Sunday, November 1, 2026

Altargesteck zum 22. Sonntag nach Trinitatis 2026


In solcher Zeit
Ohn' Trost und Beten,
Dann mag zum Schutz bereit
Zu mir mein Engel treten,
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der heutige Sonntag ist der 22. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet: „Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.“ [3] Es geht um die Vergebung, die wir selbst empfangen, nicht anderen vorzuenthalten. Übrigens auch nicht uns selber. Deshalb sollten wir nicht zu kritisch in den Spiegel schauen, sonst sehen wir später (nach der „Schönheitschirurgie) so aus wie Jocelyn Alice Wildenstein oder Donatella Francesca Versace.

Der Text des Lesung trägt den Titel „Der rechte Gottesdienst“ und steht im Buch des Propheten Micha [4]. Da bezeichnet der Prophet die Unzufriedenheit Gottes mit dem Volk Israel als Rechtsstreit. Er weist auf die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten hin, wie Bileam standhaft gegenüber Balak (der König von Moab) blieb, der ihn drängte, Israel zu verfluchen, aber Bileam segnete Israel dreimal, und die Überquerung des Jordan hinter Schittim bis nach Gilgal (also ins gelobte Land), wo Josua die 12 Steine aufrichtete. Es geht bei diesen Beispielen um die Wohltaten, die Gott am Volk Israel getan hatte, das sich aber an Gott durch die Anbetung fremder Götter versündigt hatte. Das Volk Israel fragt sich, wie es Gott besänftigen könnte. Es werden unsinnig hohe Opfergaben genannt (1000 Widder). 10.000 Bäche von Öl und auch das Leben der Erstgeborenen. Aber damit würde man das Problem, der Abfall vom Glauben an die Barmherzigkeit Gottes, mit dem Problem selbst lösen wollen, denn Kinder wurden z.B. dem Moloch geopfert [5] und Kindopfer sind nicht Teil des alttestamentarischen Glaubens. Wir können uns also nicht freikaufen. Wenn man es so sieht, dann ist im Alten Testament bereits gesagt, was später u.a. über den Ablaß-Streit zur Reformation geführt hat. Die Stelle schließt mit: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Das Altargesteck in Kall bot wieder einmal einen prächtigen Anblick mit einem Dialog von Gelb und Violett, eingebettet in Grün, denn heute ist wieder Grün als liturgische Farbe angesagt.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未) [6].

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 150-152. Am XXIII. Sonntage nach Pfingsten. 
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/22-sonntag-nach-trinitatis/ 
[3] Ps 130,4
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.6 Mi 6,1–8
[5] Der Moloch wurde von den Ammonitern verehrt, die ihm Kinder geopfert haben. 3.Mose 18,21
[6] Das Performance-Kunstprojekt von Ai Weiwei dauerte über 600 Tage und war ein Protest auf die Entscheidung der Behörden, ihm das Recht auf Auslandsreisen zu entziehen. Das Projekt endete am 22. Juli 2015, als er seinen Reisepass zurückerhielt. 
https://www.theatlantic.com/entertainment/archive/2015/07/ai-weiwei-with-flowers/399275/  

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Haiku for National Haiku Writing Month – October 2026 Second Half

 


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 15th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our prompter this month has been Hazel Hall, who already had done so in 2017 and 2025 [3]. Thanks a lot for having prompted this month, Hazel! 


true lies 
fear is not an option 
still laughing 
~ Fear

the fire of 
van goghs sunflowers 
so delightful 
~ Delight

old women 
dressed black and rosary 
still longing 
~ Longing

both solemn 
the old church and forest 
but the kids play 
~ Awe

salty tears 
at our anniversary 
so much joy 
~ Joy

pondering 
about tomorrow's sorrow 
not today 
~ Sorrow

smokey 
after the BBQ 
and satisfied 
~ Smokey

rancid smell 
in the cramped metro 
must be summer 
~ Rancid

tibetan tea 
needs rancid yak butter for 
authenticity 
~ Rancid

the honeysuckle
is already withering 
but still fragrant
~ Fragrant

an invitation 
long time no see 
doggy's grey, too 
~ Inviting

a sharp gale 
hitting the limetree 
new shape 
~ Sharp

blue fruits 
on the prickly sloes 
no frost yet 
~ Prickly

long hike 
drenched and numb 
then just a kiss 
~ Numb

light wind 
above the rough landscape 
three eagles sail 
~ Rough 

climbing 
the steep rock 
rough edges help 
~ Rough

the spider in its' 
silken and sticky web 
the art of waiting 
~ Sticky



Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5 
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/hazel-hall 

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Altargesteck zum Reformationsfest 2026



Keiner weiß wohin – und das ist unsere Rettung!
Christian Lehnert [1]
 

Mittlerweile wird in Eifel wie auch Köln Halloween gefeiert; und da ich sehr spät in die Eifel zurückkehrte, hatte ich natürlich die kleinen Hexen etc. verpaßt, aber der Gottesdienst in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide war mir wichtiger. Der Gottesdienst zum Reformationsfest 2026 stand unter dem Motto „Reset / Hoffnung“. Der Wochenspruch lautet: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ [2] Das ist natürlich die Grundlage, auf der Paulus die Rechtfertigung allein durch den Glauben aufbaut. „Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.“ Und: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ [3] Der 31. Oktober ist als Gedenktag der Reformation gedacht. Er erinnert daran, daß Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen oder vielleicht richtiger, aber weniger griffig, seine Kritik an der Praxis der Bußtheologie der Kirche, insbesondere dem Verkauf von Ablässen, „an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll“ [4]. Ob das Annageln der 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg historisch ist, darf bezweifelt werden, denn erst 1540 wird dies erstmalig erwähnt [5]. Man nimmt an, daß die Thesen am 31.10.1517 unter dem Titel „disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“ [Disputation zur Klärung der Kraft der Ablässe] an mehreren Wittenberger Kirchen durch Anschlag veröffentlicht worden sind; ein Anschlag auf eine kritikwürdige Glaubenspraxis! Die 95 Thesen Martin Luthers [6] behandeln Einzelheiten zum Verkauf von Sündenablässen, so z.B. „36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.“ Oder, wer erinnerte sich nicht bei „86. Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?“ an Franz-Peter Tebartz-van Elst [7], der die Bischofsresidenz prunkvoll renovieren lassen wollte. Allerdings muss man vorsichtig sein, denn die „freistehende Badewanne (15.000 Euro)“ [Duravit-Badewanne von Philippe Starck] hat sicherlich nicht 15.000€ gekostet (wahrscheinlich das gesamte Badezimmer), aber Schreinerarbeiten für 350.000€ lassen sich auch sehen. Insgesamt sind die Thesen von Luther selbst als Hinweis auf Reformen verstanden worden, ein Schisma war nicht geplant, allerdings unausweichlich. Philipp Melanchthon, Huldrych Zwingli und Jean Calvin sollte ich in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Jean Calvin und Huldrych Zwingli haben übrigens weitaus stärker eine Konfrontation in Kauf genommen; übrigens auch mit Luther.

Als Evangeliumslesung hörten wir die Seligpreisungen aus der Bergpredigt [8] – wenn ich die auswendig hersagen sollte, würde ich so herumdrucksen, wie Mark Twain es im Buch Tom Sawyer beschrieben hat, darum habe ich es nachgelesen, was ich hiermit nur empfehlen kann. 

Vor der Predigt sangen wir „Ein neuer Angang liegt bei Gott“ [9]. Darin heißt es „Gott nimmt Dir das ab, / gießt Gold in Deine Narb' - / und Du kannst einfach leben.“ Das erinnerte mich an Kintsugi. Bei dem japanischen Kintsugi (
金継ぎ) flickt man mit goldhaltigem Lack zerbrochene Keramik [10]. Das Teil wird nicht nur wieder funktionsfähig, es gewinnt auch an Wert. Wenn Gott also Gold in narben gießt, dann führt das nach meinem Verständnis zu mehr als „einfach leben“, das zeigt Gott, wie sehr er uns liebt und wertschätzt. Und das sagt auch der Predigttext [11]: „Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.“ In dem Text geht es um „Menschenfurcht und Gottesfurcht“. 

Das Altargesteck war einmal frisch gewesen, aber immer noch künstlerisch konzipiert, wobei violette Töne überwogen, obwohl die liturgische Farbe von Grün auf Rot gewechselt hatte.
 



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] Christian Lehnert: Cherubinischer Staub. Gedichte. Suhrkamp, Berlin 2018. ISBN: 978-3-518-42819-1. S. 61.
[1a] Annette von Droste-Hülshoff hat natürlich kein Gedicht zum ReformationsTag geschrieben. 
[2] 1. Kor 3,11
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.3 Röm 3,21–28
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/reformationsfest/ 
[5] Der Thesenanschlag wird erstmals in einer Bearbeitungsnotiz zum Neuen Testament Luthers Sekretär Georg Rörer ca. 1540 verschriftlicht; diese Notiz wurde allerdings erst 2006 gefunden. 
https://de.wikipedia.org/wiki/95_Thesen 
[6] Die 95 Thesen Martin Luthers kann man sich auch herunterladen:
https://www.ekiba.de/media/download/variant/55130/95_thesen.pdf 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Peter_Tebartz-van_Elst 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.5 Mt 5,1–10(11–12)
[9] „Ein neuer Angang liegt bei Gott“, ein Text von Elisabeth Rabe-Winnen zur Melodie von „Ein feste Burg“.
[10] Kintsugi 金継ぎ von 金 Gold und 継ぎ flicken; also diese mit goldhaltigem Lack geflickte Keramik. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kintsugi  
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.10 Mt 10,26b–33 insbesondere Vers 31

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