Wo bleibt der Tröster, treuer Hort,
Den scheidend doch verheißen du den Deinen?
Annette von Droste-Hülshoff [1]
«Der heilig Geist wird kommen
und würken durch sein Macht
und Gott wird an sich nehmen
Fleisch und Blutes Kraft.» [2]
Pfingsten wird gerne als das Fest der christlichen Kirche bezeichnet, und da ist vieles Wahres dran, denn man kann es als Erinnerung an die Geburt der christlichen Kirche auffassen, aber noch besser kann man in ihm das Fest des Heiligen Geistes sehen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ [3] So ein Brausen hörte ich, als vor zwei Tagen hinter meinem Stall saß und in das Tal und nach Kloster Steinfeld hin blickte, dann aber sah ich auf, und siehe, ich sah einen Bienenschwarm an der Weide und dann zwischen Haus und Stall vorbeiziehen. Die Jünger überkam damals die Kraft des Heiligen Geistes, der sich wie Flammen auf sie senkte. Im Wochenspruch hören wir: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ [4] Da wird bereits alttestamentarisch auf das Pfingstwunder, das Ausgießen des Heiligen Geistes, hingewiesen.
Im Evangelium geht es um „Die Verheißung des Heiligen Geistes“, denn Jesus Christus will uns nicht als Waisen zurücklassen, sondern er gibt einen Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Textstelle endet mit: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ [5]
Als Epistel hörten wir aus der Apostelgeschichte die Stelle, die als „Das Pfingstwunder“ bezeichnet wird. Die Apostel reden in den verschiedenen Sprachen: „Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ [6] Man verdächtigte die Jünger, „voll süßen Weins“ zu sein. Das aber stellte Petrus in seiner Predigt richtig.
Die Lesung aus dem Alten Testament behandelt den Turmbau zu Babel. Als die Menschen einen Turm bauten fuhr der Herr hernieder und sprach: „Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen ...“. Und der Herr verwirrte ihre Sprache, daß „keiner des andern Sprache verstehe“ [7]. So wird die verwirrte Sprache zu Pfingsten von Gott wieder funktionsfähig gemacht.
In der Versöhnungskirche habe wir durch zwei Lektoren den Text aus der Apostelgeschichte [6] vorgetragen und die Gemeinde rezitierte dazwischen Teile aus einem Gebet von Jörg Zink.
In Kall beschäftigten wir uns mit einem Bild von Salvator Dali, das es auf einer Karte zur Gestaltung von Gottesdiensten gibt [8]. Dali hatte dieses Bild als Auftragsarbeit für seinen Freund Giuseppe Albaretto geschaffen; es gibt insgesamt 105 Motive. Der Heilige Geist regnet auf die grauen Köpfe hinab und teilweise lassen sich Flammen (Gelb-Orange-Rot) erkennen und die Farbe Blau, die einen Neubeginn symbolisieren soll. Manche Köpfe ragen Zahlen und zwar die Eins bis Zwölf, wobei neben Matthias auch Judas (Schwarz) dargestellt sein soll. Man kann einen Wanderstab entdecken, der den Aufbruch der Kirche symbolisieren könnte. Ich sehe noch eine Gestalt mit ausgebreiteten Armen. Aber ich entdeckte auch den Kopf einer Taube, einen Kakadu, einen Fisch, einen Schnauzer (Hund) und einen Seelöwen und ein Kaninchen, die wahrscheinlich in der Symbolik nicht intendiert waren.
Das Altargesteck in Köln vertrocknete bereits. In Kall konnten wir uns an einem prächtigen Gesteck erfreuen, das in der aktuellen liturgischen Farbe gehalten war. Die große Blüte in der Mitte zeigt mit den Blütenkelchen eine Flamme. Kunststück! Es handelt sich ja auch um eine Paeonia lactiflora „Flame“. Herzliche Dank dafür! Die liturgische Farbe Rot ist für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Kirche an sich zu tun haben, gedacht [9].
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 92-93. Am Pfingstsonntage nach.
[2] Es flog ein Vögelein leise: W II, Nr. 883, nach: Schöne Christenliche, catholische Weinächt oder Kindtleß Wiegen Gesang. Augsburg 1590. In: Eberhard Haufe (Herausgeber): Deutsche Mariendichtung aus neun Jahrhunderten. Union Verlag, Berlin 1961. S.178 und S. 400.
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/pfingstsonntag/
[4] Sach 4,6b
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,15–19(20–23a)23b–27
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.2 Apg 2,1–21
Das ist schon eine Herausforderung für die LektorInnen! Ähnliche Texte, die auch in den Gottesdiensten verlesen werden, steh zum Beispiel beim Propheten Nehemia.
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.11 1. Mose 11,1–9
[8] Karte "Pfingsten", Apparuerunt illis dispertitiae linguae, Salvador Dalí, 1964, Field 69-3/5-22; Magni luxus ad personam © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / VG Bild-Kunst Bonn 2022; Foto: Josef Nannemann ©Hg.: Gottesdienst-Institut der ELKB
https://shop.gottesdienstinstitut.org/bildmedien-und-kunst/karte-pfingsten-salvador-dali.html
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben
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