Friday, September 11, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 11.09.2026

 


Füße vor mir züngeln treppauf.
Als feuriger Busch empfängt
der Bahnsteig.
Die Zugluft trommelt.
Jürgen Eggebrecht [1]


sarg unter gras
sarg auf gras
dann gras auf sarg 
und sand
dann tanz auf sand 
laß den tanz
laß gras wachsen 
über sand und sarg

Hölderlin 
    ich hatte 
Mich 
Auf 
Der 
WendelTreppe 
VerLaufen 
Ach egal
Hölderlin steht 
    Auch 
Im BuchRegal 

Scheibe 
    hinter der 
Scheibe 
Steht 
Der 
Mond 
Laß 
Ihn 
WeiterZiehen 
Er hat 
    SoWieSo 
Einen PlatzVerweis

Gras 
Du sitzt im Gras
Du liegst im Gras
Du gehst auf Gras 
BeZiehungsWeise 
Immer ist es unter dir 
Aber wehe 
Es wachse über dir

SerienMörder 
    der Serien-
Mörder 
Streift 
Wieder 
Durch 
Die 
Stadt 
Der 
Opfer
Doch keines 
    GeFällt 
Ihm heut' 

Labsal 
    du labst 
Dich 
An 
Den 
Gleißenden 
VerLockungen 
Der 
KaufHausAuslagen 
Nur um 
    BeSchämt 
Dich umZuDrehen

Licht 
Schon schreist du wieder nach Licht
Als hinter dem Sommer die Landschaft verWelkt 
Und deine Worte sich nur auf verGilbtes Papier schreiben lassen 
Licht wird die Worte löschen 
Die zu dunkel und schwer auf dem Papier lasten 
Ach ja, schrei doch nach Dunkelheit

Nacht / Dunkel 
    die dunkelste 
Nacht 
Habt 
Ihr 
GeWählt 
Für 
Den 
VerSuch 
Eine 
Kerze 
Zu 
Löschen
Und die 
    Dunkelheit 
Blieb erLeuchtet 

Zeit 
Vom Beginn der Zeit an 
Betet die Zeit einen RosenKranz
Der niemals enden soll 
Die Zeit betet -: Tick Tack 

Kreuze 
    nun werden 
Die 
Kreuze 
Aus 
TropenHolz 
AbGehängt
Wir 
Malen 
Neue 
Mit wasser-
    Farbe 
Auf RecyclingPapier 

Wein 
    wir trinken 
Wein 
Bei 
NeuMond 
GeKeltert 
In 
Den 
Dunklen 
Jahren 
GeLagert 
Und 
Trinken nie 
    Bei 
Hellem SonnenSchein 

betrachtungen 
die höhe aus der tiefe
die tiefe von der höhe
den gipfel vom tal
die menschen vom gipfel 
die ameisen
die spielzeugautos 
und auf dem gipfel 
von unten 
ist niemand zu sehen 

Hallen 
Die SpielHalle hat geSchlossen 
Und auch die TrinkHalle
Die TurnHalle und die BetHalle soWieSo
Aber wir haben ja Handys 

JahresZeitenWechsel 
    der weiche 
Wind 
Des 
Sommers
Wird 
Nun 
Dem 
Harschen 
HerbstWind 
Weichen 
Und 
Regen klatscht 
    Uns 
Ins Gesicht

Klebrig 
Klebrig ist der 
    {flüssige} 
Honig
[RückMeldung -: 
    {nicht erneut erWerben}] 
Für den soviel 
    {bunte} 
Werbung gemacht wurde





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Jürgen Eggebrecht [1a]: Zum Express. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 9. Jahrgang 1962. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 402. 
[1a] Jürgen Eggebrecht (1898-1982) war ein deutscher Schriftsteller und Lektor. Seine Rolle als  OKW-Literaturfunktionär (Kriegsverwaltungsrat des Oberkommandos der Wehrmacht) wurde "noch 2002 zu einem Forschungsdesiderat erklärt." Fun-Fact: er wurde in Sachsen-Anhalt geboren.
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Eggebrecht   
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk  

.
 


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