Wednesday, December 31, 2025

Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 03 vom 31.12.2025

 


Aktuell habe ich mir von den photographischen Aufnahme [1] drei vom Anfang der 1950er Jahre aus der Kolonie Abendruh herausgesucht. Diese Black Box hat besonders Aufnahmen mit Menschen an bestimmten Orten. Hier ist es ein Treffen im Garten meiner Großeltern in der Kolonie Abendruh [2], über die ich bereits berichtet hatte [3]. Die Kolonie gibt es heute noch. Sie wurde 1919 gegründet.

Die Großeltern hatten eine Doppelparzelle (ca. 550 m²), da sie diese gemeinsam mit einem Strohmann angemietet hatten. Der Name des Freundes noch in der 1960er Jahren auf dem Schild am Eingang. Die Parzelle ist mittlerweile wieder in zwei aufgeteilt worden. Die meisten Bilder des Garten waren, wie auch diese hier, bei Gartenfesten bzw. Kaffee und Kuchen (oder auch Schultheiss Pils für die Herren) entstanden. Interessanterweise traf man sich damals im Anzug und im Kostüm oder im Sommerkleid im Garten.

Die Nummerierung der Bilder ist von oben nach unten.

Bild Nr. 1:

Auf diesem Bild interessieren uns zunächst die Frauen. Am Boden sitzt meine Großmutter, etwas erhöht Tante Mielchen. Tante Mielchen wurde auch so von meinem Vater genannt, obwohl sie seine Cousine war, aber das war dem Alters unterschied geschuldet; sie betrieb mit Onkel Otto Förster einen Friseursalon, den Onkel habe ich aber nicht mehr wissentlich kennengelernt. Die Frau ganz rechts ist Tante Emma, die mit dem Bruder meiner Großmutter, Onkel Alfred, verheiratet war. Bei der Frau dazwischen und dem Mädchen habe ich keine Idee, wer sie sein könnten.
Das Treffen hier fand, was man leider nicht so gut erkennen kann, bei der Obstbaumblüte statt, die für die Großeltern von besonderer Bedeutung war. Mein Vater schreibt in seiner Familien-Chronik zu den 1930er Jahren:
„Jedes Jahr ging's mit der Bahn nach Werder [4] zur Baumblüte. Wir waren dann nach einem Spaziergang zu irgendeinem See immer bei einer "Stamm"-Obstgarten-Familie im Obstanbaugebiet, die auf ihrem Grundstück Tische und Bänke unter den blühenden Obstbäumen aufgestellt hatten und neben etwas Eßbarem natürlich auch ihre Obstweine feilgeboten haben, die bei verschiedenen später auch mächtig ihre Wirkung zeigten. Den Abschluß bildete dann ein Besuch auf der Bismarckhöhe oberhalb von Werder, wo bei Musik immer ein großer Rummel war, bevor es dann mit der Bahn wieder nach Hause ging.“


Bild Nr. 2:
Hier sieht man meine Großmutter am Außenherd neben der Laube. Den Grundriß kann man sich bei [3] ansehen. Es gab auch einen Herd in der Laub, der aber nur bei schlechtem Wetter benutzt wurde und mit dem man einen Teil der Laube heizen konnte. Nachdem einer meiner Brüder auf der Terrasse eine Küchenecke montiert hat, weil es doch angenehmer ist, bei schönem Wetter draußen zu kochen, überlege auch ich, wieder draußen zu kochen, denn die Wohnung kann den Geruch von Zwiebeln, Knoblauch und Kohl viel zu gut aufnehmen. Und vielleicht ist letztlich das Kochen der Großmutter im Garten für solche Ideen ausschlaggebend.

Bild Nr. 3:
Die Männer spielen Skat und in den Gläsern auf dem Tisch ist bestimmt kein Wasser. Der Mann links mit der Zigarre im Mund ist Onkel Alfred, daneben sich mein Großvater Franz, den Mann ohne Krawatte kann ich nicht benennen, und rechts ist Onkel Otto.

Ich meine, daß der Dresscode auf das Kleinbürgertum hinweist, in dem meine Wurzeln zu sehen sind. Mütterlicher- wie väterlicherseits hat es je 1-2 KPD-Mitglieder in den 1920er und 1930er Jahren gegeben, aber die meisten haben SPD gewählt. Ach ja, und man war evangelisch.
 
 


Links und Anmerkungen:
[1] Die „photographischen Aufnahmen“ sind alte Fotos, die keinen Platz gefunden hatten, bis ich sie in eine sehr schöne japanische Keks Schachtel gesteckt und lange Zeit vergessen hatte. 
[2] Kleingartenverein Kolonie Abendruh e.V.
https://kolonie-abendruh-ist.net/  
[3] Das WinzHaus – Schrebergarten in der Kolonie Abendruh 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/das-winzhaus-schrebergarten-in-der.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Werder_(Havel) 

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