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Thursday, April 17, 2014

Statische Magnettherapien


Warum bin ich so ein Gegner von statischen Magnettherapien? Die schaden doch nicht. Wirklich nicht? Statische Magnettherapien sind solche, die kleine Magnete benutzen, die getragen werden, z.B. als Armbänder oder Gürtel.
Ein normaler Magnet wirkt auf Eisen. Eisen ist im Körper nicht sehr viel vorhanden. Das ist auch gut so. Der Körper schützt sich vor überflüssigem Eisen, weil es so aggressiv ist. Bei jeder Entzündung wird das Eisen deshalb in den Eisenspeicher verschoben. Die Aufnahme von Eisen ist besonders geregelt, das heißt u.U. wird sehr wenig Eisen aufgenommen. Das meiste Eisen im Körper ist in den roten Blutkörperchen. Man kann einen einfachen Versuch machen: Eisenspäne werden von einem Magneten angezogen, rote Blutkörperchen allerdings nicht.
Mesmer hatte bereits im 18. Jahrhundert vesucht, mit Magnetismus zu heilen. Er fand später jedoch heraus, dass er dieselben Effekte (Placeboeffekte) auch ohne Magnetismus erreichen konnte. Aber der Glaube an die heilenden Kräfte von Magneten hält sich seither.
Eine Studie Finegold und Kollegen im British Medical Journal vom Dezember 2004 untersuchte: “Randomised controlled trial of magnetic bracelets for relieving pain in osteoarthritis of the hip and knee." Die Studie zeigte eine geringgradie Verbesserung in der Magnet-Gruppe. Aber die Autoren führten dies auf die mangelnde Verblindung zurück, denn ob die Armbänder magnetisch sind oder nicht, ist leicht festzustellen.  
Häufig wird behauptet, dass sich durch die Magnete der Blutfluss veressere. Aber es gibt keine wissenschaftliche Bestätigung, dass diese Hypothese stimmen würde. Es handelt sich auch um eine willkürlich gewählte Hypothese, da ein Effekt auf das Eisen im Blut nicht nachweisbar ist.
Mancher Anbieter von Magnettherapien zieht sich darauf zurück, dass eine Wirksamkeit nicht widerlegt sei. Aber so geht es nun wirklich nicht. Der Anbieter muss nachweisen, dass eine Wirksamkeit besteht. Soll jetzt etwa der potentielle Käufer die mangelnde Wirksamkeit nachweisen?
Ich rate von Magnettherapien generell ab. Schaden Sie? Ja, insbesondere dem Geldbeutel.

 

Friday, October 11, 2013

Magnete, Salben, Tinkturen


Magnete, Salben und Tinkturen

Vortrag in der RheumaAkademie am 10. Oktober 2013

Wenn man die Illustrierten aufschlägt werden nicht nur Medikamente, sondern auch Magnete, Salben, Tinkturen und weiteres mehr angeboten. Ist ein zusätzlicher Nutzen zu erwarten? Oder wird einem nur das Geld aus der Tasche gezogen? Anhand von Beispielen wird über Sinn und Unsinn diskutiert. Nach dem Vortrag sollten Sie befähigt sein, Anzeigen kritischer zu lesen.

Therapie mit permanenten Magnetfeldern
• Verbesserte Mikrozirkulation wird als Tatsache
   hingestellt, ist allerdings nur unbewiesene Hypothese
• eine Suche bei PubMed/MeSH - ("Magnetic Field
   Therapy"[Mesh]) AND "Microcirculation"[Mesh] –
   erbringt keine Studie
• Gelindert werden sollen „Schmerzen, Migräne,
   Depressionen, Burn-Out, Schlafstörungen, Impotenz,
   Tinnitus, Parkinson, Arthrose, Rheumatische
   Erkrankungen, Schlafapnoe und Osteoporose.“ 
   Es finden sich keine Beweise für solche Behauptungen
• Eine amerikanische Studie untersuchte Magneteinlagen
   für Schuhe
 (Winemiller MH und Kollegen: Effect of
   magnetic vs. 
sham-magnetic insoles on plantar heel pain:
   a 
randomized controlled trial.) Sie sahen keinen
  Zugewinn durch die magnetischen 
Einlage („Static bipolar
  magnets embedded in cushioned shoe insoles do not
  provide additional benefit for subjective plantar heel pain
  reduction when compared with nonmagnetic insoles.“)



Rheumadecken mit Magneten
• Rheumadecken mit Magneten
• Völlig überflüssig, völlig nutzlos, völlig teuer
• Magnet-Rheumadecke bei Schrittmacher-Patient
• „...woraufhin sie meinte, in Tesla oder so könne sie mir die Feldstärke nicht angeben, aber vielleicht würde es mir ja weiterhelfen, wenn ich wüsste, dass man mit einem Kompass unter der Decke durchgehen könnte, und die Nadel überhaupt nicht abgelenkt würde ?“



Pulsierenden Magnetfeldtherapie
• Ein Allgemeinmediziner in ORTHOpress ist von den
  „energetischen Selbstheilungskräften des Körpers
  überzeugt“ - sehr schön, aber die Überzeugung des Arztes
  ist kein Nachweis, dass dies auch zutrifft.
• Nur die Maschine für die pulsierende
   Magnetfeldtherapie muss unbedenklich sein
• bei der Zulassung wird nicht der Effekt überprüft
• Eine Beihilfeverordnung schließt ausdrücklich die
   pulsierende Magnetfeldtherapie aus
• In Pubmed kann man folgende Suche eingeben: "Magnetic
  Field Therapy"[Mesh] AND "Osteoarthritis"[Mesh]
• Man findet 22 Studien
• Keine ist sinnvoll angelegt, so dass man aus einer von
  ihnen einen sicheren Wirksamkeitsnachweis erbringen und
  die Methode empfehlen könnte
• Z.B. kommt eine Studie von K. Horváth und Kollegen zu
  dem Ergebnis: „Fazit: Balneotherapie mit
  Magnetfeldtherapie kombiniert verbessert den Schmerz
  und Funktion sowie die Lebensqualität bei Patienten mit
  Osteoarthritis der Hand.“ Das geht jedoch aus der
  Studienanordnung nicht hervor, denn man testete drei
  Gruppen, eine bei 38° C der Therme und eine bei 36° C
  der Therme, diese beiden Gruppen und die Kontrollgruppe
  erhielten dann eine Magnettherapie. Die
  Magnetfeldtherapie ist die Kontrollgruppe! Man muss sich
  schon vorher entscheiden, was man prüfen will. Es finden
  sich immer wieder solche Studien, die wahllos Daten
  sammeln. Irgendeine Änderung findet sich immer und die
  passende wählt man aus.



MBST – eine weitere Magnettherapie
• MBST steht für Multi Bio Signal Therapie
• keine Kernspintomographie
• Magnetfelder liegen im Millitesla-Bereich
• etwa um den Faktor 1000 schwächer als
   diagnostisches MRT
• dürftige Studienlage
• VG Düsseldorf urteilte zur Erstattung der MBST am
   27.04.2007 (AZ 13K8613/03) negativ
• VG Köln urteilte zur Erstattung der MBST am
   27.04.2007 (AZ19K1173/06) ebenso negativ




Akupunktur  Patches
• „Grundsätzlich gibt es keine exakten Punkte“ (Akupunkturpunkte - das sehen die Chinesen anders)
•„biologisch "magnetisches" Feld“
• kein „Ferromagnetismus“
• Beweis mittels Dunkelfeld-Diagnostik oder
   DELTA-SCANNING  
• „ Genial einfach - einfach genial."
• „Traditionelle chinesische Medizin trifft
   moderne Wissenschaft!"  - Es handelt sich
   weder um TCM noch um moderne Wissenschaft

http://rheumatologe.blogspot.de/2013/06/akupunktur-patches.html Achtung! Hier habe ich nach dem Vortrag aufgrund neuer Datenlage eine Ergänzung angefügt - und musste weiterhin eine ablehnende Haltung einnehmen!



Foot patches - Fußsohlenpflaster
Der nachfolgende Link führt zu einer ausführlichen Behandlung des Themas und zu weiteren Links, da ich mich mehrfach zu diesem Thema geäußert habe:

Gelatine
Gelatine wird angepriesen: „Die Aminosäuren im Kollagen der Gelatine sind mit den Aminosäuren im Kollagen unserer Knorpelzellen identisch.“
30% des menschlichen Eiweißes besteht aus Kollagen.
Es ist also ein hundsgemeines Feld-Wald-und-Wiesen-Protein.
Kollagen setzt sich aus den Aminosäuren Prolin, Glycin und Hydroxyprolin zusammen, also nicht-essentiellen Aminosäuren. Die sind in jedem Eiweiß drin!



Chondroitin
• Chondroitin wird bereits lange vermarktet, aber der
   Wirksamkeitsnachweis ist nicht vorhanden.
• Z.B.: “Clinical efficacy and safety of glucosamine,
   chondroitin sulphate, their combination, celecoxib or
   placebo taken to treat osteoarthritis of the knee: 2-year
   results from GAIT”
• „Ergebnisse: Im Vergleich zu Placebo, die Quote von 20 %
   Verringerung WOMAC Schmerzen waren Celecoxib: 1.21,
   Glucosamin: 1.16, Kombination Glucosamin/CS: 0,83 und
   CS allein: 0,69, und waren nicht statistisch signifikant.“



MSM / Methylsulfonylmethan / Dimethylsulfon
Wikipedia: „höchsten, natürlichen Konzentrationen in Kuhmilch (3,3 ppm) und in Kaffee (1,6 ppm) gemessen“ wurden; Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Dimethylsulfon
Wikipedia (EN): „In October 2000, the United States Food and Drug Administration warned one MSM promoter, Karl Loren, to cease and desist from making therapeutic claims for MSM, as the marketing of drugs without the approval of the FDA is illegal.” Link: http://en.wikipedia.org/wiki/Methylsulfonylmethane



Hyaluronsäure
• „Beweglicher mit Hyaluronsäure-Kapseln“
• Hyaluronsäure – hohe Viskosität
• wird aus Hühnerbrustbeinen oder Hahnenkämmen
   gewonnen
• Über Magen-Darm-Trakt gelangen nur wenige
   Bruchstücke ins Blut
• ein Nutzen bei Arthrose ist unbewiesen



Teufelskralle
Die Teufelskralle gilt seit langer Zeit schon als effektiv, aber es geht auch darum, diese Wirksamkeit nachweisen zu können. Es stellt sich also folgendermaßen dar: das Präparat wird lange genug vertrieben, dass man sich gar nicht mehr die Mühe macht, nachzuschauen, was denn nun hinter den Aussagen steht.



Grünlippmuschel
Die Grünlippmuschel soll wahre Wunder wirken. Sie kommt in Neuseeland vor. „Wertvollster Bestandteil dieser neuseeländischen Muschel sind die Glykosaminglykane (GAG).“ Nein, denn der größere Teil der 60.000 Tonnen Grünlippmuscheln, der in den Handel kommt, wird einfach verzehrt, denn die Muschel gilt als Delikatesse und wird deshalb in großen Aquakulturen gezüchtet.



Krillöl als Quelle für Omega-3-Fettsäuren
Zum Krillöl gibt es von mir eigenständige Artikel, siehe hier:



Hübner arthoro® arthrose
Hier wird Hübner arthoro® arthrose beworben. „Arthoro® arthrose dient der diätetischen Behandlung von akuten, arthrotischen Gelenkschmerzen.“ Das kann das Präparat nun schon gar nicht. Wie soll etwas, das langfristig den Knorpel aufbauen soll, akute Schmerzen beheben?
„Der Wirkstoffkomplex bildet die Verbindung aus der Aminosäure L-Prolin und Vitamin C.“
Der Spaß kostet aktuell 25,99 Euro im Monat. Leider kann ich nicht entdecken, wie viel Hydroxyprolin im Präparat sind. Aber vielleicht hilft die folgende Angabe weiter: 100 g Eigelb enthalten 1,2 g Prolin.



Finitro Forte Plus
• „hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel“
• Kollagen Typ II 
• Hyaluronsäure
• Glucosamin
• Chondroitin
• MSM



Andullation
Der nachstehende Artikel ist mehrfach ergänzt worden und enthält weitere Links, u.a. zu zwei Sendungen von PlusMinus, von der ich auch interviewt wurde:



REPULS® - Wärmebehandlung / Tiefenstrahler
• Aus einem Werbeanschreiben: „Innovationen erscheinen
   täglich auf dem Markt, aber kaum eine Innovation
   verblüfft die Ärzte so sehr, wie das neue
   medizinische Gerät REPULS® , ...“ 
• Der dortige OA (Waldhausklinik) bestätigte die
   verblüffende Wirkung u.a.  bei einer Rheumapatientin
• Ich frage mich, welche „verblüffende Wirkung“ der
  dortige Oberarzt gesehen haben will – übrigens stand auf
  der Homepage der Waldhausklinik in Deuringen: „Zur
  Verstärkung und Weiterentwicklung unseres Teams und
   unserer integrativen Therapiekonzepte suchen wir: 

  Oberarzt/In - FÄ/FA für Innere Medizin / mit soliden
  Kenntnissen der Inneren Medizin sowie Interesse an
  Komplementärmedizin insb. der Klassischen
  Naturheilkunde und Homöopathie.“



Celyoung Age Less Creme
• Neuer Pflanzen-Stammzellen-Extrakt entdeckt? -
  Keineswegs!
• Reizwort Stammzellen - der Saft von Granatäpfeln wird
  als Stammzellenextrakt verkauft
• „Das Geheimnis liegt in dem Spezialextrakt des
   Paradiesapfels“ – Nicht Tomate sondern Granatapfel
• „Das Beste: Celyoung Age Less ist klinisch getestet, ...“.
  Aber Hallo! Ohne die sogenannte klinische Testung
  darf man eine Creme überhaupt nicht in den Handel
  bringen.
• Die Creme enthält "kostbares kaltgepresstes Saflor-Öl";
  vielleicht ist Ihnen der Name Distelöl geläufiger, kostet
  bei ALDI & Co.: 1,59-1,99 Euro für 750 ml.
• 50 ml Celyoung Age Less Creme gibt es für schlappe 30,80
  Euro; die Antifalten-Creme von Aldi, von Stiftung
  Warentest empfohlen, kostet lediglich 2,50 Euro



Artrosilium und Zahnpasta
• Artrosilium - 198 Euro für sechs Monate
• In dem Präparat ist „organisches Silicium“
• Hinweis auf weitere Inhaltsstoffe, nämlich Blätter von
   der schwarzen Johannisbeere und der Wiesenkönigin
• hypoallergen – wie das bei Pflanzenbestandteilen?
• Hauptbestandteil des überteuerten Gels ist Kieselerde
• Das ist auch der Hauptbestandteil von Zahnpasta
• Der hohe Preis wird in dem Schreiben verharmlost: „...
   ein oder zwei Salate (ca. 1,10 Euro) pro Tag. Dies ist
   Ihnen Ihre Gesundheit sicher wert!“




Weihrauchbalsam
"Rheumabeschwerden verschwinden. Arthrose-Patienten jubeln: "Die Schmerzen sind weg". Gichtgelenke werden wieder beweglich. Rückenschmerzen gibt es nicht ..."
• Weihrauchharz enthält Boswellinsäure
• In Zellkulturen Wirkung auf Leutriene
• Enzym Lipoxygenase /  Arachidonsäure (Omega-6-
  Fettsäure)
• Enzym Zyklooxygenase - NSAR (nicht-steroidale
  Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen)
• sakrale und profane Nutzung  
• 1994 hatte man noch für das Weihrauchpräparat H15
  einen Nutzen vermutet
• 1998 zeigte die Studie von O. Sander keinen Nutzen
  gegenüber Placebo
• Weihrauchbalsam kostet 89 Euro, Pferdesalbe allerdings
  nur 4 Euro

http://rheumatologe.blogspot.de/2013/04/medosan-boswellia-weihrauch-balsam.html



Wednesday, August 7, 2013

MBST – eine weitere Magnettherapie

 

Ich stehe Magnettherapien äußerst kritisch gegenüber, aber vielleicht ist die MBST ja eine Ausnahme. MBST steht für Multi Bio Signal Therapie und ist eine Form von Magnetfeldtherapie. Sie beruft sich technisch auf die Kernspintomographie, die aus der Diagnostik breiten Bevölkerungsschichten bekannt ist („ich war im Kernspind“). „Die erzeugten Magnetfelder liegen im Millitesla-Bereich und sind somit gegenüber den feldern bei der diagnostischen Magnetresonanztomografie etwa um den Faktor 1000m schwächer.“ (Wikipedia) Hier taucht also schon ein Problem auf, um überhaupt ein Bild liefern zu können, muss das Magnetfeld deutlich stärker sein. Bei MBST soll aber schon ein sehr schwaches Feld eine Wirkung erzielen. Das ist nicht nachvollziehbar. Trotzdem wird die Methode beworben:eine Regeneration des Gelenkknorpels soll durch gezielte Aktivierung bestimmter Körperzellen, so dass Arthroseschmerzen verschwinden. Wie ein ungezieltes Millitesla-Magnetfeld aber gezielte Veränderungen bewegen soll, wird dabei nicht behandelt. Auch bei Osteoporose soll sich eine Besserung ergeben. Gerade für diese Behauptung gibt es gute Nachweisverfahren, die eine Verbesserung von Osteoporose aufzeigen könnten.
H. Jansen und Kollegen untersuchten: „Effects of low-energy NMR on posttraumatic osteoarthritis: observations in a rabbit model.” Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21063883. Sie fanden einige Änderungen, aber kamen zu folgendem Schluss: „On behalf of these results, NMR for the treatment of posttraumatic OA cannot be recommended at this point of time.” Also eine negative Empfehlung.
A. Temiz-Artmann und Kollegen publizierten 2005 eine Studie zu MBST und Zellkulturen: “NMR in vitro effects on proliferation, apoptosis, and viability of human chondrocytes and osteoblasts.“ Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16179956. “The study revealed that NMR treatment did not induce apoptosis or inhibit cell viability, but revealed a tendency of an elevated cell proliferation rate as observed by cell count.” Dabei wurden die Zellkulturen 9 Tage lang (!) unter dem Magnetfeld gehalten. Und alles, was herausgekommen ist: eine Tendenz zur Erhöhung der Proliferationsrate. 
Weitere Studien listet PubMed nicht auf, was nicht heißt, dass sie nicht vorhanden wären, aber sie sind nicht relevant.
Das VG Düsseldorf urteilte zur Erstattung der MBST am 27.04.2007 (AZ 13K8613/03): „Die hier in Rede stehende Multibiosignaltherapie ist eine der Pulsierenden Signaltherapie gleichzustellende Behandlung und folglich von dem Ausschluss mit erfasst.“ Link: http://openjur.de/u/119830.html
Das VG Köln urteilte zur Erstattung der MBST am 27.04.2007 (AZ19K1173/06) ebenso und schrieb in der Urteilsbegründung: „Das Informationsmaterial der MedTec GmbH enthalte keine Aussagen zu der Frage der allgemeinen wissenschaftlichen Anerkennung der Kernspin-Resonanz-Therapie. Dieses Heilbehandlungsverfahren sei mit der „Pulsierenden Signaltherapie" vergleichbar, deren wissenschaftliche Anerkennung das Verwaltungsgericht Freiburg mit Urteil vom 12. Juli 2001 - 6 K 432/99 - verneint habe.“ Link: http://openjur.de/u/120427.html
Überraschend einig sind sich hier Düsseldorf und Köln!
Die Beihilfe Kassel listet die MBST als ausgeschlossene Leistung: http://beihilfe.rp-kassel.de/static/abt1/ebeihilfe/ausg_behandlungen.htm.

Zusammenfassend ist die Studienlage für ein Verfahren, das schon über ein Jahrzehnt angewendet wird, äußerst dürftig. Wahrscheinlich sind diese Studien für eine Vermarktung auch nicht notwendig. Die Kostenerstattung für Patienten scheint auch nicht gewährleistet zu sein. Ich verordne dieses Verfahren jedenfalls nicht. 

Links:

Wednesday, July 17, 2013

Magnettherapie Bandagen am Knie


Sind Magnetbandagen ein wirklicher Aufreger? Nein, denn verschiedene dieser Bandagen sind nicht so teuer, dass man sich aufregen müsste. Aber können sie wirksam sein? Schon stärkere Magnetfelder haben keinen Einfluss nachweisen können, wie sieht es mit diesen Magneten im Milli-Tesla-Bereich aus, die in Bandagen eingearbeitet sind?
Da gibt es sogar eine Studie aus dem Jahr 2011. C.Y Chen und Kollegen haben in einer Rehabilitationsklinik magnetische Bandagen untersucht. Die Untersuchung war randomisiert, doppel-blind und Placebo kontrolliert. Ergebnis: „The 35-mT MKWs could not significantly influence knee JPS in individuals with mild-to-moderate knee osteoarthritis.“
Die Magnete dienen also nur als Verkaufsargument. Ich halte sie für überflüssig und rate davon ab. Wenn Sie eine Bandage benötigen, lassen Sie sich besser eine angepasste vom Orthopäden verordnen. Überlegen Sie eher, ob nicht andere Maßnahmen, angepasst an Ihre Erkrankung, besser geeignet sind, Ihre Schmerzen oder Bewegungseinschränkung zu verbessern.

Links:

Pulsierende Magnetfeldtherapie: http://rheumatologe.blogspot.de/2013/07/pulsierende-magnetfeldtherapie.html

Permanente Magnetfelder / stromlose Magnete: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/10/therapie-mit-permanenten-magnetfeldern.html

Studie von C.Y. Chen und Kollegen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20980352

Umfangreicher Artikel zu Arthrose: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/10/arthrose-definition-diagnose-und-dilemma.html

Friday, July 12, 2013

Pulsierende Magnetfeldtherapie


Mir flatterte wieder einmal die ORTHOpress auf den Schreibtisch. Heute ärgerte mich die pulsierende Magnetfeldtherapie. Sie werden fragen, warum denn, da man doch so viel Gutes über diese schonende Therapie hört. Ich habe mich schon verschiedentlich zu Magnettherapien, auch zur pulsierenden Magnettherapie, geäußert, Links siehe unten.

In der neuesten Ausgabe der ORTHOpress berichtet ein Allgemeinmediziner über seine Erfahrungen mit der pulsierenden Magnetfeldtherapie. Er ist von den „energetischen Selbstheilungskräften des Körpers überzeugt“. Das ist ja schön, dass er glaubt, eine effektive Therapie einzusetzen. Aber Glauben heißt nicht Wissen. Man schließlich auch kein Medikament einsetzen, nur weil man glaubt, es könne heilen, nein, da müssen Studien durchgeführt werden und das Medikament muss zugelassen werden. Bei der Maschine, mit der die pulsierende Magnetfeldtherapie durchgeführt wird, ist das anders, die muss nur unbedenklich sein. Es wird bei der Zulassung nicht der Effekt überprüft.

Eine Beihilfeverordnung schließt ausdrücklich die pulsierende Magnetfeldtherapie aus – ich meine zu Recht. Die Methode konnte einen Nutzen wissenschaftlich nicht nachweisen. In Pubmed kann man folgende Suche eingeben: "Magnetic Field Therapy"[Mesh] AND "Osteoarthritis"[Mesh]. Es wurden 22 Studien gefunden, aber nicht eine lieferte ein Ergebnis, das die Anwendung der Methode sinnvoll erscheinen ließe. Z.B. kommt eine Studie von K. Horváth und Kollegen zu dem Ergebnis: „Fazit: Balneotherapie mit Magnetfeldtherapie kombiniert verbessert den Schmerz und Funktion sowie die Lebensqualität bei Patienten mit Osteoarthritis der Hand.“ Das geht jedoch aus der Studienanordnung nicht hervor, den man testete drei Gruppen, eine bei 38° C der Therme und eine bei 36° C der Therme, diese beiden Gruppen und die Kontrollgruppe erhielten dann eine Magnettherapie. Die Magnetfeldtherapie ist die Kontrollgruppe! Es finden sich immer wieder solche Studien, die wahllos Daten sammeln. Irgendeine Änderung findet sich immer und die passende wählt man aus.

In ORTHOpress 3/2013 wird der betreffende Arzt gezeigt und hinter seinem Foto werden einige chinesische Zeichen gezeigt, u.a. das Zeichen für Mond. Damit wird aber klar, dass der ganze Artikel nur Werbung ist, denn mit China hat die Methode nichts zu tun.

 

Links:

Permanente Magnetfelder / stromlose Magnete: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/10/therapie-mit-permanenten-magnetfeldern.html

Pulsierende Magnettherapie: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/04/orthopress-arthrose.html

Absatz zur Magnettherapie: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/01/arthrose-weitere-aufreger-in-der.html

Ausschluß der Erstattung: http://beihilfe.rp-kassel.de/static/abt1/ebeihilfe/ausg_behandlungen.htm


Studie von Horváth: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22144722

Thursday, October 11, 2012

Therapie mit permanenten Magnetfeldern bzw. Magneten ohne Strom



Magnettherapien werden immer wieder angeboten und manche Menschen sind bereit, ein Vermögen dafür auszugeben. Nach dem Verständnis der Betreiber dieser Therapie, soll sich die Mikrozirkulation verbessern. Das würde eine Verbesserung der Gewebedurchblutung bedeuten. Aber einer Anfrage bei PubMed/MeSH - ("Magnetic Field Therapy"[Mesh]) AND "Microcirculation"[Mesh] – brachte keine Studie zum Vorschein, die diese Hypothese stützen könnte. Und doch sprechen die Verfechter dieser Methode, positive Effekte gesehen zu haben bei: „Schmerzen, Migräne, Depressionen, Burn-Out, Schlafstörungen, Impotenz, Tinnitus, Parkinson, Arthrose, Rheumatische Erkrankungen, Schlafapnoe und Osteoporose.“ Beweise für ihre Behauptungen legen sie nicht vor.
Eine amerikanische Studie untersuchte Magneteinlagen für Schuhe. Winemiller MH und Kollegen: Effect of magnetic vs sham-magnetic insoles on plantar heel pain: a randomized controlled trial. Die Studie wurde 2003 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Hier der Link zum Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/13129987. Sie sahen keinen Zugewinn durch die magnetischen Einlage (Static bipolar magnets embedded in cushioned shoe insoles do not provide additional benefit for subjective plantar heel pain reduction when compared with nonmagnetic insoles.“).
Mehr zu Magnettherapien finde Sie unter: http://www.healthwatcher.net/quackerywatch/Magnetic-therapy/index.html und natürlich unter: http://www.quackwatch.com/04ConsumerEducation/QA/magnet.html.
Ich rate von sämtlichen Magnettherapien, sei es eine gepulste, statische oder stromlose Therapie, ab. Das sind Sie Ihrem Geldbeutel schuldig!

Ergänzung am 01.10.2013
Ich habe gerade noch einen anonymen Hinweis auf eine Studie bei diabetischer Neuropathie von 2003 erhalten. M.I. Weintraub und Kollegen veröffentlichten: „Static magnetic field therapy for symptomatic diabetic neuropathy: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial.“ Results: „There were statistically significant reductions during the third and fourth months in burning (mean change for magnet treatment, -12%; for sham, -3%; P<.05, ANCOVA), numbness and tingling (magnet, -10%; sham, +1%; P<.05, ANCOVA), and exercise-induced foot pain (magnet, -12%; sham, -4%; P<.05, ANCOVA).”  Conclusions: “Static magnetic fields can penetrate up to 20mm and appear to target the ectopic firing nociceptors in the epidermis and dermis. Analgesic benefits were achieved over time.” Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12736891.
Die Studie hatte keinen primären Endpunkt definiert und mit solchen Studien erreicht man statistisch signifikante aber unter Umständen unerhebliche Ergebnisse. Die Studie war auf einen „Erfolg“ ausgerichtet. Man erkennt es daran, dass sich die Schlüsse der Autoren nicht aus den Resultaten ergeben. Die Resultate zeigen Veränderungen bei den Einschätzungen der Patienten auf, aber dadurch ergibt sich keine Schlussfolgerung auf die Nozizeptoren.

Eine andere, aktuelle Studie ist gerade zum Thema magnetische Armbänder und Kupferarmbänder und rheumatoider Arthritis veröffentlicht worden. S.J. Richmond und Kollegen veröffentlichten die folgende Studie: „Copper bracelets and magnetic wrist straps for rheumatoid arthritis - analgesic and anti-inflammatory effects: a randomised double-blind placebo controlled crossover trial.“ Schlussfolgerung: „Wearing a magnetic wrist strap or a copper bracelet did not appear to have any meaningful therapeutic effect, beyond that of a placebo, for alleviating symptoms and combating disease activity in rheumatoid arthritis.”

Diese Studie hatte jedenfalls keine Effekte nachgewiesen.