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Sunday, September 6, 2026

Altargesteck zum 14. Sonntag nach Trinitatis 2026



Die sind die Leuchten, die in dumpfen Zweifelns Nacht
Glorreich bestrahlen sollen den verborgnen Pfad;
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der 14. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Dieser Sonntag soll uns an Gott und all das Gute, das von ihm kommt, erinnern. In den Texten zu diesem Sonntag kommen z.B. der dankbare geheilte Aussätzige, Jakob, der auf seiner Flucht die Himmelsleiter offen sieht, der Oberzöllner Zachäus, bei dem Jesus einkehrt, und weitere vor. Das läßt sich sehr gut am Wochenspruch ablesen: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ [3] 


Im Licht des Glaubens hoffe ich.
Katharina von Siena
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Ich glaube an das Licht.
Max Bollinger in: Bekenntnis

Die Lesung aus dem Alten Testament trägt die Überschrift: „Jakob schaut die Himmelsleiter“ [4]. Jakob durchquerte die Wüste und da träumte ihm: „… eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.“ Bei mir evoziert der Text Bilder wie „Jacob's Ladder von William Blake“ [5] oder auch „Jakob träumt von der Himmelsleiter“ von Ninetta Sombart [6], Bilder von göttlichem Licht, das in die Dunkelheit der menschlichen Existenz hinein reicht. Ich denke dabei auch an den Film „Jacob’s Ladder“ [7], aber das ist eine Abschweifung, die ich der Vollständigkeit halber erwähne. Die biblischen Ereignisse, von denen wir einmal Historizität annehmen, liegen über 3000 Jahre zurück. Aber wie viel Trost und Hoffnung mag der flüchtende Jakob aus dieses Worten („Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben“) geschöpft haben?!

Die Lesung stand im Lukasevangelium [8], es handelt sich um die Geschichte der zehn Aussätzigen, die von Jesus geheilt, werden, aber nur einer, ein Samariter, bedankt sich. Die Samariter begegnen uns bisweilen in der Bibel. „Die Samaritaner oder Samariter sind eine Religionsgemeinschaft, die wie das Judentum aus dem Volk Israel hervorgegangen ist.“ [9] Für sie gelten nur die fünf Bücher Mose als kanonisch. Wo begegnen wir ihnen im Neuen Testament? Als Jesus die zwölf Jünger aussandte, befahl er ihnen, nicht in eine Stadt der Samariter zugehen [10]. Aber in dem Gespräch mit der Samariterin [11], die Jesus Wasser zu trinken gibt, entwickelt sich die Aussage, daß Jesus der Messias ist. Über den barmherzigen Samariter sprachen wir bereits vor einer Woche [12].


Zu diesem Sonntag paßt besonders gut die Geschichte von Zachäus [13], die der heutige Predigtext war. Zachäus, das heißt „der Unschuldige“ [14], ist übrigens auf dem Parament der Versöhnungskirche abgebildet (bzw. die ganze Szene). Jesus kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Zachäus, der Oberste der Zöllner, wollte Jesus sehen, konnte es aber nicht wegen seiner kleinen Gestalt und die Menschenmenge vor ihm, die zudem dem Oberzöllner nicht wohl gesonnen war. Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum; wir kennen Maulbeeren und Feigen, aber Maulbeerfeigen [15]? Jesus sah ihn und sprach: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ 
Einschub: Die Augen sind die Pforten zur Seele. Wenn wir jemanden ansprechen, blicken wir ihm in die Augen. Wenn ich im Auto durch einen Ort fahre und nur den Kopf etwas wende, dann schaut mich die Person auf dem Bürgersteig ebenso an. Unsere Augen treffen sich, egal ob wir uns kennen oder nicht.
Die Menge murrte: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt.“ Zachäus aber bekehrte sich. „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Auch wenn es um Vergebung und Umkehr geht, so kann man in Zachäus nun einen glücklichen und zufriedenen Menschen sehen. Er ist wieder Teil der Nachkommen Abrahams.


Als Gesteck standen in Köln wieder einmal die Anthurien verlassen auf dem Altar. Der deutsche Name Flamingoblume und die Werbung als „echte Blickfänger“ täuschen nicht über den erbärmlichen Zustand der Pflanzen auf dem Altar der Versöhnungskirche hinweg. In Kall standen rote und flamingofarbene Rosen auf dem Altar. Innerlich wollte ich mich schon zu dem  Tipp „nehmt doch Keramik anstatt Glas“ hinreißen lassen, aber dann entdeckte ich doch noch die Nähe der Zweige im Glas zu der Plastik „Mae West“ am Effnerplatz in München [16], die ich viel zu klein geschätzt hatte.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 128-129. Am XV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/14-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Ps 103,2 
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.28 1. Mose 28,10–19a(19b–22) 
[5] Jacob's Ladder von William Blake
https://www.articelli.de/cdn/shop/files/Produktbilder-Rahmen-Mockup-Cropped-clean-A2-Hoch-450ppi-William-Blake-1799-1806-Jacobs-Ladder.jpg?v=1709136891&width=832  
[6] Jakob träumt von der Himmelsleiter von Ninetta Sombart
https://raffaelverlag.ch/wp-content/uploads/2018/07/KK_5390.jpg 
[7] „Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits (Originaltitel Jacob’s Ladder) ist ein US-amerikanischer Thriller von Adrian Lyne aus dem Jahr 1990, der mit verstörenden Bildern …“. Mit Tim Robbins in der Hauptrolle.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob%E2%80%99s_Ladder_%E2%80%93_In_der_Gewalt_des_Jenseits  
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.17 Lk 17,11–19 
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Samaritaner 
[10] Mt 10,5
[11] Joh 4,4ff.
[12] Altargesteck am 13.09.2020 13. Sonntag nach Trinitatis
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/08/altargesteck-zum-13-sonntag-nach.html 
[13] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,1–10 
[14] Zachäus ist ein biblischer Name, der schon im Alten Testament vorkommt und von Sinn her unschuldig, rein bedeutet. Siehe auch: https://biblehub.com/hebrew/2140.htm 
[15] Ich hatte Maulbeeren [15a], Feigen [15b] und Maulbeerfeigenbaum [15c] schon einmal nachgeschlagen, denn die merkwürdige Konstruktion interessierte mich doch. Ich hatte die Erkenntnisse damals aber im Text nicht unterbringen können. Es gibt sie alle drei!
[15a] „Die Maulbeeren oder Maulbeerbäume (Morus) sind wie die Feigen (Ficus) eine Pflanzengattung in der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae).“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeeren  
[15b] „Die Feigen (Ficus) sind die einzige Gattung der Tribus Ficeae innerhalb der Pflanzenfamilie der Maulbeergewächse (Moraceae).“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Feigen  
[15c] „Die Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt, ist ein im östlichen Mittelmeerraum [*] und in Afrika weitverbreiteter Baum aus der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae).“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeerfeige 
[16] Die Plastik „Mae West“ [16a], wurde 2002 von Rita McBride geplant und 2011 fertiggestellt. Sie ist 52 m hoch und wird als „aus Rohren gebildetes Stabwerk in Form eines Rotationshyperboloids“ beschrieben. Mae West (1893-1980) war eine US-amerikanische Filmschauspielerin, Sängerin und Autorin  [16b]. Im Hollywood der 1930er-Jahre zählte sie zu den bestbezahlten Filmstars. 
[16a] https://de.wikipedia.org/wiki/Mae_West_(Kunstwerk)  
[16b] https://de.wikipedia.org/wiki/Mae_West 
PS. Die Rechtschreibfunktion schlug Antihuren anstatt Anthurien vor. Fehler sind aber auf jeden Fall mir zuzuschreiben.

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Sunday, August 30, 2026

Altargesteck zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026


„O laß auf meine Stirne träufen,
du Starker, deiner Weisheit Tau!
Laß mich den rechten Stein ergreifen
Zu deines Tempels Ew'gen Bau.“
Annette von Droste-Hülshoff [1]
 

Der heutige Sonntag ist der 13. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet [3]: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Stopp! Ich bin schon wieder zu weit, denn den Gottesdienst am Samstag in Köln hätten wir auch anders feiern können. Wir sprachen zwar vom Vorabend zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026, aber der Tag hat sein eigenes Proprium. Das Fest am 29. August heißt „Tag der Enthauptung Johannes des Täufers“ und interessanterweise würde es auch am Samstag gefeiert, wenn der 29.08. auf einen Sonntag fallen würde [4].

Das Evangelium für den „Tag der Enthauptung Johannes des Täufers“ steht für 2026 im Markusevangelium [5]. Es erzählt die Geschichte, wie es dazu kam, daß der Kopf von Johannes dem Täufer auf einer Schale vor Herodes und seine Geburtstagsgäste gebracht worden ist. Da war der Tanz der Tochter der Herodias – der Name ist biblisch nicht überliefert, aber der jüdische Historiker Flavius Josephus hat ihn mit Salome bezeichnet. Salome erbittet auf Anraten der Mutter Herodes als Geschenk für ihren Tanz das Haupt von Johannes dem Täufer. Die ganze abgründige Tragödie fand im Schloß Machaerus statt, über das ich schon einmal berichtet habe [6].

Zurück zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026. Wie lautete doch gleich der  Wochenspruch [3]: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Ein Gesetzeslehrer fragte Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Jesus antwortete mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter [7]. Ich bin früher einmal der Frage, ob der barmherzige Samariter Single war, so intensiv nachgegangen, daß man mich fragte, ob ich eine Obsession zum barmherzigen Samariter hätte. Nein, hatte ich nicht, aber das Problem hatte einen Freund beschäftigt und nachfolgend mich. Ziemlich sicher war der barmherzige Samariter verheiratet – das nur nebenbei. Für das Gleichnis ist es völlig unbedeutend und dieses selbst ist eines der bekanntesten überhaupt. Die Stelle im Lukasevangelium endet so: “Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!” „Wer ist mein Nächster?“ Das ist gar nicht so einfach zu sagen und schnell sieht man ein scheinbar unlösbares Problem. Kann und muß ich mich um sämtliches Leid kümmern? Das geht überhaupt nicht, ist aber gleichzeitig im Rahmen eines Alles-oder-Nichts-Prinzips auch eine hervorragende Ausrede, überhaupt nichts zu tun. Nein, in der Regel merken wir schon, wer unser Nächster ist und wann wir uns schamvoll abwenden. Ein noch schwierigeres Problem findet sich in der Feindesliebe.



Der aktuelle alttestamentliche Text zur Lesung spricht „Von der Heiligung des Lebens“ [8]; ein längerer Text aus dem 3. Buch Mose 8 (Levitikus). Dort heißt es: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ Der Text wirkte bei der Lesung gestückelt, aber das ist der Auswahl aus dem langen Text geschuldet. Ich halte ihn weiterhin für so grandios, daß ich es aufgreifen möchte, denn diese Stelle hat mich schon lange beschäftigt. Im Glaubensbekenntnis heißt es [9]: „Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, /...“. Ich fragte mich, was denn die Gemeinschaft der Heiligen sei. Wer sind die Heiligen? Die Märtyrer? Die Heiligen, die von der römisch-katholischen Kirche bestimmt worden sind? Nein, wir alle sollen heilig sein, um Gottes Plan erfüllen zu können. Dafür stellt der weitere Text praktische Regeln auf, wie „Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht“, „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ oder „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken“. Kann man dem gerecht werden? Kann man in einer religiös pluralistischen Gesellschaft (Agnostiker, Muslime, Juden, Christen, Atheisten, Buddhisten etc.) heilig leben? Vielleicht unterscheiden wir uns, wenn wir das versuchen. „Dem jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide wird die Erkenntnis zugeordnet: 'Entweder nimmt man die Bibel wörtlich - oder ernst! Beides zusammen geht nicht.'“ [10] Nehmen wir die Bibel ernst und lassen uns von der Not unseres Nächsten anrühren.

Der Text der Epistel steht im 1. Brief des Johannes und da geht es um „Die Liebe Gottes und die Liebe untereinander“ [11]. Im Prinzip ein schöner Text, der aber 15mal Liebe in sechs Versen unterbringt und somit fast zum Zungenbrecher für die vorlesenden PrebyterInnen wird, zumal einmal nicht von lieben sondern leben die Rede ist. Dem Brief fehlen die üblichen Rahmenstücke (Briefeingang – und -schluß), aber es handelt sich doch um einen Brief [12]. Der Brief leitet das Liebesgebot von der zuvorkommenden Liebe Gottes ab. Gottes Liebe gilt jedem, ob man sich nun darauf einläßt oder nicht, erfahrbar wird sie aber erst, wenn man sie zuläßt.

Das Altargesteck in Köln stand frisch und (nichtssagend) bunt auf dem Altar in der Ferne, denn der Gottesdienst wurde am Taufbecken in fast calvinistischer Kargheit gefeiert. In Hellenthal gab es Blumen auf dem Altar zu sehen; man hat aber besser zum Schutz der Augen weggesehen. Schon eine Vase oder Keramikkrug anstatt eines Glasgefäßes hätten zu einer deutlichen Verbesserung geführt.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 126-127. Am XIV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/13-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Mt 25,40b
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-enthauptung-johannes-des-taeufers/ 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.6 Mk 6,14–29 
[6] Machaerus Castle – Where Herod Antipas had John the Baptist Beheaded 
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/machaerus-castle-where-herod-antipas.html 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.10 Lk 10,25–37 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LEV.19 3. Mose 19,1–3.13–18.33–34 
[9] Evangelisches Gesangbuch. Gütersloher Verlagshaus 1996. ISBN: 978-3579000435. S. 1309.
[10] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 59.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,7–12
[12] Hans Conzelmann und Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. 11. Auflage. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1995. ISBN: 3-8252-0052-3 (UTB). S. 377 ff.

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Sunday, August 23, 2026

Altargesteck zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2026


Und sprich Dein Hephata, dann ist's geschehn;
Ich bin gelöst, der Fluch, er hat ein Ende.“
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der 12. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet [3]: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Der heutige Sonntag beschäftigt sich einerseits damit, daß Gott Augen und Ohren öffnen kann, und andererseits damit, daß wir sie dann auch benutzen sollen. Das Leid anderer sehen oder auch das Wort Gottes verkünden. Der 23. August ist auch Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung. Der Gedenktag wurde im Jahr 1998 etabliert, die UNESCO will an die weltweite Tragödie des Sklavenhandels erinnern. Ach, es gibt keine Sklaven mehr?! Das halte ich für ein Gerücht [4] und da kann man noch weiter dran arbeiten. Ich erinnere mich an Ferien auf Texel als Kind. Da wurde abends auf der Wiese ein Film [5] projiziert und im Anschluß wurde auf den Sklavenhandel hingewiesen („Diese Frau ist eine Sklavin ...“), worauf die Mütter ihre Kinder schleunigst einsammelten. Wegschauen hat Tradition. 

Der Eingangspsalm steht unter der Überschrift: „Gottes Walten in Schöpfung und Geschichte“. Es ist ein Psalm, der übrigens nicht im Evangelischen Gesangbuch (EG) abgedruckt ist. Es handelt sich um Psalm 147 [6]. Der lyrischste Vers ist: „Er zählt die Sterne / und nennt sie alle mit Namen.“ Dazu paßt aber das Lied 511 im EG: „Weißt du wie viel Sternlein stehehen“. Der für den aktuellen Sonntag wichtigste Vers ist der 6. Vers: „Der Herr richtet die Elenden auf / und stößt die Frevler zu Boden.“ [7]

Die Epistel steht in der Apostelgeschichte [8] und trägt den Titel: „Die Bekehrung des Saulus“ [9]. Es handelt sich um einen längeren Text, den man besser selbst liest. Aber ich wage einmal eine Zusammenfassung: Saulus läßt sich eine Genehmigung zur Verfolgung der Anhänger von Jesus Christus ausstellen und ist auf dem Weg nach Damaskus. Er wird von gleißendem Licht umgeben und Jesus spricht zu ihm: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Er wird blind nach Damaskus geführt, wo Hananias Gottes Auftrag erfüllt, indem er ihm die Hände auflegt und spricht: „Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest.“ Er wird wieder sehend und „alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei“. Paulus wird seine Glaubensblindheit physisch vor Augen gebracht. Dann wird er sehend und verkündet das Wort. 

Der alttestamentliche Text für den heutigen Sonntag steht im Buch Jesaja und zwar im alten Teil [10], der auf die heutige Lesung hinweist, denn dort heißt es: „Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.“

Das Lesung steht im Markusevangelium [11] unter dem Titel: „Die Heilung eines Tauben“ - sinnvoller wäre die Bezeichnung Taubstummer. Man brachte einen, „der taub war und stammelte“, vor Jesus und baten ihn, den Mann zu heilen. Dieses Wunder läßt Jesus Christus geschehen. Markus endet dieses Gleichnis so: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.“ In dieser Geschichte wird das Leiden von der Umgebung wahrgenommen und Jesus spricht: „Hefata!, das heißt: Tu dich auf!“ [12] Damit meint er sicherlich nicht nur den Taubstummen sondern auch uns.

Der Predigttext steht im 1. Brief an die Korinther [13]. Da Paulus weiter gezogen war, um zu missionieren, waren in der Gemeinde Korinth Fraktionen entstanden. Und so sah sich Paulus genötigt, diesen Brandbrief zu schreiben. Zwei Passagen aus dem heutigen Text haben mich bewegt. „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Denn hier zeigt sich, daß nicht einzelne Personen aus der Gemeinde die Gemeinde auf sich ziehen sollten, sondern daß die Gemeinde auf der Grundlage Jesu Christi gedeihen kann. Und: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.“ Man muss etwas für seinen Tempel tun, aber man sollte sich nicht mit der Physis eines Tempels vergleichen, sondern es geht um den Geist, der in ihm wohnt.

Das Altargesteck in Köln war genauso verwelkt wie vor zwei Jahren, aber es stand im Abseits, denn der Gottesdienst wurde am Taufbecken gefeiert, obwohl wir gar so wenig Teilnehmende waren. Der Küster hatte noch versucht, die schlimmsten Blüten zu entfernen – das zumindest war gelungen. In Kall gab es kein Gesteck, denn die Andacht wurde nach dem Format „Auf ein Wort“  gefeiert, trotzdem gab es ein hübsch konzipiertes Gesteck aus Blumen der Hochzeit vom Vortag neben dem Altar zu sehen.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 124-125. Am XII. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/12-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Jes 42,3
[4] Übrigens nicht nur ich. Da gibt es Untersuchungen zu:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/211147/internationaler-tag-der-erinnerung-an-sklavenhandel-und-dessen-abschaffung/ 
[5] Wahrscheinlich war es „Serengeti darf nicht sterben“ aus dem Jahr 1959; ich bin mir aber nicht sicher, ich war 9-11 Jahre alt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti_darf_nicht_sterben 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PSA.147 Ps 147,1–6.11
[7] Wehe, wenn jetzt jemand an „Chleudert den Purschen zu Poden!“ denkt!
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.9 Apg 9,1–20
[9] Erleben wir hiermit die Wendung von Saulus zu Paulus? Nein, denn Paulus hatte immer schon beide Namen: den jüdischen Saulus und den römischen Paulus. Ich erwähnte dies bereits in: 
Paulus und Barnabas in Lystra 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/paulus-und-barnabas-in-lystra.html 

[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.29 Jes 29,17–24 
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.7 Mk 7,31–37 
[12] Dieses Hefata! (אתפתח / ἐφφαθά) hat etwas Mystisches, wie „iftah ya simsim“ (إفتح يا سمسم) oder Sesam, öffne dich! Wer sich für die griechische Transliteration des aramäischen Begriffes interessiert, muss es sich auf Wikipedia ansehen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Language_of_Jesus#Ephphatha 
[13] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.3 1. Kor 3,9–17 

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Sunday, August 9, 2026

Altargesteck zum Zehnten Sonntag nach Trinitatis 2026


Drum, wenn die Wolke wieder mich umgibt
Und fast verzweifelnd meine Arm' ermatten,
Dann will ich denken, daß er hat geliebt,
Und meine Wimper heben durch die Schatten.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der zehnte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Die Wochenspruch lautet [3]: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ Seit den Anfängen des Alten Testaments bis in unsere Tage sind mehr als 3000 Jahre vergangen und wir können das Heilige Land nur als von Konflikten gebeutelt erleben. Der heutige Sonntag wird auch Israelsonntag genannt und wurde im 16. Jahrhundert zur Erinnerung an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels etabliert. Heute stehen die Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. Und schon wieder einmal dürfen sich Juden in Deutschland nicht sicher fühlen. Aber vielleicht fangen wir an, uns mit den jüdischen Wurzeln des Christentums auseinanderzusetzen, bevor wir (allerdings nicht hier) in die Politik einsteigen. Trotzdem: „Denken wir insbesondere an den aktuellen Konflikt in Palästina, unter dem nach Mord und Verschleppung durch die HAMAS Isreali und Palestinenser leiden.“

Offenheit, Toleranz, Wohlwollen, Liebe sind notwendig; Hass, Egoismus oder Narzissmus sind nicht gefragt. Wenn man den Nächsten lieben will wie sich selbst, dann muß man auch sich selbst mit Liebe und Nachsicht begegnen können. Wie steht es um die Menschen, die in den sozialen Medien nur Hass-Kommentare abgeben? Die können sich selbst eben nicht mit Liebe, Nachsicht und Wohlwollen begegnen – aber wir könnten es … könnten es versuchen. 


Im Evangelium geht es um die Frage nach dem höchsten Gebot [4], die Jesus mit einem Zitat aus dem 5. Buch Mose beantwortet [5]. Die ersten beiden Verse der Textpassage lauten: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Dieses Schma Jisrael (Höre Israel) kann man als jüdisches Glaubensbekenntnis auffassen. Gläubige Juden sprechen es morgens und abends, zu Neugeborenen und es sind mitunter die letzten Worte sterbender Juden. Die Textpassage steckt auch in einer Kapsel, die Mesusa [6] genannt wird, und sich am Türpfosten der Eingangstür jüdischer Häuser befindet. Man küßt diese bei Betreten oder Verlassen des Hauses als Ehrerbietung.

Ein Rabbi fragte seine Schüler, wann der Tag beginnen würde. Alle Antworten waren falsch. Der Rabbi beantwortete selbst die Frage: „Der Tag beginnt, wenn Du in das Gesicht eines Menschen blickst und darin Deine Schwester oder Deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Damit aber kommen wir zu Emmanuel Levinas. Emmanuel Levinas (1905-1995) [7] entwickelte eine Ethik, die sich nicht um Erkenntnis über das Sein in erster Linie sondern um das Antlitz des Anderen kümmerte. Man kann dem Anderen nicht mit Gleichgültigkeit begegnen, obwohl er seine Anders-/Fremdheit nicht verlieren kann [6]. Der Übersetzer F. Miething zitierte aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“, um dies zu beschreiben [8]: „Jeder ist verantwortlich für alle anderen, jeder ist schuldig und ich mehr als alle anderen.“

Es ist Saure-Gurkenzeit, auch bei den Gestecken. In der Versöhnungskirche sah man das Skelett einer Anturie, immerhin sehr viel Grün als liturgische Farbe. Als Alternative hätten wir vertrocknete Blumen aufstellen können, die sich noch in der Sakristei fanden. In Kall war es immerhin ein frischer Strauß Sonnenblumen, ebenfalls mit sehr viel Grün. Mal so gesehen kann es in den nächsten Wochen nur besser werden.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 120-121. Am XI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/10-sonntag-nach-trinitatis-israelsonntag-kirche-und-israel/  
[3] Ps 33,12
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.12 Mk 12,28–34
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa 
[7] https://www.jesus.ch/themen/glaube/theologie_philosophie_religion/126826-emmanuel_lvinas_das_antlitz_des_anderen_nach_auschwitz.html 
[8] https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/die-spur-des-anderen/ 

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Sunday, July 5, 2026

Altargesteck zum Fünften Sonntag nach Trinitatis 2026


Du, der gesprochen: „Fürcht' dich nicht!“
So laß mich denn vertraun auf deine Hand
Und nicht ermüden!
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Fünfte Sonntag nach Trinitatis … auch diese Woche halten erst einmal an. In der Woche vor dem Vierten Sonntag nach Trinitatis hatten wir zwei Gedenktage mit eigener Liturgie und diese Woche sind es sogar drei! Zunächst war da der Tag der Apostel Petrus und Paulus [2] mit dem Spruch: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.“ [3] Die liturgische Farbe ist Rot. Danach kam der Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth (Heimsuchung) [4] mit dem Spruch: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.“ [5] Die liturgische Farbe ist Weiß. Heimsuchung bedeutete  im Mittelhochdeutschen so etwas wie Hausfriedensbruch und wir meinen heute eher damit einen Schicksalsschlag, aber hier bedeutet es einfach nur die Begegnung von Maria und Elisabeth. Und dann war da noch der Tag des Apostels Thomas [6]  mit dem Spruch: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ [7] Die liturgische Farbe ist Rot.
Thomas ist eine der biblischen Personen, denen etwas Unrühmliches anhaftet. Bei Matthäus wird er nur als Jünger genannt [8], in der Apostelgeschichte als einer der Zwölf [9]. Im Johannesevangelium finden wir ihn dreimal: etwas vorlaut spricht er zu den anderen Jüngern vor dem Besuch in Bethanien [10], im 14.Kapitel gibt Thomas die Vorlage zu „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ [11], und dann die Stelle, die ihn als Zweifler brandmarkt. Als Thomas den Christus sieht, glaubt er, aber Jesus spricht zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ 
Huch, da ist es mit mir wieder einmal durchgegangen! Genug der Abschweifungen. Wir waren doch … noch nicht sehr weit gekommen. Es geht um den Fünften Sonntag nach Trinitatis [12]. Dieser Sonntag will uns anleiten, mit Gott neue Wege zu wagen. Das aber erfordert Mut und Vertrauen, auf das wir gleich zurückkommen werden. Der Wochenspruch lautet: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ [13] Es geht um das Vertrauen, das wir Gott entgegen bringen sollen. So wie Abraham, der als alter Mann noch in ein fernes Land geschickt wird, um dort neu anzufangen [14]. Dieser Vertrauen bringt auch Petrus auf, als er die Netze nach ergebnislosem Fischzug noch einmal auf das Geheiß von Jesus auswirft – unser Evangeliums- und Predigttext [15].

In der Lesung aus dem Alten Testament geht es um „Abrams Berufung und Zug nach Kanaan“ geht: „Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.“ Wie groß muß dieses Vertrauen gewesen sein! Und wie groß erst, als Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, aber das ist nun eine andere Geschichte. 

Im Evangeliums- und Predigttext fährt Petrus sein Boot auf dem See Genezareth zunächst etwas vom Ufer weg und Jesus predigt der Menge. Petrus und die anderen Fischer hatten in der Nacht nichts gefangen, jetzt aber schickt Jesus am Tag zum Fischen: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Die Aussichten auf einen Fang sind gering, aber Petrus sagt: „… auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Er fing so viele Fische, daß die Netze zu reißen drohten. Simon Petrus ist voller Angst. „Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.“ Die Synoptiker Markus und Matthäus haben ähnliche Texte. Im Johannesevangelium finden wir eine ähnliche Begebenheit [16]. Sie findet sich am Ende. Mich hat die Zahl der 153 Fische fasziniert. Da, wo es tief ist, deutet auf Ängste hin, wovon Filme 2000 Jahre genügend Gebrauch gemacht haben [17]. Petrus ist ein ängstlicher Mensch und gerade er ist der Fels. Das soll uns Mut machen.

Der Taizé-Gottesdienst in Köln-Holweide spielte sich abseits vom Altar ab. Diesmal bestand das Begleitorchester aus Flügel, Flöte, Saxophon und drei Violinen. Vier der MusikerInnen gehören den Dellbrücker Symphonikern [18] an. 

Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich erneut überrascht, vielseitig  und frisch. Die Lilien dufteten sogar sehr stark. In Kall stand ein Sommerstrauß auf dem Altar.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 109-110. Am VI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-apostel-petrus-und-paulus/ 
[3] Apg 4,33
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-besuchs-marias-bei-elisabeth-heimsuchung/  
[5] Gal 4,4
[6] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-des-apostels-thomas/ 
[7] Jes 52,7
[8] Mt 10,3 
[9] Apg 1,13
[10] Jesus will zum verstorbenen Lazarus gehen, übrigens von Bethanien am Jordan nach Bethanien bei Jerusalem, als Thomas spricht: „Laßt uns mit ihm gehen, daß wir mit ihm sterben!“ Joh 11,16b
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,5-6
[12] https://kirchenjahr-evangelisch.de/5-sonntag-nach-trinitatis/ 
[13] Eph 2,8     
[14] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12 1. Mose 12,1–4a 
[15] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.5 Lk 5,1–11 
[16] https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes21 Joh 21,6-11
[17] Etwa die folgenden Filme:
Die Tiefe (1977)
Im Rausch der Tiefe (1988)
Abyss – Abgrund des Todes (1989)
Sanctum (2011) – da wird in Höhlen getaucht; die Speläologie birgt neben der Tiefe auch noch die Enge.
[18] https://www.dellbrueckersymphoniker.de/ 

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Sunday, June 28, 2026

Altargesteck zum Vierten Sonntag nach Trinitatis 2026


Wenn meine Sünden ohne Zahl
Gespenstig auf mich drangen:
Es ist doch wahr und ist kein Traum,
Mein Leben war nur Dunst und Schaum.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der vierte Sonntag nach Trinitatis … Stopp! Nach dem dritten Sonntag nach Trinitatis hatten wir noch Tag der Geburt Johannes des Täufers (Johannis) [2] mit der liturgischen Farbe Weiß. Wir erinnern uns an seine Taufe als Zeichen der Umkehr. Und dann war da noch der Gedenktag des Augsburger Bekenntnisses [3] mit Rot als liturgischer Farbe. Philipp Melanchthon hatte 1530 die reformatorische Position vor dem Reichstag zusammengefaßt. Dieses Bekenntnis ist eine wichtige Grundlage für ökumenische Gespräche mit der katholischen Kirche. Der vierte Sonntag nach Trinitatis hat die Kernaussage [4]:  „Seid barmherzig!“ Der Wochenspruch lautet: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ [5]


Die Epistel steht im Römerbrief und mahnt uns: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.“ Und: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ [6] Paulus zitiert in der kurzen Stelle gleich zweimal das Alte Testament, einmal aus dem Buch der Sprüche und einmal aus dem 5. Buch Mose: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“ Das war schon vor ca. 3000 Jahren sehr tröstlich, daß wir uns nicht um Rache zu kümmern brauchen; Gott hält uns den Rücken frei für Versöhnung und Vergebung. Mich fasziniert: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Ich empfinde dieses Wort als sehr tröstlich und voller Hoffnung, denn es wird nur verlangt, daß wir so viel tun, wie wir vermögen.

Das Evangelium steht bei Lukas und es geht um den Umgang mit dem Nächsten. Es ist die berühmte Stelle: „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“ [7]

In Kall fand der Gottesdienst nach dem Format „Auf ein Wort“ statt; wir feierten eine Andacht um den kleinen Altartisch mit der liturgischen Eröffnung nach der Iona Kommunität [8]. Der Kern waren die aktuelle Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu!“ [9] und der bereits angesprochene Text aus dem Römerbrief und zwar die Jahreslosung 2011: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Auch in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide fand ein anderes Format statt und zwar „Gottesdienst im Augenblick“, der viel Spielraum für spontane Ideen bietet, z.B. welches Lied gesungen werden soll oder ich hatte mir den Psalm 136 gewünscht, in dem es um Gottes Wunder in Schöpfung und Geschichte geht und in dem sehr viel gedankt wird und 26 Mal wird gesagt: „denn seine Güte währet ewiglich.“ [10] Der Psalm schließt so: „Danket dem Gott des Himmels, denn seine Güte währet ewiglich.“ Das hat schon etwas von einem Mantra oder einer Litanei.

Eine Dame wollte mehr zur Trinität wissen und da hatte ich schon einmal zum Fest Trinitatis vorgearbeitet [11] und konnte dies in die Diskussion einbringen. Die Dreieinigkeit Gottes – ein Gott in drei Personen – ist eine schwierige  theologischen Idee, die der christlichen Kirche Kritik von anderen Religionen eingebracht hat, für uns selbst schwer verständlich bleibt, aber uns mehr über das Wesen Gottes vermitteln kann. In den Wissenschaften haben wir mit den drei Aggregatzuständen eines Stoffes – fest, flüssig, gasförmig – überhaupt kein Problem. Während Wasser und Eis gut erkennbar sind, ist der reine Wasserdampf unsichtbar, wir können nur Wassertröpfchen sehen, also Nebel, und nicht den Dampf.


Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich erneut überrascht, wieder sehr bunt und frisch. Meine erste Assoziation war: „alles so schön bunt hier!“ [12] Und dabei wollen wir es belassen.




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Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 106-108. Am V. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-geburt-johannes-des-taeufers-johannis/ 
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/gedenktag-des-augsburger-bekenntnisses/ 
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/4-sonntag-nach-trinitatis/  
[5] Gal 6,2
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.12 Röm 12,17–21 
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.6 Lk 6,36–42 
[8] „Die Iona Community (auch Gemeinschaft von Iona oder Iona-Kommunität genannt) ist eine auf der schottischen Insel Iona lebende ökumenische Gemeinschaft (Kommunität), die 1938 von George MacLeod gegründet wurde.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Iona_Community   
Eigentlich müßte ich hier mehr zitieren, aber dann wäre das Zitat zu lang geworden, bitte selbst nachschauen, falls noch nicht getan, denn es lohnt sich. 
[9] Offb. 21,5
[10] https://www.bibleserver.com/LUT/Psalm136 
[11] Altargesteck zu Trinitatis 2026
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/05/altargesteck-zu-trinitatis-2026.html 
[12] Aus dem Lied TV Glotzer von Nina Hagen aus dem Jahr 2001.

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Sunday, June 21, 2026

Altargesteck zum Dritten Sonntag nach Trinitatis 2026


So ist aus deines heiligen Buches Schein
Gefallen denn ein Strahl in meiner Nacht,
In meines Herzens modergrauen Schacht.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der dritte Sonntag nach Trinitatis [2] hat die Kernaussage:  „Wagt umzukehren! Ihr könnt zurück, wenn ihr nur wollt.“ Der Wochenspruch lautet: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ [3]



Dazu paßte das Evangelium, daß wir in Köln lasen, nämlich die Geschichte um den Oberzöllner Zachäus, der auf dem Parament in Köln auf dem Maulbeerfeigenbaum abgebildet ist. Haben Sie sich auch schon einmal darüber gewundert, was das denn für ein Baum sein soll? Ich habe jetzt endlich einmal auf Wikipedia nachgeschaut und siehe, es ist klar, warum Zachäus auf diesen Baum stieg, schauen Sie sich das Foto an [4]. Kommen wir auf die Geschichte selbst von Zachäus [5] zurück. Jesus kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Zachäus, der Oberste der Zöllner, wollte Jesus sehen, konnte es aber nicht wegen seiner kleinen Gestalt. Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum. Jesus sah ihn und sprach: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Die Menge murrte: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt.“ Zachäus aber bekehrte sich. „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Eigentlich wird der Text zum 14. Sonntag nach Trinitatis gelesen, wenn es um Dankbarkeit geht. Aktuell aber zeigt es, wie der Christus sucht, was verloren ist, um auch das zu retten.
 
Nach der Perikopenordnung steh das Evangelium für den dritten Sonntag nach Trinitatis im 15. Kapitel des Lukasevangeliums [6]. Es geht in diesem Kapitel um das Verlorene -: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn. Es geht aber auch um das Wiederfinden.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, daß der jüngere Sohn sich das Erbe auszahlen läßt und es in einem fernen Lande verliert. Während einer Hungersnot dort hat er sich, tiefer kann man wohl in der jüdischen Antike nicht sinken, bei einem Schweinezüchter als Hirte anstellen lassen und wollte gerne vom Futter der Schweine essen, doch niemand gab es ihm. Er bedenkt seine Situation und sagt zu sich: „ Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“. So kehrt er zurück und wird vom Vater freudig empfangen, der das gemästete Kalb schlachten  und ein Fest feiern läßt. Der ältere Sohn kommt vom Feld und ärgert sich, daß der Vater für den Bruder ein Fest ausgerichtet hat. Dem Vater gegenüber kann er den Bruder nur als „deinen Sohn, der das Erbe mit Huren verprasst hat“ bezeichnen. Ich weiß, daß Lukas die Geschichte anders erzählt hat; aber das kann man selbst nachlesen. Der jüngere Sohn kommt sehr schlecht weg in der Geschichte, vielleicht sogar zu schlecht. Man kann  heutzutage verschiedene Übersetzungen aufrufen und das habe ich für den Vers 13b getan. Da ist u.a. von „Saus und Braus“ die Rede, von Prassen und „liederlichem Leben“ die Rede [7]. All das hängt an einem Adverb, nämlich ἀσώτως (asōtōs), übersetzt: verschwenderisch [8]. In Vers 30 sagt der ältere Sohn: „Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Rechtlich gesehen war es nicht mehr das Gut des Vaters, denn es war möglich, das Erbe schon früher zu erhalten. Es war das Gut des jüngeren Sohnes, das er leichtfertig (? auch das wäre schon eine Interpretation) verschwendet hat. Stellen wir uns die Situation einmal vor. Da kommt der ältere Sohn vom Feld, fragt warum da ein Fest gefeiert wird und „weiß“, daß der jüngere Bruder sein Erbe mit Huren durchgebracht hat. Hier spielen Neid und Mißgunst eine Rolle. Der Titel hätte anstatt „Vom verlorenen Sohn“ auch lauten können: „Von den verlorenen Söhnen“. Der Vater hat beide Söhne zu sich, zu seinem Fest der Freude eingeladen, so daß auch die Titel „Die Freude des Vaters“ oder „Die Liebe des Vaters“ hätten gewählt werden können. Der Vater vergibt beiden, so daß ein neuer Anfang möglich ist.

Die Lesung aus dem Alten Testament war zugleich Predigttext und steht am Schluß des Texte, der dem Propheten Micha zugeschrieben wird [9]: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Micha stammte vom Lande, aus dem Dorf Moreschet im Südwesten von Jerusalem, und lebte um 740 v. Chr. Er war u.a. Zeitgenosse des Propheten Jesaja. Micha sprach sich gegen soziale Ungerechtigkeit und den Verfall der Religion aus, was man auch als Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch sehen kann. Im 3. Kapitel prophezeit er die Vernichtung Jerusalems („Darum wird Jerusalem zum Steinhaufen werden.“). Das kurze Buch Micha (sieben Kapitel) beinhaltet 19 Prophezeiungen. Auf die Drohung des nahenden Gerichtes fallen jedoch immer auch Worte der Heilszusage. Und am Schluß des 7. Kapitel könnte man sagen „Ende gut, Alles gut“ - es werden versöhnliche Töne angeschlagen. Micha beschreibt Gott als den Herrn, der seinem Volk trotz aller Sünden hinterhergeht, um es in unermeßlicher Barmherzigkeit, Geduld und Gnade selig zu machen. Unter Seligkeit kann man einen Zustand tiefsten Glücks und innerer Harmonie verstehen. Der Begriff beschreibt die vollendete Erlösung, ein Ruhen in Gott, Ziel einer lebenslangen Suche und Sehnsucht.


Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich überrascht, auch wenn es genauso fern vom Geschehen lag, wie das bereits oben genannte Parament. Das Altargesteck war sehr bunt gestaltet und ist aus der Ferne kaum zu erfassen. Insbesondere dieses nette Detail einer gekünstelten Blüte, die ich vergrößert habe. Es war übrigens frisch und nicht angetrocknet. Als ich das Gesteck sah, dachte ich an A Coney Island of the Mind von Lawrence Ferlinghetti [10]:
„und was könnte sie sagen zur Mutter 
nach all der Zeit die sie blau 
                                             in den Lümmelblumen lag 
        an diesem heißen Flußufer 
                          wo Farne knickten in der stockenden Luft“

In Kall erwartete uns ein Altargesteck, daß auch aus der Distanz erhaben wirkte. Das Grün der aktuellen liturgischen Farbe tritt durch die blaßvioletten Blüten viel stärker hervor. Am Kölner Dom gibt es Details, die man niemals sehen kann, sie sind für Gottes Auge. Schön, daß wir mit diesem Gesteck unsere Augen erfreuen durften.





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Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 104-105. Am IV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/3-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Lk 19,10
[4] „Die Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt, ist …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeerfeige 
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,1–10
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.15 Lk 15,1–3.11b–32
[7] „und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“ Luther 2017
„und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.“ Luther 1912
„vnd daselbs bracht er sein Gut vmb mit brassen.“ Luther 1545
„indem er ausschweifend lebte.“ Elberfelder 1905
„und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben.“  Schlachter 1951
„Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch.“ Neue Genfer Übersetzung
„Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.“  Einheitsübersetzung 2016
„Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles.“ Gute Nachricht Bibel 2018
„Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Vermögen.“ Zürcher Bibel
[8] https://biblehub.com/luke/15-13.htm#lexicon Alles Griechische muss ich nachschlagen!
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.7 Mi 7,18–20 
[10] Lawrence Ferlinghetti: A Coney Island of the Mind / A Far Rockaway of the Heart: Gedichte. Übersetzer Klaus Berr. Sammlung Luchterhand, München 2005. ISBN: 9783630620589. S. 21.




Sunday, June 7, 2026

Altargesteck zum Ersten Sonntag nach Trinitatis 2026


Ach, ihr mag ich wohl lassen
Der lichten Stunden Blitzen,
Der Träume Dämmertau.
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der Erste Sonntag nach Trinitatis ist dem Nächsten gewidmet: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder [und seine Schwester] liebe“. [2] Im ersten Brief des Johannes sind „die Liebe Gottes und die Liebe untereinander“ Kernthemen [3]. Die Textstelle ist nach der Perikopen Ordnung als Epistellesung ausgewählt. Im 18. Vers werden Furcht und Liebe gegen einander gestellt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ Kann es sein, daß wir selbst Gottes Liebe fürchten, denn immer wieder muß bekräftigt werden: „Fürchtet Euch nicht!“ [4] Interessanterweise ist Furcht / Angst häufig Thema in Gedichten, so las ich zufällig heute von Stéphane Mallarmé das Gedicht „Angoisse“, in dem es heißt [5]: 
„Je fuis, pâle, défait, hanté par mon linceul,
Ayant peur de mourir lorsque je couche seul.“
Und noch ein zweites Gedicht von Tuvia Rübner [6]:
„Nicht Angst,
nicht in Angst. Angst legt Hand 
aufs Gesicht. Nicht böses Hirngewind, Wind,
sich dranhängen. Nicht niedersinken in Sand ...“ 

In der Lesung aus dem Evangelium hören wir die Parabel „Vom reichen Mann und armen Lazarus“ [7]. Im 23. Vers wird über den Reichen gesagt: „Als er nun in der Hölle war ...“. Im Christentum gibt es sehr verschiedene Ansichten zur Hölle, so daß die Originalübertragung Luthers von „descendit ad inferos“ im Glaubensbekenntnis, nämlich „niedergefahren zur Hölle“ [6] in den 1970iger Jahren durch „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ersetzt wurde, wie es im Evangelischen Gesangbuch steht. Die Hölle kommt im Alten Testament nur einmal im Buch Hiob vor. Je einmal wird die Hölle im 1. Korintherbrief, im Brief des Jakobus und in der Offenbarung erwähnt. Eine Häufung des Begriffes „Hölle“ finden wir im Matthäusevangelium, denn den Evangelisten scheint das Thema fasziniert zu haben, immerhin lassen sich fünf Stellen nachweisen und die stehen in verschiedenen Kapiteln [8].

Im Predigttext geht es um die Gütergemeinschaft der ersten Christen, wie sie in der Apostelgeschichte [9] beschrieben wird. Unsere Textstelle beginnt so: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Das klingt schon fast wie Kommunismus. Aber schauen wir genauer hin. In der sich anschließenden Erzählung über das Ehepaar Hananias und Sapphira zeigt sich, daß es sich hier um eine Idealvorstellung und nicht um historische Wirklichkeit handelt; die hatte Lukas wahrscheinlich auch nicht im Sinn. Man erlebt sich nicht als Eigentümer sondern mehr als Verwalter. Die aktuelle Textstelle berichtet über einen Barnabas, „der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld“. Man verkauft also das, was benötigt wird und nicht den gesamten Besitz. Die Freiwilligkeit aber ist der entscheidende Faktor.

Im Text der Epistel stand aktuell ein Stück aus dem ersten Brief des Johannes [10] an, in dem es um den Geist der Wahrheit und des Geist des Irrtums geht. Darin stehen: „Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“ Und: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“


Beschäftigen wir uns einmal mit der liturgischen Farbe. Wir betreten die grüne Zone, denn nun beginnt die lange Phase mit Grün. Grün ist fast in allen Gestecken enthalten, aber man muß im Gesteck der Versöhnungskirche schon suchen, einerseits sind die Hortensien kein Gesteck sondern ein Blumentopf und andererseits sind die Blüte blau. Der Altar selbst bleib ohne Gesteck und ich ich befürworte das. Ob es aber ein Blumentopf auf dem kleinen Altar auf dem Taufbecken sein muß, ist eine andere Frage. In Kall hat die Küsterin wieder für ein ansprechendes Altargesteck gesorgt. Sie hat dafür Blüten mit Grün gefunden. Und so steigt aus dem Weiß von Trinitatis das Grün der Zeit nach Trinitatis. Herzlichen Dank dafür!
 



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 100-101. Am II. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/1-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,(13–16a)16b–21
[4] Eine Auswahl:
„Fürchte dich nicht, Abram!“ 1 Mose 15,1
„Fürchte dich nicht, mein Volk, ...“ Jes 10,24
„Fürchte dich nicht vor ihnen; ...“ Jer 1,8
„Fürchte euch nicht!“ Mt 28,5
„Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Mk 5,36
„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ Lk 12,32
„Fürchte dich nicht!“ Offb 1,17
[5] „Flieh ich mein Leichentuch erblaßt, erschreckt in Not,
und habe Angst allein zu schlafen, Angst vor dem Tod.“
Stéphane Mallarmé: Sämtliche Dichtung. DTV, München 2000. ISBN: 3-423-12878-x. S. 26/27.
[6] Aus: „Nicht Angst, nicht in Angst.“ In: Tuvia Rübner: Zypressenlicht. Ausgewählte Gedichte II, 1957-1999. Rimbaud, Aachen 2000. ISBN: 3-89086-753-7. S. 35.
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.16 Lk 16,19–31
[8] Mt 5,29 / Mt 10,28 / Mt 11,23 / Mt 16,18 / Mt 23,15
Darüber hinaus kommt „höllisch“ dreimal im Matthäusevangelium vor und sonst nirgendwo.
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.4 Apg 4,32–37 
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,(13–16a)16b–21; insbesondere Vers 10 und Vers 16b

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