Monday, June 15, 2020

Ernährung – Wissen was stimmt


„Ernährung – Wissen was stimmt“ ist ein Buch aus dem Herder Verlag von Ulrike Gonder. Ich habe es gelesen. Das ist nichts besonderes, denn ich lese täglich Bücher. Aber ich habe mich geärgert, so dass ich ein paar Sätze dazu schreiben muss.

Der Herder Verlag ist mir eher aus der Richtung Theologie, Religion, Spiritualität ein Begriff, aber er verlegt auch Bücher zu Pädagogik, Geschichte, Besser Leben und weiteren Bereichen mehr. Ulrike Gonder ist diplomierte Ökotrophologin - deshalb habe ich das Buch überhaupt in die Hand genommen.

Frau Gonder versucht uns zu vermitteln, was Fleisch, Milch, Eier und Fisch zur gesunden Ernährung beitragen. Fetter Fisch wird uns näher gebracht. „Bestenfalls bei gepökelten und stark erhitzten Fleisch- und Wurstwaren“ ließen sich negative Hinweise zur Gesundheit finden. Eine reichliche Zufuhr von (tierischem) Eiweiß zusammen mit einer guten Mineralstoffversorgung soll Senioren vor Osteoporose schützen. Das gerade ist nicht der Fall. Betrachten wir einmal traditionell lebende Naturvölker. Die Inuit haben den höchsten Verzehr an Eiweiß, auch an Kalzium nehmen sie ernorme Mengen zu sich und haben eine ungewöhnlich hohe Zufuhr an Vitamin D. Und sie haben den höchsten Grad an Osteoporose.

Sie führt Kalzium und Kalium aus Milch an. Ja, Kalzium ist in der Milch, aber auch Phosphat und Eiweiß, so dass das schöne Kalzium wieder ausgeschieden wird. Kalium ist in der Milch, aber vegetabile Nahrungsmittel enthalten deutlich mehr. Das ist doch ökotrophologisches Basiswissen!

„Zudem ist eine streng vegane* Kost für Schwangere und Kinder gefährlich, ...“. Was ist der Unterschied zwischen streng vegan und vegan? Der ist so wie der Unterschied zwischen schwanger und streng schwanger. Vielleicht meint Frau Gonder den Unterschied zwischen vegan und vegetarisch; aber das ist jetzt Spekulation von mir. Schwangere und Kinder können sich gefahrlos vegan ernähren.

„Die gesundheitlichen Vorteile, die in vielen Vegetarierstudien zutage traten, lassen sich weniger auf den Verzicht von Fleisch zurückführen als vielmehr auf eine insgesamt gesündere Lebensweise im Vergleich zu Durchschnittsbürgern: ...“. Frau Gonder hat die Studien nicht genau gelesen. Der Effekt des Verzichts auf Fleisch, Fisch und weitere tierische Bestandteile ist ein zusätzlicher Faktor, der von den anderen unabhängig ist.

Dann werden Lektine in Vollkorn bemüht, die in Weißmehl weitgehend nicht vorhanden sind. Für die Lektine im Weizenvollkorn ist bislang keine Schädigung nachgewiesen worden, insbesondere da sie hitzesensibel sind. Wegen des Gehalts an Lektinen auf Vollkornbrot zu verzichten, ist an den Haaren herbeigezogen.

Den Ökobauern wird eine schlechtere Ökobilanz vorgeworden, da die Tiere länger leben. Diese Aussage nenne ich pervers. Nach dieser Logik müsste man die Tiere direkt nach der Geburt töten. Ach ja, macht man ja, jedenfalls mit männlichen Küken.

„Ganz wegdenken lassen sich Fast Food & Co. aus unserem modernen Leben kaum.“ Doch, doch, darauf könnte man problemlos verzichten, aber Frau Gonder meint, man könne ja zu „Fertiggerichten, die echte Butter, richtige Gewürze, nennenswerte Mengen Fleisch ...“ greifen. Und dafür ist ein Ökotrophologie-Studium notwendig?

Bei den anschließenden Hinweisen auf gesunde Ernährung wird einfach alles genannt, bei den Fetten mit der Einschränkung, dass sie ungehärtet sein sollen, und bei Getreideprodukten, dass sie traditionell verarbeitet sein sollen. Süße Teilchen? Genussmittel sollen "mit Augenmaß" genossen werden. Und alles darf nach „Appetit, Verträglichkeit und Geldbörse“ entschieden werden.

Ich kann das Buch nicht empfehlen. Und deshalb geht es mir jetzt besser.

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