Flexinol – „das Gel, das zum
Wirksamsten zählt, was die Natur hervorgebracht hat.“ Ja, schon der Anfang ist beschämend.
Die Natur produziert keine Gele in Tuben! Flexinol ist ein Name, der an ein
Medikament erinnert, das Beweglich und schmerzfrei machen soll. Aber der
Vertreiber sagt selbst: „Flexinol ist kein Medikament, …“. Sie merken schon,
mir ist wieder einmal ein Flyer unter die Hände gekommen.
Ich könnte mir auch den folgenden
Text sparen, denn Flexinol wurde früher als NovoSilica und davor als
ArtroSilium Plus verhökert. Über ArtroSilium hatte ich aber schon berichtet
[1]. Flexinol® ist übrigens ein besonders dünner Spezialraht aus
einer Nickel-Titan-Legierung von Dynalloy, Inc. – vielleicht handelt es sich bei
dem Gel Flexinol um den unrechten Gebrauch eines geschützten Produktnamens,
aber das habe ich Dynalloy, Inc. empfohlen zu prüfen.
In dem Faltblatt heiß es: „Der
natürliche Reparatur-Komplex dringt zielgenau durch das Gewebe in die
betroffenen Gelenke ein.“ Wie soll das nur geschehen, denn zunächst einmal ist
da die Haut, und dann wird das, was durchgekommen ist von Blut und auch
Lymphflüssigkeit abtransportiert.
Wir werden dann mit sieben
„medizinischen Fakten“ eingelullt.
1. „Flexinol liefert Ihren
Gelenken die 3 wichtigsten Gelenknährstoffe Chondroitin, Glucosamin und
Grünlippmuschelextrakt,…“. Chondroitin und Glucosamin werden schon lange
vermarktet, schauen Sie einmal hier: [2]. Zu Grünlippmuschelmusschel ist am
besten der Blogpost zu Pernadol [3].
2. Extrakte aus Wiesenkönigin,
schwarzer Johannisbeere und Teufelskralle sollen „Entzündungen, Rheuma und
Gelenkverformungen“ stoppen, denn „Flexinol bekämpft Entzündungen
ganzheitlich“. So ist die Werbung, wenn man sie nicht mittels Gesetzgebung
reglementiert, sie behauptet einfach, ohne den Nachweis zu erbringen.
3. „Lässt Schmerzen verschwinden,
von Arthrose über Muskelkater bis Hexenschuss!“ Das soll durch „organisches
Silizium“ und Weihrauch-Öl bewirkt werden. Den blöden Übersetzungsfehler aus
dem englischen hat man immer noch nicht korrigiert. Mit organic bezeichnet man im Englischen, wofür wir bio nehmen. Völlig idiotisch in
Zusammenhang mit Silizium. Weihrauch soll entzündungshemmend wirken. Diese
Wirkung findet aber nur im Reagenzglas statt [4].
4. Verstauchungen, Prellungen,
Verletzungen soll man behandeln können. Kein Nachweis über eine Studie, die in
PubMed gelistet wäre.
5., 6., 7. Lymphstau,
Krampfadern, Juckreiz, Hautgeschwüre, Altersflecken … sollen behandelt werden
können. Dafür gibt es keine Belege, wie auch?
Dann wird mit dem Bild von einem
Bergkristall geworben: „Ein Bergkristall aus Silizium, Symbol für Festigkeit
und Stabilität!“ Ein Bergkristall ist aus Quarz, also der Siliziumverbindung
Siliziumdioxid. Bei Flexinol geht es aber um Kieselsäure.
Dann fällt mein Blick auf die Gesundheitsberaterin
Margarethe Kaiser. Das ist mir eine Beraterin, die keine Spuren im Internet
hinterlassen hat! Dafür hat das Solinger Tageblatt aber über eine Margarethe
Kaiser berichtet [5]; ob die beiden eine Person darstellen oder ob es so eine
Person überhaupt gibt, kann ich nicht sicher sagen. Die Gesundheitsberaterin
Margarethe Kaiser wird in dem Faltblatt mit einem Bild gezeigt. Da trägt sie
einen Kittel über einem grünen Rollkragenpullover und hat sich ein Stethoskop
umgehängt. Wenn Sie hier auf meinem Blog schon ein wenig gelesen haben, dann
deutet so ein Stethoskop an, dass Sie über den Tisch gezogen werden sollen.
Wenn Sie jetzt brav und schnell
bestellen, dann erlässt man Ihnen gnädig das Porto. Aber Sie bezahlen für die
„1-Monats-Kur Flexinol“ 39,50 €. Wieso Monatskur? Es wird eine Tube geschickt.
Monatskur klingt einfach besser.
Würde ich so bescheuert sein und
mir von der Gesundheitsberaterin Margarethe Kaiser Flexinol andrehen lassen?
Nein! Niemals!
Links:
[2] http://rheumatologe.blogspot.de/search?q=Chondroitin
und http://rheumatologe.blogspot.de/search?q=Glucosamin
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