Monday, July 29, 2013

Vorteile des Telefons



Ich bin ein Verfechter des altmodischen Telefons. Es hat nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. Ja, beruflich habe ich ein Handy, aber nicht privat.
Hier zunächst einmal ein Bild von dem Objekt, über das wir uns gleich unterhalten werden:


So sieht also mein Telefon aus. Für die jüngeren Leser: so sieht ein Telefon aus. Die meisten Menschen kennen doch nur Handy und Smartphone.
Ich liste einmal Nachteile und Vorteile auf.


Nachteile:
• Dieses Telefon weist eindeutig ästhetische Mängel in Design und Farbgebung auf; vulgo: es sieht scheiße aus.
• Ja, nix mehr.

Vorteile:
• Es hat keine lange Schnur, also bleibt es am Ort und man wird nicht verführt, beim Kochen, im Bett, am Schreibtisch, auf der Toilette usw. zu telefonieren, denn das geht nur soweit die Schnur reicht.
• Es hat einen einigermaßen schweren Hörer, also telefoniert man nicht so lange, insbesondere, weil man den Hörer ans Ohr drücken muss und das ist auf die Dauer unbequem.
• Es hat weder Fax noch Anrufbeantworter. Wenn man also nicht erreichbar sein will, ist man auch nicht erreichbar. Nichts wird aufgezeichnet. Das wird die NSA ärgern.
• Es hat eine Wählscheibe und keine Wahlwiederholung. Man muss also einigermaßen bei der Sache sein, um anzurufen, oder man ruft erst gar nicht an. Das erspart anderen Menschen überflüssige Telefonate.

Die Vorteile überwiegen also ... jedenfalls in meiner subjektiven Wahrnehmung. Warum bin ich also gegen Handys?
Handys kamen als Fortschritt und wir haben nicht bemerkt, dass sie uns das Kostbarste nehmen, das wir haben, nämlich Zeit. Es wird sehr viel mehr telefoniert und man könnte nun meinen, dass dadurch mehr Sozialkontakte hergestellt werden. Auf der Ebene des wieder einmal Kontakt Habens vielleicht, aber wahrscheinlich leiden unsere direkten Kontakte darunter. In der Zeit des altmodischen Telefons wurde weniger telefoniert, dafür fanden aber häufiger Zusammenkünfte von Großfamilien und Freundeskreisen statt; hier muss ich mich selbst zur Vorsicht aufrufen – das liegt nicht nur am Telefon.
Mit dem Handy ist man jeden Tag und rund um die Uhr erreichbar. Es vermindert die Zeit der Muße, der Pause und insbesondere der Ruhe. Laufend kann eine Ruhephase unterbrochen werden. Im Arbeitsleben kann das auch dazu führen, dass man in seiner Freizeit auf Abruf unbezahlt zur Verfügung steht. Das wird in sozialen Berufen gerne ausgenutzt. Welche OP-Schwester sagt denn bei der Notfall-OP am Samstagabend ab, wenn der reguläre Dienst ausgefallen ist oder im 2. OP schon parallel arbeitet? Und wenn sie nun Samstagabend auf einem schönen Fest ist – ohne Handy? Dann wäre sicherlich eine andere Lösung gefunden worden.

Ich kann nun nicht versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Wenn Sie ein Handy haben, dann hilft nur rigoroses Ausschalten. Halten Sie Abstinenzzeiten ein! Gönnen Sie sich mehr Ruhe!
Vielleicht bekomme ich aber bald eine neue Telefonnummer, so eine mit einem H hinten dran, wie es jetzt bei Oldtimern am Nummernschild üblich ist.

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