Friday, October 9, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 09.10.2026

 



der Weberknecht an der Steinwand
beschreibt
die morgen verpfändete Stille.
Manfred Peter Hein [1]


Harz 
    hinter dem 
Knorrigen 
Baum 
Der 
Einsam 
Steht 
Ein 
Kahles 
Feld 
GenauSo 
Einsam 
Und daHinter 
    Schwanken 
Die Berge 

Wind 
    laß den 
Wind 
ZuNächst 
Dein
Haar 
ZerZausen 
BeVor 
Er sich 
    Den 
Büschen zuWendet  

Lieder
Immer leiser hauchen wir 
Unsere melancholischen Lieder 
In die Abendbrise 
Die vom Meer herWeht 
Die schiffBrüchigen Wolken 
Lassen sich vom Wind mitNehmen 
Wohin auch unsere Lieder verWehen   

VorMittag 
    zwischen einer 
RegenSchauer
Dem 
Wind 
Und 
Treibenden 
HerbstBlättern 
EntWickelt 
Sich 
Der VorMittag -:
    Kriecht 
Leidend herum
   
Bücher 
Als sie wieder begannen
Bücher zu verBrennen
Hilflos, wie wir waren
BeGruben wir die Bücher
Besser still verModern 
Als auf dem ScheiterHaufen 
Bei GeJohle zu verBrennen 

Fallen 
    alles fällt 
Die 
Perseiden 
Im 
Sommer 
Die 
Blätter 
Im 
Herbst 
Und 
Manchmal 
Auch die 
    Eltern 
Im Alter


Verdacht
Das Gras ist welk geworden 
Die Bücher haben StockFlecken 
Und ich habe keinen Spiegel mehr 
Ach ja -: so ist es auch gut

WeinKönigin
Schluck um Schluck
Alle prosten mir zu
Denn ich bin WeinKönigin
Es ist zum Weinen
Mir brummt der Schädel
Denn ich bin WeinKönigin [2] 

VorHölle 
    kurz vor 
Der 
Hölle 
Ist 
Die 
Hoffnung 
Nass 
Von 
Tränen
Aber 
Da trocknet 
    Sie 
Auch wieder 




Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Manfred Peter Hein [1a]: Kulisse. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 10. Jahrgang 1963. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 293. 
[1a] Manfred Peter Hein (1931-2025) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer, der ab 1958 in Finnland lebte [1aa]. Ich lernte ihn über die Anthologie „Auf der Karte Europas ein Fleck“ [1ab] kennen.
[1aa] https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Peter_Hein 
[1ab] Manfred Peter Hein: Auf der Karte Europas ein Fleck. Gedichte der osteuropäischen Avantgarde. Ammann Verlag, Zürich 1991. ISBN: 3-250-10116-8
[2] Das Gedicht kann, ja darf ich nicht jemandem widmen. 

.
 


No comments:

Post a Comment