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Thursday, March 19, 2026

Besuch bei Orgelbau Fasen in Oberbettingen, Eifel


Da die evangelische Gemeinde in Köln Dellbrück-Holweide die Orgel in der Christuskirche von Orgelbau Huber Fasen umbauen läßt [1], kam es zu einer Besichtigung der Werkstätte und zu einer Einführung in den Orgelbau durch Herrn Hubert Fasen. Die Geschichte des Betrieb kann man sich auf der Homepage von Orgelbau Fasen ansehen [2]. Ich hatte über Orgelbau Fasen immer wieder gelesen, denn einige der Kirchen, die ich in der Eifel besucht habe, sind von diesem Betrieb entweder mit einer neuen Orgel oder der Restauration einer alten Orgel versehen worden. Eine der ersten Orgeln und die erste Rekonstruktion war die Balthasar König Orgel in Niederehe [3]. 

Niederehe ist ein Ortsteil der Gemeinde Üxheim in der Vulkaneifel mit etwa 410 Einwohner [4] und vor etwa neun Jahren wäre ich fast dort hingezogen. Warum in nicht dorthin gezogen bin, ist eine andere Geschichte, die ich bislang nur unzureichend erzählt habe, aber ich werde mich in der Zukunft auch damit noch einmal genauer beschäftigen. Immerhin konnte ich dort in der Kirche St. Leodegar die Orgel besichtigen. Die Orgel ist Balthasar Königs Erstlingswerk (1715) [5]. Ich blicke von meinem Küchenfenster in Diefenbach aus auf die Türme von Kloster Steinfeld; die Orgel der Basilika stammt aus dem Jahr 1727 und ist ebenfalls von Balthasar König. Die Orgel in St. Leodegar wurde 1923 eingreifend romantisierend umgebaut (Orgelbauer Burkart der Firma Klais, Bonn). Im Organ-Index lesen wir: „1997/98 erfolgte dann durch Hubert Fasen, Oberbettingen, eine mustergültige Renovierung und Rekonstruktion des Zustandes von 1715 unter Beibehaltung des Müller-Pedals.“ [6] In Schleiden steht eine weitere König Orgel, allerdings vom Sohn Christian Ludwig König [7]; der übrigens sehr viele Orgeln in Köln geschaffen hatte und auch dort lebte und starb.





I
Ich habe verpaßt, mich zu dieser Tastatur informieren zu lassen - 
wahrscheinlich für die Zwölftonmusik nach Arnold Schönberg.

Die meisten Pfeifen, insbesondere die großen Pfeifen waren bereits nach Köln abtransportiert, aber die Größe des Nachbaus der Orgel, die zum Einpassen diente, war noch der vorhanden und an Hand dessen konnten auch die Neuerungen für die Manuale und Pedale sowie die Registeranordnung erläutert werden. Im oberen Stockwerk waren noch kleinere Pfeifen vorhanden, wie man im Bild sehen kann, die bereits angeordnet waren. Für mich war interessant, wie diese Zusammenwirken als Register zustande kommt oder wie die verschiedenartigen Pfeifen gestimmt werden können. Es gibt geschlossene und offene Pfeifen. Das Material, Holz oder Metall, Dicke, Länge, Struktur sind für Klang und Obertöne verantwortlich. Ich habe bei dir soll Gelegenheit sehr viel über Orgeln gelernt. Es empfiehlt sich zu wissen, wie der Klang entsteht, wenn man sich sonst nur am Klang der Orgel erfreut. 

Die Möglichkeiten für die umgebaute Orgel in Köln-Dellbrück sind deutlich besser. Es war für uns als Kirchengemeinde eine große Investition und die Übernahme durch Orgelbau Fasen paßte. Wenn so eine Firma eine Orgel rundum erneuert, dann ist sie in der Regel nur mit diesem Instrument beschäftigt. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht nur bei Orgelbau Fasen / Herrn Hubert Fasen, sondern auch bei unserer Kantoristin Mechthild Brand und natürlich auch den anderen Teilnehmern bedanken, die durch ihre Diskussionsbeiträge und Fragen die Runde belebt haben.

Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026 wird die alte/neue Orgel in der Christuskirche begrüßt werden. Ein Bericht zur Führung in der Orgelwerkstatt ist mit noch mehr Bildern auf der Homepage der Gemeinde zu finden [8].



Vorher

Zwischenher


Links und Anmerkungen:
[1] Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/die-orgel-in-der-christuskirche-und.html 
[2] https://www.orgelbau-fasen.de/firma.htm 
[3] Die Pfarrkirche St. Leodegar am ehemaligen Kloster Niederehe (Eifel) 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/die-pfarrkirche-st-leodegar-am.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Niederehe 
[5] Balthasar König (1684-1756) war ein deutscher Orgelbauer. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Balthasar_K%C3%B6nig 
[6] https://organindex.de/index.php?title=%C3%9Cxheim/Niederehe,_St._Leodegar 
[7] Christian Ludwig König (1717-1789) war ein deutscher Orgelbauer. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Ludwig_K%C3%B6nig 
[8] Führung in der Orgelwerkstatt in Oberbettingen/Eifel
https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/fuehrung-in-der-orgelwerkstatt-in-oberbettingen-eifel/ 

Gehört irgendwie mit dazu!


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Thursday, December 25, 2025

Altargesteck am Heiligabend 2025

 


Heiligabend 2025 bestand für mich zunächst aus Familiengottesdienst und Christvesper in der Versöhnungskirche als aktiver Teilnehmer und die Christmette in der Christuskirche als weniger aktiver Teilnehmer. 

Gewöhnlich gestalten die Konfirmanden das Krippenspiel [1], aber diesmal fanden sich keine, die so verrü... motiviert waren, also spielten Erwachsene ad hoc die Rollen. Mir fiel der Josef zu, dem in den Evangelien gerade so viel Aufmerksamkeit zugebilligt wird, wie es sein muss. Ich bin ja der Meinung, daß er mehr Bauunternehmer war als die Bezeichnung Zimmermann hergibt. Im Matthäusevangelium [2] steht noch am meisten über ihn. In Vers 19 heißt es: „Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.“ Nobel, nobel, aber dann steht sie mit der Stigmatisierung als Alleinerziehende doch allein. Gott sei Dank, Gott greift ein und sendet seinen Engel. Wahrscheinlich war Gottes Wahl gar nicht so unklug, wie wir meinen, denn Josef wollte fliehen und das konnte er umsetzen, als es galt, vor Herodes nach Ägypten zu fliehen. Matthäus zitiert Jesaja [3] und daher haben wir die „Jungfrau“, aber der hebräische Text spricht von einer „jungen Frau“ bzw. einer „Herangereiften“. Aber ich verstricke mich schon wieder viel zu weit in einem Evangelium und einem alttestamentlichen Text, die in den Gottesdiensten gar nicht zitiert wurden.

Aus dem Alten Testament wurde schon gelesen und auch aus dem Buch des Propheten Jesaja [4], aber nicht aus dem 7. sondern dem 9. Kapitel. Der Kern dieser Textstelle lautet: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ Das legen wir nun christlich aus, aber es war an die Zielgruppe Bewohner des Königreiches Juda und seine Könige (besonders aber Hiskia) gerichtet, um sie zur Umkehr zu bewegen. Andererseits ist es aber auch eine tolle Überleitung zur Lesung aus dem Lukasevangelium: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“ [5] Wahrscheinlich ist dies die Bibelstelle die neben dem Psalm 23 am bekanntesten ist. Es begab sich aber zur Zeit – das darf in zukünftigen Bibelbearbeitungen nicht geändert werden! Und die für mich wichtige Stelle: „..., da Quirinius Statthalter in Syrien war“ darf nicht fehlen. Nach Conzelmann / Lindemann läßt sich die Volkszählung  in der Zeit der Geburt Jesu Christi nicht mit der Amtszeit von Quirinius in Einklang bringen [6]. Aber das tut überhaupt nichts zur Sache, denn Lukas wählte „da Quirinius Statthalter in Syrien war“, um die Zeit der Geburt Jesu für Theophilos greifbarer zu machen. Wir könnten heute auch solcher Art Zeitpunkte wählen: nach 9/11 oder vor dem 2. Weltkrieg. In Ordnung, weg von den Nebensächlichkeiten. Es wird die Geschichte der Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem erzählt. Im Wochenspruch wird ebenfalls aus dem Lukasevangelium zitiert: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ [7] 

Aus: O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies
Von: Paul Gerhard

Der Predigttext steht im Buch des Propheten Hesekiel (Ezechiel) [8]. Wie es aus dieser Zusage Gottes zur Überleitung zu Kaiser Augustus kam, habe ich nicht behalten. Aber Augustus machte allerlei Anstalten, die Bürger Roms in Stimmung für ihn zu halten, z.B. mit Superlativen wie sich sich aus der Volkszählung ergeben sollten oder dem Bau eines goldenen Ballsaales äh Tempels [9].

Die Christvesper wurde musikalisch untermalt von Ulrike und Gunther Tiedemann. Bei den Tönen vor dem Stück, wahrscheinlich waren es C, G, D, A, dachte ich an Canned Heat (On the Road Again), aber das lenkte mich nicht von dem klassischen Stück ab; wobei ich zwei Dinge gestehen muss: 1. das Stück war mir unbekannt, 2. ich habe nicht nachgefragt.

Aus Dunkelheit und Lichtern wurde ein wunderbare Stimmung für „Stille Nacht, heilige Nacht“. Wir hatten zu Beginn Kerzen ausgegeben, schließlich wurde die Kirche abgedunkelt und eine Kerze nach der anderen wurde entzündet. Schließlich brannten außer einem Notlicht und dem Licht beim Kreuz nur noch Kerzen. Ich finde Dunkelheit und Ruhe meditativ, aber Dunkelheit führt bei vielen Menschen zu Angst, trotzdem es doch hieß: „Fürchtet euch nicht!“ Während das helle Licht eher für Geschäftigkeit steht, gibt das Kerzenlicht Geborgenheit und da sind wir plötzlich ganz nah am Stall von Bethlehem. Dies wiederholte sich auch bei der Christmette, die sich aber auf dem Liedblatt bescheidener „Heiligabend 2025 in der Christuskirche“ nannte. 

Das Motto von „Heiligabend 2025 in der Christuskirche“ war: „Das Zerschlagene zusammenfügen“ und bezog sich auf das Bild „Verwundeter Engel“ von Hugo Simberg [10]. Der lange Text aus dem Lukasevangelium wurde durch Lieder unterbrochen, teilweise sangen Chor und Gemeinde im Wechsel. Nun kann man viel gegen die Akustik der Christuskirche, die aus dem Jahr 1905 stammt [11], sagen, insbesondere, wenn die Lautsprecheranlage bei wenig Besuchern nicht richtig eingestellt ist, aber „O du fröhliche“ bei voller Kirche war ein akustischer Genuß. 

Altargestecke spielten weniger eine Rolle. Da war z.B. die Krippe und es standen „staatse“ [12] Christbäume in beiden Kirchen. Am Rande bemerkt: Nein, ich hatte nicht vor, an die Krippe der Versöhnungskirche auf das Stichwort „Dann entzündete er [Josef] ein kleines Feuer“ wirklich Feuer zu legen, als ich vor ihr ein Streichholz entzündete.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/christvesper/ 
[2] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us1 Mt 1,18-20(21-25)
[3] https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja7 Jes 7,14
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.9 Jes 9,1–6
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.2 Lk 2,1–20
[6] Hans Conzelmann und Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. 11. Auflage. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1995. ISBN: 3-8252-0052-3 (UTB). S. 179.
[7] Lk 2,10b.11
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EZK.37 Ez 37,24–28 
[9] Diesen Teil der Predigt von Vikar Joscha Halm habe ich behalten.
[10] „Der verwundete Engel, auf Finnisch Haavoittunut enkeli, ist ein Ölgemälde des finnischen Malers Hugo Simberg aus dem Jahr 1903.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_verwundete_Engel  
Das Bild kann man hier anschauen.
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Christuskirche_(K%C3%B6ln-Dellbr%C3%BCck)  
[12] Kölsch für prächtig.

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Thursday, December 18, 2025

Die Pfarrkirche St. Leodegar am ehemaligen Kloster Niederehe (Eifel)


Niederehe ist ein Ortsteil der Gemeinde Üxheim in der Vulkaneifel mit etwa 410 Einwohner [1] und vor etwa neun Jahren wäre ich fast dort hingezogen. Nördlich des Ortszentrums haben sich eher gut betuchte Mitbürger eine Siedlung mit Wochenendhäusern geleistet. Diese Häuser sind auch bewohnbar, aber als ich mich dafür interessierte, sagte mir jemand, der dort dauerhaft wohnte, daß die anderen eher ein- bis zweimal im Jahr für eine Woche dorthin kommen. Das hätte mir schon zugesagt. Leider war das inserierte Blockhaus so heruntergekommen und das Grundstück so fürchterlich, daß ich nicht dorthin gezogen bin [2]. Als ich das Grundstück zusammen mit Bruder und Schwägerin anschaute, haben wir danach ein weiteres Haus in Tondorf besucht, daß mit 13 Parkplätzen inseriert war [3]. Auch das war keine Alternative. Ich konnte vom Weg in den Ort das ehemalige Kloster sehen, aber habe es erst viel später besucht. 




Über das  ehemaliges Prämonstratenserinnenkloster, seine Geschichte, seine Baugeschichte, und weiteres mehr gibt es sehr viele Informationen und wer sich nicht nur die Rosinen herauspicken will wie ich, der sollte dort nachschauen [4]. Das Kloster wurde ca. 1175 gegründet; Ordenszugehörigkeit: Augustinerinnen, Prämonstratenserinnen, Prämonstratenser. Das Kloster gehörte zur Abtei Steinfeld; die Pfarrei gehört zum Erzbistum Köln. 1802 wurde das Kloster säkularisiert. Der Patron der Kirche ist der Heilige Leodegar, von dem Sie sicherlich schon gehört haben, der mir aber noch fremd ist, aber das werde ich gleich ändern.

Albero, Alexander und Dietrich von Kerpen erhielten 1162 von Reinald von Dassel, dem Erzbischof von Köln, die Erlaubnis für ein Kloster, das sie für adelige Jungfrauen nach der Augustinusregel zu errichten planten. Tja, wohin sonst mit den adligen Juffern, da es keine Drachen mehr gab. Rainald von Dassel [5] war von 1159 bis 1167 Erzbischof von Köln und hatte die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln überführt. Ein genialer Schachzug, denn Köln hatte seither einen starken Zustrom von Pilgern erlebt. Köln hatte nicht nur Dassel sondern auch Dusel. 

Die Baugeschichte und der Kirchenbau selber sind sehr genau in den hier genannten Quellen beschrieben, es fallen dort Begriffe wie: Kreuzgratgewölbe, 
Fünfachtelschluss, Ochsenauge, Gurtbögen, Eckpilaster … keine Angst, ich werde jetzt kein Gedicht daraus machen.


Die Fenster sind alle von Wilhem de Graaff gearbeitet worden und zwar zwischen 1955 und 1960 [6]. Über Wilhelm de Graaff (1912–1975) hatte ich schon vor drei Jahren berichtet, denn ich wuchs bei der Kirche St. Petrus Canisius in Köln-Buchforst auf [7], die direkt gegenüber dem Haus lag, in dem meine Familie damals wohnte. Ich habe es noch nicht hinein in diese Kirche geschafft, denn Kirchen in Kölner Vororten sind fast immer verschlossen.


Die Orgel stammt von Balthasar König und ist sein Erstlingswerk (1715). Ich blicke von vom Küchenfenster aus auf Kloster Steinfeld, die Orgel der Basilika stammt aus dem Jahr 1727 und ist ebenfalls von Balthasar König. Die Orgel in St. Leodegar wurde 1923 eingreifend romantisierend umgebaut (Orgelbauer Burkart der Firma Klais, Bonn). Im Organ-Index lesen wir: „1997/98 erfolgte dann durch Hubert Fasen, Oberbettingen, eine mustergültige Renovierung und Rekonstruktion des Zustandes von 1715 unter Beibehaltung des Müller-Pedals.“ [8] Diese Einschätzung stimmt mich sehr froh, da die Firma Hubert Fasen aktuell die Renovierungsarbeiten an der Orgel Christuskirche in Köln-Dellbrück ausführt. Das Internet bietet über Youtube ein sehr schönes Beispiel: J.S. Bach: FUGA A 3 SOGGETTI - Die Kunst der Fuge – Gerd Zacher [9]. Meine Einschätzung: zum Heulen schön – 11-12 Minuten, die sich lohnen. 

Leodegar war Bischof von Autun [10] und einer der führenden Gegner des Hausmeiers Ebroin, der im weiteren Verlauf Autun belagerte. Leodegar gab sich in dessen Hände, um die Bischofsstadt zu retten. Er wurde geblendet und ihm wurde die Zunge herausgerissen (etwa 675). Dann wurde er verbannt, aber 677 ließ Ebroin den Prozess erneut aufleben, um ihn 678 oder 679 zu  enthaupten. Das Leodegarlied umfasst 40 Strophen zu 6 Versen und in ihm heißt es, daß Leodegar bei der Hinrichtung die Füße abgeschlagen wurden. Was für eine Geschichte über diesen Märtyrer, Patron der Kirche / Kloster für adelige Fräulein. 

Jetzt habe ich mich doch noch etwas hollywoodmäßig hinreißen lassen. Aber wenn es Sie jetzt erst recht reizt, die Kirche zu besuchen, dann sage ih dazu: Tolle Idee, machen Sie es. Machen Sie es bald, bevor die A1 die Landschaft zerteilt.





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Niederehe 
[2] Das Blockhaus und die Lage hatten schon ihren Charme. Es liegt direkt am Naturschutzgebiet, im Osten sind Wälder. Das Haus zeigte heftige Spuren, daß in ihm gelebt worden war. Das Grundstück war in hohem Maße vernachlässigt. Das fing direkt beim Eingangstor auf, das fast aus den Angeln fiel. Die Trittsteine waren teilweise zerbrochen. Die Treppe zum unteren Eingang war gefährlich schief. Der niedrige Holzzaun zwischen Wiese und Abhang war morsch. Eine Art Feuchtbiotop war mit Algen überwuchert. Am Abhang standen zwei Bäume, bei denen die Kronen abgesägt wurden, eine davon hing noch am Baum. Zum Nachbargrundstück nach Osten ist der Zaun (vom Nachbarn) zusammengebrochen. … Und das geht so weiter. Unter dem Grund scheint man Bergbau betrieben zu haben. Aus den Felsen ragten Moniereisen. Oberhalb des Grundstücks liegt eine ebene Fläche mit einem Fußballplatz und einem abgesperrten Bereich, wo der Boden versackt war. Zuletzt noch: die A1 wird dort bald entlangführen; mehr dazu hier: https://www.a1-lueckenschluss.de/default-7b24a12dcc-1.
[3] Wir fuhren dreimal an dem Häuschen vorbei mit den 13 Parkplätzen. Es handelte sich um den Eifelgrill. 50 qm sind nicht üppig, wenn der Rest stimmt. Meine Schwägerin Barbara hat sich 30 Sekunden in dem Häuschen aufgehalten und roch noch nach Stunden nach Frittenfett. Das sah alles nicht so gut aus, aber schließlich habe ich doch ein Haus in Diefenbach gefunden (eines der Bergdörfer, die zu Kall gehören).
[4] Da ist zunächst der Wikipedia-Artikel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Niederehe  
und dann noch:
https://www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/uexheim-kloster-niederehe.html 
https://www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/uexheim-kloster-niederehe/geschichtlicher-abriss.html 
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_von_Dassel 
[6] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8889/b8889.shtml 
[7] Pfarrkirche St. Johann Baptist in Kronenburg 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/pfarrkirche-st-johann-baptist-in.html   
[8] https://organindex.de/index.php?title=%C3%9Cxheim/Niederehe,_St._Leodegar 
[9] J.S. Bach: FUGA A 3 SOGGETTI - Die Kunst der Fuge – Gerd Zacher:
https://youtu.be/BD-Q5o79scM 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Leodegar_von_Autun 

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Saturday, November 1, 2025

Altargesteck für den 31.10.2025 Reformationsfest

 


Der 31. Oktober ist als Gedenktag der Reformation gedacht [1]. Also wir feiern etwas anderes als Halloween; und da ich sehr spät in die Eifel zurückkehrte, hatte ich auch keine Süßigkeiten an die Dorfkinder zu verteilen. Der Reformationstag erinnert an den 31. Oktober 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen oder vielleicht richtiger, aber weniger griffig, seine Kritik an der Praxis der Bußtheologie der Kirche, insbesondere dem Verkauf von Ablässen, „an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll“. Ob das Annageln der 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg historisch ist, darf bezweifelt werden, denn erst 1540 wird dies erstmalig erwähnt [2]. Man nimmt an, daß die Thesen am 31.10.1517 unter dem Titel „disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“ [Disputation zur Klärung der Kraft der Ablässe] an mehreren Wittenberger Kirchen durch Anschlag veröffentlicht worden sind; ein Anschlag auf eine kritikwürdige Glaubenspraxis! Die 95 Thesen Martin Luthers [3] behandeln Einzelheiten zum Verkauf von Sündenablässen, so z.B. „36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.“ Insgesamt sind die Thesen von Luther selbst als Hinweis auf Reformen verstanden worden, ein Schisma war nicht geplant, allerdings unausweichlich. Philipp Melanchthon, Huldrych Zwingli und Jean Calvin sollte ich in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Jean Calvin und Huldrych Zwingli haben übrigens weitaus stärker eine Konfrontation in Kauf genommen; übrigens auch mit Luther.

Der Wochenspruch weist mir fast zu zaghaft auf die Reformation hin: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ [4] Das ist natürlich die Grundlage, auf der Paulus die Rechtfertigung allein durch den Glauben aufbaut. „Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.“ Und: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ [5] Damit aber sind nicht wir diejenigen, die uns retten, sondern es ist die Gnade Gottes. Sich durch Werke oder Opfer zu rechtfertigen ist als ob sich der Baron von Münchhausen selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen will. Der Herrenbruder Jakobus schrieb: „Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“ [6] Man hatte leider einen Antagonismus gegenüber der Aussage von Paulus angenommen, daß wir nur aufgrund des Glaubens durch Gottes Gnade gerechtfertigt werden, und Martin Luther wollte den Brief überhaupt nicht im Neuen Testament wissen. Aber auch Paulus fordert gute Werke, nämlich als er Timotheus über Witwen beriet [7]. 

Die Lesung aus den Evangelien behandelte die Seligpreisung und die lohnt es, immer wieder nachzulesen [8].

Der Predigttext steht im 5. Buch Mose [9]. Es handelt sich um das Schma Jisrael (
שְׁמַע יִשְׂרָאֵל), deutsch "Höre, Israel!" gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums [10]. Und es beginnt so: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Uns ist vielleicht am augenfälligsten das das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen), die am Arm und „zwischen deinen Augen“ in Lederkapseln Texte aus der Torah enthalten. Bekannt sind wahrscheinlich darüber hinaus die Mesusot (Kapseln an den Türpfosten); auch wenn man nicht katholisch ist, kann man die Sternsinger bitten, die eigenen Türpfosten mit „C+M+B mit Jahreszahl“ bekleben zu lassen.

Fürbitten stehen bereits im Alten Testament. Moses, Hiob oder Propheten sprechen Fürbitten aus. Im Neuen Testament stehen sie fast immer in den nachträglich eingefügten Überschriften, aber man findet auch dies: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, ...“ [11]. Und hier nun eine Fürbitte pars pro toto [12]:
„Guter Gott,
vieles scheint ins Wanken zu geraten in unseren Tagen.
Vertrautes und Verlässliches verschwindet.
Lass uns in solchen Zeiten Ruhe finden bei dir
und festen Grund unter unseren Füßen spüren.
Schenk uns Vertrauen in dein gutes Wirken, an uns und an deiner Welt.“

Das Altargesteck in der Christuskirche zeigte viel Rot, und das zu Recht, denn am Reformationsfest ist Rot die liturgische Farbe. Es war auch Grün zu sehen, denn immerhin liegt das Fest in die Zeit nach Trinitatis eingebettet. Der Gottesdienst war festlich gestaltet und dazu trug auch die Musik von Helix Blechle bei. Und ja … -: „Ein feste Burg“ haben wir auch gesungen.




Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/reformationsfest/ 
[2] Der Thesenanschlag wird erstmals in einer Bearbeitungsnotiz zum Neuen Testament Luthers Sekretär Georg Rörer ca. 1540 verschriftlicht; diese Notiz wurde allerdings erst 2006 gefunden. 
https://de.wikipedia.org/wiki/95_Thesen 

[3] Die 95 Thesen Martin Luthers kann man sich auch herunterladen:
https://www.ekiba.de/media/download/variant/55130/95_thesen.pdf   
[4] 1. Kor 3,11
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.3 Röm 3,21–28
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JAS.2 Jak 2,14–26
[7] https://www.bibleserver.com/LUT/1.Timotheus5 1. Tim 5,9.10
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.5 Mt 5,1–10(11–12)
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Schma_Jisrael 
[11] https://www.bibleserver.com/LUT/1.Timotheus2 1. Tim 2,1
[12] Aus den Fürbitten, ausgearbeitet von Vikar Joscha Halm.

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Monday, October 13, 2025

Die Pfarrkirche St. Martin in Nohn (Eifel)

 


Nohn liegt an der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in der Vulkaneifel und gehört zu Gerolstein. Die Gemeinde hat etwa 460 Einwohner [1]. Nohn geht wahrscheinlich auf das lateinische ad nonum lapidem [m neunten Meilenstein] zurück. Die erste Erwähnung der Gemeinde findet sich über die Schenkung einer Kapelle in einer gefälschten Urkunde aus dem Jahr 970. Gesicherte ist dann die Erwähnung in einer Urkunde des Erzbischofs Herbert von Köln aus dem Jahr 1019, in der die Überlassung eines Hofes in Nähe an die Abteikirche Deutz belegt wird. Die Abtei Deutz [Abbatia Sancti Heriberti Tuitiensis] war ein Benediktinerkloster in Köln-Deutz an der Stelle des ehemaligen römischen Kastells Divitia. Auf den Klostermauern aber steht das Caritas-Altenzentrum St. Heribert, in dem meine Mutter vor ihrem Tod lebte [2].

Ein Vorgängerbau mit dem hl. Martin als Patron ist für das 10. Jahrhundert belegt, wurde aber wegen Baufälligkeit abgerissen (wann?). Der Turm Pfarrkirche St. Martin stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Saalkirche wurde 1781 von einem Laienbruder der Steinfelder Prämonstratenser errichtet. Es handelt sich um Conradus (Conrad, auch Konrad) Neck (* 25. November 1730 in Solothurn; † 12. Januar 1810 in Steinfeld) wird in [1] Nick geschrieben, das ist wahrscheinlich ein Tippfehler [3]. Der neuromanische Bau besitzt einen Hochaltar aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die  Bruchsteinmauern sind verputzt und weisen im Kirchenschiff und im Chor Rundbogenfenster auf.  1830 wurde eine Sakristei angebaut [4]. 




Die Fenster stammen aus der Firma des Kunstglasers und Glasmalers Heinrich Maier (Bad Neuenahr) aus dem Jahr 1920 [5]. Ich zeige hier einen Ausschnitt aus „Die hl. Imelda beim mystischen Kommunionempfang“, auf deren etwas traurige Legende ich nach St. Martin zu sprechen kommen werde. Alle Fenster sind über die „Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V.“ einsehbar [6]. 


Die Orgel ist nicht im Organ Index aufgeführt, aber ich habe sie in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier [7] entdeckt. Die Orgel mit dem barocken Orgelprospekt, mit Akanthusschnitzwerk (um 1720?) und Vergoldung ausgestattet, stammt ursprünglich aus der Abtei Sankt Matthias in Trier und wurde 1868 für 200 Thaler von der Pfarrei Nohn erworben. Die letzte Renovierung wurde 1998 durch Orgelbauer Fasen durchgeführt; die Firma führt aktuell die Renovierungsarbeiten an der Orgel Christuskirche in Köln-Dellbrück aus [8]. Die Orgel von St. Martin in Nohn verfügt über 15 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen.



Nun zum Namenspatron – ich habe schon mehrfach über ihn geschrieben, aber ich meine, ich sollte noch etwas zum heiligen Martin schreiben bzw. von mir kopieren [9]. Martin von Tours, lateinisch Martinus wurde um 316/317 geboren und starb 397 bei Tours. Ihm wurde die Würde eines Heiliger als erstem Nicht-Märtyerer zugesprochen [10]. Am bekanntesten ist das Bild, auf dem er seinen Mantel mit dem Schwert teilt und die eine Hälfte einem armen, unbekleideten Mann gibt. Dies ging (nicht nur im Rheinland) ins Brauchtum mit kirchlichen Festen und Umzügen ein. Der Gedenktag von St. Martin ist der Tag seiner Grablegung und das ist der 11. November, der bald wieder ansteht; die genauen Termine für die Martinsumzüge in Köln und Eifel stehen noch nicht alle fest. Als Kinder sangen wir: „D'r hellije Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann, dä jof de Kinder Kääzcher un stoch se selver an.“ Es muß beim Auspicken des Kartons für die Laterne im Kindergarten gewesen sein, daß ich mich fragte, was nun so besonders daran war, daß er die Kerzen selbst anzündete. Er gilt auch als Schutzpatron der Flüchtlinge und davon gab es wohl noch nie so viele wie aktuell. Bei diesem Hintergrund sollten wir über kulturelle und technische Errungenschaften der Moderne schweigen und uns mehr Besinnung und Demut üben, Kirchen sind dafür ein guter Ort, aber ich gebe zu, dafür eignen sich auch andere Orte.


Kommen wir nun, wie oben versprochen, zu Legende um die hl. Imelda, mit vollem Namen Imelda Lambertini bzw. geboren als Maria Maddalena Lambertini [11]. Wer jetzt den Mund voller Marzipan hat, der schweige ein Weilchen, denn die Geschichte ist zu ernst und traurig. Imelda lebte ihr kurzes Erdendasein in Bologna – dort übrigens lehrte Umberto Eco Semiotik und auch wenn ich gerade sein Werk „Zeichen“ [12] gelesen habe, werde ich nicht zu „Zeichen und Wunder“ (sahen wir gescheh'n) abschweifen – sie wurde 1322 geboren und starb 1333. Bereits mit fünf Jahren verlangte sie nach der heiligen Kommunion, die aber damals erst im Alter 14 Jahren üblich war. Imelda trat mit neun (!) Jahren ins Kloster der Dominikanerinnen ein. Am 12. Mai Anno Domini 1333 sahen der Küster und der Priester das Licht des Heiligen Geistes über ihrem Kopf, als sie tief im Gebet versunken war, so daß der Priester ihr die Kommunion gewährte. Imelda blieb an ihrem Platz „mit einem seligen Lächeln“ zurück und als eine Nonne sie zum Essen holen wollte und anstieß, fiel sie tot um. Imelda ist die italienische Patronin der Ersten Heiligen Kommunion, und obwohl ihr Leichnam unverwest ist, wurde der Heiligsprechungsprozess 1942 eingestellt. Immerhin hat Papst Leo XII. sie 1826 seliggesprochen, so daß der aktuelle Papst Leo XIV. nun gefordert ist, Imelda heilig zu sprechen und kommt mir nicht mit „historisch belastbaren Beweisen“. 

Die Gegend um Nohn eignet sich für Wanderer und andere Reisende, den Wasserfall von Dreimühlen [13] sollte man dabei nicht verpassen. 





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nohn Der Artikel ist sehr umfangreich, damit sehr informativ, aber auch sperrig.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Caritas-Altenzentrum St. Heribert 
[3] Ich halte Neck für eher richtig, denn die Schreibweise wurde über die Fußnote 1304 in https://personendatenbank.germania-sacra.de/files/books/S21_Joester_Steinfeld.pdf belegt, und die berucft sichsich auf S. 421 von:
Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 11,2). Düsseldorf 1932 (ND 1982).
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_(Nohn) 
[5] Heinrich Maier (1881–1923); den Abschluß der letzten Arbeit hat er nicht erlebt, das war St. Willibrord in Bad Neuenahr. https://www.kirchen-ahr.de/kirchen/willibrord/ 
[6] https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8893/b8893.shtml 
[7] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3095 
[8] „In der Eifel arbeiten der Orgelbauer Hubert Fasen und seine Mitarbeitenden daran, die Orgel der Christuskirche neu erstehen zu lassen.“ S. 7 im aktuellen Gemeindebrief (02/2025).
https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/wp-content/uploads/2025/09/gemeindebrief_02-2025.pdf 
[9] Text teilweise schon hier: 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/03/die-pfarrkirche-st-martinus-in.html und hier: 
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/03/st-martinus-in-abenden.html 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours 
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Imelda_Lambertini 
[12] Umberto Eco: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Aus dem Italienischen von Günter Memmert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977.  ISBN: 3-518-10895-6. 
[13] Eifelmärchen  https://rheumatologe.blogspot.com/2020/11/eifelmarchen.html

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Sunday, June 8, 2025

Altargesteck für Pfingstsonntag 07./08.06.2025

  


Pfingsten kann man als das Fest der christlichen Kirche auffassen, aber noch besser kann man es als das Fest des Heiligen Geistes auffassen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ [1] Die Jünger überkam damals die Kraft des Heiligen Geistes, der sich wie Flammen auf sie senkte. Im Wochenspruch hören wir: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ [2] Da wird bereits alttestamentarisch auf das Pfingstwunder, das Ausgießen des Heiligen Geistes, hingewiesen. Und dann sprachen die Jünger in Zungen und nein, darin sehe ich nicht das Zungenreden, sondern das Reden in Sprachen. Der Heilige Geist hebt sozusagen die babylonische Sprachverwirrung auf, damit die frohe Botschaft, nichts anderes bedeutet Evangelium, verbreitet werden kann. 

Darf ich das um eine Nuance zurücknehmen? Ich hatte bereits von der Installation um die Orgel der Christuskirche berichtet [3]. Da die Einweihung in diesem Gottesdienst durchgeführt wurde, las die Gemeinde im Kanon, jeder wie er wollte, aber in wechselnder Intensität aus der Fülle der Einsendungen für diese Installation, also z.B.: Rücksichtnahme, Liebe, Kommunikationsfähigkeit, Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Empathie, Bescheidenheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Würde, Respekt, Vertrauen, Großzügigkeit, Humor, Rettungsring, Menschenwürde, Scham, Scheu, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit, Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz, Resilienz, Augenhöhe u.w.m. – da war ebenso ein Brausen und erfüllte das ganze Haus.

Im Evangelium geht es um „Die Verheißung des Heiligen Geistes“, denn Jesus Christus will uns nicht als Waisen zurücklassen, sondern er gibt einen Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Textstelle endet mit: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ [4] 

Der Gottesdienst in der Versöhnungskirche war etwas bescheidener, aber er war besser besucht als gedacht. Das mag vielleicht daran gelegen haben, daß sich vorher bereits zum Singen getroffen wurde. Da wir einen Chor mit dem Namen Singaholics haben, taufte ich diese Gruppe kurzerhand Singalongics. Es war nett, denn sie bereicherten den Gottesdienst mit ihrem Gesang. Während sich der Gottesdienst der Idee des Wiederfindens der Sprache stellte, befaßte sich der Gottesdienst in der Versöhnungskirche mit dem Problem des Verstummens. Und mit dem Schweigen hatte ich mich am Tag zuvor in einer kafkaesken Parabel beschäftigt [5].


Die liturgische Farbe Rot ist für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Kirche an sich zu tun haben, gedacht. Nach römisch-katholischer Sicht tragen auch Karfreitag und Palmsonntag die Farbe Rot (und die Feste der Märtyrer), nach evangelisch-lutherischer Sicht ist Rot nur noch für das Reformationsfest [6] vorgesehen. Und die Altargestecke waren gar nicht so schlecht, man war bemüht, aber blaßlila hatte mir nicht so zugesagt.

 


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/pfingstsonntag/  
[2] Sach 4,6b
[3] Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/die-orgel-in-der-christuskirche-und.html 
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,15–19(20–23a)23b–27
[5] K. und die Stadt des Schweigens 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/06/k-und-die-stadt-des-schweigens.html 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben   

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Die Orgel in der Christuskirche und eine Installation von Reinhard Doubrawa

 


Die Orgel in der Christuskirche muss überholt und erweitert werden und wurde dafür von Orgelbauer Hubert Fasen mit seinen MitarbeiterInnen bereits ausgebaut. Die leere Außenhülle der Orgel ist jedoch auf der Orgelempore zu sehen. Deshalb wurde nach einer Lösung gesucht.

Während des Pfingst-Gottesdienstes konnten wir die Ersatz-Orgel hören. Wenn man so gut spielt wie Mechthild Brand und ein zweiter Organist (Bernd Heyder) zur Verfügung steht, der die Register zieht [1], dann kann man Carl Philipp Emmanuel Bachs Sinfonie Nr. 3 in F-Dur zur Freude der Zuhörer darbieten. Schön, daß es möglich ist, aber ich werde darauf hin arbeiten, daß wir nach Fertigstellung der Orgel dieses Stück noch einmal hören dürfen.

Der Künstler Reinhard Doubrawa [2] hatte die Idee, das leer geräumte Orgelgehäuse für ein Kunstwerk zu nutzen. In der Gemeinde gab es einen Aufruf: „Welche Tugenden sind gebraucht, damit Menschen gut miteinander sein können? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, dass Zusammenleben gelingt? Welche Verhaltensweisen sind wünschbar, dass wir miteinander gut sein können?“ Da sind sehr viele Zuschriften gekommen, wie z.B.:
Bescheidenheit, Würde, Respekt, Augenhöhe, Vertrauen, Großzügigkeit, Humor, Rettungsring, Menschenwürde, Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz, Resilienz, Augenhöhe, Solidarität, Gerechtigkeit. Rücksichtnahme, Liebe Kommunikationsfähigkeit, Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Empathie, Scham, Scheu, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit und viele, viele mehr. Aus diesen hat Reinhard Doubrawa eine Auswahl getroffen und Stoffe mit diesen Begriffen versehen und sie gut sichtbar zu einer Installation des Orgelgehäuses vereint. Herzlichen Dank dafür!

Mehr zu Planung und Vorarbeiten der Orgelsanierung finden Sie hier [3]. Sie können zum Beispiel eine Patenschaft für einzelne Pfeifen in der Orgel übernehmen. Die Namen aller Patinnen, Paten und aller Spender*innen, die das wünschen, werden auf eine „Dankestafel“ geschrieben und in der Kirche aufgehängt oder auch nur so spenden [4]. 
 
 


Links und Anmerkungen:
[1] Beim Allegro hatte ich die Assoziation „Pinball Wizard“ … 
[2] Reinhard Doubrawa (geb. 1963) ist ein deutscher Konzeptkünstler. Er hatte u.a.m. einen Lehrauftrag in Dessau (Bauhaus). 
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Doubrawa   
Bauhaus ist in unserer Familie ein großes Thema, hier z.B. angesprochen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/the-grand-tour-bauhaus-deutschland.html 
[3] https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/presbyteriumssitzung-november-2024/  
[4] Ev. Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide
IBAN: DE98 3705 0198 0005 9021 68
BIC: COLSDE33XX
Bitte denken Sie daran, auf der Überweisung Ihren Namen und die Adresse anzugeben, damit die Gemeinde eine Spendenbescheinigung zusenden kann.

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Sunday, February 16, 2025

Altargesteck für den 15./16.02.2025 Dritter Sonntag vor der Passionszeit – Septuagesimä

 


Der dritte Sonntag vor der Passionszeit hat den lateinischen Namen Septuagesimä, ab jetzt sind lateinische Namen auch gebräuchlich, anders als es letzte Woche gewesen ist. Es bedeutet 70 Tage (vor Ostern), aber bitte nicht nachrechnen, denn es kann nicht genau aufgehen. Seit etwa dem sechsten Jahrhundert wurde der Passionszeit noch eine Vorfastenzeit vorangestellt. Trotzdem ist die liturgische Farbe Grün und nicht Violett. Das aktuelle Evangelium handelt von der Geschichte der Arbeiter im Weinberg – dazu kommen wir gleich. Die Kernaussage ich: „Nicht die eigene Leistung zählt, sondern Gottes Gnade.“ [1] Dazu paßt selbstverständlich der Wochenspruch: „Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ [2]

In der Geschichte der Arbeiter im Weinberg wird erzählt, wie Arbeiter über den Tag angeworben werden und sie, egal wann, übereinkamen, daß der Lohn einen Silbergroschen betrage. Noch kurz vor Ende des Tagewerks werden die letzten angeworben und auch sie bekommen einen Silbergroschen, als die an die Reihe kamen, die als erste angeworben worden waren und den ganzen Tag gearbeitet hatten, dachten sie, sie würden mehr bekommen und bekamen aber auch nur einen Silbergroschen. Da murrten sie. Da sagte der Besitzer des Weinbergs zu einem: „Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?“ [3] Eigentlich hatten sie doch recht, die den ganzen Tag gearbeitet hatten? Jedenfalls denken wir so, wenn wir die Arbeitsleistung heranziehen. Aber hier geht es um eine Gerechtigkeit, die niemanden ausläßt. Nicht die erbrachte Leistung zählt, sondern Gottes Gnade. Das wird ähnlich in der Epistel angesprochen, deren Textauszug heute sehr kurz ist und im letzten Vers gipfelt: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ [4]

Auch der Predigttext ist heute kurz, aber dafür hat er es auch in sich, zitieren möchte ich die mittleren zwei Verse: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit.“ [5] Achtung! Abschweifung! Eines der vier grundlegenden Bücher, die der Neo-Konfuzianer Zhu Xi [6] festgelegt hatte, heißt „Lehre vom Mittelmaß“ [7]. Man soll die Mitte und damit Harmonie finden. “中不偏,庸不易。” [Die Mitte strebt nicht nach den Seiten, das Unveränderliche ist nicht einfach] findet man im Drei-Zeichen-Klassiker (三字經) [8]. Und den Weg der Mitte propagierte auch Buddha. Will der Prediger nun zur Gleichgültigkeit aufrufen? Das sei ferne. Es geht vielmehr darum, uns nicht zum Maß der Dinge zu machen, ja genau wie es aktuell seit einigen Wochen in den USA passiert, und in Selbstgerechtigkeit eine realistische Sicht auf unsere Grenzen zu verlieren. Es ist gut an sich zu arbeiten, zu lernen, sorgfältig zu denken, aber Fehler und Scheitern ist Teil des Lebens und nicht zu vergessen, das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Güte. Das Einebnen, das Nivellieren finden nicht nur hier sondern auch z.B. hier: „Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott!“ [9]

Das leitet jetzt zum Gottesdienst in der Christuskirche über, denn dort feierten wir am Vorabend von Septuagesimä den Gottesdienst als Evensong, einem Abendgottesdienst nach Form der anglikanischen Kirche aus dem 16. Jahrhundert [10], in dem Lobgesänge ein besonderes Gewicht haben. Eigentlich sollte dieser Gottesdienst in der Versöhnungskirche stattfinden, aber das ging wegen der weiterhin defekten Heizung nicht.

Even kann man auf „eban“ zurückführen, das im Altsächsischen und im Althochdeutschen gleich war. Man kann es also mit eben, glatt, gerade, ausgeglichen übersetzen. In der Form Evensong wurden Elemente aus Vesper und Komplet übernommen, der Gottesdienst wir vom Chor getragen, der in der Christuskirche von der kantorei coro con spirito und dem jugendchor singaholics unter der Leitung von Mechthild Brand und mit Klavierbegleitung von Roland Techet gestellt wurde. Es war ein erhebendes Erlebnis. Mir hatte der Choral „Thou Wilt Keep Him in Perfect Peace“ [11] von Samuel Sebastian Wesley [12] besonders gut gefallen. Abschluß bildete ein Duett von Orgel (Mechthild Brand) und Klavier (Roland Techet), das mir ebenso gefallen hat.




Die liturgische Farbe ist Grün. In Köln stand das Altargesteck die meiste Zeit hinter dem Chor und das war gut so, denn so besonders sah es nicht aus. In Kall stand aber wiederum ein prächtiges Gesteck bereit. Ich habe sogar die grünen und violetten Blüten gesucht – die grünen sind Chrysanthemen und die violetten sind Dahlien. Beide passen in die aktuelle Zeit der Liturgie.


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/septuagesimae/  
[2] Dan 9,18
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.20 Mt 20,1–16
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PHP.2 Phil 2,12–13
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ECC.7 Pred 7,15–18
[6] Zhu Xi (
朱熹) lebte in der Song-Dynastie und zwar von 1130 bis 1200.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zhu_Xi
[7] „Die Lehre vom Mittelmaß“ oder das Zhong Yong (
中庸) beinhaltet den Mittelweg und den gesunden Menschenverstand. https://de.wikipedia.org/wiki/Mitte_und_Ma%C3%9F  
[8] San Tzu Chi.g. 
三字經. Elementary Chinese. Translated and edited by Herbert A. Giles. 2nd ed. Cambridge 1910.
[9] Jes 40,3
[10] Hier steht mehr dazu: https://michael-pfeifer.de/evensong/  
[11] Thou Wilt Keep Him in Perfect Peace von Samuel Sebastian Wesley kann man sich auch anhören:
https://www.youtube.com/watch?v=jbyTLETKy-c Das ist eine Zoom-Version.
https://www.youtube.com/watch?v=lvuFNvNhc2g Abendmusik Chorus, Plymouth Brass and organist Stephen Krahn conducted by Sir David Willcocks.
Youtube hat noch weitere Versionen, aber die schönste war für mich natürlich die in der Christuskirche, einfach durch den Live-Effekt.
[12] Samuel Sebastian Wesley (1810-1876) war ein englischer Organist, Chorleiter und Komponist. Sein Lied „Die Kirche steht gegründet“ ist Nr. 264 im Evangelischen Gesangbuch. https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Sebastian_Wesley  
 

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