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Tuesday, May 7, 2024

Curcumin bzw. „Mega-Rot® Curcumin“ von Dr. Hittich

 


Ich hatte erst vor wenigen Wochen über Curcuma unter dem Titel „WIN [1] Curcuma“ geschrieben, wobei WIN für „What is new“ steht, und jetzt schon wieder Curcuma bzw. Curcumin als Wirkstoff? Dr. Hittich macht's möglich, denn „Dr. Hittich Gesundheits-Mittel“ schickte mir Werbung ins Haus unter dem Titel „Der Neue Curcumin-Durchbruch!“ Das muss ja wirklich neu sein, wenn man neu fälschlicherweise groß und kursiv schreibt.

Perfiderweise werden Menschen, bei denen bereits Curcumin-Produkte versagten, aufgefordert, es mit diesem zu probieren, denn dies würde helfen bzw. so sagt es die Werbung natürlich nicht, denn es muß heißen: "Wenn Sie Ihr Curcumin lieben - werden Sie von dieser neuen Entdeckung BEGEISTERT sein!" Die Werbung verspricht: „Löscht die versteckten Entzündungs-Risiken“ – das ist kein „medical claim“ und nicht justiziabel. Ebenso die Aussage „Rüstet Sie im Kampf gegen Viren und Keime“.

„Seit über 3000 Jahren nutzt die ayurvedische Gesundheitslehre dieses Wirkstoff-Wunder“. Die Erwähnung von 3000 Jahren macht sich erst einmal gut, aber vor 3000 Jahren bestand Ayurveda (Sanskrit
आयुर्वेद) [2] in erster Linie die Sammlung von Zauberformeln und Hymnen sowie hygienischen Maßnahmen. Auch wenn es einen regen Ayurveda-Tourismus gibt, ist dies erst einmal dem Wellness-Aspekt geschuldet, den ich gar nicht herabwürdigen möchte, aber aus wissenschaftlicher Sicht muß Ayurveda den Pseudowissenschaften zugeordnet werden. Ayurveda vor 3000 Jahren, das war in erster Linie die Hymnensammlung Atharvaveda (Sanskrit अथर्ववेद) [3]. Es gibt eine alte englische Übersetzung der Texte, die im Internet verfügbar ist [4]. Das „Wirkstoff-Wunder“ besteht allerdings nicht, denn „durch die Einnahme von dem Gewürz Curcuma, in dem nur 2–5% Curcumin enthalten ist, [können] keine medizinischen Heilwirkungen erzielt werden.“ „Laien, die in Zeitschriften auf die Wirksamkeit von Curcuma aufmerksam gemacht und durch den täglichen Verzehr in den Glauben versetzt werden, etwas Gutes für ihre Gesundheit getan zu haben, werden getäuscht.“ [5]

„Dieser Sonderbericht enthält wissenschaftliche Forschungsergebnisse ...“ es werden anerkannte Institute aufgeführt. Dann wird über Turmerone und auch über das beta-Amyloid gesprochen und man beruft sich auf 63 Studien. Die größte Sammlung von medizinischer Literatur kennt nicht eine Studie [6]. Es gab eine Pilot-Studie in Hongkong 2008, von der es allerdings kein Abstract gibt, da die Arbeit der über 20 Autoren nur in „Letters to the Editors“ erwähnt wird [7]; d.h. es gibt kein verläßliches, reproduzierbares Ergebnis.
Gehen wir einmal auf Studien aus diesem Bereich ein. Bharat Aggarwal mußte 29 Studien, die bereits veröffentlicht waren, wegen Forschungsbetrug zurückziehen. Aggarwal war 2004 Mitbegründer von Curry Pharmaceuticals, die synthetische Analoge von Curcumin herstellen wollte. Die US-amrikanische Aufsichtsbehörde (FDA) hat zwischen 2018 und 2023 Firmen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin wegen „false medical claims“ verwarnt [8].
Die Studie von John M. Ringman und anderen aus dem Jahr 2012 führte aus [9]: „Wir konnten in dieser 24-wöchigen placebokontrollierten Studie keine klinischen oder biochemischen Beweise für die Wirksamkeit von Curcumin C3 Complex® bei AD erbringen, obwohl vorläufige Daten auf eine begrenzte Bioverfügbarkeit dieser Verbindung hinweisen.“

Eine schöne bunte Grafik zeigt ORAC-Werte, wobei ORAC die Abkürzung von „Oxygen Radical Absorbance Capacity“ ist, man mißt die Fähigkeit, Sauerstoffradikale abzufangen. Blaubeeren steht sonst immer besonders gut da, aber nicht gegen z.B. Curcumin. Blaubeeren sind ein Naturprodukt, Curcumin aber ist ein Isolat aus der Curcumawurzel. Man hätte also Blaubeere gegen  Curcumawurzel testen müssen. Man vergleicht schließlich auch nicht die Geschwindigkeit die ein Fahrradfahrer erreicht mit der, die ein Astronaut auf der ISS erreicht; deen Rekord hält eine Radsportlerin mit 296 km/h [10], die ISS umrundet die Erde mit 28.000 km/h.

Mega-Rot® Curcumin enthält neben Curcumin noch Krillöl, Astaxanthin und Vitamin D3 [11]. Über die anderen Inhaltsstoffe habe ich hier auf dem Blog bereits berichtet [12]. Es gibt auch Mega-Rot Krill oder CuraQuick (Weihrauch und Curcumin), so daß ich über die weiteren Stoffe nicht weiter schreiben möchte. Es zeigt nur, wie umtriebig die Firma ist.

Die Kosten für ein Jahr betragen 100-200 €, denn es gibt schließlich auch Rabatte. Mit Rabatt läßt sich so ziemlich alles verkaufen. Und der Hinweis „Der Vorrat ist begrenzt. Rufen Sie noch heute an“ fehlt natürlich nicht. Das ist noch nicht einmal gelogen. Wenn Sie annehmen, daß mit Begrenzung aktuell 49 Gläschen mit je 30 Kps. gemeint ist, dann liegen Sie sicherlich falsch, es könnten genausogut 49.000 sein – auch ein begrenzter Vorrat.

Die Firma Dr. Hittich unterlag im letzten Jahr auch in Zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Dresden, nachdem vom Landgericht Leipzig „unzulässige gesundheitsbezogene Angaben und irreführende Werbung“ untersagt worden waren [13].  

Ich halte den „Curcumin-Durchbruch“ für überflüssig. Ich würde mich nicht abzocken lassen.


Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/03/win-1-curcuma.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ayurveda
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Atharvaveda
[4] Ralph T.H. Griffith: The Hymns of the Atharvaveda. [1895-6] https://sacred-texts.com/hin/av/index.htm  
[5] Aus der Bachelor-Arbeit von Bachelorarbeit schreibt Sunita Chhatwal an der Universität Hamburg. Zitiert aus https://rheumatologe.blogspot.com/2018/11/dph-weihrauch-spezial-3000.html Die Originalarbeit ist unter http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2015/2852/pdf/Sunita_Chhatwal_BA.pdf leider nicht mehr aufrufbar.
[6] PubMed.ncbi.nlm.nih.gov: ("alpha-turmerone" [Supplementary Concept]) AND "Amyloid beta-Peptides"[Mesh] No results were found. (abgefragt am 07.05.2024)
[7] Baum, Larry PhD*; Lam, Christopher Wai Kei PhD†; Cheung, Stanley Kwok-Kuen MSc*; Kwok, Timothy MD*; Lui, Victor MRCPsych‡; Tsoh, Joshua MRCPsych‡; Lam, Linda MD, MRCPsych‡; Leung, Vivian FHKCPsy‡; Hui, Elsie FRCP*; Ng, Chelsia HBSc*; Woo, Jean MD*; Chiu, Helen Fung Kum FRCPsych‡; Goggins, William B. ScD§; Zee, Benny Chung-Ying PhD∥; Cheng, King Fai MD¶; Fong, Carmen Yuet Shim RN¶; Wong, Adrian BSc*; Mok, Hazel BSc*; Chow, Moses Sing Sum PharmD#; Ho, Ping Chuen PhD#; Ip, Siu Po PhD**; Ho, Chung Shun PhD†; Yu, Xiong Wen PhD†; Lai, Caroline Yau Lin MMedSc†; Chan, Ming-Houng FHKCPhys††; Szeto, Samuel FRCP††; Chan, Iris Hiu Shuen PhD†; Mok, Vincent MD*: Six-Month Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Pilot Clinical Trial of Curcumin in Patients With Alzheimer Disease. Journal of Clinical Psychopharmacology 28(1):p 110-113, February 2008.  DOI:10.1097/jcp.0b013e318160862c  
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Curcumin
[9] Conclusion: „... We were unable to demonstrate clinical or biochemical evidence of efficacy of
Curcumin C3 Complex® in AD in this 24-week placebo-controlled trial although preliminary data suggest limited bioavailability of this compound.“ Ringman et al.: Oral curcumin for Alzheimer’s
disease: tolerability and efficacy in a 24-week randomized, doubleblind, placebo-controlled study. Alzheimer’s Research & Therapy 2012 4:43. doi:10.1186/alzrt146
[10] Denise Mueller-Korenek ist eine US-amerikanische Radsportlerin aus Kalifornien, die seit 2018 den Weltrekord für die höchste Geschwindigkeit auf einem Fahrrad im Windschatten mit 296,0 km/h hält. https://de.wikipedia.org/wiki/Denise_Mueller-Korenek
[11] Die Firma gibt die Inhaltsstoffe so an: „Eine Flüssigkapsel enthält: 414 mg EuphaMAX® Krillöl-Komplex aus 300 mg Krillöl mit 141 mg Phospholipiden (davon 125 mg Phosphatidylcholin), 66 mg Omega-3 (davon 36 mg EPA und 16,5 mg DHA) und 114 mg MAXintakt® Peroxidations-Schutz mit Xanthin360® Vollspektrum-Astaxanthin und 2 mg Astaxanthin, 200 mg BCM-95 Forte® Vollspektrum-Curcumin als Spezial-Extrakt aus Kurkuma-Wurzeln (Curcuma longa) mit Alpha-Turmeron und Ar-Turmeron (aus dem ätherischen Öl der Kurkuma-Wurzel) mit mind. 15% Alpha-Turmeron standardisiert auf 164 mg reine Curcuminoide (Curcumin, Desmethoxycurcumin und Bisdemethoxycurcumin), 600 Internationale Einheiten (300 %*) Vitamin D.“ https://www.drhittich.com/Mega-Rot-Curcumin/
[12] Hier stehen die Dr. Hittich Artikel:
https://rheumatologe.blogspot.com/2014/02/ultra-celaflex-creme-dr-hittich-schlagt.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/07/dr-hittich-gruner-kaffeebohnenextrakt.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/06/mega-rot-krill-omega-3-und-mega-rot.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2013/09/dr-hittich-curaquick-kapseln.html  
[13] Das Urteil von 14. November 2023 (Aktenzeichen: 14 U 249/23) war noch nicht rechtskräftig, allerdings wurde eine Revision zum Bundesgerichtshof nicht zugelassen. Mehr dazu unter: https://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/pressemeldungen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/dr-hittich-scheitert-auch-in-zweiter-instanz-89648

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Thursday, March 21, 2024

WIN [1] Foot Patches oder Fuß-Pflaster

 



Foot Patches oder Fuß-Pflaster sind selbstklebende Pflaster, die abends an den Fußsohlen aufgeklebt werden sollen, um über Nacht Giftstoffe aus dem Körper herauszuziehen. Sie haben viele Namen wie „Vitalpflaster, Chi Pads, Detox Pads, Detox Patches oder Detox-Pflaster“ [2] oder Super-Turmalin-Entgiftungspflaster, wie das erste Pflaster hieß, mit dem ich konfrontiert wurde und zu dem ich meinen ersten Blogpost zum Thema Ende 2012geschrieben hatte [3]. Der Begriff „Detox“ ist die Abkürzung für Detoxifikation, also Entgiftung, und wird auch bei anderen Produkten und Methoden verwendet. In diesem Zusammenhang tritt regelmäßig der Begriff „Schlacken“ auf, der aber nicht weiter definiert wird. „Dabei soll es sich um Ablagerungen aus Schad- und Giftstoffen handeln, die über ungesunde Ernährung und Umwelteinflüsse in unseren Körper gelangen.“ [4]

In den Pflastern sind z.B. Tee, Essig, Bambus, Ginseng, zermahlene Heilsteine wie Amethyst oder Turmalin und andere mehr – wahrscheinlich sind die Unterschiede auf Gründen der Unterscheidung zu anderen Produkten oder aus Werbegründen vorhanden. Man will mit dieser Behandlung insbesondere chronische Erkrankungen oder Schmerzen behandeln – es soll sich auf Dauer ja auch lohnen.

2012 /2013 interessierte mich besonders für Werbung und Werbeversprechen. Die Werbung nutzt chinesische oder japanische Schriftzeichen, die allerdings nur eines deutlich machten, man wußte nicht, was sie bedeuteten. Die Ausleitung von Giftstoffen oder Schwermetallen ist wissenschaftlich gesehen unsinnig, da die menschliche Haut eine natürliche Schutzhülle für den Körper gegenüber der Umwelt bildet. Ich hörte einmal von Magnesium Öl [5], das auf die Haut aufgetragen, unter der Haut im Körper Schmerzen lindern sollte, aber weder handelte es sich um Öl noch dringt es über die Haut ein, denn sonst könnte man nicht im Toten Meer baden [6]. Man badet auf dem Rücken liegend, damit man kein Wasser in die Augen, Nase oder Mund bekommt. Die Hälfte der gelösten Salze im Toten Meer ist Magnesiumchlorid. Wer also behauptet. er könne Stoffe über die Haut ausleiten, der sollte erst einmal den Nachweis für seine unsinnige Behauptung erbringen.

Ich lese: „Die Schwarzfärbung der Detox Pflaster ist ein Beweis dafür, dass die natürlichen Inhaltsstoffe des Entgiftungspflasters mit der Fußhaut reagiert haben. // Es wird empfohlen, die Foot Pads öfters anzuwenden, bis die Verfärbung immer mehr abnimmt.“ [7] Das ist natürlich kein Beweis. Ich habe früher einmal zwei Versuche durchgeführt, über die ich hier noch einmal berichten möchte [8]: Ich hatte 2013 ein Pflaster als Gratisprobe bekommen erhalten und zwei Versuche durchgeführt.
Versuch 1:
Ich habe das Pflaster der Verpackung entnommen und mit drei Tropfen Wasser befeuchtet und danach auf der wasserdichten Verpackung aufgeklebt und 10 Stunden liegen gelassen. Hier ist das Ergebnis:



Nach der Theorie des Vertreibers soll dies nun der Beweis sein, daß etwas dem Körper entzogen worden ist. Allerdings klebte dieses Pflaster auf einer wasserdichten Folie und nicht auf einem Menschen (ich führe doch keine unerlaubten Menschenversuche durch!).
Versuch 2:
Die Versuchsanordnung 2 ist sehr viel einfacher:



Links ein unbenutzter und rechts ein benutzter Teebeutel. Das ist das Prinzip des Foot Patches. Der Tee im Pflaster (oder andere Bestandteile) färbt bei Kontakt mit Schweiß das Pflaster.
Fazit: warum sich nicht gleich Teebeutel unter die Füße kleben, das ist zwar genauso unsinnig wie die Foot Patches, aber ungleich preiswerter.

Ich habe heute PubMed auf Studien zu Foot Patches untersuchtet und erwartungsgemäß keine gefunden. Ich schaute auch noch einmal auf der Seite Quackwatch nach, die aber den Artikel von 2010 nicht erweitert hatte hat [9]. Immerhin erwähnt er, daß in den USA jemand auf 14.5 Millionen US$ Strafe verurteilt worden war wegen falscher Werbeaussagen. Außerdem hatte der Gatte einer Reporterin so ein Pflaster über Nacht getragen und sie ließ dieses Pflaster und ein unbenutztes auf Schwermetalle untersuchen und der Gehalt war gleich, also war nichts aus dem Körper entfernt worden. Das ist zwar keine Studie, aber mehr kommt auch bei einer Studie nicht heraus.

Beim Googeln fand ich Vergleiche auf einer Seite „WELT“, die das Logo der Springer-Zeitung „Die Welt“ trägt, aber einen eigenen handelsrechtlichen Eintrag besitzt [10]. Dort fand ich: „... kleine Wellness-Behandlung? Belebende Detox-Fußpflaster können wohltuend und vitalisierend wirken und zielen auf eine entschlackende Wirkung ab. ..., dass für eine nachhaltige und wirksame Entgiftung keine Garantien gegeben sind.“ [11] Ich fand keine schlechte Bewertung, aber die Seite sieht so seriös aus wie die von TEST oder Öko-TEST. Was der wenig geübte Leser erfährt ist, daß Produkte als „sehr gut“ bewertet werden, aber er liest nicht, daß sich dies etwa auf das Kleben des Pflasters aber nicht dessen Wirkung bezieht.

Der MDR hatte auch recherchiert, daß die Wirksamkeit von Entgiftungspflastern nicht mit Studien belegt werden kann. Verfahren wegen  unerlaubter gesundheitsbezogener Angaben sind erfolgreich gewesen [12]. Werbeverstöße verjähren allerdings schnell und eher geringen Strafen werden durch den enormen Verdienst gedeckt. Manchmal muss ein Prokukt vom Markt genommen werden, dann kommt eben ein neuer Anbieter mit den umverpackten Detox-Fuß-Pflaster. Ein solches Phänomen gibt es in der griechischen Mythologie – die Hydra, der zwei Köpfe nachwachsen, wenn einer abgeschlagen wird.

Zum hinter die Ohren schreiben: Ausleiten von Giftstoffen über Fußpflaster ist unsinnig. Egal wie günstig diese Produkte zu sein scheinen, es handelt sich um Abzocke.



Links und Anmerkungen:
[1] WIN bedeutet „What is new“ und wird gerne bei Kongressen benutzt, um die Vortragsreihen zu kennzeichnen, bei denen neue Entwicklungen gezeigt werden. Hier will ich unter WIN Themen aufgreifen, die ich früher einmal bearbeitet hatte und nun auf neue Erkenntnisse hin untersuchen möchte.
[2] https://www.onmeda.de/gesundheit/alltagstipps/entgiftungspflaster-id203161/  
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2012/12/super-turmalin-entgiftungspflaster.html  
[4] https://www.onmeda.de/gesundheit/alltagstipps/entgiftungspflaster-id203161/  
[5] Transdermales Magnesium https://rheumatologe.blogspot.com/2017/09/transdermales-magnesium.html  
[6] Über diesen Teil einer Reise wollte ich schon längst berichtet haben.
[7] https://summerfoot.de/blogs/news/detox-pflaster-foot-pads  
[8] Super-Turmalin-Entgiftungspflaster - die Zweite https://rheumatologe.blogspot.com/2012/12/super-turmalin-entgiftungspflaster-die.html   
[9] Stephen Barrett, M.D.: The Detox Foot Pad Scam. Revised November 12, 2010. https://quackwatch.org/device/reports/kinoki/
[10] „VGL Publishing AG / Oranienstraße 6 / D-10997 Berlin // Amtsgericht Charlottenburg / Handelsregisternummer: HRB 243307 B / USt-ID: DE296826903“ Zitat aus dem Impressum, wie [11].
[11] https://www.welt.de/vergleich/detox-fusspflaster/  
[12] https://www.mdr.de/ratgeber/lifestyle/entgiftung-pflaster-fuss-detox-nutriform100.html  

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Thursday, September 28, 2023

Gewichtsreduktion mit Gummis (Gums)

Haben Sie es auch schon versucht? Gewichtsreduktion mit nur zwei Gums pro Tag? Jedenfalls kann man das im Internet lesen [1]. Man soll mit zwei Gummies pro Tag abnehmen. Die Tageskosten liegen bei etwa 1,33 €. Sie könnten sagen: Das ist es mir wert. Aber wenn es nur eine Placebowirkung wäre wie bei der Homöopathie?

Die Wirkung eines solchen Placebos könnte auf Faktoren wie die Erwartung auf das Ergebnis oder aber auch den Preis zurückzuführen sein. Teurere Placebos zeigen oft stärkere Effekte als günstigere. Dies bezeichnet man als "Preis-Wirksamkeits-Beziehung".

Was ist denn in den Gummies drin? Inhaltsstoffe: „Glukosesirup, Zucker, Wasser, Vormischung (Ingwerextrakt, Mutterapfelessig), Pektin, ...“, also Zucker und Zucker und Wasser sind die Hauptbestandteile. Zucker aber ist nicht gesund. Zucker treibt den Insulinspiegel hoch und das führt zu Unterzuckerung, so daß man
nach noch mehr Zucker giert. Aber das soll gar nicht Thema sein.

Was ist den in Gummibärchen drin? „Ihre Inhaltsstoffe sind Zucker, Glucosesirup, Wasser und ein Verdickungsmittel oder eine Mischung aus mehreren Verdickungsmitteln.“ [2] Die Tageskosten für zwei Gummibärchen liegen bei etwa 0,05 €. Mit zwei Gummibärchen am Tag abnehmen zu wollen, ist natürlich genauso idiotisch wie die Idee, man könne mit zwei Green Gums oder ähnlichen Gummies abnehmen, aber es wäre deutlich preiswerter.



Links und Anmerkungen:

[1] Ich hatte über Green Gummies gelesen, aber da gibt es viele ähnliche Gummies. https://www.anxiety.org/de/schlankmacher/g7-green-gummies-erfahrungen-test-stiftung-warentest Vorsicht! Das ist eine Verkaufsseite, die nichts mit der Stiftung Warentest zu tun hat. Es wird berichtet, daß Elaine einen Selbsttest gemacht hat. Ich sage: Ha, ha!
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gummibonbon


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Sunday, September 3, 2023

Kijimea Liquid

Kijimea hatte im Wochenspiegel eine ganzseitige Anzeige [1]. Der größte Teil ging für ein Reizdarm-Produkt drauf und dann kam der Anzeigenteil, der mich interessierte: „Flüssigkeitsmangel: was tun? Hoffnung für Betroffene kommt nun aus der Forschung“. Wenn die Begriffe Hoffnung und Forschung in einer Anzeige zusammenfallen, werde ich ganz kribbelig, denn dahinter verbirgt sich häufig Abzocke. Mal sehen, wie es sich bei Kijimea Liquid verhält.

Der Text beginnt mit einer Hinführung zum Problem Flüssigkeitsmangel (Dehydration). Dafür wird eine Arbeit aus dem Jahr 2005 [2] zitiert, wahrscheinlich soll es wissenschaftlich fundiert wirken, aber worüber geht der Artikel nun wirklich? Der Artikel geht über Hypertonizität, d.h. über
höhere Konzentration von gelösten Teilchen im Plasma als normal. Das hat etwas mit Flüssigkeitsmangel zu tun, aber diesen Zustand durch noch mehr gelöste Teilchen anstatt Wasser zu verbessern, macht einen doch nachdenklich.

Der zweite Artikel wird zu der Aussage „Mögliche Folgen: Vergesslichkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit und abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit“ zitiert [3]. Die Studie berichtet über Defizite im Verständnis für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei älteren Menschen und empfiehlt eine angemessene Aufklärung und Beachtung der Flüssigkeitszufuhr.

Kijimea Liquid wird nun als „einzigartiger Nährstoffkomplex aus Elektrolyten und Mikronährstoffen“ beworben. Wenn Sie sich einen Kaffee aufbrühen und etwas Zucker hinein geben, dann wird jede Tasse einzigartig. Und wenn Sie einen Teelöffel Muskatnuss hinzutun, dann ist der so einzigartig, daß man ihn wegschütten wird. Worauf will ich hinaus? Die Einzigartigkeit ist nichts Besonders, sondern wird durch die Beigabe verschiedener Stoffe, die überhaupt nichts mit der Flüssigkeitsaufnahme zu tun haben, erreicht und zwar deshalb, damit man das Produkt vermarkten kann.

Was ist denn drin in Kijimea Liquid? Ich wähle jetzt aus den Bestandteilen aus, aber hier ist die vollständige Liste [4]. Dextrose ist der Hauptbestandteil – kennen Sie vielleicht besser als Traubenzucker. Der Name Liquid läßt an eine Flüssigkeit denken; denn „Liquid“ stammt aus dem Lateinischen von „liquere“, was "fließen" oder "flüssig sein" bedeutet. Im Allgemeinen bezeichnet „Liquid“ eine Flüssigkeit. Die müssen Sie aber erst herstellen, denn sie bekommen Braustabletten. Die weiteren Inhaltstoffe sind Zitronensäure, „Natriumbicarbonat“ und „Kaliumhydrogencarbonat“. Zwischen Bicarbonat und Hydrogencarbonat besteht kein sachlicher Unterschied und es ist bezeichnend, daß man sich nicht auf eine Schreibweise, Hydrogencarbonat wäre sinnvoller, geeinigt hat.
Natriumhydrogencarbonat kennen Sie bestimmt als Natron, das als Treibmittel beim Backen  verwendet wird. Die chemische Formel für Natriumbicarbonat ist NaHCO3. Die chemische Formel für Kaliumhydrogencarbonat lautet KHCO3. Wenn die Brausetablette in Wasser aufgelöst wird, reagieren die Zitronensäure, Natriumhydrogencarbonat und Kaliumhydrogencarbonat miteinander und es entsteht Kohlendioxidgas (CO2), so daß es sprudelt. Im Endeffekt sind die Elektrolyte, die Sie sich teuer kaufen, für den Mechanismus Braustablette notwendig.

Nun wird der SGLT-1-Cotransporter eingeführt und ihm eine „geniale“ Eigenschaft angedichtet. Wenn man in der Werbung genial schreibt, dann kann sich nicht Gutes dahinter verbergen. Der SGLT-1-Cotransporter ermöglicht den Transport von Glukose und Natrium gleichzeitig in die Zellen des Dünndarms, wodurch die Glukose effizient in den Blutkreislauf gelangen kann. Er ist nicht direkt an der Aufnahme von Wasser beteiligt. Der Werbetext bezieht sich auf indirekte Zusammenhänge zwischen der Glukoseaufnahme und der Wasseraufnahme, da die Aufnahme von Glukose durch den SGLT-1-Cotransporter osmotische Kräfte erzeugen kann, die zur Wasseraufnahme beitragen können. Das kann aber bei einer Hypertonizität nicht sinnvoll sein, denn da wird Wasser benötigt. Es gibt kein zugelassenes Medikament, das auf den SGLT-1-Cotransporter wirkt. Es gibt jedoch mehrere selektive Natrium-Glukose-Kotransporter-2-Inhibitoren [5], die zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind.

1 kg Kijimea Liquid kostet zwischen 150-175€ nach meinen aktuellen (03.09.2023) Recherchen. 1 kg Traubenzucker ist schon für 3 € zu haben. Brauche ich beides nicht. Wenn ich dehydriert bin, greife ich zu Apfelschorle oder verdünntem Orangensaft. Aber wenn Sie unbedingt Kijimea Liquid kaufen wollen – nur zu! Nicht jedem ist zu helfen!


Links und Anmerkungen:
[1] https://wi-paper.de/show/5b3591d44e1d/epaper S. 14
[2] Stookey JD. High prevalence of plasma hypertonicity among community-dwelling older adults: results from NHANES III. J Am Diet Assoc. 2005 Aug;105(8):1231-9. doi: 10.1016/j.jada.2005.05.003. PMID: 16182639. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16182639/  
[Übersetzung:] „Ergebnisse: Bei 40% der Stichprobe wurde eine leichte und bei 20% eine offensichtliche Hypertonizität beobachtet. Hypertonizität war positiv mit höherem Alter, hispanischer und afroamerikanischer Herkunft, beeinträchtigter Glukosetoleranz, Diabetes und Hämokonzentration assoziiert und invers mit Parametern der bioelektrischen Impedanzanalyse. Hypertonizität war bei jüngeren Erwachsenen mit einer höheren Gesamtwasseraufnahme verbunden, nahm jedoch bei älteren Erwachsenen ab. Schlussfolgerungen: Kliniker und Forscher sollten auf Hypertonizität und ihre Ursachen bei älteren Erwachsenen achten.“ Mit Hypertonizität wird ein Zustand beschrieben, bei dem die Konzentration von gelösten Teilchen in einer Lösung oder im Körper höher ist als normal. Es ist also etwas anderes als Buthochdruck, der oft als Hypertonie abgekürzt wird.
[3] Picetti D, Foster S, Pangle AK, Schrader A, George M, Wei JY, Azhar G. Hydration health literacy in the elderly. Nutr Healthy Aging. 2017 Dec 7;4(3):227-237. doi: 10.3233/NHA-170026. PMID: 29276792; PMCID: PMC5734130. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29276792/
[Übersetzung:] „Schlussfolgerungen: Insgesamt hat unsere Studie gezeigt, daß es bei älteren Menschen erhebliche Defizite im Verständnis für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gibt. Eine angemessene Aufklärung und Beachtung der Flüssigkeitszufuhr können die Lebensqualität verbessern, Krankenhausaufenthalte reduzieren und die mit Flüssigkeitsmangel verbundenen Krankheitslast und Sterblichkeit verringern.“
[4] „Dextrose, Säuerungsmittel: Citronensäure; Inulin, Natriumbicarbonat, Säureregulator: Kaliumhydrogencarbonat; Vitamin C, Trennmittel: Polyethylenglycol; Aroma, Süßungsmittel: Sucralose; Niacin, Vitamin B12, Pantothensäure, Vitamin B6, B. bifidum HI-LA2810, Maisstärke. Eine Portion (2 Brausetabletten) Kijimea® Liquid enthält den hitzeinaktivierten Bakterienstamm B. bifi dum LA2810 mit 3 Millionen Bakterien.“ https://www.amazon.de/Kijimea%C2%AE-Liquid-Fl%C3%BCssigkeitsaufnahme-Nahrungserg%C3%A4nzungsmittel-Kohlenhydrat-Elektrolyt-L%C3%B6sung/dp/B0C5Y3KMMM/ref=sr_1_5?adgrpid=73038836804&hvadid=606750957971&hvdev=c&hvlocphy=9044700&hvnetw=g&hvqmt=e&hvrand=12816940524856517321&hvtargid=kwd-2081526621785&hydadcr=3721_2331472&keywords=kijimea+liquid&qid=1693759441&sr=8-5
[5] Und wenn Ihnen jetzt der Kopf raucht wegen all der Transporter, dann können Sie sich bei einem der Transporter-Filme mit Jason Statham
entspannen – der erste ist immer noch der beste.

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Sunday, February 12, 2023

Spermidin oder Weizenkeime?

 


Mein Vater pflegte bei unerwarteten Entdeckungen auszurufen: „Was sehen meine entzündeten Augen?!“ Ich ging gestern in ein Reformhaus in Köln-Mülheim und suchte griechischen Bergtee (Sideritis spp) [1], den ich auch fand. Aber ich sah plötzlich eine 160-g-Dose Spermidin [2] und da rief ich im Inneren aus: „Was sehen meine entzündeten Augen?!“ Wieso das?

Spermidin stellt der Körper selbst her. Aber es könnte durchaus sinnvoll sein, Spermidin über die Nahrung zuzuführen, denn es aktiviert die Autophagie, so nennt man den Prozess, daß Zellen eigene Bestandteile abbauen, um sie wieder verwerten zu können. Egal, was Sie sonst lesen, der Nutzen keines der angebotenen Spermidin Produkte ist wissenschaftlich nachgewiesen. Ich aber liebe Natto [3] und auch Weizenkeime [4], die reich an Spermidin (unter weiteren Stoffen) sind. Auch mindestens für ein Jahr gereifter Cheddar-Käse ist reich an Spermidin [5].

Weizenkeime fallen bei der Herstellung von Auszugsmehlen an. Aber man kann sie auch essen. Warum will man nur den Mehkörper vermahlen? Das Auszugsmehl ist haltbarer und läßt sich einfacher verarbeiten. Weizenkeime enthalten viel Linolsäure, eine omega-6-Fettsäure, und die wird schneller ranzig als etwa gesättigte Fettsäuren.

Spermidin in der 160-g-Dose „wird aus hochwertigem, fein gemahlenen Weizenkeimpulver aus biologischer Landwirtschaft hergestellt. Weizenkeime enthalten von Natur aus besonders viel Spermidin. Raab Bio-Spermidin Pulver enthält 100 % Weizenkeim Pulver ohne Zusätze.“ [6] Das Produkt ist durch Entölung angereichert – ich will hier diesen Hinweis des Herstellers gar nicht in Frage stellen. Im Internet kann man das Produkt für ca. 50-75 €/kg erwerben, im Reformhaus kostet es ca. 93 €/kg. Vollgran Weizenkeime bekommt man für 9,78 €/kg und im Supermarkt bekommt man Weizenkeime für 3,96 €/kg.

Das läuft bei mir unter Abzocke, denn so hochwertig können die Weizenkeime und so wichtig die Entölung nicht sein, um so einen Preisunterschied zu rechtfertigen. Das sieht die Verbraucherzentrale ähnlich [7].



Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2018/05/griechischer-bergtee-sideritis-scardica.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2013/09/spermidin-polyamine-als-heilmittel.html und
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/spermidine-in-alzheimers.html
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/09/natto-einige-fragen-und-auch-antworten.html und  https://www.augora.at/product-page/natto Spermidin 240 mg/kg Natto.
[4] „Weizenkeime enthalten 243 mg/kg Spermidin und sind somit die unangefochtene Nummer 1 wenn es um Spermidingehalt in Lebensmitteln geht.“ https://spermidin.health/spermidin/spermidin-in-lebensmitteln/ (So unangefochten ist es nicht, aber von den getesteten Lebensmitteln stechen Weizenkeime, Natto und Cheddar-Käse hervor.)
[5] „In gereiftem Cheddar sind fast 200 mg/kg Spermidin enthalten.“ https://spermidin.health/spermidin/spermidin-in-lebensmitteln/
[6] https://www.raabvitalfood.de/produkte/spermidin-produkte/
[7] https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/jungbleiben-mit-spermidin-51804 und https://www.lebensmittelklarheit.de/produktmeldungen/online-angebot-spermidin-aus-weizenkeimen-0

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Saturday, December 25, 2021

Verkehrtes Asien – einige Aufreger


Ich suchte heute in alten Unterlagen ein bestimmtes Bild und in einer 30-35 Jahre alten Kladde fand ich einige Aufreger. Das waren sie damals schon, aber ich habe sie bislang noch nicht veröffentlicht.

Beim ersten Bild handelt es sich um asiatische Speisen; es könnte sich durchaus um ein chinesisches Gericht handeln, aber die Präsentation ist eher japanisch. Das Geschirr ist eindeutig chinesisch. Die Eßstäbchen sehen auch chinesisch aus, die Aufschrift ist nicht genügend gut zu erkennen, wirkt aber japanisch; die Präsentation wirkt weder chinesisch noch japanisch. Und die Schrift ist ein spiegelverkehrter japanischer Text (ein ist zu erkennen). Wahrscheinlich hat man den Fotografen mit einigen Utensilien alleine werkeln lassen.


Der nächste Fall ist eine Anzeige. Wie mag die Zahl 10 Millionen zustande gekommen sein? Ich denke, „klingt gut“ war ausschlaggebend, mancht es aber nicht wahrscheinlicher. Kommen wir zur Bildunterschrift: „Wer leistungsfähig bleiben will“ - aber so sieht die Dame unten rechts im Bild gar nicht aus. Und was für Japaner sind das denn? Es sind Chinesen und zwar in Hongkong. Ich meine, daß die Aufnahme in Wanchai, also auf Hongkong Island, gemacht wurde, so vor etwa 40 Jahren.


Beim nächsten Bild wird uns „eine Chinesin bei der Handarbeit“ gezeigt. Nein, die junge Dame klöppelt nicht, auch wenn sie Klöppel (oder Schlegel) in der Hand hält, denn sie spielt eine Kastenzither, wahrscheinlich anläßlich einer touristischen Vorführung.



Und dann sollen wir eine Werbung für Aspirin in Japan sehen. Erstens sehen wir eine Chinesin, zweitens sehen wir sie und die Zeichen spiegelverkehrt. Es handelt sich um ein sehr alte Werbung auf Chinesisch, denn Aspirin heißt auf Chinesisch 阿司匹林, damals wurde noch 阿司匹靈 benutzt. Das Bild dieser Frau mit der Tablette wird in einem chinesischen Text als Vater der chinesischen Werbung bezeichnet [1]. Japanisch wird das Fremdwort natürlich mit Katakana wiedergegeben: アスピリン.


Kommen wir nun zum „Feinsten Tee aus China“ - so jedenfalls die Überschrift, denn der erste Tee, der im Text erwähnt wird, ist ein japanischer Tee. Dann kommt auch ein chinesischer Tee, der um etwa 30% preiswerter ist. Und dann werden noch vier Teegärten in Darjeeling, Assam und Südindien erwähnt. Aber was ist mit dem Bild? Sieht schon chinesisch aus, wenn man davon absieht, daß die Kalligraphie auf dem Kopf steht.


Was lehrt uns das?
    - China und Japan sind zwei verschiedene Kulturen
    - ich bin leicht zu erregen
    - mich überraschen immer wieder solche Schludrigkeiten
    - wenn mit fremdländischen Zeichen beworben wird, sollte man beim Produkt besonders genau und kritisch hinschauen



Links und Anmerkungen:
[1] https://m.qudiandi.com/product/item/pid/10047494.html

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Tuesday, December 7, 2021

Bienenluft atmen gegen Lungenerkrankungen

 

Ich war auf der Familienfeier [1], die ich bereits erwähnt hatte. Und da erzählte jemand, der 30plus Rot-Händle am Tag raucht, daß er jetzt Bienenluft gegen seine Atembeschwerden einsetzen wolle. Wer nicht einsieht, daß man besser nicht mehr rauchen sollte, der sieht sich um nach fragwürdigen Methoden. Auf dem Flyer war ein Schnupperkurs für schlappe 380€ erwähnt. So jemandem ist nicht zu helfen.

Aber mir ist auch nicht zu helfen. Ich weiß, daß es Kokolores ist, aber ich will es genau wissen.

Es gibt eine Darstellung auf Psiram, in der auch die Methode und die Geschichte dargestellt wird [2]. Psiram führt uns so ins Thema ein: „Die Bienenluft-Therapie (auch Bienenluftinhalation, Bienenluftkur, Stocklufttherapie, Api-Air Therapie oder kurz ApiAir, engl. Beehive Air Treatment) ist eine pseudomedizinische Behandlungsmethode mit Wellnesscharakter aus dem Spektrum der Apitherapien, bei der Luft aus Bienenstöcken als so genannte Stockluft zum Einsatz kommt.“

Über Psiram konnte ich auch die Studie des verstorbenen Biochemikers Prof. Eberhard Bengsch einsehen, denn die ist von verschiedenen Seiten verschwunden – ich nehme an, weil es gar keine Studie im Sinne von – wir haben soundsoviel Probanden untersucht und dies und das ist dabei rausgekommen – ist, sondern der alte Herr hat sich ein paar Gedanken gemacht [3]. Bengsch berichtet über 800 Krankenheiten, die man mit Bienenprodukten heilen könne und auch über mögliche Quantifizierungen von Verbesserungen. Aber das sind allenfalls Wünsche und noch nicht einmal das Exposé für eine Studie. Er sieht ein, daß über die Einatmung von Bienenluft nur geringe Substanzmengen transportiert werden kann und bemüht dann die Homöopathie [4], um daraus zu schließen, daß es wirksam sein könnte.



Gerne wird in Insiderkreisen auch Prof. Karl Speer bemüht. Er hat eine Professur für Spezielle Lebensmittelchemie und Lebensmittelproduktion an der Technischen Universität Dresden [5]. Speer beschäftigt sich u.a. mit Bienen und Honig sowie Nachweisverfahren über die Herkunft von Honig. Aber damit ist er auch in einem Milieu, das Aussagen von ihm fordert, wie diese hier: „Es ist noch ungeklärt, inwieweit die eigentliche Therapie oder die Umgebung dem Patienten gut tun.“ „Wie viel positiven Einfluss die Ruhe und Ausgeglichenheit auf dem Land haben, wo die Therapie stattfindet, oder das ruhige Einatmen – und welchen Anteil die Inhaltsstoffe der Bienenstockluft selbst zur Therapie beisteuern, bedarf noch eingehender Untersuchungen.“ [6] Und so ist es auch wissenschaftlich korrekt. Das Zitat habe ich von der Seite der Deutsche Lungenstiftung e.V. und dem Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (VPK), mit deren Vorsitzendem Dr. med. Thomas Voshaar wir im Rheinischen Rheuma Zentrum lange Jahre produktiv zusammengearbeitet haben.

In Österreich hat man ebenfalls nachgefragt und nach Studien gesucht (2015 und 2018) [7]. Das Urteil ist vernichtend: „Es existieren keine wissenschaftlichen Studien zur Therapie mit der Luft aus Bienenstöcken.“ Ich habe auch eine Recherche durchgeführt und es gibt weiterhin keine Studien, die in PubMed gelistet wären [8].

Im Kölner Wochenspiegel (kostenloses Anzeigenblatt) suchte 2015 einmal ein Heilpraktiker Probanden für eine Studie, an der auch eine HNO-Ärztin mit Untersuchungen teilnehmen sollte [9]. Aber es ist bislang nichts über die Ergebnisse einer solchen Studie bekannt geworden.

Mir wäre am liebsten, man würde die Bienen in Ruhe lassen


Was ist über Kosten bekannt? „..., über die die Patienten dann in einer 30 Minuten langen Sitzung die Bienenstockluft einatmen. Die Basisbehandlung umfasst sechs Sitzungen und kostet 380 Euro. Diese Leistungen müssen privat finanziert werden.“ [10] Diese Zahl fand ich auch auf dem Flyer mit dem Schnupperkurs. Ich würde das nicht machen, weil ich mich über die Bedenken zur Wirksamkeit (bislang kein Nachweis) hinaus noch abgezockt fühlen würde.

Eines der Argumente ist jedoch, daß es sich um Wellness handeln würde. Es wird auch als Wellness vertrieben, aber ich lese, daß Krankheiten geheilt werden sollen und das Wort Therapie fällt. Das ist in meinen Augen unredlich. Anscheinend aber ist die Schwelle für die Aufsichtsbehörden noch nicht überschritten.

PS: Wann wird Luft aus dem Ameisenhaufen eingeatmet? Wann kommt Luft aus dem Misthaufen dran? Immerhin ist Kuhmist ein anerkanntes ayurvedisches Heilmittel, von dem Scienceblogs über einen Kuh-Kacktail (Smoothie mit Kuhmist etc.) berichtete [11].




Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/trost-eine-buchbesprechung.html Vielleicht sollte ich noch anmerken, daß wir uns 2Gplus wg. der exzessiven Corona-Inzidenz auferlegt hatten.
[2] https://www.psiram.com/de/index.php/Bienenluft-Therapie
[3] Eberhard Bengsch nannte seine nicht ganz vier DIN A4 Seiten lange Schrift: „Studie über das Potenzial einer biomedizinischen Wirksamkeit von inhalierter Bienenluft“. Dies ist unveröffentlicht geblieben.
[4] Hier kann man sich über Homöpathie informieren: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/homoeopathie-wissenschaftlich-nicht-nachvollziehbar/
[5] Hier sind einige Veröffentlichungen mit dem Co-Author K. Speer:
[5a] Recklies K, Peukert C, Kölling-Speer I, Speer K. Differentiation of Honeydew Honeys from Blossom Honeys and According to Their Botanical Origin by Electrical Conductivity and Phenolic and Sugar Spectra. J Agric Food Chem. 2021 Feb 3;69(4):1329-1347. doi: 10.1021/acs.jafc.0c05311. Epub 2021 Jan 21. PMID: 33476168.
[5b] Beitlich N, Koelling-Speer I, Oelschlaegel S, Speer K. Differentiation of manuka honey from kanuka honey and from jelly bush honey using HS-SPME-GC/MS and UHPLC-PDA-MS/MS. J Agric Food Chem. 2014 Jul 9;62(27):6435-44. doi: 10.1021/jf501818f. Epub 2014 Jun 26. PMID: 24941132.
[5c] Oelschlaegel S, Gruner M, Wang PN, Boettcher A, Koelling-Speer I, Speer K. Classification and characterization of manuka honeys based on phenolic compounds and methylglyoxal. J Agric Food Chem. 2012 Jul 25;60(29):7229-37. doi: 10.1021/jf300888q. Epub 2012 Jul 11. PMID: 22676798.
[6] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-gesund-ist-die-luft-im-bienenstock/
[7] https://www.medizin-transparent.at/bienenluft-therapie-als-asthma-hoffnung/
[8] Man kann sich zu über 30 Millionen Artikeln aus dem Bereich Medizin (Titel und wenn vorhanden auch Abstracts oder die Vollversion des Artikels) informieren. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/mesh/
[9] http://www.koelner-wochenspiegel.de/rag-kws/docs/884093  Hier gibt es allerdings keinen Zugriff mehr. (Der Hinweis stammte aus einem Forum)
[10] https://www.saechsische.de/plus/gesund-durch-bienenluft-5081411.html
[11] https://scienceblogs.de/bloodnacid/2017/05/19/wissenschaftlich-bestaetigter-kuhmist/
 

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Tuesday, July 13, 2021

RubaXX® Arthro - ein „hochkonzentriertes“ Homöopathikum

 



Die Werbung zu RubaXX® Arthro berichtet: „ Deutsche Forscher  haben die besondere Arthrose-Pflanze Viscum album hochkonzentriert in RubaXX® Arthro aufbereitet.“ [1] Was bitteschön ist eine Arthrose-Pflanze? Ich vermute Werbelyrik. Ich bin bereits mehrfach über die Werbung von RubaXX, RubaX und ähnlichen Präparaten gestolpert [2]. Bei RubaXX Duo werden die Verdünnungen D4 und D6 benutzt [3], bei RubaXX® Arthro wird die Urtinktur verwendet, hochkonzentriert bedeutet schlicht unverdünnt. Warum es dann ein homöopathisches Mittel sein soll, ist mir unklar. Und soll ein homöopathisches Mittel nicht umso wirksamer sein je höher es verdünnt ist? Dazu die DHU [Deutsche Homöopathie-Union]: „Trotz der dabei erfolgenden zunehmenden Verdünnung des Ausgangsstoffs hat Hahnemann die Erfahrung gemacht, dass die Heilkraft der Arzneien durch diese Art der Herstellung zunimmt.“ [4] Ich meine nicht, dass die Werbung hier zugeben will, dass ein wenig/nicht wirksames Präparat verkauft werden soll.

Viscum album ist der lateinische Name der Weißbeerigen Mistel. Mistel bei Arthrose? Sie wird häufig im Rahmen von Krebstherapien, oft auf Patientenwunsch, angewendet; Wikipedia schreibt dazu: „Trotz langjähriger Anwendung und Forschung ist nicht belegt, dass Mistelpräparate das Tumorwachstum hemmen oder gar Krebspatienten heilen können.“ [5]

Auf der Homepage steht: „So wirkt Viscum album nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend.1“ [1] Zitiert wird die Studie von Hegde et a. (2011) [6]. Diese Studie ist eine  Untersuchung an einer Zelllinie mit der Bezeichnung A549. Diese Zellen sind Tumorzellen, sie stammen von einem Adenokarzinom der Lunge. Das nenne ich nicht gerade Arthroseforschung. Man hätte nun 10 Jahre Zeit gehabt, um Studien durchzuführen – hat man aber nicht. Es wird noch eine zweite Studie zitiert; „Lavastre et al. (2004)“ [7]. Das liest sich dann so: „Mehr noch: Viscum album kann laut In-vitro-Studien sogar bestimmte Körperzellen stoppen, die den Gelenkknorpel bei Arthrose angreifen.“ [1] Schauen wir doch einmal nach, was in dieser Studie steht. Die Studie untersucht die Wirkung eines Lektins aus Viscum album an Zellen (Neutrophile, das sind bestimmte weiße Blutkörperchen, die in der Studie Mäusen injiziert wurden). Die Autoren folgerten: „[Diese Daten könnten neue klinische Perspektiven für die zukünftige Misteltherapie eröffnen ...]“. Nun, dafür wären jetzt 17 Jahre Zeit gewesen. Eine Studie, die eine Wirksamkeit RubaXX® Arthro gegen Arthrose bedingte Schmerzen belegen könnte, liegt nicht vor.

Als günstigsten Preis fand ich gerade (13.07.2021, 11:45 Uhr): 61,54€/100ml. Die Dosierungsempfehlung gibt 3x5 bis 6x5 Tropfen an, was etwa 0,75 bis 1,5 ml entspricht. Bei 1 ml pro Tag (chronische Schmerzen) macht das im Jahr 365 ml aus, und das sind dann 224,62€. Also das läuft bei mir mit und ohne homöopathische Schwurbelei als Abzocke.


Links und weitere Angaben:
[1] siehe auch in abgewandelter Form: https://rubaxx.de/rubaxx-arthro/
[2] z.B. https://rheumatologe.blogspot.com/2020/12/abzocke-mit-rubaxx-cannabis-ol-erneut.html
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/abzocke-mit-rubaxx-cannabis-ol.html
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/rubaxx-gicht-neue-spezial-therapie-bei.html
[3] RubaXX® Duo enthält Rhus toxicodendron Dil. D6 und Phytolacca americana Dil. D4.  https://rheumatologe.blogspot.com/2020/05/rubaxx-duo-neu-in-der-rubax-familie.html
[4] Unter: „Was versteht man unter Potenzierung“: https://www.dhu.de/unternehmen/wissenswertes/faq-zur-homoeopathie.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fbeerige_Mistel
[6] Noch nicht einmal richtig zitieren kann man; der Name des Hauptautors ist Hegde und nicht Hedge – da ist der Hedgefond mit RubaXX durrchgegangen. Hegde P, Maddur MS, Friboulet A, Bayry J, Kaveri SV. Viscum album exerts anti-inflammatory effect by selectively inhibiting cytokine-induced expression of cyclooxygenase-2. PLoS One. 2011;6(10):e26312. doi: 10.1371/journal.pone.0026312. Epub 2011 Oct 18. PMID: 22028854; PMCID: PMC3196571.
[7] Lavastre V, Cavalli H, Ratthe C, Girard D. Anti-inflammatory effect of Viscum album agglutinin-I (VAA-I): induction of apoptosis in activated neutrophils and inhibition of lipopolysaccharide-induced neutrophilic inflammation in vivo. Clin Exp Immunol. 2004 Aug;137(2):272-8. doi: 10.1111/j.1365-2249.2004.02545.x. PMID: 15270843; PMCID: PMC1809108.

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Monday, December 28, 2020

Abzocke mit Rubaxx Cannabis Öl, erneut


Wieder einmal sehe ich eine Anzeige, die mich aufregt – die Anzeige von Rubaxx Cannabis Öl. „Dieses Cannabis Öl begeistert“ schreit es mir entgegen. Wen begeistert es denn? Mich bestimmt nicht. Vielleicht den Vertrieb. Mich regt es auf, weil Unwissenheit und Vermutung zum Kauf eines Produktes führen, dass man wg. des exorbitanten Preises sonst nicht gekauft hätte. Ich hatte bereits im Oktober darüber berichtet [1].

Hier sind die beiden Anzeigen aus dem Wochenspiegel, wie ich sie bekommen habe. Die obere ist vom 21.10.2020 und die untere vom 23.12.2020:




„Wissenschaftlern ist es nun gelungen, aus den Samen einer speziellen Cannabispflanze ein wertvolles Öl zu gewinnen. Das Geniale: Cannabissamen haben keine berauschende Wirkung.“ Wenn Sie meinen Blog verfolgt haben, dann wissen Sie, dass „genial“ ein Wort ist, das zur Vorsicht mahnt. Hanföl darf keine berauschende Wirkung haben, sonst könnte man es nicht zum Verzehr wie Olivenöl, Leinöl oder Salatöl verkaufen. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail [2]. „Die Tetrahydrocannabinolgehalte sind in vielen hanfhaltigen Lebensmitteln zu hoch – gesundheitliche Beeinträchtigungen sind möglich“ berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Verbraucherzentrale schreibt: „Hanfsamen enthalten natürlicherweise kein THC. Allerdings können sie bei der Ernte mit THC-reichen Pflanzenteilen (Blüten, Blätter oder Stängel) in Berührung kommen. Dadurch kann sich THC durchaus in messbaren Mengen in kommerziell erhältlichen Hanfsamen und daraus hergestellten Lebensmitteln finden.“ Inwieweit das auch beim Hanföl von Rubaxx der Fall ist, müsste erst geprüft werden. Das würde ich einem funktionierenden Verbraucherschutz abverlangen.

In beiden Anzeigen sieht man Cannabispflanzen – wie hier auf meinem Blog auch! Das ist verlockend, aber auch fehl leitend. Denn das Öl soll ja gerade nicht aus den ganzen Pflanze sondern nur aus den Samen gewonnen werden. Und wie sehen Petrischalen. Was haben Petrischalen mit der Gewinnung eines Speiseöls zu tun? Und was soll die Pipette? Dosieren Sie ihr Olivenöl für den Salat mit einer Pipette? Petrischale und Pipette dienen dazu, einen Bezug zur Pharmazie herzustellen – wie auch die  PZN (Pharmazentralnummer).  Petrischale, Pipette, Pharmazentralnummer und Pharmazie beginnen auch noch alle mit P. Warum wird Rubaxx Cannabis Öl in der Apotheke mit einer PZN (Pharmazentralnummer) verkauft? Weil es nicht verboten ist, für ein Hanföl oder ein Salatöl eine PZN zu beantragen und weil man so ein Öl in einer Apotheke viel teurer verkaufen kann.

Ich lese, dass Rubaxx Cannabis Öl für den täglichen Verzehr geeignet ist. Also genau so wie Salatöl, Olivenöl, Distelöl, Maiskeimöl usw.
 
Cannabis ist der lateinische Ausdruck für Hanf. Und ob man es Hanflöl oder Cannibisöl nennt, es bleibt ein Speiseöl. In der Anzeige wird dieses Öl als Superfood bezeichnet. Leinöl enthält doppelt so viel omega-3-Fettsäuren wie Hanföl und hat nicht den Nachteil möglicher Rückstände.

RubaXX® Cannabis Öl wird als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben und dann gehört auch  Verzehrsempfehlung und Warnungen dazu. Die Empfehlung des Herstellers ist aber 3x5 Tropfen pro Tag. Und der Hersteller warnt: „RubaXX® Cannabis Öl darf nicht geraucht, vaporisiert, in der E-Zigarette verdampft oder inhaliert werden.“ Weshalb sollte man das tun, wenn es doch keine berauschende Wirkung hat? Oder kennen Sie jemanden, der Olivenöl raucht, vaporisiert oder verdampft und inhaliert? Na gut,  Menschen machen dumme Sachen. Wozu dies also? Ich meine, dass der Leser der Anzeige denken soll, es handele sich um ein pharmazeutisch wirksames Cannabisöl, aber ohne Nebenwirkungen. Dafür spricht auch die Empfehlung, das „Öl mit der Pipette unter die Zunge tropfen, für ein paar Sekunden unter der Zunge bzw. im Mund behalten und im Anschluss schlucken“. Wozu denn das? Um Magie zu erzeugen. Es handelt sich um eine magische Handlung. Das Öl wird nicht im Mund aufgenommen. Das Öl wird nicht von der alpha-Amylase der Speicheldrüsen verdaut, denn die kann nur bestimmte Glykosid-Bindungen bei Kohlenhydraten spalten.

Für 10 ml Rubaxx Cannabis Öl fand ich eine UVP von 32,95€ - das entspricht 3.295€ pro Liter. Für das Bio Hanföl von Steinberger zahlen Sie 16,95€ - allerdings für 750 ml, d.h. mit Versand zahlen Sie 27,50€ pro Liter. Sie würden also etwa das 120fache für
Rubaxx Cannabis Öl bezahlen. Deshalb ist Rubaxx Cannabis Öl in meinen Augen Abzocke. So gut kann ein Hanföl nicht sein, dass es 3.295 pro Liter kosten muss.

Rubaxx Cannabis Öl hat nichts mit dem zu tun, was Sie mit dem Wort Cannabis assoziieren. Rubaxx Cannabis Öl ist ein Hanföl, wie Sie es auch im Lebensmittelhandel bekommen können. Passen Sie auf, dass Ihnen die Magie des Wortes Cannabis nicht das Geld aus der Tasche zaubert.


Links und Literaturangaben:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/abzocke-mit-rubaxx-cannabis-ol.html
[2] https://www.bfr.bund.de/cm/343/tetrahydrocannabinolgehalte-sind-in-vielen-hanfhaltigen-lebensmitteln-zu-hoch-gesundheitliche-beeintraechtigungen-sind-moeglich.pdf und
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/hanfsamen-hanfoel-hanftee-wie-steht-es-mit-der-sicherheit-12881

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Thursday, October 22, 2020

Abzocke mit Rubaxx Cannabis Öl

 

Wieder einmal sehe ich eine Anzeige, die mich aufregt – die Anzeige von Rubaxx Cannabis Öl. Mich regt es auf, weil Unwissenheit und Vermutung zum Kauf eines Produktes führen, dass man wg. des exorbitanten Preises sonst nicht gekauft hätte.

„Wissenschaftlern ist es nun gelungen, aus den Samen einer speziellen Cannabispflanze ein wertvolles Öl zu gewinnen. Das Geniale: Cannabissamen haben keine berauschende Wirkung.“ Wenn Sie meinen Blog verfolgt haben, dann wissen Sie, dass „genial“ ein Wort ist, das zur Vorsicht mahnt. Hanföl darf keine berauschende Wirkung haben, sonst könnte man es nicht zum Verzehr wie Olivenöl, Leinöl oder Salatöl verkaufen. „Rubaxx Cannabis Öl ist ein Nahrungsergänzungsmittel.“ Vereinfachend gesagt gibt es „spezielle Cannabispflanzen“, denen man die Produktion von THC (Tetrahydrocannabinol bzw. Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol, berauschend) oder CBD (Cannabidiol, nicht berauschend, aber pharmakologisch wirksam) abgezüchtet hat, um das Öl aus den Samen etwa im Lebensmittelhandel in Verkehr bringen zu können. So gibt es das bereits seit Jahrzehnten. CBD wird vornehmlich aus Blüten und Blättern gewonnen, aber das spielt hier keine Rolle.

Warum wird Rubaxx Cannabis Öl in der Apotheke mit einer PZN (Pharmazentralnummer) verkauft? Weil es nicht verboten ist, für ein Hanföl oder ein Salatöl eine PZN zu beantragen und weil man so ein Öl in einer Apotheke viel teurer verkaufen kann. Man könnte sich auch eine ganze Flasche des Nahrungsergänzungsmittels Rubaxx Cannabis Öl in eine Schale geben und mit Brot auftunken. Schmeckt sicherlich gut. Die Empfehlung des Herstellers ist aber 3x5 Tropfen pro Tag. Und der Hersteller warnt: „RubaXX® Cannabis Öl darf nicht geraucht, vaporisiert, in der E-Zigarette verdampft oder inhaliert werden.“ Weshalb sollte man das tun, wenn es doch keine berauschende Wirkung hat? Oder kennen Sie jemanden, der Salatöl raucht, vaporisiert oder verdampft und inhaliert? Na gut, die Menschen machen dumme Sachen. Wozu dies also? Es soll der Anschein erweckt werden, es handele sich um pharmazeutisch wirksames Cannabis (THC bzw. CBD).

Für 10 ml Rubaxx Cannabis Öl fand ich eine UVP von 41€. Für Vitaquell Bio Hanföl zahlen Sie auch etwa 41€ - allerdings für den Liter. Das Hanföl Rubaxx Cannabis Öl ist also etwa 100 Mal teurer als ein Hanföl wie Vitaquell Bio Hanföl. Hanföl ist schon an sich nicht preiswert, denn ein gutes Leinöl kostet etwa die Hälfte des Preises von Vitaquell Bio Hanföl und ein gutes Olivenöl ist für 6,15€ /l (Testsieger Stiftung Warentest 2020) zu erhalten. Deshalb ist Rubaxx Cannabis Öl in meinen Augen Abzocke. So gut kann ein Hanföl nicht sein, dass es 4.100€ pro Liter kosten muss.

Rubaxx Cannabis Öl hat nichts mit CBD zu tun – das haben Sie sich gedacht, aber die Werbung selbst hat es nicht gesagt! Rubaxx Cannabis Öl hat eine gute Marketing Abteilung, die bei Ihnen den Eindruck erweckt hat, es handele sich um mehr als ein Salatöl.


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Thursday, June 11, 2020

Bindet Heilerde Nahrungsfette?


Keine Heilerde, aber ehrliche Gartenerde,
vom Maulwurf geprüft


Ich las dieser Tage: „Luvos-Heilerde bindet Nahrungsfette wie ein Schwamm“ und „Luvos-Heilerde mikrofein kann die Blutfettwerte dank seiner außergewöhnlichen Bindungsfähigkeit auf ganz natürliche Weise positiv beeinflussen.“ [1] Es ging bereits um den Tag des Cholesterins am 19. Juni. Deshalb die Offensive.

Lassen wir einmal außen vor, dass Nahrungsfette nicht nur aus Cholesterin bestehen. Was ist mit den Neutralfetten/Triglyzeriden? Der Text geht weiter und beschreibt die Veränderugen von HDL- und VDL-Cholesterin in den Wechseljahren der Frau, wenn weniger Östrogen produziert wird. Ich nehme an, dass es sich bei dieser Gruppe von Frauen um die Hauptklientel für Heilerde handelt. Das Verhältnis von HDL- und LDL-Cholesterin ist nur bedingt vom Nahrungscholesterin abhängig. Ob sich Änderungen im Gesamt-Cholesterin oder im Verhältnis von HDL- und LDL-Cholesterin durch die Einnahme von Heilerde ergeben, ist völlig unklar, da nicht beforscht. In Laborversuchen kann die Heilerde allerdings Cholesterin binden; aber das können Ballaststoffe aus Vollkorngestreide, Gemüse, insbesondere Leguminosen, und weiteren auch.

Wenn man sich die Beschreibungen der Hersteller / Vertreiber von der Zusammensetzung von Heilerde ansieht, dnn findet man z. B.: „Der Luvos-Löss besteht überwiegend aus den natürlichen Mineralien Silikat, Kalkspat, Dreischichttonminerale, Feldspat und Dolomit.“ [2] Und weiter: „Die häufigsten Elemente der Erdkruste sind auch die Hauptbestandteile von Luvos-Heilerde. Sie enthält in den Mineralien gebunden u. a. Silizium, Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie die Spurenelemente wie Kupfer, Mangan, Nickel, Selen und Zink.“ Was ich hier vermisse, ist das Aluminium. Aber Aluminium soll ja nicht so gesund sein, weshalb es nicht erwähnt wird! Aber es gibt noch den unabhängigen Wikipedia-Artikel: „Mineralogisch betrachtet besteht Heilerde im Wesentlichen aus Aluminium-Silikaten wie z.B. in Bentonit und anderen Mineralien in wechselnder Zusammensetzung.“ [3] Betonit (E558) ist seit 2013 in der EU als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr zugelassen. Bentonit ist weiterhin Bestandteil von Katzenstreu und wird in Gartenteichen und Aquarien eingesetzt. [4] Wieviel Aluminium durch die Heilerden der verschiedenen Hersteller erfolgt, ist unklar. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) empfahl, wöchentlich nur maximal 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht aufzunehmen (2015).

Heilerde bindet Stoffe, z.B. Medikamente, weshalb es zu verminderter Wirkung kommen kann. Aber auch Spurenelemente werden gebunden, da die Heilerde alle gleich behandelt. Die erhöhte Silikataufnahme kann zu Nierensteinen und auch zu einer interstitiellen Nephritis führen. „Während die positiven Effekte von Heilerde fraglich sind, sind Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten offenkundig“. [5]

Um die gestelle Frage „Bindet Heilerde Nahrungsfette?“ zu beantworten: für Cholesterin im Labortest nachgewiesen. Ob die Heilerde einen Einfluss auf das Gesamt-Cholesterin oder das Verhältnis von HDL- und LDL-Cholesterin wurde nicht untersucht und ist auch nicht schlüssig. Wenn Sie ein Problem mit erhöhtem Cholesterin haben, dann suchen Sie Ihren Arzt auf.
Wegen der unselektiven Bindung von Medikamenten und Spurenelementen und der ungeklärten Aufname von Aluminium ist die Einnahme aus meiner Sicht nicht zu empfehlen.


Links und Literaturangaben:

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Friday, May 29, 2020

RubaXX® Duo neu in der RubaX-Familie


So flatterte mir die Werbung ins Haus


Ich habe die erste Nummer des Wochenspiegels in der Eifel geliefert bekommen (22, S 14). Unter der Rubrik findet sich, als Anzeige korrekt gekennzeichnet; eine Werbung: „Mit 2-fach-Komplex gegen Gelenkschmerzen“ von RubaXX® Duo. Über RubaX® hatte ich schon früher berichtet[1].

RubaX® enthält Rhus toxicodendron Dil. D6. RubaXX® Duo enthält Rhus toxicodendron Dil. D6 und Phytolacca americana Dil. D4. In der Anzeige wird ein alternativer Name, nämlich T. quercifolium genannt, es handelt sich um den eichenblättrigen Giftsumach, den man auch Giftefeu (poison ivy) nennt [2].

„Heute ist T. quercifolium umfassend erforscht und wird wegen seiner schmerzlindernden Wirkung in Muskeln und Gelenken geschätzt“ - so steht es in der Werbung. 
M. Shipley und Kollegen allerdings führten diese Studie durch: „Controlled trial of homoeopathic treatment of osteoarthritis.” Sie konnten zeigen (und das schon 1983), dass eine homöopathische Zubereitung von Rhus toxicodendron nicht wirksam gegen Kniegelenks- oder Hüftgelenksarthrose war. Man hatte nicht nur gegen Placebo sondern auch gegen Fenoprofen, einem nicht-steroidalen, entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAID), getestet. [3]

Also wenn die Homöopathie mit einem Wirkstoff nicht hilft, dann vielleicht mit zwei Wirkstoffen? Der zweite Wirkstoff ist Phytolacca americana. „Nach verschiedenen Quellen muss diese Pflanze als stark giftig bezeichnet werden [4].“ RubaXX® Duo ist auf D4, d.h. 1:10.000, verdünnt. Das entspricht einem Tropfen auf 500 ml. Damit ist aber noch die Möglichkeit der Vergiftung gegeben. Als mögliche Vergiftungssymptome können bei Phytolacca americana Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und weitere Symptome auftreten. Die Gefahr scheint jedoch verglichen mit Arsen in gleicher Verdünnung eher gering zu sein.

„Laut Arzneimittelbild hat sich Phytolacca americana bei geschwollenen Gelenken und entzündungsbedingten Schmerzen als wirkungsvoll erwiesen“, so der Werbetext. Ich habe 106 Studien zu Phytolacca americana in PubMed gefunden, aber nicht eine Studien hat sich mit Schmerzen beschäftigt, so dass es sich „wirkungsvoll erwiesen“ lediglich um Werbelyrik handelt.

Wieviel kostet RubaXX® Duo? Ich fand Preise etwa zwischen 62 und 126 € pro 100 ml. Damit kostet der Milliliter bestenfalls 0,62 €. Bei chronischen Schmerzen werden 15 Tropfen täglich empfohlen, das sind 0,75 ml. Das schlägt mit 170 € pro Jahr nieder. Und wir können mit Natalie Grams sagen: „Homöopathika wirken nicht über den Placebo-Effekt“. Dann aber sind 170 € in meinen Augen Abzocke.

Links:

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