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Wednesday, August 19, 2026

Bruderschaften – Schismen, Aufsplitterung – können wir uns das leisten?


Ich hatte mir vorgenommen, Zeitschriften, Papieren, Notizen auszusortieren und da fand ich einige Ausgaben des Kölner Rundbriefes der Priesterbruderschaft St. Petrus (im weiteren Petrusbruderschaft genannt [1]. Zu den Gründern zählten Priester und Seminaristen der Piusbruderschaft [2]. Wir kommen noch darauf zurück. Beiden Bruderschaften ist der Traditionalismus gemein. Reformen, Lehren und Ansichten des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) werden abgelehnt, insbesondere die Liturgiereform; unter [2] steht mehr dazu. Traditionalismus ist aus meiner Sicht ein Euphemismus für erzkonservativ oder erzreaktionär.

Was schreibt nun P. Bernhard Gerstle in seinem Leitartikel? Er berichtet im Rundbrief Nr. 276 über eine Privataudienz der Generaloberen der Petrusbruderschaft bei Papst Leo XIV. [3]. „Das Treffen diente vor allem dem Kennenlernen und dem Austausch von Informationen.“ Der Bericht der Visitation im Jahr 2025 stand noch aus, aber man hoffte, daß der Bericht positiv ausfallen würde. Ich habe gerade nachgeschaut, aber mehr als die Ankündigung der Visitation vom September 2024 habe ich im Internet nicht gefunden. 

Im Rundbrief Nr. 280 berichtet P. Gerstle über die unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft vom 1. Juli 2026 [4]. Die Bischöfe de Galaretta und Fellay der Bruderschaft weihten vier Priester zu Bischöfen. Das hatte zur Folge, daß die beiden konsekrierenden Bischöfe (waren die nicht schon exkommuniziert?) sowie die vier neuen Bischöfe exkommuniziert [5] wurden. Auch die Kleriker, die  weiterhin Mitglieder der Bruderschaft bleiben, werden sich die Kirchenstrafe der Exkommunikation zuziehen. Mit den neuerlichen Bischofsweihen hat sich ein Schisma ergeben – eigentlich schon 1988 mit den von Erzbischof Lefebvre vorgenommenen Bischofsweihen, aber man versuchte zu kitten, was noch zu kitten sein könnte.

Sämtlich großen Religionen machen Spaltungen durch. Vergleichen Sie einmal Theravāda, Mahayana, Vajrayana und Navayana im Buddhismus [6]. Oder die Spaltungen im Islam – erwähnen Sie nur nicht den Sufismus in Saudi Arabien! 

Ob sich bei den katholischen Geschwistern noch weitere Schismen auftun, könnte mir ja egal sein. Aber die Zahlen sprechen für sich. 1950 fühlten sich noch 95% der Bevölkerung den beiden Volkskirchen zugehörig. 1990 ging man nach der Wiedervereinigung immer noch von 72% aus, während diese Zahl mittlerweile unter 50% liegt. Können wir es uns noch leisten, im christlichen Glauben immer noch weitere Aufsplitterungen durchzuführen? Eigentlich ist es kontraproduktiv, aber es läßt sich nicht vermeiden. Vielleicht ist die Vielfalt für das Überleben auch eine wertvolle Strategie. Die Natur macht es uns vor – der Fachbegriff ist Gendrift [7], ein wichtiger Evolutionsfaktor. Vielleicht sollte man weniger Kittversuche unternehmen als herausfinden, was denn gemeinsam möglich ist. Und wenn die einen die Messe auf Latein führen wollen, warum denn nicht? Andererseits begannen die evangelischen Gottesdienste bereits 1521 mit der deutschen Sprache – bei römisch-katholischen Messen dauerte es etwa 450 Jahre länger.



Links und Anmerkungen:
[1] „Die Priesterbruderschaft Sankt Petrus (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri, Ordenskürzel FSSP) ist eine römisch-katholische Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts von Klerikern.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Petrus 
[2] „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X, Kürzel FSSPX, umgangssprachlich oft Piusbruderschaft oder Piusbrüder) ist eine Priestervereinigung von aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossenen Traditionalisten.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X. 
Der Holocaustleugner Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson wurde in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt.
[3] Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 276. Februar/März 2026. S. 1.
[4] P. [Bernhard] Gerstle: Die unerlaubten Bischofsreihen der Piusbruderschaft und ihre Folgen. In: Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 280. Februar/März 2026. S. 2-3.
[5] Ist in der heutigen welt nicht mehr so katastrophal wie früher. Schon gar nicht mit dem Excommunicado in den John Wick filmen mit Keanu Reeves zu vergleichen.
[6] Habe ich gerade herausgesucht, weil ich den einen oder anderen Artikel vielleicht für einen Artikel zur Mongolei benötige:
https://de.wikipedia.org/wiki/Theravada 
https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana 
https://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana 
https://de.wikipedia.org/wiki/Navayana 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Gendrift 

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Saturday, May 30, 2026

Die Pfarrkirche St. Antonius in Kreuzberg 2.0


Über die Pfarrkirche St. Antonius in Kreuzberg habe ich bereits vor etwa fünf Jahren berichtet [1], aber der aktuelle Besuch hat sich für mich gelohnt. Kreuzberg gehörte früher zu Wahlen, das aber 1969 nach Kall eingemeindet wurde. Kreuzberg wurde 1972 nach Hellenthal umgegliedert. Die Ortschaft hat 102 Einwohner und liegt 578 m hoch [2].


Die Pfarrkirche ist Antonius dem Wüstenvater (auch Antonius der Große oder der Einsiedler genannt) geweiht [3]. Sie ging aus einer barocken Saalkirche (17. Jahrhundert), von der heute noch der Chor erhalten ist, hervor. Ab dem  17. Jahrhundert gehörte der Ort zur Pfarre Wildenburg. Im 19. Jahrhundert wurde die Erhebung zur Pfarre abschlägig entschieden, allerdings gab es dann bei einem erneuten Antrag (1950) einen positiven Entscheid, so daß 1953 Kreuzberg eigenständige Pfarre wurde. Zur Pfarre Kreuzberg gehören noch einige Weiler und die Pfarre Wildenburg ging in ihr als Pfarrvikarie auf. 1925 erweiterte man die Kirche nach Westen und errichtete einen neuen Glockenturm. Die Schäden des 2. Weltkrieges hat man bis 1956 beheben können. In den 1960er Jahren hat man den zu kleinen Teil zwischen Chor und Glockenturm abgerissen und durch ein breiteres Kirchenschiff ersetzt. Je nachdem von welcher Seite man die Kirche betrachtet, sieht sehr verschieden aus. Von oben (Google Maps z.B. [4]) wirkt sie ein wenig wie ein Stealth Bomber oder der Millinium Falke.



Es gibt vier Fenster im Chor von zwei Künstlern. Einzelheiten dazu kann man sich auf der Seite der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. [5] ansehen. Die beiden Chorfenster von Hermann Gottfried aus dem Jahr 1963 (die heilige Barbara und der heilige Aloiyius von Gonzaga) empfand ich vor fünf Jahren als ganz nett. Dieses Urteil aber hat sich gewandelt. Ich finde sie heute sehr ansprechend. Hermann Gottfried [6] wurde bekannt durch seine Arbeiten am Straßburger Münster. Er lebte lange in Herkenrath (Stadtteil von Bergisch-Gladbach), dem ich seit der Kindheit verbunden bin.
Die beiden anderen Fenster zeigen den heiligen Antonius und den heiligen Hubertus) und haben für mich eine besondere Ausstrahlung. Diese beiden Fenster wurden von Franz Melchior geschaffen. Die Autoren von Wikipedia vermuten die 1920er Jahre, aber die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. läßt dies offen. Stilistisch aber könnte die Annahme der 1920er Jahre stimmen. Franz Melchior selbst ist ebenfalls interessant. Er hat keinen Wikipedia-Eintrag, was mich verwundert. Er wurde 1881 geboren und hat sein Geschäft Anfang der 1950er Jahre an einen Namensverwandten (Sohn?) übertragen. Er hatte sich gegen das NS-Regime, Hitler und den Krieg
geäußert, was ein Metzger belauscht und zur Anzeige gebracht hatte [7]. Schließlich wurde er 1943 von einem Sondergericht aufgrund des Heimtücke-Gesetzes – dieses Gesetz ist selbst die größte Heimtücke – zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet, aber die hatte nur neun Tage betragen. Die Haft wurde allerdings immer wieder „zur Erledigung kriegswichtiger Glaserarbeiten“ aufgeschoben, bis sich das durch Kriegsende erledigt hatte, bzw. durch die nachfolgende Amnestie. 


Über die Orgel findet sich kein Eintrag im OrganIndex. Im Wikipedia-Artikel das Instrument auf das Jahr 1959 datiert. „Es besitzt eine elektropneumatische Traktur und 10 Register auf zwei Manuale und Pedal verteilt.“ [3] In der Opusliste des Hellenthaler Orgelbauers Weimbs erscheint es als Opus 40 aus dem Jahr 1958 mit 11 Registern [8]. Die Orgel ist durch die weit ins Kirchenschiff reichende Empore nicht gut zu sehen.

Der heilige Antonius lebte von ca. 251 bis 356 [9]; der Zeitpunkt seines Todes war bekannt und sein Alter soll da 105 Jahre, wie bei Kirk Douglas („Spartacus“) [10], betragen haben, so daß man zurückgerechnet hat. Er war in die Wüste hinausgezogen und gilt als einer der Väter des Mönchtums. Wen das Thema mehr interessiert, der kann über ihn, Pachomius, Simeon und weitere bei Hans Conrad Zander nachlesen [11]. Vielleicht so viel: Antonius hatte ein duales System für sich etabliert. Er war wg. der Einsamkeit in die Wüste gezogen, hatte dann doch zu viel geredet und fühlte sich von den Menschen belästigt, die sich das anhören wollten. Darauf hin verließ er Pispir (heute Al Mayr, bzw. östlich davon) und ging nach Kolzim (westlich vom heutigen Zafarana, an der Tankstelle „Chill out“ vorbei), denn da konnten ihn die Jünger abschirmen. Und dann ging er alle halbe Jahre zurück nach Pispir, um dort wieder über seinen Kampf mit den Dämonen zu berichten.

Der hl. Hubertus (von Lüttich) wurde um 655 in Toulouse geboren und starb am 30.05.727 bei Brüssel. Er hat als Attribut ist einen Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih [12]. Nach einer Version der Hirschlegende ließ sich Hubertus nach „der Erscheinung eines Kruzifixes im Geweih eines gejagten Hirsches taufen und schwor der Jagd ab und wurde vom leidenschaftlichen Jäger zum Nichtjäger“. Aber eigentlich war Hubertus gar kein Jäger, sondern bekämpfte den noch gegenwärtigen heidnischen Kult um Diana, der antiken Schutzgöttin der Jagd. Dies und weitere Einzelheiten zu der Hirschlegende kann man im Wikipedia-Artikel nachlesen [12] und ich halte Hubertus für den ersten prominenten Jagdgegner. Ich habe mich vor über 15 Jahren als Jagdgegner geoutet – Lustig ist die Jägerei / Piff! Paff! – [13]. Ich möchte aber Förster etc. außen vor lassen.

Aloysius von Gonzaga war ein italienischer Jesuit und lebte von 1568 bis 1591. Er kümmerte sich intensiv um Pestkranke, infizierte sich selbst und starb mit 23 Jahren. Papst Benedikt XIII. hat ihn 1726 heiliggesprochen. Und was es mit den blau-weißen Turnschuhen und einem blau-weißen Fußball (FC Schalke 04) auf sich hat, müssen Sie im Wikipedia-Artikel [14] nachlesen.

Der Besuch lohnt sich, auch oder gerade weil kein markierter Wanderweg dort vorbeiführt.




Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/pfarrkirche-st-antonius-in-kreuzberg.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzberg_(Hellenthal) 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Antonius_der_Einsiedler_(Kreuzberg) 
[4] 50.448854992320854, 6.501041640392223
[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2720/b2720.shtml 
[6] Hermann Gottfried (1929-2015) war ein deutscher Künstler und Glasmaler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Gottfried 
[7] https://rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/franz-melchior-aeusserte-sich-gegen-das-ns-regime-und-den-krieg/DE-2086/lido/dc00020482 
[8] https://weimbs.de/orgeln/opusliste/ 
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_der_Gro%C3%9Fe 
[10] Kirk Douglas (1916-2020) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Schriftsteller. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kirk_Douglas 
[11] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002. ISBN 3-462-02982-7.
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich 
[13] Lustig ist die Jägerei / Piff! Paff!
https://rheumatologe.blogspot.com/2010/08/lustig-ist-die-jagerei-piff-paff.html  
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Aloisius_von_Gonzaga 

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Monday, April 27, 2026

Die Kirche St. Michael in Steffeln in der Eifel

 


Steffeln liegt im Landkreis Vulkaneifel und gehört zu Gerolstein [1]. Da sich Siedlungsspuren der Römer für das 2./3. Jahrhundert nachweisen ließen, wäre ich interessiert, wie viele Menschen es dorthin verschlagen hatte. Oder mindestens wie viele es im 10. Jahrhundert (983) waren, als sich der Ort als „Stephilines“ im Besitz der Abtei Prüm befand. Dann könnte man es mit der Zahl von aktuell 641 Einwohnern vergleichen. 

Wikipedia berichtet zur Pfarrkirche St. Michael in Steffeln, daß sie mitten im Dorf auf einem Tufffelsen [2] („Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen") steht, schon 1501 eine Kirche existiert, ein neues Kirchenschiff 1711 dort errichtet wurde, 1923 der Westturm neu gebaut wurde und das Innere der Kirche 1999 renoviert wurde. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und seit 2007 gibt es eine neue elektronische Orgel. Ich bin häufig mit wenigen Angaben zufrieden, aber diesmal nicht. Das ist dürftiger als es Informationen gibt.

Vor etwa 15 Jahren (2010) feierte Steffeln das 350-jahrige Jubiläum der Erhebung zur selbständigen Pfarrei und da gab es einen sehr ausführlichen Artikel von Peter Schug [3]. Auch wenn eine Kirche für 1501 angenommen wird, wird doch erst 1556 eine Kirche in Steffeln schriftlich erwähnt. Der Pfarrer Johannes Blum bemängelte bereits im Jahre 1687 der Verfall des Gebäudes, aber erst 1711 erfolgte der Neubau des Kirchenschiffs. Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Säkularisierung und nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde Steffeln dem Kreis Prüm zugeordnet. Von 1822 bis 1868 prägte Pfarrer Christian Mertens das kirchliche Leben in Steffeln und einige seiner Anschaffungen werde ich später noch erwähnen, wobei bauliche Veränderungen außen nicht beschrieben wurden. Der Kirchenraum wurde innen allerdings erst zwischen 1890 und 1900 im neugotischen Stil neugestaltet. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1890 und zwar von einem Kunstschreiner Haag aus Euskirchen. Der alte Kirchturm (16. Jahrhundert!) wurde 1923/1924 neu gebaut, nachdem er baufällig geworden war und es 1904 einen Blitzeinschlag gegeben hatte. Im zweiten Weltkrieg gelobten die Steffeler, eine Kapelle zu errichten, wenn die Kirche von Bomben verschont bliebe. Diese Kapelle gibt es [4].
 
Die Glasfenster wurden einerseits nach Entwürfen des aus Steffeln gebürtigen Pfarrers Johann Matthias Finken gestaltet [5]. Andererseits aber auch von Rudolf Schillings (1925-2003) [6]. Rudolf Schilling war ein sehr produktiver Künstler, über den ich bereits berichtet hatte, aber zu dem ich weiterhin keine Einzelheiten wie eine Biografie oder einen Wikipediaeintrag habe finden können. Die ausführende Firma war die Glasmalerei Binsfeld aus Trier.


Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
Johann Matthias Finken (1952)

Johannes der Täufer
Rudolf Schillings (1952)





Pfarrer Mertens sorgte für zahlreichen Neuanschaffungen: 1856 wurde in Waldlaubersheim eine neue Orgel gekauft, die allerdings nicht die Zeit überdauert hat. Seit 2007 gibt es eine elektronische Orgel der Firma Kienle [7]. Ewald Kienle [8] stellte weltweit über 3000 Orgeln auf, wobei die größte Orgel in dieser Art in Tiflis im Jahr 2010 gebaut wurde; ich bedaure, sie mir 2024 nicht angesehen zu haben. 

Christian Mertens veranlaßte 1861 ein Umgießen der 12 Zentner schweren St. Michaelsglocke, die seit etwa 300 Jahren im Kirchturm hing, da sie gerissen war. Den ersten Weltkrieg hat nur die kleine Glocke von 1650 überdauert, alle anderen wurden für den Krieg eingeschmolzen. Auch im zweiten Weltkrieg wurden die Glocken abgeholt. Aus zwei alten Panzer hat die Firma Brockscheid Stahlglocken gegossen. Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Glocken – da bei ich sehr für zu haben!

Als Namenspatron hat die Kirche den Erzengel Michael [9], den Bezwinger des Teufels (Drachen). Der Name bedeutet „Wer (ist) wie Gott?“. Er trägt das Flammenschwert und ist Seelenwäger, d.h. ihm werden alle guten und schlechten Taten eines Menschen vorgelegt; auf der linken Seite des Chores wird eine Statue aus dem 12. Jahrhundert als Totenwäger erwähnt [10]. Im 1. Buch Henoch (apokryph) [11] wird Michael als vierter der sieben Erzengel genannt und als „barmherzig und langmütig“ bezeichnet. Dort werden auch erstmals Himmel und Totenreich beschrieben. Für Tertullian war das Henochbuch echt, obwohl es im jüdischen Kanon fehlte. Da aktuell Leo XIV. Papst in Rom ist, möchte ich Leo XIII. zitieren: „Sancte Michael Archangele, / defende nos in proelio / contra nequitiam et insidias diaboli ...“ [12].
 
Auf nach Steffeln! Und versäumen Sie nicht das Kapellchen [4] auf Wahlhausen! Ich muß unbedingt wieder nach Steffeln!





Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steffeln 
[2] Ich gebe zu, die drei F in Tufffelsen waren ausschlaggebend, den Artikel zu erwähnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Steffeln) 
[3] https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb2012/hjb2012.98.htm Der Artikel hat den ~18fachen Umfang des Wikipedia Artikels.
[4] https://www.eifel.info/pois/kapelle-wahlhausen 
[5] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_Steffeln&oldid=144308255 
[6] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8644/b8644.shtml  
[7] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19283 
[8] Ewald Kienle (1928-2021) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Kienle 
[9] Michael (hebräisch מיכאל; arabisch ميكائيل/ميكال) ist im Judentum, Christentum und Islam vertreten. In der Offenbarung des Johannes wird  Michael als Bezwinger Satans genannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel_Michael 
[10] https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=1527 
[11] https://www.gutenberg.org/cache/epub/4013/pg4013.txt 
[12] „Heiliger Erzengel Michael, beschirme uns im Kampfe / gegen die Bosheiten und Nachstellungen des Teufels.“ (1880)
Zitiert nach [9].

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Sunday, April 19, 2026

Die Kirche St. Nikolaus in Oberbettingen, Eifel

 


Die Kirche St. Nikolaus in Oberbettingen ist eine Filialkirche der Pfarrei Niederbettingen. So nun ist das schon einmal raus! Oberbettingen gehört zur Verbandsgemeinde Gerolstein [1], während Niederbettingen ein Stadtteil von Hillesheim ist. Interessanterweise hat nun Oberbettingen etwa 760 Einwohner, während die Zahl für Niederbettingen bei 270 liegt. Vielleicht hat es etwas mit der Säkularisierung zu tun. Die strikte Trennung nennt man Laizismus [2]. In Deutschland besteht eine hinkende Trennung, was ich jetzt einmal unkommentiert lasse. Oberbettingen wurde erstmalig im Jahr 845 in einer Urkunde Kaiser Lothar I. [3] erwähnt. Es gehört zum Bistum Trier.

Eine Kirche gab es in Oberbettingen seit mindestens 1658 (das liegt 10 Jahre nach Ende des 30jährigen Krieges). 1750 wurde sie Filialkirche von Niederbettingen. Nennenswerte Baumaßnahmen wurden 1827 (Chorraum), 1841 (Kirchenschiff), 1937 (Kirchturm) und 1960 (Kirchenschiff) durchgeführt [4]. Da die Kirche Nikolaus von Myra und darüber Brigida von Kildare geweiht ist, sind auch Holzfiguren von Nikolaus (17. Jahrhundert) und Brigida (18. Jahrhundert) vorhanden.


Die Orgel stammt von Orgelbau Hubert Fasen [5]. Über die Orgel in St. Nikolaus gibt es jedoch keine näheren Angaben

Fast alle Fenster stammen von Walter Bettendorf [6], über den das Internet angesichts des großen Werkes erschreckend wenig weiter zu geben hat. Ich habe „Maria unter dem Kreuz“ und „St. Brigida von Kildare“ ausgesucht, die aus dem Jahr 1960 stammen [7].



Der Namenspatron ist Nikolaus, und der ist einer der bekanntesten Heiligen. Er war Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien. Erstaunlich unscharf aber sind seine Lebensdaten -: geboren wurde er zwischen 270 und 286 (16 Jahre Ungewißheit) und gestorben ist er am 6. Dezember, allerdings werden die Jahre 326, 345, 351 und 365 genannt (das sind sogar 39 [8] Jahre Ungewißheit) [9]. Also erreichte er ein Lebensalter von 40 bis 95 Jahre. 
Zu den Wundern des hl. Nikolaus zählt das Quellenwunder: am Kopfende des Sarkophags entsprang eine Quelle mit Salböl und am Fußende eine mit Wasser, aber wahrscheinlich sind die Quellen versiegt, sonst könnten wir sie auf TikTok oder Twitter („X“) bewundern. 



Brigida von Kildare (ca. 451 bis 523) ist neben St. Patrick und Columban eine der drei Nationalheiligen von Irland [1]. Sie ist u.a. Schutzpatronin der und Milchviehwirtschaft sowie der Babys, Wöchnerinnen und Hebammen. Warum ist sie nun Heilige? Wikipedia so: „ Sie soll ihren heidnischen Vater durch ihre Freigiebigkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Kranken verärgert haben und daraufhin in ein Kloster gegangen sein.“ [10] Geradezu banal für eine Heilige des 5. Jahrhunderts. Interessant ist das Kreuz der Brigida, das aus Schilf oder Binsen geflochten wird.

Ich halte den Stopp in Oberbettingen für einen Besuch der Filialkirche St. Nikolaus für sinnvoll.
 




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberbettingen 
[2] Wie in Frankreich durchgeführt. Für Einsteiger: es hat übrigens nichts mit Lamaismus zu tun. Die Wörter sehen nur ähnlich aus.
[3] Wikipedia schreibt: „in einer Urkunde des Königs Lothar“. Es muß aber Kaiser heißen, denn so steht es im Artikel zu Lothar I. [3a]. Und ich hatte zur Basilika von Prüm schon einmal Lothar I. erwähnt [3b].
[3a] https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_I._(Frankenreich) 
[3b] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/03/die-sankt-salvator-basilika-in-prum.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikolaus_(Oberbettingen) 
[5] Ich konnte den Betrieb kürzlich besuchen:
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/03/besuch-bei-orgelbau-fasen-in.html 
[6] Walter Bettendorf (1924-2004), mehr hier: https://rlp.museum-digital.de/people/1561
[7] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8900/b8900.shtml 
[8] 39 aber ist die Zahl der kanonischen Bücher des Alten Testaments – allerdings im Protestantismus, der Katholizimus kennt 46. Also doch nichts mit Zahlenmystik!
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Brigida_von_Kildare 

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Sunday, April 5, 2026

Die Wehrkirche St. Peter in Berndorf, Eifel

 


„Hand hoch, wer kennt Berndorf nicht?“ werfe ich mal in die Runde und werde es später auflösen. Berndorf liegt in der Vulkaneifel und gehört der Verbandsgemeinde Gerolstein an [1]. Der Ort hatte 510 Einwohner (Ende 2024). Im Jahre 1121 wurde der Ort erstmals urkundlich als „Berendorp“ erwähnt als das Kloster Steinfeld mit seinen Besitzungen an die Erzdiozöse Köln fiel (ich weiß, daß dies viel genauer geht, aber dafür gibt es die Anmerkungen). Nach dem Liber valoris wurde die Pfarrei „Berindorp“ genannt. In diesem Ort gibt es zwei Kirchen, die Wehrkirche St. Peter oben am Friedhof und etwas darunter liegend, die 1927 erbaute Pfarrkirche St. Peter, um die wir uns aber nicht kümmern wollen, denn die war abgeschlossen [2].

Bevor wir uns um die Wehrkirche kümmern, werfe ich nochmals den Ortsnamen Berndorf in die Runde. Michael Preute [3] hatte 23 Eifel-Krimis mit einer Auflage von 4-6 Millionen Exemplaren geschrieben und sein Verleger riet ihm Verleger zu dem Pseudonym „Jacques“, um die Romane von anderen Publikationen zu trennen, und Michael Preute ergänzte den Namen mit seinem damaligen Wohnort Berndorf.



Über die Wehrkirche St. Peter gibt es im Internet nur zwei kurze Absätze [4], keinen Wikipedia-Eintrag, keine Auflistung des Fenster bei Glasmalerei des 20. Jahrhunderts und da die Kirche keine Orgel besitzt, auch nichts über die Orgel. Einige Informationen finden sich aber an der Kirche selbst. Den Kirchenraum kann man einsehen, aber nicht begehen.

Die Wehrkirche wurde zwischen 1513 und 1515 erbaut, wobei Chor und Sakristei an eine noch ältere Kirche angebaut wurden. Die Kirche steht auf einer Anhöhe und wurde deshalb mehrfach durch Stürme oder Blitzeinschlag beschädigt. 1545 entstand der Turm. Zwischen 1748-1948 bestand eine Zeltdachpyramide als Turmdach und ab 1948 ein Satteldach. Die heutige Form der Kirche ist auf Renovierungsarbeiten zwischen 1961-1965 zurückzuführen.  „Links vom Chorbogen erblickt man eine Holzfigur des hl. Leonhard (um 1750), auf der rechten Seite steht die hl. Barbara (um 1680).“ Das Alter der Eingangstür wird auf etwa 500 Jahre geschätzt. Die Fresken, die teilweise schon vor Jahrhunderten bei Baumaßnahmen zerstört wurden, sind nur schlecht zu sehen. Das gilt auch für die Fenster. 

Am 08.09.1988 wurde die Wehrkirche als schutzwürdiges Kulturgut nach der Haager Konvention gekennzeichnet. Ich rate zum Besuch.






Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Berndorf_(Eifel)  
[2] Ich liebe es gar nicht, wenn Kirchen verschlossen sind, kann aber Ängste vor Diebstahl nachvollziehen.
[3] Michael Preute (1936-2022), Pseudonym Jacques Berndorf, war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er lebte Dreis-Brück bei Hillesheim. Wikipedia weiß außerdem: „Nach seinem Abitur begann er in Köln ein Medizinstudium.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Berndorf 
[4] https://www.eifel.info/pois/wehrkirche-berndorf und 
http://www.st-martin-hillesheim.de/index.php/pfarreien/kirchen/berndorf 


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Thursday, March 26, 2026

Die Wallfahrtskirche St. Maria in Auel, Eifel

 


Als ich kürzlich nach Oberbettingen fuhr, um die Orgelwerkstatt Fasen zu besuchen [1], kam ich durch Steffeln und Auel. Und in Aue?l war mir die Kirche im Vorbeifahren aufgefallen. Es handelt sich um die Wallfahrtskirche St. Maria,  zu der man erst hinfahren muß, also von der Durchfahrtsstraße in den Ort hinein muß. Aber das lohnt sich! Ich bin in die Kirche hineingegangen und mußte mich erst einmal hinsetzen, so überwältigt war ich von der Schönheit dieser kleinen Kirche. Und ich gestehe es, diese Schönheit hat mir eine Gänsehaut verschafft. Nachdem ich mir alles in Ruhe angesehen hatte, habe ich natürlich auch Fotos gemacht. Und ich wusste, daß ich diese Fotos hier auf dem Blog in einem Blogpost verwenden würde. Einigermaßen überrascht war ich, als ich begann, über die Kirche zu recherchieren, denn es gibt bislang keinen Wikipediaeintrag. Andererseits gibt es genügend anderer Quellen.

Auel liegt in der Vulkaneifel und gehört zur Ortsgemeinde Steffen [2]. Der Ort hat 166 Einwohner und ist seit mindestens 800 Jahren bekannt. Eine Erwähnung ist für das Jahr 1222 im Prümer Güterverzeichnis oder Urbar („Ovele villan I iuxta Lisendorpht que Ovele applatur.“) bekannt. Aber nach der einem Eintrag über Steffeln wäre auch 983 möglich [3]. Ich fand dann aber aus dem Prümer Urbar einen Hinweis, der beide Zahlen rechtfertigt: „Giuinesdorpht tenet comes de seyne de ecclesia et est sita satis propinqua linneche. predictus comes seynensis tenet I villam super fluvium kila que ouele appelatur“ [4]. Na gut, man hat vor einigen Jahren 800 Jahre Auel gefeiert und damit ist es wohl abschließend entschieden. Insgesamt ist die Gegend bereits seit der Römerzeit bewohnt: „In römischer Zeit (2./3. Jahrhundert) befand sich oberhalb des heutigen Ortes ein Gutshof (Villa rustica). Die Römer bauten bereits die vulkanischen Tuffe am Kirchberg ab.“ 

Die Wallfahrtskapelle stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde Ende der 1750er bis zum Jahr 1779 (Angabe an der Kirche „um 1760“) deutlich vergrößert und instandgesetzt. Aber bereits im Jahr 1257 war Auel als Filiale der Pfarrei Lissendorf bekannt und 1660 wurden Steffeln und Auel vom Pfarrverband Lissendorf als eigene Pfarrei abgetrennt. Der Hochaltar wurde im 17. Jahrhundert in der Werkstatt des Himmeroder Klosters erschaffen. Auel ist eigentlich kein Wallfahrtsort, denn verschiedene Bittprozessionen wurden 1832 untersagt, aber bis in die heutige Zeit führen Pilgerreisen durch Auel. Der Westturm stammt aus dem Jahr 1881 [5]. Eng mit der Geschichte der Kirche ist der Pfarrer und Kirchenstifter Michael Baur verbunden. Er war als Adjutant des Generals Graf Superi Teilnehmer des 4. österreichisch-russischen Türkenkrieges und heiratete nach dessen Tod die gräfliche Witwe, schlug die Erhebung zum Adelsstand aus, zog nach dem Tod der Ehefrau in die Heimat zurück und wurde später in Köln zum Priester geweiht. Durch den ererbten Reichtum konnte er die Kirche auf das Doppelte vergrößern und ausstatten. Interessanterweise starb er dann auch 1779 im Alter von 71 Jahren [6].






Der Hochaltar (Mitte) birgt eine Mondsichelmadonna, die wahrscheinlich im Auftrag der Gräfin von Blankenheim von einem Himmeroder Künstler  geschnitzt wurde. Zum linken Seitenaltar führte Peter May aus: „Bemerkenswert erscheinen die drei heiligen Frauen am linken Seitenaltar. Sie erinnern an den uralten keltisch-römischen Matronenkult, den wir von zahlreichen römischen Göttersteinen vor allem aus der Nordeifel kennen. Als Matronen wurden drei Frauen verehrt – eine junge zwischen zwei älteren -, die regelmäßig mit Fruchtkörben, Blumen, Ähren oder Wickelkindern dargestellt sind und denen sicherlich eine Bedeutung für die Fruchtbarkeit von Erde, Mensch und Tier zukam.“ [4] Über die Matronenheiligtümer hatte ich mehrfach berichtet [7]. Peter May vermutet, daß die Marienverehrung auf vorchristliche Muttergottheiten und Fruchtbarkeitskulte zurückgeht. Er führt eine Reihe von Prozessionen aus Esch, Hillesheim, Niederbettingen, Rockeskyll und Büdesheim an, die als Bittgänge für günstige Witterung und eine gute Ernte gedacht waren. So verwundert das Verbot im Jahr 1832 für das gesamte Bistum schon weniger.

Die jüngere Glocke (Marien-Glocke) wurde 1950 aus der ursprünglichen Glocke gegossen. Die ältere Johannes-Glocke stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1473 vom Meister Johann bzw. Jan von Alfter, zu dem ich an anderer Stelle (Sankt Margareta Reetz / Blankenheim) bereits recherchiert hatte, aber nicht mehr als den Namen gefunden hatte [8].

Mir hatte die Pietà, Fenster im Chor, aus dem Jahr 1919 besonders gefallen. Außerdem ist die Darstellung des Erzengels Raphael von Jakob Melchior (um 1950) zu nennen; mir gefiel am unteren Teil die Darstellung des Ortes mit der Wallfahrtskirche [9].

Wie erreicht man nun dieses Kleinod sakraler Architektur? Am besten geben Sie Auel, An der Kirch, (50.28270914890528, 6.587090649109899) in Ihr NAVI ein. 
 



Links und Anmerkungen:
[1] Besuch bei Orgelbau Fasen in Oberbettingen, Eifel 
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/03/besuch-bei-orgelbau-fasen-in.html 
[2] https://www.eifelverein-steffeln.de/index.php/bildergalerie/geschichte Als Informationsquelle wird Heinz Kilian aus Auel benannt.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Steffeln 
[4] „Gewelsdorf hat der Graf von Sayn von der Kirche zu Lehen, es liegt ganz nahe bei Linnich. Der vorgenannte Graf von Sayn hat auch ein Dorf am Fluss Kyll, welches Auel genannt wird.“ Übersetzung von Peter May:  
https://auel-800.jimdosite.com/  
Im Prümer Urbar wurden im Jahre 893 viele der Rechte und Einkünfte Benediktinerabtei Prüm aufgezeichnet, von dem aber nur die im Jahr 1222 angefertigte Abschrift und ergänzung des Exabtes Caesarius von Milendonk überdauert hat. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%BCmer_Urbar  
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Auel_(Steffeln) 
[6] https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb1986/hjb1986.59.htm 
[7] Z.B. hier:
Die Matronenheiligtümer um Nettersheim in der Eifel 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/08/die-matronenheiligtumer-um-nettersheim.html 
[8] Die Pfarrkirche Sankt Margareta Reetz 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/11/die-pfarrkirche-sankt-margareta-reetz.html 
[9] https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8643/b8643.shtml 

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Monday, December 29, 2025

Die Pfarrkirche St. Stephanus in Sistig (Eifel)


Vor einigen Tagen hatte ich die Pfarrkirche St. Hieronymus in Dahlem beschrieben [1] und dabei war mir aufgefallen, daß ich noch nie über St. Stephanus in Sistig oder St. Michael in Rinnen geschrieben hatte, denn das Hauptwerk von Ernst Johann Jansen-Winkeln, dessen Fenster ich in Dahlem bewunderte, ist die Ausmalung der Kirche St. Stephanus in Sistig. In Rinnen warten auch noch sehr schöne Fenster von ihm auf mich. Nun aber war es soweit, ich kam durch Sistig und die Pfarrkirche St. Stephanus, über die Straße zur Bushaltestelle war es fies glatt, aber danach konnte man sicher gehen. In der Kirche war niemand, aber das ist eigentlich die Regel.

Sistig gehört zu Kall und liegt auf etwa 530 m Höhe. Die Einwohnerzahl beläuft  sich auf etwas weniger als 800. Man vermutet eine Herkunft eine Ableitung des Namens Sistig von sextus und nimmt an, daß es bereits vor 2000 Jahren eine keltisch-römische Siedlung gab. Eine Kapelle wird für das Jahr 1214 urkundlich erwähnt, denn ab da mußte die Messe von einem der Mönche aus dem Kloster Steinfeld einmal wöchentlich gehalten werden [2]. Egal, ob man heute über Steinfelderheistert oder Gillenberg und Diefenbach läuft, es sind 4 km und die kann man ein einer Stunde bewältigen.


Über die bereits erwähnte Kapelle gibt es bislang keine Einzelheiten. Man nimmt an, daß sie im 15./16 Jahrhundert durch eine spätgotische, einschiffige Kirche ersetzt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese zu klein und wurde 1901 abgerissen. Die neue Kirche im neugotischen Stil nach Plänen von Joseph Prill, einem Essener Religionslehrer, wurde 1904 geweiht. Halt, nicht so schnell, denn über den Architekten erfahren wir, daß er Autodidakt war, das aber macht in doch so interessant, daß man nachhaken muß [3]. Joseph Carl Maria Prill wurde 1852 in Beuel geboren und starb 1935 in Donrath. 1875 wurde er im Kölner Dom zum Priester geweiht und lebte 1880-1883 in Rom. Er war fast 30 Jahr als Religionslehrer am Burggymnasium in Essen tätig und war nebenbei Autor und Architekt tätig. Im Wikipedia Artikel finden sich weitere Kirchen, für die er die Pläne entworfen hat. „St. Stephan ist eine dreischiffige und vierjochige Stufenhallenkirche aus Kalkstein in Formen der Neugotik. Der Chor ist fünfseitig geschlossen, der Glockenturm seitlich vorgebaut.“ [4] St. Stephanus wurde 1987 restauriert und 2017 im Westen um einen Anbau erweitert. Der Taufstein stammt aus der Zeit um 1800. 

Der Wikipedia Artikel listet die Priester auf, die ab 1920 tätig waren und mit P. Wieslaw Kaczor SDS [5] und seinem Pastoralteam weiter sind. Wenn man sich aber für die Zeit davor interessiert, so kann man das an dem Torbogen von Vorraum in die Kirche nachlesen. Aber wer macht das schon? Na klar, ich mache so was und fotografieren es auch noch – aber nein, dieses Foto bleibt in der Datei auf meinem Rechner. Da müssen Sie schon selbst nach Sistig.


Kommen wir zur Orgel – ich sage sage einmal, es bleibt interessant – auf der Empore, die ich älter geschätzt hatte. Sie ist das Werk der Hellenthaler Weimbs Orgelbau GmbH aus dem Jahr 1956 und wurde 1981 umgebaut. Damit könnte man sich zufrieden geben, immerhin kann man es so im OrganIndex nachlesen [6]. Ich fand die Orgel nicht auf der Opus-Liste von Weimbs Orgelbau [7]. Aber ich fand eine Orgel für St. Stephanus in Effelsberg, über die ich bereits berichtet habe [8]. Diese Orgel wurde 1889 von der Firma Gebr. Müller (Reifferscheid) erbaut und 1975 durch die Firma Josef Weimbs (Hellenthal) renoviert [9]. Ich meine, daß die Opus-Liste, die ich doch schon häufiger eingesehen habe, an dieser Stelle fehlerhaft ist.




Kommen wir nun zu Fenstern und Fresken. Die Fresken sind auch als „Sistiger Bilderbibel“ bekannt und wurden von Ernst Johann Jansen-Winkeln [10] in der Zeit von 1941 bis 1948 geschaffen. Mein Großvater und er hatten dasselbe Geburtsjahr und so verwundert es mich nicht, daß Jansen-Winkeln 1942 Soldat werden mußte und erst wieder 1945 an den Fresken weiterarbeiten konnte. Damit konnte er aber auch Adolf Hitler darstellen, allerdings unter den Dämonen. Wahrscheinlich gibt es keine weitere Kirche mit einer Darstellung von Adolf Hitler. Stilistisch wird er der verschollenen Generation zugeordnet. Ich meine, auch meinen früheren Kunstlehrer Heiner Schlesing dort zuordnen zu können [11].
Von Ernst Jansen-Winkeln stammen auch die Entwürfe zu den Fenstern im Seitenschiff (geometrische Ornamente) und dem Chor (Szenen aus dem Leben des Quirin von Neuss, Szenen aus dem Leben der hll. Sebastian und Stephanus, Szenen aus dem Leben des hl. Hermann Josef von Steinfeld) [12]. Regelmäßige Leser des Blog wissen über meine Obsession zu Quirinius Bescheid, der als Statthalter in Syrien vom Evangelisten Lukas erwähnt wird. Nun, Quirin oder Quirinus von Neuss aka Quirinus von Rom war ein ein römischer Tribun und christlicher Märtyrer aus dem 2. Jahrhundert, der enthauptet wurde [13] und dabei belassen wir es, obwohl er zweiter Pfarrpatron ist und nach ihm eine Quelle im Ort benannt wurde (Quirinusborn), die sich etwa 100 m Luftlinie von St, Stephanus entfernt befindet. 



Über den Patron der Kirche, Stephanus, erfährt man mehr im 6. und 7. Kapitel der Apostelgeschichte [14] und natürlich bei Wikipedia [15]. Er wurde zusammen mit sechs andern zu den ersten Diakonen gewählt, die zur Unterstützung der Apostel beim Wachsen der Gemeinde notwendig geworden waren. Er war der erste Märtyrer der jungen christlichen Kirche und wird deshalb auch als Erzmärtyrer bezeichnet. Stephanus hatte seinen Mördern kurz vor dem Tod verziehen.


Eine Besonderheit ist mir noch aufgefallen. Warum sollte Weihwasser nicht hygienisch sein? Es gibt einen Weihwasser Spender.

Warum ich das nicht schon vor Jahren geschrieben habe? Der Mensch ist sich selbst das größte Rätsel.
Sollten Sie die Kirche besuchen? Aber sicher! Und tun Sie es, bevor jemand auf die Idee kommt, abzuschließen. Um die Advents-/Weihnachtszeit gibt es eine sehenswerte Krippe – also gestern war sie noch zu sehen.





Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/die-pfarrkirche-st-hieronymus-in-dahlem.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Sistig 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Prill 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Stephanus_(Sistig) 
Da kann man weitere Einzelheiten zu Architektur und zur Ausstattung erhalten. Und für weitere Einzelheiten ist auch ein Text von der Homepage der GdG Steinfeld interessant:
https://gdg-steinfeld.de/export/sites/region-eifel/gdg-steinfeld/.galleries/sonstige-Downloads/Sistig.pdf 
[5] Es ist mir klar, daß es sich nicht um den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) handeln kann. Aber gestutzt habe ich doch. Es steht natürlich für die Societas Divini Salvatoris, also die Salvatorianer, die 1923 das Kloster Steinfeld übernommen hatten.
[6] https://organindex.de/index.php?title=Kall/Sistig,_St._Stephanus 
[7] https://weimbs.de/orgeln/opusliste/ 
[8] Die Pfarrkirche St. Stephanus in Effelsberg (Eifel) 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/10/die-pfarrkirche-st-stephanus-in.html 
[9] https://vielfach-kirche.de/files/Bilder/Kirchenmusik/Effelsberg.pdf 
[10] „Ernst Johann Jansen-Winkeln (* 13. Februar 1904 in Winkeln; † 11. April 1992 in Mönchengladbach) war ein deutscher Kirchenkünstler.“  
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Jansen-Winkeln 
[11] Heiner Schlesing (1901-1992)
https://rheumatologe.blogspot.com/2014/04/ausstellung-heiner-schlesing-in-rees.html 
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/08/retrospektive-von-heiner-schlesing-im.html 
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/11/retrospektive-von-heiner-schlesing-im.html 
[12] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2860/b2860.shtml 
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Quirinus_von_Neuss 
[14] https://www.bibleserver.com/LUT/Apostelgeschichte6 und https://www.bibleserver.com/LUT/Apostelgeschichte7  
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Stephanus 


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