Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag. Es gilt ein Tanzverbot und die Geschäfte sind geschlossen. Dies gilt ab Gründonnerstag 18:00 Uhr bis Karsamstag 6:00 Uhr in der Frühe. Eigentlich sollte alles still steh, aber wenn der Nachbar die Wohnung saugt oder man die volle Autobahn zum Auftakt des Osterwochenendes sieht, dann ist die Stille nicht vollkommen. Aber was könnte man mit der Stille anfangen? Was hört man besonders deutlich, wenn die Welt ruhig ist? Ich erzählte einmal im Familienkreis von dem Koan: „Höre das Klatschen der einen Hand!“ Koans (公案) werden im Zen-Buddhismus genutzt, aber dabei geht es um die Auseinandersetzung zusammen mit einem Lehrer. Mein Vater, damals schon ein wenig dement, sagte: „Da hört man nichts.“ Das ist eine völlig legitime Antwort und sie paßt zum Karfreitag: so soll Stille sein. Die Stille des Karfreitags. „The Sound of Silence“ wie es Paul Simon ausgedrückt hat: „And the vision that was planted in my brain / Still remains / Within the sound of silence“. Nachdem wir an Gründonnerstag schon bei den Propheten (Gedicht von Nelly Sachs) waren: „And the sign said, "The words of the prophets / Are written on the subway walls / And tenement halls / And whispered in the sounds of silence" [3].
Wenn man überhaupt einen Film an diesem Tag ansehen sollte, dann wäre das „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahr 1951 [4]. Angesichts der Kriege ist das ein sinnvoller Film.
Die Altarentkleidung erfolgte in der Pauluskirche nach dem Gottesdienst. In der Liturgie wurde jedoch durch das Ausblasen der Altarkerzen ein Zeichen gesetzt.
Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und deshalb ist Karfreitag der einzige Tag im evangelischen Kirchenjahr, dem die liturgische Farbe Schwarz zugeordnet ist [9]. Der Liturgische Kalender sieht übrigens Schwarz oder Violett als liturgische Farbe vor. Paramente für einen Tag vorhalten … muss nicht sein. Das Altargesteck in der Pauluskirche ist mit einem vertrockneten Dornenstrauch als passend zu bezeichnen.
Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/karfreitag/
[2] Joh 3,16
[3] Aus dem Songtext von „The Sound of Silence“ [3a]. Tenement halls sind Mietshäuser oder besser gesagt heruntergekommene Mietshäuser, die im 19. Jahrhundert zu den Tenement House Acts führten [3b].
[3a] © Sony/ATV Music Publishing LLC. Author: Paul Simon. Quelle: LyricFind.
[3b] https://de.wikipedia.org/wiki/Tenement_House_Act
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tag,_an_dem_die_Erde_stillstand_(1951)
Ja, daher stammt: „Gort. Klaatu barada nikto.“
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Golgota
[6] Andere Transliterationen:
„Eloï, Eloï lema sabachthani? (Einheitsübersetzung 1980)
„Eli, Eli, lama asabtani?“ (Lutherübersetzung 1984)
„Eloi, Eloi lama sabachthani? (Wiedererlangungsübersetzung 2010)
„Elohi, Elohi lama sabachthani? (Zürcher Bibel 1942)
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/Markus15 Mk 15,20b-39
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.19 Joh 19,16–30
[9] „Schwarz als Farbe der Trauer bei Beerdigungen oder als zusätzliche Möglichkeit für den Karfreitag.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben
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