Tuesday, March 5, 2013

Irrtümer zur Lyme-Borreliose



Gerade lese ich in Rahmen einer großen Kampagne der amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) zur Borreliose: „Do not test for Lyme disease as a cause of musculoskeletal symptoms without an exposure history and appropriate exam findings.“ Und dann erreicht mich noch der Artikel von Halperin JJ et al. : “Common Misconceptions About Lyme Disease”.
In der Rheumatologie werden uns häufig Patienten vorgestellt, bei denen überflüssigerweise auf Borreliose getestet wurde. Gelenkschmerzen allein sind kein hinreichender Grund für eine Testung auf Borrelien, denn nur etwa 3% der Fälle zeigen eine Arthritis. Andererseits gibt es genügend Berichte, dass man den Test unterlassen hat oder gar nicht an eine Borreliose gedacht hat, als dies notwendig war.

Welche Teste sollte man einsetzen?
Das spezifische Immunglobulin M (IgM) ist nur in der Frühphase sinnvoll. Vielfach wird es positiv getestet bei Menschen ohne Borreliose, weil es nach langer Erkrankung aus Hilflosigkeit bestimmt wurde; es handelt sich dabei um fast immer um eine falsch positive Bestimmung. Bei längerem Verlauf ist das spezifische IgG (Immunglobulin G) positiv. Das tritt allerdings erst nach einigen Wochen auf, so dass man es nach Zeckenstich einige Wochen nach der Erstbestimmung wiederholt bestimmen lassen muss. Man kann auch Gelenkflüssigkeit von einem entzündeten Gelenk auf Borrelien untersuchen (PCR).

Was ist mit Antikörpern, die nach Antibiotikatherapie bestehen bleiben?
Fälschlicherweise wird angenommen, dass ein Fortbestehen der Antikörper ein Therapieversagen anzeigen würde. Nein, das Fortbestehen ist natürlich, denn es ist der Schutz des Körpers gegen eine erneute Infektion. Nach einer Infektion werden Antikörper zum Schutz gebildet; das geschieht auch nach einer Impfung. Eine Antibiotikatherapie hat überhaupt keinen Einfluss darauf.
Die Richtigkeit der Diagnose wird übrigens bei negativer Serologie nicht etwa durch eine Besserung nach Antibiotikatherapie bewiesen.

Wann soll man testen?
Man sollte testen, wenn man Hinweise auf eine Infektion hat. Beim Erythema migrans kann man zwar auf den Test verzichten, weil es so typisch für die Borreliose ist, ich persönlich würde der Vollständigkeit halber aber testen. Bei der Oligoarthritis oder Lähmung des Gesichtsnervs oder Wurzelreizsymptome ohne mechanische Ursache ist der Test auf Borrelien-Antikörper notwendig. Die Diagnosestellung bei unspezifischen Symptomen, dazu gehören Kopfschmerzen, Fatigue oder kognitive Probleme, ist untragbar.

Wie lange soll man behandeln?
Es bestehen Empfehlungen für die verschiedenen Befallsmuster der Borreliose (Haut, Nervensystem, Gelenke) und zwar für die Wahl des Präparates wie auch Dosierung und Dauer der Therapie. Nach der ersten Antibiotikatherapie ist nur selten eine Nachbehandlung notwendig. Ein zusätzlicher Nutzen konnte in kontrollierten Studien nicht belegt werden.

PS. Dies spiegelt, hoffentlich allgemein verständlich, den wissenschaftlichen Stand zur Borreliose in der Rheumatologie bzw. zu unsinnigen Untersuchungen wider. Es handelt sich nicht um ein Forum, in dem Krankengeschichten oder Einwände der Glaubensmedizin erwünscht wären.



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