Wednesday, November 28, 2012

Schmilzt weißer Tee Fett?


Wie komme ich auf diese abstruse Frage? Selbstverständlich über die Rubrik „Gesund & fit“ von Bild der Frau (Ausgabe 45/2012, S.46). Dort wird behauptet „Weißer Tee schmilz Fett“. „Wer viermal täglich weißen Tee trinkt nimmt auch ohne Diät ab.“ Schauen wir uns dies einmal genauer an.

Zunächst einmal, ich habe gar nichts gegen weißen Tee. Ich habe mir früher in China selbst diesen Tee gekauft (白茶), aber ich fand seinen Geschmack, verglichen mit Oolong (乌龙茶) oder Tie Guan Yin (铁观音), eher weniger gut. Wissenschaftliche Studien zu Erkrankungen und zur Übergewichtigkeit gibt es, aber sie sind nicht sehr zahlreich und es handelt sich mehr um Ausblicke, was sein könnte, als dass man harte Fakten erfahren könnte. Ich glaube, dass die Inhaltstoffe von grünem, schwarzen und weißem Tee günstig sind, um freie Radikale zu binden, ich wende mich nur gegen die Mystifizierung einer Teesorte als Wunder-mittel.

Ob Epigallokatechin-3-gallat (EGCG) beim Menschen den Effekt hat, den es bei Mäusen hat, bleibt noch zu beweisen. Anders als im Bild der Frau Artikel beschrieben, würde EGCG nicht den Fettabbau aktivieren sondern die Fettaufnahme blockieren (siehe: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21932846). Eine britische Studie sieht einen Nutzen in einem Extrakt aus Tee (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21736785), allerdings sahen die Autoren den Bedarf dies in einer größeren Studie zu beweisen. Zusammenfassend könnte EGCG denjenigen unterstützen, der sein Gewicht reduzieren will, aber die Effektstärke ist völlig unklar. Und warum der Stoff nun aus weißem Tee stammen muss und nicht aus jeder anderen Sorte grünen Tee bleibt auch unklar.

„Vitamin C aus dem weißen Tee braucht der Körper ...“. Nein, die Menge an Vitamin C, die der Teeaufguss enthalten kann ist verschwindend gering. Sie nehmen mehr Vitamin C durch frisches Gemüse und Obst auf.

Koffein aktiviert den Stoffwechsel. Ja, da stimmt. Besonders günstig ist Koffein sogar vor Sport. Aber warum dann nicht eine Tasse Kaffee oder Schwarztee, denn die enthalten mehr Koffein.

Die Behauptung der Fettbindung über Saponine und auch EGCG stimmt, aber die Menge nicht. Wieviel Fett soll denn durch die geringe Menge im Tee gebunden werden???

Nun wird noch Mangan ins Spiel gebracht. „Besonders manganreiche Lebensmittel sind Schwarzer Tee, Weizenkeime, Haselnüsse, Haferflocken, Sojabohnen, Leinsamen, Heidelbeeren und Roggenvollkornbrot“ (Quelle Wikipedia, zitiert: Cem Ekmekcioglu, Wolfgang Marktl: Essentielle Spurenelemente: Klinik und Ernährungsmedizin. Springer, 2006, ISBN 978-3-211-20859-5, S. 148).

Trinken Sie weißen Tee, wenn er Ihnen schmeckt, aber das mystische Wundermittel zur Gewichtsreduktion ist er sicherlich nicht. Tee ist gesund, nicht nur der weiße Tee, Sie können auch aus anderen Teesorten Nutzen ziehen. Der „Hype“ wird Sie nur zum Kauf von überteuertem Tee veranlassen.


3 comments:

  1. Wenn Fett verschwinden soll ist das wohl kaum mit einem Tee zu schaffen. Eine Ausgewogene Ernährung und Bewegung helfen ungemein dabei. Halten wir uns an diese Grundregel sind wir häufiger glücklich und das hält uns „jung“. Und den Tee egal welche Sorte genießen wir einfach.
    Grüße Ulrike

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  2. Also erstmal danke für dieses Wissen.
    Aber ich kenne wirklich einen Tee, der die Verdauung fördert, darüber hinaus den Appetit hemmt, und auch Koffeinhaltig ist, und zwar mehr als in einem normalen Energy-drink.
    Der schöne Tee nennt sich Yerba Mate, kann ich nur empfehlen

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  3. Mate wird in Argentinien sehr ungesund genossen, nämlich übermäßig heiß - das fördert Mund- und Speiseröhrenkrebs -, und dazu stark gezuckert. Aber das muss man ja nicht nachmachen. Mate ist ein angenehmer Tee. Gesundheitlich unbedenklich ist er allerdings nicht, besonders der traditionell über Rauch getrochnete Tee ist reich an polyzyklischen Kohlenwasserstoffen, die ihrerseits krebserregend wirken können.

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