Der Wochenspruch lautete: „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.“ [1] Das Motto des Abendgottesdienstes sah allerdings so aus: „für euch gegeben“. Es wurde an langen Tischen mit einem in die Liturgie eingefügtem Essen gefeiert. Ein Ursprung dieser Form des Abendmahls ist das jüdische Passafest. Das Abendmahl bekommt eine leichtere, lebendigere Form. Es entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft, wenn wir Brot und Wein mit dem Nachbarn teilen. Aber wie in den letzten Jahren auch, mußten noch Tische hervorgeholt werden. Und immer ist für alle genügend da und es bleiben noch Körbe übrig.
Daniela Aschauer (Querflöte), Ulrike Tiedemann (Violoncello) und Mechthild Brand (Orgel) führten Johann Ludwig Krebs auf („Herr Jesu, deine Angst und Pein“). Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut. Das Stück hat vier Stimmen und die Orgel zeigte sich mit den Oboen-Pfeifen von einer ungewohnten, betörenden Seite. Herzlichen Dank den drei Musikerinnen für dieses Erlebnis!
Die Lesung bestand aus drei Teilen und wurde vom gesungenen Gebet „Die Finsternis ist nicht finster“ [2] der Gemeinde unterbrochen. Die ersten beiden Teile stammen aus dem zweiten Buch Mose und die dritte Lesung aus dem Markusevangelium. Außerdem wurde aus einem Gedicht von Nelly Sachs zitiert [3], dabei ging es ums das Ohr, während es bei Paul Celan um das „Aug'“ geht, das er sogar in Übersetzungen benutzt hat. Im Matthäusevangelium aber lesen wir: „Glückselig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören“ [4].
Die Epistellesung, die vorgesehen ist, steh im Brief an die Korinther [5]. Ja, das ist die Stelle, in der wir lesen: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“
In der griechisch-orthodoxen Kirche werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi (Epiklese); das Wie wird als Geheimnis (Mysterium) bezeichnet [6].
In der römisch-katholischen Kirche werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi verwandelt (Transsubstantiation); äußerlich bleiben Brot und Wein in ihrer Erscheinungsweise, aber innerlich haben sie sich gewandelt.
So ähnlich sah es auch Luther, der darüber mit Ulrich Zwingli stritt. In „Die Gegenwart Christi in Brot und Wein“ [7] schreibt Martin Luther: „Denn wir haben für uns den klaren, hellen Text und das Wort Christi ...“: „Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ [8] Und ähnlich steht es auch in seinem kleinen Katechismus [9].
In der reformierten Kirche sind Brot und Wein Symbole, die „durch den Heiligen Geist mit Leib und Blut Christi, der im Himmel ist, vereinigt“.
Der Heidelberger Katechismus antwortet auf die Frage (78) „Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?“ [10]: „Nein. Wie das Wasser bei der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird ...“. Hmh, das Taufwasser habe ich bislang nicht als Blut angesehen … und werde es auch in Zukunft nicht tun! Obwohl der Heidelberger Katechismus die Taufe mit Wasser als eine exoterische Form einer esoterischen Reinwaschung durch das Blut Christi anzusehen scheint.
Die Fußwaschung könnte ich viel eher als Ritual wieder in den Kanon aufnehmen. Ach, das ist auch Thema der Lesung aus den Evangelien, die für den heutigen Tag vorgeschlagen wird [11].
Auch wenn viele Menschen an Gründonnerstag grünes Gemüse essen, der Begriff selbst hat nicht mit der Farbe Grün zu tun, sondern er basiert auf greinen (klagen). Liturgisch hat die Farbe Grün sowieso nichts vor und an Ostern zu suchen. Gehen wir deshalb schon hier einmal der Frage nach den liturgischen Farben nach [12]:
Palmarum / Palmsonntag · Violett (Bußfarbe)
Gründonnerstag · Weiß (Christusfarbe)
Karfreitag · Schwarz (Trauerfarbe) / Violett / Nichts
Karsamstag · Schwarz (Trauerfarbe) / Violett / Nichts
Osternacht · Weiß (Christusfarbe)
Ostersonntag · Weiß (Christusfarbe)
Da dringt schon das Licht in die vorösterliche Zeit ein, bevor es erst noch einmal zappenduster wird. Da darf an man von Gründonnerstag an schon klagen!
Ich bin mit dem Altargesteck sehr zufrieden – viel Weiß, was will man mehr?!
Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/gruendonnerstag/
[2] Das geht auf Ps 139,12 zurück.
[3] Es handelt sich um das Gedicht „Wenn die Propheten einbrächen“: „... Wenn die Propheten einbrächen / durch Türen der Nacht / und ein Ohr wie eine Heimat suchten - // Ohr der Menschheit, du nesselverwachsenes, / würdest du hören?“
[4] Mt 13,16
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.11 1. Kor 11,(17–22)23–26(27–29.33–34a)
[6] Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Glauben – erkennen – leben, im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche herausgegeben von den Geschäftsführern der Katechismuskommission der VELKD Manfred Kießig, Lothar Stempin, Horst Echternach, Hartmut Jetter unter Mitarbeit von Gerhart Herold, 7. aktualisierte Auflage, Gütersloh 2006. S. 562 ff.
[7] Luther lesen: Die zentralen Texte. Bearbeitet und kommentiert von Martin H. Jung. Vandenhoeck & Ruprecht; 2. Auflage 2017. S. 136-137
[8] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us26 Mt 26,26b-28
[9] Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus mit Erklärung. Mit einem Vorwort von Helmut Korinth. 24. Auflage (d.i. 1982). Fünftes Hauptstück: das Abendmahl, S. 158 ff.
[10] Evangelisches Gesangbuch für die Landeskirchen Rheinland Westfalen und Lippe, Gütersloher Verlagshaus 1996 (wie [1]). S. 1344-1345.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.13 Joh 13,1–15.34–35
[12] https://www.liturgische-konferenz.de/kalender/liturgische_farben.html
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[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/gruendonnerstag/
[2] Das geht auf Ps 139,12 zurück.
[3] Es handelt sich um das Gedicht „Wenn die Propheten einbrächen“: „... Wenn die Propheten einbrächen / durch Türen der Nacht / und ein Ohr wie eine Heimat suchten - // Ohr der Menschheit, du nesselverwachsenes, / würdest du hören?“
[4] Mt 13,16
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.11 1. Kor 11,(17–22)23–26(27–29.33–34a)
[6] Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Glauben – erkennen – leben, im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche herausgegeben von den Geschäftsführern der Katechismuskommission der VELKD Manfred Kießig, Lothar Stempin, Horst Echternach, Hartmut Jetter unter Mitarbeit von Gerhart Herold, 7. aktualisierte Auflage, Gütersloh 2006. S. 562 ff.
[7] Luther lesen: Die zentralen Texte. Bearbeitet und kommentiert von Martin H. Jung. Vandenhoeck & Ruprecht; 2. Auflage 2017. S. 136-137
[8] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us26 Mt 26,26b-28
[9] Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus mit Erklärung. Mit einem Vorwort von Helmut Korinth. 24. Auflage (d.i. 1982). Fünftes Hauptstück: das Abendmahl, S. 158 ff.
[10] Evangelisches Gesangbuch für die Landeskirchen Rheinland Westfalen und Lippe, Gütersloher Verlagshaus 1996 (wie [1]). S. 1344-1345.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.13 Joh 13,1–15.34–35
[12] https://www.liturgische-konferenz.de/kalender/liturgische_farben.html
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