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Monday, December 29, 2025

Die Pfarrkirche St. Stephanus in Sistig (Eifel)


Vor einigen Tagen hatte ich die Pfarrkirche St. Hieronymus in Dahlem beschrieben [1] und dabei war mir aufgefallen, daß ich noch nie über St. Stephanus in Sistig oder St. Michael in Rinnen geschrieben hatte, denn das Hauptwerk von Ernst Johann Jansen-Winkeln, dessen Fenster ich in Dahlem bewunderte, ist die Ausmalung der Kirche St. Stephanus in Sistig. In Rinnen warten auch noch sehr schöne Fenster von ihm auf mich. Nun aber war es soweit, ich kam durch Sistig und die Pfarrkirche St. Stephanus, über die Straße zur Bushaltestelle war es fies glatt, aber danach konnte man sicher gehen. In der Kirche war niemand, aber das ist eigentlich die Regel.

Sistig gehört zu Kall und liegt auf etwa 530 m Höhe. Die Einwohnerzahl beläuft  sich auf etwas weniger als 800. Man vermutet eine Herkunft eine Ableitung des Namens Sistig von sextus und nimmt an, daß es bereits vor 2000 Jahren eine keltisch-römische Siedlung gab. Eine Kapelle wird für das Jahr 1214 urkundlich erwähnt, denn ab da mußte die Messe von einem der Mönche aus dem Kloster Steinfeld einmal wöchentlich gehalten werden [2]. Egal, ob man heute über Steinfelderheistert oder Gillenberg und Diefenbach läuft, es sind 4 km und die kann man ein einer Stunde bewältigen.


Über die bereits erwähnte Kapelle gibt es bislang keine Einzelheiten. Man nimmt an, daß sie im 15./16 Jahrhundert durch eine spätgotische, einschiffige Kirche ersetzt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese zu klein und wurde 1901 abgerissen. Die neue Kirche im neugotischen Stil nach Plänen von Joseph Prill, einem Essener Religionslehrer, wurde 1904 geweiht. Halt, nicht so schnell, denn über den Architekten erfahren wir, daß er Autodidakt war, das aber macht in doch so interessant, daß man nachhaken muß [3]. Joseph Carl Maria Prill wurde 1852 in Beuel geboren und starb 1935 in Donrath. 1875 wurde er im Kölner Dom zum Priester geweiht und lebte 1880-1883 in Rom. Er war fast 30 Jahr als Religionslehrer am Burggymnasium in Essen tätig und war nebenbei Autor und Architekt tätig. Im Wikipedia Artikel finden sich weitere Kirchen, für die er die Pläne entworfen hat. „St. Stephan ist eine dreischiffige und vierjochige Stufenhallenkirche aus Kalkstein in Formen der Neugotik. Der Chor ist fünfseitig geschlossen, der Glockenturm seitlich vorgebaut.“ [4] St. Stephanus wurde 1987 restauriert und 2017 im Westen um einen Anbau erweitert. Der Taufstein stammt aus der Zeit um 1800. 

Der Wikipedia Artikel listet die Priester auf, die ab 1920 tätig waren und mit P. Wieslaw Kaczor SDS [5] und seinem Pastoralteam weiter sind. Wenn man sich aber für die Zeit davor interessiert, so kann man das an dem Torbogen von Vorraum in die Kirche nachlesen. Aber wer macht das schon? Na klar, ich mache so was und fotografieren es auch noch – aber nein, dieses Foto bleibt in der Datei auf meinem Rechner. Da müssen Sie schon selbst nach Sistig.


Kommen wir zur Orgel – ich sage sage einmal, es bleibt interessant – auf der Empore, die ich älter geschätzt hatte. Sie ist das Werk der Hellenthaler Weimbs Orgelbau GmbH aus dem Jahr 1956 und wurde 1981 umgebaut. Damit könnte man sich zufrieden geben, immerhin kann man es so im OrganIndex nachlesen [6]. Ich fand die Orgel nicht auf der Opus-Liste von Weimbs Orgelbau [7]. Aber ich fand eine Orgel für St. Stephanus in Effelsberg, über die ich bereits berichtet habe [8]. Diese Orgel wurde 1889 von der Firma Gebr. Müller (Reifferscheid) erbaut und 1975 durch die Firma Josef Weimbs (Hellenthal) renoviert [9]. Ich meine, daß die Opus-Liste, die ich doch schon häufiger eingesehen habe, an dieser Stelle fehlerhaft ist.




Kommen wir nun zu Fenstern und Fresken. Die Fresken sind auch als „Sistiger Bilderbibel“ bekannt und wurden von Ernst Johann Jansen-Winkeln [10] in der Zeit von 1941 bis 1948 geschaffen. Mein Großvater und er hatten dasselbe Geburtsjahr und so verwundert es mich nicht, daß Jansen-Winkeln 1942 Soldat werden mußte und erst wieder 1945 an den Fresken weiterarbeiten konnte. Damit konnte er aber auch Adolf Hitler darstellen, allerdings unter den Dämonen. Wahrscheinlich gibt es keine weitere Kirche mit einer Darstellung von Adolf Hitler. Stilistisch wird er der verschollenen Generation zugeordnet. Ich meine, auch meinen früheren Kunstlehrer Heiner Schlesing dort zuordnen zu können [11].
Von Ernst Jansen-Winkeln stammen auch die Entwürfe zu den Fenstern im Seitenschiff (geometrische Ornamente) und dem Chor (Szenen aus dem Leben des Quirin von Neuss, Szenen aus dem Leben der hll. Sebastian und Stephanus, Szenen aus dem Leben des hl. Hermann Josef von Steinfeld) [12]. Regelmäßige Leser des Blog wissen über meine Obsession zu Quirinius Bescheid, der als Statthalter in Syrien vom Evangelisten Lukas erwähnt wird. Nun, Quirin oder Quirinus von Neuss aka Quirinus von Rom war ein ein römischer Tribun und christlicher Märtyrer aus dem 2. Jahrhundert, der enthauptet wurde [13] und dabei belassen wir es, obwohl er zweiter Pfarrpatron ist und nach ihm eine Quelle im Ort benannt wurde (Quirinusborn), die sich etwa 100 m Luftlinie von St, Stephanus entfernt befindet. 



Über den Patron der Kirche, Stephanus, erfährt man mehr im 6. und 7. Kapitel der Apostelgeschichte [14] und natürlich bei Wikipedia [15]. Er wurde zusammen mit sechs andern zu den ersten Diakonen gewählt, die zur Unterstützung der Apostel beim Wachsen der Gemeinde notwendig geworden waren. Er war der erste Märtyrer der jungen christlichen Kirche und wird deshalb auch als Erzmärtyrer bezeichnet. Stephanus hatte seinen Mördern kurz vor dem Tod verziehen.


Eine Besonderheit ist mir noch aufgefallen. Warum sollte Weihwasser nicht hygienisch sein? Es gibt einen Weihwasser Spender.

Warum ich das nicht schon vor Jahren geschrieben habe? Der Mensch ist sich selbst das größte Rätsel.
Sollten Sie die Kirche besuchen? Aber sicher! Und tun Sie es, bevor jemand auf die Idee kommt, abzuschließen. Um die Advents-/Weihnachtszeit gibt es eine sehenswerte Krippe – also gestern war sie noch zu sehen.





Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/die-pfarrkirche-st-hieronymus-in-dahlem.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Sistig 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Prill 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Stephanus_(Sistig) 
Da kann man weitere Einzelheiten zu Architektur und zur Ausstattung erhalten. Und für weitere Einzelheiten ist auch ein Text von der Homepage der GdG Steinfeld interessant:
https://gdg-steinfeld.de/export/sites/region-eifel/gdg-steinfeld/.galleries/sonstige-Downloads/Sistig.pdf 
[5] Es ist mir klar, daß es sich nicht um den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) handeln kann. Aber gestutzt habe ich doch. Es steht natürlich für die Societas Divini Salvatoris, also die Salvatorianer, die 1923 das Kloster Steinfeld übernommen hatten.
[6] https://organindex.de/index.php?title=Kall/Sistig,_St._Stephanus 
[7] https://weimbs.de/orgeln/opusliste/ 
[8] Die Pfarrkirche St. Stephanus in Effelsberg (Eifel) 
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/10/die-pfarrkirche-st-stephanus-in.html 
[9] https://vielfach-kirche.de/files/Bilder/Kirchenmusik/Effelsberg.pdf 
[10] „Ernst Johann Jansen-Winkeln (* 13. Februar 1904 in Winkeln; † 11. April 1992 in Mönchengladbach) war ein deutscher Kirchenkünstler.“  
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Jansen-Winkeln 
[11] Heiner Schlesing (1901-1992)
https://rheumatologe.blogspot.com/2014/04/ausstellung-heiner-schlesing-in-rees.html 
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/08/retrospektive-von-heiner-schlesing-im.html 
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/11/retrospektive-von-heiner-schlesing-im.html 
[12] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2860/b2860.shtml 
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Quirinus_von_Neuss 
[14] https://www.bibleserver.com/LUT/Apostelgeschichte6 und https://www.bibleserver.com/LUT/Apostelgeschichte7  
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Stephanus 


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Saturday, December 27, 2025

Die Pfarrkirche St. Hieronymus in Dahlem (Eifel)

 


Dahlem ist eine Gemeinde in der Eifel mit etwa 4500 Einwohnern [1]. Funde von Ziegelscherben und Brandgräbern deuten daraufhin, daß der Ort bereits zur Römerzeit besiedelt war. Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 867 bezeichnet Dahlem als „dalaheim“. Und im 9. Jahrhundert hatte es bereits eine Kapelle gegeben.

Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1844 gelegt, nach das alte Kirchenschiff abgerissen worden war. Der spätgotische Glockenturm (15./16. Jahrhundert) wurde in die Kirche integriert. Die Weihung fand im Jahr 1851 statt [2]. Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre (links Nikolaus, rechts Josef geweiht) stammen aus dem Jahr 1716.

Es gibt vier Glocken, drei davon wurden 1983 von der Eifeler Glockengießerei Mark in Brockscheid gegossen (Einzelheiten im Wikipedia-Artikel). Die vierte Glocke stammt aus dem Jahr 1736 und wiegt 800 kg, so daß es mich wundert, das der Artikel so wenig zu der Glocke weiß. Immerhin ist sie in mehreren Kriegen nicht eingeschmolzen worden, wie es vielen Glocken der Region erging. Also schaute ich nach: im Verzeichnis von Norbert Jachtmann „Glocken in der Region Eifel“ [3] sind die Angaben, die ich suchte, nicht zu finden. Zu den drei neueren Glocken sind die Informationen sehr umfangreich. Es finden sich jedoch viele technische Angaben, wobei der Abklingverlauf dieser Glocke als unruhig bezeichnet wird.



1960 baute die Firma Weimbs Orgelbau aus Hellenthal eine Orgel mit 21 Registern ein, es ist das Opus 45 [4]. Sie besitzt zwei Manuale und Pedal.

Es gibt einige Fenster in dieser Kirche zu bewundern, die von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. erfaßt wurden [5]. Die Fenster wurden zu einem Großteil 1948 von der Firma Karl Jörres in Bonn ausgeführt, von denen ich das Bild des Hl. Hieronymus aus der Turmhalle und 
„Christus und die Emmaus-Jünger“ von Ernst Jansen-Winkeln aus dem Jahr 1975, ebenfalls von der Firma Jörres ausgeführt, zeige. Ich suchte nähere Angaben zu Ernst Johann Jansen-Winkeln und wurde auch fündig [6]. Da las ich, daß sein Hauptwerk im nächsten Ort von meiner Wohnung aus liegt, nämlich die Ausmalung der Kirche St. Stephanus in Sistig/Eifel. Ich habe mir die Kirche und diese Malereien mehrfach angesehen, aber wegen der schlechten Fotos nie darüber geschrieben; ich werde das nachholen. Außerdem gibt es von ihm eine riesige Erzengel Michael-Darstellung an der Kirche St. Michael in Rinnen, da fahre ich wöchentlich mehrfach dran vorbei. Da habe ich allerdings ein Foto, das ich zeigen kann, auch wenn es bereits 20 Jahre alt ist. Auch diese Kirche gilt es für mich erneut zu besuchen. Wie sagt das Sprichwort … sieh' das Gute liegt so nah. 



St. Michael Rinnen (außen)

Hieronymus (um 348/349 bis 420) war kein Märtyrer, dafür aber pflegte er eine rigoristische Askese und war einer der wichtigsten Kirchväter. 367, also vor seiner kirchlichen Karriere, besuchte er Trier, Mosel und Rhein. Ich ist für große Teile der Vulgata (also der Übersetzung ins Lateinische) verantwortlich. Als er nach Rom kam, erwarteten ihn dort „asketisch lebender römische Aristokratinnen, zu dem unter anderem Marcella, Lea, Fabiola, Paula und deren Töchter Eustochium und Blaesilla gehörten“ [7]. Vielleicht doch ein Guru?! Ich zeige hier das Fenster mit seinem Bild, aber wahrscheinlich ist „Der Heilige Hieronymus im Gehäus“ von Stefan Lochner (vor 1440) bekannter. Übrigens schreibt er in dem Fenster gar eifrig auf Papier (gabs damals übrigens noch nicht) und steht mir in Undeutlichkeit der Schrift nicht nach.

Ein wenig Selbstkritik [8]: wie bescheuert muß man sein, jahrelang mit der Beschreibung einer interessanten Kirche zu warten?! Und für alle anderen heißt es: Nichts wie hin! Und ich hoffe, daß die
Bilder von den Ordensleuten, die mit der Kirche verbunden waren, noch zu sehen sind.




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dahlem_(Nordeifel) Hier kann man sich auch eine Übersetzung aus dem Lateinischen der Urkunde aus dem Jahr 867 ansehen.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Hieronymus_(Dahlem) und der umfangreichere Blogpost von Günter Hommes: 
https://www.eifelkirchen.com/Dahlem/Dahlem.htm  

[3] https://www.bistum-aachen.de/export/sites/Bistum-Aachen/portal-bistum-aachen/glaube/liturgie/kirchenmusik-bistum-aachen/.galleries/Glockenbuecher/Gelaute-in-der-Region-Aachen-Land.pdf 
[4] https://organindex.de/index.php?title=Dahlem_(Nordeifel),_St._Hieronymus und 
https://weimbs.de/orgeln/opusliste/  

[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.  
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2766/b2766.shtml 

[6] „Ernst Johann Jansen-Winkeln (* 13. Februar 1904 in Winkeln; † 11. April 1992 in Mönchengladbach) war ein deutscher Kirchenkünstler.“  
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Jansen-Winkeln 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) 
[8] Ich habe mich sehr mit Mao Zedong (毛泽东) beschäftigt.

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Sunday, October 9, 2022

St. Dionysius in Gondenbrett in der Eifel

 



Gondenbrett, wo liegt Gondenbrett. Die Gemeinde gehört zur Pfarrgemeinschaft Prüm. Und was will man in Prüm? Auf den Spuren Helmut Kohls wandeln? Das Wort, das ihm in den Mund gelegt wurde, hat es nie gegeben [1]. Nein, ich war natürlich in St. Salvator, um mir u.a. das Grab von Kaiser Lothar I. anzusehen. Und dann lag Gondenbrett nah. Und warum schreibe ich jetzt nicht über St. Salvator? Weil heute der 09.10.2022 ist und der 9. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Dionysius.

Über den Namenspatron hatte ich bereits im Rahmen der Besichtigung einer anderen Kirche gleichen Namens, nämlich St. Dionysius in Keldenich, berichtet [2]. Dionysius war Bischof von Paris, wohin er im 3. Jahrhundert (man vermutet das Jahr 250) als Missionar geschickt worden war [3]. Er wurde auf einem bekannten Hügel enthauptet – Montmartre, der Berg der Martern [4], auf dem heute die Basilica minor Sacré-Cœur de Montmartre („Basilika vom Heiligsten Herzen in Montmartre“) steht, die aber keinen Bezug zu ihm hat. Dionysius ist nicht nur Märtyrer sondern auch Cephalophore („Kopfträger“). Denn nach dem Märtyrertod richtete sich der Körper des heiligen Dionysius auf und trug seinen Kopf in den Armen bis zu der Stelle, wo er nun nach eigener Wahl und Gottes Vorsehung ruht (… corpus sancti Dionysii se erexit et caput suum inter brachia … deportavit a loco … ubi nunc sua electione et Dei providentia requiescit.). Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt und ist einer der vierzehn Nothelfer.


Die Pfarrkirche wurde 1846/1847 im Baustil des Klassizismus errichtet [5]. Es gab davor bereits eine Kirche, vor der keine Mauer oder Fundament mehr steht. Aus der Vorgängerkirche ist allerdings der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1668 (Weihe) zu sehen. Außen hat man eine Sakristei im Jahr 1970 angebaut – ich fand sie so schlimm, daß ich nicht einmal versucht habe, die Tür zu öffnen, denn dort hätte ich noch Kirchenfenster sehen können.



Kommen wir zu den Kirchenfenstern in der Kirche selbst. Die sind sehr schmucklos gehalten, bis eben auf die in der Sakristei, die man sich aber auf der Homepage der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. ansehen kann [6]. Dort sind St. Wendelin und St. Stephanus zu sehen. In der Kirche sind Statuen von St. Hubertus und St. Dionysius aufgestellt. Als Wandmalerei findet sich St. Hubertus auf der Außenwand der Sakristei und quer über den Platz ist St. Stephanus auf einer Hauswand in moderner Umgebung dargestellt (siehe Bild). Das erinnerte mich an Sardinien, wo ich ähnliche Wandmalereien gesehen hatte [7].



In der Kirche liegen Karten zur Erinnerung an kürzlich verstorbene Gemeindemitglieder aus („Laßt mich weiterleben in Eurer Erinnerung.“). Oder ein Bild mit Gebet und Vita von Papst Johannes XXIII., jetzt ein Heiligenbild. Oder Novenen „zum heiligen Judas Thaddäus in ganz aussichtslosen Anliegen“. Ich hoffe, daß dies noch lange gepflegt wird.

Gondenbrett hat knapp unter 500 Einwohner und liegt in der Schneifel. Die Schneifel liegt nordwestlich von Prüm. Der Name ist nicht aus Schnee und Eifel zusammengezogen, sondern kommt von einer alten Bezeichnung für Schneise [8]. Da es bis knapp unter 700 m hoch geht, darf man dort im Winter auch Schnee erwarten. St. Dionysius in Gondenbrett mit „dem prächtigen Hochaltar“ [9] sollte man sich nicht entgehen lassen.



Links und Anmerkungen:
[1] Kohl ist bei Thatchers zu Besuch und wird von ihrem Hund angesprungen und schreit: „Prüm! Prüm!“ Aber der Hund läßt nicht von ihm ab. Frau Thatcher ruft dem Hund zu: „Down!“ Und der Hund legt sich hin. Darauf Kohl: „Ich wußte doch, daß es irgendeine Stadt in der Eifel war.“ http://www.brandy-magazin.de/witze/kohl-bei-thatcher-zu-besuch.html
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/08/st-dionysius-in-keldenich.html  
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Dionysius_von_Paris
[4] Hl. Dionysius, Bischof und Märtyrer – hl. Nothelfer. 9. Oktober. Aus: Unsere Namenspatrone in Wort und Bild. Neuland-Bund Verlag Bösl KG, München 1965.
https://www.abebooks.com/Namenspatrone-Wort-Bild-Konvolut-bestehend-550/30997827426/bd
Dieses Konvolut besteht aus ca. 550 Leporellos in Kunststoff-Kassette und wird für über 200 US$ angeboten. Ich habe eine Kopie vorliegen. Noch lieber wäre mit ein hektographiertes Blatt gewesen; in diesem Zusammenhang ist die Schreibweise mit ph zwingend notwendig.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Dionysius_(Gondenbrett) und https://pfarreiengemeinschaft-pruem.de/index.php/pfarreiengemeinschaft/pfarreien/gondenbrett  
[6] http://www.glasmalerei-ev.net/pages/b8757/b8757.shtml  
[7] Aritzo https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/aritzo-and-san-michele-arcangelo.html , https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/masks-and-murals-in-mamoiada.html
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Schneifel
[9] So Pastor Robert Lürtzener, der frühere Dechant und Pastor von Prüm, der 2019 im Alter von 77 Jahren verstorben ist.


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Thursday, June 30, 2022

St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (Bam)

 



Die Kirche St. Chrysanthus und Daria, auch Stiftskirche genannt, hatte wie die ganze Stadtmitte von Bad Münstereifel gelitten [1], denn hier führt die Erft durch. Man kann an der Eingangstür ungefähr sehen, wie hoch das Wasser stand. Das Foto oben von St. Chrysanthus und Daria ist ca. sechs Jahre alt; ich habe es ausgesucht, nicht weil die Kirche von außen heute wesentlich anders aussähe, sondern weil damals keine Autos davor geparkt hatten.


Das  Hauptproblem besteht in der Heizungsanlage, die wie bei den meisten Kirchen unten ist. Es handelt sich um eine Warmluftheizung. Diese Form der Heizung ist sinnvoll, da warme Luft nach oben steigt und so auch die gesamte Kirche mit warmer Luft durchlüftet wird. Wichtig ist dies für die Orgel, damit Teile aus Leder oder anderen organischen Materialien nicht verschimmeln. Ich hatte extra nachgeschaut [2]; frühe Formen dieser Heizungsart finden sich bereits vor über 1000 Jahren. Der Wikipedia-Artikel listet u.a. folgende Vorteile: „Schnelle Aufheizzeit, Zumischen von Frischluft möglich, Umluft kann gefiltert werden“. Bei den Nachteilen findet sich „die relative Luftfeuchtigkeit kann stark sinken“ - darin sehe ich allerdings bei der Beheizung von Kirchen einen Vorteil. Aber es fehlt der Nachteil, daß bei Überschwemmung das Heizungssystem mit Wasser vollläuft, also absäuft. Und das ist bei St. Chrysanthus und Daria auch geschehen.

Die ehemalige Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria ist eine gut erhaltene romanische Basilika [3]. In der Regierungszeit von Lothar I. (795-855) [4] wurde von Prüm aus das Kloster in Bad Münstereifel gegründet, wohin Jahr 844 die Reliquien des römischen Märtyrerpaars Chrysanthus und Daria kamen. Die heutige Basilika stammt aus dem 11. Jahrhundert, mußte allerdings im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erheblich restauriert werden.  

Noch ein kurzer Exkurs zu den Märtyrern St. Chrysanthus und Daria: Chrysanthus bekehrte und heiratete die Vestalin Daria [5]. Der Legende nach wurde er gefoltert und sie in ein Bordell gezwungen (das allerdings ist unwahrscheinlich), schließlich sollen beide lebendig begraben worden sein. Sie starben am 25. Oktober, wobei man sich jedoch beim Jahr nicht sicher ist: 283 oder 284.

Die Fenster sind von Franz Pauli gestaltet worden. Leider war vor einigen Jahren meine Hauptkamera defekt, so daß ich keine passablen Bilder habe, aber dafür kann man sich die Bilder bei der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. ansehen [6]. Neben Ornamenten sind interessante wissenschaftliche Abbildungen zu sehen, im Kern sind das elektronenmikroskopische Darstellungen, z.B. Eisennitrid Fe4N in 120.000facher Vergrößerung. Franz Pauli wurde 1927 geboren und starb 1970 in Köln [7]. Der Wikipedia-Artikel berichtet über ein „umfangreiches, vielgestaltiges Werk“ mit Öl-Lackbildern, Druckgrafiken, Siebdrucken, dreidimensionalen Objekte und weiteren. Die Forschungsstelle hat über 100 Kirchen mit Glasmalereien von Franz Pauli aufgelistet. Der Wikipedia-Artikel hat wahrscheinlich noch mehr gelistet, auch im Ausland und in Profan-Bauten; hier müßte man viel Zeit zum Vergleichen investieren. Auf jeden Fall lohnt sich der Besuch der Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria.


Ich hatte diesmal nur einen kurzen Blick in die Kirche hinein werfen können, denn Georg Wessel wird in der Kirche unter dem Titel „Bam! ... danach“ Fotografien ausstellen [8]; er begann gerade mit den Arbieten dazu. Er hat Zerstörungen und Einsatz der Helferinnen und Helfer unmittelbar in den ersten Tagen nach der Katastrophe festgehalten. „Mein Sohn lebt in der Schoßpforte und ich hatte Todesangst um ihn“, sagte Wessel zu Thomas Schmitz, der noch mehr Einzelheiten im Kölner Stadt-Anzeiger zu berichten weiß [9]. Die Fotografien sind vom 04.07.2022, 16:00 Uhr, bis zum 17.07.2022 in der Stiftskirche zu besichtigen.

Für mich hat Bam noch eine ganz andere Bedeutung. Ich habe 2004 und 2018 den Iran besucht. 2004 mußte ich auf den Besuch verzichten, denn die Stadt Bam [10] war von einem Erdbeben zerstört worden. Schätzungsweise 40.000 Tote und 30.000 Verletzte. Insbesondere hatte die aus Lehmziegeln bestehenden Zitadelle Arg-é Bam [11], die nach dem Erdbeben zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, sehr gelitten, wurde aber schon zu großen Teilen wiederaufgebaut, wie ich 2018 sehen konnte. Man nimmt an, daß sie im 6.-4. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurde.
 
Bam - erneut, originalgetreu, neu



Links und Anmerkungen:
[1] Hier mehr zu Bad Münstereifel, fast ein Jahr nach der Flut: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/bad-munstereifel-fast-ein-jahr-nach-der.html. Übrigens öffnen die Geschäfte des City-Outlets wieder ab heute (30.06.2022), siehe dazu auch den WochenSpiegel (Schleiden): https://wi-paper.de/show/4b06a98dd83e/epaper S. 1
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Warmluftheizung
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Chrysanthus_und_Daria_(Bad_M%C3%BCnstereifel)
[4] Das Grab liegt in der Abtei Prüm. Ich bin übrigens nicht nach Lothar I. benannt, sondern nach meinen beiden Onkeln, die selbst nach Manfred und Lothar von Richthofen ihre Namen bekommen hatten.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Chrysanthus_und_Daria
[6] http://www.glasmalerei-ev.de/pages/b5413/b5413.shtml
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Pauli
[8] https://www.bad-muenstereifel.de/fileadmin/user_upload/aktuelles/Folder_Fest_Jahrestag_Flutkatastrophe.pdf
[9] https://www.ksta.de/region/euskirchen-eifel/bad-muenstereifel/gedenk--und-dankesfeier-bad-muenstereifel-stellt-plaene-fuer-jahrestag-der-flut-vor-39718052?cb=1656436481640&  
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Bam_(Iran)


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Thursday, December 16, 2021

Der merkwürdige Besuch In der Kirche St. Lambertus in Tondorf


Schon lange hatte ich geplant, mir die Pfarrkirche St. Lambertus in Tondorf anzuschauen, schon in der Zeit, als ich noch ein Haus in der Eifel suchte und eines in Tondorf angeboten wurde … mit 13 Parkplätzen. Nun daraus wurde damals nichts und ich hatte auch nicht die Zeit für St. Lambertus. Immer kam etwas dazwischen. Nicht so gestern.

 

Tondorf gehört zur Gemeinde Nettersheim und St. Lambertus gehört zur Gemeinschaft der Gemeinden Hl. Hermann-Josef Steinfeld [1]. Der Kirchturm ist weithin sichtbar. Aber kommen wir zunächst zu Tondorf. Tondorf wird bereits 898 erwähnt und man schließt aus dem Hinweis auf mehrere Kirchen, daß es damals bereits eine Pfarrkirche gab. 1510 ist diese (?) Kirche baufällig und 1580 wurde ein Neubau begonnen. „Im Jahre 1812 wurde die Kirche wieder durch einen Neubau ersetzt, der am 8. August 1833 geweiht wurde.“[2] Breite und Länge des Hallenbaus werde im Wikipedia-Artikel erwähnt, aber die Höhe des Turmes, die mich interessiert hätte, wird auch sonst nirgendwo (im Internet zugänglich) erwähnt. Interessant ist noch die Ausrichtung der Kirche: nicht nach Osten sondern nach Nordnordwesten [1], wobei Osten ungenau ist, denn Kirchen sind eher zum Sonnenaufgang ausgerichtet, das wäre hier Südosten [3]. Auch wenn das Ostungsprinzip im 15. Jahrhundert endete, bleibt es doch ungewöhnlich.



Ich schaute mir die Kirche von außen und insbesondere den schönen Turm an und betrat dann, schnell den Mund-Nase-Schutz übergezogen, den Vorraum im Turm. Dort kann man Kerzen bzw. Teelichter aufstellen; man stellt heutzutage Teelichter auf, denn die rußen weniger. Und dann ist die Zwischentür verschlossen. Wie ärgerlich! dachte ich. Dann machte ich durch die Glastür einige Fotos, die aber nichts wurden, außer daß sie ein Memento Pandemi ist, weil besonders gut läßt sich der Desinfektionsspender fotografieren. Ich versuchte etwas von der Glasmalerei zu erkennen, viel sah ich nicht und auch von außen betrachtet, dachte ich, nicht viel zu verpassen. Da irrte ich jedoch gewaltig.


Zu Hause rief ich die Seite  die Seite der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. (Leitung Dr. phil. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln) auf, und da wurde ich auch wieder einmal mehr fündig [4]. Die Halbkreis-Ornamente zeigen eine Art Mosaik und stammen etwa aus dem Jahr 1950. Gestaltet wurden sie von Maria Katzgrau (1912-1998). Sie war eine der ersten Frauen, die als selbständig Glasmalerinnen bedeutende Aufträge realisieren konnten [5]. Hingewiesen wurde auch auf die Darstellung der Schöpfungsgeschichte im Franziskushospital in Köln-Ehrenfeld (1959). Wer nun mehr über Maria Katzgrau wissen will, kann den Katalog der Ausstelung noch erwerben [6].


Beim Namenspatron handelt es um Lambert von Lüttich (ca. 635 bis ca. 705). Er „war Bischof von Tongern-Maastricht und Märtyrer.“ [7] Lambert stand im Streit mit der weltlichen Macht. Als der fränkische Hausmeier Ebroin 675 an die Macht gelangte, setzte er Lambert als Bischof ab und verbannte ihn in das Kloster Stablo, der dort bis zu Tode Ebroins im Jahr 682 verblieb. Bischof Lambert verteidigte konsequent die Immunitätsrechte der Kirche gegenüber der Staatsgewalt, so daß es mich beim Lesen gewundert hat, daß man ihn „erst“ etwa 705 erschlagen hat.


Alles in allem eine interessante Kirche, von der ich hoffe, doch einmal das Innere sehen zu dürfen.

Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Lambertus_(Tondorf)
[2] Im Wikipedia-Artikel [1] mit Hinweis auf die Quelle: Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. Geschichte – Bauart – Ausstattung. Kall 2004, S. 138.
[3] Der Fachbegriff ist Ostung, verwandt mit Orientierung. https://de.wikipedia.org/wiki/Ostung
[4] http://www.glasmalerei-ev.net/pages/b2897/b2897.shtml
[5] Maria Katzgrau. Eine Retrospektive. Glasmalereien, Gemälde, Skulpturen, Entwurfkartons und Zeichnungen. 18. Oktober 2008 - 1. März 2009. https://www.glasmalerei-museum.de/ausstellungen/sonderausstellungen/maria-katzgrau-eine-retrospektive  
[6] Myriam Wierschowski (Hrsg.), mit Texten von Maria Engels, Adam C. Oellers, Dirk Tölke Myriam Wierschowski und Zeitzeugen. Maria Katzgrau. Katalog zur Ausstellung im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich vom 18. Oktober 2008 – 1. März 2009. Linnich 2008. ISBN 978-3-9810046-4-9
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Lambert_von_L%C3%BCttich

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