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Saturday, February 17, 2024

Erlebnis Deutschland – Das Westwerk von Corvey

 



Im letzten Dezember (2023) war ich zu Besuch bei Freunden in Talkau. An einem Abend haben wir in der  Viertelstunde vor den Nachrichten uns eine Sendung über Corvey auf ARTE angesehen. Das hatte uns sehr gefallen und man kann diese Sendung auch noch aktuell in der Mediathek [2] einsehen. Ich hatte dann auf der Landkarte nachgeschaut und dachte, Corvey ist aber ganz schön ab vom Schuss. So abgelegen, daß ich mich fragte, ob ich trotz großem Interesse diesen Ort besuchen könnte.  

Im Januar 2024 war ich vom Harz zurück ins Rheinland unterwegs. Ich bin über Land gefahren, ich habe also nicht auf der A33 irgendeine touristische Unterrichtungstafel, wie es im Bürokratenjargon heißt, gesehen. Aber überraschenderweise habe ich links vor mir Corvey entdeckt. Ich hatte mir die Strecke nicht auf der Landkarte angesehen, mich ganz dem NAVI überlassen. Und so ist also mein Wunsch in Erfüllung gegangen, Corvey zu besuchen. Interessanterweise kann es manchmal passieren, daß aus irgendwelchen praktischen Gründen diese touristischen Unterrichtungstafeln nicht angebrachte werden. So berichtet der ADAC darüber, daß gerade eine Tafel für Corvey abgelehnt worden war: „So wurden Pläne für eine Tafel auf das Höxteraner Weltkulturerbe Corvey an der A33 in Nordrhein-Westfalen aus Platzgründen (u.a. kurze Abfolge von Ausfahrten, Lärmschutzwände, viele weitere notwendige Verkehrszeichen) auf Eis gelegt.“ [3] Das konnte ich gerade nicht nachprüfen, da ich nicht die A33 gefahren bin.




Leider erreichte ich Corvey außerhalb der Besuchssaison [4]. Das war insofern bedauerlich, da ich mir gerne die Fürstliche Bibliothek angesehen hätte, denn dort wurde 1860 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben [5] als Bibliothekar eingestellt. Immerhin schrieb er den Text, der später unsere Nationalhymne wurde. Sein Grab findet sich auf dem Friedhof neben der Kirche. Leider war die Kirche auch geschlossen, sie wäre zur Messe offen, aber es gab keine während meines Besuchs, der eben völlig ungeplant war.
„Die Fürstliche Bibliothek ist im Rahmen des Museumsbesuchs in Corvey zu besichtigen. Sie erstreckt sich über 15 Säle im 1.OG des Nordflügel.“ [6] Die Klosterbibliotheken enthielten bibliophile Schätze, aber viele davon gingen während der Säkularisation verloren oder sind in andere Biblotheken aufgenommen worden.

Aber von außen konnte man die Anlage besichtigen. Das Westwerk stammt aus dem 9. Jahrhundert.  Wer nun genauere Daten zu der „Dreiturmanlage“, den „Flankentürmen“ und dem „risalitartigen Erker“ wünscht, den muß ich auf den Artikel von Wikipedia verweisen [7]. Corvey war eine Benediktinerabtei und insbesondere im 9. und 10 Jahrhundert überregionales kulturellens, geistiges und wirtschaftliches Zentrum. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ große Schäden, so daß ein Wiederaufbau – nun im Barockstil – notwendig wurde.





Die Klosteranlage ist weitläufig und wenn man viel besichtigen will, wird man schon einen Tag dafür benötigen. Ich weiß noch nicht, wann sich mir einmal wieder die Gelegenheit bieten wird, aber dann werde ich geplant nach Corvey fahren. In der Zwischenzeit tröste ich mich mit dem Kloster Steinfeld [8], das ich täglich aus dem Fenster heraus sehe und an dem ich mindestens zweimal wöchentlich vorbeifahre. Ich kann ja häufiger als sonst anhalten.

Kloster Steinfeld


Links und Anmerkungen:
[1] Die Einleitung zu dieser Serie von Blogposts findet sich unter: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/erlebnis-deutschland-einleitung-und.html
[2] Die Sendung zu Corvey kann aktuell [17.02.2024] über die Mediathek der ARD noch eingesehen werden: Corvey (Deutschland) - Zwischen Himmel und Erde 09.04.2023 ∙ alpha-doku ∙ ARD alpha - sie ließ sich leider nicht korrekt verlinken - unter https://www.ardmediathek.de/ in der Suchfunktion oben rechts "Corvey - Zwischen Himmel und Erde" eingeben klappt aber.
[3] „Gelegentlich werden Vorschläge auch abgelehnt.“ https://www.adac.de/reise-freizeit/reiseplanung/inspirationen/deutschland/touristische-unterrichtungstafeln/  
[4] Ab dem 23. März 2024 ist die Welterbestätte wieder täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und kann dann auch ohne Führung besucht werden.
https://welterbewestwerkcorvey.de/besucher-informationen/
[5] August Heinrich Hoffmann, bekannt als Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) war ein deutscher Hochschullehrer für Germanistik. https://de.wikipedia.org/wiki/August_Heinrich_Hoffmann_von_Fallersleben
[6] https://corvey.de/programm/ausstellungen/fuerstliche-bibliothek/
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Corvey  
[8] Im Kloster Steinfeld am letzten Sonntag – https://rheumatologe.blogspot.com/2023/09/im-kloster-steinfeld-am-letzten-sonntag.html   

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Monday, February 12, 2024

Erlebnis Deutschland – St. Peter und Paul in Hadmersleben

 


Wieder einmal hatte ich mich vom Navi treiben lassen, ich wollte aus Berlin in den Harz. Und da kam ich durch oder beziehungsweise erst einmal an Hadmersleben vorbei. Hadmersleben gehört zum Bistum Magdeburg und ich bin zuvor noch nie dort gewesen. Dort sah ich nun von Ferne die beiden Türme der Katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul, früher die Kirche der Benediktinerinnen-Abtei. Ich war völlig überrascht, als ich aus der Ferne, das Land ist flach, dieses imposante Bauwerk sah, so daß mich diesmal nicht eines dieser braunen Hinweisschilder zu einer ausgesprochen interessanten Sehenswürdigkeit geführt hat.

Ich kam zunächst in den Betriebshof und sah, daß man von dort aus überhaupt nicht zur Kirche kam. Außerdem war der Zutritt eigentlich verboten, da es um Privatbesitz handelt, aber ich sah jemanden aus einer Werkhalle kommen und sprach ihn an. Es war ein sehr freundlicher Mann und der sagte mir, ja, ich hätte recht, hier entlang käme ich nicht zu der Kirche, aber ich sollte außen  rechts herum gehen. Es könnte allerdings sein, daß die Kirche bereits geschlossen wäre. Vielleicht wäre sie aber offen und vielleicht würde ich die Frau Hofmann treffen. Wenn ich die Frau Hofmann träfe, dann wäre das gut, denn die wüßtewüßte richtig gut Bescheid über die Kirche. Ich dankte dem Mann herzlich und ging in Richtung Kirche. Die Straße verfügt über einen schönes altes Kopfsteinpflaster.




Ich kam von Süden zum Kircheneingang und sah zwei Frauen auf einem Vorplatz, der früher wahrscheinlich ein Friedhof gewesen war. Die Tür war offen und ich ging hinein. Man konnte nach oben gehen oder direkt unten in das Hauptschiff; ich ging sofort nach oben auf eine Empore. Da kamen bereits die beiden Frauen in die Kirche. Die eine blieb unten stehen und die andere kam herauf zu mir. Und … das war Frau Hofmann. Die Frau unten war ihre Schwester und die Schwester verließ uns dann, aber Frau Hofmann hat mir eine wahnsinnige Führung beschert, von der ich heute noch in der Erinnerung eine Gänsehaut bekomme. Ich habe selten jemanden erlebt, der so freudig über eine Kirche Auskunft gab. Und ich war erstaunt über ihr großes Wissen. Sicherlich kann man sich in der Kirche mit einen „Schnell Kunstführer“ [2] versorgen, den Franz Schrader [3] verfaßt hat. Darin findet man neben einem umfassenden Text zu Kunst, Geschichte, Architektur einen Grundriss der Kirche sowie Fotos. Man bekommt so viel an Informationen, daß man sich beschränken muß. Die meisten Informationen wird man, sobald man sie gehört bzw. gelesen hat, auch schnell wieder vergessen haben; zum Nachschlagen aber ist das Heftchen unschlagbar. Diese Kirche wurde bereits im Jahr 961 gegründet wurde und zwar durch beziehungsweise für den sechsjährigen Otto II. Und diesen alten Teil der Kirche kann man noch besuchen. Ich verrate kein bestimmt kein Geheimnis, daß im Winter dort die Messe stattfindet.

Ein Benediktinerinnen-Kloster, das in dieser Gegend die Zeit der Reformation und den Dreißigjährigen Krieg als katholische Einheit überdauert hat, ist eine Seltenheit. Die Klosteranlage wurde später durch einen Gutshof und Gebäude erweitert; dort ist noch das Wappen der Äbtissin Blume, zwei Felder mit Rosen und zwei Felder mit den Insignien der Apostel Petrus und Paulus, zu sehen. Wikipedia [4]: „Hier wohnte die Mutter des Komponisten Georg Philipp Telemann, Maria Haltmeier vor ihrer Vermählung. Ihr künftiger Ehemann, Heinrich Telemann, war 1668 Rektor der Stadtschule Hadmersleben.“ 1809 wurde das Kloster aufgelöst, aber die Pfarrei blieb bestehen. „1981 wurde mit der Restaurierung von Kapitelsaal, Kreuzgang, Parlatorium, Äbtissinnenzimmer, Treppenturm, Loggia und Tapetensaal begonnen.“ Mehr zum „Kulturhistorisches Museum Kloster Hadmersleben“ kann man im Internet erfahren [5].
 
Geschichtlich interessierte mich noch Reinhard von Blankenburg († 2. März 1123) in Halberstadt, der von 1107 bis 1123 Bischof von Halberstadt gewesen war [6] – und in dem ich zugegebenerweise zuerst jemanden im Umfeld der Burg Blankenheim vermutet hatte. Die Grafen von Blankenburg und Regenstein sind wahrscheinlich u.a. als Lehnsgrafen Lothars III. [7] aufgestiegen. Hadmersleben gehörte zum Bistum Halberstadt. Und mein Interesse galt eher Lothar III. [8], ebenfalls zugegebenerweise.




Im Kirchensaal kann man die spätgotischen Figuren der Apostel Petrus und Paulus bewundern. Der bronzene Türzieher erinnerte mich an Klöster in Ladakh oder auch in der Mongolei [9]. Auf der Empore sind noch Schnitzereien des barocken Chorgestühls zu sehen. Die Orgel ist nicht mehr funktionsfähig, da die Kirche schon lange Zeit nicht mehr beheizt werden kann. Sehenswert ist das Untergeschoß, in dem im Winter die Messe stattfindet, denn dort sind die ältesten Teile des Bauwerks zu sehen. Dann gibt es noch einen Restbestand von den gotischen Glasmalereien; leider ist nur wenig über sie bekannt. Der Barockaltar zeigt u.a. den Namenszug der Äbtissin Anna Margaretha Blume (1679-1717). Da mußte ich natürlich an „Anna Blume“ von Kurt Schwitters [10] denken und auch an „Anna Livia Plurabelle“ von James Joyce (Teil von „Finnegans Wake“ oder auch als Einzelveröffentlichung [11]).

Erdene Zuu


Hadmersleben

Gut, für den Besuch in Hadmersleben muß man sich nicht mit James Joyce oder Kurt Schwitters vorbereiten oder mittelalterliche Genealogien studieren. Aber man sollte schon in den nächsten Jahren die Kirche St. Peter und Paul in Hadmersleben besuchen, denn niemand weiß, wie lange sich Frau Hofmann noch bereit erklären wird, Führungen zu machen – und ihre Führung war allein schon den Besuch wert.


Links und Anmerkungen:

[1] Die Einleitung zu dieser Serie von Blogposts findet sich unter: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/erlebnis-deutschland-einleitung-und.html
[2] Franz Schrader: Ehem. Benediktinerinnenabtei-Kirche, heute kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul, Hadmersleben. Kunstführer Nr. 2026. Schnell & Steiner, München und Zürich 1992.
[3] Franz Schrader (1919-2007) war ein römisch-katholischer Priester, Kirchenhistoriker und Leiter des Bistumsarchivs in Magdeburg. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Schrader_(Priester)
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Hadmersleben  
[5] https://www.oscherslebenbode.de/Home/Kultur-Sport-Tourismus/Kultur/Museen/Kulturhistorisches-Museum-Kloster-Hadmersleben.php?object=tx,2962.1&ModID=9&FID=2962.181.1&NavID=2962.53&La=1
[6] Reinhard von Blankenburg von 1107 bis 1123 Bischof von Halberstadt. https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_von_Blankenburg
[7] https://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/blankenburg_grafen_von/poppo_1_graf_von_regenstein_blankenburg_1164/poppo_1_graf_von_regenstein_blankenburg_+_1164.html  
[8] Lothar III. (vor 1075-1137) war seit 1106 Herzog von Sachsen, ab 1125 König und von 1133 bis 1137 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR)  
[9] Ich dachte hierbei besonders an das Kloster Erdene Zuu (Эрдэнэ-Зуу) in der Mongolei.
[10] AN ANNA BLUME - Merzgedicht 1 [10a] von Kurt Schitters [10b]. Mir ist der Humor von Kurt Schwitters in lebhafter Erinnerung, denn dieser Humor brachte mich einmal im Lesesaal der Kölner Universitätsbibliothek (UB) fast um den Verstand, als ich „Tran 27“ [10c] las und ich nicht laut lachen wollte. Ich hielt also die Luft an und prustete dann los, sehr zum Schrecken einiger Jurastudenten.
[10a] https://de.wikisource.org/wiki/Anna_Blume,_Dichtungen  
[10b] Kurt Schwitters (1887-1948) war ein deutscher Künstler, der unter dem Kennwort Merz, entstanden aus dem Wortteil Merz des Wortes Kommerz, ein dadaistisches „Gesamtweltbild“ entwickelte. https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Schwitters
[10c] https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php/Kritiker_(Schwitters)
[11] James Joyce: Anna Livia Plurabelle. With a preface by Padraic Colum. Crosby Gaige,New York  1928. Kann man käuflich für über 7.000 € erwerben - muß man aber nicht: https://www.riverrun.org.uk/jj/ALP.pdf

 
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Saturday, February 3, 2024

Erlebnis Deutschland – Das Heimatkundemuseum in Hagenow


Der Besuch des Heimatkundemuseums von Hagenow [2] kam für mich überraschend, aber als ich in der Alten Synagoge war, erklärte man mir, daß am Sonntag der Eintritt auch für das Heimatkundemuseum gelte. Von dem Museum hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nichts gewußt. Und genauso blöd, wie ich mich angestellt hatte, die Alte Synagoge zu finden, so blöd stellte ich Tor mich auch an, das Heimatmuseum zu finden. Wieder mußte ich zweimal fragen und dann habe ich es endlich gefunden. Das Museum heißt korrekt „Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend“, denn Hagenow gilt als Tor zu Griesen Gegend. Es ist als Museum mit der Alten Synagoge organisatorisch verbunden. Ich lebe in der Gegend, in der auch Heimatkunde-Dorf Kommen liegt. Dort sind viele Gebäude wieder aufgebaut worden und es finden auch Veranstaltungen mit Showcharakter statt. Aber so ein Heimatkundemuseum habe ich schon lange nicht mehr besucht.  

Zunächst interessierte mich die Griese Gegend, die ich nun auch nachrecherchiert habe; Wikipedia läßt einen da nicht im Stich [3]. Man erfährt, um welches Gebiet es sich handelt, und daß es sich im Südwesten Mecklenburgs befindet. Die Herkunft des Namens bleibt unklar. Ein Deutungsversuch ist die graue (=griese) Farbe des Sandes; der als Flugsand früher Dörfer zuwehte – da denke ich wieder einmal an „Die Frau in den Dünen“ [4]. Eine andere Deutung besteht in der grauen Leinenkleidung der Tagelöhner. Die Gegend war schlecht für Ackerbau geeignet. Und wahrscheinlich konnte sich die wendische Bevölkerung deshalb dort länger als sonst in Mecklenburg halten. Als Literaturhinweis finden sich ein Buch aus dem Jahr 1914 und ein Link auf die Landesbibliographie MV [5].




Das Museum bietet neben Darstellung des historischen Alltagslebens in Stadt und Land, auch Funde aus der Steinzeit oder aus den Hagenower Fürstengräbern. Vom Hof des Museums bzw. der verschiedenen Gebäude kann man die Stadtkirche sehen. Der Gebäudekomplex umfaßt das 1828 erbaute Jesselsche Gehöft (Wohn-, Brau- und Brennhaus sowie Speicher- und Stallgebäude) sowie „zwei kleine Zwerchgiebelhäuser, die dem Ratsdiener Rick und dem Hutmacher Brandt gehörten“. In den kleinen Häusern scheint die Zeit zwischen 1920 und 1940 stehen geblieben zu sein. Manche Einrichtungsgegenstände erinnerten mich an die Küche der Großeltern. Ein Schankraum wurde wiederhergestellt und szenisch eingerichtet. Ähnlich kann man man die Werkstatt eines Schuhmachers ansehen. Dazu kommt die vollständige Werkstatt der Landmaschinenschlosserei „Fischer & Havemann“. Mehr noch interessierten mich die Vitrinen mit der Waldglas-Sammlung. Im Raum für die Dampfmaschine von 1902 des Sägewerks Hildebrandt wird noch gearbeitet, aber man kann die imposante Maschine besichtigen. Die würde ich mir, auch wenn vom Akzent her unpassend, vom Professor Bömmel erklären lassen: „Aha, heut hammer de Dampmaschin. Wat is en Dampmaschin? Da stelle mer uns ma janz dumm un sage: ...“ [6].

Ich bin froh, daß ich mir Hagenow mit den Museen ansehen konnte, aber bei mehr Planung hätte ich mir auch mehr Zeit nehmen können; der Ort hätte es verdient.



Links und Anmerkungen:
[1] Die Einleitung zu dieser Serie von Blogposts findet sich unter: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/erlebnis-deutschland-einleitung-und.html
[2] https://museum-hagenow.de/wordpress/museumshof-und-seine-gebaeeud/ und https://www.treffpunkt-ostsee.de/ostsee/sehenswertes/museen/museum-hagenow.php  
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Griese_Gegend
[4]
砂の女 (Suna no Onna), Film von Hiroshi Teshigahara 勅使河原宏 (1964), bzw. das Buch von Abe Kobo (安部公房), z.B.: Kobo Abe: Die Frau in den Dünen. Unionsverlag, Zürich 2018. ISBN: 978-3-293-20809-4.
[5] „Becker, Joachim: Aus „de grise Gegend“ von Mecklenburg-Schwerin, Verl. Bodenkultur, 1914“ und: https://www.landesbibliographie-mv.de/REL?PPN=241318696
[6] Paul Henckels (1885 bis 1967) als Professor Bömmel in „Die Feuerzangenbowle“. Der Text, auf den ich anspielte, steht im Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Henckels.

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Thursday, February 1, 2024

Erlebnis Deutschland – Die Alte Synagoge in Hagenow

 



Irgendwie hatte ich Schwierigkeiten, die Alte Synagoge zu finden, dabei ist es einfach. Ich bin an ihr vorbeigefahren, da ich die eigentliche Synagoge hinter der Häuserzeile liegt. Wenn man von der Königstraße in die Hagenstraße einbiegt (Einbahnstraße), dann liegt die Synagoge mit dem Museum in der Mitte des Weges, den man bis zur Augustenstraße in dieser Richtung fahren kann. Ich habe dann das getan, was man auch als Mann tun sollte, ich habe nochmals nach dem Weg gefragt.

Vorne also sind das ehemaligem Gemeinde- und Schulhaus mit der erhaltenen Mikwe (Hanna-Meinungen-Haus) und dahinter befindet sich die Alte Synagoge [2]. Einen Gebetsraum gab es bereits 1781, aber die jüdische Gemeinde wuchs und so wurde für die seit 1825 offiziell bestehende Israelische Gemeinde 1828 dies Synagoge feierlich geweiht. Im weiteren Verlauf schrumpfte die Gemeinde, so daß 1907 der letzte Gottesdienst dort stattfand.

Der Grund für mein Vorbeifahren lag an der Nähe zu anderen Gebäuden. 1938 wurde die Synagoge geschändet und der Innenraum verwüstet, aber sie wurde nicht in Brand gesetzt wegen der Nähe zu den anderen Gebäuden. Wäre der Gemeindevorsteher Samuel Meinungen nicht 1937 verstorben, hätte eine Vermietung oder sogar der Verkauf des Gebäudes an die katholische Kirche (der Oberrabbiner lehnte die Vermietung aus religiösen Gründen ab) dies abwenden können. Ab 1942 wurde die Synagoge als Lagerhalle genutzt und später dem Verfall überlassen. Ich hatte i letzten Jahr in der Mongolei ein buddhistisches Kloster (jetzt ebenfalls Museum) besucht, das auch als Lagerhalle den Stalinismus überdauert hatte [3]. In Hagenow hatte die Stadt nach der Wiedervereinigung die Gebäude von der Jewish Claims Conference gekauft und zwischen 2004 und 2009 renoviert.




Die geschichtliche Aufarbeitung ist vorbildlich erfolgt und man kann sich dies im vorderen Teil ansehen und durchlesen [4]. Dort ist auch die Mikwe zu besichtigen.

Ich fand es schade, daß ich dort der einzige Besucher war, aber letztlich habe ich das auch genossen, da bin ich ehrlich. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn dieser Blogpost andere anregt, bei der Fahrt zwischen Berlin und Hamburg einen Abstecher nach Hagenow in die Alte Synagoge [5] zu machen.



Links und Anmerkungen:
[1] Die Einleitung zu dieser Serie von Blogposts findet sich unter: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/erlebnis-deutschland-einleitung-und.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Synagoge_(Hagenow)
[3] Das ist die Kloster- und Tempelanlage Zayain Gegeeni Süm in Tsetserleg (Цэцэрлэг), über die ich noch schreiben möchte, da sich dort eine buddhistische Stele aus dem 6. Jahrhundert befindet.
[4] Der kann uns viel erzählen, mag man einwenden, denn ich bin schließlich nicht Historiker, aber gerade hierin habe ich über eigene Studien (immerhin seit den 1970iger Jahren, damals in der Abteilung Judaica der Stadtbibliothek Köln) und insbesondere Besuche im ELDE-Haus in Köln (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln), da eine meiner Schwägerinnen dort gearbeitet hat und auch immer noch Führungen macht. Hier z.B. zu sehen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/03/sonderausstellung-zur-lebensgeschichte.html
[5] Alte Synagoge & Hanna-Meinungen-Haus (Hagenstraße 48,19230 Hagenow). Öffnungszeiten siehe hier: https://museum-hagenow.de/wordpress/alte-synagoge/  

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Wednesday, January 31, 2024

Erlebnis Deutschland – Hagenow

 



Auf Hagenow wurde ich über die Hinweistafel „Alte Synagoge“ auf der Autobahn neugierig und schon ohne Alte Synagoge und Heimatmuseum ist der Ort interessant. „Das historische Zentrum steht beispielhaft für eine mecklenburgische Ackerbürger-Altstadt mit Fachwerkhäusern und anderen Baudenkmalen vom 17. bis 19. Jahrhundert“ schreibt Wikipedia [2] und das sieht man sozusagen im Vorbeigehen.

Hagenow liegt etwas 30 km von Schwerin entfernt in Mecklenburg-Vorpommern. 1194 schrieb sich der Ort noch Hachenowe und man nahm in der Enddung -owe einen westslawischen Genitiv an, aber man nimmt heute eher eine germanische Herkunft über ög/Aue an. Irgendwo las ich auch Hagenau, aber so haargenau muss man es gar nicht nehmen. Die Hagen Aue bedeutet eingezäuntes Wiesenland.

Ich sah mein Ziel – die Alte Synagoge – zunächst nicht. Denn erst einmal hatte mich der Friedhof zu einem Besuch angeregt. Dort waren zwei bürgerliche Mausoleen aus Backstein zu sehen. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren, aber weder die evangelische Kirchengemeinde noch die Liste der Baudenkmäler listen diese Mausoleen auf.



Die Stadtkirche ist ein neugotischer Bau von 1875/79. Die Kirche wurde 1970 umfangreich umgestaltet und nur ein Teil wird als Sakralbau genutzt, wobei sich ergeben hat, daß die Gemeinde nun entgegen der Tradition nach Westen blickt [4]. Leider blieb nur Zeit für ein, zwei Blicke von außen.


Da ich zunächst im Bereich der Plattenbauten geparkt hatte, konnte ich mir diese auch ansehen. Immerhin hat man sie nun mit Farbe aufgepeppt. Nun beim Nachrecherchieren stieß ich auf einen Artikel, daß die „Wohnungsbaugesellschaft in Hagenow endlich von Schulden aus DDR-Zeiten befreit“ ist [5]. Da fragt man sich: warum erst jetzt?

Ein Eckhaus der Langen Straße im Neobarockstil (genauer gesagt Johann Albrecht Stil) steht unter Denkmalschutz. Es handelt sich um die Nr. 46 an der Einmündung der Augusten Straße. Leider ist das Haus ist schlechtem Zustand. Es wurde 1895 errichtet und diente nach einem Umbau 1923/1924 als Außenstelle des Amtes Hagenow. Es wäre sehr schön, wenn man es wieder instand setzen könnte, aber wer würde sich denn ein Haus unter Denkmalschutz zulegen?




In der Augusten Straße dann sah ich ein Fenster mit Davidsstern, leider auch in schlechtem Zustand, aber da wußte ich dann, daß die Alte Synagoge nicht mehr fern sein kann. Ich danke allen Hagenowern, die mir den Weg gewiesen haben. Aber davon wir ein anderes Mal zu berichten sein.



Links und Anmerkungen:
[1] Die Einleitung zu dieser Serie von Blogposts findet sich unter: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/erlebnis-deutschland-einleitung-und.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Hagenow
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Hagenow
[4] https://de.wikivoyage.org/wiki/Hagenow  
[5] https://www.svz.de/lokales/hagenow/artikel/hagenower-wohnungsgesellschaft-jetzt-ohne-ddr-altschulden-45485004  


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Sunday, January 28, 2024

Erlebnis Deutschland – Einleitung und Pestruper Gräberfeld

 



„Nicht rosten, sondern rasten!“
~ Donald Duck [1]


In der letzten Woche war ich in Deutschland unterwegs, ich fuhr zunächst über Hollenstedt nach Hamburg, dann von Hamburg über Talkau und Hagenow nach Berlin und dort über Hadmersleben  in den Harz und danach über Corvey und den Stau bei Leverkusen nach Köln und zurück in die Eifel. Irgendwann auf der Reise, ich meine kurz nach Hadmersleben, kam mir der Gedanke zu „Erlebnis Deutschland“.

Ich hatte mir früher gedacht, erst die fernen Ziele anvisieren und dann die näheren, die auch noch im Alter möglich sind. Nachdem ich jetzt mehr zufällig an wirklich sehr schönen Orten gewesen bin, denke ich anders darüber. Meine Eltern sind früher einmal im Jahr mit ihren alten Freunden, die über Deutschland verteilt lebten,verreist. Diese Freundestreffen dauerten so eine gute Woche und fanden immer anderswo statt. Das haben sie über eine lange Zeit gemacht. Ich meine, daß sie diese  Zeit gut investiert war. Ich hatte eine Nenn-Oma in Bensberg und die ist im Alter viel gereist, nur in Deutschland und hatte über sehr schöne Erlebnisse zu berichten.



Als ersten Platz zur Rast hatte ich das Pestruper Gräberfeld gefunden und ich gebe zu, daß mich das alleine noch nicht überzeugt hätte, aber schön war es auf jeden Fall. Ich nehme an, daß Sie wie ich noch nie vom Pestruper Gräberfeld gehört hatten, aber das braucht man auch nicht, denn dafür gibt es die braunen Tafeln – ich komme auf der Fahrt von Köln z.B. an so einem Schild vorbei, auf dem auf das Kloster Steinfeld hingewiesen wird, an dem ich dann vorbei komme [2] – am Rand der Autobahnen und auch an manchen Bundesstraßen [3]. Es gibt immerhin 3600 dieser braunen Unterrichtungstafeln, wie es in der Behördensprache heißt.

Das Pestruper Gräberfeld und die Alte Synagoge in Hagenow habe ich durch diese Hinweisschild gefunden. Eigentlich wurde ich nur darauf hingewiesen, am Ort selber muß man dann doch noch suchen oder es sind Richtungshinweise mit dem Nahmen vorhanden. In Hagenow hatte ich dann auch noch das Heimatmuseum besucht. Als ich nach Hadmersleben kam, sah ich von Ferne bereits die schönen Türme der Klosterkirche, so daß ich dort von ihnen geleitet wurde. Zu Corvey schreibt der ADAC: „Gelegentlich werden Vorschläge auch abgelehnt. Zum Beispiel, weil die Sehenswürdigkeit nicht relevant genug ist, weil das Motiv nicht angemessen ist oder es aus praktischen Gründen nicht an der Autobahn aufgestellt werden darf. So wurden Pläne für eine Tafel auf das Höxteraner Weltkulturerbe Corvey an der A33 in Nordrhein-Westfalen aus Platzgründen (u.a. kurze Abfolge von Ausfahrten, Lärmschutzwände, viele weitere notwendige Verkehrszeichen) auf Eis gelegt.“ Ich bin aber gar nicht über die A33 gekommen, sondern ließ mich vom NAVI über Land leiten und landete überraschend dort. Vor einigen Monaten hatte ich die Freunde in Talkau bereits schon einmal besucht und wir hatten uns abends eine Sendung auf ARTE zu Corvey [4]  angeschaut. Ich dachte damals noch, wie kompliziert es sein müßte, einmal dorthin zu kommen, aber das erledigte sich sozusagen von selbst.


Das Pestruper Gräberfeld [5] liegt ca. 2,5 km südsüdöstlich von Wildeshausen. Die Heidefläche steht unter Natur- und Denkmalschutz und gehört zum Naturpark Wildeshauser Geest. Wikipedia klärte mich darüber auf, daß dies „mit über 530 größeren und kleineren Grabhügeln die größte bronze- und eisenzeitliche Nekropole des nördlichen Mitteleuropas“ darstellt. Die Heidschnucken waren zu sehen, aber ich bin dann doch nicht näher herangegangen, insbesondere da man den Hütehunden nicht zu nahe kommen soll. Die Zucht geht auf Dietrich Schwarting, der um 1938 diese Wirtschaftsform hier wiederbelebte. Das war ziemlich sicher kein zufälliger Zeitpukt, da 1938 das gebiet unter Naturschutz gestellt worden war. Wikipedia: „In der Zeit des Nationalsozialismus erwartete man schon aufgrund der Größe des Gräberfeldes Aufschlüsse über zahlreiche Fragen der „germanischen“ Kultur, bevor die ersten systematischen Grabungen erfolgt waren.“ Das Gebiet kann  man auch ohne diese Geschichte genießen. Ein wenig mehr kann man sich bei „Faszination Archäologie“ [6] informieren, auch wenn der Artikel mit „Wer kennt es nicht, das Pestruper Gräberfeld?“ beginnt.

Ich hoffe, daß ich anregen kann, aufmerksamer durch Deutschland oder die angrenzenden Länder zu fahren und nicht nur das Ziel sehen und so schnell wie möglich zu erreichen suchen, sondern das eine oder andere Zwischenziel zu besuchen. Wer langsamer fährt, fährt sicherer und hat auch mehr von der Fahrt.


Links und Anmerkungen:
[1] Das konnte ich sogar nachweisen. Donald Duck soll ein Hotel in Bad Sauerbrunn für Onkel Dagobert rentabel machen und schreibt auf ein Hinweisschild: „Nicht rosten, sondern rasten. / Im Bad-Hotel / Sauerbrunn / Abzweigung hier". WDC 206 MM 29 1958 S04. Mit Bild! https://www.alleswisser.org/Wiki/index.php/Ortsverzeichnis  
[2] Über das Kloster Steineld habe ich häufig genug geschrieben, hier z.B.: Erhebung der Gebeine des heiligen Hermann Josef in der Basilika Kloster Steinfeld  https://rheumatologe.blogspot.com/2019/06/erhebung-der-gebeine-des-heiligen.html
[3] Der ADAC berichtete darüber: https://www.adac.de/reise-freizeit/reiseplanung/inspirationen/deutschland/touristische-unterrichtungstafeln/  und hier sind noch Listen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Listen_der_Unterrichtungstafeln_in_Deutschland und https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Unterrichtungstafeln_in_Deutschland_an_Bundesstra%C3%9Fen
[4] Nichts, was man nicht im Internet finden könnte, also nicht nur die wichtigen Dinge wie Donald Duck, sondern die Sendung zu Corvey kann aktuell [18.01.2024] über die Mediathek der ARD noch eingesehen werden: Corvey (Deutschland) - Zwischen Himmel und Erde
09.04.2023 ∙ alpha-doku ∙ ARD alpha - ließ sich leider nicht verlinken - unter https://www.ardmediathek.de/ in der Suchfunktion oben rechts "Corvey - Zwischen Himmel und Erde" eingeben klappt aber.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Pestruper_Gr%C3%A4berfeld
[6] http://steinzeitreise.de/pestrup.php


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