Monday, April 6, 2026

Altargesteck zu Ostermontag 2026

 


Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch das Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grüner Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Johann Wolfgang Goethe [1]


Die ersten beiden Zeilen sind wohlbekannt, von wem sind sie nur? Gut, das steht da oben, aber ich wollte nicht versäumen, einen Trick mitzuteilen. Wenn man es nicht genau weiß, dann sind es oft Goethe oder Schiller. Und was hat es mit Ostern zu tun? Davon später mehr.

Warum gibt es eigentlich den Ostermontag als Feiertag? Ostern wurzelt im jüdischen Pessach, aber für Christen erinnert Ostern an die Auferstehung des Christus. Da hätte eigentlich der Ostersonntag genügt, den man schon seit dem 2. Jahrhundert gefeiert hat. Aber denken wir zunächst an die jüdische Wurzel – das Pessach-Fest dauert (immer noch) eine Woche an [2]. Die frühen Christen ließen sich in der Osternacht taufen – deshalb gibt es heute noch das Taufgedächtnis zu Ostern – und trugen das weiße Taufkleid die nächste Woche. So kann man in den Ostermontag eine Erinnerung daran interpretieren. aber eine bessere Erklärung ist die Vertiefung der Osterfeierlichkeiten, da es sich bei Ostern um das wichtigste christliche Fest handelt. Der Ostermontag ist eng mit dem Gang zweier Jünger nach Emmaus verbunden, denn die gingen am Tag nach der Auferstehung von Jerusalem nach Emmaus [3]. Und daher ist der Ostermontag mit dem Osterspaziergang verbunden. Die von Johann Wolfgang Goethe zitierte Passage, wird oft als „Osterspaziergang“ in Form eines Gedichtes abgedruckt, aber es handelt sich um einen Monolog von Faust, der an einem Ostersonntag mit seinem Famulus Wagner einen Spaziergang macht (die Szene heißt „Vor dem Tor“).

Der Wochenspruch hat sich seit gestern nicht geändert und lautet: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ [4] Widerspricht  sich da die Bibel? Wir meinen ja häufig, Widersprüche in der Bibel zu entdecken. Hat die nicht Petrus? Nein. Petrus hat die Schlüssel zu Himmelreich versprochen bekommen. „Ich will dir die Schüssel des Himmelreichs geben“ [5].

Gehen wir einmal die Texte durch, die in „Das Kirchenjahr – Evangelischer Sonn- und Feiertagskalender“ für den Ostermontag vorgeschlagen werden.
· Lesung aus dem Alten Testament: Das große Freudenmahl. „Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.“ Der gesamte Text stammt aus dem Buch Jesaja [6]. 
· Epistelesung: Die Verwandlung der Gläubigen und der Sieg über den Tod. Die Stelle kann man im 15. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther nachlesen [7]. „Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht Jes 25,8: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«“ (Verse 54.55] Vielleicht ist es etwas enttäuschend, wenn man es mit [6] vergleicht. Und wenn man es mit einem Vers aus Hosea vergleicht, wird es auch nicht besser [8].
· Lesung aus dem Evangelium: Die Emmausjünger – steht im Lukasevangelium [9].
· Predigttext: Jesu Erscheinung vor den Jüngern – der steht im Anschluß an die Geschichte mit den Emmausjüngern [10]. „Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.“

Lukas weiß eine lange und spannende Geschichte über die Emmausjünger zu erzählen. Markus erzählt die Geschichte in zwei Versen: „Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie aufs Feld gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.“ [11] Die beiden Jünger, von denen einer Kleopas heißt, gehen von Jerusalem nach Emmaus, das sind etwa 12 km. Zu ihnen gesellt sich der Auferstandene, den sie aber nicht erkennen, und erklärt ihnen, was in und vor Jerusalem geschehen ist. Erst als er bei der gemeinsamen Mahlzeit das Brot bricht, gehen ihnen die Augen auf. Da aber verschwand der Christus. Als sie aber erkannt hatten, wer da mit ihnen gegangen war, kehrten sie sofort zurück nach Jerusalem, um es den anderen Jüngern zu berichten.

Der Gottesdienst für den Ostermontag fand in der Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd (EvA) statt [12]. Die Lilien blüten weiß, wie auch anders, in der liturgischen Farbe des Festes. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Sieglinde Schneider (Sopran) [13] und Kantor Werner Harzheim, die den Gottesdienst zu einem musikalischen Erlebnis werden ließen.
 
 



Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Johann Wolfgang Goethe: Faust. Eine Tragödie. In: Gesammelte Werke in sieben Bänden. Herausgegeben von Bernt von Heiseler. Dritter Band: Faust · Versepen. Im Bertelsmann Lesering, Bielefeld 1962. S. 32.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Pessach 
[3] https://kirchenjahr-evangelisch.de/ostermontag/ 
[4] Offb 1,18 
[5] Mt 16,19
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ISA.25 Jes 25,6–9
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.15 1. Kor 15,50–58
[8] „Sollte ich sie aus der Hölle erlösen und vom Tod erretten? Tod, wo ist deine Seuche; Hölle, wo ist deine Pest? Meine Augen kennen kein Mitleid.“ 
https://www.bibleserver.com/LUT/Hosea13 Hos 13,14
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.24 Lk 24,13–35 
[10] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.24 Lk 24,36–45
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.16 Mk 16,12-13
[12] Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd
https://eva-gepflegt.de/ueber-uns/ 
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Sieglinde_Schneider 

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