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Wednesday, December 31, 2025

Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 03 vom 31.12.2025

 


Aktuell habe ich mir von den photographischen Aufnahme [1] drei vom Anfang der 1950er Jahre aus der Kolonie Abendruh herausgesucht. Diese Black Box hat besonders Aufnahmen mit Menschen an bestimmten Orten. Hier ist es ein Treffen im Garten meiner Großeltern in der Kolonie Abendruh [2], über die ich bereits berichtet hatte [3]. Die Kolonie gibt es heute noch. Sie wurde 1919 gegründet.

Die Großeltern hatten eine Doppelparzelle (ca. 550 m²), da sie diese gemeinsam mit einem Strohmann angemietet hatten. Der Name des Freundes noch in der 1960er Jahren auf dem Schild am Eingang. Die Parzelle ist mittlerweile wieder in zwei aufgeteilt worden. Die meisten Bilder des Garten waren, wie auch diese hier, bei Gartenfesten bzw. Kaffee und Kuchen (oder auch Schultheiss Pils für die Herren) entstanden. Interessanterweise traf man sich damals im Anzug und im Kostüm oder im Sommerkleid im Garten.

Die Nummerierung der Bilder ist von oben nach unten.

Bild Nr. 1:

Auf diesem Bild interessieren uns zunächst die Frauen. Am Boden sitzt meine Großmutter, etwas erhöht Tante Mielchen. Tante Mielchen wurde auch so von meinem Vater genannt, obwohl sie seine Cousine war, aber das war dem Alters unterschied geschuldet; sie betrieb mit Onkel Otto Förster einen Friseursalon, den Onkel habe ich aber nicht mehr wissentlich kennengelernt. Die Frau ganz rechts ist Tante Emma, die mit dem Bruder meiner Großmutter, Onkel Alfred, verheiratet war. Bei der Frau dazwischen und dem Mädchen habe ich keine Idee, wer sie sein könnten.
Das Treffen hier fand, was man leider nicht so gut erkennen kann, bei der Obstbaumblüte statt, die für die Großeltern von besonderer Bedeutung war. Mein Vater schreibt in seiner Familien-Chronik zu den 1930er Jahren:
„Jedes Jahr ging's mit der Bahn nach Werder [4] zur Baumblüte. Wir waren dann nach einem Spaziergang zu irgendeinem See immer bei einer "Stamm"-Obstgarten-Familie im Obstanbaugebiet, die auf ihrem Grundstück Tische und Bänke unter den blühenden Obstbäumen aufgestellt hatten und neben etwas Eßbarem natürlich auch ihre Obstweine feilgeboten haben, die bei verschiedenen später auch mächtig ihre Wirkung zeigten. Den Abschluß bildete dann ein Besuch auf der Bismarckhöhe oberhalb von Werder, wo bei Musik immer ein großer Rummel war, bevor es dann mit der Bahn wieder nach Hause ging.“


Bild Nr. 2:
Hier sieht man meine Großmutter am Außenherd neben der Laube. Den Grundriß kann man sich bei [3] ansehen. Es gab auch einen Herd in der Laub, der aber nur bei schlechtem Wetter benutzt wurde und mit dem man einen Teil der Laube heizen konnte. Nachdem einer meiner Brüder auf der Terrasse eine Küchenecke montiert hat, weil es doch angenehmer ist, bei schönem Wetter draußen zu kochen, überlege auch ich, wieder draußen zu kochen, denn die Wohnung kann den Geruch von Zwiebeln, Knoblauch und Kohl viel zu gut aufnehmen. Und vielleicht ist letztlich das Kochen der Großmutter im Garten für solche Ideen ausschlaggebend.

Bild Nr. 3:
Die Männer spielen Skat und in den Gläsern auf dem Tisch ist bestimmt kein Wasser. Der Mann links mit der Zigarre im Mund ist Onkel Alfred, daneben sich mein Großvater Franz, den Mann ohne Krawatte kann ich nicht benennen, und rechts ist Onkel Otto.

Ich meine, daß der Dresscode auf das Kleinbürgertum hinweist, in dem meine Wurzeln zu sehen sind. Mütterlicher- wie väterlicherseits hat es je 1-2 KPD-Mitglieder in den 1920er und 1930er Jahren gegeben, aber die meisten haben SPD gewählt. Ach ja, und man war evangelisch.
 
 


Links und Anmerkungen:
[1] Die „photographischen Aufnahmen“ sind alte Fotos, die keinen Platz gefunden hatten, bis ich sie in eine sehr schöne japanische Keks Schachtel gesteckt und lange Zeit vergessen hatte. 
[2] Kleingartenverein Kolonie Abendruh e.V.
https://kolonie-abendruh-ist.net/  
[3] Das WinzHaus – Schrebergarten in der Kolonie Abendruh 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/das-winzhaus-schrebergarten-in-der.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Werder_(Havel) 

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Thursday, December 11, 2025

Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 02 vom 11.12.2025

 



Aktuell habe ich mir als photographische Aufnahme [1] eine einzelne Aufnahme herausgesucht, deren Alter ich auf 115 Jahre schätze. Die Aufnahme ist in der Filiale Neukölln des Photoatelier J. Fuchs [2] entstanden. Mehr war aber nicht über den Fotografen nicht zu erfahren. Berlin hat, obwohl es dort so flach ist, mehrere Bergstraßen, aber die in Neukölln muss irgendwann einen anderen Namen bekommen haben.

Netterweise hatte mein Vater auf der Rückseite notiert: „Hermann Böhm mit Ehefrau Frieda, geborene Neff, Bruder von Mama“, also meiner Großmutter. Ich habe diesen Großonkel und auch die Großtante nie kennengelernt. Folgendes hat mein Vater in einer Familienchronik hinterlassen: „Hermann Böhm, geb. 30.08.1886 [in Seitendorf bei Waldenburg], gest. 20.01.1951 in Berlin, verheiratet mit Frieda, geb. Neff, die Ehe war kinderlos“.

Was kann von dem jungen Paar vermuten? Sie kamen aus Niederschlesien nach Berlin. Hermann Böhm war 12 Jahre älter als meine Großmutter, aber etwa gleichaltrig mit meinem Großvater Frank Kirsch. In den Familienfotos habe ich das Paar nicht gefunden. Eher hatte ich einen anderen Bruder meiner Großmutter, den Onkel Alfred, gefunden, auch schon in Bildern der 1930er Jahre. Gerne wüßte ich mehr, aber auch das Internet weiß nichts weiter beizutragen.

 
Anmerkungen:
[1] Die „photographischen Aufnahmen“ sind alte Fotos, die keinen Platz gefunden hatten, bis ich sie e in eine sehr schöne japanische KeksSchachtel gesteckt und lange Zeit vergessen hatte. 
[2] Photographie J. Fuchs GmbH, Berlin-Neukölln, Bergstr. 151-152. Ich meine, daß es sich eigentlich um ein I, also für Isidor Fuchs, handelt.

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Thursday, December 4, 2025

Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 01 vom 04.12.2025


„Als fotografische Aufnahme bezeichnet man den Prozess des Fotografierens, also das Anfertigen einer Fotografie … sowie das Ergebnis des Fotografierens, also das fertige Bild in Form eines Papierbildes, … [1]. Das aber meinte mein Onkel Manfred nicht, wenn es von photographischen Ausfnahmen sprach, denn er hatte mehr mißlungene Ausnahmen im Sinn. Das könnte auf die Aufnahmen in der Black auch zutreffen, aber es handelt sich um Aufnahmen, die keinen richtigen Platz gefunden hatten und irgendwie unsortiert im Archiv meines Vater lagen, teilweise in aus-ein-ander-fallenden Umschlägen. Ich habe sie dann in die Black Box gesteckt und lange Zeit vergessen. Als Black Box werden vermutlich die meisten unter uns einen Flugdatenschreiber zur Unfallanalyse in Flugzeugen vermuten, aber der Begriff wird weit gebraucht [2]. Ich habe eine sehr feste schwarze Schachtel genommen, die einmal sehr gute japanische Kekse enthielt und die deshalb besonders gut gearbeitet ist. Das ist also die Black Box, aus der ich nun gedenke, Bilder zu entnehmen und zu kommentieren.


Als erstes hatte ich Bilder herausgesucht, die ich für Aufnahmen hielt, die mein Vater aus einem Flugzeug heraus gemacht hatte. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Diese Aufnahmen wurden vom Funkturm aus gemacht, der in Berlin Langer Lulatsch genannt wird. Auf dem einen Bild kann man die in den 1950er Jahren noch vorhandene NordKurve der AVUS [3] erkennen. Diese wurde aber später abgerissen, da sie als zu gefährlich galt. Wir sind als Kinder aber noch daran vorbeigefahren. In der Gegend ist nun die A 115. 


Das andere Bild ist vom Sommergarten in Berlin und dem Mommsenstadion. Im Hintergrund am linken oberen Bildrand sieht man den Eingang zum Messegelände Berlin [4]. Und dort bin ich später auch einmal zu einem Kongress gewesen; auf dem Bild von mir ist der Funkturm rechts oben zu sehen. Wann sind die Aufnahmen gemacht worden. Mein Vater hat sie nicht datiert, aber ich nehme an, daß man Ende der 1950er  und spätestens Mitte der 1960iger Jahre annehmen kann, denn danach hat er fast nur noch Farbaufnahmen gemacht.



Tuesday, July 16, 2024

Nächste Station Berlin

 


Einer meiner Brüder smeinte einmal, daß für eine große Reise das Abenteuer die Fahrt mit der Deutschen Bahn darstelle. Das stimmt im Besonderen für die Eifel. Gut, diese Fahrt aus der Eifel inklusive SEV [1] ging glatt. Ich war durch meine Vorsicht früher als geplant in Köln und mußte nun nach Berlin.

Ich sah auf dem NachbarBahnsteig einen ICE nach Berlin und fragte die ZugBegleiterin, ob ich mit meinem Ticket auch diesen Zug benutzen könnte -: ich konnte, sollte aber sofort einsteigen. Das tat ich und der Zug fuhr sofort los. Ich war überrascht, wie brav alle Reisenden in der 2. Klasse saßen, denn ich mußte durch den ganzen Zug. Ich sah auch keinen freien Platz. Schon da schwante mir, daß etwas nicht ganz rund lief. Dann kam ich in die 1. Klasse und auch da war kein Platz mehr frei. Der Zug war ausgebucht. Ich fragte den ZugBegleiter, ob ich nicht beim nächsten Halt in meinen ursprünglichen Zug wechseln könnte, aber ich bekam die Antwort, daß der Zug bis Berlin durchFährt. Oh!

Ich habe dann einen Platz im Bistro gefunden und hatte viel Platz und die Hälfte des Tisches. Mir schräg gegenüber schlief ein junger Mann; vielleicht tat er auch nur so, damit er ungestört blieb, mich jedenfalls störte er nicht. Also so übel war das Arrangement nicht. Ich habe meinen Kaffee dort getrunken und nicht wie sonst am SitzPlatz. Ich habe geschrieben, ersparte mir das Warten in Köln und war zwei Stunden früher in Berlin. Das wiederum hatte dern Vorteil, daß ich etwas Sightseeing außer der Reihe machen konnte. Ich kam durch den TierGarten zur SiegesSäule und sah, man soll ja das Positive erwähnen, das Menschen im Gras in der Sonne lagen, saßen und standen. Na ja, ich habe mich dann auf die SiegesSäule [2] konzentriert und so schön im SonnenLicht hatte ich sie auch noch nie zuvor gesehen.

Bei etwa vier Stunden von Köln nach Berlin kann die DB durchaus mit Flügen konkurrieren. Man muß nicht extra zu und vom FlugHafen, kein Einchecken, keine Sicherheitskontrolle. Ich habe schon einmal für den Flug BER-DUS deutlich länger benötigt.

Wäre da nicht der Catch-22 [3]. Als ich zurückfuhr, erwischte es mich doch. Wir kamen pünktlich in Köln an und die Abfahrt des EifelExpresses verzögerte sich auch nicht; ... allerdings hinter Weilerswist hielten wir auf freier Strecke und die Anzeige sagte uns: "Zug hält". Danke! Die ZugBegleiterinnen, die neben mir saßen, wußten auch nicht mehr. Aber kurz darauf kam eine Durchsage, daß wir wg. Jugendlichen im GleisBett hielten und nun auf die Polizei warteten. Anzeige wg. Gefährdung des SchinenenVerkehrs. Danach war in Euskirchen der SEV weg, aber angekommen bin ich dann doch.



Links und Anmerkungen:
[1] SEV – Schienen-Ersatz-Verkehr
[2] Da denkt man natürlich an „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Himmel_%C3%BCber_Berlin
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Catch-22_(Dilemma)


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Thursday, January 19, 2023

Die Steglitzhofstiege oder Das Treppenhaus im Hinterhaus in der Schöneberger Straße

Die Steglitzhofstiege
oder
Das Treppenhaus im Hinterhaus
in der Schöneberger Straße


Der Hinterhof, viel grüner und verwunschener als in der Kindheit
 

„Über den Hof sehe ich die anderen ganz nah,
die leben wie ich, Kleider vor dem Fenster.“
Hinterhof Nachteile [1]
Martin Zingg


Meine Eltern sind in Steglitz aufgewachsen. Ich habe als Kind das Hinterhaus in der Schöneberger Straße noch erlebt und meine Beobachtungen stammen aus der Zeit Mitte bis Ende der 1960iger Jahre. Meine Großeltern sind dann in ein Haus am Kurfürstendamm umgezogen, damit die Großmutter nicht mehr bis in den dritten Stock steigen mußte.

Durch den Flur des Vorderhauses gelangte man in den Hof mit dem Hinterhaus. Das Haus nebenan war ausgebombt und man hatte die Ruine nicht wieder aufgebaut. Mein Großvater schimpfte darüber, denn die Wände von Schlafzimmer und Wohnzimmer waren keine Außen. sondern nur Zwischenwände und somit nicht isoliert. Heute nicht mehr denkbar. Die Naherwartung, daß man das Haus wieder aufbaue, erfüllte sich nicht. Großvater hat dann von Innen isoliert. Der Hof reichte auch bis zur Alexanderquelle, einem Lokal an der Ecke Schöneberger Straße und Holsteinische Straße, wo einmal ein Frau in den Tod gesprungen war, ich konnte noch den blutigen Fleck auf dem Steinpflaster im Hinterhof sehen – so ähnlich wie ich es später in Gyantse gesehen hatte [2]. Interessanterweise kannten sich meine Eltern nicht von diesem Hinterhof her, vielleicht waren in der Kindheit auch fünf Lebensjahre ein zu großer Altersunterschied. Mein Vater scheint aber öfters dort gewesen zu sein, wie er in seinen Memoiren schrieb [3].

Die Tür zum Treppenhaus war üblicherweise nicht abgeschlossen; meist war sie angelehnt und für  Kinder bewegte sie sich schwer. Das Treppenhaus roch nach Staub und Kehrspänen und wahrscheinlich auch nach einem Putzmittel vom hölzernen Treppengeländer, das sich ohne Absätze über die Stockwerke zog. Der Boden war mit braunem Linoleum bedeckt und die Kanten der Stufen hatten Messingleisten. Die Holzstufen und Absätze waren teilweise durchgetreten und die Schritte knarrten in unregelmäßigem Rhythmus.

Die alten Fenster waren zum Teil einfach durch Fensterglas ersetzt worden, aber es waren noch viele Scheiben aus gelbem und grünen Glas vorhanden. Im Sommer fiel das Sonnenlicht durch die Fenster und hinterließ kaleidoskopartige Flecken von Weiß, Gelb und Grün auf den weiß getünchten Wänden und dem braunen Linoleum. Vielleicht interessieren mich heute noch die Lichtflecken in Kirchen so sehr, wenn die Sonne durch das Buntglas scheint. Und alles arbeitete in der Wärme: Holz, Linoleum, Politur, Staub, den man in Schatten auch sehen konnte, und Kehrspäne.

Wenn man von den Großeltern noch ein Stockwerk hochstieg kam man auf den Dachboden, der erst recht staubig war. Dort durften wir Kinder auch nur in Begleitung hin, vielleicht, wenn der Opa etwa hochbrachte oder die Oma Wäsche zum Trocknen aufhängte. Dafür brauchte man einen Schlüssel. In den Kriegsjahren (2. Weltkrieg) und der ersten Hälfte der 1950iger Jahre hatte der Großvater dort auch Fruchtweine hergestellt.

Der Keller war trocken; auch er hatte eine Extratür, für die man einen Schlüssel benötigte. Die Stufen waren aus Ziegeln und sehr uneben und für Kinder hoch, höher als die Stufen des Treppenhauses. Der Keller roch nach Kohle und Zement, vielleicht auch Rattenurin. Es war dunkel, was aber den Großvater nicht abhielt, davon zu berichten, wie eine verrückte Mitbewohnerin mit einer Axt auf ihn losgegangen war. Sie kam dann in die Nervenheilanstalt – ich bin mir nicht sicher, daß der Großvater Bonnies Ranch [4] erwähnte, denn das wäre eher ein Ausdruck gewesen, den meine Onkel gebraucht hätten.

Beim nächsten Besuch in Berlin möchte ich mir das Treppenhaus vom Hinterhaus noch einmal ansehen; aber wer weiß, ob die Stufen nicht schon vor vielen Jahren erneuert wurden und dort nichts mehr knarrt. Die Fenster wurden sicherlich ausgetauscht und es gibt die Farbspiele an den Wänden nur noch in meiner Erinnerung.

Feuerbach Straße 8 mit dem Balkon, auf dem ich in den Kindheit war
- die Geranien sind immer noch da.


Links und Anmerkungen:

[1] In: Lyrik-Taschenkalender 2016, herausgegeben von Michael Braun. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2015.  ISBN: 978-3-88423-500-3. S. 152.
[2] Tibet – Sky Burial  https://rheumatologe.blogspot.com/2022/08/tibet-sky-burial.html
[3] „Am nächsten Augustmorgen bin ich dann zu Fuß, mit Straßen- und S-Bahn glücklich in Berlin-Steglitz und zur Freude meiner Eltern gelandet, die ich auch erst wieder suchen mußte, denn Vater war auf dem Postamt und Mutter war in der 'Alexanderquelle' in Steglitz Schöneberger Straße /  Ecke Holsteinische Straße, wo sie als Aufwartefrau in diesem Lokal tätig war. Frau Alexander wohnte unter uns in der Feuerbach Straße 8 [3a]. Es war jedenfalls ein ganz herzliches Wiedersehen, weil meine Eltern ja monatelang nichts mehr von mir gehört hatten. Meine Ankunft war der 18.08.1945.“ Dipl.-Ing. Gerhard Kirsch, Privatbesitz.
[3a] Kann man hier auf der rechten Seite sehen. Es ist das Haus mit den Erkern und Balkonen. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Berlin-Steglitz#/media/Datei:120406-Steglitz-Feuerbachstra%C3%9Fe.JPG
[3b] Zu [3a] und [2] paßt auch „Die makabere Meise“ - https://rheumatologe.blogspot.com/2020/09/die-makabre-meise.html
[4] Die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (Bonnies Ranch im Berliner Volksmund)  https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik
PS. Vielleicht regte mich auch Marcel Proust an, denn ich las „Die Welt der Guermantes“ vor etwa vier Wochen.
Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Originaltitel: À la recherche du temps perdu). Das Werk erschien zwischen 1913 und 1927, teilweise posthum. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1964. Band 5: Die Welt der Guermantes, S. 107. (Oder die Frankfurter Ausgabe in drei Bänden von 2017, Übersetzung von Eva Rechel-Mertens; ISBN: ‎978-3518468302.)
PPS. Beide Fotos habe ich 2012 gemacht.
 

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Thursday, June 9, 2022

LYRIK-Taschenkalender 2015 24. KW 08.06.2022

 




Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.


24. KW
Hendrik Rost: Requiem


„Ich nickte“ -: das machen viele Menschen am Telefon. Ich sah einmal jemanden mit Handy, der sich neben eine alte, nicht mehr funktionierende TelefonZelle stellte (Madrid?).

„woher er die Nummer hatte“ -: wenn man ein Telefon hat, wird man auch gestört. Ich gebe zu, manche Menschen stören nicht und bei manchen freut man sich sogar, wenn sie stören.

„die verstehen mich nicht“ -: später einmal erläuterte er Zuhörern, daß dies [Gedicht] Kunst sei und deshalb nicht der AlltagsSprache folge. [1]

„Was hatte er gesagt? Nimm deine Zunge und geh.“ -: Geh aus mein Herz und … [2]. Auch ich weiß nicht mehr genau, was Thomas Kling gesagt hat, als ich ihn einmal am Telefon hatte.

„zweiter Hinterhof“ -: Meine GroßEltern mütterlicherseits wohnten im HinterHof SchönebergerStraße in Berlin-Steglitz. War das schön ruhig da, nachdem der FlugHafen Tegel aufgemacht hatte.

„skandierte mit Verve“ -: so habe ich ihn auch im Stollwerck in Erinnerung [3]. Ich hatte mit der Schauspielerin/Sängerin/Entertainerin Maria Liedhegener Chinesisch geübt, denn sie sollte auf Chinesisch singen, aber dann wurde das Programm geändert. Das erinnert mich daran, daß ich in Taiwan/China einmal einer chinesischen Opernsängerin geholfen hatte, eine deutsche Arie einzustudieren. Teilweise notierte sie die Laute in (japanischen) Katakana.

Monolog
    wer sagt
Denn
Daß
Telefonieren
Immer
Dialog
Sein
Muß?
Und
Warum
Sollten
Monolog
Und
Innerer Monolog
    Nicht
Dialog sein


24. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


„lebendig begraben“ in Berlin -: da galt dem Sprecher Hendrik Rost. Wirklich begraben ist jedoch Thomas Kling in Neuss. Ich war auf seiner Beerdigung. Ich denke noch an die einsame Trommel.

„Nimm dein Grab und geh“ -: das sollte dem Werk von Thomas Kling gelingen. Dann auch noch: Nimm dein Bett und geh [4].

Sand
    beFreie den
Sand
Aus
Der
SandUhr
Lasse
Ihn
Gleiten
In
Das Meer
Der
Zeit
Die da-
    Nach noch
Kommt

EntDecken
    im Labyrinth
Der
Sprache
Die
Nischen
EntDecken
In
Denen
Einsame
Kerzen
Langsam
Brennen
Damit
Nicht alle
    Stimmen [5]
VerGehen




Links und Anmerkungen:
[1] Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, es wäre die Vorstellung von „Zinnen“ gewesen, ca. 2002 in Wevelinghoven. Monotypien Ute Langanky und einem Poem von Thomas Kling.
[2] Geh aus, mein Herz, und suche Freud von Paul Gerhardt (1607–1676). Oder: Geh aus, mein Herz, Krimi von Åke Edwardson, den manche schwach fanden – ich nicht.  
[3] 6./7. November 1984
[4] „Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“ Joh 5,8 https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes5
[5] Hubert Winkels: Der Stimmen Ordnung / über Thomas Kling. Dumont, Köln 2005. ISBN: 3832179410


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Tuesday, October 6, 2020

Das süsse Leben im Harz

 


Ungefähr 30 Jahre lang hatte ich gedacht, dass es das Bild „Das süsse Leben im Harz“ nicht mehr gäbe. Ich dachte, es sei zusammen mit anderen Dingen bei der Auflösung der Wohnung meiner Großmutter auf dem Müll gelandet. Und nun habe ich es wieder gefunden.

Jetzt mag man sich fragen, was denn so besonders sei an diesem Urlaubsfoto von drei rotunden Damen. Ja, es ist „nur“ ein Urlaubsfoto, aber der Text dazu hat mich schon als Kind beschäftigt. Ich habe sehr schnell Lesen gelernt und schon ab dem zweiten Schuljahr Bücher ausgeliehen. Ich habe mich nach einem Nachtdienst in der Straßenbahn nach vorne gearbeitet und hatte nach den fünf Stationen alle Zeitungen gelesen. Wenn ich neben jemandem saß, wunderte ich mich, daß er nicht umblätterte. Ich habe immer schon schnell gelesen und das Lesen ist keine Anstrengung. Ich bemerke nicht, dass die Zeichen auf dem Papier „übersetzt“ werden. Ich tue mich deshalb schwer, wann mir Bild und Text zum ersten Mal bei den Großeltern in Berlin aufgefallen sind. Übrigens waren früher die Bäume grün, aber die Farbfotos aus der damaligen Zeit habe manche Farben im Laufe der Zeit eingebüßt, ob draußen stehend oder im Album unter Lichtabschluß.

Mein Großvater hat z.B. alle Bilder in Alben mit schwarzem Karton geklebt und mit weißer Tusche in Kurrentschrift Beschreibungen zu den Bildern gegeben. Das ist jetzt, 45 Jahre nach seinem Tod, sehr hilfreich. Und hier hatte er in schwarzen Druckbuchstaben auf weißem Karton geschrieben: „Das süsse Leben im Harz“. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders und ich war zum Zeitpunkt dieses Urlaubs acht Jahre alt. La dolce vita (Das süße Leben) von Federico Fellini mit Marcello Mastroianni, Anouk Aimée und Anita Ekberg kam im Jahr 1960 heraus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Großeltern diesen Film nie gesehen haben, aber die Medien haben damals darüber berichtet. Und so mag der Bildtitel auch eine Anspielung n den Film sein. Urlaub haben, Nichts tun, nur sich des Lebens erfreuen – und das war dann ein Bild, das man sich ins Wohnzimmer gestellt hat.


Sobald ich den richtigen Platz gefunden habe, werde ich es aufhängen.


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Monday, March 13, 2017

Der Niedergang der Fischgeschäfte




Den Niedergang der Meiereien habe ich nicht wahrgenommen, aber ich habe als Kind noch so eine Meierei kennengelernt und zwar in der Peschke Straße in Berlin-Steglitz. Da hatte mich die Großmutter zum Einkaufen mitgenommen. Als wir die weißen Marmorstufen hochgingen, sagte sie: „Das ist eine Meierei!“ Und dann klingelte ein Glöckchen beim Öffnen der Tür und man stand im Geruch von Milch, Butter, Käse und Eiern. Ich hatte danach keine andere Meierei mehr kennengelernt und diese ist schon lange nicht mehr. Aber der Hinweis auf eine Meierei hielt sich noch lange an der Häuserfassade der Bauhaus-Siedlung, in der ich in Köln-Buchforst aufgewachsen bin.

Ganz anders mit den Fischgeschäften. Vielleicht hatten sie eine längere Tradition – und hierzu führe ich Verleihnix von Asterix & Obelix als Beleg an. Jedenfalls gibt es noch wenige davon. Aber auch hier ist der Niedergang vorhersehbar. Ich bin Vegetarier und es sollte mich wenig kümmern, was mit Fischgeschäften passiert, aber mit dem Schließen dieser Geschäfte geht auch etwas von unserer Kultur verloren.


Verloren ist auch ein Stichwort. Verloren wirken die alten Besitzer und die wenigen Kunden, die ich hin und wieder im Geschäft sehe. Ich meine damit ein Geschäft in der Montanus Straße in Köln-Mülheim, direkt gegenüber vom Mülheimer Bahnhof. Hier müsste eigentlich der Fischverkauf nur so boomen – tut er aber nicht. Weil die meisten Kunden sich mit Convenience Food aus dem Tiefkühltruhe des Supermarkts begnügen.

Was meine ich mit Kultur beim Fischgeschäft? Da ist der Verkäufer im sauberen Weiß. Er wirkt ganz anders als ein Metzger, eher klinisch rein. In der Auslage liegen die goldenen Fische, wobei die Plastiktrauben eher verwirren. Die Preisschilder, die sich aus einer anderen Zeit gerettet haben, gehören auch dazu.


Die Tante Emma Läden sind weitgehend verschwunden, die Meiereien sind weg. Nun geht es an die letzten Fischgeschäfte. Besuchen Sie die Fischgeschäfte, solange es sie noch gibt, - oder werden sie Vegetarier.

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Wednesday, June 13, 2012

Berlin - Mauer / Wall

Einige Teile der Berliner Mauer sind künstlerisch gestaltet worden, hier einige Beispiele.

Some parts of the Berlin Wall ("Tear down this wall, Mr. Gorbachev!") have been painted by artists, here are a few examples.



Wednesday, November 18, 2009

Berlin 柏林

这几天我在柏林参加一门关于医学和研究的棵。如果我医院向参观研究一个医生应该毕业这门课。
Ich werde einige Tage in Berlin sein, um einen Kursus zu besuchen, der notwendig ist, damit unser Krankenhaus auch an Studien teilnehmen kann.
I'll be off for a couple of days to Berlin to a seminar on science as to enable our hospital to take part in studies in the future.

Jemand war gerade an diesem Text interessiert, so dass ich mich entschloss, noch ein paar Bilder von damals nachzutragen:





Damals flog ich nach und von Tegel. Ich fuhr mit der U-Bahn in die Innenstadt. Überraschenderweise trag ich in der Bahn mein Cousine, die gar nichts von meinem Besuch wußte.
Der Kursus damals in der Charité war sehr gut. Daneben blieb auch noch Zeit für einen Stadtbummel mit der Familie.