Der erste Sonntag nach Ostern wird Quasimodogeniti genannt [1]. Dies geht auf den ersten Brief des Petrus Kapitel 2, Vers 2 unter der Überschrift „Das neue Gottesvolk“ [2] zurück: „quasi modo geniti infantes rationabile sine dolo lac concupiscite ... bzw. Vulgata: sicut modo geniti infantes rationale sine dolo lac concupiscite ...“ [„und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein“]. Neugeborene Kindlein bezieht sich auf die damalige Praxis, daß Ostern getauft wurde und die Täuflinge ihre weißen Kleider bis zum nächsten Sonntag trugen. Und daher kommt auch die Bezeichnung Weißer Sonntag, der aber eher in der römisch-katholischen Kirche benutzt wird. Das englische Whitsunday bezeichnet Pfingsten und nicht diesen Sonntag.
Bleiben wir für den Wochenspruch im ersten Petrusbrief: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ [3] Als Kernaussage des heutigen Sonntags kann man direkt aus dem Evangelium zitieren: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ [4].
Der vorgesehene Text für den heutigen Sonntag steht im Johannesevangelium [4]. Es geht um die Zweifel von Thomas, der auch Zwilling genannt wurde. Die Jünger saßen bis auf Thomas hinter verschlossenen Türen und Jesus kam zu ihnen. Sie sahen seine Wundmale. Später erzählten sie Thomas davon, der meinte, er könne es nur glauben, wenn er es selbst sähe und seine Finger in die Wundmale legte. Thomas ist eine der Gestalten, denen etwas unrühmliches anhaftet. Bei Matthäus wird er nur als Jünger genannt [5], ebenso in der Apostelgeschichte als einer der Zwölf [6]. Im Johannesevangelium finden wir ihn dreimal: etwas vorlaut spricht er zu den anderen Jüngern vor dem Besuch in Bethanien [7], im 14.Kapitel gibt Thomas die Vorlage zu „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ [8], und dann die Stelle, die ihn als Zweifler brandmarkt. Als Thomas den Christus sieht, glaubt er, aber Jesus spricht zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Auch Petrus kommt nicht gut weg: da wird er als Satan bezeichnet, da muß er im Wasser versinken als Kleingläubiger, da muß er bitterlich weinen wegen seines Verrats. Oder Martha, die anscheinend die schlechtere Wahl getroffen hat [9]. Und in dem Zusammenhang dürfen wir nicht Judas vergessen.
Der Text für die Epistellesung und Predigttext sind identisch und er steht wie der Wochenspruch im ersten Petrusbrief [10]. Dieser Brief weist eine genauso hohe theologische Komplexität auf wie etwa der Römerbrief. Über den Verfasser wissen wir nichts. Mit Simon Petrus hat er natürlich nichts zu tun. In der Lesung geht es um die „Lebendige Hoffnung“. Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wir uns im Himmel ein unvergängliche, unbeflecktes und unverwelkliches – so der Text – Erbe im Himmel bewahrt. Es ist von Leid/Anfechtungen die Rede, in denen sich der Glaube bewähren soll. Dann aber: „ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“ Wenn man den Text überfliegt, dann wirkt er wenig hoffnungsvoll, wenn man ihn genauer liest, dann sieht man, daß man im Glauben bereits jetzt und hier Teil hat an der „Seelen Seligkeit“, sprich dem ewigen Heil. Und deshalb schrieb auch Paulus: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ [11]
Die Lesung aus dem Alten Testament steht im Buch Jesaja [12], unter anderem die schönen Verse: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ In anderen Übersetzungen steht anstatt „kriegen“ bekommen oder empfangen, beide Lösungen finde ich besser.
Das Gesteck in Holweide war überraschend schön und ich hätte es früher in den höchsten Tönen gelobt, aber in Kall paßte es doch besser zum Sonntag Quasimodogeniti. Weiß ist nun einmal die aktuelle liturgische Farbe und die wurde mit verschiedenen Sorten von Blumen ausgelotet und zu einem floristischen Kunstwerk gesteckt.
Bleiben wir für den Wochenspruch im ersten Petrusbrief: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ [3] Als Kernaussage des heutigen Sonntags kann man direkt aus dem Evangelium zitieren: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ [4].
Der vorgesehene Text für den heutigen Sonntag steht im Johannesevangelium [4]. Es geht um die Zweifel von Thomas, der auch Zwilling genannt wurde. Die Jünger saßen bis auf Thomas hinter verschlossenen Türen und Jesus kam zu ihnen. Sie sahen seine Wundmale. Später erzählten sie Thomas davon, der meinte, er könne es nur glauben, wenn er es selbst sähe und seine Finger in die Wundmale legte. Thomas ist eine der Gestalten, denen etwas unrühmliches anhaftet. Bei Matthäus wird er nur als Jünger genannt [5], ebenso in der Apostelgeschichte als einer der Zwölf [6]. Im Johannesevangelium finden wir ihn dreimal: etwas vorlaut spricht er zu den anderen Jüngern vor dem Besuch in Bethanien [7], im 14.Kapitel gibt Thomas die Vorlage zu „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ [8], und dann die Stelle, die ihn als Zweifler brandmarkt. Als Thomas den Christus sieht, glaubt er, aber Jesus spricht zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Auch Petrus kommt nicht gut weg: da wird er als Satan bezeichnet, da muß er im Wasser versinken als Kleingläubiger, da muß er bitterlich weinen wegen seines Verrats. Oder Martha, die anscheinend die schlechtere Wahl getroffen hat [9]. Und in dem Zusammenhang dürfen wir nicht Judas vergessen.
Der Text für die Epistellesung und Predigttext sind identisch und er steht wie der Wochenspruch im ersten Petrusbrief [10]. Dieser Brief weist eine genauso hohe theologische Komplexität auf wie etwa der Römerbrief. Über den Verfasser wissen wir nichts. Mit Simon Petrus hat er natürlich nichts zu tun. In der Lesung geht es um die „Lebendige Hoffnung“. Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wir uns im Himmel ein unvergängliche, unbeflecktes und unverwelkliches – so der Text – Erbe im Himmel bewahrt. Es ist von Leid/Anfechtungen die Rede, in denen sich der Glaube bewähren soll. Dann aber: „ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“ Wenn man den Text überfliegt, dann wirkt er wenig hoffnungsvoll, wenn man ihn genauer liest, dann sieht man, daß man im Glauben bereits jetzt und hier Teil hat an der „Seelen Seligkeit“, sprich dem ewigen Heil. Und deshalb schrieb auch Paulus: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ [11]
Die Lesung aus dem Alten Testament steht im Buch Jesaja [12], unter anderem die schönen Verse: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ In anderen Übersetzungen steht anstatt „kriegen“ bekommen oder empfangen, beide Lösungen finde ich besser.
Das Gesteck in Holweide war überraschend schön und ich hätte es früher in den höchsten Tönen gelobt, aber in Kall paßte es doch besser zum Sonntag Quasimodogeniti. Weiß ist nun einmal die aktuelle liturgische Farbe und die wurde mit verschiedenen Sorten von Blumen ausgelotet und zu einem floristischen Kunstwerk gesteckt.
Links und Anmerkungen:
[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/quasimodogeniti/ Was hatte es gleich mit Quasimodo [1a] auf sich?
[1a] So hießt der Glöckner von Notre Dame in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1939; mit Charles Laughton und Maureen O'Hara (Esmeralda). https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gl%C3%B6ckner_von_Notre_Dame_(1939)
[2] https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Petrus2
[3] 1. Petr 1,3
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.20 Joh 20,19–20(21–23)24–29, hier Vers 29
[5] Mt 10,3
[6] Apg 1,13
[7] Jesus will zum verstorbenen Lazarus gehen, übrigens von Bethanien am Jordan nach Bethanien bei Jerusalem, als Thomas spricht: „Laßt uns mit ihm gehen, daß wir mit ihm sterben!“ Joh 11,16b
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.14 Joh 14,5-6
[9] Lk 10,41.42
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1PE.1 1. Petr 1,3–9
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/PHP.4 Phil 4.4
[12] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.40 Jes 40,26–31
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