Wednesday, May 10, 2017

Safrol, Muskat und mögliche Gefahren




Dieser Blogpost geht auf eine anonymen Zuschrift zum Blogpost Zur NDR Sendung Visite „Gelenkschmerzen mit Naturheilmitteln behandeln“ zurück [1]. Ich hatte dem Schreiber / der Schreiberin geschrieben: „Gerne können Sie Ihre Einwände bringen, aber nicht anonym.“ Der Text begann mit: „Mal sehen, ob Sie das auch "zulassen". Krebs trat bei Ratten auf, die über 2 Jahre hinweg größere Mengen Safrol über das Futter (5g/kg) bekommen hatten. Die Krebswirkung geht dabei offenbar nicht vom Safrol selbst aus, sondern von zwei Metaboliten, die bei Ratten nachgewiesen wurden, aber offenbar beim Menschen nicht gebildet werden.“
Das hat mich angeregt, dem Safrol nachzugehen.

Safrol kommt vor in „Cinnamomum camphora, Myristica fragrans (Muskatnussbaum), Sassafras albidum, S. officinalis“ [2]. Im Magen wird Safrol in Amphetaminabkömmlinge umgewandelt. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Safrol als Ausgangsstoff für die Herstellung von MDMA (XTC, Ecstasy oder Exstacy) gilt. An Ratten wurden leberschädigende und krebserregende Wirkungen nachgewiesen; ob das für den Menschen auch gilt, ist bislang unklar.

Die US Behörde Food and Drug Administration wie auch die Kommission zu Gesundheit und Verbraucherschutz der EU betrachten Safrol als krebserregend [3], woraus sich Verbote für das in Verkehr bringen der Substanz ergeben. Man könnte auch andere Motive für die Verbote wie Schutz vor Drogen unterstellen, aber es gibt eben auch Hinweise, dass es sich bei Safrol um ein Karzinogen handelt.

Die meisten Daten zu Safrol gibt es über die Areca Nuss, genauer zum Betelkauen. Dabei ist aber zu beachten, dass nicht nur Safrol sondern auch andere potentiell schädigende Stoffe aufgenommen werden.
Eine indische Veröffentlichung berichtet über Störungen an sämtlichen Organen [4]. Interessant ist aber folgender Hinweis: „It affects the immune system leading to suppression of T-cell activity and decreased release of cytokines.” Dadurch ergibt sich eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte aber auch eine schlechtere Abwehr gegenüber bösartigen Erkrankungen.
Eine Studie aus Taiwan fand genetische Veränderungen, die zum Speiseröhrenkrebs geführt hatten [5]. Es entstehen dabei DNA-Addukte, die Reparaturmechanismen stören und so die Entstehung bösartiger Tumore fördern.
A.M. Bode und Z. Dong berichten in einem Übersichtsartikel zu Safrol [6]: „In humans, epidemiologic evidence indicates that individuals who chew betel nut or areca quid, which contains high levels of safrole, have an increased incidence of oral cancer (53), esophageal cancer (54), and hepatocellular carcinoma (55). This observation appears to be related to the formation of safrole–DNA adducts (53, 54), although some areca nut preparations include tobacco and caustic lime, which could also contribute to increased cancer risk [Zahlen verweisen auf Veröffentlichungen im Orginalartikel]”.

Der anonyme Schreiber verharmloste Safrol bzw. die Muskatnuss mit den Worten: „Im Übrigen finden sich selbst in Gewürzgurken krebserregende Stoffe, man könnte überall Panik machen.“ Es geht nicht um ein wenig Muskatnuss. Wie oft nehmen Sie denn Muskatnuss als Gewürz? Es geht um den Einsatz als Medikament [1]: „Die Patienten nehmen ein- bis zweimal mal täglich drei Messerspitzen (Spitze eines Küchenmessers) der Gewürzmischung oder pro Gewürz eine Messerspitze mit Wasser oder Joghurt ein.“ Ob sich aus der langfristigen Anwendung von Muskatnuss in der beschriebenen Dosierung ein gesundheitliches Risiko ergibt, ist wissenschaftlich nicht untersucht. Aber es ist durchaus denkbar. Mir wäre es zu gefährlich, dies zu riskieren bei dem ebenfalls nicht nachgewiesenen Nutzen.


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