Thursday, February 15, 2018

Der Reisepass, die Glühbirne und der Abfluss des Waschbeckens


Vorgestern hatte ich Urlaub und plante, einen neuen Reisepass zu beantragen, denn für einen Urlaub in diesem Jahr waren zu wenig freie Seite im Pass und die Gültigkeit war auch zu kurz. Die Passbilder hatte ich schon zusammengesucht, aber dann fehlte der Reisepass. Ich hatte ihn verlegt – und mit ihm auch den internationalen Impfpass.

Wenn man etwas sucht, kann ein Appartement zu Größe des Weltalls bekommen, die das Raumschiff Enterprise auf ihrer Forschungsreise durchquerte. Ich fand den Reisepass nicht, aber ich sortierte bei der Suche 60-70 kg überflüssiges Papier aus. Danach wirkte das Appartement allerdings noch größer. Außerdem sortierte ich überflüssige Reiseutensilien aus, wie Einmalzahnbürsten, Schlafmasken usw.

Gestern in aller Frühe machte ich den Fehler, im Bad das Licht einzuschalten. Es gab einen Kurzschluss und mein Appartement war ohne Strom. Ich ging ins Treppenhaus, um die Sicherung wieder einzuschalten, aber man (wer?) hatte den Stromzähler und Sicherungskasten mit einer Schraube verschlossen. Ich suchte im Dunkeln eine Taschenlampe und dann einen Schraubenzieher. Dann wollte die Sicherung nicht und dann aber doch und ich konnte ich Schummerlicht der Diele meine Morgentoilette erledigen. Ich dachte gestern Morgen: sich nicht Schminken zu müssen hat eindeutige Vorteile. Allerdings auch Nachteile, wobei ich mich nicht an der Rasierklinge geschnitten hatte.

Gestern Abend nun hatte ich Schraubenzieher, Taschenlampe und Glühbirne zurechtgelegt, die Lampe dann geöffnet und wollte nach dem Wechsel der Glühbirne die Lampe wieder mit dem kleinen Schräubchen verschließen. Da passierte es! Die Schraube fiel ins Waschbecken und in den Ausguss.
Nun gut – ich schraubte den Verschluss des Beckens auf, was ich mir hätte sparen können, denn die Schraube war tiefer gefallen. Ich räumte das Schränkchen unter dem Waschbecken aus – was ich da alles fand … Ja, und dann öffnete ich das Abfluss-U. Ich fand das Schräubchen – Hurra! Ich verschloss das U-Rohr und dann wollte ich das Abflusssieb wieder anschrauben. Ich hatte einen Mehrfachschraubenzieher im Taschenmesserformat. Die lange Schraube passte nicht mehr ins Gewinde. Schweiß stand mir auf der Stirn.
Da sagte mir – Denken schadet auch bei manuellen Tätigkeiten nicht. Das Licht der Taschenlampe reichte nicht! Ich verschloss den Ausguss mit einem Stopfen, damit die Schraube nicht noch einmal da hineintrudeln konnte. Ich holte einen richtigen Schraubenzieher und machte mich wieder an die Lampe. Aber es funktionierte nicht! Die Schraube ließ sich nicht festdrehen!

Ich fasste den Entschluss, eine gnadenlose Analyse des Problems durchzuführen. Danach fasste ich einen weiteren Entschluss. Ich drehte die Schraube in die Gegenrichtung – und es klappte. Wahnsinn! Wenn man die Schraube in die richtige Richtung dreht, dann fasst sie auch und man kann sie festziehen. Das machte ich nach der Reparatur der Lampe (ich weiß – es muss Leuchte heißen, aber wir sind hier nicht im Fachhandel) auch mit dem Abflusssieb. Und auch das klappte!

Beflügelt von den Erfolgen im Badezimmer und lauthals lachend, dachte ich mir, jetzt kannst du auch den Reisepass finden. Ich wählte die Orte aus, wo er überhaupt nicht sein konnte und fand ihn dort innerhalb von zwei Minuten.

Fazit:
1. Das Universum dehnt sich aus – jedenfalls erscheinen Räume größer, wenn man etwas sucht.
2. Denken ist von unermesslichem Nutzen.
3. Wenn man bei der Suche nach einem Ding andere Dinge findet, die man nicht mehr benötigt, sofort wegwerfen.
4. Die richtige Drehrichtung bei Schrauben zu benutzen, ist sehr, sehr hilfreich.
5. Man findet Dinge immer dort, wo sie überhaupt nicht sein können.

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