Tuesday, July 16, 2013

Panaceo, ein weiterer Mythos enttarnt


Gestern stellte mir eine Patientin ein Produkt vor, das ihr empfohlen worden war. Panaceo Med. Es besteht aus dem Vulkanmineral Klinoptilolith. Das Heilmittel wird als Medizinprodukt vertrieben, vielleicht, weil es sonst im Garten- und Teichbau oder in Katzenstreu verwendet wird. Bisweilen kommen ähnlich Produkte auch als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt.
Die Werbung ist geschickt gemacht, denn sie sagt nicht, dass Panaceo Med hilft, sondern, dass es eingesetzt wird, z.B. „zur Entlastung der Leber und des Magen-Darm-Traktes, im Kampf gegen Schwermetalle, innere Schadstoffe, freie Radikale, gegen Übersäuerung durch Regulation des Säure-Basen-Haushaltes, bei Krankheitsbildern in Zusammenhang mit oxidativen Stress, wie Arterienverkalkung, Diabetes und Schädigungen der Nervenbahnen wie bei Alzheimer und Parkinson usw“, und man weist darauf hin, „dass zum jetzigen Zeitpunkt solche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien, die entsprechende Wirkungen des Präparats den gesetzlichen Vorschriften entsprechend ausreichend belegen, nicht vorliegen.“ Da könnte ich mich jetzt zurücklehnen und dem Schicksal freien Lauf lassen.
Aber das Präparat ist nicht preiswert. Hier habe ich gerade ein Angebot für 38,90 € für 180 Kapseln, davon soll man in den ersten 3 Wochen 9-12 und danach 6-9 Kapseln einnehmen. Bei durchschnittlich 9 Kapseln am Tag entspricht das 700 € im Jahr. Da sollten wir noch einmal genauer hinschauen.
Studien zur Wirkung am Menschen liegen keine vor. Man findet in PubMed einige Studien bei Tieren. Zum Beispiel: „Effects of clinoptilolite treatment on oxidative stress after partial hepatectomy in rats.” – also eine Studie, bei der man Ratten teilweise die Leber entfernt hat. In meinen Augen ist die Studie bereits ein Fall für die Ethikkommission. Da hat der Vertreiber also Recht, geeignete Studien liegen nicht vor.
Es ist nicht einsehbar, dass ein Präparat, das in Form von Kapseln in Umlauf gebracht wird, nach dem Medizinproduktegesetz genehmigt wird. Da ärgert man sich wie der Drogenfahnder, der Drogen als Badezusatz im Handel findet. Warum handelt das Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nicht? Wahrscheinlich will man eine Kommission einsetzen.
Von Panaceo, Klinoptilolith, Panalit, Zeolith als Heilmittel rate ich ab.

Link:


21.11.2016:
Gerade bekomme ich eine Packung "Lavavitae Zeolith detox" gezeigt. Das kostet schlappe 480 € im Jahr für ein fragwürdiges Wirkprinzip.


23.11.2016:
In der Zwischenzeit hat sich jemand anonym gemeldet, der eine Studie gefunden hat. Tja, diese Studie ist aber 2 Jahre nach diesem Blogpost veröffentlicht worden. Die Studie finden Sie hier: www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4617723/ (1.Studie). Zur Entlastung der Leber und des Magen-Darm-Traktes usw. gibt die Studie an gesunden Männern und Frauen allerdings keine Auskunft. Man fand eine Verminderung von Zonulin und eine Tendenz für eine Erhöhung von IL-10 in der Zeolith Gruppe. Alle anderen Parameter zeigten keine Änderung. The Autoren endeten mit der Formel: „Further research is needed to explore mechanistic explanations for the observations in this study.” Weitere Studien sind notwendig. Interessanterweise sieht man bei Ratten unter Ausdauertraining eine Erhöhung von Zonulin; siehe: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26423686. Aus dieser 2. Studie folgt, dass eine Studie (1. Studie), die gleichzeitig eine unklare Maßnahme (wieviel Training führten die einzelnen Männer und Frauen denn durch?) beobachtet, die einen Wert vermehrt, und eine andere, die den Wert vermindert, nicht verlässliche Ergebnisse liefern kann.
Den Autoren der ersten Studie ist die begrenzte Aussagekraft auch bewußt:
„First, we did not conduct food recording towards the end of the study to assess nutrient intake for a second time.”
“Second, the number of valid biomarkers we used to estimate intestinal barrier integrity was limited.”
“Third, the determination of an enteric bacteria profile and a microbiome analysis would be useful to correlate such analyses to changes in our outcome measures.”
Ich sehe weiterhin keinen Grund, meine Meinung zu ändern. 
Der Zuschreiber kann sich gerne äußern, dann allerdings nicht anonym und vielleicht auch nicht mit ehrenrührigen Äußerungen.

 




4 comments:

  1. Danke für den Artikel und den Link!

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  2. Bei meiner Suche nach einigermassen seriös wirkenden Informationen zur Wirkung/Wirksamkeit von Klinoptilolith bin ich u.a. bei Ihrem Blog gelandet. Leider sind die meisten Funde Hurra-Propaganda von umtriebigen "Gesundheits"-Vertrieblern. Bei aller gebührenden Skepsis gegenüber der Wundermittelpropaganda: SO gut ist der verlinkte Artikel in der PZ auch nicht: über den erwähnten Prof. Karl Hecht liesse sich mit etwas Akribie sicherlich mehr finden, als dass er sich in einer eher esoterisch, denn wissenschaftlich zu verortenden Publikation geäussert hat. Lt. Wikipedia hat der Mann über 500 Arbeiten veröffentlicht, vermutlich in anderen Organen als dem in der PZ erwähnten. Aber der gute Professor ist ja bereits emeritiert (ist das bei Wissenschaftlern der Eintritt in die Kauzigkeit, an der Schwelle zur Demenz?); dazu passt dann, dass er sich zu der waghalsigen Hypothese(!) versteigt, Schadstoffe, Lärm und Elektrosmog führten bei Menschen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Zugegeben, Elektrosmog ist auch so ein Thema, leider wird dies Feld seitens der angewandten Wissenschaft den Esoterikern & Scharlatanen kampflos überlassen.
    Weiter geht meine Kritik an dem PZ-Artikel im Absatz "Rechtliche Einordnung": es wird eine Studie an Milchkühen erwähnt, die vermutlich die Grundlage für das unter Punkt 6 der Literaturliste aufgeführte EFSA-Gutachten liefert. Diese Studie müsste man lesen, um die erwähnten Feststellungen "erwünschter positiver Einfluss auf den Calciumspiegel (jedoch) auch eine Hypophosphatämie sowie erheblich erhöhte Aluminiumwerte im Serum" bewerten zu können. Immerhin findet sich im Literaturnachweis der Hinweis auf die Verwendung synthetischen NaAl-Silikats. Ob dies von DAB-Qualität gewesen sein mag....war ja nur für Kühe. Aber das ist zynische Polemik. Auch bei Klinoptilolith natürlichen Ursprungs sind unterschiedliche Reinheiten bzw. Begleitmineralien nicht unwahrscheinlich.
    Interessant & lesenswert: bei meiner Internetsuche nach "Klinoptilolith" + "Aluminium" stiess ich auf einen Brief von eben jenem Prof. Karl Hecht, den dieser offenbar als Antwort auf eine Zuschrift in der ominösen Publikation "Zeit & Raum" geschrieben hat; eben zu dem Thema Klinoptilolith und Aluminium. Hier der Link: http://www.froximun.de/uploads/media/Prf._Hecht-201304171637.pdf

    Full bloom
    The seed is ripening
    Taste the fruit

    Mit freundlichen Grüssen
    Hubertus Goerke

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  3. Als Therapeut sollten Sie wissen, dass bei einem Medizinprodukt Unbedenklichkeit und Wirkung jährlich nachgewiesen werden müssen. Sonst verliert der Hersteller den Medizinprodukte-Status. Die Wirkung von Panaceo Klinoptilolit auf das Leaky-Gut-Syndrom ist nachgewiesen. Es gibt genügend pratische Erfahrung. Das Ihnen als Therapheut das nicht schmeckt, weil Panaceo frei erhältlich ist, kann man verstehen.

    mfg. Peter Berger, Köln.

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    1. Die Unbedenklichkeit als Medizinprodukt steht überhaupt nicht zur Debatte. Man sollte vielleicht erst einmal Existenz des sogenannten Leaky-Gut-Syndrom nachweisen, bevor man therapiert. Praktische Erfahrung ist trügerisch, weshalb man Studien durchführt. Woher wollen Sie eigentlich wissen, was mir schmeckt und was mir nicht schmeckt?
      https://en.wikipedia.org/wiki/Leaky_gut_syndrome
      http://www.quackwatch.com/01QuackeryRelatedTopics/fad.html

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