So ist aus deines heiligen Buches Schein
Gefallen denn ein Strahl in meiner Nacht,
In meines Herzens modergrauen Schacht.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Gefallen denn ein Strahl in meiner Nacht,
In meines Herzens modergrauen Schacht.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der dritte Sonntag nach Trinitatis [2] hat die Kernaussage: „Wagt umzukehren! Ihr könnt zurück, wenn ihr nur wollt.“ Der Wochenspruch lautet: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ [3]
Dazu paßte das Evangelium, daß wir in Köln lasen, nämlich die Geschichte um den Oberzöllner Zachäus, der auf dem Parament in Köln auf dem Maulbeerfeigenbaum abgebildet ist. Haben Sie sich auch schon einmal darüber gewundert, was das denn für ein Baum sein soll? Ich habe jetzt endlich einmal auf Wikipedia nachgeschaut und siehe, es ist klar, warum Zachäus auf diesen Baum stieg, schauen Sie sich das Foto an [4]. Kommen wir auf die Geschichte selbst von Zachäus [5] zurück. Jesus kam nach Jericho hinein und zog hindurch. Zachäus, der Oberste der Zöllner, wollte Jesus sehen, konnte es aber nicht wegen seiner kleinen Gestalt. Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum. Jesus sah ihn und sprach: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Die Menge murrte: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt.“ Zachäus aber bekehrte sich. „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Eigentlich wird der Text zum 14. Sonntag nach Trinitatis gelesen, wenn es um Dankbarkeit geht. Aktuell aber zeigt es, wie der Christus sucht, was verloren ist, um auch das zu retten.
Nach der Perikopenordnung steh das Evangelium für den dritten Sonntag nach Trinitatis im 15. Kapitel des Lukasevangeliums [6]. Es geht in diesem Kapitel um das Verlorene -: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn. Es geht aber auch um das Wiederfinden.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, daß der jüngere Sohn sich das Erbe auszahlen läßt und es in einem fernen Lande verliert. Während einer Hungersnot dort hat er sich, tiefer kann man wohl in der jüdischen Antike nicht sinken, bei einem Schweinezüchter als Hirte anstellen lassen und wollte gerne vom Futter der Schweine essen, doch niemand gab es ihm. Er bedenkt seine Situation und sagt zu sich: „ Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“. So kehrt er zurück und wird vom Vater freudig empfangen, der das gemästete Kalb schlachten und ein Fest feiern läßt. Der ältere Sohn kommt vom Feld und ärgert sich, daß der Vater für den Bruder ein Fest ausgerichtet hat. Dem Vater gegenüber kann er den Bruder nur als „deinen Sohn, der das Erbe mit Huren verprasst hat“ bezeichnen. Ich weiß, daß Lukas die Geschichte anders erzählt hat; aber das kann man selbst nachlesen. Der jüngere Sohn kommt sehr schlecht weg in der Geschichte, vielleicht sogar zu schlecht. Man kann heutzutage verschiedene Übersetzungen aufrufen und das habe ich für den Vers 13b getan. Da ist u.a. von „Saus und Braus“ die Rede, von Prassen und „liederlichem Leben“ die Rede [7]. All das hängt an einem Adverb, nämlich ἀσώτως (asōtōs), übersetzt: verschwenderisch [8]. In Vers 30 sagt der ältere Sohn: „Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Rechtlich gesehen war es nicht mehr das Gut des Vaters, denn es war möglich, das Erbe schon früher zu erhalten. Es war das Gut des jüngeren Sohnes, das er leichtfertig (? auch das wäre schon eine Interpretation) verschwendet hat. Stellen wir uns die Situation einmal vor. Da kommt der ältere Sohn vom Feld, fragt warum da ein Fest gefeiert wird und „weiß“, daß der jüngere Bruder sein Erbe mit Huren durchgebracht hat. Hier spielen Neid und Mißgunst eine Rolle. Der Titel hätte anstatt „Vom verlorenen Sohn“ auch lauten können: „Von den verlorenen Söhnen“. Der Vater hat beide Söhne zu sich, zu seinem Fest der Freude eingeladen, so daß auch die Titel „Die Freude des Vaters“ oder „Die Liebe des Vaters“ hätten gewählt werden können. Der Vater vergibt beiden, so daß ein neuer Anfang möglich ist.
Die Lesung aus dem Alten Testament war zugleich Predigttext und steht am Schluß des Texte, der dem Propheten Micha zugeschrieben wird [9]: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Micha stammte vom Lande, aus dem Dorf Moreschet im Südwesten von Jerusalem, und lebte um 740 v. Chr. Er war u.a. Zeitgenosse des Propheten Jesaja. Micha sprach sich gegen soziale Ungerechtigkeit und den Verfall der Religion aus, was man auch als Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch sehen kann. Im 3. Kapitel prophezeit er die Vernichtung Jerusalems („Darum wird Jerusalem zum Steinhaufen werden.“). Das kurze Buch Micha (sieben Kapitel) beinhaltet 19 Prophezeiungen. Auf die Drohung des nahenden Gerichtes fallen jedoch immer auch Worte der Heilszusage. Und am Schluß des 7. Kapitel könnte man sagen „Ende gut, Alles gut“ - es werden versöhnliche Töne angeschlagen. Micha beschreibt Gott als den Herrn, der seinem Volk trotz aller Sünden hinterhergeht, um es in unermeßlicher Barmherzigkeit, Geduld und Gnade selig zu machen. Unter Seligkeit kann man einen Zustand tiefsten Glücks und innerer Harmonie verstehen. Der Begriff beschreibt die vollendete Erlösung, ein Ruhen in Gott, Ziel einer lebenslangen Suche und Sehnsucht.
Nach der Perikopenordnung steh das Evangelium für den dritten Sonntag nach Trinitatis im 15. Kapitel des Lukasevangeliums [6]. Es geht in diesem Kapitel um das Verlorene -: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn. Es geht aber auch um das Wiederfinden.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, daß der jüngere Sohn sich das Erbe auszahlen läßt und es in einem fernen Lande verliert. Während einer Hungersnot dort hat er sich, tiefer kann man wohl in der jüdischen Antike nicht sinken, bei einem Schweinezüchter als Hirte anstellen lassen und wollte gerne vom Futter der Schweine essen, doch niemand gab es ihm. Er bedenkt seine Situation und sagt zu sich: „ Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“. So kehrt er zurück und wird vom Vater freudig empfangen, der das gemästete Kalb schlachten und ein Fest feiern läßt. Der ältere Sohn kommt vom Feld und ärgert sich, daß der Vater für den Bruder ein Fest ausgerichtet hat. Dem Vater gegenüber kann er den Bruder nur als „deinen Sohn, der das Erbe mit Huren verprasst hat“ bezeichnen. Ich weiß, daß Lukas die Geschichte anders erzählt hat; aber das kann man selbst nachlesen. Der jüngere Sohn kommt sehr schlecht weg in der Geschichte, vielleicht sogar zu schlecht. Man kann heutzutage verschiedene Übersetzungen aufrufen und das habe ich für den Vers 13b getan. Da ist u.a. von „Saus und Braus“ die Rede, von Prassen und „liederlichem Leben“ die Rede [7]. All das hängt an einem Adverb, nämlich ἀσώτως (asōtōs), übersetzt: verschwenderisch [8]. In Vers 30 sagt der ältere Sohn: „Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Rechtlich gesehen war es nicht mehr das Gut des Vaters, denn es war möglich, das Erbe schon früher zu erhalten. Es war das Gut des jüngeren Sohnes, das er leichtfertig (? auch das wäre schon eine Interpretation) verschwendet hat. Stellen wir uns die Situation einmal vor. Da kommt der ältere Sohn vom Feld, fragt warum da ein Fest gefeiert wird und „weiß“, daß der jüngere Bruder sein Erbe mit Huren durchgebracht hat. Hier spielen Neid und Mißgunst eine Rolle. Der Titel hätte anstatt „Vom verlorenen Sohn“ auch lauten können: „Von den verlorenen Söhnen“. Der Vater hat beide Söhne zu sich, zu seinem Fest der Freude eingeladen, so daß auch die Titel „Die Freude des Vaters“ oder „Die Liebe des Vaters“ hätten gewählt werden können. Der Vater vergibt beiden, so daß ein neuer Anfang möglich ist.
Die Lesung aus dem Alten Testament war zugleich Predigttext und steht am Schluß des Texte, der dem Propheten Micha zugeschrieben wird [9]: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Micha stammte vom Lande, aus dem Dorf Moreschet im Südwesten von Jerusalem, und lebte um 740 v. Chr. Er war u.a. Zeitgenosse des Propheten Jesaja. Micha sprach sich gegen soziale Ungerechtigkeit und den Verfall der Religion aus, was man auch als Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch sehen kann. Im 3. Kapitel prophezeit er die Vernichtung Jerusalems („Darum wird Jerusalem zum Steinhaufen werden.“). Das kurze Buch Micha (sieben Kapitel) beinhaltet 19 Prophezeiungen. Auf die Drohung des nahenden Gerichtes fallen jedoch immer auch Worte der Heilszusage. Und am Schluß des 7. Kapitel könnte man sagen „Ende gut, Alles gut“ - es werden versöhnliche Töne angeschlagen. Micha beschreibt Gott als den Herrn, der seinem Volk trotz aller Sünden hinterhergeht, um es in unermeßlicher Barmherzigkeit, Geduld und Gnade selig zu machen. Unter Seligkeit kann man einen Zustand tiefsten Glücks und innerer Harmonie verstehen. Der Begriff beschreibt die vollendete Erlösung, ein Ruhen in Gott, Ziel einer lebenslangen Suche und Sehnsucht.
Das Gesteck in der Versöhnungskirche hatte mich überrascht, auch wenn es genauso fern vom Geschehen lag, wie das bereits oben genannte Parament. Das Altargesteck war sehr bunt gestaltet und ist aus der Ferne kaum zu erfassen. Insbesondere dieses nette Detail einer gekünstelten Blüte, die ich vergrößert habe. Es war übrigens frisch und nicht angetrocknet. Als ich das Gesteck sah, dachte ich an A Coney Island of the Mind von Lawrence Ferlinghetti [10]:
„und was könnte sie sagen zur Mutter
nach all der Zeit die sie blau
in den Lümmelblumen lag
an diesem heißen Flußufer
wo Farne knickten in der stockenden Luft“
In Kall erwartete uns ein Altargesteck, daß auch aus der Distanz erhaben wirkte. Das Grün der aktuellen liturgischen Farbe tritt durch die blaßvioletten Blüten viel stärker hervor. Am Kölner Dom gibt es Details, die man niemals sehen kann, sie sind für Gottes Auge. Schön, daß wir mit diesem Gesteck unsere Augen erfreuen durften.
„und was könnte sie sagen zur Mutter
nach all der Zeit die sie blau
in den Lümmelblumen lag
an diesem heißen Flußufer
wo Farne knickten in der stockenden Luft“
In Kall erwartete uns ein Altargesteck, daß auch aus der Distanz erhaben wirkte. Das Grün der aktuellen liturgischen Farbe tritt durch die blaßvioletten Blüten viel stärker hervor. Am Kölner Dom gibt es Details, die man niemals sehen kann, sie sind für Gottes Auge. Schön, daß wir mit diesem Gesteck unsere Augen erfreuen durften.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 104-105. Am IV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/3-sonntag-nach-trinitatis/
[3] Lk 19,10
[4] „Die Maulbeerfeige (Ficus sycomorus), auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt, ist …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Maulbeerfeige
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,1–10
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.15 Lk 15,1–3.11b–32
[7] „und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“ Luther 2017
„und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.“ Luther 1912
„vnd daselbs bracht er sein Gut vmb mit brassen.“ Luther 1545
„indem er ausschweifend lebte.“ Elberfelder 1905
„und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben.“ Schlachter 1951
„Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch.“ Neue Genfer Übersetzung
„Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.“ Einheitsübersetzung 2016
„Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles.“ Gute Nachricht Bibel 2018
„Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Vermögen.“ Zürcher Bibel
[8] https://biblehub.com/luke/15-13.htm#lexicon Alles Griechische muss ich nachschlagen!
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.7 Mi 7,18–20
[10] Lawrence Ferlinghetti: A Coney Island of the Mind / A Far Rockaway of the Heart: Gedichte. Übersetzer Klaus Berr. Sammlung Luchterhand, München 2005. ISBN: 9783630620589. S. 21.
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