Die rote Sandsteinbrücke packt
Staubig die andere Seite vom schwärzlichen Tümpel.
Laternen. Das verirrte Mondlicht zackt
Über Sträucher und Wellen und träges Gerümpel.
Jacob van Hoddies [1]
Rauch
Rauch wehte
Vom
Venn
Her
Und
Den
Smoke-on-the-water [2]
Roch man
Wie
Ein LagerFeuer
BahnHof
der Bahn-
Hof
Liegt
VerLassen
Kein
Mensch
Keine
MenschenSeele
Der SEV [3]
Fährt
AndersWo vorBei
Stein ∙ Bein ∙ MagenPein
Gertrude Stein
Der Stein der Weisen
Der Stein des Anstoßes
Der Anstoß
Schach ohne Würfel
Schwierig ist's
Ohne Reis ein Gericht zu kochen
Die Seele kocht
Die Gerichte verTagen sich
Stein Bein
Und nun der Magen
Der alles verDauen muß
SeitenSchiffe
In den SeitenSchiffen
Werden noch die Gebete erHört
Die inbrünstig [4] geMurmelt werden
Meist von Frauen
Von sehr jungen oder sehr alten
Die Raben von Babel
oben auf
Dem
Turm
Von
Babel
ErRichteten
Die
Raben
Ihr
Nest
Und
Krächzen
Heute noch
UnVerändert
Ihre RabenSprache
Ab hier
Ab hier nur noch -: AbGrund AbGesang AbSatz
Von hier nur noch -: VorWand VorTrag VorSatz
Wald
wie man
In
Den
Wald
HinEin
Ruft
So
Schweigt sich
Das
Echo aus
Toilette
Wir erFahren allerlei über Gott
Aber geht er zur Toilette?
O.K., Schwamm drüber
Aber gehen nicht wenigstens
die Engel auf die Toilette [5]?
FlederMäuse
Nach und nach
VerLassen die Fledermäuse
Das große Dach
Durch eine winzige Öffnung
Sie kommen zurück nach der Jagd
Aber ich sehe sie nicht
In der Dunkelheit
Im Tal
im Tal
Steht
BodenNebel
Aber
Der
Himmel
Ist
Klar
Dort
Spiegelt
Sich
Der Nebel
In
Der MilchStraße
Ende
Für Helmut Krausser [6]
Ente gut
Alles
Gut
Schreibt
Das
SchwanenKüken
Mit
Der SchwanzFeder
Auf
Den See
Dürre
Die Wiesen verGilben
Die Landschaft steht öde
Wie auf alten Bildern
SepiaFarben
Da jubeln die Wiesen
Der Regen kommt
Und mit ihm ein GeWitter
Die Dürre aber findet kein VerSteck
AbendEssen
da wird
All-you-can-eat
In
Sich
HineinGeschaufelt
Zu
Musik
Die
Auch
Im
Ein-Euro-Laden
Laufen
Könnte -: paßt
Dunkelheit
ein glatter
Schnitt
In
Die
Dunkelheit
Und
Das
Jetzt
Wird
Von ver-
Gangen
AbGetrennt
Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Jacob van Hoddies [1a]: Am Lietzensee. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 8. Jahrgang 1961. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 389.
[1a] Woher das e im Namen Hoddies kommt, sei dahingestellt, aber so wurde das Gedicht in Akzente abgedruckt. Dazu noch mit der Widmung: „Meinem Freunde Geord Heym“.
„Jakob van Hoddis (geboren als Hans Davidsohn 16. Mai 1887 in Berlin; gestorben 1942 vermutlich im Vernichtungslager Sobibor) war ein deutscher Dichter des literarischen Expressionismus. Er ist besonders bekannt für das Gedicht Weltende.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_van_Hoddis
„Weltende“ ist das erste Gedicht in: Kurt Pinthus: Menschheitsdämmerung: Ein Dokument des Expressionismus. Rowohlt, Reinbek 1996. ISBN: 3-499-45055-0. S. 39.
[2] Deep Purple - Smoke On the Water
https://www.youtube.com/watch?v=Q2FzZSBD5LE
[3] SEV – SchienenErsatzVerkehr, manchmal funktioniert er, manchmal nicht.
[4] In inbrünstig ist brünstig, aber nicht gemeint, deshalb nicht inBrünstig.
[5] Stichwort Angelismus. Ich hörte einmal von einem Seminaristen, der wie die Engel werden wollte und daher auch nicht mehr zur Toilette ging. Da bekam er einen Ileus [DarmVerschluß]. Nach dem Krankenhaus ließ man ihn nicht zurück ins Kloster. Blaise Pascal: „Qui veut faire l’ange, fait la bête.“ [Wer sich als Engel zeigen will, macht sich zum Tier.]
[6] [Narr, wer noch Gedichte schreibt]. In: Helmut Krausser: Strom. Rowohlt, Reinbek 2003. ISBN: 3-498-03512-6, S. 78.
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