Friday, August 28, 2015

Lotterie und 100.000,00-€-Renten-Gewinnspiel


Die „Abteilung Registrierungs-Service“ des Staatlichen Lotterieeinnahme Hennes OHG aus Hallstadt hat sich mit einem sehr offiziell wirkenden Schreiben an mich gewendet. Das Paiper ist so, wie man es etwa vom Finanzamt kennt auch mit allerlei überflüssigen Zahlen versehen. Verantwortlich im „Sinne des BDSG: IMV Verlag, 70565 Stuttgart“. Das Schreiben trägt den Betreff: "Information über Identifikations-Option".
Und im Kuvert liegt noch ein roter Zettel mit der Aufschrift „Achtung“, der aber nur noch weiter ablenkt. Denn im Umschlag steckt auch das „Gewinnoptions-Dokument“; toll, wer sich solche Namen für einen Zettel einfallen lässt. Auf diesem Zettel stehen auch Teilnahmebedingungen und viel weiterer klein gedruckter Text. Zum Schluss aber wird man darauf hingewiesen, dass auch Daten erhoben und gespeichert werden für die „Übermittlung von Informationen über Gewinnmöglichkeiten bei der Staatlichen Lotterieeinnahme Hennes OHG“. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass man abfragen wird, ob „im Telefonat auch über Spielmöglichkeiten bei der NKL“ informiert werden darf.
Dann wird ein Schuh daraus! Das ganze Manöver mit dem 100.000,00-€-Renten-Gewinnspiel dient dazu, dass man an einer anderen Lotterie teilnimmt, für die man zahlen muss. Wie ich immer sage: nichts ist gratis.

Ich werde mich nicht registrieren lassen.

Thursday, August 27, 2015

Chronisch Kranke ausnehmen


Es regt mich auf, wenn chronisch Kranke ausgenommen werden. Wenn Schmerz und Leiden Anlass werden, Patienten Geld aus den Taschen zu ziehen. Und das geschieht überall.

Da gibt es Pharmaunternehmen, die Geld (und die haben viel Geld) in Projekte stecken, die den Absatz über Patienten fördern sollen. Oder, dass der Patient überflüssigerweise ein Medikament weiter nimmt, das längst nicht mehr wirksam ist.

Da warten Krankenkassen mit der Genehmigung von Leistungen, und hoffen, dass die Patienten vorher abspringen.

Da lehnen Versorgungsämter Leistungen ab, weil sie wissen, dass nur ein Teil der Antragsteller in ein Widerspruchs-verfahren gehen.

Da bieten Ärzte sinnlose IGeL Leistungen an. Da wird sogar Druck ausgeübt. „Die erste Spritze zahlt die Kasse, danach müssen Sie es bezahlen.“ Oder der Patient bekommt keinen Termin mehr, wenn er nicht zusätzliche Leistungen bezahlt.

Oder es werden unter der Hand Heilsversprechungen gemacht für Nahrungsergänzungsmittel, die dann nicht halten, was man ihnen angedichtet hat. Das sind Formulierungen wie „traditionell angewendet bei“, „xyz schwört auf“ und weitere mehr.

Ich wünsche allen Patienten, trotz Schmerz und Leid kritisch und skeptisch zu bleiben. Geben Sie sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden! Fragen Sie nach!


Pernadol


Ein schweizer Leser machte mich auf Pernadol aufmerksam. Ich kannte es nicht, aber beim näheren Hinschauen sah ich sofort, dass ich schon über ähnliche Präparate geschrieben hatte.
Ich kenne mich mit der schweizer Rechtsprechung noch weniger aus als mit der deutschen, aber auf der Internetseite werden eindeutig Heilsversprechungen abgegeben, wie z.B.:
    - Förderung von Knorpelqualität
    - Schmerzreduktion
    - Weniger Knacken in den Gelenken
Aber für all das gibt es keine durch Fachleute geprüfte Studien (kein Fund in allen NCBI Datenbanken).

„Vor ungefähr 20 Jahren haben Forscher festgestellt, dass das Volk der Maori keine Gelenkprobleme kennt.“ Was mögen das für Forscher gewesen sein? Das ist ein Mythos, der schnell zerschlagen werden kann. Man schaue hier nach: The Health of New Zealand Adults 2011/12: Key findings of the New Zealand Health Survey – es handelt sich um eine Erhebung des neuseeländischen Gesundheitsministeriums. Die Erhebung fasst zwar auch die Arthrose (Osteoarthritis) mit anderen Formen von Arthritis zusammen, aber so ist es auch für Pernadol gemeint. Hier das wichtige Zitat aus dem offiziellen Text: „Adjusting for age and sex differences, Māori men were 1.4 times as likely to have been diagnosed with arthritis as non-Māori men. By contrast, Asian adults were less likely to have arthritis than non-Asian adults, after adjustment.” Mit anderen Worten, Maori Männer haben sogar ein höheres Risiko, an Arthritis/Arthrose zu erkranken!


Interessanterweise hat man sich entschlossen, die Muschel bei ihrem lateinischen Namen zu benennen: Perna caniculis. Es handelt sich dabei um die Grünschalmuschel, bei uns besser als Grünlippmuschel bekannt. Diese Muschel wird in großen Aquakulturen gezüchtet und auch exportiert. Sie werden wie bei uns die Miesmuscheln verzehrt. Nach Wikipedia werden jährlich 60.000 Tonnen geerntet (ehrlich, ich scheue dieses Wort). Etwa 10% werden zu Nahrungs-ergänzungsmitteln verarbeitet. Es handelt sich also um einen gar nicht so geheimnisvollen Bestandteil von Pernadol. Wie sieht es mit Studien aus? Es sind Studien zu Extrakten aus der Grünlippmuschel publiziert worden. Eine Metaanalyse (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18222988) führte aber aus: „No RCTs comparing GLM to conventional treatment were identified.“ Und: „All four studies assessed GLM as an adjunctive treatment to conventional medication for a clinically relevant time in mild to moderate OA.” Also nicht überzeugend. An dieser Studienlage hat sich auch nichts geändert. Die jüngste Studie von 2013 beschäftigt sich mit Hunden!

Was soll es nun kosten? Die 60 Tage Kur kostet nach der Internetseite 219 CHF. Also mir wäre das zu teuer.


P.S. Vielleicht noch eine Spekulation zum Namen Pernadol: 
Tramadol und Tapentadol sind zentral wirksame Schmerzmittel. Vielleicht versucht der Hersteller, über den Namen so ähnlich wie eines dieser Schmerzmittel zu klingen. 

Wednesday, August 26, 2015

Warnung vor dem Warngerät


Haben Sie auch so ein Fax bekommen?

Teilansicht!

Ich hatte es heute in meinem Posteingang. Mir wird ein Warngerät angeboten. Es handelt sich um ein Gerät, das vor Geschwindigkeitsmessungen schützen soll. Tja ... diese Geräte sind aber verboten. Das Fax trägt die Unterzeile: „Diese Information wurde als Serviceleistung, eigenverantwortlich im Namen und Auftrag vom Publisher for News – PB70 El Nil – Cairo Egypt [...]“.

„100%tiger RUND – UM – Schutz!“ wird versprochen. Das wage ich zu bezweifeln, da Warngeräte z.B. vor Laser- oder Lichtschrankenanlagen sehr aufwendig (und auch teuer) sind. Siehe hierzu den lesenswerten Artikel: https://www.bussgeldkatalog.org/blitzer/radarwarner/

Ob illegale Anlagen steuerlich absetzbar sind, wage ich auch zu bezweifeln.

„In allen Ländern von Europa einsetzbar“ – einsetzbar heißt aber nicht, dass sie auch erlaubt sind. Vielmehr ist davon auszugehen, dass eine solche Anlage verboten ist. Denn: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte).“ [ § 23 Abs. 1b StVO]

„Deutsche Entwicklung und Service“ – warum ist dann das Fax in fehlerhaftem Deutsch verfasst? Warum liegen die Bezugsadressen in Amsterdam und London? Und warum liegt die Publizistische Verantwortung in Kairo? Natürlich um eine mögliche straf- oder zivilrechtliche Verfolgung zu erschweren.

Ich will nicht verschweigen, dass es in der Rechtsprechung zur Warnung vor Geschwindigkeitsfallen Grauzonen gibt, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Und z.B. für die Schweiz gilt: „Ein Navi mit Radarwarner-POI kostet mindestens 200 Euro Strafe. Das Gerät darf sichergestellt und vernichtet werden.“ (Quelle: Rechtsanwalt Johannes Richard - http://www.pcwelt.de/ratgeber/Radarwarner_-_was_ist_erlaubt_und_was_nicht_-Apps_und_Radarwarngeraete-8001285.html)

Ich rate also dringend ab. Aber vielleicht wollen Sie ja Vollgas geben und wissentlich den Verkehr gefährden ... dann ist Ihnen aber auch mit einem solchen Gerät nicht geholfen. Dann hilft wirklich nur noch der Führerscheinentzug.


Sunday, August 9, 2015

Wieder einmal ein Spam-Angebot

Wieder einmal ein Spam-Angebot über einige Millionen US$. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie jemand darauf hereinfallen kann. Hier der vollständige Text mit Anmerkungen:

Hallo
    Dies ist eine persönliche e-Mail an Sie für Ihre Betrachtung allein, fordere ich, dass es bleiben und werden nur als solche behandelt. Wird auch nicht durch Übersetzung ins Englische verständlicher: ich habe es ausprobiert. Ich bin ein Banker mit Investec Bank hier in UK. Aha, deshalb schreibt er auch aus Norwegen.
    Ich habe eine interessante Business-Angebot für Sie, die immense Vorteile für uns beide werden. Das wage ich zu bezweifeln. Obwohl dies schwer zu glauben sein kann, stehen wir $ 50 Millionen USD zwischen uns in wenigen Wochen zu gewinnen. Und ob das schwer zu glauben ist. Ich lasse die 50 Mill. US$b zwischen uns stehen, versprochen. Bitte gib mir den Vorteil des Zweifels und höre mich raus. Den Vorteil gebe ich gerne. Ich bezweifle, dass es sich um irgendetwas anderes als einen Betrugsversuch handelt. Ich brauche dich um Ihr Interesse zu kennzeichnen, indem Sie auf diese e-Mail Antworten. Das werde ich tunlichst unterlassen.
    Am wichtigsten ist, werde ich Sie Versprechen zu halten, was Sie von mir zwischen uns lernen, auch wenn Sie sich entschieden haben, nicht mit mir zusammen zu brauchen. Dunkel ist der Worte Sinn. Ich glaube, ich könnte etwas von ihm lernen; nämlich nicht zu vertrauensselig zu sein. Ich werden weitere Details Sie bei Erhalt einer positiven Antwort von Ihnen zur Verfügung. Nein, weitere Details sind absolut nicht notwendig.
 Grüße,
 Trevor.
 Zakayyah Tabassum Rana [zakayyar@xxxxx.no]

Wednesday, July 22, 2015

Abnehmen, Diät und Erfolg


Ich habe kürzlich eine interessante Studie gelesen, die der Frage nachgegangen ist, wie erfolgreich Übergewichtige abnehmen. Um die Katze aus dem Sack zu lassen: die Erfolgsaussichten waren gering.

Aber kommen wir zunächst zur Studie mit dem Titel: „Low chance of obese people recovering normal body weight“. Die Chance, ein Normalgewicht zu erreichen, beträgt für einen übergewichtigen Mann 1 zu 210 und für eine übergewichtige Frau 1 zu 124. Für sehr übergewichtige Menschen sind die Zahlen noch schlechter: 1 zu 1290 für Männer und 1 zu 677 für Frauen.
Die Studie stammt aus dem Großbritannien. Die elektronischen Gesundheitsdaten von 129.194 Männer und 149.788 Frauen wurden ausgewertet und zwar von 2004 bis 2014. Ausschluss aus der Studie war ein bariatrischer Eingriff (Adipositaschirurgie) und es mussten mindestens drei Werte für den BMI (Body Mass Index) vorhanden sein. Eine Gewichtsreduktion von mindestens 5% wurde als Zielgröße angesetzt, denn 5-10 % Gewichtsverlust werden als bedeutsamer Zugewinn an Gesundheitsverbesserung angesehen.
Professor Martin Gulliford, der Hauptautor der Studie, sagte, dass die bisherigen Strategien, die sich lediglich um Reduktion der Kalorienzufuhr und Steigerung der körperlichen Aktivität kümmern, nicht geeignet sind, das Problem zu lösen. Er sieht eine Chance in der Prävention, also es erst nicht zu Übergewicht kommen lassen.

Die Prävention hilft aber nicht den Übergewichtigen. Was können also Übergewichtige aus dieser Studie mitnehmen? Das Einstellen sämtlicher Bemühungen auf jeden Fall nicht. Aber man kann vermeiden, in die bekannten Sackgassen zu laufen und sich dort zu verirren. Das sind sämtliche kurz angelegten Diäten, von denen die Illustrierten voll sind. Das sind Diätpillen, die 12 kg Gewichtsverlust in drei Wochen versprechen.
Was kann man konkret tun? Auf längere Zeit planen, die Kalorien sanft reduzieren, die körperliche Aktivität langsam steigern, also Teile der Bemühungen, die alleine nicht effektiv sind, durchaus in die langfristige und dauerhafte Gewichtsreduktion übernehmen, und dann Verhaltensänderungen zu etablieren. Das letztere fällt uns am schwersten, ist aber für den Erfolg unumgänglich. Die wenigen Erfolgreichen haben dies getan – und werden dann in den Illustrierten gezeigt.

Link:
Alison Fildes, Martin C. Gulliford et al.: Probability of an Obese Person Attaining Normal Body Weight: Cohort Study Using Electronic Health Records. American Journal of Public Health, 2015; e1 DOI:10.2105/AJPH.2015.302773 / http://www.sciencedaily.com/releases/2015/07/150716180913.htm



 

Thursday, July 16, 2015

Inflectra


Ich lese gerade das Werbematerial zu Inflectra. Auch wenn ich mich bereits gegen den Einsatz von Biosimilars vor einem Nachweis zusätzlichen Nutzens (Preis z.B. unter den Rabatten des Originalherstellers) ausgesprochen hatte, ich informiere mich natürlich weiter. Auch und gerade zu Material der Pharmaindustrie.

Der Titel des Interviews ist: „Die Zulassung eines ersten Anti-TNF-α-Biosimilars eröffnet eine neue Ära der Therapie für Ärzte und Patienten.“ Das ist einigermaßen großspurig für ein Präparat, dass den Nachbau eines bereits vorhandenen monoklonalen Antikörper darstellt. Oder hat der Generikum-Hersteller xyz seine Acetysalizylsäure (Original Aspirin) als Anbruch einer neuen Ära der Therapie angepriesen?

Zur Infusion von Infliximab bei ankylosierender Spondylitis lese ich in einem Interview: „Ein schneller Effekt wird oft von den Patienten berichtet, obwohl subkutan applizierbare Präparate nicht viel schlechter wirken – man könnte beinahe sagen, dass es sich zum Teil um einen „Lazarus-Effekt“ handelt.“ Was wollen uns diese Worte sagen? Denn als Lazarus-Effekt bezeichnen wir das Wiederauffinden von Tierarten, die als ausgestorben galten. Als Lazarus-Phänomen bezeichnet man in der Medizin scheinbare Lebenszeichen von hirntoten Patienten. International bezeichnet man damit auch das Wiedereinsetzen der Kreislauffunktion von für tot erklärten Menschen. Auch der Film „The Lazarus Effect“ hilft uns nicht weiter, denn dort werden die Toten mittels eines Serums – bestimmt nicht Inflectra! – ins Reich der Lebenden zurückgeholt werden.
Ich weiß wirklich nicht, was mir der Lazarus-Effekt in diesem Zusammenhang sagen soll.

Im weiteren Text wird darauf hingewiesen, dass es Verläufe mit Infliximab über 10 Jahre bei Patienten gibt. Das ist richtig für das Original, stimmt aber nicht für die Kopie.

Man meint, mehr Pat. mit einem preiswerteren Präparat behandeln zu können. Das wir eine Reduktion der Preise erhoffen, ist verständlich, aber bislang hat dies noch nicht in dem Ausmaß stattgefunden, dass es zu Änderungen von Leitlinien und Empfehlungen gekommen wäre. Wieso aber mehr Patienten? Das ist Marketing-Gezwitscher; wir haben in der Rheumatologie bislang keinem Patienten, der ein Biologikum benötigt, dieses aus wirtschaftlichen Gründen versagt. Vielmehr ist man in Deutschland sehr Leitlinien konform vorgegangen, was zur Folge hatte, dass wir weniger Hochpreismedikamente einsetzen als der europäische Durchschnitt.

Mich hat das Werbematerial zu Inflectra nicht überzeugt, es sofort einzusetzen, sondern weiterhin kritisch zu bleiben.


Links:
Infliximab – Biosimilars (Deutsch) http://rheumatologe.blogspot.de/2015/02/infliximab-biosimilars.html
Biosimilars are not a revolution (Englisch) http://rheumatologe.blogspot.de/2015/07/biosimilars-are-not-revolution.html



22.07.2015
Noch ein Zusatz, da ich noch eine interessante Notiz gefunden habe. Inflectra und Remsina sind bioidentisch, dürfen aber auch nicht vom Apotheker ausgetauscht werden, "denn welche Biologika in der Apotheke substituiert werden dürfen, ist in § 4 Abs. 1 des Rahmenvertrags zur Arzneimittelversorgung nach § 129 Abs. 2 SGB geregelt. Die untereinander wirkstoffgleichen und damit substituierbaren Biologika sind in Anlage 1 des Apothekenrahmenvertrages aufgeführt." (Siehe Link)


Link: 
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/02/26/inflectraR-und-remsimaR-sind-identisch-aber-nicht-austauschbar/15155.html 


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