Monday, July 18, 2022

Geschichten von K. - Das SpiegelBild.

K. hatte sich gewaschen, die Zähne geputzt und rasiert. Er ging durch die Diele, blickte im VorüberGehen kurz in den Spiegel und betrat sein SchlafZimmer. Er wählte seine Kleidung, zog sich an und ging erneut in die Diele. Diesmal blieb er vor dem Spiegel stehen und betrachtete sich eingehend in ihm. Er war zufrieden mit sich selbst, dabei doch nicht zu selbstGefällig.
Da sprach ihn sein SpiegelBild an. K. erschrak ein wenig, denn es verwunderte ihn doch, daß sein SpiegelBild das Wort an ihn richtete, denn in dieser Art sprach sein SpiegelBild, so unGewohnt, so überTrieben wichtigTuerisch: „Ich möchte nicht ein VerSäumnis auf mein Gewissen nehmen und Dir die Mitteilung enthalten, daß ich eine Feststellung getan habe: Du hast keinen Schatten mehr.“
„Ich heiße weder Schlemihl noch habe ich einen Pakt geschlossen“, antwortete K. Aber er schaute sich sicherheitshalber um und da war deutlich sein Schatten zu sehen. Sein Schatten lag friedlich wie ein Hündchen am Boden, wo er hingehörte. K. blickte wieder auf und in den Spiegel. Und da sah er, daß sein SpiegelBild keinen Schatten hatte. Er teilte es seinem SpiegelBild ein wenig triumpfierend mit.
„Deutlich sehe ich den Boden hinter Dir und da ist kein Schatten“, sagte nun das SpiegelBild.
So kann es nun weiter und weiter gehen, dachte sich K. und blieb stumm. K. richtete seine Krawatte und kämmte nochmals über sein Haar und war schon bereit zu gehen, als sich sein SpiegelBild nochmals meldete: „Halt! Wir sind noch nicht zu einem Ende gekommen!“
„Doch! Hier endet es“, war alles, was K. noch im HinausGehen auf den Flur sagte. Natürlich war es noch nicht zu Ende, denn K. dachte über dieses merkwürdige Gespräch nach, daß er mit wem auch immer, wenn nicht sogar mit sich selbst geführt hatte. Sein Schatten war definitiv dort, wo er hingehörte, aber es verwunderte ihn, daß er keinen Schatten in seinem SpiegelBild wahrgenommen hatte, wie auch das SpiegelBild ihm eine entsprechende Mitteilung gemacht hatte. K. ging weiter die Treppe hinunter zur HausTür und sah im dort im Fenster sein SpiegelBild, das mit der Achsel zuckte und grinste.

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