Sunday, April 5, 2026

Altargesteck zu Ostern 2026

 


Ostern 2026 beginnt in der Osternacht um 05:30 Uhr, deutlich vor Sonnenaufgang (ca. 07:00 Uhr), und hat eine eigene Liturgie. Ich werde hier Osternacht, Ostermorgen und Ostersonntag [1] zusammenmischen, damit man die Breite der vorgesehenen und verwendeten Texte erahnen kann.

Um 05:30 Uhr brennt schon das Osterfeuer im dunklen Hof vor der Versöhnungskirche und wir beginnen nach einer Lesung aus dem Johannesevangelium (Anfang) mit dem Lied „Bleibet hier und wachet mit mir [2].

Hier nun ein Überblick zu den Texten:

· Johannesevangelium 
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“  „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ [3]
· Die Schöpfung (1. Buch Mose / Genesis) 
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“[4]
· Moses Berufung (2. Buch Mose / Exodus) 
„Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ [5]
· Israel, das Totenfeld, wird durch Gottes Odem lebendig (Hesekiel / Ezechiel)
„So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Siehe, ich will Odem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet.“ [6]
· Das kommende Friedensreich Gottes (Micha) 
„Er wird unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ [7] 
· Taufe und neues Leben (Römerbrief) 
„Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ [8]
· Jesu Auferstehung (Markusevangelium) 
„Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ [9]
· Deine Toten werden leben (Jesaja)
„Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen.“ [10]
· Der alte und der neue Mensch (Kolosserbrief)
„Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ [11]
· Jesu Auferstehung (Matthäusevangelium) 
„Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.“ [12]
· Kampf und Leiden (2. Timotheusbrief)
Das ist gewisslich wahr: Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben“ [13]
· Der Lobgesang der Hanna (1. Buch Samuel)
„Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Horn ist erhöht in dem Herrn.“ [14]
· Von der Auferstehung (1. Korintherbrief)
„Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“ [15]
· Gegen die Leugnung der Auferstehung der Toten (1. Korintherbrief)
„Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ [16]


Alle Evangelien behandeln „Die Botschaft von Jesu Auferstehung“. Betrachten wir sie einmal etwas genauer. Bei Markus [9] kommen Maria Magdalena, Maria, die Frau des Jakobus und Salome zum Grab von Jesus Christus. Und sie finden den Stein der Gruft fortgewälzt. Sie sehen einen Jüngling, der einen wallenden weißen Umhang trägt und erschaudern. Dieser aber erklärt ihnen, daß der Gekreuzigte auferweckt wurde und nicht hier sei, sie aber sollten zu den Jüngern und Petrus gehen und ihnen erzählen, daß Jesus nach Galiläa vorausgegangen sei und sie dort treffen will.
Was erfahren wir in Matthäusevangelium [12]? Dort kommen Maria Magdalena und „die andere Maria“ zur Beerdigungsstätte und sie sehen den fort gewälzten Stein sowie einen Engel mit einem Aussehen „wie ein Blitz“ und einer Kleidung „weiß wie Schnee“. Der aber erklärt ihnen, daß er weiß, daß sie den Gekreuzigten suchen, aber er sei nicht hier, da er auferweckt worden sei. Sie sollen des Weges ziehen und den Jüngern berichten, daß er auferweckt worden und nach Galiläa vorausgegangen sei. Die Frauen gingen fort und da treffen Sie auf dem Weg zu den Jüngern Jesus Christus, werfen sich ihm zu Füßen und huldigen ihm. Nun sagte Jesus Christus ihnen noch einmal, daß sie zu seinen Brüdern gehen sollen, damit sie nach Galiläa hingehen, um ihn dort zu treffen.  
Bei Lukas ist es zunächst unklar, wer da zum Grab kommt [17]. „Sie“ kamen sie zum Grab. Aber wir können „sie“ aus dem Kapitel davor erschließen, denn den Kapitel 23,49 sind es „die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren“ und in Vers 55 werden sie als die Frauen bezeichnet, „die mit ihm gekommen waren aus Galiläa“. Sie betreten die Gruft und finden dort zwei Männer in blitzenden Gewändern. Diese sprechen zu Ihnen und sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Die Frauen meldeten sie alles den Elf und all den übrigen, also nicht nur den Jüngern sondern bereits einer ganzen Gemeinde. Und erst dann werden sie näher bezeichnet als Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Frau des Jakobus, und die übrigen mit Ihnen, das heißt, es war eine größere Gruppe von Frauen. Dann kommt hier bei Lukas ein Zusatz. Denn in Vers 12 steht Petrus auf und geht alleine zur Gruft und sah die leinenen Binden. Wahrscheinlich ist dieser Vers aber erst nach Bekanntwerden des Johannes-Evangeliums, also sehr viel später, hinzugefügt worden.
Schauen wir also ins Evangelium nach Johannes [18]. Hier wird es noch einmal einen Schlag komplizierter. Maria Magdalena kommt früh zum Grab, sieht, daß der Stein vom Grab weggenommen war, läuft zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und berichtet ihnen. Petrus und der andere Jünger gingen zum Grab, wobei der andere Jünger vorher an kam, sich jedoch nicht in die Gruft hinein traute. Er konnte aber die Leinentücher sehen. Petrus ging hinein. Und dann ging auch der andere Jünger hinein. Da verstanden sie die Schrift, daß Jesus von den Toten auferstehen mußte und gehen zurück zu den anderen Jüngern. Maria Magdalena aber bleibt noch vor dem Grab und sieht zwei Engel in den weißen Gewändern, als sie sich in das Grab hineinbeugt. Die Engel fragen sie, warum sie weine und sie antwortet ihnen: „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Als sie sich umwendet, sieht sie Jesus, aber sie verwechselt ihn mit dem Gärtner und fragt ihn, wo er ihn hingelegt hätte. Und als Jesus zu ihr spricht, da erkennt sie ihn und sagt: „Rabbuni!“. Sie solle dann erneut zu Petrus und den Brüdern gehen, was Maria Magdalena auch macht und sie verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“.

Die Evangelisten berichten über ein Ereignis und tun dies ganz verschieden. Maria Magdalena steht pars pro toto für Frauen und sie geht zum Grab, findet den Grabstein zur Seite gerollt. Bei bzw. in der Gruft ist die Erscheinung so unvorstellbar, daß es zu verschiedenen Interpretationen kommt und auch der Auferstandene wird zunächst hier wie auch an anderer Stelle (Emmaus-Jünger) nicht erkannt. Petrus geht  als die aktivste Persönlichkeit der elf Jünger zum Grab. Die scheinbar verwirrenden Darstellungen münden in die Erkenntnis: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Und deshalb ruft der Liturg: „Der Herr ist auferstanden“, und die Gemeinde antwortet mit: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Die Osterkerze steht zu diesem Zeitpunkt in der Versöhnungskirche direkt vor dem Altar. Darauf darf man auch den  Wochenspruch betiehen: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ [19] 

Traditionsgemäß findet das Taufgedächtnis statt. Die Taufe ist auch eine Erklärung der Etymologie des Wortes Ostern im Deutschen wie im Englischen, da in anderen Sprachen dies auf das Pessach zurückgeführt, werden, aber bei Ostern nicht. Ostern könnte vom nordgermanischen Begriff austr – begießen stammen; dies war bereits ein vorchristlicher Brauch: man beträufelte die Neugeborenen mit Wasser. Eine andere etymologische Erklärung führt Ostern auf das althochdeutsche ostarun – Ostermorgen zurück, an dem sich viele Katechumenen taufen ließen [20].

Erinnern wir uns auch des Altargestecks, das nicht mehr so ganz frisch war, aber wahrscheinlich habe nur ich das bemerkt, denn wir saßen die meiste Zeit in der dunklen Kirche, bei der zunächst auch nur das Kreuz beleuchtet war. Wir beleuchteten jeder mit seiner Kerze das Liedblatt.

Frohe Ostern!



Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/osternacht/ und
https://kirchenjahr-evangelisch.de/ostersonntag/  
[2] EG 585 
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.1 Joh 1,1-5
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.1 1. Mose 1,1-2.4
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.3 2. Mose 3
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EZK.37 Hes 37,1-14
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MIC.4 Mi 4,1-5
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ROM.6 Rö 6,3-5
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.16 Ma 16,1-8
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.26 Jes 26,13–14(15–18)19
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/COL.3 Kol 3,1–4
[12] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.28 Mt 28,1–10 
[13] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2TI.2 2. Tim 2,8–13 
[14] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1SA.2 1. Sam 2,1–8a
Das Horn ist Symbol für Macht und Sieg.
[15] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.15 1. Kor 15,1–11
[16] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.15 1. Kor 15,(12–18)19–28
[17] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.24 Lk 24,1-12
[18] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.20 Joh 20,1-18
[19] Offb 1,18
[20] https://www.wissen.de/warum-heisst-ostern-ostern 

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