Sunday, May 10, 2026

Altargesteck zu Rogate 2026

 


Der Hohe zeige seine Kraft:
Dann weiß ich wohl, wer Rettung schafft!
Annette von Droste-Hülshoff [1]


Der fünfte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Rogate („Betet!“) [2]. Wahrscheinlich geht dies auf Bitttage oder Bittprozessionen in vorreformatorischer Zeit zurück [3]; nach Auskunft von Wikipedia liegt der Beginn für die Flurprozessionen im Jahr 469/470 nach Erdbeben und Mißernten. Ich denke gerade an die ökumenische Elias-Prozession [4], denn an der wird aktuell gearbeitet. Es war allerdings als Dankprozession der Überlebenden nach der Pest gedacht. Im Mittelpunkt des Sonntags steht das Vaterunser bzw. die Ermutigung zu Gebet und Fürbitte. Der Wochenspruch ist wie immer passend zum Anlaß: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ [5]

Die Lesung aus dem Alten Testament steht im zweiten Buch Mose (Exodus) [6] und da heißt es: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet.“ Und dafür gibt es ein aktuelles Beispiel, nämlich eine Statue von Donald Trump [7]. Wahrscheinlich mußte es Gold sein, da Kim Il Sung in Bronze auf seinem Sockel steht. Ich nenne beides Größenwahn.


In der Epistel ermahnt Paulus im ersten Brief an Timotheus, „dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.“ [8]  Die Liste von Gebetsformen, die allerdings noch erweitert werden könnte, ist in der Zeit des Briefes zu sehen und kann schließlich von uns ergänzt werden. Wichtiger ist vielmehr, daß dieser Akt des Betens sich für alle Menschen einsetzen soll. 

Der Text für die Evangeliumslesung steht bei Lukas [9] und da bekommen wir eine knappe Form des Vaterunsers: „Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.“ Hätte man mich gefragt, in welchem Evangelium dieser Text steht, ich hätte auf Markus getippt, aber bei Markus kommen weder Vaterunser noch Vater vor, nicht ganz, einmal hat er es doch: „Abba, Vater, alles ist dir möglich ...“. [10] Lukas? Kaum zu glauben, aber doch wahr. 

Der Predigttext allerdings kommt unserem Verständnis und unserer Praxis der Vaterunsers sehr viel näher und der steht bei Matthäus [11]. „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.“ „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.“ „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden.“ Dann folgt das Vaterunser und zwar so:
„Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]“

Was passiert, wenn man betet? Hört Gott zu? Ob Gott zuhört, können wir nur glauben. Für Menschen, die aus dem Gebet Kraft schöpfen, steht es fest – Gott hört unser Gebet. Wir hören aber auch. Nachweislich werden solche Zentren im Gehirn aktiviert; interessanterweise wird auch das dopaminerge Belohnungssystem aktiviert [12]. Anders gesagt: es finden sich Muster, die sich z.B. bei der Interaktion mit Menschen bilden können. Beten Nichtgläubige, sind diese Merkmale nicht nachweisbar.

Das Gebet im Kämmerlein kann zur Kontemplation führen; damit meint man eine handlungsfreie Versenkung in die Werke Gottes oder Gottes selber. Contemplatio kommt aus dem Lateinischen und kann mit beschauen oder aus der Nähe betrachten übersetzt werden. Etymologisch kann man den Begriff auf con (mit, zusammen) und templum (Heiligtum) zurückführen. Aus dem Beter selbst wird der Tempel Gottes. Paulus schreibt im 1. Brief an die Korinther: „Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, ...“ [13].

Wenn man nun die Menschen von „Osten und von Westen, von Norden und von Süden“ und noch das Konzept Ökumene hinzufügt, gelangt man schnell nach Taizé. In Köln feierten wir eine Taizé-Andacht. Die Gemeinschaft von Taizé versteht sich als internationaler ökumenischer Männerorden, wurde aber bekannt durch ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich bis zu 100.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kamen; vor der Pandemie kamen immerhin noch 15.000 Teilnehmer [14] zusammen und so scheint es sich auch aktuell eingependelt zu haben. Es waren mehr Teilnehmer als üblich da und die Gesänge wurden mit Violine, Cello, Klavier und Flöte begleitet. Herzlichen Dank den MusikerInnen. Ich glaube, daß es an ihnen gelegen hat, daß nicht nur ich diese Taizé-Andacht als beste in unserem Kreis erlebt habe. Eigentlich hätte die Andacht noch länger dauern können.


Jemand bedauerte, daß man in Köln das Altargesteck kaum bemerkt habe, worauf ich antwortete: „Das ist auch besser so.“ Das Altargesteck in Kall zeigte ganz in Weiß, der aktuellen liturgischen Farbe, die österliche Freudenzeit auf. Bei den nächsten zwei Gelegenheiten (Christi Himmelfahrt und Exaudi) bleibt das auch so. Erwähnenswerr für Köln ist noch das Tuch, mit dem der Altar eingehüllt war und das von den KonfirmatInnen gestaltet worden war. Ich zeigte einen Ausschnitt.



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 84/85. Am V. Sonntage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/rogate/ 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bitttage BiTTTage ist natürlich besser!   
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2019/09/okumenische-eliasprozession-von-der.html und 
https://rheumatologe.blogspot.com/2016/08/350-jahre-elias-prozession-und-45-jahre.htm
[5] Ps 66,20 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32 2. Mose 32,7–14
[7] https://www.youtube.com/shorts/qj4S3qxLvR4 und
https://taz.de/picture/8429275/1200/41051683.webp 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1TI.2 1. Tim 2,1–6a  
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.11 Lk 11,(1–4)5–13
[10] https://www.bibleserver.com/LUT/Markus14 Mk 14,36
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.6 Mt 6,5–15
[12] Schjødt U, Stødkilde-Jørgensen H, Geertz AW, Roepstorff A. Rewarding prayers. Neurosci Lett. 2008 Oct 10;443(3):165-8. doi: 10.1016/j.neulet.2008.07.068. Epub 2008 Jul 31. PMID: 18682275. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18682275/ 
[13] 1.Kor 6,19
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_de_Taiz%C3%A9 
Siehe dort Quellenangaben zu den Zahlen in den Fußnoten [62] und [63].

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