Die Sonne senkt den goldenen Gnadenstab,
Und plötzlich steht der Friedensbogen da.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Und plötzlich steht der Friedensbogen da.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der dritte Sonntag nach Ostern trägt den Namen Jubilate [2]; das ist einfach die Aufforderung: „Jubelt!“. Wir jubeln über den Frühling mit seiner Belebung der Natur und erinnern uns an den Beginn durch die Schöpfung. In der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten gibt es drei Sonntage, die als Namen eine Aufforderung haben, nämlich: Jubilate, Kantate und Rogate. Auch wenn wir „Laudate omnes gentes“ nach der Psalmlesung sangen, so gibt es keinen Sonntag mit dem Namen Laudate.
Die Lesung aus dem Alten Testament ist ziemlich lang, denn sie umfaßt die Schöpfungsgeschichte [3]. Der Wochenspruch lautet: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ [4]
Die Epistellesung in der Versöhnungskirche steht im zweiten Brief des Paulus an die Korinther [5]. Paulus weist auf Bedrängnisse im Hier und Jetzt, aber vertrösten will er uns nicht, sondern ihm geht es darum das der äußere Mensch verfällt, während der innere Mensch wachsen kann. Deshalb schließt die Stelle mit: „Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“
In der Perikopenordnung wird aber auch als Epistellesung „Paulus auf dem Aeropag“ [6] vorgeschlagen. Paulus war in Athen herumgegangen und hatte die griechischen Heiligtümer angesehen „und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott.“ Den wollte er den Griechen verkünden. „Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Damit zitierte Paulus Aratos von Seloi [7] und Kleanthes [8], einen Stoiker. Paulus war gebildet, auch wenn er sich als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Saulus war er Pharisäer und kannte den Tanach (Tora, Propheten, Schriften). Er hatte das römische Bürgerrecht [9]. Da er aus dem hellenistischen Judentum stammte, sprach er Griechisch, so daß er leichter über diese Philosophen erfahren konnte. Bei Petrus hätte das wahrscheinlich nicht so gut geklappt. Als Paulus dann sagte: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören,“ nur einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig. Eine Frau wurde allerdings auch genannt: „[…] und eine Frau mit Namen Damaris […].“ Hoffentlich waren auch noch andere Frauen dabei – hier hätte Lukas als Chronist problemlos genderfreundlicher schreiben können. Außer dem Namen erfahren wir nicht weiter über Damaris [10] und selbst der ist nicht sicher.
Für die Lesung aus dem Evangelium sieht die Perikopenordnung eine Stelle im Johannesevangelium [11] vor. Der Kernsatz lautet: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das erinnert mich an die Geschichte, als jemand den Wein an seinem Haus beschneiden wollte und dann den Rebstock durchsägt hatte. Damit wuchs kein Wein mehr am Haus. So ist es auch, wenn die Reben vom Stock getrennt sind, sie können nicht mehr gedeihen. Es geht also um Verbundenheit, um Zusammenhalt. Der Text war auch Grundlage der Predigt in der Versöhnungskirche, die in der rhetorischen Frage endete: „Ist das nicht alles zum Jubeln in unvergänglicher Freude?“
In Kall beschäftigten wir uns im Rahmen von „Auf ein Wort“ mit Krieg und Frieden, um Verständigung und Versöhnung nicht Siegen. Da sind wir aber auch wieder bei Paulus, der im Text der Epistellesung für heute „das Wort von der Versöhnung“ spricht und uns zu „Botschaftern an Christi statt“ erklärt.
Das Altargesteck in der Versöhnungskirche war überraschend gut gestaltet, hatte allerdings keinen Bezug zur liturgischen Farbe. Andererseits muß es auf dem riesigen Altar auch eine gewisse Höhe haben, um wahrgenommen zu werden. In Kall lief das mit vielen Einzelheiten in Weiß gestaltete Gesteck außer Konkurrenz, denn beim Format „Auf ein Wort“ sitzen wir in kleiner Runde an einem Extratisch mit Kreuz, Bibel und Kerze. Trotzdem lohnte der Blick zum Altargesteck, denn die geöffnete Lilie strahlte uns an.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 79-81. Am III. Sontage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/jubilate/
„Jubilate Deo, omnis terra“ - Ps 66,1
[3] 1. Mose 1,1–4a(4b–25)26–28(29–30)31a(31b); 2,1–4a https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 und https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.2
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17-21
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.17 Apg 17,22–34
[7] Aratos von Soloi (ca. 310-245 v. Chr.) schrieb mi Prolog zu den Phainomena: „Wir sind des Zeus Geschlechts.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Aratos_von_Soloi
[8] Zu Kleanthes (ca. 331-232 v. Chr.) schrieb Cicero: „Kleanthes ... nannte bald die Welt selbst Gott (ipsum mundum deum dicit), ...”.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleanthes
[9] z.B. Apg 16,37-38 sowie Apg 22,22-29 und Apg 23,27
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Damaris_(biblical_figure)
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.15 Joh 15,1–8
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 79-81. Am III. Sontage nach Ostern.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/jubilate/
„Jubilate Deo, omnis terra“ - Ps 66,1
[3] 1. Mose 1,1–4a(4b–25)26–28(29–30)31a(31b); 2,1–4a https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 und https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.2
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2CO.5 2. Kor. 5,17-21
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.17 Apg 17,22–34
[7] Aratos von Soloi (ca. 310-245 v. Chr.) schrieb mi Prolog zu den Phainomena: „Wir sind des Zeus Geschlechts.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Aratos_von_Soloi
[8] Zu Kleanthes (ca. 331-232 v. Chr.) schrieb Cicero: „Kleanthes ... nannte bald die Welt selbst Gott (ipsum mundum deum dicit), ...”.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleanthes
[9] z.B. Apg 16,37-38 sowie Apg 22,22-29 und Apg 23,27
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Damaris_(biblical_figure)
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.15 Joh 15,1–8
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