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Sunday, August 9, 2026

Altargesteck zum Zehnten Sonntag nach Trinitatis 2026


Drum, wenn die Wolke wieder mich umgibt
Und fast verzweifelnd meine Arm' ermatten,
Dann will ich denken, daß er hat geliebt,
Und meine Wimper heben durch die Schatten.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der zehnte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Die Wochenspruch lautet [3]: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ Seit den Anfängen des Alten Testaments bis in unsere Tage sind mehr als 3000 Jahre vergangen und wir können das Heilige Land nur als von Konflikten gebeutelt erleben. Der heutige Sonntag wird auch Israelsonntag genannt und wurde im 16. Jahrhundert zur Erinnerung an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels etabliert. Heute stehen die Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. Und schon wieder einmal dürfen sich Juden in Deutschland nicht sicher fühlen. Aber vielleicht fangen wir an, uns mit den jüdischen Wurzeln des Christentums auseinanderzusetzen, bevor wir (allerdings nicht hier) in die Politik einsteigen. Trotzdem: „Denken wir insbesondere an den aktuellen Konflikt in Palästina, unter dem nach Mord und Verschleppung durch die HAMAS Isreali und Palestinenser leiden.“

Offenheit, Toleranz, Wohlwollen, Liebe sind notwendig; Hass, Egoismus oder Narzissmus sind nicht gefragt. Wenn man den Nächsten lieben will wie sich selbst, dann muß man auch sich selbst mit Liebe und Nachsicht begegnen können. Wie steht es um die Menschen, die in den sozialen Medien nur Hass-Kommentare abgeben? Die können sich selbst eben nicht mit Liebe, Nachsicht und Wohlwollen begegnen – aber wir könnten es … könnten es versuchen. 


Im Evangelium geht es um die Frage nach dem höchsten Gebot [4], die Jesus mit einem Zitat aus dem 5. Buch Mose beantwortet [5]. Die ersten beiden Verse der Textpassage lauten: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Dieses Schma Jisrael (Höre Israel) kann man als jüdisches Glaubensbekenntnis auffassen. Gläubige Juden sprechen es morgens und abends, zu Neugeborenen und es sind mitunter die letzten Worte sterbender Juden. Die Textpassage steckt auch in einer Kapsel, die Mesusa [6] genannt wird, und sich am Türpfosten der Eingangstür jüdischer Häuser befindet. Man küßt diese bei Betreten oder Verlassen des Hauses als Ehrerbietung.

Ein Rabbi fragte seine Schüler, wann der Tag beginnen würde. Alle Antworten waren falsch. Der Rabbi beantwortete selbst die Frage: „Der Tag beginnt, wenn Du in das Gesicht eines Menschen blickst und darin Deine Schwester oder Deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Damit aber kommen wir zu Emmanuel Levinas. Emmanuel Levinas (1905-1995) [7] entwickelte eine Ethik, die sich nicht um Erkenntnis über das Sein in erster Linie sondern um das Antlitz des Anderen kümmerte. Man kann dem Anderen nicht mit Gleichgültigkeit begegnen, obwohl er seine Anders-/Fremdheit nicht verlieren kann [6]. Der Übersetzer F. Miething zitierte aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“, um dies zu beschreiben [8]: „Jeder ist verantwortlich für alle anderen, jeder ist schuldig und ich mehr als alle anderen.“

Es ist Saure-Gurkenzeit, auch bei den Gestecken. In der Versöhnungskirche sah man das Skelett einer Anturie, immerhin sehr viel Grün als liturgische Farbe. Als Alternative hätten wir vertrocknete Blumen aufstellen können, die sich noch in der Sakristei fanden. In Kall war es immerhin ein frischer Strauß Sonnenblumen, ebenfalls mit sehr viel Grün. Mal so gesehen kann es in den nächsten Wochen nur besser werden.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 120-121. Am XI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/10-sonntag-nach-trinitatis-israelsonntag-kirche-und-israel/  
[3] Ps 33,12
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.12 Mk 12,28–34
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa 
[7] https://www.jesus.ch/themen/glaube/theologie_philosophie_religion/126826-emmanuel_lvinas_das_antlitz_des_anderen_nach_auschwitz.html 
[8] https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/die-spur-des-anderen/ 

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Sunday, July 5, 2026

Altargesteck zum Fünften Sonntag nach Trinitatis 2026


Du, der gesprochen: „Fürcht' dich nicht!“
So laß mich denn vertraun auf deine Hand
Und nicht ermüden!
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Fünfte Sonntag nach Trinitatis … auch diese Woche halten erst einmal an. In der Woche vor dem Vierten Sonntag nach Trinitatis hatten wir zwei Gedenktage mit eigener Liturgie und diese Woche sind es sogar drei! Zunächst war da der Tag der Apostel Petrus und Paulus [2] mit dem Spruch: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.“ [3] Die liturgische Farbe ist Rot. Danach kam der Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth (Heimsuchung) [4] mit dem Spruch: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.“ [5] Die liturgische Farbe ist Weiß. Heimsuchung bedeutete  im Mittelhochdeutschen so etwas wie Hausfriedensbruch und wir meinen heute eher damit einen Schicksalsschlag, aber hier bedeutet es einfach nur die Begegnung von Maria und Elisabeth. Und dann war da noch der Tag des Apostels Thomas [6]  mit dem Spruch: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ [7] Die liturgische Farbe ist Rot.
Thomas ist eine der biblischen Personen, denen etwas Unrühmliches anhaftet. Bei Matthäus wird er nur als Jünger genannt [8], in der Apostelgeschichte als einer der Zwölf [9]. Im Johannesevangelium finden wir ihn dreimal: etwas vorlaut spricht er zu den anderen Jüngern vor dem Besuch in Bethanien [10], im 14.Kapitel gibt Thomas die Vorlage zu „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ [11], und dann die Stelle, die ihn als Zweifler brandmarkt. Als Thomas den Christus sieht, glaubt er, aber Jesus spricht zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ 
Huch, da ist es mit mir wieder einmal durchgegangen! Genug der Abschweifungen. Wir waren doch … noch nicht sehr weit gekommen. Es geht um den Fünften Sonntag nach Trinitatis [12]. Dieser Sonntag will uns anleiten, mit Gott neue Wege zu wagen. Das aber erfordert Mut und Vertrauen, auf das wir gleich zurückkommen werden. Der Wochenspruch lautet: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ [13] Es geht um das Vertrauen, das wir Gott entgegen bringen sollen. So wie Abraham, der als alter Mann noch in ein fernes Land geschickt wird, um dort neu anzufangen [14]. Dieser Vertrauen bringt auch Petrus auf, als er die Netze nach ergebnislosem Fischzug noch einmal auf das Geheiß von Jesus auswirft – unser Evangeliums- und Predigttext [15].

In der Lesung aus dem Alten Testament geht es um „Abrams Berufung und Zug nach Kanaan“ geht: „Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.“ Wie groß muß dieses Vertrauen gewesen sein! Und wie groß erst, als Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, aber das ist nun eine andere Geschichte. 

Im Evangeliums- und Predigttext fährt Petrus sein Boot auf dem See Genezareth zunächst etwas vom Ufer weg und Jesus predigt der Menge. Petrus und die anderen Fischer hatten in der Nacht nichts gefangen, jetzt aber schickt Jesus am Tag zum Fischen: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Die Aussichten auf einen Fang sind gering, aber Petrus sagt: „… auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Er fing so viele Fische, daß die Netze zu reißen drohten. Simon Petrus ist voller Angst. „Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.“ Die Synoptiker Markus und Matthäus haben ähnliche Texte. Im Johannesevangelium finden wir eine ähnliche Begebenheit [16]. Sie findet sich am Ende. Mich hat die Zahl der 153 Fische fasziniert. Da, wo es tief ist, deutet auf Ängste hin, wovon Filme 2000 Jahre genügend Gebrauch gemacht haben [17]. Petrus ist ein ängstlicher Mensch und gerade er ist der Fels. Das soll uns Mut machen.

Der Taizé-Gottesdienst in Köln-Holweide spielte sich abseits vom Altar ab. Diesmal bestand das Begleitorchester aus Flügel, Flöte, Saxophon und drei Violinen. Vier der MusikerInnen gehören den Dellbrücker Symphonikern [18] an. 

Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich erneut überrascht, vielseitig  und frisch. Die Lilien dufteten sogar sehr stark. In Kall stand ein Sommerstrauß auf dem Altar.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 109-110. Am VI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-apostel-petrus-und-paulus/ 
[3] Apg 4,33
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-besuchs-marias-bei-elisabeth-heimsuchung/  
[5] Gal 4,4
[6] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-apostels-thomas/ 
[7] Jes 52,7
[8] Mt 10,3 
[9] Apg 1,13
[10] Jesus will zum verstorbenen Lazarus gehen, übrigens von Bethanien am Jordan nach Bethanien bei Jerusalem, als Thomas spricht: „Laßt uns mit ihm gehen, daß wir mit ihm sterben!“ Joh 11,16b
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,5-6
[12] https://kirchenjahr-evangelisch.de/5-sonntag-nach-trinitatis/ 
[13] Eph 2,8     
[14] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12 1. Mose 12,1–4a 
[15] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.5 Lk 5,1–11 
[16] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes21 Joh 21,6-11
[17] Etwa die folgenden Filme:
Die Tiefe (1977)
Im Rausch der Tiefe (1988)
Abyss – Abgrund des Todes (1989)
Sanctum (2011) – da wird in Höhlen getaucht; die Speläologie birgt neben der Tiefe auch noch die Enge.
[18] https://www.dellbrueckersymphoniker.de/ 

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Sunday, June 28, 2026

Altargesteck zum Vierten Sonntag nach Trinitatis 2026


Wenn meine Sünden ohne Zahl
Gespenstig auf mich drangen:
Es ist doch wahr und ist kein Traum,
Mein Leben war nur Dunst und Schaum.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der vierte Sonntag nach Trinitatis … Stopp! Nach dem dritten Sonntag nach Trinitatis hatten wir noch Tag der Geburt Johannes des Täufers (Johannis) [2] mit der liturgischen Farbe Weiß. Wir erinnern uns an seine Taufe als Zeichen der Umkehr. Und dann war da noch der Gedenktag des Augsburger Bekenntnisses [3] mit Rot als liturgischer Farbe. Philipp Melanchthon hatte 1530 die reformatorische Position vor dem Reichstag zusammengefaßt. Dieses Bekenntnis ist eine wichtige Grundlage für ökumenische Gespräche mit der katholischen Kirche. Der vierte Sonntag nach Trinitatis hat die Kernaussage [4]:  „Seid barmherzig!“ Der Wochenspruch lautet: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ [5]


Die Epistel steht im Römerbrief und mahnt uns: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.“ Und: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ [6] Paulus zitiert in der kurzen Stelle gleich zweimal das Alte Testament, einmal aus dem Buch der Sprüche und einmal aus dem 5. Buch Mose: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“ Das war schon vor ca. 3000 Jahren sehr tröstlich, daß wir uns nicht um Rache zu kümmern brauchen; Gott hält uns den Rücken frei für Versöhnung und Vergebung. Mich fasziniert: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Ich empfinde dieses Wort als sehr tröstlich und voller Hoffnung, denn es wird nur verlangt, daß wir so viel tun, wie wir vermögen.

Das Evangelium steht bei Lukas und es geht um den Umgang mit dem Nächsten. Es ist die berühmte Stelle: „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“ [7]

In Kall fand der Gottesdienst nach dem Format „Auf ein Wort“ statt; wir feierten eine Andacht um den kleinen Altartisch mit der liturgischen Eröffnung nach der Iona Kommunität [8]. Der Kern waren die aktuelle Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu!“ [9] und der bereits angesprochene Text aus dem Römerbrief und zwar die Jahreslosung 2011: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Auch in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide fand ein anderes Format statt und zwar „Gottesdienst im Augenblick“, der viel Spielraum für spontane Ideen bietet, z.B. welches Lied gesungen werden soll oder ich hatte mir den Psalm 136 gewünscht, in dem es um Gottes Wunder in Schöpfung und Geschichte geht und in dem sehr viel gedankt wird und 26 Mal wird gesagt: „denn seine Güte währet ewiglich.“ [10] Der Psalm schließt so: „Danket dem Gott des Himmels, denn seine Güte währet ewiglich.“ Das hat schon etwas von einem Mantra oder einer Litanei.

Eine Dame wollte mehr zur Trinität wissen und da hatte ich schon einmal zum Fest Trinitatis vorgearbeitet [11] und konnte dies in die Diskussion einbringen. Die Dreieinigkeit Gottes – ein Gott in drei Personen – ist eine schwierige  theologischen Idee, die der christlichen Kirche Kritik von anderen Religionen eingebracht hat, für uns selbst schwer verständlich bleibt, aber uns mehr über das Wesen Gottes vermitteln kann. In den Wissenschaften haben wir mit den drei Aggregatzuständen eines Stoffes – fest, flüssig, gasförmig – überhaupt kein Problem. Während Wasser und Eis gut erkennbar sind, ist der reine Wasserdampf unsichtbar, wir können nur Wassertröpfchen sehen, also Nebel, und nicht den Dampf.


Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich erneut überrascht, wieder sehr bunt und frisch. Meine erste Assoziation war: „alles so schön bunt hier!“ [12] Und dabei wollen wir es belassen.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 106-108. Am V. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-geburt-johannes-des-taeufers-johannis/ 
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/gedenktag-des-augsburger-bekenntnisses/ 
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/4-sonntag-nach-trinitatis/  
[5] Gal 6,2
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.12 Röm 12,17–21 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.6 Lk 6,36–42 
[8] „Die Iona Community (auch Gemeinschaft von Iona oder Iona-Kommunität genannt) ist eine auf der schottischen Insel Iona lebende ökumenische Gemeinschaft (Kommunität), die 1938 von George MacLeod gegründet wurde.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Iona_Community   
Eigentlich müßte ich hier mehr zitieren, aber dann wäre das Zitat zu lang geworden, bitte selbst nachschauen, falls noch nicht getan, denn es lohnt sich. 
[9] Offb. 21,5
[10] https://www.bibleserver.com/LUT/Psalm136 
[11] Altargesteck zu Trinitatis 2026
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/05/altargesteck-zu-trinitatis-2026.html 
[12] Aus dem Lied TV Glotzer von Nina Hagen aus dem Jahr 2001.

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Sunday, June 21, 2026

Altargesteck zum Dritten Sonntag nach Trinitatis 2026


So ist aus deines heiligen Buches Schein
Gefallen denn ein Strahl in meiner Nacht,
In meines Herzens modergrauen Schacht.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der dritte Sonntag nach Trinitatis [2] hat die Kernaussage:  „Wagt umzukehren! Ihr könnt zurück, wenn ihr nur wollt.“ Der Wochenspruch lautet: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ [3]



Dazu paßte das Evangelium, daß wir in Köln lasen, nämlich die Geschichte um den Oberzöllner Zachäus, der auf dem Parament in Köln auf dem Maulbeerfeigenbaum abgebildet ist. Haben Sie sich auch schon einmal darüber gewundert, was das denn für ein Baum sein soll? Ich habe jetzt endlich einmal auf Wikipedia nachgeschaut und siehe, es ist klar, warum Zachäus auf diesen Baum stieg, schauen Sie sich das Foto an [4]. Kommen wir auf die Geschichte selbst von Zachäus [5] zurück. Jesus kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Zachäus, der Oberste der Zöllner, wollte Jesus sehen, konnte es aber nicht wegen seiner kleinen Gestalt. Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum. Jesus sah ihn und sprach: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Die Menge murrte: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt.“ Zachäus aber bekehrte sich. „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Eigentlich wird der Text zum 14. Sonntag nach Trinitatis gelesen, wenn es um Dankbarkeit geht. Aktuell aber zeigt es, wie der Christus sucht, was verloren ist, um auch das zu retten.
 
Nach der Perikopenordnung steh das Evangelium für den dritten Sonntag nach Trinitatis im 15. Kapitel des Lukasevangeliums [6]. Es geht in diesem Kapitel um das Verlorene -: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn. Es geht aber auch um das Wiederfinden.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, daß der jüngere Sohn sich das Erbe auszahlen läßt und es in einem fernen Lande verliert. Während einer Hungersnot dort hat er sich, tiefer kann man wohl in der jüdischen Antike nicht sinken, bei einem Schweinezüchter als Hirte anstellen lassen und wollte gerne vom Futter der Schweine essen, doch niemand gab es ihm. Er bedenkt seine Situation und sagt zu sich: „ Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“. So kehrt er zurück und wird vom Vater freudig empfangen, der das gemästete Kalb schlachten  und ein Fest feiern läßt. Der ältere Sohn kommt vom Feld und ärgert sich, daß der Vater für den Bruder ein Fest ausgerichtet hat. Dem Vater gegenüber kann er den Bruder nur als „deinen Sohn, der das Erbe mit Huren verprasst hat“ bezeichnen. Ich weiß, daß Lukas die Geschichte anders erzählt hat; aber das kann man selbst nachlesen. Der jüngere Sohn kommt sehr schlecht weg in der Geschichte, vielleicht sogar zu schlecht. Man kann  heutzutage verschiedene Übersetzungen aufrufen und das habe ich für den Vers 13b getan. Da ist u.a. von „Saus und Braus“ die Rede, von Prassen und „liederlichem Leben“ die Rede [7]. All das hängt an einem Adverb, nämlich ἀσώτως (asōtōs), übersetzt: verschwenderisch [8]. In Vers 30 sagt der ältere Sohn: „Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Rechtlich gesehen war es nicht mehr das Gut des Vaters, denn es war möglich, das Erbe schon früher zu erhalten. Es war das Gut des jüngeren Sohnes, das er leichtfertig (? auch das wäre schon eine Interpretation) verschwendet hat. Stellen wir uns die Situation einmal vor. Da kommt der ältere Sohn vom Feld, fragt warum da ein Fest gefeiert wird und „weiß“, daß der jüngere Bruder sein Erbe mit Huren durchgebracht hat. Hier spielen Neid und Mißgunst eine Rolle. Der Titel hätte anstatt „Vom verlorenen Sohn“ auch lauten können: „Von den verlorenen Söhnen“. Der Vater hat beide Söhne zu sich, zu seinem Fest der Freude eingeladen, so daß auch die Titel „Die Freude des Vaters“ oder „Die Liebe des Vaters“ hätten gewählt werden können. Der Vater vergibt beiden, so daß ein neuer Anfang möglich ist.

Die Lesung aus dem Alten Testament war zugleich Predigttext und steht am Schluß des Texte, der dem Propheten Micha zugeschrieben wird [9]: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Micha stammte vom Lande, aus dem Dorf Moreschet im Südwesten von Jerusalem, und lebte um 740 v. Chr. Er war u.a. Zeitgenosse des Propheten Jesaja. Micha sprach sich gegen soziale Ungerechtigkeit und den Verfall der Religion aus, was man auch als Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch sehen kann. Im 3. Kapitel prophezeit er die Vernichtung Jerusalems („Darum wird Jerusalem zum Steinhaufen werden.“). Das kurze Buch Micha (sieben Kapitel) beinhaltet 19 Prophezeiungen. Auf die Drohung des nahenden Gerichtes fallen jedoch immer auch Worte der Heilszusage. Und am Schluß des 7. Kapitel könnte man sagen „Ende gut, Alles gut“ - es werden versöhnliche Töne angeschlagen. Micha beschreibt Gott als den Herrn, der seinem Volk trotz aller Sünden hinterhergeht, um es in unermeßlicher Barmherzigkeit, Geduld und Gnade selig zu machen. Unter Seligkeit kann man einen Zustand tiefsten Glücks und innerer Harmonie verstehen. Der Begriff beschreibt die vollendete Erlösung, ein Ruhen in Gott, Ziel einer lebenslangen Suche und Sehnsucht.


Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich überrascht, auch wenn es genauso fern vom Geschehen lag, wie das bereits oben genannte Parament. Das Altargesteck war sehr bunt gestaltet und ist aus der Ferne kaum zu erfassen. Insbesondere dieses nette Detail einer gekünstelten Blüte, die ich vergrößert habe. Es war übrigens frisch und nicht angetrocknet. Als ich das Gesteck sah, dachte ich an A Coney Island of the Mind von Lawrence Ferlinghetti [10]:
„und was könnte sie sagen zur Mutter 
nach all der Zeit die sie blau 
                                             in den Lümmelblumen lag 
        an diesem heißen Flußufer 
                          wo Farne knickten in der stockenden Luft“

In Kall erwartete uns ein Altargesteck, daß auch aus der Distanz erhaben wirkte. Das Grün der aktuellen liturgischen Farbe tritt durch die blaßvioletten Blüten viel stärker hervor. Am Kölner Dom gibt es Details, die man niemals sehen kann, sie sind für Gottes Auge. Schön, daß wir mit diesem Gesteck unsere Augen erfreuen durften.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 104-105. Am IV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/3-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Lk 19,10
[4] „Die Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt, ist …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeerfeige 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,1–10
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.15 Lk 15,1–3.11b–32
[7] „und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“ Luther 2017
„und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.“ Luther 1912
„vnd daselbs bracht er sein Gut vmb mit brassen.“ Luther 1545
„indem er ausschweifend lebte.“ Elberfelder 1905
„und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben.“  Schlachter 1951
„Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch.“ Neue Genfer Übersetzung
„Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.“  Einheitsübersetzung 2016
„Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles.“ Gute Nachricht Bibel 2018
„Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Vermögen.“ Zürcher Bibel
[8] https://biblehub.com/luke/15-13.htm#lexicon Alles Griechische muss ich nachschlagen!
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.7 Mi 7,18–20 
[10] Lawrence Ferlinghetti: A Coney Island of the Mind / A Far Rockaway of the Heart: Gedichte. Übersetzer Klaus Berr. Sammlung Luchterhand, München 2005. ISBN: 9783630620589. S. 21.




Sunday, June 7, 2026

Altargesteck zum Ersten Sonntag nach Trinitatis 2026


Ach, ihr mag ich wohl lassen
Der lichten Stunden Blitzen,
Der Träume Dämmertau.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Erste Sonntag nach Trinitatis ist dem Nächsten gewidmet: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder [und seine Schwester] liebe“. [2] Im ersten Brief des Johannes sind „die Liebe Gottes und die Liebe untereinander“ Kernthemen [3]. Die Textstelle ist nach der Perikopen Ordnung als Epistellesung ausgewählt. Im 18. Vers werden Furcht und Liebe gegen einander gestellt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ Kann es sein, daß wir selbst Gottes Liebe fürchten, denn immer wieder muß bekräftigt werden: „Fürchtet Euch nicht!“ [4] Interessanterweise ist Furcht / Angst häufig Thema in Gedichten, so las ich zufällig heute von Stéphane Mallarmé das Gedicht „Angoisse“, in dem es heißt [5]: 
„Je fuis, pâle, défait, hanté par mon linceul,
Ayant peur de mourir lorsque je couche seul.“
Und noch ein zweites Gedicht von Tuvia Rübner [6]:
„Nicht Angst,
nicht in Angst. Angst legt Hand 
aufs Gesicht. Nicht böses Hirngewind, Wind,
sich dranhängen. Nicht niedersinken in Sand ...“ 

In der Lesung aus dem Evangelium hören wir die Parabel „Vom reichen Mann und armen Lazarus“ [7]. Im 23. Vers wird über den Reichen gesagt: „Als er nun in der Hölle war ...“. Im Christentum gibt es sehr verschiedene Ansichten zur Hölle, so daß die Originalübertragung Luthers von „descendit ad inferos“ im Glaubensbekenntnis, nämlich „niedergefahren zur Hölle“ [6] in den 1970iger Jahren durch „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ersetzt wurde, wie es im Evangelischen Gesangbuch steht. Die Hölle kommt im Alten Testament nur einmal im Buch Hiob vor. Je einmal wird die Hölle im 1. Korintherbrief, im Brief des Jakobus und in der Offenbarung erwähnt. Eine Häufung des Begriffes „Hölle“ finden wir im Matthäusevangelium, denn den Evangelisten scheint das Thema fasziniert zu haben, immerhin lassen sich fünf Stellen nachweisen und die stehen in verschiedenen Kapiteln [8].

Im Predigttext geht es um die Gütergemeinschaft der ersten Christen, wie sie in der Apostelgeschichte [9] beschrieben wird. Unsere Textstelle beginnt so: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Das klingt schon fast wie Kommunismus. Aber schauen wir genauer hin. In der sich anschließenden Erzählung über das Ehepaar Hananias und Sapphira zeigt sich, daß es sich hier um eine Idealvorstellung und nicht um historische Wirklichkeit handelt; die hatte Lukas wahrscheinlich auch nicht im Sinn. Man erlebt sich nicht als Eigentümer sondern mehr als Verwalter. Die aktuelle Textstelle berichtet über einen Barnabas, „der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld“. Man verkauft also das, was benötigt wird und nicht den gesamten Besitz. Die Freiwilligkeit aber ist der entscheidende Faktor.

Im Text der Epistel stand aktuell ein Stück aus dem ersten Brief des Johannes [10] an, in dem es um den Geist der Wahrheit und des Geist des Irrtums geht. Darin stehen: „Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“ Und: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“


Beschäftigen wir uns einmal mit der liturgischen Farbe. Wir betreten die grüne Zone, denn nun beginnt die lange Phase mit Grün. Grün ist fast in allen Gestecken enthalten, aber man muß im Gesteck der Versöhnungskirche schon suchen, einerseits sind die Hortensien kein Gesteck sondern ein Blumentopf und andererseits sind die Blüte blau. Der Altar selbst bleib ohne Gesteck und ich ich befürworte das. Ob es aber ein Blumentopf auf dem kleinen Altar auf dem Taufbecken sein muß, ist eine andere Frage. In Kall hat die Küsterin wieder für ein ansprechendes Altargesteck gesorgt. Sie hat dafür Blüten mit Grün gefunden. Und so steigt aus dem Weiß von Trinitatis das Grün der Zeit nach Trinitatis. Herzlichen Dank dafür!
 



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 100-101. Am II. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/1-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,(13–16a)16b–21
[4] Eine Auswahl:
„Fürchte dich nicht, Abram!“ 1 Mose 15,1
„Fürchte dich nicht, mein Volk, ...“ Jes 10,24
„Fürchte dich nicht vor ihnen; ...“ Jer 1,8
„Fürchte euch nicht!“ Mt 28,5
„Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Mk 5,36
„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ Lk 12,32
„Fürchte dich nicht!“ Offb 1,17
[5] „Flieh ich mein Leichentuch erblaßt, erschreckt in Not,
und habe Angst allein zu schlafen, Angst vor dem Tod.“
Stéphane Mallarmé: Sämtliche Dichtung. DTV, München 2000. ISBN: 3-423-12878-x. S. 26/27.
[6] Aus: „Nicht Angst, nicht in Angst.“ In: Tuvia Rübner: Zypressenlicht. Ausgewählte Gedichte II, 1957-1999. Rimbaud, Aachen 2000. ISBN: 3-89086-753-7. S. 35.
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.16 Lk 16,19–31
[8] Mt 5,29 / Mt 10,28 / Mt 11,23 / Mt 16,18 / Mt 23,15
Darüber hinaus kommt „höllisch“ dreimal im Matthäusevangelium vor und sonst nirgendwo.
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.4 Apg 4,32–37 
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,(13–16a)16b–21; insbesondere Vers 10 und Vers 16b

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Sunday, May 31, 2026

Altargesteck zu Trinitatis 2026


Bin ich getauft in deinem Zeichen,
Du heilige Dreifaltigkeit,
Nun bleibt es mir und kann nicht weichen
in dieser nicht und jener Zeit.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag heißt Trinitatis [2]. Ich schrieb einmal: „Pfingsten ist das Fest, das den meisten Menschen, durchaus auch Christen, am wenigsten sagt“ [3], aber fragen Sie einmal ganz vorsichtig Ihre:n Nachbar:in, was denn mit dem Trinitatisfest gemeint sein soll. Nun, in katholischen Kreisen nennt man diesen Sonntag auch Dreifaltigkeitssonntag. Es geht also um den dreieinigen Gott, den Kurt Marti als „gesellige Gottheit“ beschreibt [4]. Es ist das Fest der Dreieinigkeit Gottes – ein Gott in drei Personen –, einer theologischen Idee, die der christlichen Kirche Kritik von anderen Religionen eingebracht hat, für uns selbst schwer verständlich bleibt, aber uns mehr über das Wesen Gottes vermitteln kann. In den Wissenschaften haben wir mit den drei Aggregatzuständen eines Stoffes – fest, flüssig, gasförmig – überhaupt kein Problem. Während Wasser und Eis gut erkennbar sind, ist der reine Wasserdampf unsichtbar, wir können nur Wassertröpfchen sehen, also Nebel.  Bei Trinitatis denke ich auch an Trinity, die zusammen mit Neo und Morpheus in den Matrix-Filmen auftritt [5]. In diesem Dreigestirn ist immerhin Weiblichkeit realisiert, während die Dreifaltigkeit sich vordergründig als Männerklub sehen läßt. Rätselhaft? Nein, denn Rätsel können gelöst werden, eher ein Mysterium, denn Mysterien können entdeckt und erlebt werden. Der Wochenspruch entläßt uns sehr konkret in die nächste Woche: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ [6]

Die Lesung aus dem Alten Testament steht beim Propheten Jesaja und beschreibt Jesajas Berufung zum Propheten [7]. Hier und nur an dieser Stelle ist von den Seraphim die Rede. Die geflügelten Engel haben ihren Ursprung in ihnen und den Cherubim, die an mehreren Stellen benannt sind, insbesondere werden sie in Bezug auf die Bundeslade als geflügelt beschrieben [8]. Apropos Cherubim und Seraphim, im Lied „Großer Gott, wir loben dich“, das wir heute sangen, werden die Seraphim zu Seraphinen, damit es sich auf „dienen“ reimt [9]. In der Lesung heißt es weiter: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ Jesaja berichtet von einer Vision und die Stelle endet: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!“ Da ist Jesaja anders als Moses oder Jeremia, die erst einmal versuchen, ob sie die Aufgabe nicht annehmen müssen, oder Jona, der zu fliehen versucht.

Im Evangelium geht es um ein Gespräch zwischen Jesus und dem Pharisäer Nikodemus („ein Oberster der Juden“) [10], in dem Nikodemus an die Grenzen seiner Verständnisfähigkeit gerät, wenn man von neuem geboren werden muß, um das Reich Gottes zu sehen. Auch die erklärenden Worte Jesu Christi lassen ihn skeptisch: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“

Der Predigttext behandeln den Segen: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“ [11] Wenn man im Internet umherschaut, dann findet man viele sperrige und ausufernde Segen, die bei bestimmten Gelegenheit auch sinnvoll sind, aber sich nicht zu spontanen Segnungen eignen. Ich meine eine kurze Form, wie:
    ∙ Der HERR segne dich und behüte dich
    ∙ Gottes Segen auf deinen Wegen
    ∙ Gottes Segen für diesen Tag
    ∙ Gott segne und behüte dich 
    ∙ Der Herr segne dich
    ∙ Gott sei mit dir
    ∙ Tschüss
    ∙ Adieu
    ∙ Tschö

Die Trinitatisgemeinde Schleidener Tal ist das Ergebnis von fast 500 Jahren evangelischer Gemeinden in der Gegend. 1542 wurde in der Schloßkirche Schleiden ein evangelischer Gottesdienst gefeiert. Um 1660 kaufte die reformierte Gemeinde von Gemünd das Pfarrhaus, das noch heute steht. Die Kirchengemeinden Gemünd, Hellenthal und Schleiden zusammen mit Kall und Heimbach fusionierten im Jahr 2007. Also haben wir mit 19 Jahren kein rundes Jubiläum. Ein rundes Jubiläum allerdings hatte Organist Werner Winkler, der seit 50 Jahren für die musikalische Begleitung der Gottesdienste sorgt. Und gerade vorbei ist der 350. Todestag von Paul Gerhardt [12].


Trinitatis hat noch die liturgische Farbe Weiß, danach folgt die Zeit mit viel Grün, aber das wird Thema in der nächsten Woche sein. Das Parament in Hellenthal zeigte überhaupt kein Weiß, dafür aber die Trinität. Das Gesteck ist ist mit viel Weiß vor Grün gestaltet und prächtig anzusehen. Das war leider nicht der Fall in Köln, wo sich der Altar mit einer Studie der Vergänglichkeit begnügen mußte.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 96-97. Am I. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/trinitatis/ 
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/altargesteck-am-29052023-pfingstmontag.html 
[4] Kurt Marti: Die gesellige Gottheit: Ein Diskurs. Radius-Verlag, Stuttgart 2004. ISBN: ‎978-3871733000. „Am Anfang also Beziehung. / Am Anfang Rhythmus./ Am Anfang Geselligkeit.“
[5] Matrix ist ein Science-Fiction-Film der Wachowkis (Lana & Lilly) aus dem Jahr 1999. In den Hauptrollen: Keanu Reeves (neo), Laurence Fishburne (Morpheus), Carrie-Anne Moss (Trinity).
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Matrix 
[6] 2. Kor 13,13
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.6 Jes 6,1–8(9–13)   
[8] 2. Mose 25,18
[9] EG 331 Großer Gott, wir loben dich
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.3 Joh 3,1–8(9–13) 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/NUM.6 4. Mose 6,22–27 
[12] Paul Gerhardt (1607-1676) „war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt 
PS. Das Korrekturprogramm hatte für dreieinigen Gott den dreibeinigen Gott vorgeschlagen. Eigentlich weiß es so ein Programm doch viel besser als wir. Ich habe mit mir gerungen, wie Jakob am Jabbok, und bin beim dreieinigen Gott geblieben.

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Sunday, May 24, 2026

Altargesteck zu Pfingstsonntag 2026



Wo bleibt der Tröster, treuer Hort,

Den scheidend doch verheißen du den Deinen?
Annette von Droste-Hülshoff [1]

«Der heilig Geist wird kommen
und würken durch sein Macht
und Gott wird an sich nehmen
Fleisch und Blutes Kraft.» [2]

Pfingsten wird gerne als das Fest der christlichen Kirche bezeichnet, und da ist vieles Wahres dran, denn man kann es als Erinnerung an die Geburt der christlichen Kirche auffassen, aber noch besser kann man in ihm das Fest des Heiligen Geistes sehen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ [3] So ein Brausen hörte ich, als vor zwei Tagen hinter meinem Stall saß und in das Tal und nach Kloster Steinfeld hin blickte, dann aber sah ich auf, und siehe, ich sah einen Bienenschwarm an der Weide und dann zwischen Haus und Stall vorbeiziehen.  Die Jünger überkam damals die Kraft des Heiligen Geistes, der sich wie Flammen auf sie senkte. Im Wochenspruch hören wir: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ [4] Da wird bereits alttestamentarisch auf das Pfingstwunder, das Ausgießen des Heiligen Geistes, hingewiesen. 

Im Evangelium geht es um „Die Verheißung des Heiligen Geistes“, denn Jesus Christus will uns nicht als Waisen zurücklassen, sondern er gibt einen Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Textstelle endet mit: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ [5]

Als Epistel hörten wir aus der Apostelgeschichte die Stelle, die als „Das Pfingstwunder“ bezeichnet wird. Die Apostel reden in den verschiedenen Sprachen: „Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ [6] Man verdächtigte die Jünger, „voll süßen Weins“ zu sein. Das aber stellte Petrus in seiner Predigt richtig.

Die Lesung aus dem Alten Testament behandelt den Turmbau zu Babel. Als die Menschen einen Turm bauten fuhr der Herr hernieder und sprach: „Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen ...“. Und der Herr verwirrte ihre Sprache, daß „keiner des andern Sprache verstehe“ [7]. So wird die verwirrte Sprache zu Pfingsten von Gott wieder funktionsfähig gemacht. 

In der Versöhnungskirche habe wir durch zwei Lektoren den Text aus der Apostelgeschichte [6] vorgetragen und die Gemeinde rezitierte dazwischen Teile aus einem Gebet von Jörg Zink.

In Kall beschäftigten wir uns mit einem Bild von Salvator Dali, das es auf einer Karte zur Gestaltung von Gottesdiensten gibt [8]. Dali hatte dieses Bild als Auftragsarbeit für seinen Freund Giuseppe Albaretto geschaffen; es gibt insgesamt 105 Motive. Der Heilige Geist regnet auf die grauen Köpfe hinab und teilweise lassen sich Flammen (Gelb-Orange-Rot) erkennen und die Farbe Blau, die einen Neubeginn symbolisieren soll. Manche Köpfe ragen Zahlen und zwar die Eins bis Zwölf, wobei neben Matthias auch Judas (Schwarz) dargestellt sein soll. Man kann einen Wanderstab entdecken, der den Aufbruch der Kirche symbolisieren könnte. Ich sehe noch eine Gestalt mit ausgebreiteten Armen. Aber ich entdeckte auch den Kopf einer Taube, einen Kakadu, einen Fisch, einen Schnauzer (Hund) und einen Seelöwen und ein Kaninchen, die wahrscheinlich in der Symbolik nicht intendiert waren.

Das Altargesteck in Köln vertrocknete bereits. In Kall konnten wir uns an einem prächtigen Gesteck erfreuen, das in der aktuellen liturgischen Farbe gehalten war. Die große Blüte in der Mitte zeigt mit den Blütenkelchen eine Flamme. Kunststück! Es handelt sich ja auch um eine Paeonia lactiflora „Flame“. Herzliche Dank dafür! Die liturgische Farbe Rot ist für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Kirche an sich zu tun haben, gedacht [9].   





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 92-93. Am Pfingstsonntage nach.
[2] Es flog ein Vögelein leise: W II, Nr. 883, nach: Schöne Christenliche, catholische Weinächt oder Kindtleß Wiegen Gesang. Augsburg 1590. In: Eberhard Haufe (Herausgeber): Deutsche Mariendichtung aus neun Jahrhunderten. Union Verlag, Berlin 1961. S.178 und S. 400.
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/pfingstsonntag/  
[4] Sach 4,6b
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,15–19(20–23a)23b–27 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.2 Apg 2,1–21 
Das ist schon eine Herausforderung für die LektorInnen! Ähnliche Texte, die auch in den Gottesdiensten verlesen werden, steh zum Beispiel beim Propheten Nehemia.

[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.11 1. Mose 11,1–9
[8] Karte "Pfingsten", Apparuerunt illis dispertitiae linguae, Salvador Dalí, 1964, Field 69-3/5-22; Magni luxus ad personam © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / VG Bild-Kunst Bonn 2022; Foto: Josef Nannemann ©Hg.: Gottesdienst-Institut der ELKB
https://shop.gottesdienstinstitut.org/bildmedien-und-kunst/karte-pfingsten-salvador-dali.html  
[9]
https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben 

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Sunday, May 10, 2026

Altargesteck zu Rogate 2026

 


Der Hohe zeige seine Kraft:
Dann weiß ich wohl, wer Rettung schafft!
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der fünfte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Rogate („Betet!“) [2]. Wahrscheinlich geht dies auf Bitttage oder Bittprozessionen in vorreformatorischer Zeit zurück [3]; nach Auskunft von Wikipedia liegt der Beginn für die Flurprozessionen im Jahr 469/470 nach Erdbeben und Mißernten. Ich denke gerade an die ökumenische Elias-Prozession [4], denn an der wird aktuell gearbeitet. Es war allerdings als Dankprozession der Überlebenden nach der Pest gedacht. Im Mittelpunkt des Sonntags steht das Vaterunser bzw. die Ermutigung zu Gebet und Fürbitte. Der Wochenspruch ist wie immer passend zum Anlaß: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ [5]

Die Lesung aus dem Alten Testament steht im zweiten Buch Mose (Exodus) [6] und da heißt es: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet.“ Und dafür gibt es ein aktuelles Beispiel, nämlich eine Statue von Donald Trump [7]. Wahrscheinlich mußte es Gold sein, da Kim Il Sung in Bronze auf seinem Sockel steht. Ich nenne beides Größenwahn.


In der Epistel ermahnt Paulus im ersten Brief an Timotheus, „dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.“ [8]  Die Liste von Gebetsformen, die allerdings noch erweitert werden könnte, ist in der Zeit des Briefes zu sehen und kann schließlich von uns ergänzt werden. Wichtiger ist vielmehr, daß dieser Akt des Betens sich für alle Menschen einsetzen soll. 

Der Text für die Evangeliumslesung steht bei Lukas [9] und da bekommen wir eine knappe Form des Vaterunsers: „Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.“ Hätte man mich gefragt, in welchem Evangelium dieser Text steht, ich hätte auf Markus getippt, aber bei Markus kommen weder Vaterunser noch Vater vor, nicht ganz, einmal hat er es doch: „Abba, Vater, alles ist dir möglich ...“. [10] Lukas? Kaum zu glauben, aber doch wahr. 

Der Predigttext allerdings kommt unserem Verständnis und unserer Praxis der Vaterunsers sehr viel näher und der steht bei Matthäus [11]. „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.“ „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.“ „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden.“ Dann folgt das Vaterunser und zwar so:
„Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]“

Was passiert, wenn man betet? Hört Gott zu? Ob Gott zuhört, können wir nur glauben. Für Menschen, die aus dem Gebet Kraft schöpfen, steht es fest – Gott hört unser Gebet. Wir hören aber auch. Nachweislich werden solche Zentren im Gehirn aktiviert; interessanterweise wird auch das dopaminerge Belohnungssystem aktiviert [12]. Anders gesagt: es finden sich Muster, die sich z.B. bei der Interaktion mit Menschen bilden können. Beten Nichtgläubige, sind diese Merkmale nicht nachweisbar.

Das Gebet im Kämmerlein kann zur Kontemplation führen; damit meint man eine handlungsfreie Versenkung in die Werke Gottes oder Gottes selber. Contemplatio kommt aus dem Lateinischen und kann mit beschauen oder aus der Nähe betrachten übersetzt werden. Etymologisch kann man den Begriff auf con (mit, zusammen) und templum (Heiligtum) zurückführen. Aus dem Beter selbst wird der Tempel Gottes. Paulus schreibt im 1. Brief an die Korinther: „Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, ...“ [13].

Wenn man nun die Menschen von „Osten und von Westen, von Norden und von Süden“ und noch das Konzept Ökumene hinzufügt, gelangt man schnell nach Taizé. In Köln feierten wir eine Taizé-Andacht. Die Gemeinschaft von Taizé versteht sich als internationaler ökumenischer Männerorden, wurde aber bekannt durch ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich bis zu 100.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kamen; vor der Pandemie kamen immerhin noch 15.000 Teilnehmer [14] zusammen und so scheint es sich auch aktuell eingependelt zu haben. Es waren mehr Teilnehmer als üblich da und die Gesänge wurden mit Violine, Cello, Klavier und Flöte begleitet. Herzlichen Dank den MusikerInnen. Ich glaube, daß es an ihnen gelegen hat, daß nicht nur ich diese Taizé-Andacht als beste in unserem Kreis erlebt habe. Eigentlich hätte die Andacht noch länger dauern können.


Jemand bedauerte, daß man in Köln das Altargesteck kaum bemerkt habe, worauf ich antwortete: „Das ist auch besser so.“ Das Altargesteck in Kall zeigte ganz in Weiß, der aktuellen liturgischen Farbe, die österliche Freudenzeit auf. Bei den nächsten zwei Gelegenheiten (Christi Himmelfahrt und Exaudi) bleibt das auch so. Erwähnenswerr für Köln ist noch das Tuch, mit dem der Altar eingehüllt war und das von den KonfirmatInnen gestaltet worden war. Ich zeigte einen Ausschnitt.



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 84/85. Am V. Sonntage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/rogate/ 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bitttage BiTTTage ist natürlich besser!   
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2019/09/okumenische-eliasprozession-von-der.html und 
https://rheumatologe.blogspot.com/2016/08/350-jahre-elias-prozession-und-45-jahre.htm
[5] Ps 66,20 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32 2. Mose 32,7–14
[7] https://www.youtube.com/shorts/qj4S3qxLvR4 und
https://taz.de/picture/8429275/1200/41051683.webp 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1TI.2 1. Tim 2,1–6a  
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.11 Lk 11,(1–4)5–13
[10] https://www.bibleserver.com/LUT/Markus14 Mk 14,36
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.6 Mt 6,5–15
[12] Schjødt U, Stødkilde-Jørgensen H, Geertz AW, Roepstorff A. Rewarding prayers. Neurosci Lett. 2008 Oct 10;443(3):165-8. doi: 10.1016/j.neulet.2008.07.068. Epub 2008 Jul 31. PMID: 18682275. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18682275/ 
[13] 1.Kor 6,19
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_de_Taiz%C3%A9 
Siehe dort Quellenangaben zu den Zahlen in den Fußnoten [62] und [63].

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