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Saturday, December 27, 2025

Die Pfarrkirche St. Hieronymus in Dahlem (Eifel)

 


Dahlem ist eine Gemeinde in der Eifel mit etwa 4500 Einwohnern [1]. Funde von Ziegelscherben und Brandgräbern deuten daraufhin, daß der Ort bereits zur Römerzeit besiedelt war. Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 867 bezeichnet Dahlem als „dalaheim“. Und im 9. Jahrhundert hatte es bereits eine Kapelle gegeben.

Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1844 gelegt, nach das alte Kirchenschiff abgerissen worden war. Der spätgotische Glockenturm (15./16. Jahrhundert) wurde in die Kirche integriert. Die Weihung fand im Jahr 1851 statt [2]. Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre (links Nikolaus, rechts Josef geweiht) stammen aus dem Jahr 1716.

Es gibt vier Glocken, drei davon wurden 1983 von der Eifeler Glockengießerei Mark in Brockscheid gegossen (Einzelheiten im Wikipedia-Artikel). Die vierte Glocke stammt aus dem Jahr 1736 und wiegt 800 kg, so daß es mich wundert, das der Artikel so wenig zu der Glocke weiß. Immerhin ist sie in mehreren Kriegen nicht eingeschmolzen worden, wie es vielen Glocken der Region erging. Also schaute ich nach: im Verzeichnis von Norbert Jachtmann „Glocken in der Region Eifel“ [3] sind die Angaben, die ich suchte, nicht zu finden. Zu den drei neueren Glocken sind die Informationen sehr umfangreich. Es finden sich jedoch viele technische Angaben, wobei der Abklingverlauf dieser Glocke als unruhig bezeichnet wird.



1960 baute die Firma Weimbs Orgelbau aus Hellenthal eine Orgel mit 21 Registern ein, es ist das Opus 45 [4]. Sie besitzt zwei Manuale und Pedal.

Es gibt einige Fenster in dieser Kirche zu bewundern, die von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. erfaßt wurden [5]. Die Fenster wurden zu einem Großteil 1948 von der Firma Karl Jörres in Bonn ausgeführt, von denen ich das Bild des Hl. Hieronymus aus der Turmhalle und 
„Christus und die Emmaus-Jünger“ von Ernst Jansen-Winkeln aus dem Jahr 1975, ebenfalls von der Firma Jörres ausgeführt, zeige. Ich suchte nähere Angaben zu Ernst Johann Jansen-Winkeln und wurde auch fündig [6]. Da las ich, daß sein Hauptwerk im nächsten Ort von meiner Wohnung aus liegt, nämlich die Ausmalung der Kirche St. Stephanus in Sistig/Eifel. Ich habe mir die Kirche und diese Malereien mehrfach angesehen, aber wegen der schlechten Fotos nie darüber geschrieben; ich werde das nachholen. Außerdem gibt es von ihm eine riesige Erzengel Michael-Darstellung an der Kirche St. Michael in Rinnen, da fahre ich wöchentlich mehrfach dran vorbei. Da habe ich allerdings ein Foto, das ich zeigen kann, auch wenn es bereits 20 Jahre alt ist. Auch diese Kirche gilt es für mich erneut zu besuchen. Wie sagt das Sprichwort … sieh' das Gute liegt so nah. 



St. Michael Rinnen (außen)

Hieronymus (um 348/349 bis 420) war kein Märtyrer, dafür aber pflegte er eine rigoristische Askese und war einer der wichtigsten Kirchväter. 367, also vor seiner kirchlichen Karriere, besuchte er Trier, Mosel und Rhein. Ich ist für große Teile der Vulgata (also der Übersetzung ins Lateinische) verantwortlich. Als er nach Rom kam, erwarteten ihn dort „asketisch lebender römische Aristokratinnen, zu dem unter anderem Marcella, Lea, Fabiola, Paula und deren Töchter Eustochium und Blaesilla gehörten“ [7]. Vielleicht doch ein Guru?! Ich zeige hier das Fenster mit seinem Bild, aber wahrscheinlich ist „Der Heilige Hieronymus im Gehäus“ von Stefan Lochner (vor 1440) bekannter. Übrigens schreibt er in dem Fenster gar eifrig auf Papier (gabs damals übrigens noch nicht) und steht mir in Undeutlichkeit der Schrift nicht nach.

Ein wenig Selbstkritik [8]: wie bescheuert muß man sein, jahrelang mit der Beschreibung einer interessanten Kirche zu warten?! Und für alle anderen heißt es: Nichts wie hin! Und ich hoffe, daß die
Bilder von den Ordensleuten, die mit der Kirche verbunden waren, noch zu sehen sind.




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dahlem_(Nordeifel) Hier kann man sich auch eine Übersetzung aus dem Lateinischen der Urkunde aus dem Jahr 867 ansehen.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Hieronymus_(Dahlem) und der umfangreichere Blogpost von Günter Hommes: 
https://www.eifelkirchen.com/Dahlem/Dahlem.htm  

[3] https://www.bistum-aachen.de/export/sites/Bistum-Aachen/portal-bistum-aachen/glaube/liturgie/kirchenmusik-bistum-aachen/.galleries/Glockenbuecher/Gelaute-in-der-Region-Aachen-Land.pdf 
[4] https://organindex.de/index.php?title=Dahlem_(Nordeifel),_St._Hieronymus und 
https://weimbs.de/orgeln/opusliste/  

[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.  
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2766/b2766.shtml 

[6] „Ernst Johann Jansen-Winkeln (* 13. Februar 1904 in Winkeln; † 11. April 1992 in Mönchengladbach) war ein deutscher Kirchenkünstler.“  
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Jansen-Winkeln 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) 
[8] Ich habe mich sehr mit Mao Zedong (毛泽东) beschäftigt.

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Thursday, January 13, 2022

St. Brictius in Berk


Über die römisch-katholische Pfarrkirche St. Brictius in Berk (Ortsteil der Gemeinde Dahlem) wollte ich bereits vor über einem Jahr schreiben, habe es aber irgendwie verpaßt und bin gerade nochmals da gewesen … und sie hat mir noch besser gefallen.


Schon die Architektur ist interessant, da der moderne zum alten Teil paßt. Und auch die Trauerhalle, die Gedenkkapelle für die Kriegstoten, der Friedhof sind zusammen mit der Kirche zu einer Einheit verschmolzen. Es gefällt hoffentlich auch dem Auge Gottes. Und mir möge man verzeihen, daß mich die Trauerhalle gegenüber des Eingangs an die Architektur der Hobbits erinnert.

Reliquiar der Vierzehn Nothelfer


Berk ist mit 450 Einwohnern ein kleiner Ort in der Eifel und gehört zu Dahlem [1]. Berk liegt kurz vor der Grenze zu Rheinland-Pfalz im Südwesten von Nordrheinwestfalen und die Kreisstadt Euskirchen liegt etwa 50 km entfernt. Der Ort ist unter dem früheren Namen Berchheim für das 12. Jahrhundert urkundlich belegt. Berk ist seit 1768 Wallfahrtsort. Die Wallfahrt führt zu den Vierzehn Nothelfern, und ich lasse mich jetzt nicht verführen, dies weiter auszuführen. Allenfalls noch dies: ich sah ein fotokopiertes Blättchen mit einer Novene zu den Vierzehn Nothelfern, das ich  bedauerlicherweise liegen gelassen habe – andererseits hätten dann natürlich die Vierzehn Nothelfern diesen Blogpost gesprengt.



Und im 12. Jahrhundert bestand bereits die erste Kirche, von der wesentliche Bauteile des Glockenturms noch heute bestehen [2]. Die dazugehörige „Saalkirche wurde 1516 um einen gotischen, dreiseitig geschlossenen Chor und eine Sakristei erweitert“. Die weitere Geschichte steht im zitierten Wikipedia-Artikel. Man plante 1934 einen Erweiterungsbau, der aber erst 20 Jahre später verwirklicht werden konnte. Tragischerweise brannte dieser Teil ab, aber Chor und Turm überstanden das Feuer. Zwei Jahre später konnte ein neues Kirchenschiff errichtet werden. Die im Wikipedia-Artikel erwähnten Aachener Architekten Fritz Jäncke und Erich Heyne wollte ich schon streichen, aber wenn ich mir die Bilder mit der herrlichen Architektur ansehe, finde ich, daß ich sie doch erwähnen sollte.



Mich interessieren besonders die Fenster. Die Fenster im Chor stammen aus dem Jahr 1954, und zwar von Wilhelm de Graaff, der auch für die Abtei Maria Laach gearbeitet hatte, allerdings gefielen mir die 40 Jahre später entstandenen Fenster des Kirchenschiffs von Hubert Spierling besser. Das hatte mich etwas verwundert, da ich dazu neige, die älteren Fenster zu bevorzugen. Die „Freie Komposition“ des Fensters am Treppenaufgang und der „Siebenarmige Leuchter“ haben mir besonders gefallen [3].



Über Brictius von Tours, den Namenspatron, habe ich bei Wikipedia nachgelesen [4]. Den gesamten Artikel möchte ich nicht nacherzählen, denn dazu ist er viel zu gut gelungen; bitte selbst dort nachlesen. Ich habe mich allerdings gefragt, warum es dieser temperamentsvolle Brictius nicht z.B. in Hans Conrad Zanders „Gottes unbequeme Freunde“ geschafft hat [5]. Der heilige Brictius von Tours lebte von ca. 370 bis 444, wobei er 397 Bischof in Tours wurde, nachdem der Heilige Martin (in Kölle „d'r hellije Zinter Mätes“ [6]) verstorben war. 30 Jahre später soll er eine Nonne geschwängert haben. Obwohl er sich einem Gottesurteil stellte und dies seine Unschuld bestätigte, mußte er die Stadt verlassen, um nicht gesteinigt zu werden. In den nächsten sieben Jahren reiste er nach Rom und wurde vom Papst vollständig rehabilitiert. Anders als die Märtyrer ist er 444 sanft entschlafen.


Da ich evangelisch bin, könnte mir das egal sein - ist es aber nicht.
Corona zwingt uns, den Glauben anders zu leben, als wir uns das wünschen.


Also wer es bislang nicht nach Berk geschafft hat, der sollte sich schleunigst auf den Weg machen.




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Berk_(Dahlem)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Brictius_(Berk)
[3] http://www.glasmalerei-ev.net/pages/b2786/b2786.shtml hier kann man sich alle Fenster anschauen.
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Brictius_von_Tours
[5] Hans Conrad Zander: Gottes unbequeme Freunde. Heilige für unsere Zeit. Gruner und Jahr (Stern Buch), Hamburg 1982. ISBN: 3-570-04724-5. Oder auch: Die emanzipierte Nonne und andere Porträts von heiligen Individualisten. Kreuz, Stuttgart 1990. ISBN: 3-7831-1024-6.
[6] Zum Heiligen Martin gibt es auch allerlei zu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours Ihm werden auf dem Totenbett diese Worte zugeschrieben: „mortem non timeo, vivere autem non recuso (den Tod fürchte ich nicht, weiter zu leben lehne ich aber nicht ab)“.

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