kataragama standen die Dagoba und eine Zeremonie auf dem Programm. Hierzu werde ich meine alten Unterlagen hervorholen und alte Fotos zum Vergleich einscannen.

Wir besuchten den Yala Nationalpark und am Tag darauf noch den Bundula Nationalpark, in dem besonders Vögel zu beobachten waren, aber auch Elefanten, Warane, Krokodile und Büffel. Danach gab es auch etwas Standleben in Rekawa. Die eine oder andere Schildkröte waren auch zu sehen.


Schließlich näherte sich das Ende der Reise. Wir fuhren über Galle, wo ich Bruder und Schwägerin verpaßt hatte. Eine Mitreisende war auch zeitgleich am Herdergymnasium, aber einige Klassen unter mir. Es war schon ein Zufall, daß auf der Reise eines Hamburger Veranstalter sich zwei Kölner trafen. Und sie hatte, wie ich zu Hause recherchierte, auch noch mit meinem Bruder in einer Jahrgangsstufe Abitur am Herdergymnasium gemacht. Wir fuhren dann über Colombo (Abendessen) weiter zum Bandaranaike Airport und Sri Lankan flog uns über Pakistan und Afghanistan zurück nach Deutschland. Fast alle anderen Linien flogen nicht, denn der Krieg im Iran hatte kurz vor unserer Fahrt nach Colombo begonnen. Wenn man der Flugkarte trauen kann, sind wir im Kaspischen Meer eingetaucht und im Schwarzen Meer wieder aufgetaucht. Aber mein Bruder Lutz und meine Schwägerin sind noch in Sri Lanka, denn sie sind mit Emirates geflogen. Sie haben den Urlaub verlängert und werden über Beijing zurückkehren.

Herzlichen Dank Wolkenbote für eine wunderschöne Reise!




Links und Anmerkungen:
[1] „Wolkenbote:
So nannte der indische Dichter Kalidasa sein lyrisches Werk, das sich außerordentlicher Beliebtheit erfreute. In diesem Gedicht beauftragt ein aus seiner Heimat verbannter Höfling eine Wolke, die mit geballter Kraft gen Norden zieht, seine zurückgebliebene Geliebte zu trösten und zu grüßen. Die Wolke solle über die Städte und Länder fliegen, dabei die Freunde des Traurigen grüßen, der sich doch selbst so gern auf den Weg durch die wunderbaren Landschaften machen möchte.“
https://www.wolkenbote.de/ 
[2] Mehr zu Sri Lanka hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sri_Lanka 
https://en.wikipedia.org/wiki/Sri_Lanka 
Zu den verschiedenen Toponymen ist der englische Artikel besser.
[3] https://www.wolkenbote.de/reisen/sri-lanka-2027/ 
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/07/strandungen.html 


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Tuesday, September 23, 2025

Tee – Fatburner Pu-Erh-Tee, so etwas wie eine Buchbesprechung

 

Da manche Bilder im Buch und Titelseite mit Fächern sind,
 habe ich hier auch zwei drum rum drapiert.



Ich weiß auch nicht, was mich gerade geritten hat, ein altes Buch [1], das zudem noch schlecht ist, so umfangreich zu bearbeiten. Aber hier ist das Ergebnis zu "Fatburner Pu-Erh-Tee" [2]. 

Gewichtsabnahme
Es gibt sechs Stellen, die auf Gewichtsabnahme im Register hinweisen. 
1. "... und auch bei der Gewichtsabnahme wertvolle Dienste leistet."
2. "Die Gewichtsabnahme, die bei regelmäßiger Einnahme zu erzielen ist, ..." 
3. "Starke Gewichtsverluste durch Pu-Erh-Tee" ... Nur: Pu-Erh-Tee alleine kann das nicht bewirken ..." 
4. "Übergewicht wird hier ohne quälende Hungerkuren abgebaut." (Die Rede ist von Qi Gong und Tai Qi Quan [das sollte Herr Wu Li eigenlich wissen - es heißt zwar Qi Gong (
氣功), aber das Qi steht nicht im Begriff Tai Ji Quan (太極拳)] 
5. "Diät und Pu-Erh-Tee" - "Wer dauerhaft und mit Erfolg abnehmen will, muss in aller Regel seine Ernährung umstellen." Also doch Hungerkur?!
6. Fallvorstellungen von Mnschen, die abgenommen haben.

Das ist aber dürftig. Einen Mechanismus, der einen Gewichtsverlust erläutern würde, stellte der Verfasser nicht dar. Der Fatburner kann es nach eigenen Worten nicht bewirken. Bewegung und chinesische Essen (nur eine anders bezeichnete Hungerkur!) werden vorgestellt. Auf S. 90 wird die Idee vermittelt, man könne zwei und mehr Kilogramm Gewicht an Fett in einer Woche verlieren. Das ist dann aber Wasser, Eiweiß und kaum Fett. Wenn es um die Reduktion von Fett aus Fettzellen geht, dann müßte man für 2 kg etwa 2000 kCal pro Tag mehr verbrennen oder die Zufuhr vermindern. Das ist ziemlich schwierig und überdies auch nicht sinnvoll, da man den Körper anregt, den Verbrauch von Kalorien zu vermindern anstatt zu beschleunigen.

Cholesterin senken
Gehen wir das Register für Cholesterin durch, da fand ich sieben Stellen: 
1. Der Cholesterinspiegel wird durch zwei und 20 Jahre alten Pu-Erh-Tee gleichermaßen gesenkt. Keine Quellenangabe. 
2. "Pu-Erh-Tee senkt überdies den Cholesterinspiegel ..." 
3. "Er senkt den Cholestrinspiegel und den Blutdruck." Keine Quellenangabe. 
4. Durch eine beschleunigte Darmpassage bei Mäusen will der Autor eine Senkung des Cholesterinspiegel belegen. Das ist lachhaft und wurde zudem nicht am Menschen belegt. 
5. Hier wird unter Notabene wiederholt, man könne "einen zu hohen Cholesterinspiegel senken". 
6. Ein erhöhter Cholesterinspiegel soll durch 1-2 Tassen Tee aus 15 g Weißdorn, 5 g Pfefferminzblätter und 10 g Pu-Erh-Tee gesenkt werden. Wieviel Wasser? 
7. Auf S. 109 finde ich das Wort Cholesterin nicht, da werden Bezugsquellen und eine Beratungsstelle angegeben. Auch beim Senken von Cholesterin finden sich nur Versprechungen, aber kein Nachweis, ob diese auch eingehalten werden.

Wissenschaftliches
Kommen wir zu wissenschaftlichen Aussagen: 
Die Tabelle 3 führt Eiweiß und Aminosäuren auf und zwar in ungebräuchlichen Bezeichnungen, denn Aminopropionsäure bezeichnen wir gewöhnlich als Alanin und Aminoessigsäure als Glycin. Die Aminoglutarsäure ist Ihnen als Glutaminsäure bzw. als ihr Salz - Glutamat - sicherlich bekannter. Auch wenn die Aussage "Aminosäuren werden im menschlichen Körper für den Aufbau von körpereigenem Eiweiß benötigt" völlig korrekt ist, wundert die Aufführung hier, da die durch Tee aufgenommenen Mengen verschwindend gering sind. 
Die Tabelle 4 scheint einen Umrechnungsfehler zu haben. Aber dessen ungeachtet, kann man mit Tee Polyphenole zu sich nehmen, aber bei Spurenelementen sollte das nicht die vornehmliche Quelle sein. Ich habe eine Studie zu Gewichtsreduktion sowie Cholestin und Fetten gefunden [3], aber sie ist nicht viel Wert. Von 171 Probanden blieben nach Screening nur 59 übrig, die auf Verum und Placebo [30/29] aufgeteilt wurden, dabei blieben am Ende jedoch nur [27/22], wobei die Abnahme der Anzahl nochmals verzerrte. Der BMI bei der Verum Gruppw ist bereits zu Beginn niedriger. Die Parameter Cholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride blieben ohne signifikante Unterschiede. "The weight loss corresponded to a reduction in total body fat at 20 weeks for the PTE group when compared to the placebo group (Figure 3A). This change was not statistically significant between the two groups, but the change was significant within the PTE group (P<0.05)." [4] Reden wir Tacheles -: man wendete einen statistichen Trick an. Die Reduktion nach 20 Wochen betrug auch in der Verum-Gruppe lediglich 0,5 kg/m².

Bilder im Buch
Das Buch ist reich bebildert, gehen wir sie einmal durch: 
01. Titelbild: Ein Ensemble mit einer TeeKanne, den den Aufdruck
壽 trägt (langes Leben) 
02. Gegenüber des Titels im Buch (Frontispiece): Eine chinesische Berglandschaft (Kulissenlandschaft) mit tiefstehender Sonne - sehr romantisch 
03. S. 4 Eine Teepackung, aber kein Pu-Erh-Tee 
04. S. 5 Eine Frau trinkt aus einer unförmigen Tasse (kann auch Kaffee sein) 
05. S. 7 Eine Frau nimmt eine elegante Stellung am abendlichen Strand ein, ob es sich um eine Qi-Gong-Übung handelt, aber das ist egal. 
06. S. 9 Ein Drache, davor eine Packung mit Yünnan Teeblättern (muß nicht Pu-Erh-Tee sein) und einer Tee-Kannen-Tasse und einer kleinen Teeschale sowie einer Untertasse mit Teeblättern. 
07. S 10 Ein Landschaftsbild mit einem Gewässer, Wolken, Wald und Berg 
08. S. 11 Terrassenfelder - doch halt! Es handelt sich um Reisfelder mit strohbedeckten Lehmhütten
09. S. 12 Die chinesischen Zeichen für Pu-Erh-Tee 
10. S. 14 Ein Holzschnitt (?) aus dem Archiv preußischer Kulturbesitz 
11. S. 19 "Beim traditionellen Pferderennen" 
12. S. 20 Eine Teepflückerin 
13. S. 23 Verschiedene Teeverpackungen und Tuocha (
沱茶) 
14. S. 26 Eine Blechbüchse und Tee 
15. S. 32 Berg, Stadt und davor Arbeiter, die Tee verpacken (altes Bild) 
16. S. 36 Ein verliebtes Paar 
17. S. 37 Der "Tee der Kaiser" in Originalschrift /
宫廷普洱茶 (Buch) 宮廷普洱茶 (traditionell), also nicht in Originalschrift, da es sich um Kurzzeichen handelt [5]. 
18. S. 42 Eine junge Frau der nationalen Minderheiten mit einem Lamm 
19. S. 43 Eine Frau in einem Teebad; aber nimmt man dafür nicht eher Eselmilch oder Champagner? 
20. S. 46
八寶茶, also Acht Schätze Tee, hier allerdings in vereinfachten Zeichen abgebildet: 八宝茶 
21. S. 47 Erneut ein verliebtes Paar 
22. S. 48 Ginsengwurzel - die ist koreanisch und hat mit Pu-Erh-Tee erst einmal nichts zu tun 
23. S. 54 Ein Schamane - der hat auch nichts mit Tee zu tun 
24. S. 55 Auberginen - haben nichts mit Tee zu tun 
25. S. 64 Eine weiße Maus in einem Tretrad (darunter steht, allerdings nicht als Bildunterschrift: "Test1: Darmbewegungen" / Ich muß jetzt abschweifen, denn Test 2 beschäftigt sich mit der "Schubkraft des Darms".) 
26. S. 68 Ein Kopf mit vier roten Pyramiden darauf - hier ist die Esoterik voll ausgebrochen und zwar aus einer geschlossenen Anstalt: die Vergrößerung der Aura wird vermessen, ziemlich vermessen! 
27. S. 73 Ein größerer Bildausschnitt von 04. und spiegelverkehrt 
28. Eine Frau mit einer grünen Gesichtsmaske 
29. Ein schlafendes Kind, dem weder Bettnässen noch seelische Probleme anzusehen sind 
30. S. 79 Löwenzahn: Blüten und zwei Pusteblumen, wenn man genau hinschaut sind auch Blätter zu sehen, um die es geht, obwohl - was haben die mit Pu-Erh-Tee zu tun? 
31. S. 87 Eine weißgekleidete Chinesin vor einem orangenen Hintergrund mit eine Bildunterschrift: "Regelmäßige Tai-Qi-Qi-Gong-Übungen ..." / Ist Herr Wu Li wirklich Autor des Buches [6]? 
32. S. 89 Entspricht einer vollständigeren Version von 05. jetzt mit Spiegelung. 
33. S. 90 Eine Schale mit Gemüse und die Stäbchen stecken darin! Das Bild stammt aus einem Archiv, aber kein Ostasiate oder jemand, der kurz da gewesen ist, würde so etwas abdrucken lassen, denn es sieht aus wie die Räucher-Stäbchen im Rahmen der Totenehrung. Herr Wu Li??? 
34. S. 92 Ungekochtes und Zubereitetes mit chinesischen Schälchen und einem Fächer mit chinesischen Zeichen 
35. S. 95 Trockenpilze und Ingwer, frisch und getrocknet 
36. S. 98 "die Suppe ist ein wichtiger Bestandteil" - allerdings ist keine Suppe zu sehen sondern Fleisch mit Soße, rohe Zwiebeln und ein rohes Ei. 
37. S. 102 Geflügel 
38. S. 103 Eine Krabbe / Garnele
39. Bild auf der Umschlagsrückseite: Eine Frau auf einem Fahrrad mit Korb Etwa ein Viertel der Abbildungen kann man sogar dem Thema Tee zuordnen.

Zum Inhalt des Buches 
Was hat man sich da zugelegt? 
2 Seiten Vorwort. 
10 Seiten Herkunft und Geschichte; man erfährt eher wenig über Pu-Erh-Tee. Historische Quellen des Dai-Volkes werden zitiert. „Da wage ich zu zweifeln,“ schrieb ich und ich behielt recht, denn vor 1700 Jahren hieße vor Beginn des Kalenders der Dai-Völker (Plural wohlgemerkt). Eine Verschriftlichung der Sprache begann erst im 14. Jahrhundert. 
12 Seiten Verarbeitung und Sorten; sehr wenig über den Verarbeitungsprozess, aber Instant-Tee und  ein Extrakt in Kapseln mit Apfelessig-Pulver werden beschrieben. 
10 Seiten über die Wirkung des Pu-Erh-Tees. „Altbewährtes Heilmittel“ ist für mich immer Alarmbegriff, denn dann hat man nicht weiter geforscht. Es werden Beispiele gegeben, Hinweise auf Studien, die aber dann nicht als Zitat belegt werden; eine soll in der Pariser Saint Antoine Klinik gelaufen sein [7]. Dann wird darauf hingewiesen, daß Alkohol im Blut gesenkt werden kann. Die beschriebene Reduktion entspricht dem natürlichen Verlauf. 
10 Seiten klassische Anwendungen, also Bäder. Eine „erstaunliche Wirkung“ läßt mich wieder zusammenzucken, denn auch das ist ein schrillender Alarm für ausgeschaltetes Gehirn. Dann beschreibt der Autor den Acht-Schätze-Tee, der dann auch nur noch also ein Achtel Pu-Erh-Tee enthält und zudem noch mit Kandiszucker angereichert wird. 
2 Seiten Chinesische Küchenklassiker -: Eistee und Teeeier [8].
11 Seiten medizinisches Wissen - zur Pflanze wird etwas aus dem „Kleinen Abriss der Physik“ zitiert. Dann ist das auch noch der Teil, wo es man von der Schubkraft des Darms redet. 
2 Seiten geballte Esoterik, also Aura des Tees. 
4 Seiten Notabene -: da wird wiederholt und zusammengefasst. 
10 Seiten Heilrezepte, also noch mehr Esoterik. 
4 Seiten Qi Gong. 
13 Seiten Diät.
4 Seiten Erfahrungsberichte.
1 Seite mit Adressen.

Autorschaft
Wenn ich mir die Bilder ansehe, die offensichtlichen Fehler mit chinesischer Sprache und Kultur sowie die nicht-chinesische Esoterik dazunehme, dann muß ich an der Autorschaft von Herrn Wu Li zweifeln.
Es gibt eine Heilpraktiker-Seite: "Wu Li / Prof. TCM Uni Yunnan" [9]. 
"2008-2011 Honorary Doctorate Degree of University of Herguan Universe" - im Internet ist die Universität nicht zu finden. 
2010 nominiert für den Deutschen Innovationspreis für Medizin in Berlin - im Internet ist dieser Preis nicht gelistet und seine Erfindung soll auch nur nominiert gewesen sein. 
Es gibt einen Facebook-Account, aber der letzte Eintrag erfolgte vor über sechs Jahren [10]. 
Auf dem Buch ist er als Prof. (Univ. Beijing) bezeichnet, auf seiner Heilpraktiker-Seite steht Prof. TCM Uni Yunnan. Wir müssen das nicht verstehen. 

Das Buch hat mich nicht sinnvoll über Pu-Erh-Tee informiert. Ich halte es für völlig überflüssig. Im Wikipedia-Artikel [11] erhalten Sie ein Vielfaches an Informationen. Gut, den gab es damals nicht, aber deshalb wollten Sie doch das Buch kaufen! 



Links und Anmerkungen:
[1] Dr. (Univ. Beijing) Li Wu: Fatburner Pu-Erh-Tee. Cholestrin senken mit dem König der chinesischen Tees. Midena, Müchen 1999. ISBN: 3-310-00626-3.
[2] Ich benutze hier die eher verantete Schreibweise Pu-Erh-Tee anstatt richtigerweise Pu'er-Tee (普洱茶).
[3] Jensen GS, Beaman JL, He Y, Guo Z, Sun H. Reduction of body fat and improved lipid profile associated with daily consumption of a Puer tea extract in a hyperlipidemic population: a randomized placebo-controlled trial. Clin Interv Aging. 2016 Mar 24;11:367-76. doi: 10.2147/CIA.S94881. PMID: 27069360; PMCID: PMC4818050.
[4] Übersetzung: „Der Gewichtsverlust entsprach einer Reduktion des gesamten Körperfetts nach 20 Wochen in der PTE-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe (Abbildung 3A). Diese Veränderung war zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant, innerhalb der PTE-Gruppe war sie jedoch signifikant (P < 0,05).“
[5] Ich mache mich gerade der Korinthenkackerei in sehr ausgeprägter Form schuldig, denn der Unterschied liegt in diesem Fall einem Strich weniger in der Kurzform für insgesamt fünf Zeichen. 
[6] Das erinnert mich an meine Zeit als Arzt auf der Isolierstation, als PJler meinten, meine Unterschrift müßte man Wu Beuli lesen.
[7] Die gibt es sogar und teile stehen unter Denkmalschutz 
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4pital_Saint-Antoine 
Wie soll man aber eine über 20 Jahre alte Studie finden, von der nicht einmal der Titel genannt worden ist?!

[8] Normalerweise würde ich TeeEier schreiben, ganz korrekt wäre Tee'eier, weil man dann den glottal stop markiert hätte, aber Teeeier sieht einfach lustiger aus.
[9] https://www.tcmedprofliwu.com/home/%C3%BCber-wu-li/ 
[10] Chinesische Naturheilpraxis Li Wu Prof. TCM Univ. of Yunnan 
https://www.facebook.com/profile.php?id=100066800913446&sk=photos 

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh

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Monday, September 22, 2025

Heinrich Böll, der Beutel grünen Tees und L-Theanin

 


Ist Heinrich Böll Mit grünem Tee in Verbindung zu bringen? Eigentlich nicht [1]. Aber immerhin ist Heinrich Böll häufig nach Irland gefahren und hat in seinem Irischen Tagebuch schon im ersten Kapitel bei der Ankunft über Tee berichtet. Er beschrieb den Tee als „Nektar Westeuropas in großzügigen Portionen“ [2]. Die Iren hielten damals den Weltrekord im Tee trinken, aber der scheint sich nach Ostfriesland verschoben zu haben und den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch scheint die Türkei zu haben. Zurück zu Heinrich Böll, denn am Ende der Seite  lese ich: „… eine Tasse Tee, so um Mitternacht, wenn man fröstelt im Westwind  steht …“. Also ein Bezug Tee und Heinrich Böll ist herzustellen, aber grüner Tee sicherlich nicht. 

Etwas anderes hat mich aber auf Heinrich Böll gebracht und zwar sein Roman   „Billard um halb zehn“. Das Buch habe ich seit der Schulzeit nicht mehr gelesen, deshalb war ich sehr überrascht, daß ich die entsprechende Stelle auf Anhieb gefunden habe. Andererseits muß ich mich damals sehr mit dem Buch auseinandergesetzt haben, denn immerhin hatte ich am 11.12.1972 einen Brief an Heinrich Böll geschrieben, den er allerdings nicht beantwortet hatte. Ich warte immer noch auf eine Antwort! Es ging um Paprikakäse. Der Protagonist bestellte im Café Kroner ein Frühstück. Die Bestellung endete mit „ein gekochtes Ei und Paprikakäse“. Der Kellner wiederholte: „Paprikakäse?“ Und erhielt als Antwort: „Ja, Rahmkäse mit Paprika angemacht.“ Das hatte man nicht und der Koch ließ fragen, wie viel er denn wolle. Die Antwort hieß: „Fünfundvierzig Gramm Käse, mit einem Fingerhut voll Paprika gut durchgeknetet …“ [3]. Nach zwei Tagen war er der Herr mit dem Paprikakäse - soweit Heinrich Böll. Was hat das nun mit mir zu tun? Auf meiner letzten Reise durch Kanada war ich in einem sehr schönen Hotel. Beim Frühstücksbuffet beziehungsweise am Tisch bat ich um einen Beutel Tee und zwar grünen Tee. Die freundliche Bedienung wollte mir ein Kännchen Tee bringen und ich sagte: „Nein. Nur einen Beutel Tee und trinken möchte ich Kaffee.“ Ich bekam beides und dann zeigte ich der jungen Frau, was ich mit dem Tee machte. Ich streute ihn auf mein Müsli. Das ging dann soweit, daß ich bereits am nächsten Tag und nicht erst später der Mann mit dem Teebeutel war. Und zwar bei einer Bedienung, die ich überhaupt nicht kannte, die vom Vortag war überhaupt nicht da. Das spricht einerseits für das Hotel und andererseits spricht es dafür, daß dieses grünen Tee ins Müsli streuen doch etwas ungewöhnlich ist. 

Haben Sie noch eine Frage? Ja, Sie haben noch eine Frage: Warum um Himmels willen soll man sich grünen Tee ins Müsli streuen? Ja, die Frage kann ich beantworten, aber so richtig wissenschaftlich wird es nicht. 

Ich las in einer zweifelhaften Quelle [4], daß Matcha Tee, das ist der  japanische Tee der pulverisiert ist und der dann mit heißem Wasser durch einen Bambusbesen aufgeschäumt wird, besonders gesund sein soll. In einer verlässlicheren Quelle las ich, daß Matcha besonders viel L-Theanin enthält. Was ist denn der Unterschied von Matcha zum normalen grünen Tee, den wir mit Beutel oder lose aufbrühen? Beim aufgebrühten Tee werfen wir die Blätter weg und nur das, was das Wasser herausgelöst hat, trinken wir. Bei Matcha Tee wird aber der pulverisierte Tee mit getrunken. Ich wußte aber schon früher, daß in Südostasien (Yünnan und im benachbarten Burma) verschiedene indigene Völker Teeblätter auch auf dem Speiseplan haben. Das heißt, so von der Hand zu weisen ist das Essen von Tee nicht. Nun müsste ich noch nachweisen, daß L-Theanin besonders gesundheitsförderlich ist.

Darüber schrieb ich schon einmal [5]:
Was ist L-Theanin? Es handelt sich um eine nicht proteinogene Aminosäure [5a], denn es gibt auch Aminosäuren, aus denen wir keine Eiweiße aufbauen. L-Theanin ist eine der Umami-Komponenten [5b] des Tees. Umami bezeichnet die fünfte Grundgeschmacksrichtung und kommt aus dem Japanischen, wo es die Bedeutung „köstlich“ hat. Die Aminosäure Glutamat bzw. Glutaminsäure ist hauptsächlich für diese Geschmacksempfindung verantwortlich. Wir erinnern uns, daß Glutamat in den asiatischen Küchen eingesetzt wird; es war eine Weile völlig zu unrecht in Verruf gekommen, aber das ist eine weitere Abschweifung. L-Theanin gilt als Nootropikum – ein unscharfer Begriff, der Stoffe bezeichnet, die eine positive Wirkung auf Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten haben oder haben sollen –, denn es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Meine Einschätzung? L-Theanin würde ich nicht als Nahrungsergänzungsmittel oder Zusatz in Getränken zu mir nehmen. Über grünen Tee finde ich es eine gute Idee, denn für den ist der wissenschaftliche Nachweis deutlich robuster.

Im Zusammenhang mit grünem Tee habe noch einmal in die beiden Bücher von Heinrich Böll geschaut. Und das alte Cover von „Billard um halb zehn“, kurz vor dem Abitur, hatte einen grünen Einband, allerdings war da ein Billardtisch gemeint. Oder etwa doch Tee? 


 
Links und Anmerkungen:
[1] Als ob mich das abschrecken könnte!
[2] Heinrich Böll:. Irisches Tagebuch Plus 'Dreizehn Jahre später'. Hrsg. v. Rene Böll. Nachw. v. Jochen Schubert. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007 ISBN: 978-3-462-03797-5. S. 12.
[3] Heinrich Böll: Billard um halb zehn. Roman. Droemer Knaur, München / Zürich 1963/1972. ISBN: 3-426-00008-3. S. 59/60.
[4] Schade, daß ich dabei nicht in irgendeiner Spelunke saß.
[5] Tee und der Inhaltsstoff L-Theanin 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/05/tee-und-der-inhaltsstoff-l-theanin.html Mit Links zu Studien. 
[5a] https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin 
[5b] https://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%83%86%E3%82%A2%E3%83%8B%E3%83%B3  

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Saturday, July 19, 2025

… und ein weiteres Buch über Tee von Louise Cheadle und Nick Kilby


Anläßlich eines Besuches des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln stieß ich auf ein Buch über Tee. Ich blätterte darin und kaufte es. Jetzt habe ich auch gelesen. Es handelt sich um das Buch „TEE“ von Louise Cheadle und Nick Kilby [1]. Gewöhnlich bin ich äußerst kritisch, was Bücher über Tee angeht, und schreibe auch Verrisse [2]. Ich kenne aber auch versöhnlichere Töne [3].

Das Buch von Louise Cheadle und Nick Kilby ist umfassend, was der Untertitel „Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ bereits andeutet. Das Wort „Rezepte“ hätte mich fast vom Kauf abgehalten, aber dazu später mehr. Was ist mir aufgefallen?

Das Buch ist reich und auch angenehm bebildert. Man hat nicht an Lizenzgebühren gespart. Neben den eher technische Bildern von Teeplantagen und TeetrinkerInnen, TeearbeiterInnen oder Teesorten und Teegebäck sind auch Fotos zu sehen, die künstlerischen Ansprüchen genügen, so daß dieses Buch interessant anzuschauen und nicht nur zu lesen ist.

Das Buch wendet sich an Teetrinker, die mehr über Tee erfahren möchten. Es gibt Informationen zu den verschiedenen Teeanbaugebieten, den Sorten, der Verarbeitung, Mengen und vieles mehr. Man kann sich über gesundheitliche Aspekte informieren. Die Autoren beschreiben, wie man Tee richtig aufbrüht und was man in verschiedenen Regionen unterläßt, wenn man Tee trinkt. Die Terminologie zum Tee [„Te(e)rminologie“ - ich liebe Wortspiele!] ist übersichtlich aufgearbeitet.

Die Autoren haben einzelne Teeplantagen besucht. Unter anderem die Plantage „Happy Valley“ in Darjeeling. Diese Plantage hatte auch ich besucht [4]. Vielleicht war es deshalb das interessanteste Interview aus meiner Sicht. Die Plantage liegt auf 2070m Höhe und produziert 40 to Tee im Jahr.

Es werden Informationen zu Teehäusern oder Teegärten gegeben, in denen man Tee genießen kann. Es handelt sich durchgehend um schöne, ästhetische ansprechende Ort mit einem für den Teegenuß entsprechendem Ambiente, aber auch einem entsprechend hohen Preisniveau [5]. Mich interessierte nun, wie verläßlich die Angaben nach 10 Jahren (die englische Originalausgabe erschien 2015) noch sind. Ich habe etwa 50% nachgeschaut und war überrascht, wie valide die Informationen noch sind. Trotzdem sollte man nachschauen und verschiedene Orte sind aktuell eher nicht besuchbar (Sotschi, Moskau, St. Petersburg) oder liegen doch etwas weit weg wie Punta Arenas gegenüber von Feuerland.

Rezepte in Teebüchern sind mir ein Gräuel [6]. Hier finden sich zunächst Rezepte für Hauptgerichte, die aber alle mit Fleisch oder Fisch sind, dafür aber mit Tee zubereitet wurden. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Es finden sich Kuchen, Keks und Kocktails, die teilweise interessant klingen, z.B. ein Sandkuchen mit Matcha oder die Matcha-Kekse mit Schokoglasur, mir aber zu viel Fett und Zucker enthalten. Gemessen an den Rezepten, die ich kennengelernt habe [6], sind diese Rezepte ein Quantensprung.

Kann ich das Buch empfehlen? Ja!



Links und Anmerkungen:
[1] Louise Cheadle und Nick Kilby: TEE: Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr. Prestel Verlag,  München 2017. ISBN: ‎978-3791383163. Originaltitel: ‎The Book of Tea: All Things Tea. 
[2] Hier sind nur zwei als Beispiel, denn mein Blog hat über 60 Blogposts zu Tee, also sind dort noch mehr zu finden.
[2a] Ein Buch zu der Kunst, Tee richtig zu genießen 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/ein-buch-zu-der-kunst-tee-richtig-zu.html 
[2b] Das große Teebuch aus dem Lingen-Verlag 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-groe-teebuch-aus-dem-lingen-verlag.html 
[3] Hier fließt also kein Blut:
[3a] 100 Jahre Tee – eine Buchbesprechung 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/07/100-jahre-tee-eine-buchbesprechung.html 
[3b] „Eine Einladung zum Tee“ - ein Tee-Buch von Mariko Takagi 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/09/eine-einladung-zum-tee-ein-tee-buch-von.html 
[4] Happy Valley Teeplantage in Darjeeling 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/04/happy-valley-teeplantage-in-darjeeling.html 
[5] „Afternoon Tea at the Shard“ - „from £70 per person“ https://aquashard.co.uk/  
[6] Teerezepte in Teebüchern 
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teerezepte-in-teebuchern.html 


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Wednesday, July 16, 2025

100 Jahre Tee – eine Buchbesprechung

 


Ich habe gerade ein Buch mit dem Titel 100 Jahre Tee von Robert Scheibler [1] bekommen. Und obwohl es vor fast 55 Jahren herausgekommen ist, möchte ich es dennoch besprechen. Der Name Scheibler [2] ist hier im Raum über den Tuchhandel in Monschau bekannt, denn Johann Heinrich Scheibler war ein bekannter Samt- und Seidenfabrikant in Krefeld wie auch in Monschau [2]. Krefeld als Seidenstadt lag direkt bei meinem Arbeitsplatz in Meerbusch. Der Sohn von Herrn Johann Heinrich Scheibler, Johann Friedrich Scheibler [3], hatte durch den beruflichen Kontakt nach China 1834 ein Unternehmen für Teehandel mit Sitz in Hamburg aufgebaut, das auch heute noch existiert [4].  

Das Archiv des Teehauses hat gleich zweimal nennenswerten Schaden erlitten: einmal durch Bombeneinwirkung im 2. Weltkrieg und noch einmal durch den Bau einer U-Bahn; ja, ganz so ähnlich wie in Köln, als das Stadtarchiv durch den Bau einer U-Bahn-Strecke einstürzte, wobei zwei Menschen getötet und überdies wertvolle Dokumente zerstört worden sind. Robert Scheibler konnte allerdings auf einige Bilder zurückgreifen, wodurch das Buch interesant wird.



Das Lesezeichen zeigt eine Besuchskarte. Scheibler wird darauf 西佰樂 (Xi bo le) transskribiert. Xi ist nicht korrekt vom Laut her, das ist ein Laut zwischen ß und ch, den wir so im Deutschen nicht kennen. Aber das Mandarin hat den Sch-Laut und der Pass aus dem Jahr 1923 hat als Transskribierung 帥佰樂 (Shuai bo le), vor dem Namen steht: 福州德商 Deutsches Geschäft in Fuzhou. Der Pass gilt für: Fujian (Fukien) [福建], Guangdong [廣東], Zhejiang [浙江], Jiangxi [江西], Anhui [安徽], Jiangsu (Kiangsu) [江蘇].

Interessant fand ich auch das Taufzeugnis des Vaters von Robert Scheibler (Johann Friedrich Scheibler), der am 17.05.1871 auf der SMS Hertha in Shanghai geboren worden ist. Gestochen scharfe Kurrentschrift! Rechts darunter findet sich ein Bild des Kindes mit seiner Amah [
阿媽], das ist eine ältere Berufsbezeichnung für junge Frauen in Südostoasien, die für die Kinder sorgen; vielleicht aus dem Portugiesischen ama (Amme). Man nimmt an, daß diese Photographie 1873 in London entstanden ist.

Über Tee erfährt man eher wenig auf den 32 Seiten, aber die Bilder lohnen sich wirklich. 




Links und Anmerkungen:
[1] Robert Scheibler: 100 Jahre Tee. West-östliches Bilderbuch zum 75jährigen Bestehen Firma J. Fr. Scheibler & Co. Hamburg [1971]. Das Buch wurde bei Booklooker angeboten.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibler_(Unternehmerfamilie)  
[3] „Johann Heinrich Scheibler (* 11. November 1777 in Monschau; † 20. Januar 1837 in Krefeld) war ein Samt- und Seidenfabrikant in Krefeld.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Scheibler_(Textilfabrikant,_1777) 
[4] J. Fr. Scheibler GmbH & Co.https://www.jfstea.com/de/home.html  
Zur Geschichte des Handelshauses:  https://www.jfstea.com/de/unternehmen/historie.html  

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Thursday, May 22, 2025

Tee und der Inhaltsstoff L-Theanin

 


Warum schreibe ich über L-Theanin? Es kommt von meinem Interesse für Tee und seinen Inhaltsstoffen sowie meinem generellen Interesse an Gesundheitsthemen und den Health Claims bzw. den gesundheitsbezogenen Angaben, zu denen es selbstverständlich eine Verordnung gibt – die überraschenderweise Health Claims-Verordnung genannt wir [1].

Ich habe mir Studien herausgesucht, aber nicht viel Sinnvolles für diesen Blogpost gefunden, obwohl recht aktiv geforscht wird. Diese Studien sind an sich sinnvoll, denn sie bereiten den Weg für ein besseres Verständnis des Inhaltsstoffes und damit auch den gesundheitlichen Aspekten des Tees [2].

Was ist L-Theanin? Es handelt sich um eine nicht proteinogene Aminosäure [3], denn es gibt auch Aminosäuren, aus denen wir keine Eiweiße aufbauen. L-Theanin ist eine der Umami-Komponenten [4] des Tees. Umami bezeichnet die fünfte Grundgeschmacksrichtung und kommt aus dem Japanischen, wo es die Bedeutung „köstlich“ hat. Die Aminosäure Glutamat bzw. Glutaminsäure ist hauptsächlich für diese Geschmacksempfindung verantwortlich. Wir erinnern uns, daß Glutamat in den asiatischen Küchen eingesetzt wird; es war eine Weile völlig zu unrecht in Verruf gekommen, aber das ist eine weitere Abschweifung. L-Theanin gilt als Nootropikum – ein unscharfer Begriff, der Stoffe bezeichnet, die eine positive Wirkung auf Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten haben oder haben sollen –, denn es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
 
Worin ist L-Theanin enthalten? In den Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) sowie weiteren Arten wie Camellia japonica und anderen, aber auch in Imleria badia, dem Maronenröhrling. L-theanin wird in den Wurzeln produziert und in den Blättern gespeichert. Unter Sonnenlicht verwandelt es sich in Catechin bzw. die Catechine, die zu den Flavonolen gehören [5]. Bei der Fermentation bzw. Oxidation wird ein Teil des L-Theanins abgebaut, so daß grüner Tee mehr enthält als schwarzer oder Pu'er Tee [6]. L-Theanin macht in getrockneten Teeblättern 1 bis 2% aus.

Welche Risiken bestehen? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte wegen Blutdrucksenkung, Beeinflussung von Botenstoffen, möglicher sedierender Wirkung und unklaren Interaktionen empfohlen, L-Theanin nicht als isolierten Zusatz in Getränken zuzulassen. Als Nahrungsergänzungsmittel wäre es aber möglich. Bei solche Produkten werden Schwangere und stillende Mütter gewarnt und wer Medikamente einnimmt, soll seinen Arzt befragen. Ich überlege gerade, was man dann als Arzt anderes sagen soll als das Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nicht zu nehmen, denn es gibt schließlich keine verläßlichen Daten für Wechselwirkungen. Für diese NEM wird häufig Suntheanin (Produkt einer japanischen Firma) genutzt, allerdings wird es nicht aus Tee sondern aus Pseudomonas nitroreducens durch Fermentation gewonnen.

Was macht L-Theanin? Wie bereits erwähnt, ähnelt L-Theanin strukturell dem Glutamat, es hat aber eine geringe Affinität zu Glutamatrezeptoren. Man nimmt an, daß es durch die Erhöhung des hemmenden Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) wirkt, der direkter Gegenspieler von Glutamat ist. Es könnte Stress und Angst reduzieren, allerdings ist die Datenlage so schlecht, daß man es nicht als Medikament einsetzen könnte [7]. Man nimmt an, daß es die Abwehrfunktion der Gamma-Delta-T-Zellen stärkt, und es so zu einer besseren Infektabwehr kommen könnte. In einer Studie mit dem Titel (Übersetzung): „Vom Teeblatt zum trendigen Nahrungsergänzungsmittel – wird der Hype um Gehirngesundheit und Entspannung durch die Wissenschaft gerechtfertigt?“ wird Zurückhaltung gefordert, was mögliche gesundheitliche Vorteile angeht, bis dies auch wissenschaftlich nachgewiesen ist [8].
 
Meine Einschätzung?
L-Theanin würde ich nicht als Nahrungsergänzungsmittel oder Zusatz in Getränken zu mir nehmen. Über grünen Tee finde ich es eine gute Idee, denn für den ist der wissenschaftliche Nachweis deutlich robuster.


Links und Anmerkungen:
[1] Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln – die Health Claims-Verordnung
https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/pflichtangaben/naehrwertinformationen-health-claims.htm
[2] Hier einige der Studien für Informationsjunkies:
[2a] Baba Y, Takihara T, Okamura N.: Matcha Does Not Affect Electroencephalography during Sleep but May Enhance Mental Well-Being: A Randomized Placebo-Controlled Clinical Trial. Nutrients. 2024 Aug 31;16(17):2907. doi: 10.3390/nu16172907. PMID: 39275223; PMCID: PMC11397442.
[2b] Karunaratne UW, Dassanayake TL.: Effect of L-theanine on selective attention in a traffic-related reaction task in sleep-deprived young adults: a double-blind placebo-controlled, crossover study. Nutr Neurosci. 2025 Apr;28(4):471-480. doi: 10.1080/1028415X.2024.2383080. Epub 2024 Jul 25. PMID: 39052627.
[2c] Crystal F. Haskell, David O. Kennedy, Anthea L. Milne, Keith A. Wesnes, Andrew B. Scholey: The effects of l-theanine, caffeine and their combination on cognition and mood. Biological Psychology, Volume 77, Issue 2, 2008, Pages 113-122, ISSN 0301-0511, https://doi.org/10.1016/j.biopsycho.2007.09.008 oder https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301051107001573  
[2d] Liang Zhang, Zheng-Zhu Zhang, Ya-Ning Lu, Jing-Song Zhang, Victor R. Preedy: L-Theanine from Green Tea: Transport and Effects on Health. In: Victor R. Preedy (ed.): Tea in Health and Disease Prevention. Elsevier Inc. 2013. ISBN: 978-0-12-384937-3. P. 425-435.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin
[4] https://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%83%86%E3%82%A2%E3%83%8B%E3%83%B3  
[5] Dazu gibt es: Inhaltsstoffe im Tee – ein Überblick.
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/inhaltsstoffe-im-tee-ein-uberblick.html
[6] Unser schwarzer Tee entsteht durch eine Oxidation. Der Pu'er Tee (普洱茶)  [6a] reift unter Zugabe von Schimmelpilzen und Hefen, wird in Formen gepresst und für einige Sekunden gedämpft und schließlich noch bis zu Jahrzehnten abgelagert.
[6a] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/ein-versuch-zur-klassifizierung-von.html  
[6b] Hier stehen weitere Informationen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/puer-tee-und-das-buch-zum-tee-von.html  
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Theanine
[8] Dashwood R, Visioli F. l-theanine: From tea leaf to trending supplement - does the science match the hype for brain health and relaxation? Nutr Res. 2025 Feb;134:39-48. doi: 10.1016/j.nutres.2024.12.008. Epub 2025 Jan 2. PMID: 39854799.

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Friday, February 21, 2025

Teewasser und Sauerstoffgehalt

 


Ich habe wieder einmal ein für mich neues Buch über Tee gefunden, aber darüber will ich jetzt überhaupt nicht berichten. Beim einfachen Durchblättern blieb ich an verschiedenen Stellen hängen, las ein wenig, blätterte weiter und kam an eine Stelle, an der über den Einfluß von Wasser auf den Teegeschmack gesprochen wurde. Man solle abgekochtes Wasser nicht erneut aufkochen und weiter verwenden. Als Begründung wurde genannt, frisches Wasser enthalte mehr Sauerstoff und der wäre verantwortlich, daß guter Tee seine geschmacklichen Qualitäten optimal entfalten könne [1]. Dem möchte ich hier einmal nachgehen.

Ich habe bereits mehrfach über Teewasser geschrieben, einmal mehr über wissenschaftliche und praktische Aspekte [2] und das andere Mal eher über literarische Aspekte [3]; wie zum Beispiel jemand in dem Roman „Der Traum der roten Kammer“ geschmacklich herausfindet, was für ein Wasser benutzt worden ist. Ich hatte mich damals schon mit Aussagen beschäftigt, die über den pH-Wert geschmackliche Unterschiede wahrnehmen wollten.

Dessen ungeachtet kommen wir nun zu einer neuen Aussage, daß der Tee sich geschmacklich verändert, wenn man das Wasser im Wasserkocher oder -kessel nicht nach Benutzung wegkippt, sondern immer wieder benutzt, bis es eben verbraucht ist. Diesen Teil der Aussage kann ich nachvollziehen, man könnte ein ästhetisches Problem als Hintergrund annehmen, allerdings wird die Aussage von den Autoren so ergänzt, daß der Sauerstoffgehalt dafür verantwortlich ist.

Bei längerem Stehenlassen des Wassers im Wasserkocher oder -kessel beziehungsweise dem mehrfachen Aufkochen, können sich aus dem Edelstahl zum Beispiel Nickel oder andere toxische Substanzen lösen [4], was z.B. bei entsprechenden Personen zu allergischen Reaktionen führen kann. Ich hatte mir kürzlich einen neuen Wasserkocher gekauft und trotz mehrfachem Abkochen von Wasser, Auswaschen mit Geschirrspülmittel und nochmaligem Abkochen blieb ein Beigeschmack des Wassers, so daß ich es bei meinem alten Wasserkocher belassen habe.

Eine weitere Überlegung in diesem Zusammenhang ist, daß sich Keime vermehren könnten. Also in abgekochtem Wasser sollen sich Keime vermehren? Eher nicht. Und wenn, würden sie beim nächsten abkochen abgetötet. Aber wir sind bereits so weit, daß wir das nicht tun wollen, sondern das Wasser, das nicht sofort gebraucht wird, wegschütten.

Wie ist es nun mit dem Sauerstoff? Der Sauerstoffgehalt von Wasser ist natürlich temperaturabhängig und liegt bei 0° C  bei 14,6 mg/l und sinkt bei 20° C auf 9,1 mg/l [5]. Bei kochendem Wasser sind noch etwa 3 mg/l vorhanden. Bei der geringen Menge kann ich mir kaum vorstellen, daß der Sauerstoff überhaupt einen Einfluß auf den Teegeschmack haben kann, und andererseits, daß sich mehrere Aufbrühvorgänge in nennenswerten Änderungen des Geschmacks über den Sauerstoffgehalt erklären ließen [6]. Sprechen wir einmal über Mengen. In einem Liter Wasser sind 3 mg Sauerstoff oder noch weniger enthalten. Ein Liter Luft entält jedoch 300 mg Sauerstoff. Die Oxidierung ist bei fast allen Teesorten abgeschlossen. Allerdings kann man beim aufgebrühten Tee noch eine Oxidation im Laufe der Zeit feststellen. Man kann folgendes Experiment machen: einen Rest von grünem Tee über Nacht stehen lassen und mit frisch gebrühtem Tee am nächsten Tag vergleichen. Dann kann man sehen, daß er sich farblich ändert. Es passiert, was bei der Herstellung von Schwarztee genutzt wird, denn dabei werden Catechine oxidiert und Flavonole in Bisflavonole umgesetzt. Aber bis das geschehen ist, hat man den Tee schon getrunken.

Zusammenfassend ist der Hinweis, nur sauberes und zusatzfreies Teewasser zu benutzen, dieses nur einmal zu verwenden und nicht Wasser aus Wasserkocher oder -kessel erneut aufzukochen, völlig korrekt. Aber das mit dem Sauerstoff stimmt so nicht.


Links und Anmerkungen:
[1] Louise Cheadle und Nick Kilby: TEE: Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr. Prestel Verlag, München London New York 2017. ISBN: ‎978-3791383163. S.148.
[2] Tee und das richtige Wasser
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/tee-und-das-richtige-wasser.html
[3]Teewasser im Roman Der Traum der roten Kammer
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teewasser-im-roman-der-traum-der-roten.html
[4] https://www.geo.de/wissen/15676-rtkl-endlich-verstehen-darum-soll-man-wasser-im-wasserkocher-nicht-zweimal-aufkochen
[5] https://www.wasser.sachsen.de/sauerstoffgehalt-19950.html
[6] Hier sind noch Ausführungen dazu: https://www.reddit.com/r/askscience/comments/12lz2q/about_boiling_away_oxygen_from_water_when_boiling/?tl=de&rdt=61375

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