Sunday, March 8, 2026

Altargesteck am Sonntag Okuli 2026



Der dritte Sonntag der Passionszeit wird auch Okuli [1] genannt. Die Bezeichnung geht auf die lateinische Fassung eines Psalm-Verses zurück: „Oculi mei semper ad Dominum“ [2]. Der Wochenspruch lautet: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ [3] 

Aber bleiben wir zunächst bei den Augen, denn in der Predigt in der Versöhnungskirche ging es um das 16. Kapitel der Genesis (1. Buch Mose). (Blätter! Blätter!) Dort geht es um die Kinderlosigkeit von Abrams Frau Sarai, die dazu führt, daß Abram mit Hagar Ismael zeugte. Diese Schwangerschaft führte zu einer Machtumkehr im Hause Abrams, denn Hagar schaute auf Sarai hinunter. Sarai behandelte Hagar hart, so daß diese floh, aber in der Wüste zur Umkehr bewegt wurde. Hagar sprach die Worte: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Interessanterweise wird für Okuli als Lesung aus dem Alten Testament empfohlen: „Und Ahab erzählte der Isebel alles, ...“ [4]. Das denke ich gleich an Kapitän Ahab. Und Herman Melvilles Roman „Moby-Dick“ aus dem Jahr 1851 beginnt mit dem Satz: „Call me Ishmael“ [5]. Aber was erfahren wir über Ismael in der Bibel? Er wurde mit seiner Mutter Hagar in die Wüste Paran vertrieben, dort nahm Hagar ihm eine Frau aus Ägypten. Im 25. Kapitel der Genesis erfahren wir, daß Abraham von Isaak und Ismael gemeinsam begraben wurde. Ismael selbst wurde 137 Jahre alt und seine Söhne „von Hawila an bis nach Sur, das östlich von Ägypten liegt, gegen Assur hin“ [6]. Im Islam zählt Ismael (إسماعيل) zu den Propheten und Stammvater der Araber. Zusammen mit seinem Vater Abraham bzw. Ibrahim (إبراهيم) hat er laut Koran die Kaaba in Mekka errichtet [7].

Der Text für die Lesung aus dem Evangelium trägt den Titel „Vom Ernst der Nachfolge“ steht im 9. Kapitel des Lukasevangeliums [8].  Die Textauszug beginnt mit: „Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.“ Er kulminiert in: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ Und endet mit: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Vielleicht will Jesus Christus uns einen Entscheidungskonflikt, ein Dilemma, aufzeigen. Wir müssen im Einzelfall selbst entscheiden, welchen Weg wir einschlagen.
Ich dachte gerade an die Zeile, die im Englischen so lautet: „Let the dead bury the dead“. Ich hatte Barry McGuire mit „Eve of Destruction“ [9] im Kopf, aber in dem Lied singt er: „You can bury your dead“. Er singt „Let the dead bury the dead“ in einem anderen Lied [10]. Mir gefällt aber „Eve of Destruction“ weitaus besser, gerade weil der Song nach 60 Jahren topaktuell ist.

In der Predigt in Kall ging es um die Speisung der 5000 [11]. Dabei waren übrigens nur die Männer gemeint und nicht die Frauen und Kinder, die sich dort auch noch aufhielten (Vers 10). Mit Bordmitteln war das Ziel der Speisung nicht zu erreichen –  „Nicht einmal Brot für 200 Silberstücke reicht aus, dass jeder auch nur ein kleines Stück bekommt!“ Die Predigt griff dies auf, daß wir immer mehr wollen. Jesus will, daß alle genug haben und als am Ende „zwölf Körbe mit den Resten von den fünf Gerstenbroten“ übrig bleiben, sollen ie gesammelt werden, damit nichts verdirbt. Wir erinnerten uns auch an die Geschichte von Joseph, der die Träume des Pharaos deutete, daß auf die sieben fetten Jahre sieben magere Jahre folgen sollten [12]. „Mehr“ (magis) trieb auch die Jesuiten an, die darunter aber verstanden, mehr zu tun, was Gott und den Menschen dient. Was die irdischen Güter angeht, ist das Mehr durch ein Genug zu ersetzen, denn dann hat jeder Teil an der Welt. Was war eigentlich mit den Fischen? Wo sind die geblieben? Alle vier Evangelisten berichten von dem Brotwunder, aber nur Markus erwähnt die Fische - „Und sie sammelten die Brocken auf, 12 Körbe voll, und von den Fischen“ [13].

Die liturgische Farbe ist Violett. Das Gesteck in der Versöhnungskirche stand abseits auf dem Altar, aber für 15 Personen reicht der Platz um den Taufstein völlig aus. In Kall stand eine Vase mit Tulpen auf dem Altar. Übrigens gab es vor sechs Jahren an Okuli noch ein Gesteck, aber keinen Gottesdienst mehr. So wie es aktuell ist, gefällt es mir besser.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/okuli/  
[2] Ps 25,15 [wörtlich: meines Augen immer zum Herrn; oder: Meine Augen schauen stets auf den Herrn]
[3] Lk 9,62
[4] 1. Kön 19,1–8(9–13a)
[5] https://www.gutenberg.org/files/2701/2701-h/2701-h.htm#link2HCH0001 
[6] 1. Mose 25,18 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Ismael 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.9  Lk 9,57–62 
[9] Barry McGuire - Eve Of Destruction 
https://www.youtube.com/watch?v=qfZVu0alU0I  
[10] Barry McGuire - Let The Dead
https://www.youtube.com/watch?v=iu1IYZVc99M  
[11] https://www.bibleserver.com/LUT.SLT/Johannes6 Joh 6,1-15  
[12] Bitte nachlesen: https://www.bibleserver.com/LUT/1.Mose41 1. Mose 41,1 ff.
[13] Mk 6,43



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