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Monday, January 19, 2026

Tao – Die Weisheit des Flusses – mehr als eine BuchBesprechung

 


Ich stand kürzlich vor einem öffentlichen BücherSchrank und hatte plötzlich ein Buch in der Hand [1]. In RiesenBuchstaben stand da -: OSHO; 3 cm oder ca. 85 pt. Und groß, aber schon deutlich kleiner -: Tao; 14 mm oder 40 pt. Der Untertitel ist „Die Weisheit des Flusses“ und ein weiterer Untertitel lautet „Juwelen des Bewusstseins“. Das ist so ein Begriff, der ist genauso schön wie „Sultans of Swing“ [2]. Ich fragte einmal, was soll das denn bedeuten und bekam die Übersetzung: Sultane des Swing; damals gab es noch keine Handys, so daß mein GesichtsAusdruck nicht dokumentiert ist. An diesem Punkt war schon klar, daß ich dieses Buch nicht genießen würde. Aber ich wollte es trotzdem lesen, weil ich von diesem Osho [3] überhaupt noch nichts gelesen hatte [4]. Nur es war natürlich gefährlich, ein Buch zu nehmen, das ein chinesischen Hintergrund hat, da ich mir vorstelle, daß ich einiges selber darüber weiß. „Die Weisheit des Flusses“ -: des Rheins, der Themse, des Ganges, des Mississippi? Nein, es ist etwas anderes gemeint, nämlich ein zentraler Begriff des Daoismus; man benutzt heute Dao (道); Tao ist eine veraltete Form. Der Klappentext erleuchtet uns dann: „Laotse nannte seinen Weg den »Lauf des Wassers«“. Nein, gewiß nicht, wenn auch Wasser ein zentrales Thema in der Schrift Daodejing (道德經) ist. Der Daoismus ist entgegen vieler Ideen im Westen nicht das, was wir als Religion auffassen. Laozi (老子) war auch nicht der Gründer des Daoismus, es ist sogar fraglich, ob es sich um eine historische Person handelt, aber ihm wird der etwa 5000 Zeichen umfassende Text Daodejing zugeschrieben. Schon dieser Text verleitet zu immer wieder neuen Übersetzungen. „Und ich weiß nicht, wie viel Hunderte Übersetzungen es gibt“ schrieb ich in meinem Manuskript; die Schätzungen gehen von 250 bis über 1000 [5]. Jede Übersetzung ist eine Interpretation. Gibt es ein zentrales Werk, einen Kanon des Daoismus? Jein, es gibt einen offenen Kanon, der im 15. Jahrhundert entstanden ist und Daozang (道藏) genannt wird [6]. Der deutsche Wikipedia Artikel berichtet über fast 1500 Bände. Der chinesische Artikel berichtet auch über die moderne Ausgabe, die nach der Revision aller Schriften durch die China Taoist Association (中国道教协会) editiert wurde. Die Ausgabe umfaßt 5.600 Bände, die in dieser Ausgabe 220mal gedruckt und über den Globus verteilt wurde. Man schätzt den Umfang auf über 70 Millionen Schriftzeichen [7]. Dieser Kanon enthält Schriften über Alchemie, die Suche nach den Inseln der Unsterblichen, Philosophie, GeheimGesellschaften, Wahrsagerei, Amulette, Übungen zur Verlängerung des LebensZeit und vieles mehr. Der Lauf des Wassers ist ein Begriff, den die deutsche Übersetzung eines Buches von Alan Watts [8] benutzt hat. Ich halte die deutsche Übersetzung des Titels für interessanter. 

In dem Buch von Osho stehen die SeitenZahlen oben und unten, wo man häufig Seitenzahlen hinsetzt, ist immer das Zeichen Dao (
道); es ist eine ansprechende Kalligraphie. Dao ist das zentrale Zeichen des Daodejing und namensbildend für den Daoismus. Aber schon die ersten Zeichen des Daodejing zeigen die Problematik des Begriffs auf denn im Daodejing steht: „Der Weg, den man benennen kann, ist nicht der wahre Weg; Namen (Begriffe), die man geben kann, sind keine wahre Namen“ [道可道,非常道。名可名,非常名。]. Der Text schließt mit: 聖人之道为而不爭。Der Weg des Weisen wirkt ohne Konkurrenz (Wettstreit). Im 25 Kapitel heißt es: 吾不知其名,字之曰道,强为之名曰大。Das versuche ich so zu übersetzen: „Ich kenne seinen Namen nicht und nenne es daher Dao. Und wenn ich mich weiter um einen Namen bemühe, nenne ich es das Große.“ Dazu kann man in einer lesenswerten Magisterarbeit schmökern [9].

Auf den Seiten 6 bis 14 findet man Aussagen wie: „sie reden überhaupt nicht vom Ziel“, „der Pfad ist ein pfadloser Pfad“, „Tao bedeutet Transzendenz“, „Tao ist eine Rebellion“. Damit wird wahrscheinlich die Esoterik bedient. Und ich könnte mir vorstellen, daß dahinter der Satz steht: „Der Weg ist das Ziel“.  
Konfuzius [
孔子] (etwa 551-479 v. Chr.) schrieb in den Analekten [论语]: 子曰:「志於道,據於德,依於仁,游於藝。」Der Meister sagte: "Lasset den Willen auf den Pfad [der Pflicht] gestellt sein. Lasset jedes Erzielen in dem, was gut ist, festgehalten sein. Lasset der vollkommenen Tugend günstige Bedingungen zuteilwerden. Lasset Ruhe und Genuss in den höflichen Künsten [die Riten, Musik, Bogenschießen, Wagenfahren, Sprache und Mathematik] gefunden werden." [10] Dies ist wahrscheinlich der Ursprung von: Der Weg ist das Ziel.

Auf Seite 16 lese ich dann, Maria hieße auf Hebräisch Mariam und das bedeute Rebellion. Durch Ungehorsam kam Adam Zufall und durch Rebellion erhob sich Jesus. Ja, was ist denn das für ein Blödsinn. Mariam ist nicht hebräisch, hebräisch ist Mirjam. Mariam ist Griechisch und Maria ist zunächst einmal Lateinisch und später eben auch Deutsch. Die möglichen Bedeutungen sind vielschichtig. Eigentlich muß man sagen, daß die Herleitung des Namens zu unsicher ist. So, wie jeder es gerade gebrauchen kann. Bitterkeit, Widerspenstigkeit oder Auflehnung sind möglich, aber auch Wunschkind oder geliebtes Kind oder Geliebte des Amun.

Wenn ich etwas von Patrick Jane [11] und den VerschwörungsTheoretikern ebenso gelernt habe, dann ist es, daß eine guter TrickBetrüger alle Elemente, die willkürlich auftauchen, und auch gegensätzlicher Natur sein können, in ihren TrickKonstrukt problemlos einbauen können. Das aber muß man Bhagwan bzw. Osho lassen -: das hat er voll drauf. 

Auf Seite 26 lese ich, es gäbe nur wenige taoistische Tempel. Ja, wenn man die Volksrepublik China nimmt, da gibt es nicht nur wenige daoistische Tempel, sondern gibt es wenige Tempel überhaupt, letztlich gibt es aber doch tausende von ihnen. Wenn ich aber nach Taiwan schaue, dann ist auf dieser kleinen Insel die Zahl der daoistischen Tempel nicht gering, denn dort schätzt man die Zahl der daoistischen Tempel auf ca. 9000, um eine Zahl zu nennen. 

Es fällt auf, daß alle möglichen Religionen in diesen Taoteig hinein gemengt werden. Auf Seite 41 wird ein Text eingeleitet mit -: „einmal geschah es, dass ein Sufimystiker ...“ und dann kommt natürlich auch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ auf Seite 42. Jesus, Zarathustra und, „daß Tao ein anderer Name für Gott ist“ kann man ebenfalls dort lesen. Das Tao nichts von Wundern hält, sondern mehr von wissenschaftlichen Methoden.  Was soll dabei heraus kommen? Es soll dabei etwas heraus kommen, was im Westen die Klientel anspricht, dieses Bhagwan-Konglomerat aus östlicher Religion und westlicher  Psychotherapie. Es war erfolgreich!   

Das Buch ist reich bebildert. Aber viele der Bilder sind auch multipliziert worden, indem dasselbe Bild mehrfach, auch in verschiedenen Größen, erscheint. Oder einmal in einer bearbeiteten Formen und einmal in einer weniger bearbeiteten Form. So daß die Gesamtzahl der Bilder wieder herabgesetzt wird. Aber warum hat man das gemacht? Wahrscheinlich ist die Idee, daß es meditativer oder esoterischer wirken soll. Na, ich bin da eher skeptisch. Wo ich nicht skeptisch bin, ist in einer Empfehlung. Nein, das Buch braucht man nicht. Aber es war für mich eine gute Entschuldigung, wieder einmal in ein paar alten Büchern zu stöbern und zu lesen. 


Links und Anmerkungen:
[1] OSHO: Tao. Die Weisheit des Flusses. Königsfurt-Urania Verlag, Krummwisch 2011. ISBN: 978-3-86826-113-4.
[2] „Sultans of Swing“ ist ein Song der britischen Gruppe Dire Straits, den ich immer noch gerne höre.
[3] Osho (和尚) heißt nichts weiter als Mönch; das kannte ich aus dem Chinesischen unter der Aussprache heshang. Geboren wurde er als Chandra Mohan Jain (चन्द्र मोहन जैन) und war eine Weile als Bhagwan Shree Rajneesh bekannt. Er lebte von 1931 bis 1990.
https://de.wikipedia.org/wiki/Osho 
[4] Auch nicht, nachdem Hans Conrad Zander über einen Besuch in Pune („Poona“) berichtet hatte und wir uns über seine Reise unterhalten hatten. Das muss 1978 gewesen sein. Wenn ich mich recht erinnere, hatte er damals Bhagwan gefragt, ob er ihm einen seiner 93 (?) Rolls-Royce schenken würde.
[5] Das flüsterte mir die Google KI ein.
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Daozang und natürlich:
https://zh.wikipedia.org/wiki/%E9%81%93%E8%97%8F 
[7] Wenn man das Daodejing mit 5000 Zeichen in zwei Stunden liest und in dieser Geschwindigkeit jeden Tag 12 Stunden liest, dann hätte man Lesestoff für 6 ½ Jahre. Viel Spaß!
[8] Alan Watts [8a]: Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. Uter Mitarbeit von Al Chung-liang Huang [8b]. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983/1985. ISBN: 3-518-37378-1. Der Originaltitel lautet: Tao: The Watercourse Way [8c].
[8a] Alan Watts (1915-1973) war ein britischer Religionsphilosoph, spiritueller Lehrer und Autor.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Watts 
[8b] Chungliang „Al“ Huang (黃忠良) ist ein taiwanesischer Philosoph, Tänzer, darstellender Künstler, Tai-Chi-Meister und Pädagoge. Er wurde in den 1930er Jahren in Shanghai geboren.
https://en.wikipedia.org/wiki/Chungliang_Al_Huang 
Grokipedia nennt 1937 als Geburtsjahr. Es handelt sich um einen sehr umfangreichen Artikel.
https://grokipedia.com/page/Chungliang_Al_Huang 
Eine der Quellen von Grokipedia ist:
https://livingtao.org/about/chungliang-al-huang/ 
[8c] https://en.wikipedia.org/wiki/Tao:_The_Watercourse_Way  
[9] Clemenz Znobb: Jenseits vom Tun. Daoistische Klassiker im Philosophieunterricht an der AHS. Masterarbeit der Karl-Franzens-Universität Graz.
https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/10601090  S.20 
[10] http://ctext.org/analects/shu-er
[11] Patrick Jane oder „The Mentalist“ ist eine fiktive Gestalt, gespielt von Simon Baker. „The Mentalist ist eine US-amerikanische Krimiserie von Bruno Heller, die von 2008 bis 2015 … „
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Mentalist 
 

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Tuesday, January 13, 2026

Der Shikoku Reiseführer von Patrice Savatier – mehr als eine Buchbesprechung


Der Shikoku Reiseführer von Patrice Savatier [1] kam mir in Vorbereitung einer gemeinsamen Reise unter die Augen. Mein Neffe sagte, er meine, daß dieses Buch mit Hilfe von KI erstellt wurde. Ja, dem kann ich ich mich anschließen und dazu wurde auch noch maschinelle Übersetzung benutzt – aus welcher Sprache auch immer. Die Beschreibung zu dem Buch ist sehr lang, verdächtig lang (ungefähr 3000 Zeichen). Und ich muss zugeben, daß dieser Text gut  geschrieben ist, sogar besser als das ganze Buch. Aber gehen wir zunächst ins Detail.

Manche Menschen lassen sich alle möglichen Dinge über das Internet schicken, z.B. über Amazon. Dieses Buch gibt es nur über Amazon und nicht im Buchhandel, was meine Schwägerin versucht hatte. Amazon hat unter den Angaben zu diesem Buch stehen: „Spitzenrezensionen aus Deutschland“. Ich konnte die von „Jieffeache“ einsehen. „Nicht empfehlenswert!“ steh da, und: „…, unter einem Reiseführer stelle ich mir etwas anderes vor. / Alles in einem, wer wissen möchte was es auf Shikoku zu sehen gibt, der suche besser weiter.“
Mal sehen, ob ich zu einem ähnliche Ergebnis komme.

Ich möchte ein wenig vergleichen. Am liebsten hätte ich einen Lonely Planet Reiseführer Shikoku (
四国), aber den gibt es nicht. Ich hatte gerade nachgeschaut und 17 Reise- und Sprachführer sowie Karten von Lonely Planet gefunden. Anscheinend ist Shikoku doch so verträumt, wie wir uns das träumen. Ich habe gerade einen alten Japan Reiseführer von Lonely Planet [2] gefunden, den ich einmal zu einem groben Vergleich heranziehen möchte. Damals hatte man viel weniger Bilder und Karten in den Büchern.


Gut, es gibt im Savatier Reiseführer einen QR-Code auf eine „interaktive Karte“. Und wo landet man da? Raten Sie nie! Man landet auf Google Maps. Wirkliches Insiderwissen. Ich schließe mich an: „…, unter einem Reiseführer stelle ich mir etwas anderes vor.“

Ich stolperte beim Durchblättern auf der Seite 50 über das Wort Konnektivität, das der Duden so definiert: „Fähigkeit von Betriebssystemen, zwischen einem Rechner und Netzwerken, besonders dem Internet, eine Verbindung herzustellen“ [3]. Im Englischen und Französischen wird der begriff bereits umfassender benutzt. Aber ich habe noch weitere Beispiele, die mich veranlassen, mindestens Teile als Übersetzung z.B. aus dem Französischen anzusehen, vielleicht aus dem Petit Futé? Die maschinelle Übersetzung schrieb: „Willkommen bei Shikoku“ oder „Unterkunftsmöglichkeiten und Speisekulisse“. Korrekturlesen und nachbessern muss man händisch durchführen. Das gilt auch bei der Übernahme von japanischen Zeichen, denn die verändern den Zeilenabstand [4]. Die Zeichen hätten verkleinert werden müssen, sind es aber nicht.

Will ich mich jetzt auf eine inhaltliche Überprüfung einlassen. Nein. Das ist gar nicht notwendig. Das Internet bietet z.B. über die Seite Japan Travel [5] auf Deutsch sicherlich mehr, fundiertere und besser aufbereitete Information. Außerdem gibt es reichlich Bilder, so daß man sich sehr gut für oder gegen die einzelnen Ziele vor Ort entscheiden kann. 

Über Patrice Savatier weiß das Internet herzlich wenig. Es gibt eine Person dieses Namens auf Copains d'avant, die in Ambillou wohnt und 1958 geboren wurde, aber eine Namensgleichheit halte ich für wahrscheinlicher. Amazon gibt auch keine weiteren Informationen. Immerhin werden dort 27 weitere Reiseführer in gleich Aufmachung angeboten. Ich fand auch einige auf Französisch.

Braucht man das Buch Shikoku von Patrice Savatier. Wir gehen in der Regel in den Buchladen in Kall (oder auch in Köln), aber mir gefällt der Laden in Kall [6] besser. Im Buchladen würde man ein Buch wie  Shikoku von Patrice Savatier sofort wieder zurückstellen. Das heißt aber, Bücher, die nur im Internet erhältlich sind, eher zu meiden.


Links und Anmerkungen:
[1] Patrice Savatier: Shikoku Reiseführer. Amazon Distribution, Erfurt 2025. ISBN: 979-8287750299.
[2] Ian L McQueen: Japan, a travel survival kit. Lonely Planet, Hawthorn (Aus) 1989. ISBN: 08644120455.  
[3] https://www.duden.de/rechtschreibung/Konnektivitaet 
[4] Ich benutze hier in meinem Blog viele chinesische und japanische Zeichen und gerne auch noch andere. Da muss ich aber jeden Begriff im Text einzeln verkleinern.
[5] https://www.japan.travel/de/de/shikoku/ 
https://www.japan.travel/brochures/eng/index.php?keyword=shikoku  
[6] Ich habe früher einen genauso guten Laden in Meerbusch Lank besucht, weil ich dort gearbeitet hatte. Den Laden hatte Dorothee von Zittwitz  gegründet, die ich in guter Erinnerung behalten habe. Seit ihrem Tod führt die Tochter den Laden weiter. Der Ladeninhaber in Kall ist fast beim Hochwasser ertrunken und ich bin sehr froh, daß Kirsten und Thomas Pavlik den Laden weiterführen. Beiden Läden wünsche ich weiterhin viel Erfolg.   

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Tuesday, September 23, 2025

Tee – Fatburner Pu-Erh-Tee, so etwas wie eine Buchbesprechung

 

Da manche Bilder im Buch und Titelseite mit Fächern sind,
 habe ich hier auch zwei drum rum drapiert.



Ich weiß auch nicht, was mich gerade geritten hat, ein altes Buch [1], das zudem noch schlecht ist, so umfangreich zu bearbeiten. Aber hier ist das Ergebnis zu "Fatburner Pu-Erh-Tee" [2]. 

Gewichtsabnahme
Es gibt sechs Stellen, die auf Gewichtsabnahme im Register hinweisen. 
1. "... und auch bei der Gewichtsabnahme wertvolle Dienste leistet."
2. "Die Gewichtsabnahme, die bei regelmäßiger Einnahme zu erzielen ist, ..." 
3. "Starke Gewichtsverluste durch Pu-Erh-Tee" ... Nur: Pu-Erh-Tee alleine kann das nicht bewirken ..." 
4. "Übergewicht wird hier ohne quälende Hungerkuren abgebaut." (Die Rede ist von Qi Gong und Tai Qi Quan [das sollte Herr Wu Li eigenlich wissen - es heißt zwar Qi Gong (
氣功), aber das Qi steht nicht im Begriff Tai Ji Quan (太極拳)] 
5. "Diät und Pu-Erh-Tee" - "Wer dauerhaft und mit Erfolg abnehmen will, muss in aller Regel seine Ernährung umstellen." Also doch Hungerkur?!
6. Fallvorstellungen von Mnschen, die abgenommen haben.

Das ist aber dürftig. Einen Mechanismus, der einen Gewichtsverlust erläutern würde, stellte der Verfasser nicht dar. Der Fatburner kann es nach eigenen Worten nicht bewirken. Bewegung und chinesische Essen (nur eine anders bezeichnete Hungerkur!) werden vorgestellt. Auf S. 90 wird die Idee vermittelt, man könne zwei und mehr Kilogramm Gewicht an Fett in einer Woche verlieren. Das ist dann aber Wasser, Eiweiß und kaum Fett. Wenn es um die Reduktion von Fett aus Fettzellen geht, dann müßte man für 2 kg etwa 2000 kCal pro Tag mehr verbrennen oder die Zufuhr vermindern. Das ist ziemlich schwierig und überdies auch nicht sinnvoll, da man den Körper anregt, den Verbrauch von Kalorien zu vermindern anstatt zu beschleunigen.

Cholesterin senken
Gehen wir das Register für Cholesterin durch, da fand ich sieben Stellen: 
1. Der Cholesterinspiegel wird durch zwei und 20 Jahre alten Pu-Erh-Tee gleichermaßen gesenkt. Keine Quellenangabe. 
2. "Pu-Erh-Tee senkt überdies den Cholesterinspiegel ..." 
3. "Er senkt den Cholestrinspiegel und den Blutdruck." Keine Quellenangabe. 
4. Durch eine beschleunigte Darmpassage bei Mäusen will der Autor eine Senkung des Cholesterinspiegel belegen. Das ist lachhaft und wurde zudem nicht am Menschen belegt. 
5. Hier wird unter Notabene wiederholt, man könne "einen zu hohen Cholesterinspiegel senken". 
6. Ein erhöhter Cholesterinspiegel soll durch 1-2 Tassen Tee aus 15 g Weißdorn, 5 g Pfefferminzblätter und 10 g Pu-Erh-Tee gesenkt werden. Wieviel Wasser? 
7. Auf S. 109 finde ich das Wort Cholesterin nicht, da werden Bezugsquellen und eine Beratungsstelle angegeben. Auch beim Senken von Cholesterin finden sich nur Versprechungen, aber kein Nachweis, ob diese auch eingehalten werden.

Wissenschaftliches
Kommen wir zu wissenschaftlichen Aussagen: 
Die Tabelle 3 führt Eiweiß und Aminosäuren auf und zwar in ungebräuchlichen Bezeichnungen, denn Aminopropionsäure bezeichnen wir gewöhnlich als Alanin und Aminoessigsäure als Glycin. Die Aminoglutarsäure ist Ihnen als Glutaminsäure bzw. als ihr Salz - Glutamat - sicherlich bekannter. Auch wenn die Aussage "Aminosäuren werden im menschlichen Körper für den Aufbau von körpereigenem Eiweiß benötigt" völlig korrekt ist, wundert die Aufführung hier, da die durch Tee aufgenommenen Mengen verschwindend gering sind. 
Die Tabelle 4 scheint einen Umrechnungsfehler zu haben. Aber dessen ungeachtet, kann man mit Tee Polyphenole zu sich nehmen, aber bei Spurenelementen sollte das nicht die vornehmliche Quelle sein. Ich habe eine Studie zu Gewichtsreduktion sowie Cholestin und Fetten gefunden [3], aber sie ist nicht viel Wert. Von 171 Probanden blieben nach Screening nur 59 übrig, die auf Verum und Placebo [30/29] aufgeteilt wurden, dabei blieben am Ende jedoch nur [27/22], wobei die Abnahme der Anzahl nochmals verzerrte. Der BMI bei der Verum Gruppw ist bereits zu Beginn niedriger. Die Parameter Cholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride blieben ohne signifikante Unterschiede. "The weight loss corresponded to a reduction in total body fat at 20 weeks for the PTE group when compared to the placebo group (Figure 3A). This change was not statistically significant between the two groups, but the change was significant within the PTE group (P<0.05)." [4] Reden wir Tacheles -: man wendete einen statistichen Trick an. Die Reduktion nach 20 Wochen betrug auch in der Verum-Gruppe lediglich 0,5 kg/m².

Bilder im Buch
Das Buch ist reich bebildert, gehen wir sie einmal durch: 
01. Titelbild: Ein Ensemble mit einer TeeKanne, den den Aufdruck
壽 trägt (langes Leben) 
02. Gegenüber des Titels im Buch (Frontispiece): Eine chinesische Berglandschaft (Kulissenlandschaft) mit tiefstehender Sonne - sehr romantisch 
03. S. 4 Eine Teepackung, aber kein Pu-Erh-Tee 
04. S. 5 Eine Frau trinkt aus einer unförmigen Tasse (kann auch Kaffee sein) 
05. S. 7 Eine Frau nimmt eine elegante Stellung am abendlichen Strand ein, ob es sich um eine Qi-Gong-Übung handelt, aber das ist egal. 
06. S. 9 Ein Drache, davor eine Packung mit Yünnan Teeblättern (muß nicht Pu-Erh-Tee sein) und einer Tee-Kannen-Tasse und einer kleinen Teeschale sowie einer Untertasse mit Teeblättern. 
07. S 10 Ein Landschaftsbild mit einem Gewässer, Wolken, Wald und Berg 
08. S. 11 Terrassenfelder - doch halt! Es handelt sich um Reisfelder mit strohbedeckten Lehmhütten
09. S. 12 Die chinesischen Zeichen für Pu-Erh-Tee 
10. S. 14 Ein Holzschnitt (?) aus dem Archiv preußischer Kulturbesitz 
11. S. 19 "Beim traditionellen Pferderennen" 
12. S. 20 Eine Teepflückerin 
13. S. 23 Verschiedene Teeverpackungen und Tuocha (
沱茶) 
14. S. 26 Eine Blechbüchse und Tee 
15. S. 32 Berg, Stadt und davor Arbeiter, die Tee verpacken (altes Bild) 
16. S. 36 Ein verliebtes Paar 
17. S. 37 Der "Tee der Kaiser" in Originalschrift /
宫廷普洱茶 (Buch) 宮廷普洱茶 (traditionell), also nicht in Originalschrift, da es sich um Kurzzeichen handelt [5]. 
18. S. 42 Eine junge Frau der nationalen Minderheiten mit einem Lamm 
19. S. 43 Eine Frau in einem Teebad; aber nimmt man dafür nicht eher Eselmilch oder Champagner? 
20. S. 46
八寶茶, also Acht Schätze Tee, hier allerdings in vereinfachten Zeichen abgebildet: 八宝茶 
21. S. 47 Erneut ein verliebtes Paar 
22. S. 48 Ginsengwurzel - die ist koreanisch und hat mit Pu-Erh-Tee erst einmal nichts zu tun 
23. S. 54 Ein Schamane - der hat auch nichts mit Tee zu tun 
24. S. 55 Auberginen - haben nichts mit Tee zu tun 
25. S. 64 Eine weiße Maus in einem Tretrad (darunter steht, allerdings nicht als Bildunterschrift: "Test1: Darmbewegungen" / Ich muß jetzt abschweifen, denn Test 2 beschäftigt sich mit der "Schubkraft des Darms".) 
26. S. 68 Ein Kopf mit vier roten Pyramiden darauf - hier ist die Esoterik voll ausgebrochen und zwar aus einer geschlossenen Anstalt: die Vergrößerung der Aura wird vermessen, ziemlich vermessen! 
27. S. 73 Ein größerer Bildausschnitt von 04. und spiegelverkehrt 
28. Eine Frau mit einer grünen Gesichtsmaske 
29. Ein schlafendes Kind, dem weder Bettnässen noch seelische Probleme anzusehen sind 
30. S. 79 Löwenzahn: Blüten und zwei Pusteblumen, wenn man genau hinschaut sind auch Blätter zu sehen, um die es geht, obwohl - was haben die mit Pu-Erh-Tee zu tun? 
31. S. 87 Eine weißgekleidete Chinesin vor einem orangenen Hintergrund mit eine Bildunterschrift: "Regelmäßige Tai-Qi-Qi-Gong-Übungen ..." / Ist Herr Wu Li wirklich Autor des Buches [6]? 
32. S. 89 Entspricht einer vollständigeren Version von 05. jetzt mit Spiegelung. 
33. S. 90 Eine Schale mit Gemüse und die Stäbchen stecken darin! Das Bild stammt aus einem Archiv, aber kein Ostasiate oder jemand, der kurz da gewesen ist, würde so etwas abdrucken lassen, denn es sieht aus wie die Räucher-Stäbchen im Rahmen der Totenehrung. Herr Wu Li??? 
34. S. 92 Ungekochtes und Zubereitetes mit chinesischen Schälchen und einem Fächer mit chinesischen Zeichen 
35. S. 95 Trockenpilze und Ingwer, frisch und getrocknet 
36. S. 98 "die Suppe ist ein wichtiger Bestandteil" - allerdings ist keine Suppe zu sehen sondern Fleisch mit Soße, rohe Zwiebeln und ein rohes Ei. 
37. S. 102 Geflügel 
38. S. 103 Eine Krabbe / Garnele
39. Bild auf der Umschlagsrückseite: Eine Frau auf einem Fahrrad mit Korb Etwa ein Viertel der Abbildungen kann man sogar dem Thema Tee zuordnen.

Zum Inhalt des Buches 
Was hat man sich da zugelegt? 
2 Seiten Vorwort. 
10 Seiten Herkunft und Geschichte; man erfährt eher wenig über Pu-Erh-Tee. Historische Quellen des Dai-Volkes werden zitiert. „Da wage ich zu zweifeln,“ schrieb ich und ich behielt recht, denn vor 1700 Jahren hieße vor Beginn des Kalenders der Dai-Völker (Plural wohlgemerkt). Eine Verschriftlichung der Sprache begann erst im 14. Jahrhundert. 
12 Seiten Verarbeitung und Sorten; sehr wenig über den Verarbeitungsprozess, aber Instant-Tee und  ein Extrakt in Kapseln mit Apfelessig-Pulver werden beschrieben. 
10 Seiten über die Wirkung des Pu-Erh-Tees. „Altbewährtes Heilmittel“ ist für mich immer Alarmbegriff, denn dann hat man nicht weiter geforscht. Es werden Beispiele gegeben, Hinweise auf Studien, die aber dann nicht als Zitat belegt werden; eine soll in der Pariser Saint Antoine Klinik gelaufen sein [7]. Dann wird darauf hingewiesen, daß Alkohol im Blut gesenkt werden kann. Die beschriebene Reduktion entspricht dem natürlichen Verlauf. 
10 Seiten klassische Anwendungen, also Bäder. Eine „erstaunliche Wirkung“ läßt mich wieder zusammenzucken, denn auch das ist ein schrillender Alarm für ausgeschaltetes Gehirn. Dann beschreibt der Autor den Acht-Schätze-Tee, der dann auch nur noch also ein Achtel Pu-Erh-Tee enthält und zudem noch mit Kandiszucker angereichert wird. 
2 Seiten Chinesische Küchenklassiker -: Eistee und Teeeier [8].
11 Seiten medizinisches Wissen - zur Pflanze wird etwas aus dem „Kleinen Abriss der Physik“ zitiert. Dann ist das auch noch der Teil, wo es man von der Schubkraft des Darms redet. 
2 Seiten geballte Esoterik, also Aura des Tees. 
4 Seiten Notabene -: da wird wiederholt und zusammengefasst. 
10 Seiten Heilrezepte, also noch mehr Esoterik. 
4 Seiten Qi Gong. 
13 Seiten Diät.
4 Seiten Erfahrungsberichte.
1 Seite mit Adressen.

Autorschaft
Wenn ich mir die Bilder ansehe, die offensichtlichen Fehler mit chinesischer Sprache und Kultur sowie die nicht-chinesische Esoterik dazunehme, dann muß ich an der Autorschaft von Herrn Wu Li zweifeln.
Es gibt eine Heilpraktiker-Seite: "Wu Li / Prof. TCM Uni Yunnan" [9]. 
"2008-2011 Honorary Doctorate Degree of University of Herguan Universe" - im Internet ist die Universität nicht zu finden. 
2010 nominiert für den Deutschen Innovationspreis für Medizin in Berlin - im Internet ist dieser Preis nicht gelistet und seine Erfindung soll auch nur nominiert gewesen sein. 
Es gibt einen Facebook-Account, aber der letzte Eintrag erfolgte vor über sechs Jahren [10]. 
Auf dem Buch ist er als Prof. (Univ. Beijing) bezeichnet, auf seiner Heilpraktiker-Seite steht Prof. TCM Uni Yunnan. Wir müssen das nicht verstehen. 

Das Buch hat mich nicht sinnvoll über Pu-Erh-Tee informiert. Ich halte es für völlig überflüssig. Im Wikipedia-Artikel [11] erhalten Sie ein Vielfaches an Informationen. Gut, den gab es damals nicht, aber deshalb wollten Sie doch das Buch kaufen! 



Links und Anmerkungen:
[1] Dr. (Univ. Beijing) Li Wu: Fatburner Pu-Erh-Tee. Cholestrin senken mit dem König der chinesischen Tees. Midena, Müchen 1999. ISBN: 3-310-00626-3.
[2] Ich benutze hier die eher verantete Schreibweise Pu-Erh-Tee anstatt richtigerweise Pu'er-Tee (普洱茶).
[3] Jensen GS, Beaman JL, He Y, Guo Z, Sun H. Reduction of body fat and improved lipid profile associated with daily consumption of a Puer tea extract in a hyperlipidemic population: a randomized placebo-controlled trial. Clin Interv Aging. 2016 Mar 24;11:367-76. doi: 10.2147/CIA.S94881. PMID: 27069360; PMCID: PMC4818050.
[4] Übersetzung: „Der Gewichtsverlust entsprach einer Reduktion des gesamten Körperfetts nach 20 Wochen in der PTE-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe (Abbildung 3A). Diese Veränderung war zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant, innerhalb der PTE-Gruppe war sie jedoch signifikant (P < 0,05).“
[5] Ich mache mich gerade der Korinthenkackerei in sehr ausgeprägter Form schuldig, denn der Unterschied liegt in diesem Fall einem Strich weniger in der Kurzform für insgesamt fünf Zeichen. 
[6] Das erinnert mich an meine Zeit als Arzt auf der Isolierstation, als PJler meinten, meine Unterschrift müßte man Wu Beuli lesen.
[7] Die gibt es sogar und teile stehen unter Denkmalschutz 
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4pital_Saint-Antoine 
Wie soll man aber eine über 20 Jahre alte Studie finden, von der nicht einmal der Titel genannt worden ist?!

[8] Normalerweise würde ich TeeEier schreiben, ganz korrekt wäre Tee'eier, weil man dann den glottal stop markiert hätte, aber Teeeier sieht einfach lustiger aus.
[9] https://www.tcmedprofliwu.com/home/%C3%BCber-wu-li/ 
[10] Chinesische Naturheilpraxis Li Wu Prof. TCM Univ. of Yunnan 
https://www.facebook.com/profile.php?id=100066800913446&sk=photos 

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh

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Sunday, July 27, 2025

Buchbesprechung „Die unbekannten Schriften der Essener“

 

Wenn man genau hinschaut, kann man den mit Kugelschreiber ohne Tinte eingedrückten Text entdecken und entziffern.


Ich finde aus Ehrlichkeit heraus sollte ich in diesem Blogpost etwas voraus schicken. Es handelt sich um eine Buchbesprechung, die nun wirklich niemand braucht, aber vielleicht ist das so, weil das besprochene Buch auch niemand wirklich braucht. Kürzlich fand ich in einem öffentlichen Bücherschrank das Werk „Die unbekannten Schriften der Essener“ [1] und ich blätterte es durch, fand darin viele Anmerkungen, Anstreichungen mit Bleistift, Kugelschreiber (mit und ohne Tinte), Marker und sogar Füller, sowie Übersichten und Zeichnungen, so daß ich das Buch mitgenommen habe, wobei ich betonen muß, daß mich Schmierereien in Büchern und Umknicken von Buchecken als Lesezeichen anwidern. Wie bei vielen esoterischen Büchern, sind auch hier Bilder zu finden, die absolut nichts mit dem Text zu tun haben.

Die Essener waren eine jüdische Sekte und hatte mit den Christen nichts zu tun. Die Schriftrollen vom Toten Meer oder Qumran-Handschriften wurden in die Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. datiert [2], sind also eindeutig vorchristlich und da ist das Wort Evangelium völlig unangebracht.

Der eigentliche Text nach Vorwort und Einleitung beginnt mit „ENOCHS VISION / Die älteste Offenbarung / Gott spricht zum Menschen“. 26mal wiederholt sich:
Sei still
Wisse
Ich bin Gott.

Und diesen drei Zeilen werden werden ein bis zwei Zeilen vorangestellt, wie:
Ich sprach zu dir
Bei deinem ersten Wort.

Oder:
Ich spreche zu dir
Durch die Bäume der Wälder.

Oder
Ich werde zu dir sprechen
Am Ende der Zeit.


Huch! Welch ein Tiefsinn! Mehr hat mir Gott durch die Äonen nicht mitzuteilen?

Das Buch ist ziemlich dünn und irgendwann stoße ich auf ein Kapitel: „Aus dem Essener Buch von Jesus“. Siehe oben. 



Auf S. 94, also kurz vor Ende kommt eine Kurzbiografie zu Edmond Bordeaux Szekely. Er wird darin als gut bekannter In Sanskrit Aramäisch, griechisch und Latein. Bezeichnet und er spreche 10 moderne Sprachen. Seine wichtigsten Übersetzungen und so weiter. Auch werden vor kolumbianische Schriften des alten Mexiko erwähnt. Da stutzte ich erneut, denn Edmond Bordeaux Szekely ist 1979 verstorben [3]. Etwa zu dieser Zeit hatte ich meine Zwischenprüfung im Fach Ethnologie bei Prof. Karl A. Nowotny abgelegt, der zu den mexikanischen Bilderhandschriften geforscht hatte. Erst ab ungefähr 1980 machte z.B. die Entzifferung der Maya-Schrift Fortschritte [4]. Deshalb halte ich diese Angabe für wenig wahrscheinlich. Das Buch hat übrigens das gleiche Foto zu Edmond Bordeaux Szekely wie der englische Wikipedia-Artikel [5].

In diesem Artikel finde ich folgenden Eintrag: „Szekely authored The Essene Gospel of Peace, which he alleged to have translated from an ancient text he discovered in the 1920s. Scholars consider the text a forgery.“ [6] 1937 publizierte er einen Text mit dem Titel: „The gospel of peace of Jesus Christ by the disciple John“, den er nach den Funden der Schriftrollen vom Toten Meer erneut unter dem Titel „The Essene Gospel of John“ veröffentlichte.

Muß man das Buch gelesen haben oder es lesen, sollte man es zufällig finden? Nein, bitte tun Sie sich das nicht an.



Links und Anmerkungen:
[1] Edmond Bordeaux Szekely: Die unbekannten Schriften der Essener. Das Friedensevangelium Buch 2. Photos von Annette Green. Verlag Bruno Martin, Südgellersen 1987 (10. Aufl.). ISBN: 3-921786-11-8.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftrollen_vom_Toten_Meer 
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Edmond_Bordeaux_Szekely 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Maya-Schrift 
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Edmond_Bordeaux_Szekely 
[6] Übersetzung: „Szekely ist der Autor des Essener Friedensevangeliums, das er angeblich aus einem antiken Text übersetzte, den er in den 1920er Jahren entdeckt hatte. Wissenschaftler halten den Text für eine Fälschung.“

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Saturday, July 19, 2025

… und ein weiteres Buch über Tee von Louise Cheadle und Nick Kilby


Anläßlich eines Besuches des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln stieß ich auf ein Buch über Tee. Ich blätterte darin und kaufte es. Jetzt habe ich auch gelesen. Es handelt sich um das Buch „TEE“ von Louise Cheadle und Nick Kilby [1]. Gewöhnlich bin ich äußerst kritisch, was Bücher über Tee angeht, und schreibe auch Verrisse [2]. Ich kenne aber auch versöhnlichere Töne [3].

Das Buch von Louise Cheadle und Nick Kilby ist umfassend, was der Untertitel „Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ bereits andeutet. Das Wort „Rezepte“ hätte mich fast vom Kauf abgehalten, aber dazu später mehr. Was ist mir aufgefallen?

Das Buch ist reich und auch angenehm bebildert. Man hat nicht an Lizenzgebühren gespart. Neben den eher technische Bildern von Teeplantagen und TeetrinkerInnen, TeearbeiterInnen oder Teesorten und Teegebäck sind auch Fotos zu sehen, die künstlerischen Ansprüchen genügen, so daß dieses Buch interessant anzuschauen und nicht nur zu lesen ist.

Das Buch wendet sich an Teetrinker, die mehr über Tee erfahren möchten. Es gibt Informationen zu den verschiedenen Teeanbaugebieten, den Sorten, der Verarbeitung, Mengen und vieles mehr. Man kann sich über gesundheitliche Aspekte informieren. Die Autoren beschreiben, wie man Tee richtig aufbrüht und was man in verschiedenen Regionen unterläßt, wenn man Tee trinkt. Die Terminologie zum Tee [„Te(e)rminologie“ - ich liebe Wortspiele!] ist übersichtlich aufgearbeitet.

Die Autoren haben einzelne Teeplantagen besucht. Unter anderem die Plantage „Happy Valley“ in Darjeeling. Diese Plantage hatte auch ich besucht [4]. Vielleicht war es deshalb das interessanteste Interview aus meiner Sicht. Die Plantage liegt auf 2070m Höhe und produziert 40 to Tee im Jahr.

Es werden Informationen zu Teehäusern oder Teegärten gegeben, in denen man Tee genießen kann. Es handelt sich durchgehend um schöne, ästhetische ansprechende Ort mit einem für den Teegenuß entsprechendem Ambiente, aber auch einem entsprechend hohen Preisniveau [5]. Mich interessierte nun, wie verläßlich die Angaben nach 10 Jahren (die englische Originalausgabe erschien 2015) noch sind. Ich habe etwa 50% nachgeschaut und war überrascht, wie valide die Informationen noch sind. Trotzdem sollte man nachschauen und verschiedene Orte sind aktuell eher nicht besuchbar (Sotschi, Moskau, St. Petersburg) oder liegen doch etwas weit weg wie Punta Arenas gegenüber von Feuerland.

Rezepte in Teebüchern sind mir ein Gräuel [6]. Hier finden sich zunächst Rezepte für Hauptgerichte, die aber alle mit Fleisch oder Fisch sind, dafür aber mit Tee zubereitet wurden. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Es finden sich Kuchen, Keks und Kocktails, die teilweise interessant klingen, z.B. ein Sandkuchen mit Matcha oder die Matcha-Kekse mit Schokoglasur, mir aber zu viel Fett und Zucker enthalten. Gemessen an den Rezepten, die ich kennengelernt habe [6], sind diese Rezepte ein Quantensprung.

Kann ich das Buch empfehlen? Ja!



Links und Anmerkungen:
[1] Louise Cheadle und Nick Kilby: TEE: Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr. Prestel Verlag,  München 2017. ISBN: ‎978-3791383163. Originaltitel: ‎The Book of Tea: All Things Tea. 
[2] Hier sind nur zwei als Beispiel, denn mein Blog hat über 60 Blogposts zu Tee, also sind dort noch mehr zu finden.
[2a] Ein Buch zu der Kunst, Tee richtig zu genießen 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/ein-buch-zu-der-kunst-tee-richtig-zu.html 
[2b] Das große Teebuch aus dem Lingen-Verlag 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-groe-teebuch-aus-dem-lingen-verlag.html 
[3] Hier fließt also kein Blut:
[3a] 100 Jahre Tee – eine Buchbesprechung 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/07/100-jahre-tee-eine-buchbesprechung.html 
[3b] „Eine Einladung zum Tee“ - ein Tee-Buch von Mariko Takagi 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/09/eine-einladung-zum-tee-ein-tee-buch-von.html 
[4] Happy Valley Teeplantage in Darjeeling 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/04/happy-valley-teeplantage-in-darjeeling.html 
[5] „Afternoon Tea at the Shard“ - „from £70 per person“ https://aquashard.co.uk/  
[6] Teerezepte in Teebüchern 
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teerezepte-in-teebuchern.html 


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Wednesday, July 16, 2025

100 Jahre Tee – eine Buchbesprechung

 


Ich habe gerade ein Buch mit dem Titel 100 Jahre Tee von Robert Scheibler [1] bekommen. Und obwohl es vor fast 55 Jahren herausgekommen ist, möchte ich es dennoch besprechen. Der Name Scheibler [2] ist hier im Raum über den Tuchhandel in Monschau bekannt, denn Johann Heinrich Scheibler war ein bekannter Samt- und Seidenfabrikant in Krefeld wie auch in Monschau [2]. Krefeld als Seidenstadt lag direkt bei meinem Arbeitsplatz in Meerbusch. Der Sohn von Herrn Johann Heinrich Scheibler, Johann Friedrich Scheibler [3], hatte durch den beruflichen Kontakt nach China 1834 ein Unternehmen für Teehandel mit Sitz in Hamburg aufgebaut, das auch heute noch existiert [4].  

Das Archiv des Teehauses hat gleich zweimal nennenswerten Schaden erlitten: einmal durch Bombeneinwirkung im 2. Weltkrieg und noch einmal durch den Bau einer U-Bahn; ja, ganz so ähnlich wie in Köln, als das Stadtarchiv durch den Bau einer U-Bahn-Strecke einstürzte, wobei zwei Menschen getötet und überdies wertvolle Dokumente zerstört worden sind. Robert Scheibler konnte allerdings auf einige Bilder zurückgreifen, wodurch das Buch interesant wird.



Das Lesezeichen zeigt eine Besuchskarte. Scheibler wird darauf 西佰樂 (Xi bo le) transskribiert. Xi ist nicht korrekt vom Laut her, das ist ein Laut zwischen ß und ch, den wir so im Deutschen nicht kennen. Aber das Mandarin hat den Sch-Laut und der Pass aus dem Jahr 1923 hat als Transskribierung 帥佰樂 (Shuai bo le), vor dem Namen steht: 福州德商 Deutsches Geschäft in Fuzhou. Der Pass gilt für: Fujian (Fukien) [福建], Guangdong [廣東], Zhejiang [浙江], Jiangxi [江西], Anhui [安徽], Jiangsu (Kiangsu) [江蘇].

Interessant fand ich auch das Taufzeugnis des Vaters von Robert Scheibler (Johann Friedrich Scheibler), der am 17.05.1871 auf der SMS Hertha in Shanghai geboren worden ist. Gestochen scharfe Kurrentschrift! Rechts darunter findet sich ein Bild des Kindes mit seiner Amah [
阿媽], das ist eine ältere Berufsbezeichnung für junge Frauen in Südostoasien, die für die Kinder sorgen; vielleicht aus dem Portugiesischen ama (Amme). Man nimmt an, daß diese Photographie 1873 in London entstanden ist.

Über Tee erfährt man eher wenig auf den 32 Seiten, aber die Bilder lohnen sich wirklich. 




Links und Anmerkungen:
[1] Robert Scheibler: 100 Jahre Tee. West-östliches Bilderbuch zum 75jährigen Bestehen Firma J. Fr. Scheibler & Co. Hamburg [1971]. Das Buch wurde bei Booklooker angeboten.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibler_(Unternehmerfamilie)  
[3] „Johann Heinrich Scheibler (* 11. November 1777 in Monschau; † 20. Januar 1837 in Krefeld) war ein Samt- und Seidenfabrikant in Krefeld.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Scheibler_(Textilfabrikant,_1777) 
[4] J. Fr. Scheibler GmbH & Co.https://www.jfstea.com/de/home.html  
Zur Geschichte des Handelshauses:  https://www.jfstea.com/de/unternehmen/historie.html  

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Thursday, September 19, 2024

„Eine Einladung zum Tee“ - ein Tee-Buch von Mariko Takagi



Wieder einmal ist ein Buch über Tee in meinem Besitz gelangt. Es handelt sich um „Eine Einladung zum Tee“ [Die schönsten Dinge im japanischen Alltag] von Mariko Takagi [1]. Auf dem Titelblatt findet sich ein Satz auf Japanisch: お茶でもいかが? [Ocha demo ikaga?] Und den übersetz ich mal kurz hier: „Wie wäre es mit etwas Tee?“ Das Buch ist insgesamt mit allerlei japanischen Begriffen ausgestattet, häufig auch in japanischen Zeichen – Kanji, Hirangana oder auch Katakana –, aber bisweilen auch nur mit der Umschrift; trotzdem: das macht das Buch sehr nützlich, jedenfalls wenn man etwas über japanischen Tee erfahren will und dann mit solchen Begriffen weiter operieren kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Das Buch ist ohne Fotos, aber mit sehr vielen Grafiken gestaltet. Die Exemplare sind numeriert, ich habe die Nr. 280 von 1000. Es ist 2010 erschienen, also schon vor einer Weile, aber ich habe es eben erst  bekommen. Gut, nun hab ich sehr viele Vorschußlorbeeren vergeben, aber einige Kleinigkeiten gibt es doch zu bekritteln.

Ab S.10 können wir über die Geschichte nachlesen und zwar wird die Teegeschichte zwischen China, dann zwischen Japan und China und schließlich zwischen Japan sowie China und die Welt aufgeteilt. Das ist eine sinnvolle  Einteilung, wenn man ein Buch über Tee in Japan schreibt. Im chinesischen Teil ist ein gewisser Kaiser Chen Nung in den Text geraten, der, wie ich schon einmal ausgeführt habe, Shen Nong (
神農) heißt und es gar nicht so klar ist, ob das nun wirklich Tee war. Es wird häufig vermutet, aber es ist eigentlich nur eine bittere Pflanze. Shen Nong, der im Jahr 2737 v. Chr. nach einer Legende den Tee entdeckt haben soll, wird deshalb gerne angeführt und prinzipiell darf man das auch, wenn man es im Sagenbereich läßt. Mehr als bitteres Gemüse ist allerdings nicht nachzuweisen. Wenn man sehr alte chinesische Texte liest, dann begreift man schnell, daß man dort ziemlich sicher Tee nicht finden wird. Diese Texte sind dann bis etwa 3300 Jahre alt (Shang-Dynastie / 商朝) und finden sich auf Orakel-Knochen. Da gab es noch kein Zeichen für Tee [2].
Das Zeichen
茶 wurde erst in der Tang-Dynastie etabliert und landesweit akzeptiert, denn bis dahin wurden 荼, 茗, 荈 oder 檟 verwendet.  Es wird vermutet, daß mit dem Zeichen 荼 (tú) nicht nur Saudistel, Chicorée und im  weiteren auch Tee bezeichnet wurde. Im Kangxi Wörterbuch wird die Erklärung „bitteres Gemüse“ (苦菜) aufgeführt; mit 苦菜 wird heute Sonchus oleraceus (Gemüse-Gänsedistel) bezeichnet [3].

Auf S. 12 wird Marco Polo die Erstbeschreiung von Tee im Westen zugeordnet. Ich hatte einmal versucht, dies nach zu verfolgen, denn in seinem Reisebericht wird Tee nicht erwähnt [4]. Marco Polo ist mehr an Orten und Gebäuden  interessiert, selten schreibt er über Pflanzen wie etwa über Rhabarber und Ingwer im 75. Kapitel [5].
Für 1641 wird ein niederländischer Arzt (Dr. Nicolas Direks) angeführt, den ich quellenmäßig nicht ausfindig machen konnte. Für 1684 wird ein Tee-Anbau auf Java postuliert. Das kann nicht stimmen, denn erste Versuche werden zwar auf Beginn des 18. Jahrhunderts datiert, zum Anbau kam es aber erst ab 1826 [6].  Indonesien war allerdings schon weitaus früher Handelsplatz für Tee aus China und Japan (unter holländischer Kontrolle).

Ab S. 24 werden die Teesorten in einer sehr schönen Übersicht gezeigt und im weiteren Verlauf einzeln dargestellt. Es werden die Gegenstände beschrieben, die man in Japan benutzt – hier hätte ich allerdings gerne die japanischen Begriffe nicht nur in Umschrift gesehen.

Für die einzelnen Teesorten wird angegeben, wieviel Tee und Wasser, in welcher Temperatur, man benötigt, wie lange der Tee ziehen soll und wie oft man ihn verwenden kann (Aufgüsse) [7].

Wasserhärte und pH-Wert kann man nicht pauschal für Japan und Deutschland angeben, die sind lokal unterschiedlich. Da muß man ausprobieren, wie es sich auf den Tee auswirkt. Ich habe mich schon früher mit dem Problem des Wassers beschäftigt [8]. Wenn man sich einmal die stillen Wässer in der Datenbank ansieht, dann findet man schon geeignetes Wasser, aber auch viele, die zu hart sind [9], so daß die Empfehlung von Frau Takagi, stilles Wasser zu nehmen zu pauschal ist.

Auf S. 74/75 werden gesundheitliche Vorzüge und Wirkungen aufgeführt. Also ich halte Tee ebenfalls für gesund, aber die Angaben hier sind Wunschdenken. Man müßte literweise grünen Tee trinken, um eine nenenswerte Menge an Vitamin C einzunehmen [10].
Prinzipiell nehmen wir nicht genügend Antioxidantien zu uns und Tee kann uns dabei helfen, mehr zu uns zu nehmen, aber gesicherte Erkenntnis zum gesundheitlichen Nutzen fehlen immer noch, wobei an dieser Stelle jedoch kräftig geforscht wird [11].  
Teein und Koffein sind keine verschiedenen Wirkstoffe, sondern beides ist 1,3,7-Trimethylxanthin, also Coffein; Teein ist eine veraltete Bezeichnung, die man gebrauchte, als man es nicht besser wußte.

Insgesamt aber ist das Buch deutlich besser als 90% der Bücher über Tee, die ich gelesen habe, herzlichen Glückwunsch!



Links und Anmerkungen:
[1] Mariko Takagi: Eine Einladung zum Tee. [Die schönen Dinge im japanischen Alltag]. ‎ form + zweck, Berlin 2010. ISBN: ‎ 978-3935053273.
[2] Das kann man hier nachlesen: Seit wann wird Tee in China getrunken? https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/seit-wann-wird-tee-in-china-getrunken.html
[3] Genauer unter: Tee und einige Aspekte aus Sinologie und Linguistik
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/tee-und-einige-aspekte-aus-sinologie.html
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/allgemein-zugangliche-informationen-zum.html  
[5] https://www.gutenberg.org/files/12410/12410-h/12410-h.htm#CHAPTER_LXXV1 “In the mountains belonging to this city, rhubarb and ginger grow in great abundance; ...”
[6] https://www.teeverband.de/alles-%C3%BCber-tee/tee/tee-anbaul%C3%A4nder/indonesien/gebiete/ „Der Teeanbau begann 1826 auf Java. Die ersten Teepflanzen, die hier angepflanzt wurden, kamen aus Japan und China.“
[7] Ich erinnerre mich an einen Krimi mit Robert Atzorn (Serie Nord Nord Mord), in dem zu Tee auch immer Menge und Wassertemperatur sowie Zeitangabe erfolgten.
[8] Tee und das richtige Wasser https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/tee-und-das-richtige-wasser.html  sowie: Tee in Ostfriesland https://rheumatologe.blogspot.com/2022/02/tee-in-ostfriesland.html
[9] http://wasserdatenbank.de/
[10 Grüner Tee und Vitamin C
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/gruner-tee-und-vitamin-c.html
[11] Tee und Antioxidantien https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/tee-und-antioxidantien.html


 
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Friday, September 13, 2024

Walter Liggesmeyer - Gedichte und Bilder

Kennen Sie Walter Liggesmeyer? Also ich kannte ihn bislang nicht und so werden Sie ihn jetzt auch kennenLernen. Muß man ihn kennen? Mal sehen.

Ich kam in den Besitz von zwei GedichtBänden von Walter Liggesmeyer. Zuerst las ich „Eisenmond“ [1]. Das Buch hat bei 61 Seiten 28 Gedichte, acht Holz- oder LinolSchnitte von Bernd Temming und acht leere Seiten. Der Untertitel lautet: Gedichte gegen Faschismus und Krieg. Da bin ich eigentlich für zu haben, aber es sprang kein Funke über, aus keinem der Gedichte.

Aber da war noch der zweite GedichtBand „Liebe und Tod“ [2]. Diesmal 44 Gedichte auf 61 Seiten, keine LeerSeiten, keine Bilder. Das war schon einmal angenehm. Ein wirklicher GedichtBand. „auf roten Gitarren // in deinen Augen / blühte / Oleander // silbern / war / dein Haar / als du mich / Adam nanntest // die Nacht / umarmt / so lagen wir / singend / auf roten Gitarren“. Ja, das ist schon ein Gedicht. Die Farbsymbolik (Rot sowie Pink, Weiß oder ZartViolett) hilft mir nicht weiter. Bei silbernes  Haar denke ich vielleicht an Paul Celans „Todesfuge“: „dein goldenes Haar Margarete / dein aschenes Haar Sulamith“. Aber man mag es schon merken, auch hier berührten mich seine Gedichte nicht.

Können wir mehr über Walter Liggesmeyer erfahren? Auf Wikipedia wird er nicht erwähnt, aber es gibt biografische Angaben in den beiden Bücher und darüber hinaus habe ich noch zwei Internet-Stellen mit etwas ausführlicheren Angaben entdeckt [3]. Walter Liggesmeyer lebte von 1938 bis 2017. Er wurde in Paderborn geborren, wuchs in Bad Lippspringe auf und lebte ab 1957 in Dortmund. Nach einer Sparkassenlehre studierte er Jura und war als Justitiar und Rechtsanwalt tätig. Ab 1976 malte und schrieb er und ab 1982 widmete er sich hauptberuflich der Kunst. Er schuf Bilde zu den Themen Licht oder Toscana: „Liggesmeyers gemaltes Licht reißt den Betrachter weiterhin in jene lichtdurchflutete Atmosphäre.“ Später entdeckt er das Thema „Bergmanns- und Industriekultur“ und es entstanden großformatige (10x2 m) Bilder. Ab 2000 veröffentlichte er weitere GedichtBände sowie einen Roman.

Walter Liggesmeyer und Georg Deventer, Vorsitzender von Pro-Dortmund e.V., hatten die Idee, daß sich die Dortmunder Öffentlichkeit zur ihrer Stadt und gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bekennen müsse. Sie waren Urheber des „Dortmunder Manifestes“, an des Spitze sich die Arbeiterwohlfahrt Dortmund sich Ende 2010 gestellt hatte [4]. Und damit hat Walter Liggesmeyer sicherlich mehr bewirkt als mit seinem GedichtBand „Eisenmond“.

Pro-Dortmund e.V. präsentierte im Oktober 2015 eine BenefizVeranstaltung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Dortmund, dabei wurden von Walter Liggesmeyer „Papierbild 1 Ölkreide & Tusche 56x42 cm von 2012“ und „Papierbild 2 Ölkreide & Tusche 57x47 cm von 2014“ versteigert [5]. Die haben mir gefallen!

Da ich nur wenig von ihm gelesen habe, kann ich nur über die beiden schalem GedichtBändchen urteilen – die muss man nicht kennen. Die Bilder – neben den beiden erwähnten sind weitere im Internet auffindbar – haben mit deutlich besser gefallen. Muß man Walter Liggesmeyer kennen? Es schadet nicht und ich bin froh, daß ich über ein NichtGefallen doch Gefallen gefunden habe.



Links und Anmerkungen:

[1] Walter Liggesmeyer: Eisenmond - Gedichte gegen Faschismus und Krieg. Padligur, Dortmund 1984. ISBN: 3-922957-04-8.
[2] Walter Liggesmeyer: Liebe und Tod - in deinen Augen blühte Oleander. Padligur, Dortmund 1986. ISBN: 3-922957-08-0.
[3] http://www.fischer-bild.com/content/walter-liggesmeyer/vita/ und
https://athena-verlag.de/autorinnen/liggesmeyer-walter/  
[4] http://www.pro-dortmund.de/pd/wp-content/uploads/2014/03/Kompendium_DortmManifest_Dez2013.pdf
[5] https://www.facebook.com/photo?fbid=716388175155138&set=a.689786091148680

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Wednesday, July 24, 2024

Sammelsurium (258) 24.07.2024


RückSchau
624

Mohammed heiratete Aischa [1]. Schön und gebildet soll die dritte Frau des Propheten gewesen sein. Und war noch ein Kind, als ihr Vater Abu Bakr sie Mohammad zur Frau gab.

Nähstube Schnittker
Ich schrieb vor einiger Zeit ein Haiku:
the two spinsters
in their fancy store
grey top-knots and all

Ich dachte dabei an die beiden Fräulein Schnittker, denen der Laden mit Kurzwaren in Köln-Buchforst gehörte, an dem ich häufig in der Kindheit vorbeikam. Damals war die Bezeichnung Fräulein für ältere, unverheiratete Frauen gerade dabei, aus der Mode zu kommen. Noch im Dezember 1954 lehnte der Bundestag einen Antrag über die Aufhebung der Vorschriften zu den amtlichen Bezeichnungen einer unverheirateten Frau (Fräulein) ab [2]. Sie trugen beide einen grauen Dutt als Frisur.
Ein andere Frau, die auf der Bezeichnung Fräulein bestand, war eine VolksSchullehrerin der katholischen VolksSchule in Köln-Buchforst, die ich aber nur vom Sehen kannte. Sie aß nur VollKornBrot (ungemahlenes Korn), weil sie darin Gottes Wille sah, sonst hätte er ja Mahl und nicht Körner wachsen lassen. Wahrscheinlich hat dieses Fräulein nie das Alte Testament gelesen [3].

Ein Weinchen

"Darfs noch ein Weinchen sein?" Nein, selbstverständlich nicht. Ein Wein war schon mehr als genug. Aber es durfte ein Kaffee sein.

GenußDrogen

Ich erinnerte mich gerade an eine Fahrt im Zug in den 1980iger Jahren von Köln nach Nürnberg zu einem SonografieKursus. Ich saß in einem RaucherAbteil – das gab es damals noch, kaum zu glauben. Da war jemand, der zunächst Zigarillos und igrendWann auch eine Zigarre rauchte, dann wieder Zigaretten und schließlich Pfeife. Und dazu trank er Kaffee, dann Wein, irgendWann ein Bier und schließlich einen Kakao. Der Mann probierte sich durch alle damals legalen Drogen [4] durch. Schnapps hatte er allerdings nicht getrunken. Trotzdem faszinierte mich dieses SchauSpiel noch lange (ca. 40 Jahre) nach der Fahrt.

BreitenGrad
Wenn ich den BreitenGrad von Köln nehme und ihn mit anderen Orten auf diesen BreitenKreis vergleiche, dann kann sehen, daß uns irgendWann die ErdErwärmung ziemlich Kälte bescheren kann, nämlich wenn der GolfStrom abbricht. Alexandrowsk auf Sachalin oder St. John auf Neufundland liegen in der DurchschnittsTemperatur etwa 5° C unter der von Köln.

42 – eine Marginalie

Harry Haller steht im runden Korridor und blickt auf die Schilder an den Türen. Nur eine Aufschrift enthält auch eine Zahl: „Kamasutram / Unterricht in der indischen Liebeskunst / Kurs für Anfänger: 42 verschiedene Methoden / der Leibesübung“ [5].

Einschlüsse in Glas

Da waren diese Einschlüsse im Glas, durch das ich fotografieren wollte. Dieses ButzenScheibenlas, das nur gemacht wurde, um Licht einzulassen und nicht Blicke. Für die schattigen, schummrigen Weinstuben eben, in denen gezecht und gelacht wird, in denen man die Gesellschaft und den Wein genießt und niemand einen Grund hat, die Welt da draußen zu sehen oder sich von der Welt draußen sehen zu lassen. Ich aber wollte eine Welt drinnen sehen und fotografieren. Sehen ging noch, aber das Fotografieren gelang nicht. Es stört nicht wirklich.

Sri Aurobindo
Ich gelangte letztens an ein Buch von Sri Aurobindo [6] und las da: „Der Mensch hat ein System der Zivilisation geschaffen, das zu mächtig geworden ist für seine begrenzte geistige Fähigkeit und sein Verstehen, zu mächtig für seine noch viel begrenztere spirituelle und moralische Fähigkeit, um es wirklich gebrauchen und lenken zu können., diesen nur zu gefährlichen Diener seiner nur auf Ausbeutung ausgerichteten Ichhaftigkeit und ihrer Bgierden.“ Angesicht des KlimaWandels finde ich diesen Satz ziemlich treffend und hellsichtig. Den Rest des Buches fand ich eher enttäuschend.  

Als namenloses Lied
Ich hatte gerade gegonnen, Gedichte von Johannes R. Becher [7] zu lesen, als ich im Titel gebenden Gedicht „Als namenloses Lied“ auf diese Zeilen stieß: „Er hat sich weit, weit von sich begeben“ und „Das war sein Leben, wunderbares Leben“. Da habe ich das Buch zur Seite gelegt. Es kostete in der DDR 2,00 M und wird aktuell mit 69,50 € gehandelt. Aber soll ich es deshalb lesen?

Gespräche mit Marcel Duchamp

Ich las das Buch von Pierre Cabanne: Gespräche mit Marcel Duchamp [8]. Auf Seite 76 geht es um das Readymade „In Advance of the Broken Arm“ [Dem gebrochenen Arm voraus]. Marcel Duchamp sagte darauf: „Das war eine Schneeschaufel, und diesen Satz hatte ich tatsächlich darauf geschrieben. Er sollte aber gar keinen spezifischen Sinn haben, doch leider bekommt ja alles immer eine Bedeutung.“ Wie schwer es doch ist, etwas zu schreiben, dem nicht eine Bedeutung beigemessen wird. Und auf S. 106: „Museen interessieren mich nicht, weil ich an der Verbindlichkeit der Urteilsentscheidungen zweifle, dank deren all diese Bilder im Louvre sind, wo doch ebensogut andere Gemälde, die aber nie in Frage kamen, dort hätten untergebracht werden können.“ Das muß ich mir merken, falls mich jemand in ein Museum zerren will, an dem ich kein Interesse habe.  

Scherben
Das aufGetauchte U-Boot taucht aus dem Nebel auf [9].
Sommer cum laude


Links und Anmerkungen:

[1] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 360.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A4ulein
[3] Z.B. ist im 3. Buch Mose (Levitikus) im 24. Kapitel Vers 5a von „feinstem Mehl“ die Rede („Und du sollst feinstes Mehl nehmen und davon zwölf Brote backen – ...“).
[4] Zu den GenussDrogen zählen Alkohol, Kaffee, Tabak, Tee (den hatte er ausgelassen), Kakao, und die damals schwerer erhältlichen Guarana, Maté, Cola.
[5] Hermann Hesse: Der Steppenwolf. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1961, S. 226-227. Eine Marginalie zu: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/zweiundvierzig-42-1.html
[6] Sri Aurobindo: Der integrale Yoga. Rowohlt, Hamburg 1957/1975. ISBN: 3-499-45024-0. Zitat von S. 19.
[7] Johannes R.Becher: Als namenloses Lied. Gedichte von Johannes R. Becher. Verlag Philipp Reclam Junior, Leipzig 1981.
[8] Pierre Cabanne: Gespräche mit Marcel Duchamp. Galerie Der Spiegel, Köln 1972. Zitiert: von S. 76 und S. 106.
[9] Es handelte sich um ein russisches U-Boot. Siehe: An Encounter in the Baltic Sea  https://rheumatologe.blogspot.com/2024/07/an-encounter-in-baltic-sea.html

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Monday, March 25, 2024

Rose Ausländer – Ein Leben in die WortWelt hinein

 



Die Gedichte von Rose Ausländer begleiten mich schon seit Jahrzehnten, wahrscheinlich hat mich besonders die Verdichtung angesprochen. Balladen haben mir nie so viel geben können, wie das kurze Gedicht. Das ist einer der Vorzüge des Haiku, obwohl auch dies seinen Ursprung in der lange langen Renga-Dichtung hat [1].

Warum habe ich mich jetzt, erst jetzt oder sogar schon jetzt entschlossen, über Rose Ausländer zu schreiben? Ich habe den Film „Der Traum lebt mein Leben zu Ende - Das Leben der Dichterin Rose Ausländer“ von Katharina Schubert [2] gesehen. Ich wollte früher schon über Rose Ausländer und andere LyrikerInnen der Bukowina schreiben, dachte aber, ich sollte die Landschaft und Czernowitz erst besuchen. Ein solcher Besuch muß aber auf unbestimmte Zeit verschoben werden, denn wegen des Krieges geht es nicht mehr. Die Gefahr ist dort zwar geringer als in Kiew, das ca. 500 km entfernt liegt, aber man hat Binnenflüchtlinge aufnehmen müssen. Und dann kam noch Meerbusch ins Spiel, und zwar über die Fähre von Kaiserswerth nach Meerbusch-Nierst, die bei einem Bezug zum Rhein im Film zu sehen war. Außerdem hatte ich gerade Ulysses von James Joyce gelesen und da steht [3]: „BLOOM Aurora borealis oder eine Stahlgießerei?“ Ich hatte es einmal in Meerbusch genau umgekehrt erlebt, da war einmal eine Aurora borealis (rot) zu sehen und ich dachte, es wäre der Lichtschein einer Stahlgießerei in Duisburg. So merkwürdig es klingt, aber ich schreibe gerade über Rose Ausländer (u.a.), weil James Joyce zum 16.06.1904 etwas über eine Aurora borealis eingefallen war.

Der Film ist sehenswert. Ich fand auch auch Bilder von Orten, die ich kenne. Das jüdische Viertel, das später zum Ghetto wurde, sieht ähnlich aus wie die Überreste in Odessa. Die Landschaft sieht aus wie im Buch von Anatoliy Babiychuk (Анатолій Бабійчук) über Horaivka (Гораївка) [4]. Da ich in der Ukraine mehr in Städten unterwegs war, jedoch durch die Ukraine im Zug gefahren bin, war mir das Buch von Anatoliy Babiychuk eine gute Ergänzung. Horaivka liegt in der Mittelukraine, etwa 80 km nordöstlich von Czernowitz. Der Autor und Fotograf zeigt mehr die Menschen im dörflichen Alltag, allerdings auch Landschaft.
Der Film wird der Person Rosa Ausländer gerecht. Es ist nur wenig Bild- und Filmmaterial zur Dichterin vorhanden, aber die Interviews mit Helmut Braun, dem wesentlichen Verleger der Dichterin, konnten dieses Problem gut überbrücken. Ich habe viel Neues erfahren, als was ich aus Kurzbiografien oder dem Wikipedia-Eintrag bislang erfahren hatte.

Nähern wir uns der Region Bukowina. Rosa Ausländer schrieb: „Grüne Mutter / Bukowina / Schmetterlinge im Haar“ [5]. Die Bukowina (ukrainisch Буковина, polnisch Bukowyna), Bukowina) ist eine historische Landschaft nordöstlich der Karpaten, die im Deutschen auch  Buchenland genannt wird. Ich stamme aus dem Vorort Buchforst in Köln und so hat Buchenland für mich eine romantische Färbung, so ähnlich wie das Auenland in Herr der Ringe. Die Bezeichnung Bukowina ist auf die k. u. k.-Monarchie / Österreichisch-Ungarische Monarchie zurückzuführen, während dieser Zeit wurde das Gebiet mit dem Zentrum Czernowitz so verwaltet [6], wobei das Wort schon viel früher geprägt worden war. Heute liegt der nördliche Teil in der Ukraine und der südliche Teil in Rumänien. Historisch aber war die Stadt, was wir heute multikulti nennen, denn es herrschte Kultur- und Sprachenvielfalt. Ich wage zu behaupten, daß sich dies positiv auf die Vielzahl von DichterInnen bzw. LyrikerInnen ausgewirkt hat. Mir sagen aus der langen Liste [6] nur etwas:
    Paul Celan (1920–1970) – für mich immer noch ein Superstar [7]
    Alfred Kittner (1906–1991) – Briefwechsel mit Rose Ausländer
    Alfred Margul-Sperber (1898–1967) – ist mir ein Begriff wegen „Ins Leere gesprochen“ [8]
    Selma Merbaum (1924–1942) – starb 18ährig am Fleckfieber, ihr Werk zählt zur Weltliteratur [9]
    Moses Rosenkranz (1904–2003) – sein Buch „Bukowina“ zeigt auf dem Titel eine Karte, er wurde fast 99 Jahr alt [10]
     Immanuel Weissglas (1920–1979) – er schrieb das Gedicht ER [11], die Todesfuge von Paul Celan gilt als Antwort auf dieses Gedicht.

Mich hatte Rose Ausländers Gedicht „In Memoriam Chane Rauchwerger“ besonders berührt, da es vom Hungermarsch durch Transnistrien berichtet, durch das ich mit der Eisenbahn gefahren bin. In Transnistrien kamen fast alle verschleppten Juden an Hunger, Kälte oder Mord um. Es ist im Gedicht auch vom Wunderrabbi von Sadagora die Rede. Da hatte ich einen Bezug zu Paul Celan, der sich als „aus Czernowitz bei Sadagora“ in einem Gedicht in „Die Niemandsrose“ [12] bezeichnete. Wer war nun der Wunderrabbi? Es war Israel Friedmann von Ruschyn (1797-1850) [13], nach dem die Synagoge von Sadagora benannt wurde [14], die im 2. Weltkrieg erheblich beschädigt wurde und erst 2026 restauriert worden ist. Schon nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Bedeutung des Wunderrabbis und des Ortes ab. Rose Ausländer in dem Gedicht [15]: „...  o weiser Wunderrabbi von Sadagora / Chane Rauchwerger glaubte an dich / wo warst du / damals / wo war dein Wunder“. Das Problem solch einer Lebensgeschichte ist der richtige Zugang und ich weiß ihn nicht, einerseits erklärt sie viel, aber manchmal will man zu viel mit ihr erklären und wird der Dichterin nicht gerecht.

Rose Ausländer (geb. 11.05.1901 in Czernowitz, Österreich-Ungarn, gestorben 03.01.1988 in Düsseldorf;) wurde als Rosalie Beatrice Scherzer) geboren. Sie lebte in Österreich-Ungarn, Rumänien, den USA, Österreich und Deutschland [16]. In den 1960iger Jahren reiste sie viel, besonders in Europa, aber auch in die USA und nach Israel. Ob sie in Düsseldorf angekommen, ist möglich, aber auch unsicher, da sich ihr Bewegungsumfang nach einem Oberschenkelhalsbruch immer mehr einschränkte und sie ab 1977 bettlägerig war. Davor hatte sie eigentlich immer mit gepackten Koffern gelebt. Sie fühlte sich mehr so zu Hause wie in der Kindheit. Rose Ausländer:
„Mein Vaterland ist tot / sie haben es begraben / im Feuer // Ich lebe / in meinem Mutterland / Wort“ [17]. In den Jahren 1949-1956 schrieb sie nur auf Englisch; da habe ich noch nicht von gelesen, aber das werde ich nachholen.
Hier noch einige Daten:
1921 Auswanderung nach New York zusammen mit Ignaz Ausländer
1923 Heirat mit Ignaz Ausländer, Trennung 1926, Scheidung 1930
1927 ist sie acht Monate in Czernowitz, um die kranke Mutter zu pflegen, sie lernt Helios Hecht kennen
1928 Rückkehr in die USA, zusammen mit Helios Hecht
1931 Rückkehr nach Czernowitz, um die kranke Mutter zu pflegen
1935 Aberkennung der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft, Trennung von Helios Hecht
1941/1944 im Getto der Stadt Czernowitz
1946 Auswanderung nach New York
1948 erneute US-amerikanische Staatsbürgerschaft
1964 Übersiedlung nach Wien
1965 Düsseldorf
1971 Einzug ins Nelly-Sachs-Haus
1977 Abbruch fast aller Außenkontakte

Helmut Braun lernte die Dichterin 1975 kennen und verlegte ihre Gedichte in seinem Verlag, der später zu Fischer ging. Es war ein glückliches Zusammentreffen und ich ich bin der Überzeugung, daß wir weniger von Rose Ausländers Gedichten rezipiert hätten, wenn er nicht den Schritt auf sie zu gemacht hätte. Bertolt Brecht schrieb: „Aber rühmen wir nicht nur den Weisen, / Dessen Name auf dem Buch prangt!“ [18] Nun ja, Brecht hatte dabei an Laotse gedacht – und ich denke an Helmut Braun und danke ihm.

Was finde ich faszinierend? Rose Ausländer schafft es, ihre Gedicht aus dem ersten Einfall immer wieder neu zu sehen. Sie kürzt, stellt um, versucht dem einzelnen Wort den richtigen Platz zuzuweisen, um so das Gedicht zu verdichten, prägnanter werden zu lassen. Schließlich hat sie sich in ein Leben in der WortWelt hineingewagt. Ungeheuerlich! Ich hoffe, daß es nicht nur uns sondern auch ihr zum Nutzen war.




Literatur und Anmerkungen:
[1] Das fängt ja gut an – ein Blogpost zu Rose Ausländer und ich fange direkt mit einer Abschweifung an. Das Renga (
連歌) ist eine japanische Gedichtform, das Kettengedicht. Es werden Tanka aneinander gereit. Das Tanka (短歌, wörtlich kurzes Gedicht) besteht aus dem Hokku  mit 5-7:5 Silben und dem Matsuku mit 7-7 Silben. Aus dem Hokku entwickelte sich das Haiku (俳句). Zwischen Tanka und Haiku besteht außer der Länge noch der Unterschied, daß in der reinen Form das Haiku eine Verbindung zur Jahreszeit haben sollte. https://de.wikipedia.org/wiki/Renga   
[2] „Der Traum lebt mein Leben zu Ende - Das Leben der Dichterin Rose Ausländer“, ein Film von Katharina Schubert (Regisseurin). Laufzeit: 1:30 Std. Mit Booklet / Begleittext „Der Steinbruch der Wörter“ von Helmut Braun. ASIN ‏ : ‎ 394403600X. Man kann sich den Film aber auch auf Youtube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=EqYLWI_g3XA
[3] James Joyce: Ulysses. Übers. von Hans Wollschläger. Suhrkamp Verlag,  Frankfurt am Main 2001. ISBN: 9783518412985. S. 592.
[4] Anatoliy Babiychuk (Анатолій Бабійчук): Horaivka (Гораївка). Fotoedition, (Wien) 2018. ISBN: 9783902993571.
[5] Bukowina I. https://www.lyrikline.org/de/gedichte/bukowina-i-545 
[6] Ich bin hier etwas kurz und damit ungenau im geografisch-historischen Teil, aber bei Interesse kann man sich mehr und genauere Daten hier ansehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Bukowina 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Celan
[8] Alfred Margul-Sperber: Ins Leere gesprochen – Ausgewählte Gedichte 1914–1966. Rimbaud, Aachen 2002.ISBN 3-89086-792-8.
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Selma_Meerbaum-Eisinger
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Rosenkranz Moses Rosenkranz: Bukowina. Gedichte 1920–1997. Rimbaud, Aachen 1998. ISBN: 978-3-89086-828-8.
[11] Das Gedicht ER ist hier einsehbar:  
http://www.planetlyrik.de/immanuel-weissglas-poesiealbum-334/2017/12/
[12] Paul Celan: Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe, suhrkamp taschenbuch 3665.
Suhrkamp, Frankfurt am Main 2012. ISBN: 9783518456651. S. 135.
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Israel_Friedmann
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Chassidische_Synagoge_(Sadagora)
[15] Rose Ausländer: Schweigen auf deine Lippen. Späte Gedichte aus dem Nachlass. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1994. S. 120.
[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Ausl%C3%A4nder
[17] Mutterland http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/fka_neu/gedichte/articles/auslaender/index.php?text=mutterland
[18] Bertolt Brecht: Die Gedichte in einem Band. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004. ISBN: 3-518-02269-5. S. 660-663 (663).

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