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Saturday, April 4, 2026

Altargesteck am Karfreitag 2026

 


Der Karfreitag hat das Leiden und die Kreuzigung des Christus zum Thema. Er ist für evangelische Christen einer der höchsten Feiertage, streng genommen der höchste Feiertag [1]. Eine Antwort auf das Warum des Leidens und der  Kreuzigung versucht der Wochenspruch zu geben: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ [2]

Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag. Es gilt ein Tanzverbot und die Geschäfte sind geschlossen. Dies gilt ab Gründonnerstag 18:00 Uhr bis Karsamstag 6:00 Uhr in der Frühe. Eigentlich sollte alles still steh, aber wenn der Nachbar die Wohnung saugt oder man die volle Autobahn zum Auftakt des Osterwochenendes sieht, dann ist die Stille nicht vollkommen. Aber was könnte man mit der Stille anfangen? Was hört man besonders deutlich, wenn die Welt ruhig ist?  Ich erzählte einmal im Familienkreis von dem Koan: „Höre das Klatschen der einen Hand!“ Koans (
公案) werden im Zen-Buddhismus genutzt, aber dabei geht es um die Auseinandersetzung zusammen mit einem Lehrer. Mein Vater, damals schon ein wenig dement, sagte: „Da hört man nichts.“ Das ist eine völlig legitime Antwort und sie paßt zum Karfreitag: so soll Stille sein. Die Stille des Karfreitags. „The Sound of Silence“ wie es Paul Simon ausgedrückt hat: „And the vision that was planted in my brain / Still remains / Within the sound of silence“. Nachdem wir an Gründonnerstag schon bei den Propheten (Gedicht von Nelly Sachs) waren: „And the sign said, "The words of the prophets / Are written on the subway walls / And tenement halls / And whispered in the sounds of silence" [3]. 
Wenn man überhaupt einen Film an diesem Tag ansehen sollte, dann wäre das  „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahr 1951 [4]. Angesichts der Kriege ist das ein sinnvoller Film.


Ein Evangelium für den Karfreitag greift dies auf: „Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.“ Ich las über eine Herleitung des Wortes Golgatha oder Golgota vom hebräischen Wort galal, das wälzen oder abrollen bedeutet; daher käme auch unser Köpfe rollen lassen. Ich meine aber, daß die Erklärung, die in Wikipedia genannt wird, schlüssiger ist, denn dort heißt es, daß „für Golgota die etymologische Bedeutung Schädelhöhe von aramäisch gûlgaltâ, welches dem hebräischen gulgulet vorausgeht, angenommen“ wird [5]. „Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? [6] Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ „Aber Jesus schrie laut und verschied.“ Das Evangelium nach Markus ist das kürzeste der vier Evangelien [7]. Die Verlassenheit am Kreuz. Kann man sich einsamer fühlen? Gott mußte in seiner Schöpfung sterben und natürlich auferstehen. Mit dem Zerreißen des Vorhangs im Tempel wurde das Allerheiligste zugänglich. Die Perikopen-Ordnung ist ledig als Vorschlag zu sehen und sah für diesen Karfreitag „Jesu Kreuzigung und Tod“ in der Fassung von Johannes vor [8]. In dieser Darstellung spricht Jesus: „Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.“ 

Die Altarentkleidung erfolgte in der Pauluskirche nach dem Gottesdienst. In der Liturgie wurde jedoch durch das Ausblasen der Altarkerzen ein Zeichen gesetzt. 

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und deshalb ist Karfreitag der einzige Tag im evangelischen Kirchenjahr, dem die liturgische Farbe Schwarz zugeordnet ist [9]. Der Liturgische Kalender sieht übrigens Schwarz oder Violett als liturgische Farbe vor. Paramente für einen Tag vorhalten … muss nicht sein. Das Altargesteck in der Pauluskirche ist mit einem vertrockneten Dornenstrauch als passend zu bezeichnen.





Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/karfreitag/  
[2] Joh 3,16 
[3] Aus dem Songtext von „The Sound of Silence“ [3a]. Tenement halls  sind Mietshäuser oder besser gesagt heruntergekommene Mietshäuser, die im 19. Jahrhundert zu den Tenement House Acts führten [3b]. 
[3a] © Sony/ATV Music Publishing LLC. Author: Paul Simon. Quelle: LyricFind.
[3b] https://de.wikipedia.org/wiki/Tenement_House_Act 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tag,_an_dem_die_Erde_stillstand_(1951) 
Ja, daher stammt: „Gort. Klaatu barada nikto.“
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Golgota 
[6] Andere Transliterationen:
„Eloï, Eloï lema sabachthani? (Einheitsübersetzung 1980)
„Eli, Eli, lama asabtani?“ (Lutherübersetzung 1984)
„Eloi, Eloi lama sabachthani? (Wiedererlangungsübersetzung 2010)
„Elohi, Elohi lama sabachthani? (Zürcher Bibel 1942)
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/Markus15 Mk 15,20b-39
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.19 Joh 19,16–30 
[9] „Schwarz als Farbe der Trauer bei Beerdigungen oder als zusätzliche Möglichkeit für den Karfreitag.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben   

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Thursday, March 19, 2026

Besuch bei Orgelbau Fasen in Oberbettingen, Eifel


Da die evangelische Gemeinde in Köln Dellbrück-Holweide die Orgel in der Christuskirche von Orgelbau Huber Fasen umbauen läßt [1], kam es zu einer Besichtigung der Werkstätte und zu einer Einführung in den Orgelbau durch Herrn Hubert Fasen. Die Geschichte des Betrieb kann man sich auf der Homepage von Orgelbau Fasen ansehen [2]. Ich hatte über Orgelbau Fasen immer wieder gelesen, denn einige der Kirchen, die ich in der Eifel besucht habe, sind von diesem Betrieb entweder mit einer neuen Orgel oder der Restauration einer alten Orgel versehen worden. Eine der ersten Orgeln und die erste Rekonstruktion war die Balthasar König Orgel in Niederehe [3]. 

Niederehe ist ein Ortsteil der Gemeinde Üxheim in der Vulkaneifel mit etwa 410 Einwohner [4] und vor etwa neun Jahren wäre ich fast dort hingezogen. Warum in nicht dorthin gezogen bin, ist eine andere Geschichte, die ich bislang nur unzureichend erzählt habe, aber ich werde mich in der Zukunft auch damit noch einmal genauer beschäftigen. Immerhin konnte ich dort in der Kirche St. Leodegar die Orgel besichtigen. Die Orgel ist Balthasar Königs Erstlingswerk (1715) [5]. Ich blicke von meinem Küchenfenster in Diefenbach aus auf die Türme von Kloster Steinfeld; die Orgel der Basilika stammt aus dem Jahr 1727 und ist ebenfalls von Balthasar König. Die Orgel in St. Leodegar wurde 1923 eingreifend romantisierend umgebaut (Orgelbauer Burkart der Firma Klais, Bonn). Im Organ-Index lesen wir: „1997/98 erfolgte dann durch Hubert Fasen, Oberbettingen, eine mustergültige Renovierung und Rekonstruktion des Zustandes von 1715 unter Beibehaltung des Müller-Pedals.“ [6] In Schleiden steht eine weitere König Orgel, allerdings vom Sohn Christian Ludwig König [7]; der übrigens sehr viele Orgeln in Köln geschaffen hatte und auch dort lebte und starb.





I
Ich habe verpaßt, mich zu dieser Tastatur informieren zu lassen - 
wahrscheinlich für die Zwölftonmusik nach Arnold Schönberg.

Die meisten Pfeifen, insbesondere die großen Pfeifen waren bereits nach Köln abtransportiert, aber die Größe des Nachbaus der Orgel, die zum Einpassen diente, war noch der vorhanden und an Hand dessen konnten auch die Neuerungen für die Manuale und Pedale sowie die Registeranordnung erläutert werden. Im oberen Stockwerk waren noch kleinere Pfeifen vorhanden, wie man im Bild sehen kann, die bereits angeordnet waren. Für mich war interessant, wie diese Zusammenwirken als Register zustande kommt oder wie die verschiedenartigen Pfeifen gestimmt werden können. Es gibt geschlossene und offene Pfeifen. Das Material, Holz oder Metall, Dicke, Länge, Struktur sind für Klang und Obertöne verantwortlich. Ich habe bei dir soll Gelegenheit sehr viel über Orgeln gelernt. Es empfiehlt sich zu wissen, wie der Klang entsteht, wenn man sich sonst nur am Klang der Orgel erfreut. 

Die Möglichkeiten für die umgebaute Orgel in Köln-Dellbrück sind deutlich besser. Es war für uns als Kirchengemeinde eine große Investition und die Übernahme durch Orgelbau Fasen paßte. Wenn so eine Firma eine Orgel rundum erneuert, dann ist sie in der Regel nur mit diesem Instrument beschäftigt. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht nur bei Orgelbau Fasen / Herrn Hubert Fasen, sondern auch bei unserer Kantoristin Mechthild Brand und natürlich auch den anderen Teilnehmern bedanken, die durch ihre Diskussionsbeiträge und Fragen die Runde belebt haben.

Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026 wird die alte/neue Orgel in der Christuskirche begrüßt werden. Ein Bericht zur Führung in der Orgelwerkstatt ist mit noch mehr Bildern auf der Homepage der Gemeinde zu finden [8].



Vorher

Zwischenher


Links und Anmerkungen:
[1] Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/die-orgel-in-der-christuskirche-und.html 
[2] https://www.orgelbau-fasen.de/firma.htm 
[3] Die Pfarrkirche St. Leodegar am ehemaligen Kloster Niederehe (Eifel) 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/die-pfarrkirche-st-leodegar-am.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Niederehe 
[5] Balthasar König (1684-1756) war ein deutscher Orgelbauer. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Balthasar_K%C3%B6nig 
[6] https://organindex.de/index.php?title=%C3%9Cxheim/Niederehe,_St._Leodegar 
[7] Christian Ludwig König (1717-1789) war ein deutscher Orgelbauer. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Ludwig_K%C3%B6nig 
[8] Führung in der Orgelwerkstatt in Oberbettingen/Eifel
https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/fuehrung-in-der-orgelwerkstatt-in-oberbettingen-eifel/ 

Gehört irgendwie mit dazu!


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Thursday, December 25, 2025

Altargesteck am Heiligabend 2025

 


Heiligabend 2025 bestand für mich zunächst aus Familiengottesdienst und Christvesper in der Versöhnungskirche als aktiver Teilnehmer und die Christmette in der Christuskirche als weniger aktiver Teilnehmer. 

Gewöhnlich gestalten die Konfirmanden das Krippenspiel [1], aber diesmal fanden sich keine, die so verrü... motiviert waren, also spielten Erwachsene ad hoc die Rollen. Mir fiel der Josef zu, dem in den Evangelien gerade so viel Aufmerksamkeit zugebilligt wird, wie es sein muss. Ich bin ja der Meinung, daß er mehr Bauunternehmer war als die Bezeichnung Zimmermann hergibt. Im Matthäusevangelium [2] steht noch am meisten über ihn. In Vers 19 heißt es: „Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.“ Nobel, nobel, aber dann steht sie mit der Stigmatisierung als Alleinerziehende doch allein. Gott sei Dank, Gott greift ein und sendet seinen Engel. Wahrscheinlich war Gottes Wahl gar nicht so unklug, wie wir meinen, denn Josef wollte fliehen und das konnte er umsetzen, als es galt, vor Herodes nach Ägypten zu fliehen. Matthäus zitiert Jesaja [3] und daher haben wir die „Jungfrau“, aber der hebräische Text spricht von einer „jungen Frau“ bzw. einer „Herangereiften“. Aber ich verstricke mich schon wieder viel zu weit in einem Evangelium und einem alttestamentlichen Text, die in den Gottesdiensten gar nicht zitiert wurden.

Aus dem Alten Testament wurde schon gelesen und auch aus dem Buch des Propheten Jesaja [4], aber nicht aus dem 7. sondern dem 9. Kapitel. Der Kern dieser Textstelle lautet: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ Das legen wir nun christlich aus, aber es war an die Zielgruppe Bewohner des Königreiches Juda und seine Könige (besonders aber Hiskia) gerichtet, um sie zur Umkehr zu bewegen. Andererseits ist es aber auch eine tolle Überleitung zur Lesung aus dem Lukasevangelium: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“ [5] Wahrscheinlich ist dies die Bibelstelle die neben dem Psalm 23 am bekanntesten ist. Es begab sich aber zur Zeit – das darf in zukünftigen Bibelbearbeitungen nicht geändert werden! Und die für mich wichtige Stelle: „..., da Quirinius Statthalter in Syrien war“ darf nicht fehlen. Nach Conzelmann / Lindemann läßt sich die Volkszählung  in der Zeit der Geburt Jesu Christi nicht mit der Amtszeit von Quirinius in Einklang bringen [6]. Aber das tut überhaupt nichts zur Sache, denn Lukas wählte „da Quirinius Statthalter in Syrien war“, um die Zeit der Geburt Jesu für Theophilos greifbarer zu machen. Wir könnten heute auch solcher Art Zeitpunkte wählen: nach 9/11 oder vor dem 2. Weltkrieg. In Ordnung, weg von den Nebensächlichkeiten. Es wird die Geschichte der Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem erzählt. Im Wochenspruch wird ebenfalls aus dem Lukasevangelium zitiert: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ [7] 

Aus: O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies
Von: Paul Gerhard

Der Predigttext steht im Buch des Propheten Hesekiel (Ezechiel) [8]. Wie es aus dieser Zusage Gottes zur Überleitung zu Kaiser Augustus kam, habe ich nicht behalten. Aber Augustus machte allerlei Anstalten, die Bürger Roms in Stimmung für ihn zu halten, z.B. mit Superlativen wie sich sich aus der Volkszählung ergeben sollten oder dem Bau eines goldenen Ballsaales äh Tempels [9].

Die Christvesper wurde musikalisch untermalt von Ulrike und Gunther Tiedemann. Bei den Tönen vor dem Stück, wahrscheinlich waren es C, G, D, A, dachte ich an Canned Heat (On the Road Again), aber das lenkte mich nicht von dem klassischen Stück ab; wobei ich zwei Dinge gestehen muss: 1. das Stück war mir unbekannt, 2. ich habe nicht nachgefragt.

Aus Dunkelheit und Lichtern wurde ein wunderbare Stimmung für „Stille Nacht, heilige Nacht“. Wir hatten zu Beginn Kerzen ausgegeben, schließlich wurde die Kirche abgedunkelt und eine Kerze nach der anderen wurde entzündet. Schließlich brannten außer einem Notlicht und dem Licht beim Kreuz nur noch Kerzen. Ich finde Dunkelheit und Ruhe meditativ, aber Dunkelheit führt bei vielen Menschen zu Angst, trotzdem es doch hieß: „Fürchtet euch nicht!“ Während das helle Licht eher für Geschäftigkeit steht, gibt das Kerzenlicht Geborgenheit und da sind wir plötzlich ganz nah am Stall von Bethlehem. Dies wiederholte sich auch bei der Christmette, die sich aber auf dem Liedblatt bescheidener „Heiligabend 2025 in der Christuskirche“ nannte. 

Das Motto von „Heiligabend 2025 in der Christuskirche“ war: „Das Zerschlagene zusammenfügen“ und bezog sich auf das Bild „Verwundeter Engel“ von Hugo Simberg [10]. Der lange Text aus dem Lukasevangelium wurde durch Lieder unterbrochen, teilweise sangen Chor und Gemeinde im Wechsel. Nun kann man viel gegen die Akustik der Christuskirche, die aus dem Jahr 1905 stammt [11], sagen, insbesondere, wenn die Lautsprecheranlage bei wenig Besuchern nicht richtig eingestellt ist, aber „O du fröhliche“ bei voller Kirche war ein akustischer Genuß. 

Altargestecke spielten weniger eine Rolle. Da war z.B. die Krippe und es standen „staatse“ [12] Christbäume in beiden Kirchen. Am Rande bemerkt: Nein, ich hatte nicht vor, an die Krippe der Versöhnungskirche auf das Stichwort „Dann entzündete er [Josef] ein kleines Feuer“ wirklich Feuer zu legen, als ich vor ihr ein Streichholz entzündete.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/christvesper/ 
[2] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us1 Mt 1,18-20(21-25)
[3] https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja7 Jes 7,14
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.9 Jes 9,1–6
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.2 Lk 2,1–20
[6] Hans Conzelmann und Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. 11. Auflage. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1995. ISBN: 3-8252-0052-3 (UTB). S. 179.
[7] Lk 2,10b.11
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EZK.37 Ez 37,24–28 
[9] Diesen Teil der Predigt von Vikar Joscha Halm habe ich behalten.
[10] „Der verwundete Engel, auf Finnisch Haavoittunut enkeli, ist ein Ölgemälde des finnischen Malers Hugo Simberg aus dem Jahr 1903.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_verwundete_Engel  
Das Bild kann man hier anschauen.
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Christuskirche_(K%C3%B6ln-Dellbr%C3%BCck)  
[12] Kölsch für prächtig.

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Saturday, November 1, 2025

Altargesteck für den 31.10.2025 Reformationsfest

 


Der 31. Oktober ist als Gedenktag der Reformation gedacht [1]. Also wir feiern etwas anderes als Halloween; und da ich sehr spät in die Eifel zurückkehrte, hatte ich auch keine Süßigkeiten an die Dorfkinder zu verteilen. Der Reformationstag erinnert an den 31. Oktober 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen oder vielleicht richtiger, aber weniger griffig, seine Kritik an der Praxis der Bußtheologie der Kirche, insbesondere dem Verkauf von Ablässen, „an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll“. Ob das Annageln der 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg historisch ist, darf bezweifelt werden, denn erst 1540 wird dies erstmalig erwähnt [2]. Man nimmt an, daß die Thesen am 31.10.1517 unter dem Titel „disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“ [Disputation zur Klärung der Kraft der Ablässe] an mehreren Wittenberger Kirchen durch Anschlag veröffentlicht worden sind; ein Anschlag auf eine kritikwürdige Glaubenspraxis! Die 95 Thesen Martin Luthers [3] behandeln Einzelheiten zum Verkauf von Sündenablässen, so z.B. „36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.“ Insgesamt sind die Thesen von Luther selbst als Hinweis auf Reformen verstanden worden, ein Schisma war nicht geplant, allerdings unausweichlich. Philipp Melanchthon, Huldrych Zwingli und Jean Calvin sollte ich in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Jean Calvin und Huldrych Zwingli haben übrigens weitaus stärker eine Konfrontation in Kauf genommen; übrigens auch mit Luther.

Der Wochenspruch weist mir fast zu zaghaft auf die Reformation hin: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ [4] Das ist natürlich die Grundlage, auf der Paulus die Rechtfertigung allein durch den Glauben aufbaut. „Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.“ Und: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ [5] Damit aber sind nicht wir diejenigen, die uns retten, sondern es ist die Gnade Gottes. Sich durch Werke oder Opfer zu rechtfertigen ist als ob sich der Baron von Münchhausen selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen will. Der Herrenbruder Jakobus schrieb: „Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“ [6] Man hatte leider einen Antagonismus gegenüber der Aussage von Paulus angenommen, daß wir nur aufgrund des Glaubens durch Gottes Gnade gerechtfertigt werden, und Martin Luther wollte den Brief überhaupt nicht im Neuen Testament wissen. Aber auch Paulus fordert gute Werke, nämlich als er Timotheus über Witwen beriet [7]. 

Die Lesung aus den Evangelien behandelte die Seligpreisung und die lohnt es, immer wieder nachzulesen [8].

Der Predigttext steht im 5. Buch Mose [9]. Es handelt sich um das Schma Jisrael (
שְׁמַע יִשְׂרָאֵל), deutsch "Höre, Israel!" gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums [10]. Und es beginnt so: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Uns ist vielleicht am augenfälligsten das das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen), die am Arm und „zwischen deinen Augen“ in Lederkapseln Texte aus der Torah enthalten. Bekannt sind wahrscheinlich darüber hinaus die Mesusot (Kapseln an den Türpfosten); auch wenn man nicht katholisch ist, kann man die Sternsinger bitten, die eigenen Türpfosten mit „C+M+B mit Jahreszahl“ bekleben zu lassen.

Fürbitten stehen bereits im Alten Testament. Moses, Hiob oder Propheten sprechen Fürbitten aus. Im Neuen Testament stehen sie fast immer in den nachträglich eingefügten Überschriften, aber man findet auch dies: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, ...“ [11]. Und hier nun eine Fürbitte pars pro toto [12]:
„Guter Gott,
vieles scheint ins Wanken zu geraten in unseren Tagen.
Vertrautes und Verlässliches verschwindet.
Lass uns in solchen Zeiten Ruhe finden bei dir
und festen Grund unter unseren Füßen spüren.
Schenk uns Vertrauen in dein gutes Wirken, an uns und an deiner Welt.“

Das Altargesteck in der Christuskirche zeigte viel Rot, und das zu Recht, denn am Reformationsfest ist Rot die liturgische Farbe. Es war auch Grün zu sehen, denn immerhin liegt das Fest in die Zeit nach Trinitatis eingebettet. Der Gottesdienst war festlich gestaltet und dazu trug auch die Musik von Helix Blechle bei. Und ja … -: „Ein feste Burg“ haben wir auch gesungen.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/reformationsfest/ 
[2] Der Thesenanschlag wird erstmals in einer Bearbeitungsnotiz zum Neuen Testament Luthers Sekretär Georg Rörer ca. 1540 verschriftlicht; diese Notiz wurde allerdings erst 2006 gefunden. 
https://de.wikipedia.org/wiki/95_Thesen 

[3] Die 95 Thesen Martin Luthers kann man sich auch herunterladen:
https://www.ekiba.de/media/download/variant/55130/95_thesen.pdf   
[4] 1. Kor 3,11
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.3 Röm 3,21–28
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JAS.2 Jak 2,14–26
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/1.Timotheus5 1. Tim 5,9.10
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.5 Mt 5,1–10(11–12)
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Schma_Jisrael 
[11] https://www.bibleserver.com/LUT/1.Timotheus2 1. Tim 2,1
[12] Aus den Fürbitten, ausgearbeitet von Vikar Joscha Halm.

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Sunday, September 14, 2025

Altargesteck für den 13./14.09.2025 13. Sonntag nach Trinitatis

 


Der aktuelle Sonntag ist der 13. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [1]. Ich kam am Samstag schon früh in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide an, da ich neben dem Gottesdienst auch den Auftakt des Gemeindefestes mit einem Konzert der Dellfunk Brothers im Hof erwartete. Im Hof standen Autos und ein Kühl-Anhänger [2]. Ich ging in die bereits dunkle Kirche, was der langsam einsetzenden Dämmerung und dem trüben Wetter geschuldet war, aber auch dem ausgeschalteten Licht und den nicht brennenden Kerzen. Ich blickte also im Halbdunkel auf die Sitzgruppe um den Taufstein und dachte mir, da ist doch viel zu Platz. Da traf ich auf eine der Presbyterinnen und die Kantorin. Es sollte gar keinen Gottesdienst geben und die Dellfunk Brothers sollten im Gemeindesaal spielen. Ich ging nach oben in den Gemeindesaal -: und da probten sie. Und hatte ich nicht im letzten Jahr geschworen Ohrstöpsel mitzunehmen – hatte ich aber nicht! Auch nach Reduktion der Lautstärke blieb es für mich zu laut. Ich höre gewöhnlich eher dem Wind in den Bäumen oder dem Flügelschlag der Schmetterlinge zu [3]. Aber damit sind wir in der Eifel, wo am Sonntag der Gottesdienst in Kall stattfand.

Der Wochenspruch lautet: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ [4] 

Der aktuelle alttestamentliche Text zur Lesung spricht „Von der Heiligung des Lebens“ [5]. Dort heißt es: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ Der Text wirkte bei der Lesung gestückelt, aber das ist der Auswahl aus dem langen Text geschuldet. Ich halte ihn weiterhin für so grandios, daß ich es aufgreifen möchte, denn diese Stelle hat mich schon lange beschäftigt. Im Glaubensbekenntnis heißt es [6]: „Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, /...“. Ich fragte mich, was denn die Gemeinschaft der Heiligen sei. Wer sind die Heiligen? Die Märtyrer? Die Heiligen, die von der römisch-katholischen Kirche bestimmt worden sind? Nein, wir alle sollen heilig sein, um Gottes Plan erfüllen zu können. Dafür stellt der weitere Text praktische Regeln auf, wie „Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht“, „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ oder „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken“. Kann man dem gerecht werden? Kann man in einer religiös pluralistischen Gesellschaft (Agnostiker, Muslime, Juden, Christen, Atheisten, Buddhisten etc.) heilig leben? Vielleicht unterscheiden wir uns, wenn wir das versuchen. „Dem jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide wird die Erkenntnis zugeordnet: "Entweder nimmt man die Bibel wörtlich - oder ernst! Beides zusammen geht nicht."“ [7] Nehmen wir die Bibel ernst und lassen uns von der Not unseres Nächsten anrühren.

Ein Gesetzeslehrer fragte Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Jesus antwortete mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter [8]. Ich bin früher einmal der Frage, ob der barmherzige Samariter Single war, so intensiv nachgegangen, daß man mich fragte, ob ich eine Obsession zum barmherzigen Samariter hätte [9]. Das Gleichnis ist eines der bekanntesten überhaupt. Die Stelle im Lukasevangelium endet so: “Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!” „Wer ist mein Nächster?“ Da sind wir wie bei Wochenspruch und alttestamentlichem Text. Es ist gar nicht so einfach zu sagen, wer bedürftig ist und schnell sieht man ein scheinbar unlösbares Problem. Kann und muß ich mich um sämtliches Leid kümmern? Das geht überhaupt nicht, ist aber gleichzeitig im Rahmen eines Alles-oder-Nichts-Prinzips auch eine hervorragende Ausrede, überhaupt nichts zu tun. 

Im Predigttext geht es um „Jesu wahre Verwandte“ [10]. Jesus predigte drinnen und Mutter wie Brüder waren draußen. Sie ließen nach ihm schicken, aber Jesus sprach: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?“ Er erteilt denen draußen eine Absage und denen drinnen sagte er: „Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ Da klingt erst einmal hart, wenn auch nicht so hart wie „Lass die Toten ihre Toten begraben“ [11]. Oder als er seine Mutter mit Wein anredete [12]. Die Sache mit draußen und drinnen hat mich sehr beschäftigt. Im Chinesischen ist das Zeichen für draußen () und für drinnen (). Der Ausländer ist ein Mensch von draußen (外國人), wörtlich von außerhalb des Landes, und der Mensch drinnen ist allerdings die eigene Frau (內人). Die Chirurgie ist draußen (外科) und die Innere Medizin (內科), das deckt sich mit dem dem hippokratischen Eid [13], überspitzt, man solle sich als Arzt nicht mit der schneidenden Zunft, also den Badern, einlassen. Zurück zum biblischen Text. Hier geht es um die Unterscheidung von irdischer und himmlischer Familie. Und wir dürfen uns auch als Geschwister der himmlischen Familie betrachten, wie es einer Gebetsformel zu Jesus Christus heißt: „unserem Herrn und Bruder“.

Das Gesteck in der Versöhnungskirche versteckte sich im Halbdunkel [14]. Das Gesteck in Kall gefiel mir, aber die Küsterin war nicht ganz zufrieden, da der Grundstock aus der Vorwoche stammte und sie doch viel hatte entfernen müssen. Grün – Weiß – Rot. Vielleicht hatten mich die Farben der italienischen Flagge so positiv gestimmt, da ich am Vortag Gedichte von Margherita Guidacci gelesen hatte.



Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/13-sonntag-nach-trinitatis/  
[2] Das Logo gehört zu einer bekannten Kölner Brauerei, aber auch Wasser verschiedenen CO2-Inhalts, Cola, Limonate und Wein waren darin.
[3] Geschenkt! Da habe ich mich zu einer diskreten Übertreibung verleite lassen.
[4] Mt 25,40b
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LEV.19 3. Mose 19,1–3.13–18.33–34 
[6] Evangelisches Gesangbuch. Gütersloher Verlagshaus 1996. ISBN: 978-3579000435. S. 1309.
[7] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 59.
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.10 Lk 10,25–37
[9] Ich bin früher einmal der Frage auf Twitter nachgegangen, ob der barmherzige Samariter Single war. Man fragte mich, ob ich eine Obsession zum barmherzigen Samariter hätte.
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.3 Mk 3,31–35 
[11] Lk 9,57-62 
[12] „Weib, was geht es dich an, was ich tue“ (Jh 2,4) und„Weib, siehe das ist dein Sohn“ (Jh 19,26). 
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates 
[14] Ich assoziierte gerade mit diesem Gesteck -: Travestie-Show.

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Sunday, June 29, 2025

Altargesteck für den 2. Sonntag nach Trinitatis 28./29.06.2025

 


Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat die Kernaussage: jeder ist an Gottes Tisch willkommen. Und: „Aus Fremdlingen werden Hausgenossen“. [1] Der Wochenspruch lautet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ [2] Im Evangelium geht es aktuell und „Das große Abendmahl“ [3], zu dem sich die geladenen Gäste entschuldigen lassen, dann aber „die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen“ ins Haus geholt werden. Auch wenn die zunächst geladenen Gäste nicht gekommen sind, handelt es sich um ein Inklusivgesellschaft. In der Lesung aus dem Alten Testament geht es um die „Einladung zum Gnadenbund Gottes“ [4]. Da heißt es: „Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst … so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.“ Das klingt fast wie in der Werbung: „Geiz ist geil!“ Aber etwas anderes ist gemeint, denn es heißt später: „Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, …“. Es geht darum, daß die Erde für alle da ist und die Erlösung allen Menschen offen steht.




1666, also nach dem 30jährigen Krieg, wütete die Pest in Holweide und da speziell in Schweinheim. Nur zwei Frauen und fünf Männer hatten die Krankheit überlebt und gelobten als Dank eine Prozession am Sonntag nach dem Fest des Propheten Elias zu halten - „Su lübden se’ us Dankbakeet / Dat öm Eliaszick / Sulang us Heimat je bestecht / En Prozession ustrick“. Und das ist durch die Jahrhunderte auch cum grano salis durchgehalten worden.  
1971 wurde die Eliasprozession in eine ökumenische Bittprozession umgewandelt. 
2025 wurde die Eliasprozession als Friedensweg gestaltet, der von der Holweide zum Mühlenbrunnen nach Dellbrück führte. Und dort verband sich die Eliasprozession mit der 176. Mahnwache für den Frieden in der Ukraine und anderswo [5]. Das Motto lautete: „Zum Frieden hat euch Gott berufen“ [6]. 

Die Trinitatisgemeinde feierte am 2. Sonntag nach Trinitatis in Heimbach und zwar mit der Gemeindeversammlung im Anschluß an den Abendmahl-Gottesdienst. Wichtige Punkte dabei waren: die allgemeine aktuelle Gemeindesituation, der Wiederaufbau nach dem Hochwasser und die  Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Roggendorf [7].
 
Ein Altargesteck gab es nur in Heimbach, aber das war wieder hervorragend gestaltet, denn es paßte vorzüglich zu den Paramenten.



 

Sunday, June 8, 2025

Altargesteck für Pfingstsonntag 07./08.06.2025

  


Pfingsten kann man als das Fest der christlichen Kirche auffassen, aber noch besser kann man es als das Fest des Heiligen Geistes auffassen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ [1] Die Jünger überkam damals die Kraft des Heiligen Geistes, der sich wie Flammen auf sie senkte. Im Wochenspruch hören wir: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ [2] Da wird bereits alttestamentarisch auf das Pfingstwunder, das Ausgießen des Heiligen Geistes, hingewiesen. Und dann sprachen die Jünger in Zungen und nein, darin sehe ich nicht das Zungenreden, sondern das Reden in Sprachen. Der Heilige Geist hebt sozusagen die babylonische Sprachverwirrung auf, damit die frohe Botschaft, nichts anderes bedeutet Evangelium, verbreitet werden kann. 

Darf ich das um eine Nuance zurücknehmen? Ich hatte bereits von der Installation um die Orgel der Christuskirche berichtet [3]. Da die Einweihung in diesem Gottesdienst durchgeführt wurde, las die Gemeinde im Kanon, jeder wie er wollte, aber in wechselnder Intensität aus der Fülle der Einsendungen für diese Installation, also z.B.: Rücksichtnahme, Liebe, Kommunikationsfähigkeit, Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Empathie, Bescheidenheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Würde, Respekt, Vertrauen, Großzügigkeit, Humor, Rettungsring, Menschenwürde, Scham, Scheu, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit, Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz, Resilienz, Augenhöhe u.w.m. – da war ebenso ein Brausen und erfüllte das ganze Haus.

Im Evangelium geht es um „Die Verheißung des Heiligen Geistes“, denn Jesus Christus will uns nicht als Waisen zurücklassen, sondern er gibt einen Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Textstelle endet mit: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ [4] 

Der Gottesdienst in der Versöhnungskirche war etwas bescheidener, aber er war besser besucht als gedacht. Das mag vielleicht daran gelegen haben, daß sich vorher bereits zum Singen getroffen wurde. Da wir einen Chor mit dem Namen Singaholics haben, taufte ich diese Gruppe kurzerhand Singalongics. Es war nett, denn sie bereicherten den Gottesdienst mit ihrem Gesang. Während sich der Gottesdienst der Idee des Wiederfindens der Sprache stellte, befaßte sich der Gottesdienst in der Versöhnungskirche mit dem Problem des Verstummens. Und mit dem Schweigen hatte ich mich am Tag zuvor in einer kafkaesken Parabel beschäftigt [5].


Die liturgische Farbe Rot ist für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Kirche an sich zu tun haben, gedacht. Nach römisch-katholischer Sicht tragen auch Karfreitag und Palmsonntag die Farbe Rot (und die Feste der Märtyrer), nach evangelisch-lutherischer Sicht ist Rot nur noch für das Reformationsfest [6] vorgesehen. Und die Altargestecke waren gar nicht so schlecht, man war bemüht, aber blaßlila hatte mir nicht so zugesagt.

 


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/pfingstsonntag/  
[2] Sach 4,6b
[3] Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/die-orgel-in-der-christuskirche-und.html 
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,15–19(20–23a)23b–27
[5] K. und die Stadt des Schweigens 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/k-und-die-stadt-des-schweigens.html 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben   

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Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa

 


Die Orgel in der Christuskirche muss überholt und erweitert werden und wurde dafür von Orgelbauer Hubert Fasen mit seinen MitarbeiterInnen bereits ausgebaut. Die leere Außenhülle der Orgel ist jedoch auf der Orgelempore zu sehen. Deshalb wurde nach einer Lösung gesucht.

Während des Pfingst-Gottesdienstes konnten wir die Ersatz-Orgel hören. Wenn man so gut spielt wie Mechthild Brand und ein zweiter Organist (Bernd Heyder) zur Verfügung steht, der die Register zieht [1], dann kann man Carl Philipp Emmanuel Bachs Sinfonie Nr. 3 in F-Dur zur Freude der Zuhörer darbieten. Schön, daß es möglich ist, aber ich werde darauf hin arbeiten, daß wir nach Fertigstellung der Orgel dieses Stück noch einmal hören dürfen.

Der Künstler Reinhard Doubrawa [2] hatte die Idee, das leer geräumte Orgelgehäuse für ein Kunstwerk zu nutzen. In der Gemeinde gab es einen Aufruf: „Welche Tugenden sind gebraucht, damit Menschen gut miteinander sein können? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, dass Zusammenleben gelingt? Welche Verhaltensweisen sind wünschbar, dass wir miteinander gut sein können?“ Da sind sehr viele Zuschriften gekommen, wie z.B.:
Bescheidenheit, Würde, Respekt, Augenhöhe, Vertrauen, Großzügigkeit, Humor, Rettungsring, Menschenwürde, Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz, Resilienz, Augenhöhe, Solidarität, Gerechtigkeit. Rücksichtnahme, Liebe Kommunikationsfähigkeit, Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Empathie, Scham, Scheu, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit und viele, viele mehr. Aus diesen hat Reinhard Doubrawa eine Auswahl getroffen und Stoffe mit diesen Begriffen versehen und sie gut sichtbar zu einer Installation des Orgelgehäuses vereint. Herzlichen Dank dafür!

Mehr zu Planung und Vorarbeiten der Orgelsanierung finden Sie hier [3]. Sie können zum Beispiel eine Patenschaft für einzelne Pfeifen in der Orgel übernehmen. Die Namen aller Patinnen, Paten und aller Spender*innen, die das wünschen, werden auf eine „Dankestafel“ geschrieben und in der Kirche aufgehängt oder auch nur so spenden [4]. 
 
 


Links und Anmerkungen:
[1] Beim Allegro hatte ich die Assoziation „Pinball Wizard“ … 
[2] Reinhard Doubrawa (geb. 1963) ist ein deutscher Konzeptkünstler. Er hatte u.a.m. einen Lehrauftrag in Dessau (Bauhaus). 
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Doubrawa   
Bauhaus ist in unserer Familie ein großes Thema, hier z.B. angesprochen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/the-grand-tour-bauhaus-deutschland.html 
[3] https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/presbyteriumssitzung-november-2024/  
[4] Ev. Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide
IBAN: DE98 3705 0198 0005 9021 68
BIC: COLSDE33XX
Bitte denken Sie daran, auf der Überweisung Ihren Namen und die Adresse anzugeben, damit die Gemeinde eine Spendenbescheinigung zusenden kann.

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Thursday, May 29, 2025

Altargesteck für Christi Himmelfahrt 29.05.2025

 


Der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt findet häufig im Freien statt [1], denn Christus ist im Freien „aufgefahren in den Himmel“ und da hatte er verhießen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. [2] Und in Vers 19 heißt es: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ [3]. Aber wie war das nun vor der Pauluskirche in Köln-Dellbrück? Als ich in der Eifel losfuhr, war da noch blauer Himmel und Sonnenschein, obwohl es sich schon langsam zuzog. In Köln herrschte der graue Himmel vor und auf der Wiese vor dem Gemeindehaus und der Kirche, wo schließlich das Tauffest geplant war, sah es ziemlich (siehe Bild) leer aus. Aber man hatte bereits Bänke und Altar auf dem Platz vor der Kirche gerichtet. Dann fielen einige Tropfen Regen und ich ging die etwa 200 m zu meinem Auto, um eine Regenjacke zu holen. Als ich zurückkam regnete es und die Gemeinde mit den Täuflingen war auf dem Weg in die Kirche [4]. Wer nun wissen will, wie es aussieht, wenn das Wetter hält, kann nachschauen, was ich 2024 geschrieben hatte [5].




Als Lesung hörten wir aus der Apostelgeschichte: „... denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.“ Und weiter: „Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, … [6]. Bevor ich nach Köln fuhr, schrieb ich ein Haiku:
sand flowing
through the hour glass
the tides come and go

In den „Gedanken zur Taufe“ beschäftigten wir uns mit ganz verschiedenen Aspekten.
Im Hebräischen ist Haus bayt (בית) und vielleicht ist es gewagt, daß man da lautlich eine Nähe zu Beten sehen kann. Auf jeden Fall aber kann man es in dem Begriff Haus des Herrn finden [7]. Und da sind wir, in der Kirche, im Haus des Herrn, in der Gemeinde. Wir waren auch mehr als „zwei oder drei versammelt [...] in meinem Namen“ [8].
Wir taufen nicht in die Gemeinschaft der evangelischen Gemeinde Dellbrück-Holweide oder der weltweiten Kirche sondern in Christus.
Anders als das katholische Verständnis von Heiligen, die ja erst in den Status erhoben werden und das durch Taten, ist das evangelische Verständnis von Heiligen, daß wir alle durch Taufe und Bekenntnis zu Gott und Jesus Christus in die „Gemeinschaft der Heiligen“ aufgenommen werden. Damit verstehen wir das Glaubensbekenntnis auch anders.




Die Taufe zeigte die Kirche wie ein Wimmelbild, da bis zu drei Täuflinge an verschiedenen Stelle gleichzeitig getauft worden sind. Und vielleicht denkt eine:r später einmal: „Ich bin getauft“, denn das schrieb Martin Luther mit Kreide auf den Tisch, wenn er sich z.B. vom Teufel bedroht fühlte.

Das Altargesteck für die Feier im Freien zeigte viel Weiß in den Blüten der Margeriten und das ist die liturgische Farbe von Christi Himmelfahrt [9]. Das Gesteck auf dem Altar im Innern der Kirche zeigte ein buntes Gesteck, das allerdings in dem Reigen der Taufkerzen verschwand. Ich wage es kaum zu verraten, aber im Anschluß an den Gottesdienst wurde noch zwischen Kirche und Gemeindehaus (überdacht!) gespeist. Den Salat aus Brechbohnen, Roten Bohnen, Kichererbsen usw. werde ich in sehr guter Erinnerung bewahren.


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/christi-himmelfahrt/
[2] Mt 28,18.20
[3] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us28 Mt 28,19 – die gesamte Stelle: Mt 28,18-20
[4] Es schiffte und und dann saßen wir im Trockenen, im Kirchenschiff. Das Kirchenschiff der Pauluskirche ist seckseckig, wenn ich es recht bedenke, wie ein Benzolring. August Kekulé (deutscher Chemiker) hatte von einer Schlange geträumt, die sich in den Schwanz beißt, und soll so auf die Idee gekommen sein, Benzol hätte eine ringförmige Struktur. Wenn ich von so einer Schlange geträumt hätte, dächte ich eher an den Ouroboros, den ewigen Kreislauf des Seins etc. etc. Oder ich hätte gleich von den „12 Monkeys“ (Film mit Bruce Willis) geträumt.
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/05/altargesteck-fur-den-09052024-christi.html  
[6] https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/ACT.1/Apostelgeschichte-1 Apg 1,3–11    
[7] Jer 52,13 – zitiert in: https://bam-sites-uiowa-edu.translate.goog/RTL/bayit?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq
[8] Mt 28,20
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben  

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