Wednesday, May 21, 2025

LYRIK-Taschenkalender 2014 23. KW 21.05.2025


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2014 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2025.


23. KW
Wolfgang Hilbig: bahnhof


GrauTiere
    keine Spuren
Im
Staub
Keine
Mäuse
Nur eben
    Die
Leisen WollMäuse

„von wo kein zug abfährt“ -: „Quoth the raven: 'Nevermore'“.

Ich saß einmal abends auf dem Bahnhof in MönchenGladbach fest. Ich war mit der Deutschen Bahn n einem GrünDonnerstag unterWegs und verpaßte den AnSchluß. Der nächste Zug ging erst am nächsten Morgen – um 04:15 Uhr. Ich ging in eine Bar, aber die schloß um 01:00 Uhr, da KarFreitag ein stiller Feiertag ist. Ich ging dann zurück zum Bahnhof, aber der war abGeschlossen. Ich fand einen Fahrradkeller mit ausKühlende Heizung; irgendWann war sie kalt. Ein Mann, eine FahrradKette schwingend, kam herein. Offensichtlich wahr ich in seinem SchlafZimmer. Ich ging hinaus und irgendWann machte der Bahnhof auf. Im eisKalten, zugigen WarteSaal, bibberten NachtGestalten. Nie wieder war ich so froh, in einem Zug zu sitzen. Und dann fuhr er auch noch nach Köln.

EinMal war ich in Wales im Zug unterWegs. Selbst der ZugFührer wußte nicht, ob wir noch nach Swansee gelangen würden, denn dort wollte ich auf die Fähre nach Irland.

Geruch der WarteSäle
Ich denke oft an die Gerüche der Deutschen Bahn und British Rail zu früheren Zeiten, als sie noch ein Abenteurer des SchienenStranges [1] war.

Glas
    der Teufel
Aber
Reicht
Dir
Ein
Sauberes
Glas
Mit
Einem
Herrlichen
Trank
Und
Du sagst
    Ja
Zur Hölle   
 

23. KW
Kommentar: Silke Scheuermann   


Schwarze DampfLok, Ruß, Rauch, WasserDampf, Pfeifen und kreischende Bremsen. Dafür haben wir heute unPünktliche Bequemlichkeit.

Bahnhof ist vielleicht ein Euphemismus für NachtAsyl.  

KopfBahnhöfe

Anhalter Bahnhof oder die Bahnhöfe in Paris? Man mußte immer quer durch die Stadt.

Der Rabe -: einmal eine Zeitschrift, kein MärchenTier.

„von wo kein zug abfährt“ -: wie Neo in dem Bahnhof, aus dem er nicht fortkommt. [2]

KopfBahnhöfe haben etwas von FriedHöfen. Schließlich war Auschwitz auch ein KopfBahnhof.






Links und Anmerkungen:

[1] Es war natürlich nicht so wie in Jack Londons Erzählung „Abenteurer des Schienenstranges“ [1a], aber ich war zu Studienzeiten viel mit Interrail [1b] unterwegs.
[1a] https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteurer_des_Schienenstranges  
[1b] https://de.wikipedia.org/wiki/Interrail
[2] In dem Film „Matrix Revolutions“ ist Neo in einem Bahnhof (Mobil Ave-Station) zwischen der MaschinenWelt und der realen Welt gestranded. https://www.matrix-architekt.de/revolutions/kapitel-01-woistneo.shtml  

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Sunday, May 18, 2025

Altargesteck für Kantate 18.05.2025

 


Der heutige Sonntag wird Kantate („singt!“) genannt [1]. Singen zieht sich durch die gesamte Bibel [2]:
    ·  Es „sangen Mose und die Kinder Israel“
    ·  „Da sangen Debora und Barak“
    ·  „Singet Gott, lobsinget seinem Namen“
    ·  „ich will Psalmen singen im Geist“
und viele weitere mehr, besonders natürlich in den Psalmen.
Auch wir sangen im Gottesdienst, u.a. das Lied „Du meine Seele, singe“ von Paul Gerhardt [3]. Es ist das Lied Nr. 302 im evangelischen Gesangbuch, das bald in einer Überarbeitung erscheint. Hier hat es acht Strophen, aber in einem Gesangbuch aus dem 18. Jahrhundert fand ich zehn Strophen (Bild siehe unten). Wir hätten gerne mehr drei Strophen gesungen, es hätten auch nicht alle acht sein müssen.
Der Wochenspruch lautet: „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ [4]

Das Evangelium für den Sonntag behandelte die Stelle, in der Pharisäer Jesus auffordern, seine Jünger zum Schweigen zurecht zu weisen und er aber antwortet: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden
die Steine schreien.“ [5] Vielleicht kann man es auch so sehen, wenn Katastrophen wie Feuer oder Krieg uns zum Schweigen bringen, werden die Steine oder Trümmer zum Himmel schreien.

Viel positiver ist der Predigttext, der die Geschichte von „Paulus und Silas im Gefängnis“ [6]. Die beiden sitzen fest in dem Teil, den man heute Hochsicherheitstrakt nennen würde. Sie jammern nicht, sondern beteten und lobten Gott. Es kam ein Erdbeben -: „Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.“ Der Kerkermeister wollte sich schon ins Schert stürzen, aber als er sah, daß die Gefangenen noch da waren, führte er sie hinaus und ließ sich und die Seinen taufen „und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.“ Wichtig an dieser Geschichte ist die Zweckfreiheit des Gesangs oder Gebets von Paulus und Silas, denn sie beten nicht, daß man sie aus dem Gefängnis, sondern sie lobpreisen Gott. Der Kerkermeister will sich in der Dunkelheit ins Schwert stürzen und auf den Ruf von Paulus, daß noch alle Gefangenen da wären, läßt er davon ab und Licht bringen. Im Licht aber findet er zum Glauben.

Das Altargesteck ist prächtig und fröhlich gestaltet, man meint fast ein Loblied darin zu erblicken, das man anstimmen kann. Danke dafür!



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/kantate/  
[2] 2 Mose 15,1; Ri 5,1; Ps 68,5; Eph 5,19 – hier gäbe es noch viel zu entdecken.
[3] Paul Gerhardt (1607-1676) "war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter."
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt
[4] Ps 98,1  - noch ein Zitat mit „Singen“.
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.19 Lk 19,37–40
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.16 Apg 16,23–34

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Friday, May 16, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 16.05.2025

 



灞原風雨定,
晚見雁行頻。
落葉他鄉樹,
寒燈獨夜人。
灞上秋居
。
馬戴
。
Nachdem sich Regen und Wind gelegt haben,
Sehe ich abends eine Formation Wildgänse vorbeiziehen.
Blätter fallen vom Baum in diesem fremden Land,
Kalt und einsam ist mir die Nacht trotz Lampe.
Die Herbsthütte in Bashang
Von Ma Dai [1]


Blauer Himmel
    der blaue
Himmel
Spielt
Pazifischer
Ozean
Und
Setzt
Einige
InselGruppen
Mit
Wolken
Hinein
Ich aber
    Träume
Einfach weiter

Der Himmel
    der Himmel
Über
Berlin [2]
Ist
Vernarbt
Von
Kondensstreifen
Aber
Otto sanders
Macht
Aus ihm
Einen
Besonderen Himmel

Tod
    nie verMag
Der
Tod
In
Einen
Spiegel
Blicken
Vielleicht
Dreht
Sich
Der
Spiegel
AnGewidert
Weg
Oder
Er  
Sähe
Sich selbst
    Und
Stürbe vor Scham

Laute
    die kehligen
Laute
des
MarktSchreiers
Aber
Da
Waren
Noch etliche
    Gläser
SelbstGebrannter dabei

BeGradigungen
    Straßen, Ge-
Wässer
Nasen
Werden
BeGradigt
Alle
Nase
Lang
Wären
Sie
Nur
BeGnadigt
Zu bleiben
    Wie
Sie sind  

Nie so
    nie so
Werden
Wie
Die
Eltern
Und
Wir
Alle
Werden so
    Mehr
Oder weniger

Leben
    das Leben
Ist
TreppenSteigen
LeiternSteigen
AufZufahren
PaterNoster
Auf
Und ab
Auf
Und
Ab, auf
Und
Ab
Diese Hypnose
    Von
Einem Leben

Marias Haar

    das Haar
Von
Maria
War
ErGraut
Als
Sie
Unter
Dem
Kreuz
Stand
Man
Sah
Es
Nur nicht
    Unter
Dem Kopftuch

Antworten
    das Buch  
Der
Antworten
Auf
Fragen
Die
Nie
Jemand
GeStellt
Hat
Und
Wir
VerStehen nicht
    Eine
Dieser Antworten

Blick
    ein Blick
Auf
Das
ZerFurchte
GeSicht
Die
Selbst
GeDrehte
Zigarette
Zwischen
VerGilbten
Fingern
Und
Dazu
Geräusche
Die seinen
    AufGedunsenen
Leib verLassen

ErdbeerFelder
    in den
ErdbeerFeldern
Unten
In
Der
Ebene
Ist
Es
Heiß
Und
Schwül
Und trotzdem
    Locken
Die Früchte

Nacht
    die Dunkelheit
ÜberFällt
Dich
Und
Die
Stille
Wird
Tiefer
  Dunkler
    UndurchDringbar
Das
Herz
Schlägt
In
Den
Ohren
Um die Wette
    Mit
Der Angst

Uhu
    vom Wald
Her
War
Der
Uhu
Zu
Hören
Aber
Der
Wolf
Heult
Nicht
Zieht schweigend
    Am
Dorf vorbei

Stille
    in den
Tonleeren
Ohren
Pulst  
Das
Blut
Das
Leben
Ruht
Und
Die
Nacht stülpt
    Dunkelheit
Über Stille


 


Links und Anmerkungen:
[1] Von Ma Dai (馬戴) wissen wir nur wenig. Es gibt auch nur einen Eintrag auf Chinesisch in Wikipedia. Wahrscheinlich lebte er von 799-869. Zwei seiner Gedichte stehen in der Kompilation 300 Gedichte der Tang-Zeit. Die Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1705 enthält allerdings zwei Bände seiner Gedichte.
Bashang (灞上) lag wahrscheinlich im Osten von Xi'an (西安). Vielleicht, wo heute ein Teegarten ist, aber dann hätte es auch vor etwa 1200 Jahren nicht zu sehr in der Wildnis gelegen.
[2] Das ist jetzt nicht ganz gerecht gegenÜber Bruno Ganz als Damiel und Solveig Dommartin als Marion, wenn ich Otto Sander als Cassiel hervorhebe, aber so ist es nun einmal. Der Himmel über Berlin ist ein Film von Wim Wenders aus dem Jahr 1987.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Himmel_%C3%BCber_Berlin   

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Thursday, May 15, 2025

LYRIK-Taschenkalender 2014 22. KW 15.05.2025

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2014 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2025.


22. KW
Markus R. Weber: Horror Vacui / LEONARDO / Splendor Vacui (Auszug)


VerMessen / Vom Messen
Von hier bis dahin
Sind es x Meter
Von dahin bis dorthin [1]
Sind es y Meter
Und immer weiter
VerMessen
Die Welt verMessen
Und immer noch
Ist ein Stück mehr da
Von der Welt
UnVermessen

Strudel -:oder Maelstrom
Vortex -: oder schwarzes Loch

Nicht für alles gibt es Gleichungen, aber UnGleichungen findet man zuHauf.

Mit Angst und Verlangen -: mit Angst und Würde

Sehr schön -: „er ging +++“.

Da richtet einer die Augen auf einen Stern. Den Stern von Bethlehem, wir kennen die Geschichte. Dem Stern, der zu Gedichten führt. Der Stern, dessen RotVerschiebung uns Geschwindigkeit verMittelt . Der Stern, dessen kaltes Licht man messen kann.

WiederGeburt -: man legt den Toten in die GrabesHöhle und er verLäßt die Höhle durch den MutterMund.
 
Wandeln
    lasse mich
Noch
Eine
Weile
Wandeln
Mit
Nackten
Füßen
Auf
SteinBoden
Oder
LehmBoden
Ja -: LehmBoden
Aus
Dem
Lehm
Aus dem
    Das
Leben ist  
 

22. KW
Kommentar: Michael Braun   

 
Die Vermessung der Welt (Kehlmann [2]) steht doch nicht in meinem Bücherschrank, aber immerhin habe ich den Film zu gesehen. (Das schrieb ich 2023. Das Buch habe ich vor zwei Monaten bekommen, aber noch nicht gelesen.)

UnVeröffentlichtes Poem -: dann kannte es Daniel Kehlmann wahrscheinlich genauso wenig wie ich.

Das VerMessen und Katalogisieren von SchneeFlocken [3], weil man meint, sie würden Informationen (natürlich geheime Informationen) über die Welt entHalten.

Die Hybris der Aufklärung. Oder die Hybris der Wissenschaft. Dr. Walter Bishop wurde sich dessen bewußt [4].

Der Kommentar von Markus R. Weber zum Gedicht Endstelle von Barbara Köhler [5] hatte mich nicht überzeugt, das Gedicht hier von ihm gefiel mir allerdings.






Links und Anmerkungen:

[1] Hier, da. dort sind eher aquí, allí, allá (Spanisch) oder ここ、そこ、あそこ [koko, soko, asoko] (Japanisch), also hier, da/dort und da/dort drüben.
[2] Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2023. ISBN: 978-3-499-01322-5. 
[3] 江本 勝 Emoto Masaru

https://www.planetmountain.com/en/news/environment/dr-masaru-emoto-and-the-hidden-messages-in-snowflakes.html  
[4] „Fringe – Grenzfälle des FBI“ (englischer Originaltitel: Fringe). Eigentlich hätte ich mich schon längst über den deutschen Titel echauffieren müssen https://de.wikipedia.org/wiki/Fringe_%E2%80%93_Grenzf%C3%A4lle_des_FBI  
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/12/lyrik-taschenkalender-2014-02-kw.html

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Haiku for National Haiku Writing Month – May 2025 First Half

 


National Haiku Writing Month has been founded by the well known haiku poet Michael Dylan Welch. The goal is to write at least one haiku a day. National Haiku Writing Month is in its 14th year. [1] I enjoy writing to the prompts on Facebook. Here are some interesting links: [2]. Our daily writing prompter for May 2025 is Andrea Piscitelli Narciso, who already had been providing prompts for May 2017, June 2023, and May 2024 [3]. Thank you very much, Andrea!

故人西辭黃鶴樓,
煙花三月下揚州。
孤帆遠影碧空盡,
惟見長江天際流。
送孟浩然之廣陵
。
李白
。
At the Tower of the Yellow Cranes in the West I say goodbye to my old friend,
Amidst the blossoms of March, he heads downstream to Yangzhou.
Far away the lonely sail disappears into the blue of the sky,
Until only the Yangtze and the horizon can be made out.
A Farewell to Meng Haoran on the Way to Guangling
By Li Bo (Li Bai) [4]




with love potion
into the tunnel of love
why withou you?
~ Tunnel Of Love

walden pond
literature transforms it
golden pond
~ Golden Pond

golden pond
full of stumphole whiskey
toxic beauty
~ Golden Pond

golden pond
sunshine instead of moonshine
still romantic
~ Golden Pond

pictures of lily
to get you through the night
who'd be so silly
~ Monet’s Water Lilies

blue dragonflies
above the water lilies
this world is art
~ Monet’s Water Lilies

long goodbyes
and the train's whistle
colors in monochrome
~ Long Goodbyes

you don't need
a big yellow taxi
to travel in your mind
~ Big Yellow Taxi

life offers
so many beautiful moments
not security
~ Security

bodygards don't dream
of electric sheep
and ai-ee-ai-ee-aiii ...
~ Bodyguard [5]

stepping stones
across the old pond
covered in moss
~ Stepping Stones

golden lotus
dancing like the wind
so sad, so sad
~ Cinderella’s Slipper [6]

cherry blossoms
dark red and ripe cherries
not forgetting the taste
~ Happy Endings

the baby smiles
Mona Lisa smiles
and you, too
~ Mona Lisa’s Smile

high school
slow dance
swaying & swooning
~ Slow Dance

in blue and white
feeling the dancers
no video
~ Degas’ Dancers

the blackbird sings
into the spring evening
without stage fright
~ Stage Fright

blue irises
with one lonely white one
bleeding
~ Van Gogh’s Ear

ya debe ser mayo
no de La Oreja de Van Gogh
pero podría ser
~ Van Gogh’s Ear [7]






Links and Annotations:
[1] National Haiku Writing Month https://www.facebook.com/NaHaiWriMo  
[2] „To help with haiku fundamentals, please have a look at "Becoming a Haiku Poet" at https://www.graceguts.com/essays/becoming-a-haiku-poet. Please review the "Haiku Checklist" at https://www.graceguts.com/essays/haiku-checklist. I also recommend to read: https://www.nahaiwrimo.com/why-no-5-7-5
[3] https://www.nahaiwrimo.com/meet-the-prompters/andrea-piscitelli-narciso-2023 BTW, Andrea previously prompted under the name Andi Nicks.
[4] Li Bai (李白), I prefer the pronunciation Li Bo, is, along with Du Fu (杜甫), the star of Tang poetry. At some point, I vowed to read and translate more of his poems. Thirty-four of his poems are included in the compilation 300 Poems of the Tang Period (唐詩三百首). Twenty-five volumes of his poems were preserved in the compilation Complete Poems of the Tang Dynasty (全唐詩). Li Bo lived from 701 to 762. His birthplace is in present-day Kyrgyzstan near Tokmok, the ancient Suyab, very far to the west. I was able to visit the area twice. He wrote in a distinctive, romantic style with a great deal of freedom, spontaneity, and defiance of convention. I usually only include a few lines of his poems, but this one is short, and some time ago I've hung up a piece of calligraphy that Mr. He Ming-zhen (贺明真) had created for me 30 years ago in Xi'An (西安).
[5] Ready for some shivers, goosebumps and/or tears?
https://www.youtube.com/watch?v=3JWTaaS7LdU

[6] Referring to a poem by Su Dongpo (1036-1101) on lotus feet or golden lotus (金蓮), which is the Chinese euphemism for the custom of foot binding (纏足).  Su Dongpo (蘇東坡) is in China better known as Su Shi (蘇軾).
[7] it must be may already / not by La Oreja de Van Gogh / but it could be
La Oreja de Van Gogh (English: "Van Gogh's Ear") is a pop band from San Sebastián, Basque Country, Spain.
https://en.wikipedia.org/wiki/La_Oreja_de_Van_Gogh  
My favorite album is "Guapa" (2006), but the first line alludes to a song from 2016 (Tan Guapa)

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Wednesday, May 14, 2025

Sammelsurium (278) 14.05.2025

 


RückSchau
725 [1]
Die Chinesische Hauptstadt ist die größte Stadt der Welt; „daneben blühen Konstantinopel [Byzanz] und später Bagdad“. Chang’an (長安) und nicht Beijing (北京) war damals Hauptstadt. Die Stadt lag einige Kilometer nordwestlich vom heutigen Xi’an (西安). Bonifatius fällte die Donars-Eiche bei Fritzlar.

ParallelUniversum
Dieser Tage fuhr ich abends von Köln in die Eifel und sah schon von der A553 einen Zeppelin, den ich auf der A1 von noch näher vom Rastplatz aus bewundern konnte. Ich hatte mir in den letzten Wochen wieder einmal Folgen von Fringe [2] angesehen, in den Zeppeline im ParallelUniversum auftauchen. Außerdem erinnerten mich kahle Fichten an den „blight“ (Seuche).

Kiefern
Ich las gerade zufällig in verschiedenen Gedichten über Kiefern.
"The grave yard with its umbrella pines …" [3]
"In the fetid womb of black air under pines in summer" [4]
Was haben die Kiefern den beiden angetan? Ganz anders Gary Snyder:
"Worn night, / the lee of twisty pines - / high jets crossing the stars" [5] Oder aus einem Gedicht von Han Shan in seiner Übersetzug: "The pine sings, but there's no wind."

Besudeln
Nicht Schlamm, RübKraut, TomatenSoße, ErBrochenes besudeln den Menschen so sehr wie hassErfüllte Rede oder eine Art von Mitleid, die einen leiden läßt.

Die leere Kirche
Die leere Kirche - ein möglicher Ort zu Stille, Kontemplation oder es fällt leichter, Gottes Nähe zu spüren. Dann sollen aber die Kirchen nicht nur zum GottesDienst oder Messe offen sein. Die Kirchen stehen leer. Man sollte sie nicht verschließen, wenn man mehr Menschen in ihr haben will.

Fremde Zunge
In dem Gedicht „La coperta del letto“ [Die Bettdecke] erzählt Roberto Pazzi [6] die Geschichte von seinem Freunde Bruno, der als Kind in einer Sprache redete, die es nicht gab und dem es gefiel, daß die Passanten ihn für einen Fremden hielten. Ich ging als Junge mit einem meiner Brüder und einem Freund in Texel auf dem Muschelweg und wir wurden von Deutschen angesprochen, wir antworten: „Jachte Jajute jajing“ [jedes J wie ch in Bach], so daß sie uns für Niederländer hielten.  

Vom RunterSchlucken und AusSpucken
Deinen Ekel oder das BeleidigtWerden selbst sollst du nicht runterSchlucken, spuck es aus. Du mußt ja nicht gleich jemanden anSpucken.  

GottesNähe erZwingen
Du hast sicherlich gedacht, wenn du nur genug auf dem rauen Boden der Kirche auf den Knien herumRutscht, dann würdest du näher zu Gott gelangen. Nun hast du Schwielen über den Knien und kannst von vorn beginnen.
 
Steine
”無名無姓黑暗之石,狂歡突破兀立的時辰。“
[Der namenlose, formlose schwarze Stein, der ekstatisch durch die senkrechte Zeit kracht.] [7]
„Ich wollte einfach nur hier sein und nichts tun, das Leben eines Steins führen.“ [8]

Steinfeld (Eifel)
In Steinfeld traf ich auf eine HochzeitsGesellschaft. Ich dachte bislang, daß es nur in OstEuropa üblich wäre, mit so hochHackigen Schuhen herumZulaufen. Aber auch hier. OriginalZitat: "M'r donn jetz schon d'r Föß wih." [9]

Scherben
Keine aufgesammelt. Auch nicht in Steinfeld.




Links und Anmerkungen:
[1] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 376.
[2] „Fringe – Grenzfälle des FBI (englischer Originaltitel: Fringe) ist eine US-amerikanische Fernsehserie mit Mystery- und Science-Fiction-Elementen, welche von J. J. Abrams, Alex Kurtzman und Roberto Orci ...“. Fringe bedeutet Randzone, Grenzbreich; die Fersehserie spielte teilweise in einem Paralleluniversum, in dem alles so ist wie hier nur mit kleinen Unterschieden. https://de.wikipedia.org/wiki/Fringe_%E2%80%93_Grenzf%C3%A4lle_des_FBI  
[3] Wystan Hugh Auden (1907–1973) war ein englischer-amerikanischer  Schriftsteller. https://de.wikipedia.org/wiki/W._H._Auden    
W. H. Auden: Collected Shorter Poems 1927-1957. Vintage Books, New York 1975. ISBN: 0-394-72015-6. „An Island Cemetry“. S. 248/249.
[4] Sylvia Plath: Collected Poems. Edited by Ted Hughes. faber & faber, London, Boston, 1989. ISBN 0-571-11838-0. „Mystic“. S. 268/269.
[5] Gary Snyder: No Nature - New and Selected Poems. Pantheon, New York & San Francisco 1993. ISBN: 978-0679742524. S. 24. Gary Snyder: Danger on Peaks. Poems. Shoemaker Hoard, o.O. 2005. ISBN: 978-1-59376-080-9. S. 37.
Han Shan (寒山) ist bei uns im Westen gerade durch Gary Snyder bekannt geworden. Die Zeichen bedeuten "kalter Berg". Es handelt sich um einen vagabundieren Poeten der Tang-Zeit; und so wundert es nicht, daß er Pate stand für Jack Kerouacs "The Dharma Bums". Han Shan wanderte durch die Wälder, lachte viel, meditierte in der Natur und schrieb Gedichte auf Fels und Baum. Eng verbunden war er dem Guo Qing Kloster/Tempel (国清寺). Das Kloster stammt aus dem ausgehenden 6. Jahrhundert und existiert noch. 300 Gedichte von Han Shan sind überliefert - aber die meisten chinesischen Gedichtsammlungen haben 300 Gedichte!
[6] Roberto Pazzi: Die Schwere der Körper. Gedichte 1966-1998. Ital. /Dt. Tropen Verlag, o.O. 2001. ISBN: ‎3-932170-43-1. S. 20/21.
[7] Yang Lian: Yi. Bilingual Edition. Green Integer. København & Los Angeles 2002. ISBN 1-892295-68-7.  S. 8.
[8] Paul Alster: Das Buch der Illusionen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002. ISBN. 3-498-00052-7.  S. 295. Lesenswertes Buch!
[9] So wie ich es mit kölschem Verstand gehört hatte – das Ripuarische der Eifel ist jedoch etwas anders.


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Sunday, May 11, 2025

Altargesteck für Jubilate 10./11.05.2025

 


Der aktuelle Sonntag wird Jubilate („jubelt!“) genannt [1]. Wir jubeln über den Frühling, erinnern an den Neubeginn durch die Schöpfung. Die Lesung aus dem Alten Testament ist ziemlich lang, denn sie umfaßt die Schöpfungsgeschichte [2]. Der Wochenspruch lautet: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ [3]

In der Epistellesung folgen wir Paulus auf den Aeropag. [4] Paulus war herumgegangen und hatte die griechischen Heiligtümer angesehen „und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott.“  Den wollte er den Griechen verkünden. „Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Damit zitierte Paulus Aratos von Seloi [5] und Kleanthes [6], einen Stoiker. Paulus war gebildet, auch wenn er sich als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Saulus war er Pharisäer und kannte den Tanach (Tora, Propheten, Schriften). Er hatte das römische Bürgerrecht [7]. Da er aus dem hellenistischen Judentum stammte, sprach er Griechisch, so daß er leichter über diese Philosophen erfahren konnte. Bei Petrus hätte das wahrscheinlich nicht so gut geklappt. Als Paulus dann sagte: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören,“ nur einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig. Eine Frau wurde allerdings auch genannt: „[…] und eine Frau mit Namen Damaris […].“ Hoffentlich waren auch noch andere Frauen dabei – hier hätte Lukas als Chronist problemlos genderfreundlicher schreiben können.

Für die Lesung aus dem Evangelium sieht die Perikopenordnung eine Stelle im Johannesevangelium [8] vor. Der Kernsatz lautet: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das erinnert mich an die Geschichte, als jemand den Wein an seinem Haus beschneiden wollte und dann den Rebstock durchsägt hatte [9]. Damit wuchs kein Wein mehr am Haus. So ist es auch, wenn die Reben vom Stock getrennt sind, sie können nicht mehr gedeihen. Es geht also um Verbundenheit, um Zusammenhalt.

Und der Predigttext steht im Buch der Sprüche [10]. Es geht um die Weisheit, die hier personifiziert auftritt und sie ist in der Ewigkeit verankert, sie war bereits vor der Schöpfung da. „Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.“ Ich werde hier nicht versuchen, dies zu erklären, denn das Buch der Sprüche weist unterschiedliche Konzepte für die Weisheit auf. Ich habe mich doch gewundert, daß dieser schwere Text in die Perikopenordnung aufgenommen wurde.

Das Gesteck in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide war in der nicht-liturgischen Farbe Gelb gehalten. Es stand ungewöhnlich prachtvoll auf dem Altar, während sich die Gemeinde in sehr überschaubarer Zahl um den Taufstein liturgisch austobte. Aber bleiben wir einmal bei der Farbe Gelb. Gelb ist eine der Frühlingsfarben. Wir haben in der Eifel erst die Schlüsselblumen und die Forsythien gesehen, dann die Wiesen voller Löwenzahn, der nun mit der ersten Mahd verschwunden ist. Ich kenne einige Wiesen, die voll von Butterblumen (Scharfer Hahnenfuß) sind. Und jetzt fängt auch der Ginster an zu blühen. An weiterem Gelb gibt es natürlich noch die Raps- beziehungsweise die Senfsaatfelder. All das macht Gelb zu einer der Frühlingsfarben. Die andere Farbe des Frühlings ist das frische Grün, daß die Bäume und Büsche jetzt tragen. Bald wird die Zeit nach Trinitatis anbrechen. Diese lange Zeit, in der Grün die überwiegende liturgische Farbe ist. Eine sehr lange langweilige Zeit; ich nehme hier die Gelegenheit zum Grün-bashing wahr, wohlgemerkt nicht Grünen-bashing, das bleibt Typen wie Söder vorbehalten. Und da fällt es mir häufig schwer in diesem Grün so viel Hoffnung zu sehen wie aktuell, denn jetzt ist die ganze Natur voller Hoffnung. In den Gestecken mag Grün immer vorhanden sein, aber es ist in der Regel ein Zusatzfarbe, durch die allerdings die Farben der Blüten erst richtig wirken. In Kall hatten wir wieder einen Gesteck mit Weiß, der aktuellen liturgischen Farbe, und Rot, einem Hinweis auf das Pfingstfest. Es war wie immer prächtig gestaltet.

 


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/jubilate/
[2] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 1. Mose 1,1–4a(4b–25)26–28(29–30)31a(31b); 2,1–4a
[3] 2. Kor 5,17
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.17 Apg 17,22–34
[5] Aratos von Soloi (ca. 310-245 v. Chr.) schrieb mi Prolog zu den Phainomena: „Wir sind des Zeus Geschlechts.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Aratos_von_Soloi
[6] Zu Kleanthes (ca. 331-232 v. Chr.) schrieb Cicero: „Kleanthes ... nannte bald die Welt selbst Gott (ipsum mundum deum dicit), ...”. https://de.wikipedia.org/wiki/Kleanthes   
[7] z.B. Apg 16,37-38 sowie Apg 22,22-29 und Apg 23,27
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.15 Joh 15,1–8
[9] Ist endlich einmal Gras über eine Sache gewachsen, dann kommt ein Kamel und frißt es auf. Nein, nicht biblisch, da geht es um ein Kamel und ein Nadelöhr.
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PRO.8 Spr 8,22–36

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