Friday, May 1, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 01.05.2026

 


Was erwartet uns – ohne Flügel?
Wir werden es morgen erfahren,
wenn es wieder zu spät.
Alfred Gong  [1]


Auf dem Weg 
Auf dem Weg 
In die VorStadt 
VorBei am BrachGelände 
Es roch so stark nach Urin 
Daß kein ObDachloser dort überNachtete
Auf dem Weg 
Hinter beSoffenen, torkelnden Männern 
Nicht aus der Stadt 
In die VorStadt
Die VorHölle 
Die nur beTrunken zu erTragen war

UnSterblich 
    nein, du 
Bist 
Nicht 
UnSterblich
Du 
Hast 
Nur 
In 
Jedem 
JahrHundert 
    Für 
Eine Weile geLebt   

NordPol 
    sie ver-
Schleppten 
Uns 
Gen 
Norden 
Und 
Am 
NordPol 
Sagten 
Sie 
Uns 
Hier geht's nicht mehr weiter |
Aber was 
    Wußten 
Wir schon? 

Käfer 

    es sind 
Die 
Schweren 
Käfer
Die 
Gerade 
So 
Viel 
Fliegen 
Können
Um 
Gegen 
Scheiben 
Zu 
Krachen
Also ganz 
    Wie 
Wir Menschen 

MüllHalde
    die brennende 
MüllHalde
Und 
Man 
Blickt 
Auf 
Eine 
Brennende
Puppe 
Wie auf 
    Ein 
MenschenOpfer 

Ginkgo
    schade, die 
GinkgoBäume 
Von 
Wonsan
Hätten 
SonnenSchein 
VerDient
Aber 
Es 
Herrschten 
BeDecktes Wetter 
    Und 
Kim Jong Il

VollMond 
    da steigt 
Der 
Feiste 
Mond 
Mit 
Seinem 
Gelben 
Gesicht 
HinterHältig 
Lachend 
Auf 
Und keine 
    Wolke 
In Sicht  

Frösche 
    über den 
Fröschen 
Im 
Teich 
ZerFal-l-en 
Blätter
Äste
Halme 
Algen 
Den 
Ganzen 
Winter 
Lang
Im Frühling 
    Die Phönixe 
Wieder erStehen 

Brandung 

    die Brandung 
Ihrer 
Worte 
DurchBrach 
Die 
Weiße 
SteilKüste 
Ihrer 
Zähne 
Und 
Lief 
Aus 
Auf 
Dem 
Strand
Unserer Ohren 
    In 
Zarten Wellen 

BahnFahrt 

    früher in 
Den 
GePolsterten
AbTeilen 
Der 
Bahn 
Blieben 
Noch
Impressionen 
Reste 
Von 
GeSprächen 
Ein Hauch 
    Von 
Duft zurück 

Idylle
Der Wind in den Tannen 
Das Plopp Plopp Plopp 
Der Kirschen im Teich
Die Meisen singen 
Die Amseln auch
Ein Schluck Tee
Eine Seite im Buch 
So verFührerisch ist die Idylle
Und ebenso das Leben 
Als Ablenkung vom Tod  





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Alfred Gong  [1a]: Die fliegende Arche. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 6. Jahrgang 1959. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 421.
[1a] Alfred Gong (1920-1981) stammte aus Czernowitz und war ein rumänisch-US-amerikanischer, deutschsprachiger Schriftsteller. In der Jugend war er mit Paul Celan und Immanuel Weissglas, in New York  mit Rose Ausländer befreundet. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Gong 
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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