Showing posts with label FreitagsGedichte. Show all posts
Showing posts with label FreitagsGedichte. Show all posts

Friday, September 4, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 04.09.2026


Hier ist das Löchlein Loch wie rot
Der Schlüssel hängt in seinem Sack
Es flattert flattert wieder
Feuerlein spielt Ringelreihn
Fritz Pratz [1]


Schatten
    unsere Schatten 
Trafen 
Sich 
In 
Der 
MittagsSonne
Während wir 
    Uns 
Verpaßt haben 

HalbSchatten
    sie sprachen 
MitEinander 
Im 
HalbSchatten 
Dein 
Schatten 
Und 
Mein 
Schatten 
Aber 
Sie flüsterten 
    Doch 
Sehr leise 

Kratzen 
    ich hör' 
Ein 
Kratzen 
Und 
Denke
Es 
Sei 
Der 
Mond 
Am 
Fels
Doch 
Der 
Liegt sanft
    In 
Prallen Wolken

VerWeilen 
Laß mich ein Weilchen noch 
An diesem Ort verWeilen 
Treib mich nicht fort
Aus diesem SehnsuchtsTal
Und zum Moment sag doch 
Daß er verWeilen möge 
Für dich wie auch für mich 
Für's ErdenRund erst recht 

ZurückKehren
    immer wieder 
Kehren 
Wir 
Zurück 
Nach 
Haus 
Zu 
GeDanken 
ErInnerungen
Und auch 
    Gott 
Zu dir 

AbreißKalender
    achtLos werfen 
Wir 
Die 
Tage 
Fort 
Vom 
AbreißKalender
Und 
Das 
Ist 
Nicht 
Völlig 
Falsch 
Wenn 
Wir 
Alle 
Sammelten
So 
Wäre ihre 
    Last 
Zu groß 

TrostWald 
    im herbst-
Lichen 
Dunkeln 
Heult 
Der 
Wind 
Durch 
Den 
TrostWald 
Und 
RegenTropfen 
Mischen 
Sich mit 
    Tränen
So tröstlich 

Glanz 
    die Sonne 
Ist 
Schon 
Hinterm 
Horizont
Aber 
Du 
Wirst 
Eins 
Mit 
Ihrem 
Goldenen Glanz
    In 
Der TürÖffnung

Troll 
    manchMal 
Fühle 
Ich 
Mich 
Wie 
Ein 
Troll
Der
Im 
SonnenLicht zum 
    Fels 
ErStarrt ist

Rose
    der Duft 
Der 
Rose 
Steht 
Noch 
In 
Der 
Gruft
Und 
Du 
Küßt 
Einen kalten 
    Mund 
So inBrünstig 

Tomaten 
    so reifen 
Tomaten 
Im 
SpätSommer 
Schnell
Damit 
Nicht der 
    Herbst 
Sie bekommt 

Pflaumen
    die ersten 
Pflaumen 
Sind 
Reif
Zum fortWerfen 
    InKlusive 
Ihrer Würmer

Schwester Almuth 
    während das 
Telefonats 
Kam 
Schwester 
Almuth 
Polternd 
Bei 
Meinem 
Freund 
Ins 
Haus 
Und 
Ich 
Hörte 
Jede Zigarette 
    In ihrem 
Heiseren Rufen 

ZwischenMenschlich 
    gerne lesen 
Wir 
Zwischen 
Den 
Zeilen 
Und 
Setzen 
Uns dann 
    Zwischen 
Die Stühle  




Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Fritz Pratz [1a]: Gebt acht, die Blesse grast sich übern Rain. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 9. Jahrgang 1962. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 120. 
[1a] Fritz Pratz (1927-2014) war ein deutscher Erzähler, Lyriker, Essayist, Hörspielautor und Gymnasiallehrer.
U.a.: https://geheli.de/autoren/pratz-fritz.html und https://www.vrm-trauer.de/traueranzeige/fritz-pratz (kein Wikipedia-Eintrag)
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk  

.
 


Friday, August 28, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 28.08.2026

 


ER HEBT EINEN STEIN AUF:
der Stein verbreitet Schweigen
der Einschlag peitscht die Gleichmut der Luft.
Manfred Peter Hein [1]



Der Silver Surfer [2]
Es ist der Silver Surfer 
Der durch die SternenWelt surft 
Es sind die Echos des Urknalls
Auf denen er sich bewegt 

Krüge
Die Krüge sind zerBrochen 
Wurden auf den Müll geWorfen
Die Krüge waren zu nichts mehr nutze
Denn niemand ging noch zum Brunnen
Nun schütten Sie die Brunnen zu
Dann aber kommen wieder Kriege 
Und Krüge werden geBraucht

In den kalten Ebenen 
Zu der Zeit
Da sich die zerMalmten 
FelsBrocken der Berge
In den weiten Ebenen 
Wieder fanden und froren 
FestFroren 
Und nicht wieder losKamen
Die Reise unterBrachen 
In den Ebenen
Die für Äonen Wüsten blieben 
Dann wieder prasselte Regen auf sie
Da barst Fels um Fels 
Alle gaben ihre Geheimnisse preis
So lange gewartet 
Und niemand hörte es mehr 
Zu lange gewartet  

FegeFeuer
Feuer ∙ Feuer
Brenn 
Scheit um Scheit 
Brenn ∙ brenn
Feuer brenn
FegeFeuer
Feuer feg' hinWeg
Bis nur Wahrheit 
Übrig bleibt 

Samen 
    die Sonnen-
Samen 
Fliegen 
Im 
Warmen 
Wind 
Wissen 
Wichts 
Wom 
Winter 
Und 
Später 
Erinnern sie 
    Sich 
Nicht mehr 

Treiben
    die trüben 
Wolken 
Treiben 
Schneller
Vorm 
Blauen 
Himmel
Als 
Die 
Zeiger 
Der 
Uhr 
Sich 
Drehen -:
Oder ist 
    Es 
Das Warten? 

MahnWache 
    es gibt 
Nicht 
An 
Jeder 
Ecke 
Eine 
MahnWache
Aber so 
    Müßte 
Es sein 

[Hier.]
    hier war 
[Eben noch] 
Wer 
Weiß
Ein 
LuftZug 
Regen 
Das 
Grün
{Gebell}
[Ein Hund vorüberGeführt] 
ImmerHin 
Echos 
Zwischen 
Den Klängen 
    Von 
Pink Floyd {Pinky}

EisenBahn 
Wir denken an die EisenBahn
Den fauchenden Koloss
Der sich mit Rauch und Dampf 
In den Bahnhof schiebt 
Auf dem Perron stehen 
Leute mit BahnSteigkarte 
Oder Reisende oder DienstMänner 
Da kreischen die Bremsen auf 
Die Lokomotive steht mit einem Seufzer
Der ZugFührer steigt aus 
DaNach steigen Leute aus 
Feine Herrschaften und Menschen 
In ihren besten AnZiehSachen
Da weinen Mägde 
Da liebKosen sich zwei 
Bis zum Pfiff des ZugFührers
Und der Zug fährt an 
Die Räder drehen durch 
Doch dann fährt er ab

AbGesänge 
    die auf- 
GeKündigten 
AbGesänge 
AbGänge
Dann 
WiederGänge
GeAlterter
SchmonzesSänger
Um 
Nicht 
Auf wunde 
    Ohren
Zu verWeisen 

Relativ 
    da sprach 
Er 
Doch 
Recht 
Wenig 
Von -: 
Dem 
TraumZeitKontinuum
Aber geTräumt 
    Hat 
Er doch 

Tlaloc [3]
    nach der 
Dürre 
ErSchien 
Tlaloc 
Und 
Ließ
Aus 
Der 
VerGilbten 
Erde aufSprießen
    So manches 
Grüne Gras





Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Manfred Peter Hein [1a]: I. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 9. Jahrgang 1962. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 19. 
[1a] Manfred Peter Hein (1931-2025) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Peter_Hein  
[2] Der Sulver Surfer ist eine Comic-Figur der Marvel Comics (Stan Lee). „Der Silver Surfer war ursprünglich ein Zenn-Lavianer namens Norrin Radd, der mit seiner Geliebten Shalla Bal auf dem friedlichen und hochentwickelten Planeten Zenn-La im Deneb-System lebte.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Silver_Surfer 
[3] Tlaloc, auch Tláloc (klassisches Nahuatl) geschrieben, war Regen- bzw. Wettergott im präkolumbischen Mesoamerika.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tlaloc_(Mythologie)  
Ich hätte mich schon eher mit ihm befassen müssen:
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/06/der-regenmacher-von-diefenbach-oder.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/08/der-regenmacher.html  

.
 


Friday, August 21, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 21.08.2026


Die rote Sandsteinbrücke packt
Staubig die andere Seite vom schwärzlichen Tümpel.
Laternen. Das verirrte Mondlicht zackt
Über Sträucher und Wellen und träges Gerümpel.
Jacob van Hoddies [1]



Rauch 
    Rauch wehte 
Vom 
Venn 
Her 
Und 
Den 
Smoke-on-the-water [2] 
Roch man 
    Wie 
Ein LagerFeuer 

BahnHof
    der Bahn-
Hof 
Liegt 
VerLassen 
Kein 
Mensch
Keine 
MenschenSeele 
Der SEV [3]
    Fährt 
AndersWo vorBei

Stein ∙ Bein ∙ MagenPein
Gertrude Stein 
Der Stein der Weisen
Der Stein des Anstoßes 
Der Anstoß 
Schach ohne Würfel 
Schwierig ist's 
Ohne Reis ein Gericht zu kochen
Die Seele kocht
Die Gerichte verTagen sich 
Stein Bein 
Und nun der Magen
Der alles verDauen muß

SeitenSchiffe 
In den SeitenSchiffen 
Werden noch die Gebete erHört 
Die inbrünstig [4] geMurmelt werden
Meist von Frauen 
Von sehr jungen oder sehr alten 

Die Raben von Babel 
    oben auf 
Dem 
Turm 
Von 
Babel 
ErRichteten 
Die 
Raben 
Ihr 
Nest 
Und 
Krächzen 
Heute noch 
    UnVerändert 
Ihre RabenSprache 

Ab hier 
Ab hier nur noch -: AbGrund AbGesang AbSatz
Von hier nur noch -: VorWand VorTrag VorSatz  

Wald
    wie man 
In 
Den 
Wald 
HinEin
Ruft
So 
Schweigt sich 
    Das 
Echo aus 

Toilette 
Wir erFahren allerlei über Gott
Aber geht er zur Toilette? 
O.K., Schwamm drüber 
Aber gehen nicht wenigstens 
die Engel auf die Toilette [5]? 

FlederMäuse 
Nach und nach 
VerLassen die Fledermäuse 
Das große Dach 
Durch eine winzige Öffnung 
Sie kommen zurück nach der Jagd
Aber ich sehe sie nicht 
In der Dunkelheit

Im Tal 
    im Tal 
Steht 
BodenNebel 
Aber 
Der 
Himmel 
Ist 
Klar 
Dort 
Spiegelt 
Sich
Der Nebel 
    In 
Der MilchStraße 

Ende
            Für Helmut Krausser [6]
    Ente gut
Alles 
Gut 
Schreibt 
Das 
SchwanenKüken
Mit 
Der SchwanzFeder 
    Auf 
Den See

Dürre 
Die Wiesen verGilben
Die Landschaft steht öde 
Wie auf alten Bildern
SepiaFarben 
Da jubeln die Wiesen 
Der Regen kommt 
Und mit ihm ein GeWitter 
Die Dürre aber findet kein VerSteck

AbendEssen 
    da wird 
All-you-can-eat 
In 
Sich 
HineinGeschaufelt 
Zu 
Musik
Die 
Auch 
Im 
Ein-Euro-Laden 
    Laufen 
Könnte -: paßt 

Dunkelheit
    ein glatter 
Schnitt 
In 
Die 
Dunkelheit
Und 
Das 
Jetzt 
Wird 
Von ver-
    Gangen 
AbGetrennt  



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Jacob van Hoddies [1a]: Am Lietzensee. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 389. 
[1a] Woher das e im Namen Hoddies kommt, sei dahingestellt, aber so wurde das Gedicht in Akzente abgedruckt. Dazu noch mit der Widmung: „Meinem Freunde Geord Heym“. 
„Jakob van Hoddis (geboren als Hans Davidsohn 16. Mai 1887 in Berlin; gestorben 1942 vermutlich im Vernichtungslager Sobibor) war ein deutscher Dichter des literarischen Expressionismus. Er ist besonders bekannt für das Gedicht Weltende.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_van_Hoddis 
„Weltende“ ist das erste Gedicht in: Kurt Pinthus: Menschheitsdämmerung: Ein Dokument des Expressionismus. Rowohlt, Reinbek 1996. ISBN: 3-499-45055-0. S. 39. 
[2] Deep Purple - Smoke On the Water 
https://www.youtube.com/watch?v=Q2FzZSBD5LE 
[3] SEV – SchienenErsatzVerkehr, manchmal funktioniert er, manchmal nicht.
[4] In inbrünstig ist brünstig, aber nicht gemeint, deshalb nicht inBrünstig.
[5] Stichwort Angelismus. Ich hörte einmal von einem Seminaristen, der wie die Engel werden wollte und daher auch nicht mehr zur Toilette ging. Da bekam er einen Ileus [DarmVerschluß]. Nach dem Krankenhaus ließ man ihn nicht zurück ins Kloster. Blaise Pascal: „Qui veut faire l’ange, fait la bête.“ [Wer sich als Engel zeigen will, macht sich zum Tier.]
[6] [Narr, wer noch Gedichte schreibt]. In: Helmut Krausser: Strom. Rowohlt, Reinbek 2003. ISBN: 3-498-03512-6, S. 78.  

.




Friday, August 14, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 14.08.2026

 


In grüner Anstalt ein Gelall von Zungen
Vielleicht wird eine Scheune niederbrennen
Abseits im Weiher ungestört ein Kind ertrinken
Rainer Brambach [1]

 

Dunkelheit
    dies ist 
Die 
Dunkelheit
In 
Der 
Sich 
Die 
RunterGebrannten 
KerzenStummel 
VerStecken 
Um 
Nicht 
Für 
Ein
Letztes Mal 
    AnGezündet 
Zu werden 

Pfeil
    wenn der 
Pfeil
In 
Der 
Stille 
Das 
Twännggg 
Der 
Sehne 
Und 
Sein 
Eigenes 
Sirren 
Hört
Dann 
Kann er 
    Das Ziel 
Auch treffen   

PfeilSchnell 
    das Flug-
Zeug 
Fädelt 
PfeilSchnell 
Die 
Kleinen Wolken 
    Auf den 
KondensStreifen 

GeBurt 
    aus einer 
Wolke 
Kommt 
Ein 
FlugZeug 
Mit 
Einem 
Kurzen 
KondensStreifen 
Und 
Entfernt 
Sich
Wie wir 
    Von 
Unseren Müttern 

Am Strand 
    VorHand Rück-
Hand
Die 
Wellen 
Kommen 
Und 
Gehen 
Und 
Spielen mit 
    Den 
Muscheln Tennis 

Netz
    es ist 
Schon 
Richtig
Das 
Internet 
Ist 
Ein 
Netz
Das 
GeWorfen 
Wurde
Um die 
    UnVorsichtigen 
Zu fangen

WollMäuse
    jetzt sind 
Die 
WollMäuse 
Lebendig 
GeWorden 
Und 
Es 
War 
Nicht 
Gott
Der 
Ihnen 
Leben 
EinGehaucht -: 
Es war 
    Einfach 
Meine Faulheit

Wald 
    es dürstet 
Den 
Wald 
Und 
Der 
Bach 
Kann 
Nur 
Noch 
Trocken 
Weinen
Auch 
Mir klebt 
    Spucke 
Im Mund

Sommer 
    oh Pflaumen-
Reiche 
Zeit 
Des 
Süßen 
Sommers 
Sanft 
Schläft 
Sich's 
Unterm 
Baum 
Und 
Früchte 
Reifen 
Zwei 
Oder drei
    Tage 
Sonne noch  
 
Tempel 
Aus dem Schatten des Tempels 
In die brütende Stille des VorPlatzes 
Mit seinen Statuen blicken
Der Blick haftet nicht an 
Ist der letzte Gedanke
Bevor die Stille 
Auch dich erGreift

VerGeblich 
    verGeblich 
Suchst 
Du 
Den 
Himmel 
Ab 
Nach 
Dem 
Vogel
Dessen 
Feder 
Vor dir 
    Zu 
Boden trudelt

MittagsSonne
Unter dem scharfen Licht der MittagSsonne 
Saugt der Boden begierig meinen Schatten auf 
Nun muss ich schnell
Einen Spiegel finden
Um gänzlich … 




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Rainer Brambach [1a]: Zitiert von: Unter Apfelbäumen. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 308. 
[1a] Rainer Brambach (1917-1983) war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Brambach    
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 
.


Friday, August 7, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 07.08.2026

 


diese klonische Erden-
wippe, sie ist schlaf-schwiemlig,
sie ist feist, halbtot, Leerlauf der Rest;
scheitle die Noppe: die Haut
Samuel Beckett [1]


Herz 
    auch wenn 
Dein 
Herz 
Aus 
Carrara 
Marmor 
Ist
Es 
Bleibt ein 
    Herz 
Aus Stein 

LebensLauf 
aus dem tritt -: laufen, laufen 
aus dem tritt -: raufen saufen
im takt im takt 
wie ein takhi [2]
dampfen dampfen, 
mampfen mampfen
kaufen kaufen 
laufen laufen
sinn des lebens 
rinnsal 
laufen spuren 
laufen kuren 
vor mir nach dir 
nach mir vor dir
laufen -: laufen 

Schatten
Die Schatten erstarren 
Im Licht des Vollmondes
Und warten
Bis er von einer Wolke verdeckt wird
Bewegungen -: grau in grau

BahnSteige 
Als wir über die Gleise 
Uns Grüße zuRiefen 
Bis die beiden Züge kamen 
Und wir in verschiedene Richtungen fuhren
Wir sprachen kein Wort 
Von RückKehr 

Regen 
    wir spüren 
Die 
Frische 
Des 
SommerRegens
Auch 
Wenn er 
    Schon 
ÜberMüdet war

Mauer
    wir sehen 
Die 
Schatten 
Auf 
Der 
Mauer
Aber  
Das 
Licht macht 
    Die 
Mauer mürbe 

FreiTag 
    SpinatTag
FreiTag 
Ist
SpinatTag 
Und 
Eier 
Vielleicht 
Auch 
Fisch
Und 
Dabei 
Glauben sie 
    Nicht 
An Gott 

AusflugsLokal 
    unter diesen 
Tischen 
Finden 
Sich 
Keine 
Krümel 
Mehr
Und 
Die 
Kännchen 
Stehen 
UnGewaschen 
Da drinnen
    Bei 
Den Toten 

Lupinen
Ich habe noch Lupinen im Garten
Ganz aus der Mode 
In Neuseeland Stehen noch viele 
In alten Gedichten tauchen sie auf

KirschBaum
    unter dem 
Wilden 
KirschBaum
Wenn 
Die 
Blüten 
Fallen 
Und 
Wenn 
Die
Kirschen 
Fallen 
So dunkelrot
    Dem 
Tod geweiht    





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Samuel Beckett [1a]: Zitiert von: Eva Hesse [1b]: Die Welt des Samuel Beckett. Versuch einer Koordinierung. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 244-266 (245). 
[1a] Samuel Beckett (1906-1989 in Paris) war ein irischer Schriftsteller, der 1969 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Sein bekanntestes Werk ist „Warten auf Godot“. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Beckett  
[1b] Eva Hesse (1936-1970) war eine deutsch-US-amerikanische Künstlerin. Sie gilt als Vertreterin der Prozesskunst. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Hesse_(K%C3%BCnstlerin) 
[2] Das Przewalski-Pferd, auch Takhi (Тахь) oder Tachi genannt, ist die letzte Art von Wildpferd auf der Welt. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Przewalski-Pferd 
https://mn.wikipedia.org/wiki/%D0%A2%D0%B0%D1%85%D1%8C 

.
 

Friday, July 3, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 03.07.2026



Wenn du mir auf der Gitarre
zwei Volksweisen zupfst,
werd' ich die ganze Nacht wachen,
damit niemand deinen Namen auslöscht.
Jorge Luis Borges [1]


Weiße Birken 
Die gedrungenen Birken 
In der Tundra 
Träumen nicht von Größe 
Sie träumen 
Vom SonnenSchein
Der auf ihren Blättern glänzt 
Vom Wind 
Der mit ihren Blättern raschelt 
Vom Regen 
Der von ihren Blättern tropft 
Vom MondSchein 
Der den Schorf weiß bedeckt   

Die HeuWiese

    der Wind 
Wogt 
In 
Der 
HeuWiese 
Fängt 
Sich 
Wieder 
In 
Den
Fichten
Und raschelt 
    Weiter
In den Birken 

Amsterdam 
Du flüsterst am Rande der Gracht 
Ein HausBoot schaukelt
Radler kommen und fahren wieder
Wie das Licht des Tages schwankt 
Wie unsere Körper 
Amstel 
Kopje Koffie
Auch wenn die Nacht kommt 
Ich rufe am Rande der Gracht
Ein Bötchen tuckert vorbei
Die Tauben und die Möwen
Schreien und Gurren
Ein Rad rutscht auf dem KopfSteinPflaster
Und wir stoßen zusammen 
Lachen auf  

Beerdigung 
    sie hatten 
Die 
Taschen 
GeLeert
Denn 
Das 
Letzte 
Kleid 
Hat 
Doch 
Taschen
Nur leer 
    Sollten 
Sie sein

Voll
    Voll, nein
Voller 
Lärm 
Ist 
Der 
Raum
Ich 
Sehe 
Nicht 
Die 
Lärmenden
Aber 
Die 
Lüster 
Den 
Champagner
Und schließlich 
    Auch 
Die Leute 

FriedHof 
    der FriedHof
Mit 
Den 
VerWitterten 
GrabSteinen 
Endlich Friede
Endlich unter sich 
Unten
Endlich unter sich 
Genießen die 
    Toten 
Die Ewigkeit 

Où est la plume de ma tante ?
    das leere 
Vogel-
Haus 
Mit 
Der 
Offenen 
Tür 
Aber 
Selbst 
Die 
Katze 
Rechnet nicht 
    Mit 
Einer RückKehr [2]

Hitze
Mittags ist der Tag einGeschlafen 
Und döst vor sich hin 
Die HeuBallen liegen 
In der brütenden Hitze 
Und warten geDuldig 
Auf ihren Transport 
Im Schatten taucht die Frage auf:
Was brütet so geDuldig?

Farben
Laß dich vom ruhigen Blau des Himmels 
In die Höhe heben
Und sieh das gleißende Licht 
Das aus der Dunkelheit 
In Myriaden von Farben zerFließt 
Jede der BeGinn einer eigenen Welt 
Und jede nur ein MosaikSteinchen 
Siehe und höre die Stimmen am blauen UrGrund  

GeFangen

    in GeDanken 
BeTrittst 
Du 
Die 
Zelle
Die 
Du 
Niemals 
Mehr
Verläßt
Denn 
In 
GeDanken
Sind wir am 
    UnErbittlichsten 
GeFangenen 





Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Jorge Luis Borges [1a]: Kinderlieder V. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 169. Übersetzung von H.L. Davi.
[1a] Jorge Luis Borges (1899-1986) war ein argentinischer Schriftsteller und Bibliothekar. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Luis_Borges 
[2] Als Antwort auf: John Ashbury [2a]: Le livre est sur la table. In: Joachim Sartorius (Hrsg.): Atlas der neuen Poesie. Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg 1995. ISBN: 3498063065. S. 317.
[2a] John Ashbery (1927-2017) war ein US-amerikanischer Dichter und Pulitzer-Preisträger.
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Ashbery 

.
 



Friday, June 26, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 26.06.2026


Mond schmilzt jedes Lächeln ein,
wenn es zur Maske verwandelt
groß über uns nachts
nach Vergänglichkeit schreit.
Peter Jokostra [1]

 
Angewandte Stille 
Der HeuWender scheppert im falben Licht der NachMittagsSonne

Morgen
    so ein 
Morgen
An 
Dem 
Die 
Sonne
Durch 
Die schüttere 
    WolkenDecke 
Wartschelt

Schnee
    ich hinter-
Lasse 
Matschige 
Spuren 
Im 
Schnee -: 
Ja
GroßVater
Der 
Schnee 
Ist 
Auch nicht 
    Mehr 
Wie früher

Wie lange?
    wie lange 
Kannst 
Du 
Das 
Meer 
DurchSchwimmen
Wenn 
Hinter 
Dir 
Das Wasser 
    Kocht -:
Ein Leben lang 

Kalt 
    auf der 
Wiese 
Der 
EisBlumen 
Hält 
Auch 
Der 
Mond 
Kurz 
Inne
Bevor 
Feine Kristalle 
    Aus dem 
Himmel fallen 

Namen 
    wir geben 
Den 
Meeren 
Und 
Dem 
Land 
Namen 
Auch 
Wenn 
Sie 
Nie 
Ein 
Mensch 
GeSehen 
Hat
Du
Aber
Bleibst
Ohne Namen 
    Für 
Alle Ewigkeit

Amsel 
    die Amsel 
Ist 
Ein 
Schwarzes 
Prisma 
Das 
Laute 
Bricht 
In die 
    Farben 
Des RegenBogens 

Liegen
    erst lagen 
Wir 
Vor 
Madagaskar
Dann 
Vor 
Troja
Und 
Nun 
Liegt 
Unser HandTuch
    Auf Malle 
Am Strand 

Weg 
    Wind weht 
Und 
Schatten 
Streifen 
Über 
Den 
Weg 
Schwankend 
Dein 
Gang 
Während der 
    Weg 
Sich aufLöst

Mit dem Finger 
    du malst 
Mit 
Dem 
Finger 
Auf 
Die 
WasserOberfläche 
Denn 
Du malst 
    Für 
Die Ewigkeit 

Lesbos 
    das blendende 
Licht 
Zwischen 
Den 
Weißen 
Häusern 
Und 
Das 
Silber
Auf dem 
    Blau 
Des Meeres 

Schreib 
    schreib Ge-
Dichte 
Bar 
Eines 
Verses 
Mit 
Buntstiften
Füller 
Kugel- 
Und FilzSchreibern 
    Oder 
BleistiftStummeln 

Gebete 
    Die ge-
Stammelten 
Gebete
ManchMal 
An 
Gott 
Den Herrn
Den Vater
Vielleicht 
An
Die Mutter 
Gerichtet 
Bestimmt sind 
    Sie 
Die ehrlichsten  





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Peter Jokostra [1a]: Last der Ewigkeit. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 78.
[1a] Peter Jokostra, eigentlich Heinrich Ernst Knolle, (1912-2007) war ein Schriftsteller und Literaturkritiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Jokostra 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 



Friday, June 19, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 19.06.2026


Auch die entblätterte Rose,
für immer auf blaugewürfeltem Tuch:
Sie duftete niemals.    
Rudolf Hartung [1]

 
NeuMond
    in dieser 
Dunklen 
Nacht 
VerGißt 
Der 
Wald 
Schatten 
Zu 
Werfen 
Und 
Wir schweigen 
    Näher 
ZuSammen geRückt

Flagge 
    sie schwingen 
Die 
Deutsche 
Flagge 
Und 
Gröhlen 
Was 
Nicht 
Mehr 
NationalHymne 
Ist 
Ach ja -: wieder 
    EinMal 
Ist FußBall

Der Mond
    der Mond 
Steigt 
Durch's 
Haus 
Und 
Keine 
Stufe 
Knarzt 
Aber er 
    VerRät 
Sich doch 

Im Bilde 
Gut, daß du mir es sagst
Ich bin in deinem Bild 
Und du bist in meinem Bild 
Dann sind wir ja im Bilde

Fluß & Meer
    der Fluß 
Fließt 
Fort 
Und 
Kehrt 
Nicht 
Wieder
Das 
Meer 
HinGegen 
Geht und 
    Kommt 
Immer wieder 

HinUnter
Tief unten in kühler Gruft
Hängt noch der Lilien Duft 
Und von weit tiefer es ruft 
Du aber hörst es nicht 
Bis daß der Tod dich richt 
Und dann genau dich trifft 
Er nimmt dich bei der Hand 
Hinab in ein fernes Land 
Dein Schritt knirscht auf Sand
Da öffnet sich ein Riß
Aus Licht wird Finsternis 
Was bleibt ist Bitternis  

Lodernd
    so kommt in 
Gestalt 
Der 
Liebe 
Ein 
Lodernd 
Feuer 
Über 
Das 
Land
Aber 
Es 
Brennt
Nur
In den Herzen 
    Und 
Nicht im Wald  

Farben
    mit welcher 
TintenFarbe 
Grün 
Oder 
KönigsBlau 
Schreibe 
Ich nur 
    SchwarzWälder 
KirschTorte?
[Aus der Serie: Probleme, die nicht jeder hat] 

Engel 
    da breiten
Cherubim 
Und 
Seraphim 
Ihre 
Flügel 
Aus 
Im 
LuftLeeren 
Raum 
BeWirkt 
Zwar 
Nichts
Sieht aber 
    EinDeutig 
Besser aus

Wolken 
    die dichten 
Wolken 
Treiben 
Schnell 
Vorbei 
Und 
Sie 
Lassen 
Sich 
Nicht 
AnMerken
Ob 
Sie 
Aus der 
    MilchStraße 
BeFüllt werden 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Rudolf Hartung [1a]: Im Museum. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 12.
[1a] Rudolf Hartung (1914-1985) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Hartung_(Schriftsteller) 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 



Friday, June 12, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 12.06.2026

 


Strengste Verdunklung, befahl er
und knirschte den Mond an,
als jener seinen Befehl
ab und zu nur befolgte.
Alfred Gong [1]

 
Stille
    erst Stille 
Die 
Zweige 
Stehen 
Ruhig 
Kaum 
Ein 
Blatt 
BeWegt 
sich
Dann aber
    Und 
Frage nicht 

TalAbwärts und daRüber
Irgendwo zerBrummt eine Cessna den Himmel 
Dann wieder wird die Stille von einem Segler verSchönt
Das Blau des Himmels mit seinem schartigen Weiß
Kaleidoskop des Grüns von Wiesen und Wäldern
Wolken, die sich 
                       fallen 
                               lassen 
                        Steigen
Um wieder aufZu
Oder sich aufZu
Lösen 
LuftKämpfe der Milane, Habichte, Falken 
Mit Krähen, EichelHähern, Drosseln
Gerade Linien teilen den Himmel auf 

Die Glocke 
    die Glocke 
Hatte 
Der 
Krieg 
GeKriegt
Doch 
Ich
Bin 
Glöckner
Ziehe weiter 
    Fest 
Am Seil

Immer weiter 
    immer weiter 
Kein 
Ort 
An 
Dem 
Ich 
Den 
Staub 
Von 
SchuhWerk 
Und Kleidung 
    Nicht 
AbSchütteln müßte

MondReuse 
Ich habe eine Reuse 
Für des Mondes Licht 
Und immer wieder fange ich 
Ein paar Strahlen für mich
Er freut sich mit mir
Und ich strahle zurück
In den offenen Himmel hinein  

Wellen 
    ich bin 
Verliebt 
In 
Die 
Silbrigen 
Wellen 
Des 
Sees 
In dieser 
    Lauen 
FrühlingsNacht 

Kübel
    um den 
Kübel 
War 
Das 
Gras 
Englisch 
GeSchnitten 
Und 
Die 
Blumen 
Im 
Kübel 
Waren 
ZerZa-u-s-t nach 
    Einer 
DurchTanzten Nacht

Stärke
    das war 
Seine 
Stärke 
Der 
Fluß 
Konnte 
ZuFrieren 
Und 
Später 
Wieder 
Fließen 
Die Steine 
    Aber 
Froren bitterlich

Am Rande 
    am Rande 
Hat 
Die 
Spinne 
Ihr 
Netz 
AusGelegt
Und 
Gerade dort 
    Fängt 
Sie ihre Beute

Asche 
    in dieser 
Urne 
Liegt
Deine 
Asche 
Aber 
Kurz 
ZuVor 
Warst 
Du 
Heller 
Schein 
Auch 
Wenn ihn 
    Niemand 
WahrGenommen hat  





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Alfred Gong  [1a]: Mars. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 562.
[1a] Alfred Gong (1920-1981) war ein rumänisch-US-amerikanischer, deutschsprachiger Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Gong 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

 

Friday, June 5, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 05.06.2026


Löse im Nacken das Band.
Frag nichts.
Im Haus des Gedichts
sind die Riegel intakt.
Fritz Schäfer [1]

 
Blick
Ein Blick von dir 
Durch den Raum geWorfen 
Mag er beDeuten
Was er will 
Durch die Zeit 
GeWorfen
Viel mehr 
Der Kessel pfeift 
Das Wasser im Tee 
Auch im Bach 
Die Bäume mit RegenVorhang 
Keine Worte
aber AnSchmiegungen 
Am Tee geNippt 
Immer wieder 
Am Tee 
Im Tee 
Im Tee liegt Wahrheit
Und die Fotos 
VerGRÖßerungen 
An der Wand 
Das waren wir auch 
Im SonnenSchein   

Sterne
    Sterne sind 
Sonnen 
Und 
Stehen 
Nackt 
Am 
Himmel 
Und 
Wir 
Können 
Nicht 
Mit 
Nackten Augen in 
    Unseren 
Stern blicken

Regen 
    zwischen 
Zwei 
RegenSchauern 
Ein 
Kaffee 
Auf 
Der 
Terrasse
Das 
Gesicht 
Im 
Wind 
Und dann 
    Noch 
Deins dazu 

Frag mich [2]
    frag mich 
NochMal
Ob 
Ich 
Denn 
Der 
Fuchs 
Bin 
Der 
Die 
Gans 
GeStohlen 
Hat 
Und 
Ich 
Werde
Dich 
Mit 
Weißen 
Federn von 
    Meinem 
Plumeau beWerfen 

Kisten 
Da standen noch Kisten 
Mit ErinnerungsStücken 
Von fernen Reisen 
Nur von denen man auch zurückKehrt 
und FotoGrafien 
                       Noch mehr Erinnerungen 
Was machen wir nur 
Mit den Erinnerungen -:
Kisten füllen und unsere Köpfe 

Labyrinth 
    folge mir 
Durch 
Dieses 
Labyrinth 
Der 
Rote 
Faden 
War 
Gerade 
Noch
Da
In 
Der SackGasse 
    Hatte 
Ich ihn noch

Leben 
    das Leben 
Eine 
Kammer
Die 
Mit 
Zeit 
GeFlutet 
Wird 
IrgendWann erTrinkt 
    Man 
Im Gestern 

Der flache Stein 
    der flache 
Stein 
Dreht 
Sich 
Um 
Sich 
Selbst 
Und 
Hüpft 
Über 
Die tranigen 
    Wellen 
Des Sees 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Fritz Schäfer [1a]: Komm! In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 242.
[1a] Über diesen Autor habe ich absolut nichts gefunden, nichts in Akzente und nichts im Internet. Die Drei Gedichte in Akzente (S.240-242) heißen: Male die Rumflasche ab, Weisser Sonntag 1933 und Komm!
[2] Die Entstehung von „Frag mich“ und die Wahl des Ausschnitts von „Komm!“ erfolgten unabhängig von einander. 
[3] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 



Friday, May 29, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 29.05.2026

 


Die Wand ergraut,
das Fenster erblindet,
die Langeweile
hockt auf meinem einzigen Stuhl.
Werner Lutz [1]


Lupinen 
    laß uns 
Von 
Lupinen 
Sprechen
Ihrem 
Schwachen 
Feuer 
In 
Der 
Dämmerung 
Südlich 
Der 
Stadt und 
    Östlich 
Der Berge

Pudel 
    mit einem 
Pudel 
Vor 
Der 
HundeSchule
Sie 
Trägt 
Pumps
Der 
Pudel
Schleifchen 
Und 
Ich 
Warte noch 
    Bis 
Zum HorrorFilm 

SpurWechsel
    Spur-
Wechsel 
Auf 
Dem 
Meer
Die 
Wellen kommen 
    Immer 
Noch vorAn

SchachBrett 
    auf meinem 
SchachBrett 
Schwimmen
Das 
BlauWalPaar
Die 
Quallen
Die 
SeePferdchen
Und 
Der 
Hai 
Und 
WellenSchlag 
    Mißt 
Die Zeit

Dichter
    ihr Dichter 
Schreibt 
HeldenGedichte 
Vom 
Tod 
An 
Der 
Front
Denn 
Die
BeNötigen wir 
    Bald 
Wieder einmal   

Grönland 
Da war dieser Inuit aus Grönland
Der so vortrefflich 
Über Gärten schrieb 
Und mit dem warmen Strom 
Pflanzte er im Süden des eisigen Landes 
KokosPalmen 
DattelPalmen
Später auch Bananen
Grönland, Grünland, grünes Land 
Und der Weizen wiegt sich im Wind 
Wie einst in der Ukraine 

MannschaftsBus
Nach dem Spiel 
Im MannschaftsBus 
Wird gejohlt und geschrien
Gelacht und manchmal geweint
Dann aber füllt sich alles
Hüllt sich alles in Schlaf
Bis auf den Fahrer … hoffentlich

Gedichte 
    auch wenn 
Gedichte 
Auf 
Dem 
Papier 
Enden
So 
Gehen sie 
    Doch 
Immer weiter

Mehr noch 
    laß die 
Wörter 
Wie 
Blut 
Auf's 
Papier 
Tropfen
Um 
Sich 
In 
Einem 
Rinnsal 
Der 
Zeit 
Zu verLaufen
    Und 
Zu trockenen

AutoBahn 
    die Lava
Fließt 
Über 
Die 
AutoBahn 
Und 
Asphalt 
VerDampft teilWeise
    Wie 
Heftige Liebe 

GeZeiten
    die GeZeiten 
Kommen 
Und 
Gehen 
Im 
Kreis
Immer 
Wieder
Aber 
Das 
Leben 
Ist 
Ein 
Strahl
Der kommt
    Bleibt 
Und geht

Traurig 
    der Wind 
An 
Der 
FelsKüste 
Ist 
Nicht 
Traurig
Er 
Ist 
Feucht 
Und 
Kalt
Die 
Kälte 
Zwischen uns 
    Aber 
Ist traurig 

Das Tal 
Still liegt das Tal 
Mit Bach und Wiesen 
Der Wind weht nur 
Um Bäume und Büsche zu bewegen 
Es sind Häher in der Luft
Eines Häher's tué 
Die Mäuse aber sieht man nicht 
Von Mäusen und Menschen sieht man nichts
Gerade eben im Tal
 



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Werner Lutz [1a]: Verschlossen. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 7. Jahrgang 1960. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 201.
[1a] Werner Lutz (1930-2016) war ein Schweizer Dichter, Maler und Grafiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Lutz 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

.
 


Friday, May 22, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 22.05.2026


Wenn die Sehnsucht zu uns zurückkehrt, hat sie
schwer an ihrem Herzen zu tragen
das über und über mit Steinen beladen ist,
Christoph Meckel [1]


Noten
    da geht er 
Nicht 
Ohne 
Stolz 
Und 
Pfeift 
Einige 
Töne 
Als 
Noten 
Aus 
Dem 
Heft 
Fallen
Das 
Er 
Sich
Unter 
Seine linke 
    Achsel 
Geklemmt hat

WiderSpruch 
    man sagt 
Kurz 
Ist 
Das 
Leben 
Und 
Lang 
Der 
Tod
NEIN
Das 
Leben 
Dauert 
Länger
Als 
Der Tod -:
    Auf 
Jeden Fall 

Wolken
Noch lange schnitt sich der Wind 
Die Wolken zurecht 
Die Bäume beugten sich 
Und ich sog ein
Den Duft von Regen, Straße, Staub 
Und der Linde 

HerzensAngst 
Herz, Herz, 
HerzensAngst
Hämmerndes Herz 
Beruhige dich 
Die Glocke der StandUhr 
Schlägt gleichMäßig 
Mäßig 
Langsam 
Lang 
Es rinnt nach unten die Angst
Und fließet fort 
Herz, Herz 

Störche 
Gestern noch sprachen wir 
Über Schwarzstörche
Nicht weißStörche 
Oder schwarze Schwäne 
Und schon gar nicht 
Über GrünStörche

Bier 
    noch mehr 
Bier 
Und 
Die 
GeDanken 
Und 
Der 
Urin 
VerLieren noch 
    Mehr 
Ihre Farbe

Stürme 
    es sind die
Schwarzen 
WinterStürme
Die 
Mit 
Weißem Schnee 
    Die 
Landschaft beDecken

Apokalyptische Reiter 
    die Reiter 
Der 
Apokalypse 
Mögen 
Aus 
Der 
Wüste 
Kommen
Aber 
Dort 
Blieb 
Nichts 
Zu 
Tun 
So reisten 
    Sie 
Zu uns  






Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Christoph Meckel [1a]: Wenn die Sehnsucht zu uns zurückkehrt. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 552-553.
[1a] Christoph Meckel (1935-2020) war ein deutscher Schriftsteller und Grafiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Meckel 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

.