Sunday, September 19, 2021

#KeinKantinentweet Nr. 64 - Ohne Schwarz

 



Ohne Schwarz

Also ohne Schwarz geht es auch. Im schwarzen Reis war eine Getreidemotte und so mußte ich ihn wegwerfen. Aber ich hatte noch roten Reis, der war völlig in Ordnung. Und der grüne Romanesco ist auch bestens.

Möhren: die Möhren habe ich mit einer Maschine in Streifen geschnitten und dann mariniert (ein Teelöffel Zucker, Reisessig und scharfer Gemüsesaft). Mit  der Marinade in der Mikrowelle erhitzt.

Romanesco: ich habe ihn blanchiert, ca. 10 Minuten.

Roter Reis: Wasser und Reis in den Reiskocher und kochen lassen.

Tofu: Block halbieren (dabei sollen zwei Scheiben herauskommen [1]) und Kokosöl in der Pfanne erhitzen, sehr kleinen Ingwer zugeben, anbraten, zur Seite schieben. Tofu-Scheiben auf einer Seite anbraten. Einige Frühlingszwiebeln zugeben. Hitze reduzieren.

Veganes Drachenblut: ich nenne die Sauce veganes Drachenblut [2]. Für diese Sauce benötigt man Geduld. Vor allen anderen Vorbereitungen einen getrockneten Shiitake sehr klein schneiden und wässern. Ingwer sehr klein hacken. Knoblauch (damit nicht geizen!) sehr klein hacken. Sobald Tofu und  Frühlingszwiebeln fertig und aus der Pfanne sind, Kokosöl und den schon angebratenen Ingwerhack wieder in die Mitte schieben. Wieder erhitzen. Ingwerhack und Salz zugeben und anbraten. Dann Shiitake mit Restwasser zugeben, Hitze reduzieren, köcheln lassen. Die Möhrenmarinade durch ein Sieb geben und zufügen. Jetzt kommt auch der Knoblauch hinzu. Herd ausstellen, aber weiter köcheln lassen. Etwas Tomatenmark hinzugeben und die Pfanne vom Herd nehmen. Gut verrühren und noch ein paar Minuten ziehen lassen.

Garnieren nicht vergessen! Dazu gabe es kein zunftiges Kölsch [3] sondern ein der Pandemie entsprechendes Bier [4].


Wie kommt es nun zu dem Alkoholexzess von einem Bier? Bier enthält Phytoöstrogene wie auch Soja [5]. Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass Genistein, wie auch das chemisch verwandte Daidzein können die Funktion eines Enzyms (Catechol-O-Methyltransferase) so verändern, daß weniger   Estradiol abgebaut wird. Es gibt Hinweise, denen die Forschung nachgeht, daß Isoflavone wie Genistein und Daidzein bei Frauen das Auftreten von  postmenopausalen bösartigen Erkrankungen und Osteoporose vermindern können [6]. Aber es gibt auch Warnungen. Bier z.B. dürfte nicht mit gesundheitlichen Vorteilen beworben werden. Bei Männern könnte sich eine Gynäkomastie (das ist eine Vergrößerung des Brustfettgewebes) herausbilden. Das setzt aber einen hohen Konsum voraus. Die Isoflavone bewirken dann eine Verweiblichung beim Mann. Die Kalorien inklusive Alkohol führen zur Verfettung. Das Fettgewebe wandelt Testosteron mittels eines Enzym (Aromatase) in Östrogen um und verstärkt den Effekt. In normalen Verzehrsmengen wirken die Isoflavone jedoch auch antioxidativ. 

Wo wird am meisten Soja verzehrt? Ja, in China, und das ist das bevölkerungsreichste Land. Dann kann es ja so falsch nicht sein.




Links, Anmerkungen und Literaturangaben:

[1] Meine Hommage an die Flat Earth Society, die „around the globe“ agiert https://twitter.com/masrento/status/1438640699558273025
[2] Die Sauce heißt veganes Drachenblut, weil sie wie das gesamte Gericht vegan ist, und weil sie eine festere Konsistenz als sonstige Saucen hat.
[3] Ich habe auch kleine und große ü / Ü. Zunft weist auf eine Kölsch-Marke, wobei ich eher Gilden Kölsch trinke, das recht nah bei meiner Wohnung in Köln gebraut wird. Wen Kölsch-Marken interessieren: https://www.koelner-brauerei-verband.de/koelsch/koelsch-marken.html Man kann geteilter Meinung sein, wie weit vom Dom entfernt Kölsch gebraut werden darf, aber hier steht mehr: https://www.koelner-brauerei-verband.de/koelsch-konvention.html
[4] Bei Corona nur ein entsprechendes Bier, wie z.B.: Сибирская Корона Классиское – Sibirische Krone klassisch.
[5] Das hatte ich vor langer Zeit gelesen, aber fand keinen Hinweis in Wikipedia; ich halte Wikipedia für ein erstes Nachschlagen nicht aber für den Artikel für eine Fachzeitschrift für ausreichend. Hier mußte ich aber tiefer suchen und fand den Artikel: Lapcík O, Hill M, Hampl R, Wähälä K, Adlercreutz H. Identification of isoflavonoids in beer. Steroids. 1998 Jan;63(1):14-20. doi: 10.1016/s0039-128x(97)00104-9. PMID: 9437790.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9437790/
[6] https://en.wikipedia.org/wiki/Isoflavone
 

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Friday, September 17, 2021

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 17.09.2021

 




颯颯東風細雨來,
芙蓉塘外有輕雷。
無題二首
李商隱
Der Wind rauscht aus Osten mit Nieselregen herbei,
Hinter dem Hibiskus Teich ertönt leichter Donner.
Zweites Gedicht ohne Titel
von Li Shangyin


SpiegelBild
    in der
Pfütze
Im
Schwarzen
Spiegel
GeKräuselt
Waren
Birke
Und
Himmel
So un-
    Endlich
Nah

MorgenNebel
    in der
Ferne
VerSchwimmen
Die
Hügel
Aber
Goldene
Strahlen
Dringen
In den
    Buchen-
Wald

Traum
    im Traum
Kann
Man
Spüren
Wie
Wirklich
Die
Wirklichkeit
Wäre
Wenn sie
    Real
Wäre

Stimmen
    du kannst
Ruhig
ZuGeben
Wenn
Du
Stimmen
Hörst
Denn
In
Der
GummiZelle
    Hören
Wir mit

Allein
    warum ist
Es
So
Schwierig
Allein
Zu
Sein?
Weil immer
    Jemand
Da ist

Mittag
    der Mittag
Ist
Der
Held
Aller
Lügner
Denn
Dann
Haben
Auch sie
Nur
    Einen
Schatten

Mittag
    das GeBälk
Knackt
Unter
Der
Sonne
Und
Die
Spinnen
Ruhen
Aus
Denn
Die Fliegen
    Halten
Siesta

Weiß
    manchMal
Ist
Es
Dem
Papier
Lieber
Weiß
    Zu
Bleiben

Nano
    NanoPartikel
Um
  Na-
No-
  Par-
Ti-
  Kel
Zwischen
Den
Neuronen
Und
Dann
Nur noch
    Partikel-
GeStöber

Pah!
    dieses ver-
Räterische
Zucken
Mit
Der
Schulter
Und
Dann
Doch nicht
    Weiter-
Gehen können

Stille
    so still
Daß
Man
Die
Wolken
Beim
VorÜberZiehen
Hören kann
Und
Den
Mond
Wie
Er
Auf
Seiner
    Rostigen Schiene
Quietscht




Li Shangyin (李商隱) lebte von ca. 813 bis 858 und war der letzte bedeutende Dichter der Tang-Zeit. Er ist mit 24 Gedichten in der Kompilation 300 Gedichte der Tang-Zeit vertreten.

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Tee und das richtige Wasser

 



Als ich über die Teerezepte in deutschen Teebüchern schrieb [1], fielen mir die vielen Hinweise auf das richtige Wasser auf: kein hartes und gechlortes Wasser, nur frisches, reines Leitungswasser nehmen, Wasser nur kurz aufkochen, Wasser sprudelnd über den Tee gießen, Sprudelwasser nehmen (muss das dann auch sprudeln?). Ich erinnerte mich dann an den Roman Der Traum der roten Kammer, in dem z.B. Tee mit „letztjährigem aufgefangenem Regenwasser“ oder „mit Wasser von verschneiten Pflaumenblüten „ im „Tempel der dunklen Gräberweihrauchkringel“, das „unangetastet fünf Jahre tief im Erdboden aufbewahrt“ wurde, aufgebrüht wurde [2]. Ich bin skeptisch, daß man überhaupt viele unterschiede schmecken oder riechen kann, aber ich will dieser Frage nachgehen.

„Dat Wasser vun Kölle is joot“ sangen die Bläck Fööss; das kann ich bestätigen. Aber wie die Römer, hatte ich mir doch häufig Quellwasser aus der Eifel mit nach Köln geholt. Ich hatte meine Spezialquelle, zu der ich bei jeden Besuch mehrfach hin ging und Wasser zurückschleppte. Das war mehr eine Angelegenheit von Sport und Exklusivität. Die Römer bauten eine technologisch imponierende Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Der Quellgrund ist der Grüne Pütz [3], von dem ich 5,5 km entfernt wohne.

Lu Yu (陸羽) schrieb vor etwa 1250 Jahren im Cha Jing (茶經) zum Wasser: 其水,用山水上,江水中,井水下。“Zum Wasser: am besten benutzt man Wasser aus den Bergen, von mittlerer Qualität ist Fußwasser und Brunnenwasser ist von niediger Qaulität.“ Am besten ist aber nicht das Wasser, das fontänenartig oder in Kaskaden spritzt, sondern, das klar die Bachkiesel überfließt. Vielleicht zusammenfassend so: ruhig fließendes Wasser, quellnah geschöpft galt damals als das beste Wasser für Tee.

Nun fand ich diese Weisheit: „Bereits der große Teemeister der Qing-Dynastie Zhang Dafu wusste, dass 'die Qualität einer guten Tasse Tee zu 20 % vom Tee selbst und zu 80 % vom verwendeten Wasser' abhängt - ...“ [4]. Den Teemeister Zhang Dafu der Qing-Dynastie fand ich nur im deutschsprachigen Bereich. Es gibt ein Tee-Lexikon mit 1450 Einträgen, bei denen sich auch Tonmarkierung bei den Pinyin-Einträgen und die korrespondierenden chinesischen Zeichen finden; ich will damit ausdrücken, daß es mit Sachverstand erstellt wurde [5]. Aber gerade bei Zhang Dafu fehlt dies. Es gibt aber einen Zhang Dafu (張大復), der von ca. 1554–1630, also in der Ming-Dynastie, lebte und die Aufzeichnungen aus dem Pflaumen-Blüten-Pavillion (梅花草堂筆談) hinterlassen hat [6]. Er „kommt zu dem Schluss, daß Tee Wasser braucht, um seine Qualität auszudrücken. Gutes Wasser kann einen mittelgroßen Tee auf die nächste Stufe heben, während der gute Tee nur mittelmäßig sein kann, wenn er mit unterdurchschnittlichem Wasser aufgebrüht wird.“ [7]

Was Sauberkeit und Frische angeht, ist dies in der Regel im Leitungswasser gegeben. Unterschiede kann es im Chlorgehalt und im Härtegrad geben. Der Härtegrad wird wahrscheinlich auch von Herstellern von Wasserfiltern bemüht. Aber immerhin gibt es Hinweise, daß an der Härte des Wasser etwas dran sein kann. Weich soll das Wasser schon sein [8], zu weiches Wasser darf es auch nicht sein , also kein destilliertes Wasser oder Regenwasser.

Das Wasser hier in Diefenbach scheint ideal für grünen Tee zu sein, denn es kommt zum größten Teil aus der Oleftalsperre mit einer Gesamthärte von 4,77° dH [9].

Ich bin für ein pragmatisches Vorgehen. Schmeckt einem das Wasser aus der Leitung, warum es dann nicht damit probieren. Welcher Tee liegt mir? Wie hoch sollte die Temperatur beim Teeaufbrühen sein? Vielleicht probiere ich dann doch einmal einen anderen Tee oder ein anderes Wasser. Wichtig ist, daß der Tee schmeckt – und das können viele, verschiedene Sorten sein.


Ich habe zwei Gläser mit Wasser fotografiert, die Gläser miteinander getauscht, nochmals fotografiert und dann die beiden Bilder zusammen geschnitten.
Man kann das Regenwasser gut erkennen.



Links und Anmerkungen:

[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teerezepte-in-teebuchern.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teewasser-im-roman-der-traum-der-roten.html
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/07/zum-grunen-putz-uber-verschlungene-pfade.html
[4] https://teetopf.de/de/info/das-richtige-wasser-fuer-den-perfekten-tee.html bzw. https://www.teekenner.de/magazin/magazin-richtige-teezubereitung-die-wasserhaerte-ist-entscheidend/ (2013)
[5] https://www.chadao.de/?page_id=972
[6] http://archive.globalteahut.org/docs/issues/2019-11.pdf
[7] https://www.zhentea.ca/water-tea-brewing/
[8] https://www.ecowater.de/blog/ideale-wasserqualitaet-fuer-teeliebhaber.php  
[9] https://www.wv-oleftal.de/wp-content/uploads/2021/09/210907-wvo-analyse-oleftal.pdf

PS. Ich bin der Frage nach dem Chlorgehalt noch einmal nachgegangen. Es wird eher bei Bedarf verwendet, um den Keimgehalt zu kontrollieren. Mehr zu Chlor: https://praxistipps.focus.de/chlor-im-trinkwasser-das-sollten-sie-wissen_105242 (12.01.2022)

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Tee und chinesische Bücher über Tee



Ich recherchierte gerade über Tee und benötigte das Cha Jing (茶經). Ich wußte, daß ich eine Version hatte und suchte in Bücherregalen in der Eifel und in Köln. Dann packte ich alle Bücher und Papiere, auf denen sich die Worte oder Zeichen für Tee, Cha, Chai oder fanden, zusammen und brachte sie in die Eifel.

Ich verbrachte den gestrigen Abend damit, in den Büchern zu schmökern; einige sind ganz gut, andere nur wenig besser als die deutschen Tee-Bücher, über die ich schon mehr berichtet habe [1]. Allerdings fehlen in den chinesischen Teebüchern diese merkwürdigen Teerezepte. Dafür ist aber dort die außerhalb von China wenig bekannte chinesische Tee Zeremonie beschrieben. Oder 飲茶 (Kantonesisch: Yum Cha, Mandarin: Yin Cha). Beides auch interessante Themen. Dann habe ich alte Artikel gesichtet, sortiert und auch aussortiert. Und dann habe ich es wirklich gefunden. Der Druck des Cha Jing war so, wie ich ihn in Erinnerung hatte, allerdings hatte ich es nicht in China gekauft, sondern ich hatte in der Universitätsbibliothek von Köln eine Kopie gemacht. Mittlerweile habe ich auch eine chinesische Version als PDF Datei und sogar eine englische Übertragung gefunden, aber das ist ein Extra-Thema.

Und wozu jetzt der ganze Aufwand? Ich wollte über Wasser schreiben [2], denn Wasser soll 80% des Teegeschmacks ausmachen – halte ich für ein Gerücht, aber ist sicherlich etwas Wahres daran, daß man sich mit dem Wasser für den Tee beschäftigen muß. Es interessierte mich, was Lu Yu (陸羽) vor etwa 1250 Jahren über das Teewasser geschrieben hat.

Und in diesen Büchern stehen auch Gedichte, z.B. aus der Tang-Zeit, z.B. von Huang-fu Ran (皇甫冉), von dem nur ein Gedicht in den 300 Gedichten der Tang-Zeit auftaucht, von dem aber z.B. in der Kompilation Gesamtausgabe der Tang-Gedichte von 1705 [3] Hunderte von Gedichten überliefert und per Internet auch zugänglich sind. Ich hatte gestern das Gedicht 送陸鴻漸棲霞寺採茶 (Lu Hongjian verabschieden, der zum Teepflücken beim Qixia-Tempel [aufbricht]). Lu Hongjian (陸鴻漸) ist natürlich Lu Yu (陸羽). Ich frage mich, ob mit 棲霞寺 der Tempel in den Bergen bei Nanjing (南京市) gemeint ist, aber der trug während der Tang-Zeit einen anderen Namen (功德寺).





Links und Anmerkungen:

[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/lu-yu-und-deutsche-teebucher-der.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teewasser-im-roman-der-traum-der-roten.html
[3] 全唐诗 http://www.gzlife.net/guji/quantangshi/770.html In den 300 Gedichten der Tang-Zeit ist das Gedicht 春思 (Frühlingsgedanken) aufgeführt.

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Wednesday, September 15, 2021

Summer Ends Soon – Haiku

 




日暮鄉關何處是?
煙波江上使人愁。
黃鶴樓
崔顥
Beyond the setting sun, where might be my native land?
The mists on the river waves bring me to homesickness.
Yellow Crane Tower
Cui Hao



Inside the drawer
Mummified cockroaches
Crickets sing, though

Quarantine
Thoughts
Still flying

September evening
The campfire still glows
Tender closeness

Old village church
Three votive candles
Sparrows on the roof

Cool morning
Speedy greenfinch
Car studdering, though

Romantic veranda
Cat left a dead mole
I bury my hopes

Wind in the ivy
Then in the valley
Sparrows crossing

Thick clouds
Autumn rain approaching
Yet crickets chirp

Foliage season
Leaves heap
To be shuffled

The spiders
Enter the house
Byebye summer

Shorter days
Cozy fire place
Pumpkin still growing


 

Cui Hao (崔顥) lived from about 704 until 754. About 30 of his poems have survived. Four poem appear in the anthology 300 Poems of the Tang Dynasty. These are the last two lines of the poem Yellow Crane Tower, which was located on the Snake Hill of Wuchang (武昌蛇山), which nowadays is Wuhan (武汉市).

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Tuesday, September 14, 2021

#KeinKantinentweet Nr. 63 - Geht es auch ohne Ampel-Koalition?


Geht es auch ohne Ampel-Koalition?

Heute gehen die Farben der Speisen der Frage nach, ob die Ampel-Koalition nicht notwendig wird. Da der Wahlkampf zuletzt etwas mehr Würze hatte, versuchte ich weniger zu würzen.

Fangen wir bei 11:00 Uhr an, mit den Pfifferlingen.

Pfifferlinge: in sehr wenig Olivenöl mit buntem Pfeffer und Salz gedünstet.

Dann kommen die Blüten der Kapuzinerkresse, die später noch gewürdigt werden.

Darunter liegen Cannelloni mit Djuvec-Reis gefüllt.

Cannelloni: Ich habe kommerziellen Djuvec-Reis genommen – Balkan Art (gibt es anderen Djuvec-Reis?). Ich zitiere: „Zutaten: Trinkwasser, 30% Langkornreis, 8% Paprika, 7% Zwiebeln, 5% Tomatenmark, 3,5 Karotten, 2,5% Gartenerbsen …“. Dieser Djuvec-Reis ist für meine Verhältnisse sehr stark gesalzen, also habe ich sonst weniger Salz benutzt. Die Hälfte der Cannelloni habe ich mit vorgekochtem Giersch überdeckt (sie lagen auf etwas Kokosöl), die andere Hälfte mit vorgekochter Spitzpaprika (sie lagen auf etwas nicht-raffiniertem Palmsöl). Bei 180° C eine halbe Stunde im Ofen, 10 Min. bei geschlossenem, aber abgeschalteten Backofen belassen. Alle 10 Minuten etwa 10-20 ml Wasser auf die Cannelloni geben.

Bei 15:00 Uhr liegen die roten Linsen.

Linsen: Palmöl erhitzen, kleingehackten Ingwer und Knoblauch dazugeben, anbraten, Linsen und Wasser dazugeben. Salzen je nach Geschmack, eher wenig. Zum Schluß noch einen EL Tomatenmark zugeben, da rote Linsen nach dem Kochen sehr hell werden (der Krebs errötet im heißen Wasser, die Linse erbleicht).

Dann kommt bereits der zweite Cannelloni-Teil mit frischer, grüner Petersilie.

So hat es gut mit den Cannelloni geklappt.


Ich hoffe politisch auf grüne und rote Farbtöne. Geht es auch ohne Ampel-Koalition? Ich hoffe: ja!

Den kommerziellen Djuvec-Reis zu nehmen, war zu verlockend, denn es spart Zeit. Aber prinzipiell ist es dann doch nicht so gut wie selbst gemacht. Mir war er zu salzig. Die Dose hat 400 g – da reicht genau für 8 Cannelloni.

Ich war erstaunt, daß ich im Garten nach dem sonst wuchernden Giersch suchen mußte, aber ich fand noch genügend. Ich hatte sehr junge Gierschblätter genommen und die sind deutlich dunkler geworden, aber dafür ist die junge Petersilie hellgrün.

Ich esse sehr gerne Kapuzierkresse und auch die Blüten. Die Pflanze ist reich an Senfölen, wovon das Sulphoraphan (ein Isothiocyanat) interessant ist, denn es ist gegen bestimmte Viren, Bakterien und Hefepilze wirksam [1].  Kapuzierkressen haben eine indirekte antioxidative Wirkung. Außerdem finden sich Lutein und Zeaxanthin, für die eine Wirksamkeit gegen die altersbedingte Makuladegeneration sowie den grünen Star diskutiert wird [2]. Es gibt keine Pflanze die so viel Lutein wie die gelbe Blüte der Kapuzierkresse enthält. Allerdings ist die Verzehrsmenge auch gering. Die gute Nachricht: alle Blattgemüse enthalten viel davon, z.B. Grünkohl, Mangold, Spinat, Löwenzahn usw. - darüber hatte ich auch schon einmal berichtet [3].

Im letzten Jahr wuchs die Kapuzinerkresse nicht richtig, dieses Jahr macht sie sich gut, während andere Pflanzen schwächeln. Seit zwei Monaten habe ich sie täglich im Salat.





Links, Anmerkungen und Literaturangaben:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kapuzinerkressen
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Lutein  
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/dark-green-leafy-vegetables.html

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Monday, September 13, 2021

LYRIK-Taschenkalender 2018 Kalenderwoche 52 13.09.2021

 



Michael Braun und Paul-Henri Campbell haben den LYRIK-Taschenkalender 2018 herausgegeben. Dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne).


52. KW
Paul Fleming: Gedanken über die Zeit


Zeit
    bohre das
StundenGlas
An
Und
Zapfe
Vom
Rieselnden
Strom
Der Zeit
Nur
Für dich
    Sekunde
Um Sekunde

Manche leben in der Zeit und manchen in den anderen Zeiten.

Kann es eine Zeit geben, die nichts mehr aus uns macht?

Keine Zeit haben, alle Zeit der Welt haben, langsam, schnell und ewig.

Da sirrt er daHin, der ZeitPfeil!

Sand
    öffne die
SandUhr
Und
Lasse
Den
Sand
Gleiten
In die
Wellen
Der
Zeit
Die da
    Noch
Kommt

Teilen
    du kannst
Die
Stunden
Teilen
In
Minuten
Und
Sekunden
Aber
Die Zeit
Bleibt
Gleich nur
    Unüber-
SichtLichEr

Punkt, Strecke, Fläche, Raum lassen sich besser begreifen als Zeit oder SchwerKraft.


52. KW
Kommentar: Olga Martynova

Was ist die Zeit? Was ist der AugenBlick? Wie ist die Zeit geTacktet und warum? Wahrscheinlich ist sie auch geTicktet oder gar geDichtet.

Die ist etwas anderes als ZeitEinheiten, um Sekunden oder Äonen zu zählen. Wer hätte je besser gezählt als die Maya?

Zeit -: mal dehnt sie sich, dann zieht sie sich zusammen, kondensiert, geliert.

Eine Beobachtung zur Zeit -: genauer gesagt zur Punktförmigkeit der Zeit. Staub sammelt sich. Die ZeitSpanne von „es geht noch“ endet in einem Punkt, dem „jetzt ist es auch egal“, von dem an das StaubWischen entFällt.



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LYRIK-Taschenkalender 2018 Kalenderwoche 51 13.09.2021

 

 

Michael Braun und Paul-Henri Campbell haben den LYRIK-Taschenkalender 2018 herausgegeben. Dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne).


51. KW
Dara-Maria Cojacaru: Ich bin


Gaza -: das sind nur 360 km², aber so viele Menschen und so viel Elend. Die Walled City von Hongkong (九龙城塞) wird aufgelöst. Darin war es noch enger und einen Zoo gab es nicht. Tiere gab es schon →: zum Verzehr.

Bleiern -: die bleierne Zeit oder ein Hinweis auf blaue Bohnen. Blau wie Blei und Blau wie Tod.
Vielleicht auch -: die Nacht aus Blei.


50. KW
Kommentar: Michael Braun


Die „Natur der Dinge“ ist die „SelbstZerstörugsWut“, was sich auch an russischen Dichern aufzeigen ließe.

Das Leben im Gaza-Streifen muss so elendig sein, daß man sich wundern muss, daß es nicht mehr SelbstMordAttentäter gibt. Das gleicht gilt (galt?) für Moria. Aber die „FeuerZone“ ist nah und fern zugleich. In Israel sterben weniger Menschen durch TerrorAnschkäge als im StraßenVerkehr, was mir einmal ein Israeli im Zug von Sapa nach Hanoi mitteilte.

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Sunday, September 12, 2021

Teewasser im Roman Der Traum der roten Kammer

 



Kürzlich hatte ich das Teewasser im Roman Der Traum der roten Kammer erwähnt [1]. Ich habe mittlerweile die Übersetzung von Franz Kuhn gesucht und gefunden [2], auch die entsprechende Textstelle habe ich wiedergefunden.

Der Traum der roten Kammer wurde im 18. Jahrhundert (Qing-Dynastie) geschrieben und spielt auch zu dieser Zeit in einer Aristokraten-Familie [3]. Die Hauptfiguren sind Jiǎ Bǎoyù (賈寶玉), bei Kuhn Pao Yü, sowie seine beiden Cousinen Lín Dàiyù (林黛玉), bei Kuhn Blaujuwel, und Xuē Bǎochāi (薛寶釵), bei Kuhn Pao Tschai [4]. Der Roman hat etwa 350 Figuren und die Übersetzung von Kuhn hat einen Umfang von fast 800 Seiten, ist aber um ca. 2/3 verkürzt. Wer jetzt mehr wissen will, der sollte sich den Wikipedia-Artikel anschauen [3].

Darin brühte ich heute meinen Tee, mit Wasser aus der Eifel -
und weil es grüner Tee war, nicht kochend!



Die entsprechende Stelle steht im 25. Kapitel [2], ab S. 340 meiner Ausgabe. Die 18jährige, hochgebildete Nonne Miao Yü ist eine Teekennerin und serviert Tee. Auf die Frage, mit welchem Wasser der Tee gekocht wurde, antwortet sie: „Mit letztjährigem aufgefangenem Regenwasser“. Später zieht sie sich mit Pao Tschai und Blaujuwel zurück und bietet ihnen besonderen Tee an. Pao Yü gesellt sich zu den drei Damen und bekommt einen Tee, den er über alle Maßen lobt. „Ist dieser Tee auch mit letztjährigem Regenwasser bereitet? fragt Blaujuwel. Weit gefehlt! „... Das Wasser, mit dem dieser Tee bereitet ist, habe ich vor fünf Jahren, als ich im „Tempel der dunklen Gräberweihrauchkringel“ weilte, aus dem Schnee von verschneiten Pflaumenblüten gewonnen. ... und den Krug unangetastet fünf Jahre tief im Erdboden aufbewahrt. ... Wie kannst du nur annehmen, daß man von gewöhnlichem letztjährigem Regenwasser einen so reinen, feinen Geschmack erzielen kann, wie ihn dieser Tee besitzt?“

Das ist Literatur und spiegelt nicht den allgemeinen Gebrauch, auch nicht zu jener Zeit, wider. Nach den Tee-Weisen des Abendlandes sollte das Wasser frisch, nicht abgestanden und nicht zu kalkhaltig sein, nur kurz aufkochen und sprudelnd über den Tee gegossen werden. Alles Quatsch! Ich werde im nächsten Winter wenigstens den Schnee von meinem knorrigen Pflaumenbaum sammeln und in Flaschen unter der Erde (im Keller) aufbewahren und reifen lassen.

Schnee der auf Pflaumenzweigen liegt - Anfang 2021



Links, Literaturangaben und Anmerkungen:
[1] „In dem chinesischen Roman Der Traum der Roten Kammer (紅樓夢) wird sich über den Geschmack von Tee unterhalten (wahrscheinlich Bao Yü mit seinen Kusinen), der mit Schnee von Pflaumen- oder Kirschzweigen gebrüht wurde.“ https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teerezepte-in-teebuchern.html
[2] Der Traum der roten Kammer. Aus dem Chinesischen übertragen von Franz Kuhn. Insel-Verlag, Leipzig 1948.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Traum_der_Roten_Kammer
[4] Kuhn benutzt die Lautschrift nach dem Chinesisch-deutschen Wörterbuch von Werner Rüdenberg und Hans O.H. Stange. Pinyin gab es zu der Zeit noch nicht.

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Altargesteck am 11.09.2021 – 15. Sonntag nach Trinitatis


 


Der Wochenspruch lautete: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petr 5,7) [1] Der heutige Sonntag steht unter dem Motto der Sorge oder besser der Zusicherung, daß man sich nicht sorgen muss.

Küster sorgen für das Öffnen und Schließen der Kirche, sie stecken die Liedtafeln, zünden die Kerzen an, schalten das Läuten der Glocken ein, kümmern sich um das Altargesteck, den Hof, die Pflanzen, die Sauberkeit und um viele Dinge mehr noch tragen sie Sorge. Unser Küster wurde in diesem Gottesdienst entpflichtet, da er nun eine andere Aufgabe übernommen hat. Wir wünschen ihm alles Gute für den weiteren Lebensweg.

Sorge dich nicht – lebe! Heißt die deutsche Übersetzung des Bestsellers von Dale Carnegie [2]. Aber das gezielte Lösen von Problemen des Lebens ist mit dem heutigen Sonntag nicht gemeint. Das ist zwar auf jeden Fall nützlich, aber uns wird heute ein Vertrauen in Sorglosigkeit nahe gelegt. Daher ist ein Lied, das heute oft gesungen wird: Wer nur den lieben Gott lässt walten [3]. 




Im Predigttext geht es um die Kraft des Glaubens [4]: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.“
Die aktuelle Predigt beschäftigte sich mit dem, was uns gerade beschäftigt, nämlich die Erinnerung an die Terrorattacken am 11. September [5], die sich zum 20. Male jährten. Viele der Opfer sind nicht identifiziert worden und werden es vermutlich auch nicht mehr.

Das Altargesteck hat mit Leid und Sorgen nichts zu tun, es will nur einen Rahmen für den Gottesdienst geben. Es gehört auf den Altar, wie die Bibel, die Kerzen und vor Corona auch Brot und Wein.

Hier hängt sie wieder, die Regenbogenfahne [6]


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).


Links usw.:
[1] https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#989
[2] Das Buch hat in allen Ausgaben eine Auflage von über 50 Mill. Exemplaren und wird immer wieder nachgedruckt.
[3] Evangelischen Gesangbuch Nr. 369. Von Georg Neumark, Mitte des 17. Jahrhunderts.
[4] https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/LUK.17/Lukas-17 Lk 17,5–6
[5] Wer genau hin geschaut hat, konnte es entdecken: 11.09.2021 – 15. Sonntag nach Trinitatis. Da stimmt etwas nicht, es müßte 12.09. heißen, aber dieser Gottesdienst für den 15. Sonntag nach Trinitatis fand bereits am 11.09. abends statt.
[6] https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/regenbogenfahnen-an-unseren-kirchen/

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LYRIK-Taschenkalender 2018 Kalenderwoche 50 11.09.2021

 



Michael Braun und Paul-Henri Campbell haben den LYRIK-Taschenkalender 2018 herausgegeben. Dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne).


50. KW
Safiye Can: Integration


     ab und                 und zu
  Seele   starte        sein.   kommen
der          neu beim Ver-         anzu-
  von     Werfe         such    irgendwo
     alles                  doch

 

Im WDR3 wurde ein Gedicht von Safiye Can verlesen [1].

„wie / viel / Gramm / abwerfen /“ -: „¿Quánto pesa el miedo a ser feliz?“ [2]


50. KW
Kommentar: Paul-Henri Campbell


„Entschuldigung!“ sprach die Tsunami, als das Meer ein wenig schwappte.

„Too, Sing America“ -: ich assoziiere „The Deer Hunter“, als am Ende Eier in die Pfanne gehauen werden und man die Nationalhymne singt.


Anmerkungen:
[1] 14.01.2021: Dichter:innen aus: Safiye Can: Kinder der verlorenen Gesellschaft.  Wallenstein Verlag. ISBN 978-3-8353-3048-1 -: ich finde Doppelpunkte gut!
[2] In: Perdida von La Oreja de Van Gogh



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Saturday, September 11, 2021

LYRIK-Taschenkalender 2018 Kalenderwoche 49 11.09.2021

 




Michael Braun und Paul-Henri Campbell haben den LYRIK-Taschenkalender 2018 herausgegeben. Dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne).


49. KW
Johann Fischart: Trara


Johann Fischart -: in dem Gedicht Trara zeigt sich FischArt, konkrete Poesie, Pop-Op-Art.

Jóhan Fishårt.


49. KW
Kommentar: Tristan Marquardt


Trara -: tadaa!

Laßt uns die Gassen mit Wein und nicht mit Blut rot färben.


P.S. „Komm doch ran, Dschingis-Khan!“ Haus selbstkritischer Kommentar: „Schade um das Kokain.“

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Teerezepte in Teebüchern

 




„Herr Graf, der Tee!“
aus: Bill Bo und seine Bande
Augsburger Puppenkiste


Einige Teebücher hatte ich bereits vorgestellt. Jetzt will ich einmal nachschauen, was für Rezepte in diesen und anderen stehen. Es muss ziemlich schwierig sein, z.B. Schwarztee zu brühen und dann irgendein alkoholisches Getränk hinein zu kippen, sonst gäbe es alle diese Rezepte nicht.

Jörg Zittlau [1] erklärt, wie man grünen Tee lagern soll (S. 26), ob man einen Wasserfilter benutzen soll (S. 28), er äußert sich zum Zubehör, zur „freien Entfaltung des Aromas“ (S. 29), zur „klassischen Zubereitung“ (S. 31), um dann das köstliche und wertvolle Nass („kaufen Sie nicht zu billig“, S. 25) auf Vanilleeis (S. 93) zu gießen. In der Teedose „darf nichts anderes als die einmal für sie ausgesuchte Teesorte gelagert sein“ (S. 26), aber dann werfe ich Zimt und Nelken mit hinein (S. 93). Nebenbei wird auch Oolong-Tee für die Rezepte benutzt (also kein grüner Tee).

Sonja Ruske [2] erklärt uns, daß der Tee vor langer Zeit entdeckt wurde, aber die Art der Zubereitung habe sich nicht wesentlich verändert (S. 36). Man hat früher Teepasten hergestellt und daraus den Tee zubereitet, dann hat man Teeziegel und Pulver benutzt, und später ist man zum Brühen des Blatttees übergegangen. Zunächst hatte man nur grünen Tee, dann Oolong-Tees, und später auch Schwarztees. Eine Seite weiter wird uns erklärt, daß man mit Tee nicht geizen soll, das Wasser soll frisch und nicht abgestanden sein, und nicht zu kalkhaltiges Wasser sollen wir benutzen. Das Wasser soll sprudelnd über den Tee gegossen werden [3]. Und dann machen wir uns einen Tee Sherpa aus: „Heißer schwarzer Tee, Zitrone, Bordeaux-Rotwein, Zucker“ (S. 45). Das Volk der Sherpa [4] ist vor etwa 500 Jahren aus dem Zentral- und Süd-Himalaya nach Nordindien bzw. Nepal gezogen. Die Sherpa sprechen eine eigene Sprache, die aus dem Tibetischen hervorgegangen ist; Tibetisch, das in Lhasa gesprochen wird, und Sherpa sind nicht untereinander verständlich. Und dieses Volk ist Namen gebend für einen Tee, der mit Bordeaux-Rotwein gemischt wird. Muß der jetzt einen Transport auf einem Yak hinter sich haben? Ich hätte eher einen Tee, wie er in Nepal getrunken wird, erwartet, also Schwarztee, der in Milch und Wasser mit Zimt, Kardamom, Nelken etc. aufgekocht wurde (Chai nepali). Halt! Es gibt auch den Englischen Gewürztee mit Zimtrinde, Gewürznelken und abgeriebener Zitronenschale (S. 48). Man muss die Zutaten gut mischen, in ein Schraubglas geben und fünf Tage stehen lassen. „Daraus wie üblich den Tee zubereiten.“ Und weshalb läßt man es fünf Tage stehen?

Marianne Nicolin [5] teilt uns mit, daß wir in dem Gefäß, in dem wir Teewasser aufkochen, auch nur Wasser aufkochen sollten (S. 23). Auch sie meint, daß die Teeblätter „sprudelnd“ übergossen werden müssen. Sprudelnd ist aber verschieden in Wilhelmshafen oder auf der Zugspitze bzw. der Bahnstation auf ca. 2500 m Höhe. Wahrscheinlich haben die Ostfriesen den besseren Tee und die Oberbayern die bessere Siedetemperatur. Und dann hat das Buch über drei Seiten Angaben zu den Wasserhärten des Leitungswassers der verschiedenen Städte (5% des Buchumfangs). Sie ist auch der Meinung, Eistee wäre gut bei Hitze, was nicht stimmt, ich hier aber nicht ausführen möchte. Dann hat sie das Rezept für Pariser Tee (S. 40): 200 g Zucker auf 1 l Wasser! Rum und Weinbrand. Und eine halbe Muskatnuß [6]. Ein Prise könnte ich noch verstehen, aber eine halbe Muskatnuß?!

Inge Ubenauf [7] berichtet über ihre kleine Kupferkanne, die bei anderen Autoren verpönt wäre. Aber auch sie besteht auf frischem, sprudelnden Wasser. Die Teeblätter kommen in die vorgewärmte Kanne, worauf dann das Wasser gegossen wird. Dann gibt sie Zeiten für das Ziehen an und der Tee muss in eine weitere, vorgewärmte Kanne umgegossen werden (S. 44/45). All das tut man, um dann den Teepunsch 'Alter Knabe' (mit Rotwein) herzustellen (S. 74) – Sie vermuten richtig: Zimtstange, Nelken, Zitronenscheiben und Zucker gehören mit dazu.
 
Schauen wir nun auf das Teebuch von Curt Maronde [8]. Er beschreibt fünf Grundregeln für guten Tee: 1. heiße (vorgewärmte) Kanne (zum Aufbrühen)  benutzen, 2. Kanne nur für Tee benutzen, 3. kein Spülmittel benutzen, 4. Patina belassen, 5. genügend Tee nehmen, 6. nur frisches, reines Leitungswasser nehmen, 7. Wasser nur kurz aufkochen, 8. Wasser sprudelnd über den Tee gießen, 9. hartes Wasser zweimal aufkochen lassen, 10. u.U. Tee mit Sprudelwasser zubereiten, 11. Tee vier, „allerhöchstens“ fünf Minuten ziehen lassen, 12. niemals aufgebrühte Teeblätter nochmals verwenden, 13. Tee in die vorgewärmte Servierkanne umgießen, 14. Omas Tee-Ei aus dem Fenster werfen („Sollten Sie etwa noch aus Omas Küche ein Tee-Ei aus Metall oder Porzellan benutzen, so beschwöre ich Sie: werfen Sie es aus dem Fenster; ... .“) - und ich beschwöre Sie tun Sie das nicht, denn Sie könnten jemanden verletzen, 15. einen Tee „edelster Herkunft“ (trinken wir anderen?) sollten wir pur genießen, 16. vielleicht aber auch mit Milch, Sahne, Zucker, weißem Kandis, Zitrone, 17. Arrak oder Rum, oder Sie benutzen 18. Instant-Tee (S. 46-48). Bei einem Absatz hätte ich die Grundregeln ab 15. nicht mehr mit eingerechnet, aber es waren so schon mehr Regeln als ausgewiesen.
Kommen wir zu den Rezepten.
Da ist der Normannische Tee-Punsch aus Tee, Wasser, Zucker (wieso Kandis, wenn er aufgekocht wird?), einer Zitrone, zwei Gewürznelken, Burgunder, Sherry, Brandy (jeweils eine Flasche). Cidre und Calvados hätte ich noch verstanden, aber was soll an diesem Punsch normannisch sein?
Direkt darauf folgt der Französische Tee-Punsch. Dafür werden Bordeaux-Rotwein und Rum benötigt. Ja, so sind sie, die Franzosen: kippen Rum und Tee in ihren besten Wein. Ich meine, wir sollten im Namen der deutsch-französischen Freundschaft für diese beiden Rezepte nachträglich um Entschuldigung bitten.
 
Was bietet uns Eelco Hesse [9]? Auf den Seiten 62-64 erfahren wir einiges zur Teeprüfung. Auf S. 64 wird uns die englische Fachsprache der Teeprüfer näher gebracht. Es gibt ein Kapitel „Von der Kunst Tee zu bereiten“ (S. 84 ff.). Das hält ihn aber nicht davon ab, uns etwa den Holländischen Grog (mit dem typisch holländischen Burgunder, aber immerhin mit Curaçao), den Persischen Liebestrank (mit Rum!) oder den Mittsommernachtstee (mit Sekt und Aquavit) zu kredenzen.  
 
Und dann habe ich noch das Buch von Cornelia Teufl [10]. Da fiel mir als erstes die wundervoll gestaltete Doppelseite (S. 8/9) auf. Wie sehen eine graue Schale, die wahrscheinlich Wasser enthält, und eine kalligraphische Übung bzw. unterschiedliche Schreibformen des chinesischen Zeichens für Wind (), auf dem Kopf stehend. Auf S. 17 erklärt uns der Chef-Einkäufer einer Teehandelsgesellschaft, was er für Qualitätsansprüche an Tee hat. Er spricht sich gegen hartes und gechlortes Wasser aus. Frau Teufl führt uns in die unterschiedlichen Qualitätsbezeichnungen ein, wie z.B. FTGFOP oder FGBOP, oder Dust [11]. Ab Seite 64 werden wir umfassend über die Zubereitung, Lagerung und das Servieren von Tee informiert. Auf S. 88 und 89 erfahren wir, wie man aus einem second flush Darjeeling einen heißen Honigtee oder aus einem first flush Darjeeling eine Kinder-Teebowle herstellen kann. Sie werden sagen: es gibt Schlimmeres. Ja, z.B. eine original Gutenberg-Bibel einem Kleinkind zum Ausmalen geben.
 
Wir kaufen uns also teuren, exklusiven Tee, den wir mit nichts anderem in Berührung kommen lassen als sich selbst, lagern ihn trocken, temperiert und geruchsneutral. Wir suchen das beste Wasser zu bekommen [12]. Wir messen Härtegrad, Siedetemperatur, Aufbrühzeit. Wir wärmen die verschiedenen Kannen, die wir nur für Tee benutzen, vor. Und dann? Dann gießen wir den Tee mit Alkoholika zusammen oder mischen ihn mit Gewürzen oder Säften. 
 


Links, Literaturangaben und Anmerkungen:
[1] Jörg Zittlau: Grüner Tee für Gesundheit und Vitalität. W. Ludwig Verlag, München 1997. ISBN: 3-778-73616-7
[2] Sonja Ruske: Tee. Herkunft, Mischungen, Rezepte. Falken Verlag, Niedernhausen 1980. ISBN: 3-806-80515-6
[3] Wasser kochen ist eine Wissenschaft für sich, deshalb gibt es auch Fachliteratur dazu:
Hans Dampf und Angelika Nebel-Dampf: Wasserkochen leicht gemacht. Ein Ratgeber für Ahnungslose. Elefanten Press, Berlin 1983. ISBN: 3-885-20124-0
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Sherpa
[5] Marianne Nicolin: Tee für Geniesser. Falken Verlag, Niedernhausen 1974. ISBN: 3-806-80356-0
[6] Ich habe mich vor einigen Jahren näher mit der Muskatnuß auseinander gesetzt: https://rheumatologe.blogspot.com/2015/09/zur-ndr-sendung-visite-gelenkschmerzen.html. Das darin enthaltene Safrol ist immerhin Ausgangsstoff für Exstasy (XTC, Ecstacy, MDMA): https://rheumatologe.blogspot.com/2017/05/safrol-muskat-und-mogliche-gefahren.html.
[7] Inge Ubenauf: Vom höchsten Genuss des Teetrinkens. Falken Verlag, Niedernhausen 1983. ISBN: 3-806-82201-8
[8] Curt Maronde: Rund um den Tee. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1979 (178.-200. Tausend, Erstauflage 1973). ISBN: 3-596-21459-9
[9] Eelco Hesse: Tee. Alles über die Welt des Tees und die Tees der Welt. Übersetzung aus dem Niederländischen: Marga E. Baumer. Gräfe und Unzer, München o.J. (3. Auflage, ca. 1984). ISBN: 3-774-22421-8
[10] Cornelia Teufl: Tee. Die kleine Schule. Alles, was man über Tee wissen sollte). Zabert Sandmann, München, 1997. ISBN: 3-924-67885-5
[11] Klar, daß ich jetzt (dust und ) an das Lied der Gruppe Kansas „Dust in the Wind“ denken muß. Der Song wurde auch in einer Werbung für Tee benutzt.
[12] In dem chinesischen Roman Der Traum der Roten Kammer (紅樓夢) wird sich über den Geschmack von Tee unterhalten (wahrscheinlich Bao Yü mit seinen Kusinen), der mit Schnee von Pflaumen- oder Kirschzweigen aufgebrüht wurde. Aber darüber schreibe ich, wenn ich den Roman nochmals gelesen habe.


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Friday, September 10, 2021

Neues von der Ausgrabungs-Stätte Diefenbach

 




Ich möchte über neue Aspekte von der Ausgrabungs-Stätte Diefenbach berichten, also ein Update machen [1].

Die ersten Knochenfunde sind gemacht. Vom ersten Knochen habe ich auch ein Foto gemacht. Es sind noch mehr hinzugekommen.


Sind wirklich alle Knochen vom heiligen Hermann-Josef im Sarg? Die Erhebung der Gebeine kann dies nicht nachweisen [2]. Der heilige Franz Xaver fand 1554 in Goa seine letzte Ruhestätte [3]. Ganz korrekt ist das nicht, denn schließlich wurde im Jahr 1615 sein rechter Unterarm als Reliquie nach Rom überführt. So wäre es doch denkbar ...  – oder auch nicht.



In lege die einzelnen Schichten nach der stratigraphischen Methode frei, wodurch ich die verschiedenen Sedimentierungen studieren kann. Je tiefer ich komme, desto mehr neue Theorien eröffnen sich. Zuerst ein Sediment, dann Platten, dann wieder eine Sedimentschicht, neue Platten, wieder Sediment, wieder Platten … wie lange mag es so weitergehen? Vielleicht handelt es sich um ein besonders hinterhältig ausgeklügeltes Versteck. Man gräbt. Und gräbt. Und gräbt. Aber irgendwann hört man auf, weil man meint, daß jetzt bestimmt die letzte Schicht erreicht ist.

Vielleicht sind die Knochen doch solche, die ein Hundes vergraben hat.

Das verschlungene Wurzelwerk über und unter den Platten, durch die verschiedenen Schichten, erinnert an Stätten in Südostasien.


Links:

[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/08/archaologische-arbeiten-in-meinem-garten.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2019/06/erhebung-der-gebeine-des-heiligen.html
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver

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Der Friedhof im Wald oberhalb von Oberhausen (Schleiden)

 



Gerade habe ich wieder einen Friedhof entdeckt, den ich vorher noch nicht kannte. Er gehört zu Oberhausen und zwar zu dem Oberhausen, das Ortsteil von Schleiden ist. Ich hatte bereits den Friedhof in Hellenthal [1] und den jüdischen Friedhof in Blumenthal [2], wie auch den Friedhof bei St. Brigida [3] in Blumenthal besucht. Ich war fast überrascht, daß es im Ortteil Oberhausen auch noch einen Friedhof gibt.



Eigentlich hätte ich in die andere Richtung gehen wollen, aber das Hinweisschild zum Friedhof und das Wegekreuz machten mich neugierig.



Der Friedhof liegt deutlich außerhalb von Oberhausen im Wald. Mir fiel auf, daß es dort keine Friedhofskapelle gibt. Gerade hier hatte ich eine erwartet. Ähnlich wie in Hellenthal sind hier mehrere Ebenen, die nicht alle barrierefrei sind. Andererseits hat der Friedhof mehrere Zugänge.



Zwischen Bank und den beiden Grabsteinen für die beiden karmelitischen Geistlichen, die in Oberhausen gewirkt haben, und dem große Steinkreut steht eine Bank, die zum Verweilen einlädt.



Über die beiden Karmeliter hätte ich gerne mehr erfahren. Pater Bonaventura ter Ellen war von 1965 bis 1967 Seelsorger in Oberhausen. Seinen Namen fand ich im „Direktorium
des Bistums Aachen für das Jahr 2019 mit den Namen  der verstorbenen Bischöfe, Priester und Diakone des Bistums Aachen seit dem 1. September 1930 bis zum 31. August 2018 und besonderen Totengedenktagen“ [4]. Er stammte wahrscheinlich aus der Gegend um Nijmegen, denn es gibt ein Foto dort von ihm [5], auf dem er allerdings als Moderator bezeichnet wird. In der Chronik des Ordens nannte man ihn einen „jungen Priester“, da war er bereits über 50 Jahre alt [6]. Über Pater Paulus Schmit erfahren wir noch weniger – er war Seelsorger in Oberhausen von 1967 bis 1976.



Ich bin auf einem anderen Weg vom Friedhof zurückgegangen und fand ein weiteres Wegekreuz. Ich habe weder die Schnecke in der Farbe der Christusfigur (1. Kreuz) noch die Spinnweben des zweiten Kreuzes entfernt oder die vertrockneten Pflanzen gewässert; auch wenn es mich in den Fingern juckt. Es fehlen in den Kirchen die Kümmerer, aber das scheint niemanden zu kümmern.
 


 

Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/der-waldfriedhof-von-hellenthal.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2019/06/der-judische-friedhof-in-blumenthal.html
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/07/auf-der-hardt-und-st-brigida.html und etwas zum Friedhof und zu St. Brigida im Sammelsurium Nr. 195 https://rheumatologe.blogspot.com/2021/07/sammelsurium-195-17072021.html
[4] https://www.bistum-aachen.de/export/sites/Bistum-Aachen/portal-bistum-aachen/Glaube/.galleries/downloads/Direktorium_-2019-web.pdf
[5] Groepsfoto met de leden van de Nijmeegse Rooms Katholieke Middenstands Vereeniging https://www.europeana.eu/hr/item/2021651/https___hdl_handle_net_21_12122_2269132197
[6] “Een bijkomend probleem was dat het werk met de meisjes en jonge vrouwen niet zonder risico's was voor een jonge priester.” in: Kroniek van de Karmel in Nederland 1840-1970 S. 458 https://books.google.de/books?id=lskkDwAAQBAJ&pg=PA457&lpg=PA457&dq=bonaventura+ter+ellen++Karmel+in+Nederland+1840-1970&source=bl&ots=cVMtZa-CYv&sig=ACfU3U24gABn6E1z_RCzgr_hSyce7uI6Kg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwj-tIPN0PTyAhX6hf0HHRjzD_EQ6AF6BAgQEAM#v=onepage&q=bonaventura%20ter%20ellen%20%20Karmel%20in%20Nederland%201840-1970&f=false

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Travel for the Young at Heart in Sri Lanka – Reminiscing John B. Paiva

 



Recently I thought a lot about Sri Lanka as well as I've remembered meeting with John B. Paiva, more than 40 years ago, but I recall the occasional meeting quite vividly. I've just found a picture, which I've made on that occasion. I thought that the photograph was lost. And then I looked further and even found his broschure „Travel for the Young at Heart“.

Sri Lanka then had about 14 million inhabitants in an area of about 65,000 sqkm (slightly smaller than Bavaria or slightly larger than West Virginia). I thought it strange that other travellers knew John B. Paiva, even considering the fact that he was running what is now called a back packers hostel.



The broschure „Travel for the Young at Heart“ gives information, has lots of warnings and of course it has advertisements. I hope that his hostel „Travellers' Halt“ at Jaffna Junction in Anuradhapura thrived. I have looked on the internet, but could not find it anymore.



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