Sunday, September 4, 2016

Die Wunder-Übungen nach Thomas Wessinghage





Gestern war ich im Bioladen und nahm mir die Zeitschrift „Schrot & Korn“ mit. Darin fand ich eine Anzeige für „Wie Sie mit Wessinghages "Wunder-Übungen 10 Jahre länger gesund und beweglich bleiben". Mein erster Gedanke war: „Auch Du, Brutus?“ Und dann fiel mir sofort der englische Titel von Yukio Mishimas (三島由紀夫) Buch ein: The Sailor Who Fell from Grace with the Sea (Der Seemann, der die See verriet).

Was ist nun so schlimm daran, dass ein paar („17 einfache 3-Minuten-") Übungen verraten werden? Daran habe ich erst einmal gar nichts auszusetzen. Aber sie werden sehr plakativ eingeführt und da ist die Gefahr groß, dass falsche Schlüsse gezogen werden. Müssen Sie das Buch kaufen? Nein, es ist gratis! Wenn Sie die Beiträge zu Abzocke auf diesem Blog verfolgt haben, dann wissen Sie bereits, dass es nichts gratis gibt. Vielmehr ist bei Gratisangeboten höchste Vorsicht geboten. Diese 17 Übungen können Sie aber auch als PDF-Datei herunterladen (siehe unter Links).



Ich erwartete im weiteren Text einen richtigen Beschleuniger, der das Denken ausschaltet. Aber da steht nur „Coupon ausfüllen und gleich einsenden an:“ – das halte ich für ein moderates Vorgehen. Da habe ich schon Schlimmeres gesehen.



Was bekommt man denn nun eigentlich? Die Werbung muss sich doch lohnen. Sie bestellen mit dem Coupon letztlich die Zeitschrift „GESUND UND FIT mit Wessinghage“. Wenn Sie nach 30 Tagen nicht kündigen, hängen Sie erst einmal am Haken. Sie kaufen pro Jahr „12 Ausgaben und 4 Spezialreporte“ zu je 9,97 Euro.



Schauen Sie sich die Übungen in der Datei an. Dann überlegen Sie sehr scharf, ob es notwendig ist, sich so ein teures Heft über ein Jahr zu kaufen. Ich würde erst einmal sehen, ob ich die Übungen in der Datei regelmäßig durchführen kann.



Was mag dahinter stecken? Dr. med. Th. Wessinghage hat Probleme mit dem Professorentitel, denn den darf man nur vor dem Dr. med. führen, wenn man an einer Medizinischen Fakultät unterrichtet (siehe unter Links: Wessinghage und sein Professorentitel). In der Werbung steht nun: Prof. (DHfGP) Dr. med. Thomas Wessinghage. Wahrscheinlich ist das immer noch nicht korrekt, aber mir jetzt auch egal. Er ist der ärztliche Direktor des Medical Parks in Bad Wiessee! Verdient er als ärztlicher Direktor nicht genug? Muss er deshalb eine Zeitschrift ähnlich einer Drückerkolonne an den Mann bringen? Ich weiß es nicht. Aber es macht mich nachdenklich. Und außerdem empfinde ich dieses Vorgehen als unwürdig.

Links:


1 comment:

  1. Ich war auch unsanft über die Anzeige in Schrot&Korn gestolpert. Wunderte mich über so seltsames Vorgehen von einem Arzt, den ich bisher in den Medien als seriös wahrgenommen hatte. Hab ein wenig recherchiert und bei Ihnen den Link für die Übungen gefunden. Vielen Dank!

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