Friday, October 9, 2026

Zucker ist schlecht – Zuckerersatzstoffe ebenso

Ich las gerade einen sehr gut recherchierten Artikel von Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel über Xylit auf DocCheck [1], so daß ich denke, es ist wieder einmal an der Zeit über Zucker und Zuckerersatzstoffe zu schreiben. Ich hatte dies bereits 2017 und 2023 auf Deutsch getan [2].

Max Otto Bruker [3] wetterte schon früh über den Fabrikzucker, Haushalts-, Rüben- oder Rohrzucker, also Saccharose. Ich fand seine Ideen grundsätzlich in Ordnung, aber überzogen, was zum Beispiel die Heilung rheumatischer Erkrankungen angeht, wenn man den Fabrikzucker weg läßt. Also weg von Fabrikzucker! Dann hat man lieber natürlich süßende Zutaten, wie Honig, Ahornsirup, Kokos- oder Palmzucker, Pflaumen- oder Granatapfelsirups oder -dicksäfte (Agavendicksaft kommt mir gerade in den Sinn) eingesetzt. Die sind um keinen Deut besser. Und weil wir dabei sind -: HFCS (High Fructose Corn Syrup, also Maissirup mit hohem Fructosegehalt) wird von der Industrie gerne als Süßungsmittel eingesetzt, aber erhöht wie reine Saccharose (auch gerne Kristallzucker genannt) das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Adipositas, Typ-2-Diabetes und die Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD).

Bei den Zuckerersatzstoffen gibt es solche, die keine Energie liefern, wie Aspartam, Cyclamat, Sucralose und Steviolglykoside (Stevia). dann gibt es die Zuckeralkohole (Polyole), die weniger Energie liefern, etwa 2,4 kcal pro Gramm. Das sind Xylit, Sorbit, Mannit, Maltit, Lactit, Isomalt und Polyglycitolsirup. Erythrit ist dem Xylit ähnlich, enthält allerdings mit 0,2 kcal pro Gramm keine nennenswerte Energie. 

Kris Verburgh hatte in seinem Buch „Die Ernährungs-Sanduhr“ [4] zu Stevia und Zuckeralkoholen wie Erythrit sowie Obst geraten, denn wie sonst könnte man das Dilemma zu süßen, ohne den Bluzuckerspiegel (wegen der Insulin-Spikes) zu erhöhen, sonst lösen?! Wir werden sehen.

Franz-Werner Dippel berichtet über neuere Studien, die „mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod“ einhergehen. „Xylit ist trotz Birkenzucker-Image kein Naturprodukt, sondern wird industriell aus Holz- oder Landwirtschaftsabfällen hergestellt und steckt in vielen kalorienreduzierten Fertigprodukten.“ Stephan Martin [5] zitierte zwei Studien [6], wobei die letztere Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beobachtete und erhöhte Spiegel von Erythrid bei denen mit schweren kardiovaskulären Ereignissen (MACE – major adverse cardiovascular event – das sind Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall) fand. Erythrid erhöht die Thrombozytenreaktivität und führt damit zu einer verstärkten Thrombosebildung. Eine in-vivo-Studie an gesunden Probanden zeigte einen deutlichen Anstieg der Plasmakonzentration bei Einnahme von Erythrid, die oberhalb des Schwellenwertes lag, der zu einer erhöhten Throbozytenreaktivität geführt hatte. Es wird ein Klassen-Effekt diskutiert, d.h. daß es alle Zuckeralkohole betrifft. Der von Dippel zitierte Artikel von Witkowski [7] beschreibt ebenfalls eine erhöhte Thromozytenreaktivität, die eine Erklärung für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko darstellt.

Zusammenfassend bestätigt mich der Artikel von Dippel in Hinsicht auf folgende Ratschläge:
    · Verzichten Sie auf Zucker
    · Verzichten Sie auf gefärbten Zucker (raffinierter Zucker mit etwas Melasse)
    · Verzichten Sie auf Kokos- und Palmzucker (ist auch im wesentlichen Saccharose)
    · Verzichten Sie auf Honig
    · Verzichten Sie auf Dicksäfte / Sirups (z.B. Ahronsirup, Agavensirup, Rübenkraut, Granatapfelsirup) 
    · Verzichten Sie auf HFCS gesüßte Speisen
    · Essen Sie Obst, aber eben auch nicht zu viel davon

Und mein Fazit über Süßstoffe:
Es kann nicht darum gehen, Alternativen für Zucker zu suchen, die sich dann auch als problematisch herausstellen. Dicksäfte oder Süßstoffe verändern nichts. Sie halten die Sucht nach Süßem aufrecht. Viel besser für die Gesundheit wäre es, den Geschmack umzutrainieren. Lassen Sie aber Zeit dabei. Viel Erfolg!



Links und Anmerkungen:

[1] Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel: Xylit erhöht Kardio-Risiko.
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/54396-xylit-erhoeht-kardio-risiko?utm_source=DC-Ne 
[2] Ich hatte mehrfach über Xylit (auch Englisch) geschrieben, auf Deutsch war das 2017 [2a] und 2023 [2b] der Fall.
[2a] Süß, süßer, SüßStuss 
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/06/su-suer-sustuss.html 
[2b] Mögliche Risiken bei Erythritol / Erythrid, einem Zuckeralkohol  
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/mogliche-risiken-bei-erythritol.htm 
[3] Max Otto Bruker (1909-2001) war Arzt, Sachbuchautor und Verfechter der Vollwerternährung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Otto_Bruker 
[4] Dr. Kris Verburgh: Die Ernährungs-Sanduhr. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2015. ISBN: ‎978-3-442-17506-2.
[5] Stephan Martin: Herzrisiken durch Süßstoff Erythrid? Vorsicht ist ratsam. BDI aktuell, Mai 2023, S. 14.
Prof. Dr. med. Stephan Martin ist ein anerkannter Diabetologe und Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums des Verbundes der Katholischen Kliniken Düsseldorf (VKKD).
[6a] Katie C. Hootman, Jean-Pierre Trezzi, Lisa Kraemer, +6 , and Patricia A. Cassano: Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain in young adults. Proc Natl Acad Sci USA, May 8, 2017, 114 (21) E4233-E4240.  
https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1620079114 

[6b] Witkowski M, Nemet I, Alamri H, Wilcox J, Gupta N, Nimer N, Haghikia A, Li XS, Wu Y, Saha PP, Demuth I, König M, Steinhagen-Thiessen E, Cajka T, Fiehn O, Landmesser U, Tang WHW, Hazen SL. The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med. 2023 Mar;29(3):710-718. doi: 10.1038/s41591-023-02223-9. Epub 2023 Feb 27. PMID: 36849732.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36849732/ 
[7] Witkowski et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med, 2023. doi: 10.1038/s41591-023-02223-9. (So von Dippel zitiert.) 

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