Monday, April 14, 2014

Die Ziehungsstelle Hamburg – Abteilung für Gewinnabwicklung


Ich habe wieder einmal Post bekommen. Das Schreiben ist auf grauem Recycling-Papier gedruckt, so wie man es vom Finanzamt, Versorgungsämtern oder Gerichten her kennt. Das soll für Seriosität sorgen. Aber wenn man genau hinsieht, dann endet die Seriosität schnell. Ich hatte vor etwa einem Jahr ein Schreiben von „Das Ziehungsbüro Passau – Abteilung für Gewinnabwicklung“ bekommen, das genauso aufgebaut war.
Man beglückwünscht mich. Ich erhalte heute meine Gewinnchance auf 100.000,00 Euro. Das soll meine Gier wecken und das Gehirn ausschalten. Warum dieser kostspielige Trick mit der Gewinnabwicklung. Wenn ich an einer Verlosung, an der ich nicht teilgenommen hatte, gewonnen hätte, dann hätte man mir doch einen Scheck zuschicken können. Also müsste der denkende Mensch schon an dieser Stelle den Fetzen in den Papierkorb werfen. „Unser Sekretariat hat die kostenlose Sonderleitung 0800 xxxxxxx soeben für Sie freigeschaltet. Zögern Sie nicht und melden Sie sich am besten umgehend.“ Das ist schon etwas kafkaesk, so wie in der Parabel „Vor dem Gericht von Franz Kafka: „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt.“ Und noch etwas fällt auf, wer schon ähnliche Texte in meinem Blog gelesen, weiß es wahrscheinlich, hier ist der berühmte Beschleunigungsfaktor, der ebenfalls das Denken ausschalten soll. „Ihr Anruf kann entscheiden, ob Sie 100.000 Euro verlieren ...“ – Geld, das ich nicht habe, kann ich auch nicht verlieren!

Dem Schreiben liegt eine Art von Scheck bei, der in Frakturschrift „Zahlungsverpflichtungsoption“ genannt wird. Das ist ein Begriff, den selbst Google nicht kennt, also auch nicht Wikipedia und schon gar nicht das deutsche Recht. Dann ist auch klar, warum dieser Neologismus in Frakturschrift daherkommt, damit man meint, es sei ein Begriff, den die deutsche Sprache bereits seit Jahrhunderten kennt. Tut sie aber nicht! Das Anschreiben und die Zahlungsverpflichtungsoption tragen Unterschriften in blauer Tinte. STOPP! Natürlich sind das keine Unterschriften, es sind gedruckte Namen mit Schreibschrift-Fonts. Man hätte auch jemanden einen Unterschrift machen lassen, aber ich glaube, dann wäre es auch einfacher, einen Betrug zu vermuten und einzuschreiten. Hier ist auch ein Unterschied zu Schreiben von offiziellen Stellen: da wird nicht mit blauer Farbe gedruckt! (Hoffentlich habe ich hiermit keinen Verbesserungstipp gegeben!)

Was will nun das Ziehungsbüro? Das ist unklar. Vielleicht ist es eine groß angelegte Suche nach möglichen Opfern für Werbekampagnen. Menschen, die bereit sind, diesen Blödsinn zu glauben, werden zu einem größeren Prozentsatz zum Kauf eines überflüssigen Artikels durch Werbung verlasst werden können.

Ich rate wieder einmal zur Vorsicht. Rufen Sie nicht an!

Hier der Link zu dem ähnlichen Blogpost „Das Ziehungsbüro Passau – Abteilung für Gewinnabwicklung“ http://rheumatologe.blogspot.de/2013/01/das-ziehungsburo-passau-abteilung-fur.html


2 comments:

  1. Habe heute das gleiche Schreiben bekommen von der "Ziehungsstelle Hamburg, Abt. für Gewinnabwicklung.
    Schade, die 100.000 E könnte ich gut gebrauchen ;-)
    Mich würde interessieren, was die davon haben? Wie kassieren die Knete damit? Es ist eine Hamburger Festnetznummer angegeben, die ich natürlich nicht angerufen hat. Wer weiß mehr? Mich würden die Hintergründe interessieren!

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    1. Vielleicht meldet sich einmal eines der Opfer hier ...

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